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Rivalität mit Folgen

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Kageyama Tobio Kuroo Tetsurou
29.06.2021
04.12.2021
169
510.891
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25.11.2021 3.584
 
Es wäre eine dreiste Lüge, zu sagen, dass Tobio nicht aufgeregt war. Er würde heute auf eine neue Schule gehen, in eine neue Klasse kommen und sich einem neuen Volleyballteam anschließen. Das hieße, er würde heute eine Menge neue Leute kennenlernen.

„Bist du aufgeregt?“, fragte Kuroo schlaftrunken. Das wilde Klopfen von Tobios Herz an seiner Brust hatte ihn aus dem Schlaf geholt. Unglaublich. Nie hatte er es für möglich gehalten, von so etwas wach werden zu können. Er drückte den Jungen fest an sich.

Gestern Abend hatte Tobio nicht die Spur von Unruhe in sich gehabt, doch jetzt, da ihn nur noch wenige Stunden von seinem neuen Schulleben trennten, spürte er sehr wohl Aufregung in sich aufsteigen. „Ein bisschen.“

„Denk dran. Lev ist in deiner Klasse. Er wird gut auf dich Acht geben. Und in den Pausen komme ich dich besuchen.“

„Okay“, sagte Tobio und schmiegte sich eng an seinen Freund, um ausreichend Kraft für den bevorstehenden Tag zu sammeln.

Als der Wecker sein ohrenbetäubendes Gekreische durch den Raum schickte, schälten sich die zwei Jungs aus dem Bett. Gemeinsam gingen sie ins Badezimmer und unterzogen ihre Körper der täglichen Morgenroutine. Zurück in Tetsurous Zimmer, klaubte sich Tobio seine Uniform von der Karasuno-Oberschule aus dem Schrank. Mit geübten Bewegungen zog er erst das Hemd, dann die Hose und die Jacke an. Er betrachtete sich kurz im Spiegel. Alles sah vernünftig aus. Gerade, als er den Blick abwenden wollte, entdeckte er Tetsurou in der Spiegelung. Ein Ruck ging durch seinen Körper. Er hatte Kuroo noch nie in dessen Schuluniform gesehen. Mit klopfendem Herzen dreht er sich um.

Kuroo leckte sich verheißungsvoll über die Lippen. „Du siehst verdammt heiß aus in der Schuluniform.“

Nach diesen Worten hätte es Tobio nicht gewundert, wenn ihm das Herz aus der Brust gesprungen wäre. Doch noch viel aufwühlender als Kuroos Kompliment war der Anblick des Kapitäns selbst. Tetsurou hatte offenbar keine Ahnung davon, dass dieser in der Schuluniform ebenfalls verdammt heiß aussah! „D-Du auch“, gab er das Kompliment zurück, ohne seine Augen von der stattlichen Erscheinung seines Freundes abwenden zu können.

Tetsurou trat an Tobio heran und zog ihn an sich. „Heute Abend gehörst du mir“, raunte er dem Jungen ins Ohr.

Schlagartig wurde Tobios Mund staubtrocken. „Okay“, hauchte er. Wieso musste Tetsurou schon am frühen Morgen solche Versprechen machen? Wie sollte er sich da bitte auf den Tag konzentrieren, wenn seine Gedanken nur um den gemeinsamen Abend kreisten?

„Brav“, sagte Kuroo und legte eine Hand an Tobios Wange, küsste ihn zur Belohnung. „Wir sollten jetzt runter gehen“, fügte er hinzu, nachdem sie sich voneinander getrennt hatten.

„Okay.“ Mehr brachte Tobio nicht heraus. Also folgte er einfach dem Kapitän artig nach unten.

„Oh, guten Morgen, ihr Lieben. Habt ihr gut geschlafen?“, erkundigte sich Atsuka, als die zwei Schwarzhaarigen in die Küche traten.

Tobio nickte. „Ja, haben wir“, antwortete Tetsurou für sie beide und setzte sich an den Tisch, auf welchen Atsuka schon ihr Frühstück gestellt hatte. Auch an ein Glas Milch für Tobio hatte sie gedacht.

„Das freut mich“, sagte Atsuka und stellte ihrem Enkelsohn eine Tasse Kaffee vor die Nase.

„Danke, Oma.“

„Gerne. Und Tobio, bist du dolle aufgeregt?“, fragte sie.

„Ja, ein bisschen.“ Puh, das war vielleicht eine Untertreibung, dachte sich Tobio. Dabei konnte er noch nicht einmal verstehen, weshalb genau er so aufgeregt war. Normalerweise war es ihm nicht so wichtig, was andere Leute von ihm dachten. Wieso hatte er also so viel Angst davor, sich den neuen Schülern zu stellen? Etwa, weil es die Schule seines Freundes war und er dort einen guten Eindruck machen wollten? Er schmulte zu Tetsurou rüber. Wieder einmal konnte er nicht begreifen, wie verdammt gutaussehend sein Freund war. Sein Freund. Sein Freund. Er spürte stolz in sich aufsteigen. Ja, er wollte definitiv für Tetsurou heute eine gute Figur in der Schule machen. Mögen die Götter ihm beistehen!

„Das kann ich mir gut vorstellen. Aber du wirst sehen, alle werden dich freundlich und offen willkommen heißen. Und mit Lev, mit dem du in einer Klasse bist, kennst du immerhin schon eine Person aus deiner neuen Klasse“, versuchte Atsuka den Jungen aufzubauen.

„Ja“, sagte Tobio und versuchte sich an einem leichten Lächeln. Es glückte eher schlecht als recht. Wie gut, dass er wenigstens in den nächsten Minuten, in denen er sich mit seinem Frühstück beschäftigte, ein bisschen auf andere Gedanken kam. Doch bereits in dem Moment, als sie aufstanden, war seine Aufregung wieder da.

„Hier, eure Lunchboxen“, sagte Atsuka und reichte Kuroo diese.

Tobios Augen wurden groß. Er liebte Atsukas Lunchboxen! Und die Krönung von allem: es war das erste Mal, dass er eine Lunchbox für die Schule bekam. Fürs Volleyballtraining hatte er schon so einige von Kuroos Oma bekommen, doch noch nie für einen ganz normalen Schultag. „D-Danke.“

„Aber gerne. Und nun hopp, Zähne putzen und dann ab mit euch zum Bus“, wies Atsuka die zwei Jungs an.

Tetsurou lachte. „Wir sind doch keine kleinen Kinder mehr, Oma“, sagte er amüsiert, als er die Aufforderung seiner Oma zum Zähneputzen hörte.

„Für mich werdet ihr immer Kinder sein“, konterte Atsuka und räumte, ohne ein weiteres Wort, den Tisch ab.

Tetsurou schüttelte lächelnd mit dem Kopf. Er nahm sich noch zwei Wasserflaschen aus dem Vorratsschrank und folgte dem Setter anschließend nach oben. Sie verstauten Essen und Trinken in ihren Taschen und begaben sich anschließend für das ordnungsgemäße Zähneputzen ins Badezimmer.

Und dann war es so weit.

Mit klopfendem Herzen folgte Tobio seinem Freund nach unten in den Flur, wo sie sich Schuhe anzogen und eine leichte Jacke überwarfen. Immerhin hatten sie schon Frühling und die Tage waren bereits so warm, dass man tagsüber ein T-Shirt tragen konnte, ohne zu frieren. Noch die Tasche über die Schulter, dann war er startklar. Ebenso wie Kuroo.

„Dann habt einen schönen Tag, ihr zwei“, sagte Atsuka und verabschiedete die Jungs nach draußen.

„Danke, Oma, du auch“, erwiderte Kuroo und dirigierte Tobio zu den Fahrstühlen.

Tobio winkte zum Abschied und folget dem Kapitän wortlos. Er hatte Angst, dass vor lauter Aufregung nur ein Krächzen herauskommen würde. OH MEIN GOTT! Was war, wenn er sich vor der Klasse vorstellte und seine Stimme wegbliebe? Er würde sich gleich in der ersten Minute zum Gespött machen! Er würde Tetsurous Ruf beschmutzen! Er würde— „Hmpf!“ Warme Lippen, die sich fest auf seine pressten, hatten seinem giftigen Gedankenstrudel ein jähes Ende gesetzt. Die feuchte Zunge, die nun auch noch drängend Einlass verlangte, löschte auch jeden weiteren Gedanken aus seinem Hirn. Er schrie innerlich auf, als das Gefühl auf seinen Lippen verschwand.

„Woran auch immer du gerade gedacht hast, hör auf. Alles wird gut gehen heute. Du wirst sehen: deine Klassenkameraden werden dich mögen und die Jungs vom Volleyball sowieso. Und die kennst du ja auch alle schon, hm?“, beruhigte Kuroo seinen Freund und streichelte ihm liebevoll über die Wange.

„I-Ich will dich nicht blamieren.“

„Mich?“, wiederholte Kuroo ungläubig. „Tobio, nichts, was du tust, könnte mich jemals blamieren.“

„Aber—“

„Nein. Schluss. Ich verbiete dir jegliche Gedanken, die in diese Richtung gehen, hast du verstanden?“

Die Fahrstuhltüren öffneten sich. Oh Shit, Tobio hatte so tief in Gedanken versunken gar nicht mitbekommen, wie sie in den Fahrstuhl gestiegen waren. Doch jetzt traten sie aus eben jenem schon wieder heraus und durchquerten die Lobby, begrüßten den Wachmann und passierten die Haustür. Frische Morgenluft schlug ihnen entgegen und er atmete tief ein. „Du kannst mir meine Gedanken nicht verbieten.“

Lautes Gelächter schallte über die Straße. „Nein, aber ich kann sie dir austreiben“, sagte Kuroo plötzlich mit dunkler Stimme und zog Tobio an sich, küsste ihn, gierig, leidenschaftlich, auf offener Straße.

Tobio riss erschrocken die Augen auf und er wollte sich von Tetsurou abstoßen, doch wieder einmal war die Kraft des Kapitäns so viel größer als seine. Er grummelte in den Kuss hinein, doch keine Reaktion. Er wand sich in Tetsurous Armen, doch keine Reaktion. Das Einzige, was reagierte, war sein Widerstand. Er bröckelte. Von Sekunde zu Sekunde. Und dann war er dem Kapitän schutzlos ausgeliefert. Er schlang seine Arme um Tetsurous Hals, drückte sich fest an ihn und erwiderte den hungrigen, feuchten Kuss.

Als sie sich nach einer Weile trennten, blickte Tetsurou in das gerötete Gesicht des Setters. Die blauen Augen, die ihn anfunkelten, waren glasig. Oh, wie er diesen Blick liebte. Der Blick, der sagte ‚Ich will mehr!‘. „Komm, sonst verpassen wir den Bus“, sagte er und schnappte sich Tobios Hand, zog den noch immer fassungslosen Jungen hinter sich her.

Tobio konnte nicht begreifen, was hier gerade geschehen war. Er stolperte Tetsurou hinterher und folgte diesem wie in Trance in den Bus. Da sie mitten im morgendlichen Berufsverkehr unterwegs waren, waren alle Sitze schon belegt und auch in den Gängen standen zahlreiche Menschen, doch Kuroo fand ein geeignetes Plätzchen für sie. Als er aufgrund des hin und her Schaukelns des Busses wieder langsam zu Sinnen kam, fand er sich mit dem Rücken an die Fensterscheibe des Wagens gedrückt und schaute direkt auf Tetsurous Brust. Ihm wurde schlagartig heiß. Selbst unter der Schuluniform konnte er die definierte Brust des Kapitäns sehen. Und auch der Duft, den Kuroo stets trug, fand den Weg zu seinen Geruchsknospen. Er schloss die Augen, musste sich darauf konzentrieren, die beginnenden Regungen im Lendenbereich zu unterdrücken. Fuck. War es normal, dass man eine Erektion bekam, nur weil man seinem Freund so nah war? IN EINEM VERDAMMTEN BUS?

„Alles okay?“

Tobio hob den Kopf, sah in die wunderschönen honigfarbenen Augen, die ihn förmlich gefangen nahmen. „J-Ja, alles in Ordnung.“ Plötzlich ging ein Ruck durch den Bus, als dieser an der nächsten Haltestelle stoppte und er hielt sich erschrocken an Tetsurou fest. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf die Tür, die sich soeben öffnete, um ein paar Fahrgäste zu entlassen und um andere Fahrgäste aufzunehmen.

„Oh, guten Morgen, Kuroo“, sagte ein junges Mädchen, das soeben durch die Tür getreten war.

„Guten Morgen“, erwiderte Kuroo höflich, schickte sich jedoch nicht an, eine Unterhaltung mit ihr zu führen.

Unwillkürlich lagen Tobios Augen länger als nötig auf dem Mädchen und sie wandte sich peinlich berührt ab. Ebenso wie er selbst, als er bei seinem Starren erwischt wurde. Die Rest der Fahrt über hielt er seinen Kopf gesenkt. Zum Glück war diese nur noch sehr kurz. Keine fünf Minuten später kamen sie an der Bushaltestelle der Nekoma-Oberschule an und die zwei Schwarzhaarigen traten hinaus auf die Straße.

Tobio atmete tief durch, als er endlich dem überfüllten Bus entkam und ihm der frische Wind um die Nase wehte. „Ist das jetzt jeden Morgen so?“

„Ich fürchte.“

Ungewollt entfleuchte Tobio ein Seufzen.

„Keine Angst, du wirst dich dran gewöhnen“, erklärte Kuroo mit einem schiefen Grinsen und richtete seine Schritte Richtung Schule.

„Hoffentlich behältst du recht“, murrte Tobio und folgte seinem Freund. Ein paar Schritte vor ihnen lief das Mädchen, dass Tetsurou im Bus gegrüßt hatte. Ob sie—

„Guten Morgen, Kuroo!“

„Guten Morgen“, rief Tetsurou dem Mädchen auf dem Fahrrad hinterher, dass eben an ihnen vorbeigerauscht war.

Tobio blickte ihr blinzelnd hinterher.

„Hey, Kuroo! Alles klar bei dir?“

„Ja, alles bestens. Und bei dir?“

„Auch. Wir sehen uns nachher!“

Dieses Mal war es ein Junge, der Tetsurou angesprochen hatte. Zwei Mädchen, ein Junge, vermerkte Tobio auf seiner Liste. Was zur Hölle? Was für eine Liste? Drehte er jetzt völlig durch? Er schüttelte den Kopf, um wieder klar zu werden.

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen.“

Sie hatten die lange Treppe erreicht und schritten diese nun gemeinsam nach oben.

„Wir gehen als erstes zum Büro des Direktors. Dann bring ich dich zu deiner Klasse“, beschrieb Kuroo ihr weiteres Vorgehen.

„Aber kommst d—“

„Morgen, Kuroo!“

„Guten Morgen.“

Tobio sah dem Mädchen, dass ihn gerade unterbrochen hatte, genervt nach. „Kommst du nicht zu spät, wenn du mich zur Klasse bringst?“

„Nah, und wenn schon. Wegen ein Mal zu spät kommen werden sie mir kein Nachsitzen aufdrücken“, beschwichtigte Kuroo seinen Freund. „Außerdem kann ich ja einen plausiblen Grund vorweisen, sollte ich tatsächlich zu spät kommen.“

„Hm, wenn du das sa—“

„Guten Morgen, Kuroo. Hattest du ein schönes Wochenende?“

„Ja, hatte ich, danke.“

Jetzt stand es schon 4:1 auf Tobios Liste. Argh! Er wollte doch keine Liste führen! Innerlich mit sich am Ringen, folgte er Kuroo in das Schulgebäude.

„Hallo, Kuroo.“

„Hallo.“

5:1, dachte sich Tobio. Würde das jetzt die ganze Zeit so weitergehen?

„Guten Morgen, Kuroo. Ich habe eure Spiele beim Frühlingsturnier gesehen. Du warst wirklich spitze.“

„Oh, vielen Dank.“

„Mhmmmm“, machte das Mädchen und ging kichernd davon.

6:1. Tobio schmulte zu Tetsurou hinauf, der ihn gerade in das Treppenhaus führte.

„Wir müssen ganz nach oben“, klärte Kuroo seinen Freund über die bevorstehende körperliche Anstrengung auf.

„O—“

„Guten Morgen, Kuroo!“, rief ein Mädchen und lächelte dem Kapitän süß zu, während sie sich eine Strähne hinter das Ohr zurückstrich.

„Guten Morgen.“

7:1. Nur mit aller größter Mühe konnte sich Tobio ein verärgertes Grummeln verkneifen. Er drehte sich nach dem Mädchen um, erwischte diese, wie sie Kuroo hinterher sah und sich hastig abwandte, als sie seinen Blick einfing.

„Hallo, Kuroo.“

„Hi.“

8:1. Tobio schloss die Augen, atmete tief durch.

„Guten Morgen, Kuroo. Ich freue mich schon auf unsere gemeinsame Chemiestunde“, giggelte eine hübsche Braunhaarige.

„Ich mich auch.“

9:1. Ungläubig sah Tobio zu Tetsurou hinauf, der jedoch vollkommen mit dem Treppe steigen beschäftigt war. Wie viele Etagen hatte diese verfluchte Schule?

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen.“

10:1. Langsam kam sich Tobio verarscht vor. Unmöglich, dass all die Mädchen in Tetsurous Klasse gingen. Was zum Teufel ging hier vor sich?

„Hey, Kuroo, sehen wir uns nachher im Vorbereitungskurs?“

„Ja.“

„Cool, ich freu mich!“

„Ich mich auch.“

11:1. Tobio warf dem Kapitän einen tödlichen Blick zu. Er freute sich darauf, dass Mädchen nachher zu sehen?

„Okay, in dieser Etage ist das Direktorenzimmer“, sagte Kuroo und trat in den Flur. Er zuckte zusammen, als er Tobios finsteren Blick sah. „Alles okay?“

„Ja, alles bestens“, antwortete Tobio verstimmt und man musste kein Menschenkenner sein, um zu bemerken, dass nicht alles bestens war.

„Tobio—“

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen.“

12:1. Tobio seufzte. „Können wir dann weiter?“

„Erst wenn—“

„Hallo, Kuroo.“

„Hey.“

13:1. Nun verlor Tobio wirklich seine Geduld und er stürmte in irgendeine Richtung davon.

„Hey, hey, hey, warte! Wir müssen in die andere Richtung“, rief Tetsurou und eilte seinem Freund hinterher, hielt ihn mit einer Hand, die er auf dessen Schulter legte, auf.

„Ja, dann los jetzt!“, rief Tobio verärgert und setzte sich mit energischen Schritten in Bewegung.

Kuroo blinzelte überrascht und eilte seinem Freund nun in die andere Richtung hinterher. „Bist du dir sicher, dass alles in Ordnung ist? Denn ich kann ganz klar sehen, dass es das nicht ist.“

„Jahaaa, alles bestens“, antwortete Tobio und betonte das letzte Wort besonders deutlich.

„Tobio—“

„Guten Morgen, Kuroo!“

„Morgen.“

14:1. Tobio spürte, wie Wut in ihm hochkrabbelte… Wut und—

„Hier ist es“, sagte Kuroo und blieb plötzlich vor einer Tür stehen. „Bereit?“

Ein Nicken musste als Antwort genügen, Tobio hatte seinen Ärger noch nicht heruntergeschluckt.

Tetsurou klopfte bestimmt an die Tür und öffnete diese, nachdem ein gedämpftes ‚Herein!‘ an ihre Ohren gedrungen war.

„Ah, Kuroo. Kommst du, um mir unseren neuen Schüler vorzustellen?“, fragte der Direkter und erhob sich von seinem Stuhl.

„Ja, das ist Tobio Kageyama. Vielen Dank, dass Sie es möglich gemacht haben, dass er hier so kurzfristig zur Schule gehen kann.“

„J-Ja, danke!“, sagte Tobio hastig hinterher.

„Aber ja, das habe ich gerne gemacht. Die Sache klang außerdem sehr ernst. Ich hoffe, dass diese Probleme, die du da hast, bald aus der Welt geschafft sind und du ein ruhiges Schülerdasein genießen kannst.“

„Eh, ja, danke.“

Der Direktor winkte ab und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. „Wenn du diesen Zettel hier ausfüllst, dann können wir dir auch unsere Schuluniform zur Verfügung stellen, wenn du das möchtest.“

„Oh, vielen Dank“, sagte Tobio etwas verblüfft über dieses Angebot, nahm den Zettel jedoch entgegen.

„Nun denn, ihr beiden, es hat mich sehr gefreut, dich kennenzulernen, Kageyama, aber nun solltet ihr beide zu euren Klassenzimmern gehen, der Unterricht fängt bald an.“

„Ja, das machen wir. Vielen Dank“, sagte Kuroo.

„D-Danke“, wiederholte Tobio ebenfalls noch einmal und folgte dann seinem Freund nach draußen. „Er schien ziemlich nett zu sein.“

„Ja. Im Grunde schon, aber er kann auch sehr aufbrausend sein“, erklärte Kuroo mit einer Grimasse, als er sich an den letzten Tobsuchtsanfall des Direktors erinnerte.

„Wie meinst—?“

„Guten Morgen, Kuroo! Du solltest dich beeilen, sonst kommst du zu spät.“

„Danke, du aber auch, Sanako!“

Ein glockenhelles Lachen. „Das mach ich.“

15:1. Oder 16:1? Ach verdammt, er hatte die Übersicht verloren. Tobio sah genervt zur Seite. Sie betraten erneut das Treppenhaus.

„Guten Morgen, Kuroo“, sagten zwei Mädchen im Einklang, die ihnen auf der Treppe entgegenkamen.

„Morgen.“

„Dürfen wir heute bei eurem Training zusehen?“

„Vielleicht ein anderes Mal, Montag ist immer ungünstig.“

„Oh, okay“, sagte das eine Mädchen und die zwei trollten sich mit roten Wangen und leisem Gekicher davon.

Tobio verdrehte genervt die Augen.

„Hallo, Kuroo“, sagte ein Mädchen mit knallroten Wangen und strahlenden Augen.

„Hi.“

„Du siehst gut aus!“,

„Danke, du auch.“

Wieder Gekicher. „Wirklich?“

„Aber ja“, sagte Kuroo und eilte die Treppe weiter nach unten.

In Tobio brodelte es mittlerweile.

„Mein Klassenzimmer ist in der Etage ganz unten, es dauert also einen Moment, bis ich—“

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen! –nach dem Klingeln bei dir bin, also warte bitte so lange, ja? Ich möchte nicht, dass—“

„Hallo, Kuroo.“

„Hey. –dass du allein raus gehst, okay?“

„Okay“, brachte Tobio aus zusammengepressten Lippen hervor. Es fehlte nicht mehr viel und er würde komplett die Beherrschung verlieren.

„Und wenn mal etwas unvorhergesehenes passiert, dann gehst du nirgendwohin, ohne dass Lev bei dir ist, verstanden?“

„Verstan—“ Sie verließen das Treppenhaus und traten in einen Flur hinaus, wo sie ihre Schritte nach links richteten. Sie kamen an mehreren kleinen Grüppchen vorbei und Tobio konnte sehen, wie die Mädchen seinem Freund hinterherschmachteten.

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen.“

„Lass dein Handy auf jeden Fall an, stell es—“

„Hallo, Kuroo.“

„Hey. –aber auf lautlos. Ich will dich jederzeit erreichen können.“

„Hm.“ Tobios Aufmerksamkeit wurde von zwei Mädchen erregt, die leise miteinander tuschelten und Kuroo Herzchenaugen entgegenwarfen. Er hörte sie flüstern: ‚Oh mein Gott, wie kann man nur so heiß aussehen? Ich schwörs dir, ich würde alles tun, um einmal bei ihm auf dem Schoß sitzen zu dürfen!‘ ‚Nur auf dem Schoß sitzen? Damit würde ich mich nicht zufriedenstellen. Ich würde ihn vernaschen, solange, bis er nur noch an mich denken kann.‘ Er biss sich auf die Lippen.

„Wenn der Unterricht vorbei ist, dann—“

„Wow, Kuroo, wie machst du das nur, jeden Morgen so frisch auszusehen?“

Tetsurou lachte. „Das ist angeboren“, antwortete er mit einem Zwinkern.

Tobio hätte schreien wollen. War Tetsurou bescheuert, einem Mädchen auf diese Art zu antworten? Mit einem AUGENZWINKERN? Kein Wunder, dass alle bei dem Anblick des Kapitäns förmlich dahinschmolzen!

Gekicher. „Das glaube ich gerne.“

Kuroo grinste, wandte sich wieder dem Setter zu. „Also du wartest, bis ich dich zum Training abhole, klar? Egal was—“

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen. Egal was Lev sagt, okay?“

Schweigen.

„Okay?“, bohrte Kuroo nach, als er keine Antwort bekam.

„Ja“, antwortete Tobio mit mühsam beherrschter Stimme.

„Gut. Und wenn—“

„Guten Morgen, Kuroo.“

„Morgen. Also wenn—HUH!“

Es war der Moment, in welchem Tobios Geduldsfaden gerissen war. Sie waren an einer kleinen Abzweigung vorbeigekommen und er hatte die Chance genutzt, um Tetsurou am Kragen zu packen und dort hineinzuziehen. Nun presste er den Kapitän ruppig gegen die Wand. „Sag mal willst du mich verarschen?“

„W-Was meinst du?“, fragte Kuroo, der noch nicht ganz realisiert hatte, was hier gerade geschah.

„Was soll das mit diesem Kuroo hier, Kuroo da? Und wieso flirtest du mit den Mädels direkt vor meinen Augen?!“

„Ich dürfte also mit ihnen flirten, wenn du es nicht siehst? ARGH!“

„Nicht. Witzig“, zischte Tobio verärgert.

Kuroo musste lachen, dann wurde er plötzlich ganz ernst, als er den verletzten Blick des Jungen sah. „Du musst nicht eifersüchtig sein“, sagte er und streichelte Tobio sanft über die Wange. „Keiner von ihnen bedeutet mir irgendetwas.“

Verärgert schlug Tobio Tetsurous Hand weg. „Darum geht es doch gar nicht!“

„Worum dann?“, fragte Kuroo überrascht.

„Du verlangst von mir, dass ich niemandem schöne Augen mache. Egal ob bewusst oder unbewusst. Aber du tust genau das bei irgendwelchen dahergelaufenen Mädels, die schon einen feuchten Schlüpfer kriegen, wenn sie dich nur sehen!“

Es herrschte eine Sekunde Ruhe, dann brach Kuroo in schallendes Gelächter aus. Er musste so lachen, dass sein Magen bereits krampfte und er sich vor Schmerzen krümmte.

„H-Hör auf zu lachen! Was ist daran bitte so witzig?“, rief Tobio wütend, gleichzeitig aber auch völlig überfordert mit dieser unerwarteten Reaktion.

„T-Tut mir leid“, japste Kuroo.

Tobio sah sich unsicher um. Er wusste nicht, wie er mit diesem Lachanfall des Kapitäns umgehen sollte. „Tetsurou“, zischte er schließlich so wütend, wie er nur konnte.

„Entschuldigte“, hauchte Kuroo atemlos und richtete sich auf, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und wischte sich die Tränen aus den Augen.

Tobio grummelte verstimmt und kreuzte die Arme vor dem Körper, beäugte seinen Freund, wie dieser sich von dem Lachanfall wieder erholte. „Ich meine es ernst, Kuroo. Wenn ich nicht flirten darf, darfst du es auch nicht. So einfach ist das.“

Die Worte des Setters hatten Kuroo erreicht und er wurde wieder ganz ruhig, ganz ernst. Er sah seinen wunderschönen Freund an, dessen blaue Augen ihn böse anfunkelten. Nie in seinem ganzen Leben würde er von dem Jungen genug bekommen. „Du hast mein Wort.“

Tobio schwieg, nickte jedoch zufrieden, aber immer noch mit einem verstimmten Gesichtsausdruck.

„Na komm, gehen wir, sonst kommst du an deinem ersten Tag wirklich noch zu spät.“
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