Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ich werde dich immer lieben

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert OC (Own Character)
26.06.2021
19.09.2021
44
29.309
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.08.2021 846
 
Sie war bereits heute morgen, wie immer, bei ihm. Eigentlich wollte sie vieles sagen, sich entschuldigen und sich verabschieden. Doch es kam kein Wort raus. Der Kloß, der sich in ihrem Hals bildete, sorgte dafür, dass sie nicht sprechen konnte. Wieder bildeten sich Tränen in ihren Augen, was sie eigentlich zu verhindern versuchte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und ihre Seele brannte wie Feuer. Fast vier Jahre lang wartete sie bereits auf ihr Wunder. Vier Jahre! Die Zeit des Wartens war bereits länger, als die Zeit die sie mit ihm verbracht hatte. „Mami nicht gut?“, fragte Ella und schaute sie mit ihren großen, blauen Augen an. Das Mädchen war auf das Bett geklettert und saß nun dort. „Die Mami ist nur etwas traurig.“, flüsterte sie. Anja schaute Hubert an. Er wird nicht mehr aufwachen, dafür liegt er schon zu lange dort. Dies wurde ihr gerade bewusst. In ihrer Handtasche fand sie einen Kugelschreiber, in der Nachttisch Schublade vom Krankenbett ein paar Zettel. Sie setzte sich auf einen Stuhl und schrieb ein paar Zeilen.


Lieber Franz,
ich weiß nicht ob und wann du wieder aufwachen wirst. Ich würde mich natürlich freuen, wenn du es tust. Zudem Zeitpunkt, wo ich dir diesen Brief schreibe, liegst du bereits fast vier Jahre lang im Koma. Wir vermissen dich jeden Tag, vor allem ich. Diese Zeilen schreibe ich dir, weil ich es nicht mehr schaffe mit dir zu reden. Auch jetzt laufen einige Tränen meine Wange hinunter. Ich werde dich und Wolfratshausen verlassen! Es tut mir in der Seele weh, doch ich schaffe es nicht mehr. Die ganze Situation ist einfach zum verrückt werden, weil es so schrecklich kompliziert ist. Du lebst nicht, bist aber auch nicht tot. Ich bin keine Ehefrau, aber auch keine Witwe.
Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mir wünsche, dass du wieder aufwachst. Die Ärzte meinten schon vor einigen Jahren zu mir, dass du nicht mehr aufwachen wirst. Allerdings glaube ich an ein Wunder, zumindest glaubte daran. Dennoch schaffe ich es nicht, die Maschinen abstellen zulassen. Du hast einmal zu mir gesagt, dass du es nicht willst und daran halte ich mich. Es zerstört mich innerlich, diese Ungewissheit. Schafft er es? Schafft er es nicht? Hast du auch die richtigen Entscheidungen getroffen? Wäre das in seinem Sinne? Jeden Tag sitze ich mehrmals hier und rede mit dir. Dabei erzähle ich dir alles, was ich so erlebe, in der Hoffnung, dass du es mitbekommst und es dich irgendwie bewegt. Vielleicht hoffe ich auch einfach nur, dass es dein Unterbewusstsein in irgendeiner Art und Weise erreicht und du dadurch aufwachst. Doch nun habe ich keine Hoffnung und auch keine Kraft mehr. Es liegt nicht an dir, du kannst ja nichts für deinen Zustand. Es ist alles einfach so kompliziert, zu kompliziert. Aber eins weiß ich, ich brauche Abstand, zu allen. Nur dir und meinem Vater sage ich „Tschüss“. Die anderen kann ich gerade nicht gebrauchen. Schieb es ruhig auf meine Hysterie. Falls du dich fragst, wo ich jetzt hingehe, ich habe vor kurzem ein Stellenangebot in Berlin bekommen. Da werde ich jetzt hinziehen. Es tut mir leid, dass ich dich im Stich lassen muss, dass macht keine gute Ehefrau. Wenn du die Chance hast, diesen Brief zu lesen, nimm meine Verzweiflung zur Kenntnis, mit der ich diesen schreibe. Es tut mir leid!

*Anja nimmt sich ein neues Blatt, da sie es hasst auf Rückseiten zuschreiben*

Aber jetzt zu was anderem. Hier weiß ich nicht, ob du es weißt (ich habe es dir auf jeden Fall erzählt). Wir beide haben eine Tochter! Du hast richtig gelesen, wir sind Eltern! Ich habe es an dem Tag erfahren, an dem du ins Koma gefallen bist. Sie ist kerngesund und quicklebendig. Im Moment läuft sie durch dieses Zimmer. Ihr Name ist Ella, nach deiner Oma Elisabeth. Der kleine Wirbelwind hält mich den ganzen Tag auf Trab. Immer ist sie in Bewegung und macht irgendeinen Unsinn. Dabei stehen ihre blonden Haare immer so süß ab. Ich wünschte, du würdest sie kennen. Ella ist dir charakterlich sehr ähnlich. Als wir letztens ihren dritten Geburtstag gefeiert haben, hat sie so viel Kuchen gegessen, dass sie sich übergeben musste. Dazu hat sie erzählt, dass es ihr nicht gut geht, weshalb ich dann die Gäste nach Hause geschickt habe. Nachdem diese dann weg waren, ist sie vom Sofa aufgestanden und hat gesagt „Endlich Ruhe!“ Einerseits war ich ziemlich entsetzt darüber, wie schlau sie ist, aber andererseits war es unglaublich süß. Es hat mich so sehr an dich erinnert, dass ich einen kurzen Moment das Gefühl hatte, du wärst bei uns. Ellas größter Wunsch ist es, dass sie dich kennenlernt. Meiner ist es auch, aber wenn du das liest, werdet ihr euch kennenlernen.
Doch bis dahin werde ich in Berlin wohnen und mit dem Kapitel „Wolfratshausen“ abschließen. Ich werde trotzdem auf dich warten und dich IMMER lieben. Es tut mir so unglaublich leid und weh, dass ich es nicht mehr schaffe bei dir zu sein. Verzeih mir!
In Liebe und hoffentlich bis irgendwann,
Deine Anja
PS: Einen Kuss gibt es natürlich auch noch!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast