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Kannst du mich bitte nicht so ansehen?

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Romance / P12 / MaleSlash
Jesper Llewellyn Fahey Wylan Van Eck
29.06.2021
29.06.2021
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29.06.2021 931
 
Die drückende Stille verunsicherte Jesper. Nicht, dass er je das Fehlen von jeglichen Geräuschen mochte (es spornte ihn nur immer mehr dazu an, so viel Krach wie möglich zu machen) aber normalerweise konnte er mit Wylan auch leise sein. Aber nicht jetzt.

Er spielte mit seinem Ärmel und beobachtete seinen Freund nervös. Sie saßen im Salon des abartig großen Haus, das Wylan von seinem Vater „geerbt“ hatte. Oder naja, sie waren hier eingezogen, weil der Verhau alles andere als bequem war. Außerdem wollten sie Van Eck ärgern. Der Krämer hätte sein Anwesen niemals freiwillig rausgerückt. Pech für ihn, dachte Jesper mit mehr diebischer Freude als moralisch akzeptabel war.

Meistens war dieser Raum der Ort, wo Jesper und Wylan ihren Abend zusammen genossen und einander Kaz’s Pläne schilderten und überlegten, ob es sich lohnen würde teilzunehmen (überraschenderweise war Wylan derjenige, der öfter Kaz’s Meinung war und seine Unterstützung versprach. Jesper mochte diesen Fakt nicht wirklich, denn verdammt er war der Chaotische in dieser Beziehung).

Aber nicht heute. Heute hing eine Spannung in der Luft und so langsam fragte Jesper sich, ob er nicht etwas vergessen hatte. Vielleicht ihren Jahrestag? Nein, der war in zwei Monaten. Oder hatte Van Eck einen von seinen netten Briefen aus dem Höllenschlund geschrieben? Sollte er das haben, würde Jesper sich freuen, ihn mit seinen Revolvern bekannt zu machen. Dazu hatte er ja bisher leider noch nicht die Möglichkeit gehabt.

„Ich liebe dich Jes,“ sagte Wylan mit einer viel zu ruhigen Stimme.

Okay, Jesper war offiziell beunruhigt. Da war ein Schimmer in Wylans Augen, der Jesper mehr als nervös machte. Die verschränkten Arme halfen auch nicht wirklich. „Äh, natürlich tust du das. Und ich liebe dich au-“

„Und deshalb muss ich das tun,“ unterbrach Wylan ihn, seine Stimme immer noch unnatürlich ruhig und sein Gesicht unleserlich.

Dann verstand Jesper was er geplant hatte. Sie schmissen sich gleichzeitig nach vorne, auf den Tisch zwischen ihnen. Aber Wylan war schneller. Er kickte Jespers Spielfigur mit seiner eigenen orangenen von ihrem Platz fünf Schritte vom Ziel entfernt.

„Neeein!“ Jesper starrte seinen Freund ungläubig an, „Wie konntest du?“

Aber Wylan lachte nur hämisch, ein Geräusch, das Jesper vielleicht von jemandem wie Van Eck oder Pekka Rollings erwartet hätte. Aber doch nicht von seinem Freund. Obwohl er zugeben musste, dass es ganz niedlich war. So ungewöhnlich für Wylan.

Nein, er würde ihn nicht gewinnen lassen, nur, weil er süß war. „Arsch. Her mit dem Würfel.“

Wylan gehorchte, nach wie vor lachend. Oh Heilige, dieses Gesicht gehörte verboten. Dieser Junge was viel zu gutaussehend für Jesper.

Aber er weigerte sich in diese Falle zu stolpern und warf den Würfel. Es machte sehr viel mehr Spaß einfache Brettspiele mit Wylan zu spielen anstatt die Glücksspiele in den Kasinos mit unbekannten Täubchen die das große Geld witterten. Komischerweise half es extrem seinem Freund dabei zuzusehen ihn brutal abzuziehen in diesen Brettspielen. Außerdem beruhigte es den immer präsenten Drang einen Satz Karten in die Finger zu kriegen. Ein schöner Nebeneffekt, Jespers Meinung nach.

Während seine Gedanken ein Eigenleben entwickelten (wie so oft), war sich Jesper nach wie vor bewusst, dass Wylan ihn beobachtete. Da war wieder dieses weiche Lächeln, das mehr ein Zucken im Mundwinkel war als irgendetwas anderes. Jesper liebte dieses Fast-Lächeln. Umso glücklicher war er, als er feststellte, dass es nur präsent war wenn Wylan ihn ansah. Niemand anderen.

Das Lächeln tat Dinge mit seinem Bauch, die Jesper niemals erwartet hätte, ein simples Lächeln wäre fähig zu. In Konsequenz trommelten seine Finger einen schnellen Rhythmus auf den Tisch während er seine Figur zurück zum Anfang setzte.

„Ich hab doch gesagt, dass ich gewinnen werde,“ neckte Wylan und griff wieder nach dem Würfel.
Jesper rollte mit den Augen und ließ ihn in Wylans Hand fallen. „Und was hat das damit zu tun, dass du mich liebst? Magst du es, mich leiden zu sehen?“

„Absolut,“ Oh verdammt, sein Sarkasmus war ansteckend, „du musst ja schließlich auch verlieren können. Du kannst mir hier nicht zu selbstsicher werden.“

„Zu spät,“ sagte Jesper dramatisch und warf sich zurück auf das Sofa, Handrücken gegen seine Stirn gepresst und die langen Beine quer über den Kissen.

Wylan fand das nicht wert einer Antwort und warf den Würfel. Und ja, es war eine fünf. War ja klar, dass er gewinnen würde.

Aber Jesper hatte damit absolut kein Problem, denn jetzt durfte er dieses Lächeln wiedersehen als Wylan aufstand, voll mit Energie von seinem High, ausgelöst durch den Sieg.

Und sprang auf seinen überraschten Jesper. Zum Glück konnte er seinen Freund auffangen, ein Arm um seine Taille. Wylan ließ sich einfach fallen und blieb direkt auf Jesper liegen. Nicht, dass ihn das stören würde, der Junge wog gefühlt nicht mehr als ein Hund.

„Ich hab gewonnen.“ Wylan grinste selbstgefällig, „Du weißt, was das heißt,“

Und das war der Teil den Jesper gehofft hatte, vermeiden zu können. „Ja ja, ich werde ein braver Fabrikator sein und dir mit der Legierung helfen. Aber ich kann nicht versprechen, dass nichts in die Luft geht.“

„Siehst du, deshalb behalte ich dich hier,“ stellte Wylan sachlich fest.

Allerdings konnte Jesper das nicht wirklich ernst nehmen, da er gleichzeitig seinen Kopf in Jespers Schulter vergrub. Er grinste und strich über Wylans Kopf, seine Finger verknotet in den roten Locken. „Nur deshalb?“

„Jup.“ Wylan hatte seine Arme um Jespers Hals gelegt und zog den Größeren näher. So schnell würden sie sich hier nicht mehr wegbewegen.

„Wusste ich’s doch.“ Ein Kuss wurde auf seinen Nacken gesetzt als er das sagte und er seufzte wohlig auf. Wenn es nach Jesper ging, könnten sie hier bleiben. Vorzugsweise für immer.
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