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To my dear friend

GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / MaleSlash
29.06.2021
31.07.2021
33
81.648
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Dieses Kapitel
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21.07.2021 3.751
 
Nael war den ganzen Nachmittag über immer noch aufgeregt. Er war für seine Verhältnisse extrem aufgedreht, konnte kaum still stehen und sein Grinsen nicht verbergen. „Ich hab Hunger. Hab ja nichts gegessen, als ich nach Hause gekommen bin. Kommst du mit in die Küche?“, fragte Nael. Zac schaute auf die Uhr, immerhin musste er ja noch Arbeiten heute Abend. Es war zum Glück erst fünf Uhr, er hatte also noch Zeit. Er nickte, Nael nahm seine Hand und sie liefen gemeinsam in die Küche.

Dort saßen noch immer die Anderen. „Was war denn bei euch los? Man hat hier nur Nael schreien gehört.“, fragte Tom und schaute unsicher zu den Beiden. „Zac hat mich zu einem Wellnesswochenende in einem Hotel hier im Castro eingeladen. Am Wochenende.“, meinte Nael und stand unbeeindruckt am Kühlschrank, ganz offensichtlich auf der Suche nach etwas zu essen. Zacs Augen weiteten sich und er schaute Nael irritiert an. Hatte er wirklich gerade ohne mit der Wimper zu zucken gelogen? Einfach so, ohne Probleme? Doch zum Glück betrachtete Luke nicht Zacs verwirrten Gesichtsausdruck sondern war ganz Nael zugewandt. „Ein Wellnesswochenende? Du magst doch gar keine Sauna.“, meinte Luke, kratzte sich verwirrt am Kopf und schaute Tom fragend an. Dieser zuckte nur unwissend mit den Schultern. „Ach das war früher. Ich freu mich auf Sauna, Schwimmbad und Massagen. Und Zeit alleine, ungestört, ohne Zuhörer, wenn ihr versteht was ich meine.“, meine Nael immer noch unbeeindruckt, schnappte sich einen Nudelsalat von gestern aus dem Kühlschrank und begann ihn mit einer Gabel aus der Schüssel zu essen.

Er lehnte sich an die Küchenzeile und schaute seine Freunde unbeirrt an. Zac war immer wieder verblüfft, wie schnell Nael umschalten konnte. Während er vorher vor Freude kaum zu bremsen war, wirkte er nun wie die Ruhe selbst. Ganz selbstsicher stand er da, war ganz ruhig und aß genüsslich seinen Salat. „Und deine Arbeit Zac?“, fragte Peter nun und schaute zu Zac. Zac selbst war leider gar nicht gut im Lügen. Sofort kratzte er sich im Nacken, wurde rot und unsicher. „Ich begleite ihn die beiden Abende.“, sprang deswegen Nael für ihn ein. Das war ja nicht ganz gelogen, nur würden sie halt zu dritt gehen. „Was habt ihr für Wochenendpläne?“, fragte er nun. Zac konnte es genau spüren, ein Ablenkungsmanöver, um sich nicht weiteren, unangenehmen Fragen stellen zu müssen. „Ich hab ein Date. Hab sie im Patroklos kennen gelernt.“, meinte Luke. Alle staunten darüber nicht schlecht, freuten sich aber gleichzeitig enorm. Mit dieser Information war die Fragerunde zu Naels und Zacs Wochenende zum Glück beendet.

Nael wollte anschließend den Abend mit den Anderen auf dem Sofa verbringen. Zac konnte das voll verstehen, schließlich würde er ja Samstag und Sonntag mit Zac ins Patroklos gehen. Zac war zwar nicht besonders motiviert für die Arbeit, aber das Geld könnte er für das Wochenende gut gebrauchen, schließlich wollten sie sicherlich mal Essen gehen, etwas anschauen oder Trinken. Vieles der letzten Einnahmen hatte er für Bücher ausgegeben, für neue Sportklamotten und Klamotten allgemein. Und da Taavi und Nael selbst keine Geldsorgen hatten, wollte auch nicht Zac der sein, der jeden Pfennig zweimal umdrehen musste.

Der Abend im Patroklos war ziemlich ruhig, es war nicht wahnsinnig viel los. So konnte er gut mit Kyle, Connor und Sam reden. Das Trinkgeld war nach dem ersten Auftritt trotzdem ziemlich gut. Wie gewohnt setzte Zac sich danach an die Bar, trank ein Getränk und schaute sich etwas im Club um. „Na? Heute nicht so motiviert?“, meinte Kyle, der sich gerade zu ihm gestellt hatte. Es waren nur wenige Menschen an der Bar, die Connor bediente, also hatte er gerade frei. „Doch, doch. Wieso meinst du?“, fragte Zac zurück. Hatte er etwa nicht gut getanzt heute? „Ach, ich habs Gefühl du bist unruhig.“, meinte Kyle nun und blickte ihn an. „Achso.. Ja.. ähm hat man das am tanzen gemerkt?“, fragte Zac unsicher. Er wollte wegen seiner Vorfreude den Job nicht schlecht machen. „Nein. Das war gut, wie immer. Aber dein Gesichtsausdruck. Erzähl mir, auf was wartest du?“, bohrte Kyle nun nach.

Zac überlegte kurz, ob er es Kyle sagen sollte. Aber wenn Taavi morgen eh mit kommen würde, dann würde Kyle es ja eh sehen. Sie hatten das Drama hier im Club ja mitbekommen, als Taavi aufgetaucht war. „Nael und ich kriegen am Wochenende Besuch. Taavi, mein bester Freund aus San Francisco kommt.“, meinte Zac deswegen. Kyles Gesicht war nun nur noch verwirrter und genau so zweifelnd war auch seine Stimme. „Ist das nicht der Typ, mit dem es hier dieses mini Drama gab? Der einfach so aufgetaucht ist? Der Herzbruch-Typ?“ Zac nickte, leicht, ja das musste der Eindruck von allen hier sein.

„Doch. Genau der. Aber wir haben uns seit dem Briefe geschrieben. Haben uns ausgesprochen. Und was soll ich sagen, wenn man alles mal aus seiner Sicht sieht, mit seinen Gedanken und Gefühlen, dann kann ich es verstehen. Ich muss es nicht verzeihen und ich denke noch immer, dass er anders handeln hätte können, aber ich kann es auch verstehen.“, erklärte Zac. Kyle nickte leicht, nahm sich dann selbst ein Getränk. „Bist du mit Nael glücklich?“, fragte er nun. Zac nickte sofort. Ja, er war mit Nael glücklich.

„Also du hier angekommen bist, fand ich dich ziemlich interessant. Aber schon an dem Filmeabend hat Nael ja ziemlich klar gemacht, dass das sein Revier ist.“, Kyle lachte nun, schien das alles inzwischen lockerer sehen zu können. Immerhin war seither ja auch etwas Zeit vergangen.
„Ja. Ich war damals aber wirklich ehrlich, wir hatten davor nichts. Aber naja, wir hatten uns da gut verstanden. Und wahrscheinlich schon so etwas wie eine Verbindung. Aber ja, da hat er ziemlich deutlich gemacht, was er will.“, lachte nun auch Zac. Dann schaute er Kyle fröhlich an. „Hast du inzwischen jemanden?“, fragte er. Kyle schmunzelte leicht, nickte dann sanft.

„Ja. Also wir sind nicht zusammen. Es ist noch ziemlich frisch, gerade erst geküsst und so. Aber ich mag ihn und ich denke, dass das etwas werden könnte.“ Zac freute sich wirklich für ihn. Gerade mit Kyle hatte er sich gut angefreundet, mochte ihn. Der restliche Abend verlief auch eher ruhig, Zac bekam noch gutes Trinkgeld und war damit um 2 Uhr zu Hause. Alle anderen schliefen bereits, aber alleine schlafen wollte Zac wirklich nicht. Leise putzte er sich im Bad die Zähne, schminkte sich ab und schlich sich in Naels Zimmer. Lautlos zog er sich aus und kuschelte sich nackt an den warmen Körper.


Am nächsten Morgen wurde er von etwas geweckt, was er sonst noch nie gehört hatte. „Zac. Los Zac wach auf. Los, wir haben neun Uhr. Was wenn er schon bald da ist. Zac, los.“, Nael weckte ihn eher unsanft, rüttelte leicht an Zac. Dieser murrte laut, öffnete dann vorsichtig seine Augen und schaute direkt Nael an. Doch dieser lag nicht mehr neben ihn, sondern war bereits angezogen,  ganz offensichtlich auch geduscht, denn seine Haare waren noch nass. „Nael? Was ist denn mit dir los? Du bist wach?“, murrte Zac und wollte wieder die Augen schließen. Aber Nael rüttelte erneut fest an ihm. „Schon seit 7 Uhr. Ich hab schon geduscht und mein Zeug gepackt. Konnte nicht mehr schlafen.“, meinte dieser. Zac hatte ihn noch nie so wach am Morgen gesehen. Sonst war er immer mürrisch, vor 12 Uhr nicht zu wecken. „Mhm.“, murrte Zac deswegen nur und wollte erneut die Augen schließen. „Hast du nicht verstanden, was wenn er gleich anruft, dass er hier ist und du noch im Bett liegst.“, meinte Nael erneut und rüttelte wieder an Zac.

„Nael. Er kommt ganz sicher nicht vor 12 Uhr an. Er muss doch von Denver aus mit dem Auto fahren. Das dauert.“, murrte Zac jetzt, setzte sich aber im Bett auf und strich sich über die Augen. „Los, geh schon duschen. Vielleicht ist er ja schneller durch gekommen.“, meinte Nael nun, beugte sich dann aber zu Zac und gab ihm einen langen Kuss. Dieser stand schließlich murrend auf, zog sich eine Unterhose an, tapste kurz in sein eigenes Zimmer, suchte sich frische Klamotten heraus und stand dann unter die Dusche. Er föhnte noch seine Haare, schminkte sich leicht und nahm etwas Parfum. Dann packte er seinen Toilettenbeutel mit Zahnbürste und allem anderen, notwendigen ein und schließlich mit frischen Klamotten, sowie seinen Arbeitssachen in eine Reisetasche.

Dann trat er in die Küche. Nael war dort bereist voll zu Gange, hatte einige Sandwiches und etwas Saft gerichtet, sowie zwei Teller hingestellt. Er setzte sich hin, auch Nael setzte sich. „Nimm dir. Mit Erdnussbutter und Honig, so wie du es morgens gerne isst.“, meinte Nael und schob ihm den Teller hin. Wieder einmal wurde Zac bewusst, wie gut Nael ihn inzwischen kannte und wie sehr er auf ihn achtete. Zac liebte Erdnussbuttertoast, aber nicht wie alle anderen mit Marmelade, sondern eindeutig mit Honig. (Anmerkung des Autor*s: Wenn ihr das nicht kennt, Erdnussbutter mit Honig ist wirklich besser.) Er biss herzhaft hinein und lächelte Nael an. „Danke. Die sind super.“, meinte Zac, als er mehrfach gekostet hatte.


„Äh ich glaub ich seh ein Geist. Nael, was tust du denn schon hier? Wir haben doch erst kurz nach zehn.“, meinte Tom. Dieser war im Schlafmantel in die Küche getreten und wirkte nun wirklich mehr als besorgt. „Hab Frühstück gemacht und bin früh aufgestanden.“, lachte Nael. „Zac, was ist mit ihm? Er ist wach, früh, macht Frühstück und duscht? Hast du geschaut, ob er krank ist? Und er hat gute Laune? Am Morgen?“, Tom setzte sich mit schockierter Miene, starrte Nael an und nahm sich ebenfalls eines der Sandwiches. „Ach jetzt mach nicht so Tom.“, meinte Nael, nun gespielt genervt. „Seit ich dich kenne, bist du noch nie so früh wach gewesen. Und ich lebe mit dir, seit du geboren bist.“, meinte Tom jetzt. „Der freut sich nur.“, meinte Zac. „Ich will mich nicht beschweren. Ist schön mal zum Essen zu kommen und alles steht da.“, lachte Tom und biss herzhaft zu.

Als Peter und Luke wach wurden, waren auch sie extrem verwundert, dass Nael vor ihnen wach waren. Sie fragten ebenfalls ob er krank sei, Peter fühlte sogar seine Stirn, ob er Fieber habe. Nael lachte nur darüber, lies sich nicht anmerken, was wirklich los war.

Sie waren gerade ins Essen vertieft, als Zacs Handy klingelte. Sofort schaute Nael auf. Zac sah auf sein Telefon, wirklich, da stand Taavis Name. „Ja?“, fragte er, als er abgenommen habe. „Hey Kleiner. Ich bin in einer Stunde bei euch. Das Hotel heißt Castro Inn, kennst du?“, Taavis Stimme war klar und freundlich, nicht arrogant und kühl, so wie er vor einiger Zeit gewesen war. „Hey, ja ich weiß wo. Dann sind wir in bisschen mehr als einer Stunde da, ja?“, fragte Zac. Er spürte, dass Taavi am anderen Ende lächelte. „Ich freu mich. Bis gleich.“ Dann legte er auf. Nael schaute ihn schon fragend an.

„In etwas mehr als einer Stunde können wir das Zimmer beziehen. Im Castro Inn.“, meinte Zac und Naels Lächeln wurde sehr viel deutlicher.
„Im Inn? Ihr habt für ein Wochenende in einem 4 Sternehotel gebucht? Das muss dich doch fast dein Wochenlohn kosten Zac.“, fragte Tom nun und blickte Zac mit großen Augen an. Dieser nickte leicht und unsicher, doch Nael rettete ihn erneut: „Wir wollten es halt schön. Die Zimmer und die Wellnessangebote da sind super. Perfekt für uns. Und er verdient doch jetzt echt nicht schlecht, da geht das schon.“ Zac dagegen schluckte leicht. Klar hatte er das Inn schon aus der Ferne gesehen, aber vier Sterne? In so etwas hatte er noch nie übernachtet. „Wow. Das muss ja ein wirklich tolles Wochenende werden.“, meinte Peter nun und grinste verschwörerisch. Ob er etwas ahnte?

„Das wird es. Ich kann es kaum mehr abwarten.“, meinte Nael, sein Grinsen konnte er nun nicht mehr zurück halten. „Wann kommt ihr wieder?“, fragte Luke nun. „Ähm, wahrscheinlich Montag Abend?“, fragte Zac nun. Taavi hatte gar nicht gesagt, ob er schon morgen wieder fahren würde, oder erst Montag Mittag. „Wie wahrscheinlich. Ihr müsst doch wissen, wie lange ihr gebucht habt?“, Tom runzelte nun die Stirn. „Ach, nein. Das war so ein Angebot, wir können das spontan verlängern.“, meinte nun Nael. Doch auch seine Ausrede wirkte nun nicht mehr wirklich sicher.

„Leute, irgendetwas verheimlicht ihr. Was soll das alles? Erst wird Nael wegen so einem Brief verrückt, dann geht es angeblich auf ein Wellnesswochenende ins Inn und das trotz Zacs Arbeit? Ihr könnt mir erzählen was ihr wollt, aber da stimmt etwas ganz sicher nicht.“, analysierte Tom nun. Wie immer fielen ihm Logikfehler und Unsicherheiten sofort auf. Mit seiner logischen Art analysierte er jeden Moment, einfach immer richtig. „Ähm…“, stammelte Zac nun und blickte hilfesuchend zu Nael. Aber auch der schien jetzt nichts mehr sagen zu können, was sie noch rettete. „Sagt schon, was soll das?“, fragte Luke nun auch. Nael schien unsicher und meinte dann: „Na gut. Ähm wir treffen uns da mit Taavi. Mehr sag ich nicht und mehr werdet ihr auch nicht erfahren.“ Luke, Peter und Tom schauten sich irritiert an. „Taavi? Der Taavi?“, fragte Tom deswegen. „Ja, der. Der, der auch die Briefe schreibt.“, meinte Nael noch. „Ich muss euch nicht verstehen, oder? Ich blicke echt nichts mehr.“, meinte Luke nun. Auch Peter und Tom stimmten ihm zu. „Vertraut ihr uns?“, fragte Zac deswegen und fuhr fort, als alle nickten: „Dann werdet ihr früh genug erfahren, wieso und was. Gebt uns einfach etwas Zeit, ja?“ Zac war froh, dass alle zustimmten. Auch Nael schien erleichtert. Zumindest mussten sie sie über ihre Gesellschaft nicht mehr anlügen.

Doch schon nach 10 Minuten fing Peter wieder mit dem Thema an. „Dann war das gerade Taavi?“, fragte er. Zac wurde sofort rot, lügen konnte er einfach nicht. Er nickte deswegen nur leicht, wieso sollte er es auch leugnen. „Ich hatte mich schon gewundert, welcher Hotelangestellte dich mit dem Spitznamen Kleiner anruft.“, lachte Peter. Na super, dass er das gehört hatte. Aber klar, er saß genau neben Zac, da konnte er das schon hören. „Irgendwas geht hier doch vor.“, meinte nun auch Luke. Doch langsam wurde es Nael sichtlich zu viel. Er stand auf und schaute alle ziemlich genervt an. „Jetzt lasst uns doch mal. Ihr erfahrt jetzt noch nicht mehr.“, sagte er. Dann wandte er sich zu Zac: „Los, lass uns noch unsere Koffer fertig packen und dann los geht’s.“ Zac stimmte nickend zu.

Eine dreiviertel Stunde später verließen sie die Wohnung. Sie hatten noch etwas gechillt, ihre Koffer fertig gepackt und sich dann verabschiedet. Bis zum Hotel wären es zu Fuß nur circa eine Viertelstunde, hatte Tom gemeint und ihnen noch einmal den genauen Weg erklärt. Nun liefen sie Hand in Hand die Straßen entlang. „Ich bin aufgeregt Zac.“, meinte Nael nun. Zac musste grinsen. Ja das hatte man heute wirklich schon gemerkt. Nael hätte fast seine Zahnbürste vergessen. Zum Glück hatte Zac es noch gemerkt. „Ich weiß. Ich auch Nael.“, meinte Zac ehrlich. Er war wirklich aufgeregt. Er hatte Taavi schon ewig nicht mehr gesehen und den wahren Taavi, ohne Fassade schon viel länger nicht mehr. Er war wirklich nervös, wie Taavi nun wohl sein würde. Ob er so wäre wie in den Briefen oder doch wieder seine Fassade aufbauen würde. Er musste jetzt dann schon am Hotel sein.

„Was meinst du, was erwartet uns?“, fragte Nael nun und blickte Zac an. Doch dieser zuckte mit den Schultern. „Ich kann es dir nicht sagen. Weißt du ich kenn den Taavi vor der Fassade, dann kenn ich ihn mit der Fassade und den Taavi aus den Briefen. Ich weiß nicht wer uns erwartet. Ich hoffe einfach, dass die Fassade nicht da ist.“, meinte Zac ehrlich. Er wusste wirklich nicht genau, wer ihn erwartet. Er hoffte so sehr, dass es der Taavi aus den Briefen war und der Taavi, den er aus seiner Jugend kannte. Sie näherten sich langsam dem großen, weißen Gebäude. Das Hotel hatte einer dieser Auffahrten, die man aus teuren Hotels in Filmen kannte. Unzählige Büsche, Blumen und Bäume zierten den Garten. Die Auffahrt war gepflastert, ganz sicher teuer. Am gläsernen Eingang erwartete sie ein Wagenmeister in einer roten Uniform, mit goldenen Details und einem Zylinder auf. Zac musste leicht kichern, als sich der Mann, der doch etwas älter war als sie, verbeugte, sie höflich begrüßte und ihnen die Türe aufhielt. Staunend traten sie hindurch.


Die Eingangshalle des Hotels war mit einem Marmorboden und einer hohen Decke, wirklich wunderschön. Rote Teppiche und Goldakzente verliehen dem Raum ein edles Aussehen. Die Anmeldung wurde links und rechts von einer geschwungenen Treppe flankiert, die zu einer Galerie führte. Die Aufzüge waren etwas versteckt, weiter rechts. Einige Sitzgelegenheiten und Pflanzen rundeten das Gesamtbild ab. Gemeinsam traten sie an die Anmeldung. „Wir sind mit Herrn Morgan da. Taavi Morgan. Er müsste zwei Zimmer reserviert haben.“, meinte Zac. Es war komisch, Taavis Nachname zu verwenden. Schon lange hatte er diesen Nachnamen nicht mehr ausgesprochen.

„Dann müssen sie Herr Jones und Herr Carter sein?“, fragte die Dame an der Anmeldung. Auch sie trug eine rote Uniform. Zac und Nael nickten und streckten ihre Personalausweise entgegen. Die Frau nickte, tippte etwas in ihrem PC ein und meinte dann: „Herr Morgen ist vorhin bereits angekommen und hat beide Zimmerschlüssel mitgenommen. Das sind die Zimmer C 11 und C 12. Dritter Stock, im Flur links, die Zimmer sind dann auf der rechten Seite. Sollen wir ihnen ihre Koffer hochbringen lassen?“, erklärte sie. Nael schüttelte entschlossen den Kopf und meinte: „Nein, das geht so.“ Die Dame nickte leicht: „Alles weitere habe ich Herrn Morgan bereits erklärt. Er hat Frühstück für sie alle aufs Zimmer geordert, für das Abendessen haben wir ihnen Tische in den gewünschten Restaurants reserviert. Falls sie die Wellnessangebote unseres Hauses nutzen möchten, finden sie Infoblätter auf den Zimmern. Ich wünsche ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“ Zac und Nael waren doch etwas verwirrt. Sie hatten keine Ahnung von welchen Restaurants sie denn gesprochen hatte, aber Taavi würde ihnen das sicher erklären können. Sie nickten der Mitarbeiterin noch einmal zu und liefen dann zum Aufzug.


„Wow, das ist echt krass hier.“, meinte Zac. Seine Augen waren ziemlich groß geworden. „Ja. Mit Dad war ich früher ständig in solchen Hotels. Immer auf seinen Geschäftsreisen.“, meinte Nael. Sie stiegen gemeinsam in den Aufzug und Zac drückte die 3 für den dritten Stock. Lautlos setzte der Aufzug sich in Bewegung. Stumm warteten sie die kurze Fahrt ab, beide in ihrer Aufregung und ihren Gedanken gefangen. Der Aufzug blieb stehen und die Türen öffneten sich, gaben den Blick frei auf einen weißen Marmorflur mit rotem Teppich und edlen Gemälden. Sie wandten sich nach links, wie die Mitarbeiterin es beschrieben hatte. Zacs Herz klopfte immer stärker, als er die Zimmernummer 8, 9 und 10 an sich vorbei ziehen sah. Mit zitternden Händen blieb er stehen, sein Herz wummerte, so laut, dass er sich sicher war, dass Nael es neben ihm hören musste. Seine Knie waren wirklich weich geworden, seine Hände leicht schwitzig. Sie schauten sich noch einmal unsicher an, dann klopfte Zac.

Nach nur wenigen Augenblicken wurde die Türe aufgezogen. Zac blickte in Taavis Gesicht, so vertraut und trotzdem so anders. Seine weißen Haare lagen noch immer im Mittelscheitel, waren etwas länger geworden und vielen in sein Gesicht. Nicht so perfekt wie früher, eher leicht verwuschelt, etwas ungenau und damit noch schöner. Seine hellbraunen Augen wirkten nicht kühl und distanziert, wie vor einigen Monaten, sondern zeigten ein ganzes Orchester an Emotionen. Furcht und Unsicherheit, Trauer waren zu sehen. Aber auch Freude und Liebe. Sie blickten Nael und Zac so unsicher an, gar nicht kühl und distanziert, wie sonst. Seine Haut war noch immer hell, leicht gräulich, aber einfach makellos. Er trug ein schlichtes Shirt in schwarz, mit etwas Ausschnitt und eine dunkle Jeans. Er spielte mit seiner Hand unsicher an seinem Hals herum. Seine Tattoos zogen sich inzwischen bis zu seinen Ohren hinauf, Zac war sich sofort sicher, dass da noch einige dazu gekommen waren. Seine Arme, seine Hände, sogar seine Finger waren nun voll mit Tattoos. Nur sein Gesicht war noch immer frei. Zac stand wie angewurzelt in der Türe, schaute Taavi einfach nur an. Wie lange hatte er von diesem Moment geträumt. Dass er und Taavi sich endlich wieder nahe sein könnten. Und jetzt stand Zac hier, mit klopfendem Herzen und war sich unsicher, ob Taavi ihn wirklich wollte. Doch Nael half ihm aus seiner Schockstarre, in dem er Zac leicht in die Seite stieß und flüsterte: „Na los. Ich seh doch, dass ihr euch begrüßen wollt.“


Auf Zacs Gesicht stahl sich ein leichtes Lächeln, bevor er sich endlich berappelte und mit schnellen Schritten auf Taavi zu lief. Auch Taavi grinste nun deutlich, streckte die Arme nach Zac aus und zog ihn dann in eine feste Umarmung. Zac spürte, wie er den Kontakt zum Boden verlor und von dem viel größeren Taavi hoch gehoben wurde. Aus Reflex legte er seine Beine um Taavis Hüfte, schmiegte sich eng an ihn und schaute ihn mit großen Augen an. „Ich hab dich so vermisst Kleiner. Es tut mir so leid. Bitte verzeih mir.“, flüsterte Taavi, noch immer mit Unsicherheit in seinem Blick. Zac lächelte ihn warm an. „Das hab ich doch schon längst Ta.“, flüsterte Zac, fasste endlich all seinen Mut zusammen und küsste Taavi ganz vorsichtig.

Dieser erwiderte den Kuss sofort, presste seine Lippen stärker auf Zac. Sie bebten leicht und schon kurze Zeit später spürte Zac warme Tränen auf Taavis Wangen. Zac vertiefte den Kuss, hielt sich an Taavi wie ein Ertrinkender an seine Rettung. Und auch Taavi zog Zac nun noch enger zu sich, brach den Kuss um sein Gesicht mit Küssen zu überdecken. Zac musste nun lachen, sein Herz sprang vor Freude fast aus seiner Brust. Das war Taavi. Das war der Taavi, den Zac kannte und liebte. Langsam löste sich Zac von ihm, Ta stellte ihn wieder auf seine eigenen Beine. Langsam wandte Taavi sich zu Nael, der noch immer im Eingang des Zimmers stand, glücklich lächelte und nun auch leicht unsicher wirkte. Doch Taavis Unsicherheit schien nun gebrochen zu sein. Er überbrückte die Distanz zwischen sich und Nael mit nur wenigen Schritten, legte eine seiner Hände in Naels Nacken und die andere auf seinen Rücken. Dann zog er Nael an sich, kam mit seinem Gesicht immer näher und legte schließlich seine Lippen sanft auf Naels. Dieser legte seine Arme um Taavi, gab sich dem Kuss mehr hin und gab Taavis Zunge Platz, die sich jetzt sanft zwischen dessen Lippen schlich. Zac konnte sofort hören, wie Naels Atem schwerer wurde, als sich wohl ihre Zungen trafen und sanft miteinander spielten. Dann brach Taavi den Kuss, legte seine Stirn an Naels Stirn und flüsterte: „Hey.“
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