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gone

GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Gen
Dr. Chris Taub Dr. Eric Foreman Dr. Gregory House Dr. James Wilson Dr. Robert Chase
28.06.2021
23.07.2021
13
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22.07.2021 1.351
 
Kapitel 12
Robert Chase

Er hatte nicht gedacht, seinen Boss schon so bald wieder in einem Krankenbett liegen zu sehen. Er hatte gehofft, es würde nicht wieder vorkommen. Und nun waren sie hier.
Bis auf House und ihn war das Zimmer leer. Seit seiner Ankunft vor knapp einer Stunde hatte er die Augen noch nicht geöffnet. Chase stand am Fußende seines Bettes und las in der Akte seines Bosses, dabei sah er immer wieder auf, in scheuer Erwartung, er würde gleich erwachen und ihn ansehen.
House und Wilson waren per Krankenwagen von ihrem Termin bei Dr. Nolan zurückgekehrt, deutlich früher, als es irgendeiner der Teammitglieder erwartet hatte. Wilsons stammelnden Worten zu urteilen war er urplötzlich in Ohnmacht gefallen, bereits kurz nachdem sie die Sitzung begonnen hatten. Bislang wusste keiner den Grund für House’ plötzliche Bewusstlosigkeit. Doch sie alle hatten eine Ahnung, die keiner auszusprechen wagte.
Ein leises Stöhnen weckte Chase’ Aufmerksamkeit, sein Kopf fuhr hoch und sein Blick fixierte sich auf House, der den Kopf von einer Seite auf die andere neigte und dessen Augenlider kurz darauf ganz leicht zu flattern begannen. Die Minuten verstrichen in vollkommener Stille, bis House endlich die Augen öffnete und Chase ansah.
Der Blonde eilte sofort an die Seite seines Bettes, zückte eine kleine Taschenlampe und durchleuchtete die Augen seines Gegenübers. House neigte den Kopf weiter in eine Richtung, als wolle er sich dem Licht entziehen, dabei grummelte er unverständlich.
„Können Sie mich hören? Wissen Sie, wer Sie sind?“, wollte Chase von ihm wissen, erhielt jedoch keine Antwort, sondern nur ein weiteres, unzufrieden klingendes Brummen.
„Können Sie mich hören?“, fragte er erneut, diesmal lauter. Jetzt hob House die Hand, packte Chase Handgelenk und schob es zur Seite.
„Ja, Alter, und jetzt nimm das Ding aus meinem Gesicht“, knurrte er hörbar mies gelaunt. Chase war erleichtert, schaltete das Licht aus und ließ die Lampe in der Tasche seines Kittels verschwinden. Etwas entspannter richtete er sich auf und trat einen Schritt vom Bett seines Patienten zurück. Aufmerksam beobachtete er, wie House mit der Hand nach der Fernbedienung des Bettes griff und per Knopfdruck das Kopfteil anhob, bis er einigermaßen aufrecht saß.
„Mein Schädel dröhnt“, beschwerte er sich und rieb sich mit dem Handballen vorsichtig über die Stirn.
„Kein Wunder, Sie haben sich laut Wilson durch einen Sturz vom Stuhl den Kopf angehauen. Sie haben Glück, dass nichts schlimmeres passiert ist.“ So wie es aussah, würde House wohl gerade einmal durch eine große Beule an der Stirn an den Vorfall erinnert werden. Dabei war es bei seiner Vorgeschichte durchaus denkbar, dass die Blutung in seinem Gehirn erneut auftrat. Er hatte wirklich Glück.
Für einen Moment blickte House ihn irritiert an, wenige Sekunden später schien er sich allerdings wieder daran zu erinnern, was passiert war. Sichtlich wenig begeistert verzog er das Gesicht zu einer leidenden Grimasse, ehe er sich tiefer in die Kissen sinken ließ. Ein paar Herzschläge lang dominierte Stille den Raum. Chase wollte gerade dazu ansetzen, in Erfahrung zu bringen, wie es zur plötzlichen Ohnmacht seines Bosses gekommen war, doch jener kam ihm zuvor.
„Kann ich Sie etwas fragen?“
Chase verwunderte die plötzliche Unsicherheit in der Stimme seines Bosses und der Blick, den er ihm zuwarf. Seine blauen Augen schimmerten fast traumatisiert, als er ihn ansah.
Chase nickte, zog sich einen Stuhl an die Seite des Bettes und setzte sich. Aufmerksam und möglichst freundlich sah er House an und wartete stumm.
„Bei dem Gespräch mit Nolan… da habe ich mich an meinen Entzug erinnert“, erklärte House hörbar zögernd und wandte den Blick ab, starrte an die Wand ihm gegenüber. „Ich kann mich aber nicht daran erinnern, wonach ich süchtig war.“
Es war komisch, solche Worte aus dem Mund von House zu hören. Noch komischer war es, wie bedrängt und verschreckt er wirkte. Fast wie ein Kind, das mit einer Situation konfrontiert wurde, die es nicht einzuschätzen wusste.
Chase überlegte, was er antworten sollte, während House ihn nur fragend, nach Antworten suchend ansah. Der Blonde wusste, dass Wilson sich bisher nicht getraut hatte, das Vicodin zu erwähnen. Zwar hatte er House nicht angelogen, er hatte es ihm lediglich verschwiegen, doch wenn Chase es nun nicht erwähnte, dann machte er sich zweifelsohne der Lüge schuldig. Und das wollte er nicht.
„Aufgrund der Verletzung Ihres Beins, sind Sie von dem Schmerzmedikament Vicodin abhängig gewesen“, erklärte er vorsichtig, jedes Wort wohl gewählt. In House’ Miene ließ sich eine Reaktion nur sehr vage ablesen. Verschiedenste Emotionen spielten in diesem Moment in den blauen Sehern des Arztes, kämpften gegeneinander um die Vorherrschaft.
„Wilson sagte, ich würde die Schmerzen durch meinen Job bewältigen“, erwiderte er dann leise, nachdenklich. Aus seiner Stimme stach ein scheuer Vorwurf, der Chase dazu veranlasste, sofort zu intervenieren.
„Wilson hat es gut gemeint. Er hatte Angst, Sie würden die Medikamente weiter nehmen.“ Seine Gedanken rasten, nach schlauen Worten suchend.
„Was wäre schon dabei, wenn die Medikamente meine Schmerzen lindern?“, entgegnete House, diesmal klang seine Stimme scharf. Chase bekam einen Schreck, das durfte nicht sein. Vielleicht war es nicht ganz fair gewesen, dass Wilson die Medikamente nicht erwähnt hatte, aber House durfte ihm deswegen keinen Vorwurf machen. Er hatte es in seinem Sinne verheimlicht, um ihn zu schützen.
„Vicodin ist kein leichtes Schmerzmittel“, entgegnete der Australier so fachmännisch und professionell, wie er es in diesem Moment nur konnte. „Für den Entzug haben Sie sich damals selbst entschieden, nachdem Sie tagelang unter Halluzinationen litten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Ihren hohen Konsum ausgelöst wurden.“ Tief atmete er einen Moment durch, ehe er fortfuhr. „Sie benutzten die Drogen oft dafür, um auch Ihren emotionalen Schmerz zu betäuben und haben daher viel zu viel genommen. Zwei Jahre nach Ihrem Entzug wurden sie rückfällig.“ Wieder eine kurze Pause. „Die Medikamente schädigen bereits seit Jahren Ihre Organe. Wilson wollte Sie davor schützen, indem er Ihnen das Vicodin verschwiegen hat. Es war zu Ihrem besten.“
Angespannt beobachtete Chase die streitenden Emotionen im Gesicht seines Bosses und stellte mit Erleichterung fest, dass sich seine Mimik bald darauf ein wenig entspannte. Es war kaum zu glauben, House zeigte sich tatsächlich einsichtig.
„Ich verstehe“, hörte Chase die raue Stimme sagen. Erleichterung flutete seinen Körper und lies ihn entspannen. Er öffnete den Mund, um noch einige aufbauende Worte loszuwerden, doch dazu kam es nicht mehr, als die Schiebetür hinter ihm sich geräuschvoll öffnete. Kurz darauf streckte Taub den Kopf durch die Tür und blickte die beiden Ärzte an.
„Foreman möchte Sie sprechen“, teilte er Chase trocken mit. Der Blonde seufzte und drehte sich entschuldigend zu House um. Dieser winkte ab.
„Gehen Sie nur“, erwiderte er, schnappte sich erneut die Fernbedienung des Bettes und senkte das Kopfteil ein Stück ab. Chase nickte ihm zu. Es war vielleicht keine schlechte Idee, wenn er noch ein wenig Zeit zum Ausruhen bekam. Wilson hatte beschlossen, ihn wenigstens über Nacht noch zur Beobachtung da zu behalten.
So verließ Chase das Zimmer und steuerte auf direktem Wege den Fahrstuhl an, um Foremans Bitte nachzukommen. Was der neue Verwaltungschef wohl wollte?
In Foremans Büro angekommen erwartete ihn der ehemalige Kollege bereits und reichte ihm sogleich eine dünne Patientenakte.
„Gerade reingekommen“, murmelte er beiläufig, während Chase den blauen Umschlag entgegennahm, allerdings keinen Blick hinein warf, sondern stattdessen seinen Vorgesetzten verständnislos anblickte.
„Glauben Sie wirklich, dass das eine gute Idee ist?“, fragte Chase, seine Stimme hörbar zweifelnd und auch ein wenig empört. Gab es momentan nicht genug Probleme, mit denen sich das Team herumschlagen musste? Musste Foreman ihnen nun auch noch einen neuen Fall aufbrummen?
„Nein.“ Foremans Antwort kam trocken, wurde jedoch untermalt von einem schweren Seufzen, als er sich in seinem Stuhl zurücklehnte und Chase sichtlich unzufrieden ansah. „Aber wir müssen wieder neue Fälle annehmen. Die Abteilung kostet das Krankenhaus zu viel Geld, wenn niemand neue Patienten aufnimmt.“
Chase rümpfte verärgert die Nase. Dass sie keine Patienten aufnahmen, lag ja wohl nicht daran, dass sie faul waren. Doch er verkniff sich eine bissige Bemerkung. Mit Foreman einen Streit anzufangen, hatte keinen Sinn. Er würde einfach versuchen, neben seinen Bemühungen für House auch noch die Diagnostik eines Patienten unterzubringen.
„Ich schau, was ich tun kann“, murmelte der Australier und wandte sich zum Gehen.
„Danke“, erwiderte Foreman und ließ ihn ziehen.
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