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Narben auf der Seele

von Knubu
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Martin Fuchs Michael Weber Muri Demir Peter Rothmayer Stephan Sindera Tom Mayer
26.06.2021
01.12.2021
31
80.451
12
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Dieses Kapitel
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31.08.2021 2.455
 
Ben und Stephan hatten am nächsten Morgen Schichtwechsel und gemeinsam nun wieder ein paar Tage Frühschicht. Sie hatten inzwischen ihr zweites Date hinter sich und es lief gut zwischen ihnen. Sie hatten gemeinsam beschlossen, dass sie den Versuch wagen wollten, eine Beziehung einzugehen. Es gab noch eine Unstimmigkeit zwischen ihnen, denn Ben wollte es umgehend Klaus mitteilen. Klaus musste es wissen, da er die beiden dann nicht mehr gemeinsam auf Streife schicken würde, so wie es eben Vorschrift war. Doch Stephan wollte das nicht, zumindest noch nicht sofort "Ben, bitte lass uns damit noch ein bisschen warten, ich muss mich erst an das alles gewöhnen. Wir werden es Klaus auf jeden Fall sagen, aber gib mir noch ein wenig Zeit." Ben war zwar nicht begeistert, aber bei dem Hundeblick, den Stephan bei seiner Bitte aufgesetzt hatte, konnte er nicht anders "Na gut, aber wirklich nur ein paar Tage, hörst du! Wenn Klaus das irgendwie von selbst herausbekommt, gibt es richtig Ärger, das weißt du!" Stephan wusste das natürlich und versprach Ben, dass sie es bald nachholen würden.

Nun standen die beiden am Tresen und unterhielten sich mit Michael, der ihnen von dem Vorfall auf der Kreuzung am Vortag erzählte und wie viel Glück Tom und Muri hatten. Stephan fragte nach "Sind die beiden denn jetzt krankgeschrieben?" Michael erklärte, dass Muri ein paar Tage nur Innendienst machen sollte, aber bei Tom gab es andere Probleme "Tom muss jetzt erstmal zum Amtsarzt, der entscheidet, ob er im Moment Diensttauglich ist." Stephan und Ben sahen sich überrascht an und Ben wollte wissen, was denn mit Tom los war "Wieso das denn, was ist denn mit Tom?" Michael berichtete den beiden, was alles vorgefallen war und wie Tom nach dem Unfall den Nervenzusammenbruch hatte. Stephan war erschüttert "Scheiße! Ich hab ja mitbekommen, dass er sich verändert hat, aber dass es so schlimm ist, habe ich nicht geahnt. Wenn ich was machen kann, sagt bitte Bescheid!" Ben blieb still, er wusste nicht was er sagen sollte. Aber auch er würde für Tom da sein, wenn er gebraucht würde. Da Muri bereits in seinem Büro saß, gingen Ben und Stephan noch zu ihm und erkundigten sich nach Tom.

Michael hingegen zog sein Handy aus der Tasche und prüfte, ob er Nachrichten hatte. Er wartete auf Antwort von Peter, denn er hatte ihm geschrieben, dass er sich unbedingt wegen Tom bei ihm melden sollte. Bereits am Abend zuvor hatte er mehrfach versucht, Peter anzurufen. Aber dieser nahm das Gespräch einfach nicht an, was sehr ungewöhnlich war, denn Peter nahm Michaels Gespräche sonst immer an oder rief zumindest zurück, sobald er konnte. So langsam machte es Michael nervös, irgendwas war da nicht in Ordnung. Er fragte sich, ob es wegen Tom war, weil Peter nichts mehr davon hören wollte. Aber mit Michael würde er doch trotzdem reden. Irgendwann hatte er auch versucht Martin an dem Abend anzurufen, da Peter erzählt hatte, dass er bei dem Umzug helfen würde. Michael dachte, dass es vielleicht länger gedauert hatte. Michael war zwar etwas überrascht, dass Martin mit einer Frau zusammenzieht oder überhaupt eine Freundin hatte, doch darüber machte er sich keine weiteren Gedanken. Schließlich hatten er und Martin privat nichts miteinander zu tun. Es war nicht so, dass sie nicht klarkamen, aber sie waren eben auch nicht auf einer Wellenlänge. Jedenfalls ging auch Martin nicht an sein Handy.

Gerade als Michael ein weiteres Mal versuchen wollte, Peter zu erreichen, stand genau dieser vor der Tür und Michael drückte den Türöffner. Seine Erleichterung, dass er Peter sah, hielt aber nicht lange an. Peter sah schlimm aus, hatte offensichtlich kaum geschlafen. Doch was Michael wirklich schockte, war das große Veilchen, was nicht nur Peters linkes Auge zierte, sondern sich auch über die Augenbraue und Schläfe zog. Es schillerte blau-lila und die Augenbraue hatte auch einen Riss abbekommen. Michael lief um den Tresen und sah sich das erstmal genauer an "Was um Himmels Willen ist dir denn passiert? Bist du überfallen worden? Warst du damit beim Arzt?" Peter schüttelte den Kopf, er wirkte ziemlich verstört und bat Michael "Kannst du Klaus bitte sagen, dass ich unbedingt mit ihm reden muss?" Michael gefiel Peters Körpersprache überhaupt nicht, es ließ ihn nichts Gutes ahnen. Er nahm Peter am Arm und zog ihn hinter sich her zu Klaus' Büro. Da die Bürotür offen stand, hatten auch Muri, Stephan und Ben alles mitbekommen und sahen den beiden besorgt nach. Und Muri war besonders besorgt "Was ist da bloß passiert?" Er machte sich doch schon genug Sorgen um Tom und nun auch noch um Peter.

Klaus war sofort aufgestanden und auf Peter und Michael zugegangen, als er Peters Gesicht sah "Meine Güte, das sieht  schlimm aus. Was ist denn passiert?" Michael sagte nur "Ich weiß es noch nicht, aber Peter möchte mit dir sprechen." Klaus nickte und deute Peter an, dass er sich setzen sollte. Michael wollte die beiden alleine lassen, aber Peter bat ihn "Bleibst du bitte auch hier?" Michael sah kurz zu Klaus, der leicht nickte. "Klar, wenn du das möchtest." Sagte Michael und setzte sich neben Peter. Klaus setzte sich wieder an seinen Schreibtisch "Nun sag schon, wer war das? Bist du in Schwierigkeiten?" Peter nickte und seufzte, es fiel ihm nicht leicht, darüber zu reden, aber er wusste, dass es richtig war. Er hatte sich dazu entschieden, Klaus selbst alles zu erzählen, bevor Martin dies tun würde. Er hatte sich nichts vorzuwerfen und das, was Martin Klaus erzählen würde, war einfach nicht die Wahrheit. "Das war Martin" fing er an, doch wurde sofort von Klaus unterbrochen "Unser Martin?"  Fragte er fassungslos nach. Auch Michael machte große Augen, was um Himmels Willen war zwischen den beiden vorgefallen?

Peter nickte "Ja, gestern Abend und ich wollte dir das selbst erklären, bevor Martin dir etwas erzählt, was einfach nicht stimmt." Klaus hatte kein gutes Gefühl und er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Martin so etwas tut. Peter und Martin waren seit der Sache mit Meinke doch beste Freunde und hielten zusammen. Doch er konnte sehen, wie es Peter mitnahm "Peter erzähl bitte genau, was da zwischen euch vorgefallen ist!" Peter holte tief Luft und erzählte erstmal kurz von Sonja und das Martin sie bei sich einziehen lassen wollte. Michael schaubte ungläubig "Nach nur einer Woche? Wie kann man so naiv sein, ich meine, was weiß er denn überhaupt von dieser Sonja?" Peter verstand Michaels Reaktion nur zu gut "Genau das habe ich auch gedacht und Martin auch gesagt, aber er war sich hundertprozentig sicher und ließ sich davon nicht abbringen. Also habe ich gestern bei dem Umzug geholfen. Martin musste ja zur Spätschicht und ich habe dann mit dieser Sonja alleine weitergemacht, war ja auch nicht mehr so viel."

Peter knetete nervös seine Hände "Als ich gehen wollte, wollte sie unbedingt dass ich bleibe und noch dusche... mit ihr zusammen." Michaels Mimik sprach Bände, aber er blieb erstmal noch still. Klaus hingegen lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und dachte bei sich 'Also ein Eifersuchtsdrama...', womit er allerdings falsch lag "Also hast du das getan, was ich denke? Und Martin hat es herausbekommen und dir das blaue Auge verpasst?" Jetzt zog Peter verärgert seine Augenbrauen zusammen "NEIN! Natürlich habe ich das nicht getan. Ich habe mich nicht darauf eingelassen! Martin ist mein Freund, sowas würde ich nie tun!" Michael wusste sofort, dass Peter nicht log und auch Klaus nickte kurz, fragte dann aber weiter "Aber was ist dann vorgefallen?" Peter berichtete dann weiter, wie sich Sonja ihm angeboten hatte und wie er wütend wurde deswegen. Und er erzählte Wort für Wort, was Sonja alles gesagt hatte und womit sie ihm gedroht hatte. "Ich wollte Martin alles erzählen, doch ich habe ihn nach seiner Schicht verpasst, da er früher gegangen war. Ich bin dann gleich zu ihm gefahren, aber da hatte Sonja ihm schon ihre Geschichte erzählt und Martin wollte mir nicht mehr zuhören."

-Rückblende:
Martin kochte innerlich vor Wut, als Peter dort einfach so vor ihm stand. Seine Sonja war noch immer völlig fertig und machte sich selbst für alles Vorwürfe und jetzt hatte Peter die Frechheit vor seiner Tür zu stehen. Er war wütend und enttäuscht, dass Peter ihn so hintergehen wollte. Peter sah in Martins Augen, dass er alles glaubte, was Sonja ihm vorgelogen hatte "Martin, bitte hör mir zu! Du musst mir..." Martin ging bedrohlich auf ihn zu "Halt dein Maul! Ich will nichts von dir hören! Wie kannst du es noch wagen, hierher zu kommen? Und ich dachte, du wärst mein Freund!" Mit jedem Wort bohrte Martin seinen Zeigefinger in Peters Brustkorb. Peter war automatisch ein paar Schritte zurückgegangen, aber er wollte nicht einfach so aufgeben. "Ich weiß nicht, was Sonja dir genau erzählt hat, aber das ist alles gelogen! Sie hat mich angemacht und ich habe sie abgewiesen. Das musst du mir glauben, ich würde doch nie..." Martin packte ihn nun am Kragen "Steh doch wenigstens dazu! Als ob Sonja so etwas tun würde. Sie ist völlig fertig deinetwegen. Verschwinde einfach, ich will mit dir nichts mehr zu tun haben!" Peter wurde nun auch wütend und befreite sich aus Martins Griff. Er wurde ebenso laut "Wie kannst du denken, dass ich sowas tun würde? Du glaubst dieser Frau, die du kaum kennst, mehr als mir?"

Martin lächelte nun kalt "Ich hab doch deine Blicke gesehen und du konntest ja nicht oft genug erwähnen, wie blidhübsch du Sonja findest. Du konntest einfach nicht ertragen, dass sie mich will und nicht dich. Als ob eine Frau wie Sonja sich mit jemanden wie dir einlassen würde." Das hatte gesessen, Martin hatte es geschafft, Peter zu provozieren. Jetzt sagte Peter etwas, was er sonst nie laut ausgesprochen hätte "Weißt du was, ich bin froh, dass ich nicht so eine schamlose Schlampe als Freundin habe. Sie wollte mit mir in deinem Bett Sex und wenn ich gewollt hätte, hätte ich sie haben können!" Peter hatte die Worte kaum ausgesproche, da setzte es bei Martin nun völlig aus und er schlug Peter mit voller Wucht seine Faust ins Gesicht. Darauf war Peter nicht gefasst und landete auf dem Boden. Perplex blieb er dort erstmal sitzen, musste sich wieder fangen. Schwindel und Schmerz ließen seine Sicht für einen Moment verschwimmen. Martin stand über ihm und drohte "Wenn du Sonja nochmal zu nahe kommst, wirst du es bereuen! Und ich werde Klaus erzählen, was du getan hast. Das war sexuelle Belästigung!" Dann ging Martin einfach ins Haus und knallte die Tür zu. Peter rappelte sich wieder auf und sah dann Sonja am Küchenfenster stehen. Sie lächelte ihn nur triumphierend an und verschwand dann aus seinem Sichtfeld.
-Ende Rückblende-

Nachdem Klaus und Michael dies alles gehört hatten, waren sie schockiert, wie das so sehr eskalieren konnte und dass Martin sofort dieser Frau geglaubt hatte, ohne Peter die Chance zu geben, sich zu erklären. Für Michael stand fest, wer die Wahrheit sagte. "Ich fass das nicht, das kann doch nicht Martins Ernst sein! Was hat die Alte mit ihm angestellt?" Michaels Stimme war laut und auch auf dem Flur nicht zu überhören. Die Kollegen dort, die natürlich auch wissen wollten, was passiert war, sahen sich fragend an. "Was ist denn da bloß zwischen Peter und Martin vorgefallen?" Fragte Muri sich laut. Im Büro saß ein geknickter Peter. Das alles laut auszusprechen, machte ihm noch bewusster, wie verfahren die Situation für ihn war. Er hatte seinen besten Freund verloren. Klaus dachte wie Michael, aber er musste natürlich sachlich bleiben und sich auch Martins Seite anhören. Aber er konnte sehen, wie schlecht es Peter damit ging und versicherte ihm "Hör zu, ich glaube dir und du hast keine beruflichen Konsequenzen zu befürchten, denn egal was diese Sonja erzählt, es steht Aussage gegen Aussage." Peter lächelte ein wenig, es tat gut zu wissen, dass sein DGL und Michael ihm glaubten. Aber es konnte ihn nicht darüber hinweg trösten, dass Martin so schlecht von ihm dachte.

~*~

Moritz und Christian Dillenbach waren auch in dieser Frühschicht wieder gemeinsam Auf Streife. Es schien ein recht ruhiger Tag zu werden. Doch irgendwann bekamen sie ihren ersten Einsatz über Funk. Sie sollten in einen großen Park am Rhein fahren, dort wurden Jugendliche gemeldet, die auf einem Kinderspielplatz Alkohol tranken und die Leute belästigten. Den Streifenwagen mussten sie am Rand des Parks stehen lassen. Schon von weiten hörten sie die pöbelnden Jugendlichen und Christian rief Moritz zu "Los, wir sollten uns beeilen!" Die beiden rannten los und sahen eine Gruppe von fünf jungen Männern auf einem Spielplatz randalieren. Von weitem riefen sie den jungen Männern schon Anweisungen zu. Als Reaktion kamen Bierflaschen geflogen und zersplitterten vor ihnen. Christian meldete über Funk schnell die Vorgänge und forderte Verstärkung an. Die Jugendlichen hatten sich in zwei Gruppen aufgeteilt und rannten in verschiedene Richtungen davon. Auch wenn sie es nicht gerne taten, teilten sich die beiden Beamten ebenfalls auf. Während Moritz den zwei Jugendlichen folgte, die in Richtung Straße rannten, lief Christian den anderen Richtung Rhein hinterher. Es würde schon reichen, wenn sie einen erwischen könnten. Der würde schon die anderen verraten, um nicht allein für alles gerade stehen zu müssen.

Was sie nicht bemerkten, war der Mann der im Gebüsch stand und alles beobachtete. Ole hatte gehofft, dass dieser Dillenbach zu dem Einsatz geschickt würde. Er folgte nun genau diesem und wusste, dass der Kinderschläger ihm jetzt nicht mehr entkommen konnte. Am Rheinufer blieben die Jugendlichen dann einfach stehen und ließen sich von Christian stellen. Er hatte sein Pfefferspray in der Hand "Okay, jetzt ist Schluss. Auf die Knie und Hände hinterm Kopf!" Die jungen Männer taten genau das, was Christian ihnen sagte und lächelten ihn nur an, was dieser ziemlich merkwürdig fand. Gerade wollte er über Funk durchgeben, wo er war um dann auf die Verstärkung zu warten, als ihn ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf traf. Sofort ging er zu Boden und blieb benommen liegen. Er hörte eine Stimme sagen "Hier der Rest eurer Kohle und jetzt verschwindet von hier und vergesst was ihr gesehen habt!" Verschwommen sah er die Jugendlichen weglaufen. Er wollte versuchen, aufzustehen aber ein Tritt in den Rücken machte seinen Versuch schon im Ansatz zunichte. Der Schmerz im Rücken raubte ihm die Luft, aber er hatte keine Zeit sich zu fangen, als ihn schon der nächste Tritt traf und ihn schmerzerfüllt aufschreien ließ.

TBC
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