Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Familie Lucas: Teil III / John

von kira 21
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine "Kitty" Bennet Lady Lucas Lydia Bennet Maria Lucas Mr. Bennet Mrs. Bennet
29.06.2021
21.10.2021
33
34.010
 
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.10.2021 1.048
 
Edward warf die Karten auf den Tisch, „dein Spiel!“ Mit kaum wahrnehmbaren Lächeln schob er seinen Einsatz seinem Freund Daniel zu und lehnte sich im Stuhl zurück.

Daniel starrte die Chips an, als befürchtete er, sie würden ihn beißen. „Verflixt Edward. Du bist wohl betrunkener als ich dachte. Sonst verlierst du nie.“

„Entweder das oder er ist verliebt.“, sagte Michael scherzend. Er hob die Augenbraue und musterte Edward amüsiert, „ich habe dich noch nie so schlecht spielen sehen.

„Von verliebt kann keine Rede sein“, erwiderte Edward. Eine steile Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen. Er winkte dem Kellner und bestellte eine weitere Flasche des ausgezeichneten Rotweins. Die drei Männer befanden sich in einem Privatsalon des White`s (87) – einem exklusiven Club in London. Seit dem frühen Abend spielten sie bereits. Inzwischen war es drei Uhr morgens, und mehrere geleerte Flaschen standen auf dem Tisch, doch immer noch dachte keiner daran, den Abend zu beenden. Alle drei hatten mittlerweile ihren Gehrock abgelegt und Michael machte einen ziemlich zerzausten Eindruck. Daniel hingegen hatte nichts von seiner blendeten Eleganz eingebüßt. Auch Edward wirkte, als ob ihm der Alkoholgenuss nichts anhaben könne. Lediglich der feurige Ausdruck in seinen gewöhnlich so kühl blickenden grauen Augen verriet, dass er nicht mehr ganz so nüchtern war, wie es den Anschein hatte.

„Nun ich werde mein Glück nicht hinterfragen“, sagte Daniel. Er war groß breitschultrig mit blondem Haar und verträumt blickenden blauen Augen. „Aber was die Langeweile angeht stimme ich dir zu.“

„Worin stimmst du Edward zu, Daniel?“, fragte ein weitere Gentleman welcher so eben in Begleitung zweier Freunde den Salon betrat. Die Drei nahmen Platz und schenkten sich Wein, in die bisher ungenutzten Gläser ein.

„Es ist so unerträglich langweilig.“, erklärte Edward seinen Freunden. „Die nächtlichen Pferderennen durch den Hyde Park haben ebenso ihren Reiz verloren wie die Wagenrennen durch die Straßen der Stadt oder die Wetten und die Karten.“

„Sowie die Damen! Die Damen der Gesellschaft die uns zu Füßen liegen verloren sehr schnell ihren Reiz und es langweilt uns inzwischen auch die Ehrbaren zu verführen.“, sagte Michael.

Asher lachte, „mich gelüstet es wieder einmal nach einer Jungfrau.“

Edward schüttelte sich entsetzt, „eine Debütantin verführen für ein kurzes Vergnügen. Nur um sich in der Ehefalle wiederzufinden. Nein danke!“

„Irgendwann müssen wir alle heiraten und einen Erben zeugen.“, bemerkte Patrick und setzte hinzu. „Weshalb dann nicht einwenig Nervenkitzel und eine Debütantin verführen?“

„Nun ich werde gewiss niemals heiraten.“, erklärte Edward und setzte hinzu. „Daniel hat drei jüngere Brüder,
James und Michael haben jeweils zwei jüngere Brüder, du; Patrick und ich können beide noch jeweils einen Bruder vorweisen und Asher hat immerhin einen Vetter.“

Asher schnaubte verächtlich, „eher friert die Hölle zu bevor ich erlaube, dass dieser Bettler erbt.“

Patrick musterte seinen Freund überrascht, „ich ahnte nicht …“

„Mein Onkel heiratete die Tochter unseres damaligen Verwalters. Mein Großvater enterbte ihn daraufhin, so blieb ihm nur das Vermögen seiner Mutter. Er konnte seinen Sohn sogar eine Weile in die Cheam School (88) und auf das Eton College (89) schicken irgendwann begann mein Onkel zu spielen und verlor sein Vermögen. Nach seinem Tod schickten uns seine Frau und sein Sohn Bettelbriefe, aber sowohl mein Großvater als auch mein Vater ignorierten sie. Schon bald landeten die Beiden in der Gosse, das Weib verdingte sich als Küchenmagd und ihr Sohn schuftete eine Weile in den Docks.“

„Ich hörte nach dem Tod seiner Mutter ging er nach Yorkshire (90) und arbeitete in einer Weberei. Schon bald fiel er dem Besitzer auf, da er ein kluger Kopf war und die Webstühle zu verbessern verstand wo durch sich die Produktion erhöhte. Der Besitzer machte deinen Vetter zu seinem Teilhaber und bald begann dieser in andere Unternehmen zu investieren, inzwischen ist sein Vermögen dreimal so viel wert wie deines, Asher.“

„Und wenn schon er bleibt ein Bettler, der Sohn einer Magd. … Auch wenn er seit einigen Jahren mit Mr. Blakeney befreundet ist.“

„Aber um auf das Problem der Langeweile zurück zu kommen. Es gibt da ein gewisses Establishment in einer Seitenstraße der Bridel Lane, es hat sich darauf spezialisiert Jungfrauen zu verkaufen. … Sie haben natürlich ihren Preis.“, ließ sich zum ersten Mal James vernehmen.

„Was für Jungfrauen?“, fragte Asher mit unverhohlener Begierde im Blick.

„Töchter von Handwerkern und Händler hier in der Stadt.“

„Wir sollten uns drei Jungfrauen besorgen lassen und um sie würfeln. … Ich werde ein Haus etwas außerhalb der Stadt mieten.“, erklärte Asher nach einer Weile.

~~~

Drei Wochen später hatte besagtes Establishment nicht nur für drei Jungfrauen gesorgt sondern auch für einige weitere Mädchen.

In einem Zimmer im dritten Stock betrat eine mütterliche Frau eines der Zimmer und sah sich das junge Mädchen an. „Wo bin ich? … Mein Vater wird sicherlich jede Summe zahlen!“, rief das Mädchen verzweifelt aus.

Die Frau lachte, „ich habe deine Jungfräulichkeit verkauft. Wenn die Gentlemen mit dir fertig sind, wird dein Vater dich nicht zurück nehmen, Schätzchen. Aber keine Sorge du kannst für mich arbeiten. Eine Weile wirst du mir noch gutes Geld einbringen.“

Die Alte verließ das Zimmer und schloss hinter sich die Tür ab, während das Mädchen fieberhaft nach einer Fluchtmöglichkeit suchte. Wie ein gehetztes Tier schaute sie sich im Zimmer um bis ihr Blick auf das Fenster fiel, der Riegel ließ sich leicht öffnen und das Fenster lautlos hochschieben. Es gab keinen Baum oder Ranghilfe an der sie hinunter klettern könnte. Plötzlich hörte sie die Stimme der Frau, „bringt die Mädchen nach unten in den Speise-Salon.“

Das junge Mädchen schloss für einen Moment die Augen und sie begriff es gab kein Entkommen, sie hörte wie die Tür aufgeschlossen wurde und ließ sich fallen.

„Verflucht!“, schrie der Mann und die mütterlich wirkende Frau stürzte ins Zimmer und an das Fenster.
„Sieh nach ob sie noch lebt, und wenn nicht schaff sie weg. Lege sie am besten unter eine Brücke in der Stadt, aber auf jeden Fall weit genug vom Haus entfernt.“

Seufzend machte sich die Frau auf den Weg in den Speise-Salon, „verzeihen Sie Gentlemen. Leider gab es ein Missgeschick es stehen Ihnen nur zwei Jungfrauen zur Verfügung.“

„Schon gut.“, knurrte Asher unwillig.



-(87; White`s: https://de.wikipedia.org/wiki/White%E2%80%99s_Club)-

-(88; Cheam School: http://en.wikipedia.org/wiki/Cheam_School)-

-(89; Eton College: http://de.wikipedia.org/wiki/Eton_College)-

-(90; Yorkshire: https://de.wikipedia.org/wiki/Yorkshire)-
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast