Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Rivalität mit Folgen

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Kageyama Tobio Kuroo Tetsurou
29.06.2021
25.11.2021
163
489.850
16
Alle Kapitel
27 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.10.2021 4.112
 
„Hast du Hunger?“, fragte Kuroo mit rauchiger Stimme und strich mit seiner Nasenspitze über Tobios Hals.

„J-Jaaaa“, hauchte Tobio, dessen Körper schon wieder erschauerte.

Ein Lächeln legte sich auf Tetsurous Lippen, als er die Gänsehaut an Tobios Hals bemerkte. „Dann sollte ich uns wohl etwas leckeres machen.“

„Wie wäre es mit Pfannkuchen?“, fragte Tobio hoffnungsvoll.

„Wenn das mein König wünscht, dann soll dem so sein“, schnurrte Kuroo und erhob sich von dem Schwarzhaarigen. Er verharrte einen Augenblick über Tobio, um sich an dem Gesicht des Jungen zu ergötzen, was er in dieser Art nur zu Gesicht bekam, wenn er ihn gerade befriedigt hatte. Schließlich beugte er sich nach unten, um ihn in einen kurzen Zungenkuss zu verwickeln. Dann richtete er sich wieder auf und begann zunächst Tobio und dann sich selbst sauber zu machen.

Dankbar griff Tobio nach Kuroos Hand und ließ sich in eine aufrechte Position ziehen. Er zog sich an und folgte seinem Freund in die Küche, wo er sich wie üblich auf die Arbeitsplatte setzte, um Tetsurou dabei zuzuschauen, wie dieser das Essen zubereitete. Dieses Verhalten hatte sich bereits so weit gefestigt, dass man beinahe schon von einem Ritual sprechen konnte. Tobio konnte nicht mal sich selbst erklären, woher dieses Gefühl von Sicherheit und Frieden kam, wenn er Kuroo beim Kochen beobachtete. Doch über ihn legte sich dann stets eine innere Ruhe und er wusste, dass alles gut werden würde.

„Alles in Ordnung?“, fragte Kuroo, der mitbekommen hatte, dass Tobio vor sich hinträumte.

„Ja, alles gut. Mir ist nur gerade wieder bewusstgeworden, wie gern ich dir beim Kochen zusehe.“

Ein warmes Gefühl breitete sich in Tetsurous Brust aus und er schenkte dem Jungen ein liebevolles Lächeln. „Hier“, sagte er und hielt Tobio den Teller mit dem ersten Pfannkuchen hin.

Ein strahlendes Lächeln legte sich auf Tobios Lippen und er nahm mit glitzernden Augen den noch warmen Pfannkuchen entgegen und begann fröhlich, diesen zu mampfen.

Auch Kuroo musste bei diesem Anblick lächeln und er widmete sich wieder den Pfannkuchen zu. Er konnte die Zeit kaum erwarten, in der sie endlich zusammenwohnen konnten. Doch fürs erste musste er sich mit den wenigen und viel zu kurzen Momenten begnügen, in denen sie einander sahen.

„Wann spielen Akaashi und Bokuto denn?“, fragte Tobio. Die Hälfte des Pfannkuchens war bereits verspeist.

„Um 13:30 Uhr ist Anpfiff.“

„Gucken wir uns vorher noch ein anderes Spiel an?“

„Na klar, welches auch immer du willst.“

Tobio bedachte Tetsurou mit einem undefinierbaren Blick. „Manchmal frage ich mich, wer von uns beiden hier eigentlich der Hund ist.“

Kuroos Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. So dankte ihm der Junge also, dass er alles für ihn tat.

„H-Heeeeey! Das war meiner!“, rief Tobio empört, als Kuroo ihm das letzte Stück Pfannkuchen aus der Hand geschnappt und sich in den Mund geschoben hatte.

„Bestrafung muss mein“, sagte Kuroo, als er den Pfannkuchen heruntergeschluckt hatte.

Tobio verzog verstimmt den Mund. „Bestraf mich gefälligst anders.“ Erst als er Tetsurous diabolisches Grinsen auf sich sah, realisierte er, wie zweideutig das, was er gerade gesagt hatte, war.

„Ich habe deine kleine Fantasie von neulich nicht vergessen. Ich versohle dir deinen Hintern jeder Zeit gern“, raunte Kuroo mit dunkler Stimme.

Ein heißer Schauer durchlief Tobio, als ihm erneut die Bilder in den Sinn kamen, wie er über Kuroos Schoß lag und dieser ihn nicht nur mit Schlägen bestrafte, sondern auch mit den Fingern in ihn drang, um ihn zu befriedigen.

„Einen Penny für deine Gedanken“, wisperte Kuroo, der beobachten konnte, wie sich der Blick des Schwarzhaarigen verschleiert hatte.

„P-Pass lieber auf, dass deine Pfannkuchen nicht anbrennen!“, brachte Tobio angestrengt hervor.

Kuroo lächelte über den Setter, dem die ganze Sache offenbar ziemlich peinlich war, bedachte man die roten Wangen, die ihn gerade anstrahlten. Mit einem seligen Lächeln im Gesicht briet er die letzten Pfannkuchen.

„Die sind megalecker!“, rief Tobio begeistert, während er einen Pfannkuchen nach dem anderen in sich hineinschaufelte und dazu mehrere Gläser Milch trank. Es war ein reines Festmahl.

Kuroo konnte nur schmunzeln und seinen gefräßigen Freund amüsiert beobachten. Wie gern er jetzt den Jungen vernasch— Sein Blick wurde dunkel, als er einen Tropfen Sirup an Tobios Lippe entdeckte. Niemand, wirklich niemand konnte von ihm verlangen, dass er dieser Versuchung widerstand. Er stand auf, lehnte sich über den Tisch, legte seine Hand an Tobios Wange und näherte sich dessen Gesicht.

Das Gehirn des Setters hatte jegliche Aktivität eingestellt, als Tetsurous Zunge über seinen Mund strich. Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete er den Kapitän, wie dieser sich wieder hinsetzte und sich genüsslich über die Lippen leckte.

„Du wirst mit jedem Mal süßer“, schnurrte Kuroo verführerisch. Er konnte förmlich dabei zusehen, wie die Wangen des Setters rot wurden.

Als Tobio realisierte, dass er Kuroo noch immer anstarrte, wandte er den Blick ab und widmete sich wieder den Pfannkuchen auf seinem Teller – seinen heftigen Herzschlag versuchte er geflissentlich zu ignorieren.

Tetsurou lächelte wissend und beobachtete Tobio beim Essen.

Sie beendeten ihr Frühstück – schweigend – und machten sich gemeinsam an den Abwasch, der zum Glück schnell erledigt war.

„Nehmen wir etwas zu essen und zu trinken mit?“, fragte Tobio, während er das letzte Messer in der Schublade verstaute.

„Ja, ich habe den Rucksack schon gepackt.“

„Wann?“, fragte Tobio irritiert.

„Letzte Nacht. Irgendwie musste ich mir doch die Zeit vertreiben“, erklärte Kuroo mit einem schiefen Lächeln. „Mit mir wolltest du ja offensichtlich nicht schreiben“, fügte er mit einem kecken Augenzwinkern hinzu.

Durch Tobios Körper ging ein Ruck, als ihm einfiel, dass Tetsurou ja gesagt hatte, er solle ihm schreiben, wenn er nicht schlafen könne. Stattdessen hatte er die ganze Nacht wachgelegen und über das Geschenk nachgedacht… DAS GESCHENK! Sein Herz begann heftig zu flattern. Heute Abend würde er es Kuroo geben. Komme, was wolle.

„Kein frecher Kommentar?“, hakte Kuroo mit hochgezogenen Augenbrauen nach.

„I-Ich wollte dich nicht wecken“, erklärte Tobio hastig.

„Das willst du nie“, sagte Kuroo in einem undefinierbaren Ton.

Tobio horchte auf und sah Tetsurou prüfend an. Doch dieser hatte sich bereits abgewandt und war auf dem Weg Richtung Wohnungstür.

„Kommst du?“, rief Kuroo nach hinten.

„J-Ja.“ Tobio riss sich aus seiner Betrachtung los und folgte seinem Freund. Während er sich anzog, glitt sein Blick immer wieder zu Kuroo hinüber. Erwartete der Kapitän eine Entschuldigung von ihm, dass er sich nie an dessen Worte hielt, sich bei ihm zu melden, sollte er aus Gründen nicht schlafen können? Doch Kuroo sah nicht sauer aus. Oder? Beschämt, dass er die Gefühle seines Freundes nicht lesen konnte, senkte er den Blick und folgte dem Kapitän schließlich aus der Wohnung.

Während sie den Gang zum Fahrstuhl entlangliefen, schmulte Tetsurou zu dem Setter hinunter. War es sein etwas bissiger Kommentar gewesen, der den Jungen so zum Schweigen gebracht hatte? Sie betraten den Aufzug und er drückte auf den EG-Knopf. Die ganze Fahrt nach unten sagte Tobio kein Wort. Auch unternahm er keine Anstalten, ihn küssen zu wollen. Ja, es war wohl seine doofe Bemerkung gewesen. Wobei – so ganz doof, oder besser gesagt, so frei erfunden war sie ja schließlich nicht gewesen. Sie traten aus dem Fahrstuhl, doch bevor sie durch das Foyer schreiten konnten, packte er den Jungen am Handgelenk und zog ihn an sich, legte seine Arm um ihn. „Hey, es tut mir leid. Ich hätte das vorhin nicht sagen sollen“, sagte er und drückte Tobio einen Kuss ins Haar.

Als wüsste Tobios Körper Bescheid, kuschelte er sich ganz automatisch an die Brust des Kapitäns. „Nein, mir tut es leid. Ich habe immer nur daran gedacht, dich nicht unnötig wegen Kleinigkeiten zu stören, aber ich habe nicht bedacht, wie du dich dabei fühlst“, sagte er mit trauriger Stimme.

Tetsurou verstärkte seine Umarmung und streichelte Tobio sanft durchs Haar. „Wir sollten mehr miteinander reden.“

Tobio nickte ergeben.

„Na komm, lass uns gehen, bevor wir den Anpfiff verpassen“, sagte Tetsurou.

Wieder nickte Tobio und folgte Kuroo durch die Eingangshalle. Sie verabschiedeten sich vom Wachmann und begaben sich auf den Weg zur Bushaltestelle. Die Fahrt zum Trainingscenter nutzte Tobio, um sich zu sammeln und Tetsurou gab ihm die Zeit. Als sie den Bus verließen und auf das große Gebäude zugingen, war der Setter wieder ganz der Alte.

„Gibt es ein bestimmtes Spiel, dass du sehen willst?“, fragte Tetsurou, als sie im Foyer an dem Aushang mit den Spielaufstellungen vorbeikamen.

„Nicht wirklich. Setzen wir uns einfach auf die Tribüne und schauen, welches Spiel am vielversprechendsten aussieht.“

Tetsurou lächelte. „Ja dann, nach dir“, sagte er und bedeutete Tobio mit einer eleganten Handbewegung vorzugehen.

Tobio rollte mit den Augen und steuerte den ersten Aufgang an, der links von ihnen gelegen war. Sie stiegen die langweilig gestaltete Treppe hinauf und erreichten den Zuschauerbereich. Nach einem kurzen umherschweifenden Blick hatte Tobio einen geeigneten Sitzbereich entdeckt und steuerte diesen direkt an. Kuroo nickte zufrieden und setzte sich neben den Setter.

Sie waren gerade rechtzeitig angekommen, denn just in diesem Moment wurden die Spiele angepfiffen.

Kuroos Augen wurden groß. „Da hast du eine gute Entscheidung getroffen, Tobio. Direkt vor uns spielt die Mannschaft aus Osaka. Sie haben letztes Jahr die Nationalmeisterschaften gewonnen.“

„Wirklich?“ Tobios Augen begannen unmittelbar zu leuchten und er richtete seine volle Aufmerksamkeit auf das Spiel. Sein besonderes Interesse galt natürlich dem Setter. Und der war gut. Mit voller Begeisterung folgte er dem Verlauf und tauschte sich hier und da mit Tetsurou über das Gesehene aus. Kaum, dass er es sich versah, begann auch schon der zweite Satz.

„Kageyama?“

Kuroo drehte seinen Kopf automatisch zeitgleich mit Tobios in die Richtung, aus der die Stimme erklungen war. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.

„Erinnerst du dich noch an mich? Ich bin es, Aisu Ito von der Akita. Wir haben uns am ersten Tag hier miteinander unterhalten. Weißt du noch? In der Eingangshalle kurz vor dem Mannschaftseinlauf.“

Kuroo konnte sehen, wie es in Tobios Hirn ratterte. Doch auch wenn der Setter diesen Jungen vergessen haben mochte, er konnte sich noch sehr gut an ihn erinnern. Besonders an diese schleimigen Worte, mit denen der Kerl versucht hatte, sich die Gunst Tobio zu ergaunern.

„Oh, ähm, ja, ich erinnere mich“, sagte Tobio, nachdem ihm tatsächlich wieder eingefallen war, dass sie am ersten Tag aufeinandergetroffen waren.

„Wirklich schade, dass ihr rausgeflogen seid“, sagte Aisu und setzte sich eine Reihe weiter vorne schräg zu dem Setter und dem anderen Schwarzhaarigen, der, seines Wissens nach, der Kapitän von Nekoma war. Ein Schwergewicht also.

„Ja, finde ich auch“, sagte Tobio schlicht. Er wollte darüber nicht mehr so genau nachdenken.

„Wir sind übrigens auch gegen die Kamomedai rausgeflogen. Einen Tag vor euch.“

„Die scheinen verdammt gut zu sein“, legte Tobio seine Gedanken offen.

„Dein Team war auch verdammt gut! Ihr habt Nekoma besiegt!“, rief Aisu euphorisch. „Tut mir übrigens auch echt leid für dich. Muss schwer sein, so früh aus dem Turnier zu fliegen“, sagte er an Kuroo gewandt.

„Ja“, antwortete Tetsurou mit angespannter Stimme.

„Ist bestimmt ein scheiß Gefühl, dass es dein Kumpel war, der dich aus dem Turnier gekickt hat. Aber cool zu sehen, dass ihr eure Freundschaft deshalb nicht wegwerft.“

Kuroo betrachtete den Braunhaarigen aus zusammengekniffenen Augen. Er wägte innerlich ab. War der Kerl wirklich so dumm, dass er nicht checkte, dass er ihn gerade mit jedem Satz provozierte? Oder war das vielleicht so gewollt? „Tobio ist mein Freund.“

„Kumpel oder Freund. Ist doch egal, meint doch eh beides das gleiche“, sagte Aisu mit strahlendem Gesicht.

„In diesem Fall tut es das nicht“, sagte Kuroo mit dunkler Stimme.

Tobio saß daneben und schwieg. Er konnte spüren, dass die schlechte Laune des Kapitäns von Sekunde zu Sekunde zunahm. Die Luft war bereits zum Schneiden dick. Was konnte er nur tun, um die Stimmung zu lockern?

Aisus Augen weiteten, als die Erkenntnis ihn einholte. „Oh mein Gott, ihr zwei seid schwul!“, rief er überrascht aus.

„Hast du ein Problem damit?“, fragte Kuroo mit finsterem Blick.

„Was? Nein! Ganz und gar nicht!“

„Aber?“ Kuroo spürte, dass da noch ein ‚Aber‘ kommen würde.

„Nicht direkt ein aber, eher eine Respektsbekundung.“

„Was?“

Aisu beugte sich verschwörerisch nach vorne und flüsterte dem Nekoma-Kapitän hinter vorgehaltener Hand zu: „Weißt du, Kageyama hat hier für ziemliches Aufsehen gesorgt. Einen Backspin haben bisher nur eine Handvoll Leute beherrscht.“

„Komm zum Punkt“, knurrte Kuroo ungeduldig.

„Ja, ja. Jedenfalls geht das Interesse einiger Volleyballspieler an Kageyama weit über dessen spielerisches Talent hinaus. Wenn du verstehst, was ich meine. Deshalb war es ziemlich clever von dir, dir Kageyama zu schnappen, bevor ihr hierhergekommen seid. Dieses Frühlingsturnier ist für die hungrigen Volleyballspieler ein wahres Buffet und Kageyama ist quasi der Leckerbissen unter allen dargebotenen Speisen.“

Tobio seufzte innerlich. Nicht schon wieder so ein komischer Vergleich.

„Wie der Apfel im Schweinsmaul“, fügte Aisu hinzu, um sich zu präzisieren.

Na klasse, dachte sich Tobio, das wurde ja immer besser. Vom Fisch zum Sonderangebot zum Leckerbissen bis hin zu einem Apfel. Wie sollte man das an Demütigung noch übertreffen können?

„Woher weißt du das so genau?“, fragte Kuroo misstrauisch. Nicht das er bezweifelte, dass Tobio dieses Verlangen bei den anderen Volleyballern, die auf Jungs standen, auslösen konnte.

Aisu zuckte planlos mit den Schultern. „Es wird halt viel geredet.“

„Aha“, sagte Kuroo nur mit dunklem Blick.

„Aber du brauchst keine Angst zu haben. Du bist auch ziemlich begehrt.“

Ts, lachte Kuroo innerlich. Wen interessierte das denn bitte?!

„Doch anders als bei Tobio, der von vielen lieber durchgenommen werden will, denkt man von dir eher als den, der andere durchnimmt“, sagte Aisu mit einem frechen Augenzwinkern.

Kuroo taxierte den Braunhaarigen schräg vor sich. Er konnte sich noch immer nicht entscheiden, ob der Junge strohdoof oder saufrech war. Aber bei einem war er sich sicher: er würde ihm gerne den Hals umdrehen. „Das ist ja alles wirklich sehr spannend, aber können wir uns jetzt vielleicht wieder dem Spiel da unten zuwenden?“, sagte Kuroo mit schneidender Stimme.

„Ja, ja, sicher. Dachte nur, ich berichte euch mal, was so über euch erzählt wird“, sagte Aisu amüsiert und sah nach unten.

Es gab Jungs, die von Kuroo durchgenommen werden wollten, wiederholte Tobio in Gedanken. Er wäre froh gewesen, dass lieber nicht zu wissen. Es bereitete ihm größtes Unbehagen. „Ich geh mal kurz auf Toilette“, sagte er und stand auf.

„Ich komme mit dir“, sagte Kuroo prompt und schickte sich an, sich zu erheben.

„Das schaff ich schon allein, Kuroo.“

„Hast du nicht gehört, was der Kerl gerade gesagt hat?“, fragte Kuroo aufgebracht.

„Ich heiße Aisu.“

„Doch, natürlich habe ich das. Aber das heißt doch nicht, dass die alle gleich über mich herfallen.“

„Uh, da wäre ich mir nicht so sicher“, warf Aisu ein und zog eine merkwürdige Grimasse dabei.

Tetsurou sah den Braunhaarigen verächtlich an, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Tobio zu. „Tobio—"

„Nein, Kuroo, ehrlich. Ich geh nur auf Toilette. Ich bin in fünf Minuten wieder zurück“, sagte Tobio und ging, ohne auf eine weitere Antwort zu warten.

Kuroo grummelte missmutig, ließ den Setter jedoch unter größtem Missfallen gehen.

„Ach ja, was wäre das Leben nur ohne den Liebsten, der einen stets auf Trab hält?“, säuselte Aisu vor sich hin.

Jetzt war sich Kuroo sicher: der Kerl hatte nicht mehr alle Latten am Zaun. Er riss sich von dem Braunhaarigen los und sah hinunter zu dem Spiel. Oh, wie gerne wäre er jetzt bei Tobio gewesen!

Tobio hatte gerade den Treppenaufgang verlassen und durchquerte nun das Foyer, um zu den Toiletten zu gelangen. Im Gegensatz zu den ersten zwei Spieltagen hatte sich die Anzahl der hier anzutreffenden Personen stark reduziert. Er war beinahe komplett allein. Auch im WC-Raum war die Lage nicht anders. Er betrat eine der hintersten Kabinen und erleichterte sich. Gerade als er seinen Gürtel schloss, hörte er die Eingangstür. Nun war er nicht mehr allein.

Er trat aus der Kabine und steuerte die Waschbecken an. Sein Blick fiel prompt auf den muskulösen Volleyballer, der lässig gegen die Wand gelehnt im Vorraum stand und ihn eingehend musterte. Was machte dieser Typ hier, fragte sich Tobio. Es gab mit Sicherheit nettere Orte, an denen man sich die Zeit vor, zwischen oder nach den Spielen vertreiben konnte. Unwohlsein überkam ihn, als er an den Wasserhahn trat und sich die Hände wusch. In den Spiegeln, die direkt vor ihm hingen, konnte er sehen, dass der Kerl ihn weiterhin beobachtete. Mit einem unguten Gefühl im Magen stellte er das Wasser ab und nahm sich zwei Papiertücher aus dem Spender.

„Tobio Kageyama, richtig?“

Erschrocken fuhr Tobio herum. Der Kerl wusste, wer er war! Ein kalter Schauer lief seinen Rücken hinunter, als er das dreckige Grinsen auf dem Gesicht des anderen sah.

„Du hast für ziemlich viel Aufsehen gesorgt mit deinem Backspin.“

„Das geschah nicht mit Absicht“, erklärte Tobio. War der Typ deswegen eifersüchtig? Sauer, weil er es nicht schaffte, einen Backspin zu spielen? Was wollte dieser Kerl von ihm? Und da, schon wieder dieses fiese Grinsen!

„Das ist mir reichlich egal“, sagte der Spieler. „Mein Interesse an dir endet genau an dieser Stelle.“

Tobios Hirn ratterte auf Hochtouren. „Was willst du von mir?“

„Oh, von dir will ich gar nichts.“

„Ich versteh nicht—“ Tobio trat unwillkürlich einen Schritt zurück, als der Junge auf ihn zukam.

„Siehst du das hier?“, fragte der Spieler und zauberte einen zusammengefalteten Zettel, zwischen Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand geklemmt, hervor, während er auf den deutlich eingeschüchterten Jungen zutrat.

Natürlich konnte Tobio den Zettel sehen! Er war ja schließlich nicht blind! Doch so zornig er auch war, so eingeschüchtert war er auch und er nickte lediglich als Zeichen der Bestätigung.

„Ich will, dass du das deinem Kumpel gibst.“

„H-Hinata?“

„Wer zur Hölle ist Hinata?“

„I-Ich dachte—“, begann Tobio reichlich verwirrt.

„Ich meine Kuroo.“

„Kuroo?“

„Ja, ganz genau: Kuroo“, sagte der Junge.

„Wieso?“, fragte Tobio, dessen Herz wild in seiner Brust hüpfte. Wieder dieses Grinsen! Hörte der Kerl überhaupt mal damit auf?

„Ich will ihm den Arsch ficken.“

Tobio blinzelte völlig entgeistert. Er hatte sich gerade verhört, oder? Und wenn nicht, dann meinte der Typ das sicherlich im übertragenen Sinn, oder? Vielleicht hatte er irgendein Hühnchen mit Tetsurou zu rupfen und—

„Hey! Träumst du?“

„Ich… Das… Wie meinst du das?“

Das Grinsen auf dem Gesicht des Jungen wurde immer breiter, immer fieser. „Wortwörtlich.“

Diese Antwort traf Tobio wie einen Schlag. „Nein.“

Unversehens verschwand das Grinsen. „Wie bitte?“

„Ich sagte nein, ich werde Kuroo diesen Zettel nicht geben.“ Nur über meine Leiche, fügte Tobio in Gedanken noch hinzu.

Schallendes Gelächter erfüllte den Raum, dann erstarb es von einer Sekunde auf die nächste und ein tödlicher Ausdruck hatte sich auf dem Gesicht des Volleyballers niedergelassen. Bedrohlich schritt er auf den Schwarzhaarigen zu, bis dieser gegen die Waschbecken stieß. „Verzeih, mir scheint, ich habe mich unklar ausgedrückt. Du nimmst jetzt diesen Zettel in die Hand und wirst ihn Kuroo geben. Hast du verstanden?“

Angst strömte durch Tobios Körper. Irgendetwas an diesem Kerl war ihm unheimlich, machte ihm Angst. Langsam griff er nach dem Zettel.

„Na siehst du, es geht doch.“

Tobio konnte nichts weiter machen, als den Volleyballer anzustarren.

„Und jetzt wirst du zurück gehen, Kuroo den Zettel geben und ihm sagen, dass ich ihn durchficken will.“

Übelkeit stieg in Tobio auf. „Kuroo wird sich niemals bei dir melden.“

Ein übles Grinsen umspielte die Lippen des Volleyballes. „Mag vielleicht sein, dass er sich zunächst ein bisschen ziert, aber schlussendlich wird er die Nummer, die dort auf dem Zettel steht, anrufen.“

„K-Kuroo wird sich nie-niemals von dir… …nehmen lassen“, beendete Tobio nach kurzem Nachdenken den Satz. Er wollte das Wort ‚durchficken‘, so, wie der Typ es ausgedrückt hatte, nicht verwenden.

Ein Grinsen, breiter als das vorherige. „Kuroo ist sehr stolz, nicht wahr?“

Tobio sah den Jungen abwartend an. Dieser erwartete darauf nicht wirklich eine Antwort, oder?

„Ich werde ihm diesen Stolz nehmen.“

„Das wirst du nicht!“, platzte es aus Tobio heraus. In der nächsten Sekunde zuckte er heftig zusammen, als der Junge mit der Hand auf das Waschbecken schlug und ein lautes Donnern durch den gefliesten Raum schallte.

„Oh, und wie ich das werde. Ich werde ihm den Stolz nehmen. Ich werde ihn zum Winseln bringen. Ich werde ihm seinen knackigen Arsch ficken, bis der Sabber aus seinem weit aufgerissenen Mund läuft und er aus dem Stöhnen und Keuchen nicht mehr herauskommt. Auf Knien wird er vor mir kriechen und nach mehr betteln.“

Tobios Verstand schrie auf, sein Herz schrie auf. „Niemals! Das wird nicht passieren!“

„Oh, und wie das passieren wird. Und weißt du auch, wieso? Weil es mich geil macht. Es turnt mich an, stolzen, selbstbewussten und hübschen Jungs den eigenen Willen zu nehmen, ihn zu brechen und sie das tun zu lassen, was ich ihnen befehle.“

„Das wird bei Kuroo nicht funktionieren“, zischte Tobio wütend.

Ein schiefes Grinsen legte sich auf die Lippen des Volleyballers. „Du hast doch gar keine Ahnung von den geheimsten Wünschen deines Kumpels. Auch Kuroo hat dunkle und perverse Sexfantasien, die er bisher nicht ausleben konnte. Aber mit mir kann er das. Ich werde Kuroo das Hirn aus dem Schädel vögeln, so lange, bis er nicht mehr ohne mich kann.“

„Du bist doch krank!“, schrie Tobio und stieß den Jungen von sich, stürmte zur Tür. Doch ehe er die Hand an den Griff bekam, wurde er zurückgerissen und mit so einer ungeheuren Wucht gegen die Wand geschmettert, dass ihm die Luft wegblieb und kleine Sterne vor seinen Augen tanzten. Sein ganzer Körper erstarrte zur Eissäule, als er den heißen Atem des Jungen an seinem Ohr spürte.

„Ich werde mir Kuroo nehmen, ob du willst oder nicht. Ich werde ihn zu meinem Sexsklaven machen und ihn auf allen Vieren darum betteln lassen, dass ich ihm den Arsch ficke. Aber ich mache dir ein großzügiges Angebot: du darfst gerne zugucken, wie ich mich mit ihm vergnüge. Wie wir es hemmungslos miteinander treiben, bis dein ach so stolzer Freund jegliche Selbstbeherrschung verliert und nur noch von seinen niederen Instinkten beherrscht wird. Und dann… dann werde ich ihn bis zur Bewusstlosigkeit vögeln. Er wird nach meinem Schwanz schreien wie ein Baby nach seiner Mutter.“

Das reichte. Tobio sammelte alle Kraft zusammen und stieß diesen widerlichen Kerl von sich. In der nächsten Sekunde stürmte er aus dem Toilettenraum. Hinter sich hörte er das dreckige Lachen des Typens.

„Ich werde ihn ficken!“

Tobio biss die Zähne aufeinander und rannte weiter, bis er schließlich nichts mehr hören konnte. Völlig außer Atem und mit wild klopfendem Herzen erreichte er den Treppenaufgang, den er zuvor mit Kuroo hinaufgegangen war. Er nahm sich zwei Minuten, um sich ein Stück weit zu beruhigen, dann ging er hinauf, doch er kam nur bis zur Hälfte.

„Verflucht nochmal, Tobio! Wo bist du so lange gewesen? Ich wollte jetzt nach dir schauen gehen! Ich habe mir Sorgen gemacht!“, sagte Kuroo aufgebracht, als er sich dem Setter plötzlich gegenüber wiederfand.

„Hör auf, dir ständig Sorgen um mich zu machen“, sagte Tobio mit gepresster Stimme und stieg die Treppen weiter hinauf, immer dem Kapitän entgegen.

Kuroo konnte sofort sehen, dass etwas nicht stimmte. Angst machte sich in ihm breit. War es doch geschehen? „Hat dich jemand angemacht?“

„Verdammt, Kuroo! Hör endlich auf, hinter jeder Ecke irgendeinen Kerl zu vermuten, der mich verführen will!“, rief Tobio verärgert. Er stand jetzt direkt vor Kuroo.

„Zu vermuten? Hast du nicht gehört, was dieser Aisu die ganze Zeit erzählt hat? Die wollen dich!“ Auch Kuroo war jetzt wütend. Warum reagierte Tobio so aggressiv?

Tobio war gerade an Kuroo vorbeigestapft, als ihm der Geduldsfaden riss und er sich noch einmal umdrehte. „Anstatt dir ständig über mich Sorgen zu machen, solltest du lieber aufpassen, dass dir niemand den Arsch fickt!“

Tetsurou blinzelte ungläubig. „Was?“, fragte er halb lachend. Er wusste nicht, ob er amüsiert oder entsetzt sein sollte. Was zum Teufel hatte der Setter da gerade gesagt?

Plötzlich wurde Tobio gewahr, dass er genau dieselben Worte benutzt hatte, wie dieser widerliche Typ, und er drehte sich peinlich berührt auf dem Absatz um und setzte seinen Weg nach oben fort. Oder wollte er zumindest.

„Moment mal, Freundchen, so einfach kommst du mir nicht davon!“, rief Kuroo und packte den Jungen am Handgelenk.

„Lass mich los!“, schrie Tobio und riss sich mit einer unbändigen Wucht von dem Kapitän los. Er stürmte weiter.

„Was zum Teufel…“ Kuroo setzte dem Jungen hinterher, packte ihn an der Schulter und schleuderte ihn herum, um ihn gegen die Wand zu pressen.

„Lass mich los!“, donnerte Tobio wutschäumend los.

„Kannst du mir mal verraten, was mit dir los ist?“

„Mit mir ist überhaupt nichts los!“

„Willst du mich verarschen? Du bist gerade völlig außer Kontrolle! Also sag mir, was hier verdammt noch mal los ist!“

Die Wut in Tobio brodelte über. „Du willst wissen, was los ist? Das hier ist los!“, rief er wütend und knallte Tetsurou seine Faust gegen die Brust, in der er noch immer den Zettel hielt, den der Typ ihm gegeben hatte.

„Was ist das?“, fragte Kuroo und nahm den Zettel entgegen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast