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Narben auf der Seele

von Knubu
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Martin Fuchs Michael Weber Muri Demir Peter Rothmayer Stephan Sindera Tom Mayer
26.06.2021
21.10.2021
25
62.536
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Dieses Kapitel
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09.09.2021 2.456
 
Moritz konnte sich einen der Flüchtenden schnappen und hielt ihn am Boden. Er hatte ihm gerade Handschellen angelegt, als mit Marc und Tim die Verstärkung eintraf. Marc ließ sich von Moritz die Situation erklären. Dann rief er Christian über Funk, um zu erfahren wo er war. Doch auch nach mehrmaligen Versuchen, meldete dieser sich nicht. Moritz war sofort in Alarmbereitschaft "Wir müssen ihn suchen!" Kopflos wollte er losrennen, denn sein Bauchgefühl sagte ihm, dass Christian in Schwierigkeiten war. Aber Marc behielt einen kühlen Kopf, auch wenn Christian für ihn so eine Art Schützling geworden war "Stopp Moritz, wir zwei gehen gemeinsam und Tim bringt den Gefangenen in den Streifenwagen und kommt dann nach!" Tim wollte schon den Gefangenen wegbringen, als dieser mit einem frechen Grinsen meinte "Ihr Bullen seid doch einfach zu doof und eine leichte Beute!" "Was soll das heißen?" Sprang Moritz sofort darauf an. "Das werdet ihr schon sehen, aber die Falle ist zugeschnappt!" Für Moritz gab es jetzt kein Halten mehr, denn er wusste, dass sie keine Zeit mehr verlieren durften. Er hatte große Angst um Christian und bereute es bereits, dass sie sich getrennt hatten, denn jetzt wusste er, dass es genau das war, was diese Typen gewollt hatten.

Marc hatte die Situation über Funk an die Leitstelle weitergegeben und hatte zur Sicherheit auch einen RTW angefordert. Er und Moritz liefen nun in einigem Abstand von einander und gezogener Waffe in die Richtung, in der Christian die anderen Jugendlichen verfolgt hatte. Schon von weitem entdeckte Moritz den leblosen Körper von Christian in einer kleinen Lichtung am Ufer liegen "Christian! Marc schnell, da vorne liegt er" rief Moritz und rannte noch schneller. Als er bei Christian ankam hockte er sich sofort zu seinem Kollegen. Als erstes sah er die blutende Wunde am Hinterkopf "Christian?" Moritz tastete nach dem Puls am Hals und war sehr erleichtert, als er diesen auch fand. Auch Marc kniete inzwischen bei Christian "Meine Güte..." mehr konnte er gerade nicht sagen, denn er war geschockt von dem was er sah. Es war ein warmer Tag und Christian trug ein kurzärmliges Uniformhemd, auf dem hellblauen Hemd konnte man deutlich unzählige Schuhabdrücke erkennen. Christian reagierte nicht auf seine Kollegen und Moritz hatte Mühe seine Tränen zurückzuhalten.

Zum Glück kam Tim bereits mit dem Rettungsteam angelaufen, als Christian plötzlich doch zu Bewusstsein kam. Er schien aber völlig orientierungslos und geriet sofort in Panik, versuchte die Kollegen abzuwehren. Moritz war erschrocken über dessen Abwehr, half Marc aber Christian, der inzwischen um sich schlug, festzuhalten. Marc redete beruhigend auf den Verletzten ein "Christian, ich bin es, Marc! Moritz ist auch hier, keiner tut dir mehr was. Bitte beruhige dich doch!" Aber Christian erkannte seine Freunde in der Panik nicht, so dass der Notarzt ihm eine Beruhigungsspritze geben musste, da die Gefahr bestand, dass er sich sonst nur noch mehr verletzen würde. Schnell dämmerte Christian weg und er konnte nun untersucht werden. Die Wunde am Kopf wurde versorgt, es bestand Verdacht auf SHT. Der Blutdruck war zu niedrig und der Bauchbereich wurde abgetastet und war bretthart, was auf schwere innere Blutungen deutete. Er bekam Zugänge gelegt und wurde mit Infusionen versorgt, um dann so schnell wie möglich transportiert werden zu können.

~*~

Martin hatte wieder Spätschicht, aber lieber wäre er bei Sonja geblieben, denn es ging ihr immer noch nicht wieder besser. Sie machte sich Vorwürfe, doch irgendwelche falschen Signale an Peter gesendet zu haben und somit nun ihre Freundschaft zerstört zu haben. Aber Martin hatte ihr immer wieder versichert, dass es allein Peters Schuld war und dieser die Freundschaft kaputt gemacht hatte. Er hatte ja keine Ahnung, wie falsch er lag. Sonja war zufrieden mit sich, auch wenn es sie immer noch ärgerte, dass Peter sich nicht auf sie eingelassen hatte. Sie war sich ihrer Sache so sicher, dachte Peter würde sich sofort die Sachen vom Leib reißen bei ihrem Angebot. Doch sie hatte sich getäuscht und das hatte ihr Ego gekränkt. Es machte das ganze nun auch zu einer persönlichen Sache. Eigentlich war es ja nur ein Auftrag, der ihr viel Geld einbringen sollte und eine Art Genugtuung für den Tod ihres kleinen Bruders, der als Drogendealer bei einer Verhaftung von einem Polizisten aus Notwehr erschossen wurde. Es war irgendein Bulle, den sie nicht kannte, aus Düsseldorf, aber sie hasste alle Bullen seitdem. Nun kam aber noch die Wut über die Zurückweisung von Peter dazu und sie wollte ihn jetzt auch persönlich leiden sehen.

Als Martin sich umgezogen hatte und sich auf den Weg zur Dienstbesprechung machte, war er verwundert auch noch einige Kollegen der Frühschicht dort zu sehen. Klaus hatte wohl darum gebeten, da er ihnen etwas mitteilen wollte. Martin wusste, dass es nur schlechte Nachrichten bedeuten konnte. Das fehlte jetzt auch noch, dachte er bei sich. Als Klaus ihnen mitteilte, was mit Christian passiert war, waren alle nicht nur geschockt sondern auch besorgt. War es ein gezielter Angriff oder ging es gegen die Polizei im Allgemeinen und es würde vielleicht noch weitere Anschläge geben? Klaus berichtete weiter "Moritz und Marc sind jetzt bei Christian im Krankenhaus. Marc hat mich informiert, dass er die Not-OP gut überstanden hat und jetzt zur Überwachung vorerst auf der ITS liegt. Von dem Schlag auf den Kopf hat er eine schwere Gehirnerschütterung, aber die Ärzte meinen, dass die Chancen groß sind, dass nichts zurückbleibt. Durch die Tritte hatte er einen Milzriss, doch sie konnten die Blutung stoppen und das Organ retten. Einige Rippen waren gebrochen oder geprellt und er hatte jede Menge schmerzhafte Hämatome abbekommen. Aber alles in allem, hatte er großes Glück und wird wohl schon am nächsten Tag auf Normalstation verlegt werden können."

Etwas Erleichterung machte sich breit, aber keiner war wirklich beruhigt, denn immerhin wurde einer von ihnen nicht nur einfach angegriffen sondern wurde auch in eine Falle gelockt. Was wenn die oder der Täter das wiederholen würde? Der gefasste Jugendliche hatte nur gestanden, dass sie beauftragt wurden, die Beamten zu trennen. Aber von wem und auch wer die anderen Jugendlichen waren, wollte er nicht verraten. Nach der Besprechung verließen alle den Raum, aber Klaus hielt Martin auf "Martin, bleibst du bitte noch hier. Ich denke, wir haben noch etwas zu besprechen, oder?" Auch Michael blieb und warf Martin einen bitterbösen Blick zu, sagte aber nichts. Klaus hatte ihn ermahnt, sich erstmal zurückzuhalten. Klaus wollte Martin die Chance geben, in Ruhe seine Version der Geschichte zu erzählen. Martin wusste sofort, um was es ging. Und der Blick von Michael sagte ihm deutlich, auf wessen Seite dieser stand. Es machte ihn wütend, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass Peter gleich zu Klaus rennen würde. "Ja, ich kann mir denken worum es geht. Peter hat euch seine Lügen über Sonja aufgetischt, um seinen Arsch zu retten!" Sagte Martin in einem Ton, der Klaus gar nicht gefiel. "Ich bitte dich darum sachlich zu bleiben! Du bekommst jetzt genau wie Peter die Chance, es uns zu erzählen."

Martin war innerlich auf Gegenwehr eingestellt, sein Beschützerinstinkt für Sonja war voll geweckt und er würde nicht zulassen, dass Peter sie vor seinen Kollegen schlecht machte und Lügen erzählte. "Ich denke, Peter wird erzählt haben, dass er nichts getan hat und Sonja gelogen hat. Und du Michael brauchst mich gar nicht so ansehen, den Schlag hat er verdient." Dann sah er zu Klaus "Aber keine Angst, das wird nicht nochmal vorkommen, wenn er Sonja ab jetzt fernbleibt! Ich kann mich zusammenreißen!" Dann begann Martin zu erzählen, was Sonja ihm berichtet hatte und wie schlecht es ihr ging. "Peter hatte von Anfang an ein Auge auf sie geworfen, das ist mir im Nachhinein klar geworden." Fügte er noch hinzu. Klaus seufzte innerlich, versuchte aber neutral zu bleiben, denn er konnte Martin ansehen, dass er sehr aufgebracht war und sich um seine Freundin wirklich Sorgen machte. Klaus wusste, dass Liebe  einem die klare Sicht auf Tatsachen nehmen konnte.

"Martin, bist du dir denn wirklich sicher, dass Peter nicht doch die Wahrheit sagen könnte? Ich meine, wie gut kennst du Sonja denn und was weißt du über sie? Traust du Peter so etwas wirklich zu? Du kennst ihn inzwischen sehr gut und hast Peter in einer extremen Situation hautnah erlebt. Er hätte sich für dich geopfert und für Ilka und Tom hätte er beinahe wirklich sein Leben gegeben. Und du meinst, dass er nun wirklich eure Freundschaft auf so eine Art und Weise aufgeben würde?" Klaus sah Martin eindringlich an und er konnte tatsächlich ein wenig Unsicherheit in dessen Blick erkennen. Martin dachte an die Zeit vor einem halben Jahr zurück und wie sich Peter während ihrer Gefangenschaft verhalten hatte. Ja, Peter wollte sich für ihn opfern, aber das waren andere Voraussetzungen. Martin war trotzdem nicht mehr hundertprozentig sicher, dass Peter gelogen hatte. Aber er vertraute Sonja doch und er hatte selbst gesehen, wie schwer es ihr fiel, ihm davon zu erzählen und dass sie sich sogar selbst die Schuld dafür gab.

Nein, Sonja würde sich nie Peter so an den Hals werfen. Warum sollte sie das auch tun? Sie liebten sich und warum sollte sie zu ihm ziehen, um dann alles aufs Spiel zu setzen? Er räusperte sich "Ich hätte auch nie gedacht, dass Peter mein Vertrauen so missbraucht, aber ich weiß dass Sonja die Wahrheit sagt. Keine Angst, auch wenn ich es nicht gut finde, aber sie will keine Anzeige erstatten!" Jetzt platzte Michael doch noch der Kragen und Klaus ließ es zu, denn am liebsten hätte er auch so reagiert. Doch als DGL musste er natürlich sachlich bleiben. Michael funkelte Martin nun noch böser an, wenn das überhaupt möglich war "Anzeige erstatten? Das wäre ja noch schöner! Du würdest es zulassen, dass deine komische Freundin deinem besten Freund so reinreißt? Ich sag dir mal was, Peter hätte dich wegen Körperverletzung anzeigen können, aber er hat nicht einmal darüber nachgedacht! Und weißt du warum? Weil du für ihn wichtig bist, aber das scheint dir ja alles egal geworden zu sein... und alles nur wegen so einer dahergelaufenen Frau!" Martin wurde puterrot im Gesicht und nun auch laut "Dahergelaufen Frau, das nimmst du gefälligst zurück! Du kennst sie doch überhaupt nicht, sonst würdest du..." Michael unterbrach ihn "Ja genau, ich kenne sie nicht, aber du doch im Grunde genauso wenig. Wie heißen denn ihre Freunde? Oder ihre Eltern, leben die überhaupt noch oder hat sie Geschwister? Hä?" Martin schluckte, nein er wusste all diese Dinge nicht, noch nicht.

Bevor einer von beiden weiterreden konnte, ergriff Klaus wieder das Wort "Genug jetzt, ihr zwei! Michael hat Recht, sei froh dass Peter dich nicht anzeigen will und die Anzeige von Sonja wäre sowieso im Sande verlaufen, denn es gab keine Zeugen, keine Handgreiflichkeiten und es würde Aussage gegen Aussage stehen." Martin atmete tief durch, er klang verbittert "Also gut, keiner zeigt irgendjemanden an, alles klar. Aber ich will nicht mehr mit Peter gemeinsam Dienst haben!" Klaus schlug mit der flachen Hand auf den Tisch "Wir sind hier nicht im Kindergarten! Ihr seid Polizeibeamte und habt euren Dienst zu verrichten, egal mit wem! Und ich werde ganz sicher nicht die Dienstpläne umschreiben, aber da ich hier keinen weiteren Ärger haben möchte, komme ich dir entgegen und werde euch in der nächsten Zeit zumindest nicht gemeinsam auf Streife schicken. Und ansonsten möchte ich einen vernünftigen Umgang zwischen euch!" Martin wusste, dass es nichts mehr zu diskutieren gab, Klaus würde keine Widerrede mehr zulassen. "Meinetwegen! Kann ich dann jetzt meinen Dienst antreten?" "Ich bitte darum! Und du Michael, gehst jetzt in deinen verdienten Feierabend!" Klaus hatte jetzt wirklich die Nase voll. Er würde jetzt auch endlich gehen und erstmal zu Christian ins Krankenhaus fahren.

Martin hatte an diesem Tag wieder Innendienst und verschwand in seinem zugeteilten Büro. Er erschrak etwas, als er dort Stephan vorfand, der bereits in seinen Zivilklamotten auf ihn wartete. "Was machst du denn noch hier?" Fragte Martin seinen Freund überrascht. Stephan sah seinen Kumpel besorgt an "Ich habe vorhin mitbekommen, dass Peter hier war und mit Klaus geredet hat. Er hatte ein schlimmes Veilchen und ich habe nur mitbekommen, dass da irgendwas zwischen euch vorgefallen ist. Muss ich mir Sorgen machen, Martin?" Martin zuckte mit den Schultern "Um mich nicht, aber vielleicht um Peter, wenn er Sonja nochmal anfasst!" Stephan zog eine Augenbraue hoch, denn es hörte sich fast wie eine Drohung an. Und wer war eigentlich Sonja? Martin erzählte ihm nun alles, wie er Sonja kennen- und liebengelernt hatte, von dem Umzug und was Peter getan hatte. Auch von dem Gespräch mit Klaus und Michael berichtete er. Stephan war erstmal überfahren von all dem, aber auch ein wenig gekränkt, dass Martin ihm erst jetzt etwas von seiner neuen Liebe erzählte. Doch dann fiel ihm ein, dass er selbst im Moment ja das gleiche tat, denn er hatte Martin ja schließlich auch noch nichts von Ben erzählt.

Martin sah Stephan abwartend an, der Jüngere war schon seit langem ein guter Freund und er hoffte, dass dieser anders als Michael und Klaus zu ihm halten würde. Stephan überlegte, würde Peter so etwas wirklich tun? Eigentlich war Peter doch nicht so, oder? Aber er musste auch zugeben, dass er Peter nicht wirklich gut kannte außer im Dienst. Doch Martin und Peter waren eigentlich beste Feunde und Martin musste ihn doch besser kennen, als sonst jemand von ihnen. Und wenn Martin ihm so etwas zutraute, dann musste doch auch etwas dran sein, dachte Stephan bei sich. Und Stephan war schon immer besonders empfindlich, wenn es darum ging, dass Männer Frauen belästigen oder Schlimmeres. Er hatte auch persönliche Gründe dafür, aber das hatte er tatsächlich nur Paul und Martin erzählt. Er konnte sehen, dass Martin auf eine Reaktion von ihm wartete "Also, soll das ganze jetzt keine Konsequenzen für Peter haben? Ich finde so etwas geht gar nicht, aber als Polizist ist das nochmal eine ganz andere Sache. Das darf man ihm doch nicht durchgehen lassen!" Regte er sich auf. "Wie es aussieht, steht Klaus auf der Seite von Peter und Michael sowieso. Aber ich stehe zu Sonja, du hast nicht gesehen wie fertig sie war!" Dann sah er Stephan schon fast flehend an "Kannst du mir einen Gefallen tun? Sonja ist immer noch neben der Spur und ich habe sie nur ungern allein gelassen. Vielleicht könntest du mal bei ihr vorbeischauen?" Stephan stimmte sofort zu und Martin rief kurz Sonja an. Erzählte ihr, dass Stephan ein bisschen auf sie acht geben würde und dass sie ihm vertrauen konnte.

TBC
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