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Das illustrierte Kind

von Graceland
GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Anna Milton Castiel Charlie Bradbury Dean Winchester Gabriel/Trickster Sam Winchester
30.06.2021
17.09.2021
34
57.504
20
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
9 Reviews
 
15.09.2021 1.318
 
33. Fünf Phasen der Liebe: Zorn

Gabriel

I used to wear love like an army
I used to know nothing could harm me
Now fear got up all in my head, I'm all in my head
And I made a mess, I confess, I'm ashamed.


Es war Ruhe eingekehrt über die Weihnachtszeit. Keine Schule, keine besonderen Ereignisse. Die Menschen zogen sich zurück, um die Feiertage mit ihren Familien zu verbringen. Der Schnee legte einen angenehmen Schleier über die ganze Stadt.
So machte es jedenfalls den Anschein.
Als Gabriel nach Hause kam, hörte er seinen Vater im Wohnzimmer, oder eher den Fernseher und leises Schnarchen. Nachdem sein neuestes Buch kurz vor Weihnachten veröffentlich worden war, gönnte er sich endlich etwas Ruhe. Seine Stiefmutter war mit Freundinnen für einen Frauen-Wellness-Tag nach Houston gefahren. Anna saß mit einer Wolldecke und einem Buch im Wintergarten und grüßte ihn nur mit einem Lächeln.
Er rief mehrmals nach Castiel, doch bekam keine Antwort. Sein großer Bruder müsste eigentlich auch hier sein. Er hatte seit dem ersten Tag der Ferien das Haus nur verlassen, wenn er unbedingt musste.
Ohne lange nachzudenken, verließ Gabriel die Küche wieder, durchquerte den Flur und öffnete die schmale Tür, welche die Kellertreppe freigab. Er suchte inzwischen immer zuerst im Keller und wurde dort auch eigentlich immer fündig.
Ihr Vater hatte im Herbst den hauseigenen Fitnessraum renovieren lassen, den  er selbst eigentlich nie benutzte. Castiel hatte ihn überredet, einen Boxsack aufzuhängen. Seine Therapeutin hätte angedeutet, dass es gut für ihn wäre, um seine Wut und sein Temperament unter Kontrolle zu bekommen und so weniger Ärger in der Schule zu machen. Gabriel war sich ziemlich sicher, dass eine Frau wie Missouri Moseley so etwas niemals sagen würde, aber es hatte funktioniert.
„Castiel?“, fragte Gabriel, mehr um sich bemerkbar zu machen, als zu überprüfen, ob sein großer Bruder da war. Er konnte schon den dumpfen Geräuschen und den keuchenden Atemzügen entnehmen, dass er Castiel gefunden hatte.
Der Schwarzhaarige schlug immer wieder auf den schwarzen Sandsack ein; ohne Handschuhe, nur dünne Bandagen schützten seine Hände – bereits durchgeblutet. Castiel hatte seine Umgebung vollkommen ausgeblendet. Gabriel hasste es, ihn so zu sehen. Es passierte immer öfter in letzter Zeit.
Einen Moment betrachtete er den Älteren stumm, bevor er weitere Male in geringer Lautstärke seinen Namen sagte. Er konnte sich ihm in diesem Zustand nicht nähern, wenn er nicht eine der Fäuste im Gesicht oder anderen Stellen haben wollte. Diesen Fehler hatte er nur einmal gemacht.
Erst, als Castiels Schläge schwächer wurden, bis der Junge keuchend die Stirn gegen den Boxsack lehnte, traute Gabriel sich, näher zu kommen. Mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen, als würde er sich einem verletzten Tier nähern. Die Situation war ähnlich.
Castiel fixierte ihn im Augenwinkel, reagierte aber kaum, als sein kleiner Bruder seine Handgelenke nahm und ihn in das anliegende, kleine Bad führte. Es befand sich nur eine Dusche und ein Waschbecken darin – der Wunsch seiner Stiefmutter, damit die Jungs nach dem Training nicht komplett verschwitzt durchs ganze Haus rannten.
Castiel ließ sich auf den Hocker neben dem Waschbecken fallen und starrte stur vor sich hin, mit den Gedanken immer noch ganz weit weg, während Gabe ihm vorsichtig die ursprünglich weißen Bandagen abnahm und das Blut von seinen Fingerknöcheln wusch, bevor er die Wunden versorgte. Keiner von beiden sagte ein Wort.
Als Gabriel ihn das erste Mal hier unten gefunden hatte, hatte er Castiel mit Fragen gelöchert. Es hatte ihn überrascht, den älteren Bruder so zu sehen, seine Selbstkontrolle völlig verloren. Das einzige Mal, dass er ihn vorher so gesehen hatte, war in dem Kampf mit Asmodeus in der ersten Schulwoche. Vermutlich hatte er auch so ausgesehen, als er sich den Zwillingen in der Verteidigung seiner Schwester gestellt hatte. Gabriel war dankbar, dass er nichts davon mitbekommen hatte, bis Castiel mit einer völlig verstörten Anna auf dem Arm nach Hause gekommen war, ein Streifenwagen als Eskorte. Keiner in diesem Haus hatte den Vorfall richtig verarbeitet. Castiels Art, damit umzugehen, war offenbar der Boxsack – fehlte nur noch, dass er ein Bild der Zwillinge darauf klebte.
Den Versuch, Antworten von Castiel zu bekommen, wieso er sich so benahm, hatte Gabriel jedoch schnell aufgegeben. Castiel brauchte das Schweigen und Gabriel tat alles, damit es ihm wieder besser ging. Es war inzwischen eine gewisse Routine, auf die der Blonde gut und gerne verzichten könnte.
Sobald er die Wunden gesäubert hatte, verließ er das Bad, damit Castiel sich duschen konnte. Lange dauerte es er nie. Nicht, wenn sie hier unten im Keller waren. Gabriel machte in der Zwischenzeit ein paar Sandwiches, da er sich sicher war, dass der Schwarzhaarige ebenfalls noch nicht zu Abend gegessen hatte, und brachte diese nach oben. Castiel saß bereits auf seinem Bett, als er das Zimmer betrat. Die Haare nur handtuchtrocken, der Blick auf den Boden gerichtet.
Während Gabriel leise Musik anschaltete, rutschte Cas weiter aufs Bett und lehnte sich an die Wand. Gabriel setzte sich zu ihm und hielt ihm den Teller mit den Sandwiches hin. Heute dauerte es eine Weile, bis Castiel eines griff und winzige Bisse nahm, das Brot haltend wie ein Eichhörnchen seine Nuss. Gabe beobachtete ihn, ebenfalls still essend, obwohl ihm der Appetit vergangen war.
Er nutzte die Stille, um seinen eigenen Gedanken nachzuhängen, kam erst ins Hier und Jetzt zurück, als Castiel sich neben ihm bewegte. Den Teller hatte er in Gabriels Geistesabwesenheit geleert.
„Ich mach mir Sorgen um dich.“ Gabriel seufzte. „So hast du dich noch nie benommen.“
Castiel zuckte die Achseln. „Es geht mir gut.“
Er schüttelte den Kopf. „Nein, geht es dir nicht. Ich bin nicht blöd. Cas.“
„Das verstehst du nicht.“
Der Ältere zog die Knie an die Brust und schlang die Arme darum.
„Dann erklär es mir.“ Gabriel seufzte. „Ich hab versprochen, dich nicht danach zu fragen. Ich hab nicht vor dieses Versprechen zu brechen. Aber es hat damit zu tun, oder?“
Es war die wichtigste Regel gewesen, als Castiel und seine Mutter bei ihnen untergekommen waren. Dass niemand sie danach fragte, was passiert war. Warum sie in einer Nacht und Nebel Aktion aus Kalifornien abgehauen und Unterschlupf in Lawrence gesucht hatten.
Gabriel erinnerte sich an die Nacht. Er hatte noch spät fern gesehen, weil Ferien waren. Chuck hatte unten telefoniert und dann war er plötzlich aus der Haustür gestürmt und eine Stunde später mit zwei Fremden zurückgekommen.
Fremde waren zu Familie geworden und Gabriel hatte nicht eine einzige Frage gestellt.
Castiel blickte ihn mit Tränen in den Augen an. Es war Gabriel Antwort genug. Was auch immer geschehen war, es verfolgte seinen Bruder noch heute. Gerade, als alles besser geworden war. Gerade, als Gabriel geglaubt hatte, es würde bergauf gehen. Keine Schlägereien mehr, kein Schule schwänzen mehr.
Castiel seufzte. „Das hier …“ Er hob seine verletzten Hände. „Es hilft.“
Gabriel verstand. „Es verdrängt den eigentlichen Schmerz.“
Castiel nickte. „Ich hab es verdient.“
„Wegen Anna?“
„Wegen Dean.“

*

Hallo meine fleißigen Leser,

heute gibt es zwar nur ein kurzes Kapitel, aber ich mag es trotzdem total gern. Es tat weh beim Schreiben, aber ist trotzdem irgendwie ... schön. Versteht ihr was ich meine? Wie findet ihr es?

Und noch eine ganz andere Frage
Achtung Spoiler!
Wer nicht wissen will, ob es gut oder böse für die beiden ausgeht, sollte jetzt nicht weiterlesen.
Es werden keine Details verraten!
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Ich weiß gerade nicht so ganz, wie ich weitermachen soll und hätte dazu gerne eure Meinung.
Inzwischen bin ich ziemlich weit, was die Kapitel angeht.
Findet ihr es besser, wenn die Geschichte damit endet, dass die beiden zusammen kommen?
Also seid ihr zufrieden, wenn ihr nach dem ganzen Hin und Her ein Happy End kriegt und euch den Rest denken könnt?
Oder möchtet ihr auch noch wissen, wie es danach weitergeht?
Ich hätte ein paar kleine Ideen, aber das sind bisher nur Szenen, keine Kapitel, deswegen frage ich nach eurer Meinung.
Also wenn ihr gerne darüber hinaus lesen wollt und selbst ein paar Wünsche habt, schreibt mir die gerne!
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