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Das illustrierte Kind

von Graceland
GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Anna Milton Castiel Charlie Bradbury Dean Winchester Gabriel/Trickster Sam Winchester
30.06.2021
22.10.2021
60
109.775
23
Alle Kapitel
291 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
14.10.2021 1.602
 
54. Seelenverwandte

A soulmate is someone you carry with you forever.
It’s one person who knew you, accepted you and believed in you
before anyone else did or when no one else would.
And no matter what happens, you’ll always love them.
Nothing will ever change that.


Ich wusste, dass ich es nicht mehr vor mir herschieben sollte. Ich musste mit Sam sprechen, bevor die Gerüchte sich verbreiteten und er am Ende mich darauf ansprach, ob sie wahr waren. Doch der Gedanke war so viel einfacher als die tatsächliche Umsetzung.
Mein Bruder war ein offener und herzensguter Mensch. Ich wusste, dass er mich nicht verurteilen würde. Niemand in meiner Familie würde das. Das hatte meine Mutter mir deutlich gemacht. Trotzdem hatte ich Angst, wie er reagieren würde.
Am Anfang des Schuljahres hatte ich ihm noch gesagt, er solle sich von Castiel fernhalten. Zwar war das schon lange her und Sam verbrachte ungefähr genauso viel Zeit mit Gabriel, wie ich mit Cas. Die kleine Stimme in meinem Kopf, die mir sagte, dass er mich dafür hassen würde, blieb jedoch. Egal, wie lange ich mir einredete, dass alles gut werden würde.
Es war mir wichtig, mit Sam zu reden, bevor ich mir überlegte, wie ich jetzt weitermachen würde. Und ich würde mir etwas überlegen, denn ich konnte nicht mehr ignorieren was zwischen uns war. Cas war nach unserem Gespräch den gesamten nächsten Schultag wie die Grinsekatze von Alice im Wunderland herumgelaufen. Es machte mir Hoffnung, dass meine Situation nicht völlig ausweglos war. Natürlich machte mich der Dämon in meinem Kopf darauf aufmerksam, dass auch nach der Schule etwas hätte passieren können, dass Castiel so gute Laune bereitete. Doch selbst die böse Stimme hatte nicht verhindert, dass mir bei dem Anblick seines Lächelns jedes Mal warm in der Brust wurde.
Es würde noch eine ganze Weile dauern, bis ich bereit wäre, es allen zu sagen, doch mein kleiner Bruder hatte die Wahrheit verdient. Egal, ob etwas daraus werden würde oder nicht. Sam war der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn tun sollte. Wie ich es überstehen sollte, wenn er mich nicht so akzeptiere, wie ich war.
Es war Zeit sich dieser Angst zu stellen.
Ich brauchte meine Mom nicht zu überreden, dass ich Sam abholen durfte. Er war nach der Schule direkt mit zu Jess gegangen und die halbstündige Fahrt war der perfekte Moment für ein Gespräch. Ich fühlte mich immer wohler, wenn ich mit Baby unterwegs war, als wenn ich einfach in meinem oder seinem Zimmer saß. Während der Fahrt konnten wir nicht gestört werden und ich könnte jederzeit das Gaspedal durchdrehten und abhauen, wenn es nicht so lief, wie ich mir erhoffte. Losfahren und nie mehr wiederkommen war eine bessere Zukunft, als nur einen Tag Verachtung und Spott in den Augen meines kleinen Bruders zu sehen.
Ich hatte es mir fest vorgenommen und trotzdem bekam ich kein Wort heraus, als er schließlich neben mir saß. Wenn er merkte, dass etwas nicht stimmte, zeigte er es nicht. Stattdessen erzählte er von seinem Tag, schimpfte über die Schule, schwärme von Jess, sodass ich die gesamte Fahrt über nur seiner Stimme lauschte und dabei versuchte, mein rasendes Herz zu beruhigen. Wir fuhren in unsere Einfahrt und ich stellte den Motor ab, lange bevor ich bereit dafür war. So viel zu dem Plan, dachte ich, enttäuscht von mir selbst.
Doch anstatt auszusteigen und zur Haustür zu gehen, drehte Sam sich zu mir herum. Hatte er es also doch gemerkt und nur darauf gewartet, dass ich ihn in seinem Redefluss unterbrach?
„Okay, Dean, was ist los? Du windest dich auf deinem Sitz, als würdest du auf einem Ameisenhaufen sitzen und nicht im Impala.“
Das war eine passende Metapher, auch wenn er definitiv übertrieb. Ich war gut darin, meine Gefühle und Gedanken zu verbergen.
„Ich wollte mit dir reden“, flüsterte ich.
Es hatte keinen Sinn gemacht, mir Worte zu überlegen, war mir klar gewesen war, dass ich sie in diesem Moment wieder vergessen würde. Außerdem war ich nicht der Typ für geübte Monologe, ich nahm die Momente lieber, wie sie mir zugeflogen kamen.
„Ich höre zu.“ Sam schenkte mir ein warmes Lächeln. „Was macht dir solche Angst, dass du es mir nicht sagen kannst?“
Er musste unbedingt aufhören, mich zu lesen wie ein offenes Buch. Das stärkte nur die Zweifel in mir.
Ich seufzte. „Ich will nicht, dass du mich hasst.“
„Du bist mein Bruder, Dean. Was es auch ist, ich komm damit klar“, versicherte er mir.
„Du hast Recht.“
„Natürlich hab ich Recht.“ Sam grinste. „Willst du nochmal um den Block fahren?“
„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, es geht schon.“
„Okay.“
Er drehte sich noch ein bisschen weiter zu mir, um zu zeigen, dass ich seine gesamte Aufmerksamkeit hatte. Ich würde es nicht überleben, wenn diese großen, unschuldigen Hundeaugen mich jemals mit einem anderen Gefühl ansahen als Liebe. Ich brauchte meinen kleinen Bruder. Ich wollte es nicht zugeben, aber ich brauchte ihn wahrscheinlich mehr, als er mich brauchte. Ich war nichts ohne ihn.
„Es gab wirklich einen Grund, wieso ich mich plötzlich so verändert hab.“
Es war vermutlich nicht der beste Start, aber ich wusste nicht, wie ich sonst anfangen sollte. Die ganze Sache war so … kompliziert.
„Es lag nicht daran, dass ich Cassie wiedergesehen hab. Nicht direkt jedenfalls.“ Ich seufzte. „Ich hab es mir lange nicht eingestanden. Ich hab versucht, davor wegzulaufen, aber das hat nicht funktioniert.“
Sam unterbrach mich nicht, stellte keine Fragen. Er hörte mir einfach zu, sah mich dabei die ganze Zeit an, aber drängte nicht, wenn er spürte, dass ich eine Pause brauchte, um die richtigen Worte zu finden. Wenn ich an seiner Stelle wäre, hätte ich ihn schon drei Mal aufgefordert, endlich mit der Sprache rauszurücken. Aber er war nicht so ungeduldig wie ich. Er war verständnisvoll und mitfühlend.
„Ich hab Gefühle für jemanden entwickelt, von denen ich dachte, dass sie falsch wären.“
Gott, verdammt, Winchester, fluchte ich in meinem Kopf, komm auf den Punkt!
Ich holte tief Luft. „Ich bin verliebt in Cas und ich hab keine Ahnung, was ich jetzt machen soll.“
Damit ich Sams Reaktion nicht sehen musste, wandte ich den Blick ab und kniff die Augen zusammen. Das war’s. Es war das erste Mal, dass ich es ausgesprochen hatte, anstatt es nur zu denken. Es fühlte sich nicht an, als hätte mir jemand eine Last von den Schultern genommen – eher im Gegenteil. Denn Worte konnte man nicht mehr zurücknehmen. Jetzt war es nicht mehr nur in meinem Kopf und das bedeutete, ich konnte verletzt werden.
„Dean?“
Ein kleiner Teil von mir hatte gehofft, er würde einfach aussteigen, doch das würde mein Bruder niemals tun. Er war eher der Typ, der alles ausdiskutieren musste. Jedoch wollte er das offenbar nicht, solange ich ihm dabei nicht in die Augen sah, also drehte ich seufzend den Kopf.
Sam lächelte, sagte jedoch  nichts. Stattdessen beugte er sich vor und schlang die Arme um meinen Hals. Es war ein wenig seltsam, wenn man bedachte, dass wir immer noch im Auto saßen, doch diese Umarmung bedeutete mir so viel.
„Ich hab dich lieb“, flüsterte Sam, als er das Gesicht an meiner Schulter vergrub.
Ich schloss einen Moment die Augen – ich würde jetzt ganz sicher nicht weinen.
„Es ist okay.“
Er sagte es, als wüsste er, dass es genau das war, was ich hören musste. Ich hatte mir so lange eingeredet, dass es nicht okay war, dass es falsch war. Aber das war nur meine eigene Angst gewesen.
„Danke, Sammy.“
Mit einem Grinsen löste mein kleiner Bruder sich wieder von mir. „Ich bin überrascht, aber irgendwie auch nicht.“
Ich schnaubte augenverdrehend. So etwas konnte nur er sagen.
„Ich meine, ich hab gemerkt, dass dich etwas beschäftigt. Wie du dich verhalten hast, es war offensichtlich, dass du vor etwas Angst hast. Aber du warst wirklich gut darin, zu verbergen, was es war.“ Er zuckte die Achseln und seufzte. „Ich hatte gehofft, dass du es mir irgendwann sagen kannst.“
„Ich hatte einige Schwierigkeiten, es zu akzeptieren“, gab ich zu. „Cas hat alles auf den Kopf gestellt.“
„Ich mag ihn.“ Sam lächelte. „Was hast du jetzt vor?“
„Ehrlich? Ich hab keine Ahnung. Er ist … ein seltsamer Kerl. Aber er geht mir nicht mehr aus dem Kopf.“
„Du bedeutest ihm viel, das kann man sehen. Vielleicht solltest du es ihm einfach sagen.“ Sam öffnete die Autotür. Als er jedoch merkte, dass ich mich nicht bewegte, drehte er sich nochmal zu mir. „Kommst du?“
Ich schüttelte den Kopf. Das Gespräch war so viel besser gelaufen, als ich gehofft hatte. Trotzdem fühlte ich mich noch nicht bereit, ins Haus zu gehen.
„Ich brauch noch einen Moment.“
Sam nickte verstehend. „Okay.“
Er schloss die Tür und winkte mir, wie der Nerd, der er war, bevor er im Haus verschwand. Ich schüttelte grinsend den Kopf, bevor ich Babys Motor wieder startete und rückwärts aus der Einfahrt fuhr.
Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass Sam wütend auf mich wäre. Höchstens, dass er es nicht verstehen würde. Dass er mich stattdessen fragte, wie ich jetzt vorgehen wollte, hatte ich jedenfalls nicht erwartet.
Ich schloss einen winzigen Moment die Augen, spürte das Lenkrad und die Abendluft auf meinem Gesicht, als ich das Fenster runterließ, bevor ich mich auf die Straße konzentrierte und Gas gab.
Gerade wusste ich nicht mal mehr, warum ich mich überhaupt gefürchtet hatte. Es gab nichts auf dieser Welt, was meinen Bruder und mich trennen konnte.

*

Guten Morgen,

mal wieder ein Brüder-Gespräch für euch.
Ich weiß, ihr wolltet mit dem Cliffhanger weitermachen. Bitte seid mir nicht böse, da machen wir morgen auf jeden Fall weiter, versprochen!

LG eure Grace
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