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To my dear friend

GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / MaleSlash
29.06.2021
31.07.2021
33
81.648
8
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29.06.2021 1.803
 
Hallo zusammen,

schon eine Ewigkeit hab ich hier nichts mehr veröffentlich. Ich hatte damals an ganz anderen Geschichten gearbeitet, doch meien Bachelorarbeit hielt mich dann vom Schreiben ab und nun kann ich nicht wirklich mehr an die alten Geschichten anknüpfen.
Diese Geschichte wird aber relativ regelmäßig geupdatet, die ersten 32 Seiten sind auch schon geschrieben. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mir eine kleine Rückmeldung da lasst, wie euch das ganze so gefällt. Und nun viel Spaß beim Lesen.

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Zac wischte sich die Schweißperle aus der Stirn und holte tief Luft. Eigentlich liebte er den Sportunterricht, aber heute konnte er nicht abwarten endlich nach Hause zu dürfen. Er wusste genau, dass da dieser Brief im Briefkasten sein würde. Dieser Brief, der sein Leben verändern konnte. Dieser Brief, der ihm endlich etwas Gewissheit verschaffen sollte. Seine Mitschüler schienen ganz versessen zu sein dem Lehrer zu beweisen, dass sie die besten Fußballspieler seien. Immer wieder rannten sie dem Ball hinterher, ganz fokussiert darauf, als wäre es der Mittelpunkt der Erde. Fußball war nicht Zacs Sport. Er liebte andere Dinge wie Kampfsportarten oder Leichtathletik. Trotz seiner kleinen Größe war er gut darin. Er war schnell und unnachgiebig und konnte es so mit einigen größeren und schwereren Mitschülern aufnehmen. Endlich erklang schrill der Pfiff des Lehrers. „Schluss für heute. Zieht euch um, ihr könnt gehen.“, rief Mr. Bernd über das Feld. Zac war fürchterlich erleichtert, endlich nach Hause zu können aber gleichzeitig stieg seine Aufregung auch deutlich.

Zusammen mit den anderen lief er zu den Umkleidekabinen hoch. Das Umziehen war ihm immer unangenehm. Nicht weil andere ihn ansehen würden, sondern weil er fürchterlich ängstlich war, dass jemand sein Geheimnis bemerken würde. Er hatte noch niemand außer Mara gesagt, dass er schwul war. Und so sehr er sich auch bemühte in der Umkleide niemals jemanden anzusehen, so konnte er manchmal seine Augen nicht von dem ein oder anderen Körper lassen. Aber immer nur wenige Sekunden und meist fühlte er sich eh schon schlecht danach. Seine Klassenkameraden schienen davon nichts zu bemerken. Allgemein ließen sie Zac eh die meiste Zeit in Ruhe. Er wurde nicht gemobbt oder so, aber er war einfach außen vor. Und das war für Zac auch genau richtig so. Er schien keine Verbindung zu den anderen zu spüren, wusste nicht über was er mit ihnen reden sollte. Er hatte mit ihnen einfach nichts gemeinsam. Und sein ungewöhnliches Aussehen half dabei anscheinend auch nicht.

Zacs rabenschwarze Haare waren relativ lang und lagen meist wirr und verstrubbelt in sein Gesicht. Er war nichts besonders groß, nur 1,68m aber schlank und trainiert. Sein Gesicht war schmal, zierlich und gezeichnet von seinen Emotionen. Besonders das mochte Zag noch nie. Er errötete fürchterlich schnell, jede Emotionen war ablesbar. Wenn er sich ärgerte verzog sich sein schon schmaler Mund zu einem Strich und eine tiefe Furche zog sich zwischen seine Augen. Aber das alles war noch nicht das Außergewöhnlichste. Alle Menschen starrten immer seine Augen an, Zac konnte es auch verstehen. Noch nie hatte er jemand mit solchen Augen gesehen. Während sein linkes Auge grasgrün war, stach das rechte mit einem Blauton noch mehr heraus. Die Ärzte hatten ihm als Kind erklärt, dass das Heterochromie hieß, aber die leuchtende Farbe seiner Iris konnten sie trotzdem nicht erklären.

Früher hatte Zac sich für seine Augen geschämt, aber inzwischen mochte er sie. Sie verliehen ihm einen ganz besonderen Blick. Als er endlich angezogen war, schulterte er seinen Rucksack und verließ die Umkleide. Schweigend lief er zu seiner Bushaltestelle. Der Weg vom College dahin war eigentlich nicht wirklich weit, aber heute zog er sich doch hin. Nur noch wenige Monate trennten ihn von seinem Abschluss an der CCD. Er hatte dort nun zwei Jahre an seinem Abschluss als Psychologe gearbeitet und wäre endlich bald soweit an eine Universität zu wechseln. Durch das College würde er garantiert an einer der Unis in Denver angenommen, aber durch den Brief hatte er eventuell auch ganz andere Pläne.

Voller Gedanken stieg er aus dem Bus aus und lief die letzten Meter zur Wohnung immer schneller. Zac wohnte in einer WG in Five Points, einem multikulturellen Viertel Denvers, bekannt für seine Clubszene und die vielen Bars. Zac liebte es hier mit seinen Freunden auszugehen, naja, zumindest früher. Er sperrte den Briefkasten mit zitternden Händen auf und zog einen dicken Brief der Stadtverwaltung heraus. Endlich war es soweit. Endlich würde er mehr erfahren. Er steckte den Brief in seine Jackentasche, sperrte die Wohnungstür auf und sprintete die Treppen herauf. Endlich war er in der Wohnung im vierten Stock angekommen, sperrte die Türe auf und schlug sie geräuschvoll hinter sich zu. Wie immer war es still in der Wohnung, niemand schien hier zu sein. Was hatte er auch anderes erwartet. Er schmiss seinen Rucksack in die Ecke des Flurs und betrat das Wohnzimmer. Es war geräumig und bot nicht nur Platz für ein großes Sofa und einen Fernseher, sondern auch einen großen Esstisch und die Wohnküche.

Er lies sich auf das weiße Sofa fallen und befreite sich von seinen schwarzen Sneakern. Dann legte er den Brief auf den hölzernen Couchtisch und starrte ihn an. Das war es. Endlich würde er Gewissheit haben. Wie sehr hätte er sich jetzt seine Freunde her gewünscht, aber wie so oft waren sie nicht zu sehen. Wie sehr hatte er gehofft, dass Mara oder Hayden nun da wären. Sie waren beide etwas älter als er und eigentlich seine besten Freunde. Naja, also Mara war auch etwa für zwei Wochen seine Freundin gewesen, bis Zac entdeckt hatte, dass er nicht auf Frauen stand. Sie hatten sich getrennt, waren noch immer Freunde, aber die Stimmung war nun etwas schwierig zwischen ihnen. Und seit die beiden nun einen Job hatten, waren sie noch weniger da. Aber hätten sie nicht eine Ausnahme an seinem Geburtstag machen können? Doch anscheinend hatten sie nicht daran gedacht.

Von Taavi hatte er dies erst gar nicht mehr erwartet. Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als er an ihn dachte. Ihn seinen besten Freunden, sein Spielkamerad aus der Kindheit und ganz heimlich auch seine große Liebe. Früher hatte er gedacht er liebe Taavi wie einen Bruder, doch schon bald war er der Hauptakteur seiner feuchten Träume geworden. Wenn er ihn sah, schlug sein Herz schneller und er spürte tausende Schmetterlinge in seinem Bauch. Nur leider wusste Taavi nichts davon und anscheinend empfand dieser nicht das Gleiche für Zac. Früher hatten sie über alles geredet, stundenlang an der Konsole zusammen gespielt, doch seit einiger Zeit sah er Taavi im Grunde nicht mehr. Er hatte diesen Job angenommen, war ständig nur noch unterwegs und wenn er da war, schien er so viel Platz wie möglich zwischen sich und Zac bringen zu wollen. Sie sprachen kaum mehr, verbrachten keine Zeit mehr miteinander. Und so sehr Zac sich auch nach Taavis Liebe sehnte, so arg vermisste er auch ihre Freundschaft. Sie waren wie Brüder gewesen.


Sie alle hatten sich im Heim kennen gelernt. Während Taavi und Hayden Brüder waren, hatten sie sich mit Mara und Zac angefreundet. Zac konnte sich nicht an seine Eltern erinnern, da er mit nur wenigen Wochen im Heim abgegeben wurde. Die anderen waren etwas älter als er und wurden so zu seinen Ziehgeschwistern. Als sie endlich alt genug wurden, beschlossen sie gemeinsam in eine WG zu ziehen. Da hatte Zac gerade sein College begonnen und war etwas älter als 18 Jahre gewesen. Er dachte inzwischen eher traurig an die alten Zeiten zurück. Damals waren sie sich alle noch sehr nahe gestanden. Doch dann hatten die anderen zu arbeiten begonnen und das Verhältnis hatte sich verschlechtert. Nun war Zac fast immer alleine. So auch heute. An seinem 20 Geburtstag.

Er zog sein Handy aus der Tasche und entsperrte es. Beim Blick auf sein Hintergrundbild verzog sich sein Herz noch mehr. Es war ein Bild von sich und Taavi. Der jüngere Zac auf dem Bild strahlte in die Kamera, während Taavi wie immer relativ undurchsichtig schaute. Nur sein rechter Mundwinkel war etwas nach oben gezogen zu einem leichten Lächeln. Niemand hatte angerufen, niemand geschrieben und das obwohl der Tag fast vorbei war. Sie hatten ihn einfach vergessen. Er schmiss das Handy wütend auf den Tisch, vergrub sein Gesicht in seinen Händen und versuchte nicht zu weinen. Bedeutete er ihnen denn gar nichts mehr? Er biss sich auf die Unterlippe um sich zu beruhigen und blickte auf den Brief. Vielleicht gab es ja noch Hoffnung. Schon immer wollte er wissen, wer seine Eltern waren. Und auch wenn sie nicht mehr lebten, wollte er wenigstens ihre Namen kennen. Und nach den endlichen Jahren konnte er endlich verlangen, dass die Stadtverwaltung die Namen preisgab.

Er riss den Brief nun ungeduldig auf, seine Augen immer auf den Brief gerichtet. Er zog drei Papiere aus dem Umschlag heraus. Die ersten zwei überflog er nur. In ihnen stand nichts wichtiges. Doch das dritte war der langersehnte Auszug aus dem Melderegister. Der erste Eintrag war sein eigener Name, Geburtstag und Geburtsort. Während er schon gewusst hatte, dass er heute, am 19.05 geboren war, wusste er nicht wo. Und nun wunderte er sich doch wirklich über den Ort. San Francisco. Er war noch nie in San Francisco gewesen. Wie war er dann wohl als Säugling in einem Kinderheim in Denver gelandet? Zac schüttelte den Kopf. Er hatte sich immer gewünscht Antworten von diesem Brief zu bekommen, nicht Fragen. Der nächste Eintrag sollte eigentlich sein Vater sein, aber da war alles leer. Enttäuscht stöhnte er auf. Sein Vater war also nicht eingetragen gewesen. Wie sehr hatte er sich gehofft endlich zu wissen wer seine Eltern waren. Zu wissen wo seine Wurzeln lagen und endlich diese leere im Herzen füllen zu können. Zac schluckte den Klos in seinem Hals herunter und blickte zitternd auf den letzten Eintrag.

Scharf zog er die Luft ein. Der Eintrag seiner Mutter war ausgefüllt. Da stand wirklich der Name seiner Mutter. Phebe Torry. Phebe. Was ein wunderschöner und außergewöhnlicher Name. Eine Wärme bereitete sich in seinem Herzen aus. Ja, bei ihr konnte er sich vorstellen, dass sie ihr Kind Zac und nicht Zachary oder ähnliches nennen würde. Zacs Herz überschlug sich fast, als er im Eintrag auch eine Adresse sah. Eine aktuelle Adresse. Eine wirklich aktuelle Adresse in an Francisco. Seine Mutter lebte. Sie lebte wirklich. Er.. er hatte eine lebende Mutter.

Ein Mensch, der ihn vielleicht lieben würde. Der ihn verstand und Antworten geben konnte. Antworten auf die Fragen, die er schon so lange gewollt hatte. Tränen überströmten seine Wangen und trübten seine Sicht. Er fasste einen Entschluss. Komme was wolle, er würde eine Uni in San Francisco besuchen, seine Mutter treffen und neu beginnen. Was hielt ihn denn hier in Denver? Freunde, die sich nicht meldeten und ihn an seinem Geburtstag vergaßen und eine heimliche Liebe, die Taavi nie erwidern würde. Vielleicht, na nur ganz vielleicht könnte er in San Francisco ja sein Glück finden.
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