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Narben auf der Seele

von Knubu
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Martin Fuchs Michael Weber Muri Demir Peter Rothmayer Stephan Sindera Tom Mayer
26.06.2021
21.10.2021
25
62.536
11
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136 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
26.06.2021 1.390
 
Hallo meine Lieben!
Wie versprochen kommt nun der zweite Teil zu "Zerbrochene Seele". Es wird wieder dramatisch, aber dieses Mal steht Peter nicht alleine im Mittelpunkt. Auch Tom, Stephan, Martin usw. werden im Mittelpunkt stehen. Alle haben mit den Nachwirkungen der Geschehnisse zu tun und jeder geht damit auf seine Weise um...
Ich hoffe, es wird euch gefallen!
LG Knubu

Prolog

Endlich war alles vorbei, Peter zitterte immer noch vor Aufregung, aber dieses Mal war es ein positives Gefühl. All die Anspannung der letzten Tage war gerade von ihm abgefallen. Vor einigen Minuten wurde das Urteil für Andreas Meinke und Mario Rothe gesprochen, beide haben lebenslänglich mit anschließender Sicherungsverwahrung bekommen. Sie würden also nie wieder frei kommen und das gab ihm nicht nur Genugtuung sondern vor allem Sicherheit. Sebastian wurde als nicht straf- und verhandlungsfähig erklärt und kam in eine geschlossene Anstalt. Für Peter war es wie ein Neubeginn, denn er brauchte nun keine Angst mehr vor Andreas zu haben, er würde ihn wohl nie wieder sehen genauso wie Mario. Und sie hatten ihre gerechte Strafe bekommen, auch wenn es Arne und die anderen nicht zurückbringen konnte.

Die Verhandlung war mental sehr anstrengend, nicht nur für Peter auch für all seine Kollegen und Freunde. Besonders die Aussagen forderten ihnen einiges ab, mussten sie doch alles nochmal erzählen und die Erinnerungen wieder zulassen. Aber auch das Verhalten von Andreas und Mario während der Verhandlung war kaum zu ertragen. Beide zeigten keinen Funken Reue oder Mitleid, im Gegenteil. Während von Mario ständig Zwischenrufe mit abfälligen Bemerkungen kamen, besonders während der Aussage von Peter, verhielt sich Andreas einfach nur arrogant und beschuldigte die Opfer, dass sie es nicht besser verdient hätten. All die Ermahnungen des Richters und die verhängten Geldstrafen wegen ungebührlichen Verhaltens beeindruckten die beiden nicht. Doch mit den grinsenden Gesichtern war es vorbei, als der Richter das Urteil fällte. Andreas wurde wegen mehrfachen Mordes und Mordversuches, Entführung und Freiheitsberaubung, Nötigung in mehreren Fällen, Erpressung sowie Betruges verurteilt. Bei Mario waren es die gleichen Gründe bis auf Mord, aber da er versucht hatte Peter zu ermorden und nur durch das Eingreifen von Jörg daran gehindert wurde, wurde es gleichwertig betrachtet.

Jörg selbst hatte auch gegen die beiden ausgesagt und alles bis ins letzte offen dargelegt. Seine eigene Verhandlung war bereits eine Woche zuvor beendet worden. Er hatte 10 Jahre bekommen und aufgrund der Aussage gegen seine Komplizen und seiner ehrlichen Reue und vor allem der Rettung von Martin und Peter, würde er nach 8 Jahren die Chance bekommen, vorzeitig auf Bewährung entlassen zu werden. Jörg hatte sich wirklich um 180 Grad gedreht und war nicht mehr der Gleiche. Seine Strafe nahm er ohne Beschwerde hin. Er war sogar erstaunt, dass er nicht mehr bekommen hatte, auch eine höhere Strafe hätte er hingenommen. Denn das schlechte Gewissen plagte ihn jeden Tag. Besonders der Freitod von Steven und das Wissen, was er und die anderen mit Peter über Jahre gemacht hatten, machte ihm zu schaffen. Erst während der Gerichtsverhandlung wurde es ihm richtig bewusst, was das alles mit Peter gemacht hatte. Er hörte ganz genau zu, als Peter aussagte, prägte sich jedes Wort und jede Geste ein. Auch wenn er ihm letztendlich das Leben gerettet hatte, würde Peter immer mit diesen Erinnerungen leben müssen und wohl nie wieder der Mensch werden, der er mal war.

Umso erstaunter war Jörg, als es plötzlich hieß, dass er Besuch hätte. Bis zum Ende der Verhandlung von Andreas und Mario war er wegen seiner Aussage dort noch in Köln im Gefängnis untergebracht. Erst danach sollte er dann nach Düsseldorf verlegt werden, während Andreas und Mario vorerst in Köln bleiben würden. Man wollte ihn dadurch schützen, da es wohl wahrscheinlich gewesen wäre, dass seine ehemaligen Komplizen sonst Rache an ihm üben würden. Jedenfalls bekam er zwei Tage nach seiner Urteilsverkündung Besuch von jemanden, mit dem er nie gerechnet hätte. Er saß schon im Besucherraum, als sich die Tür öffnete und Peter eintrat. Wortlos setzte sein ehemaliger Kollege sich gegenüber an den Tisch, an dem er bereits saß. Einen Moment sahen die beiden sich in die Augen und Jörg merkte, wie ihm heiß und kalt wurde. Während seiner Verhandlung hatte Peter ihn nicht einmal angesehen und nun war dessen Blick so intensiv, dass es ihm fast die Luft zum atmen genommen hatte. Peters Blick war nicht wütend oder hasserfüllt, aber voller Emotionen. Jörg konnte sehen, dass es für Peter nicht leicht war, aber er traute sich kein Wort zu sagen. Er hatte das Gefühl, dass er nicht das Recht dazu hatte, als erstes etwas zu sagen.

Dann blinzelte Peter und begann zu sprechen "Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich hierher kommen sollte oder nicht. Nachdem ich deinen Brief gelesen habe, wusste ich lange nicht, was ich denken sollte. Aber nachdem ich gehört habe, was du in deiner Verhandlung ausgesagt hast, habe ich mich dazu entschieden. Du hast nicht versucht, deine Taten irgendwie zu rechtfertigen und deutlich gemacht, dass du genau weißt, was du damit angerichtet hast. Das finde ich bemerkenswert und darum bin ich heute hier." Jörg sah Peter mit großen Augen an, aber traute sich noch immer nicht, etwas zu sagen. Peter konnte die Unsicherheit von Jörg sehen, deshalb sprach er weiter "Ich habe deinen Brief sehr oft gelesen und glaube dir auch." Peter musste sich kurz räuspern, denn an die Zeit auf seiner alten Wache zurückzudenken, weckte immer noch die alten Emotionen "Ich habe dich so sehr gehasst, dich und die anderen. Ihr habt mir das Leben nicht nur schwer gemacht, die Zeit war die Hölle für mich. Und ich habe nie verstanden, warum das alles. Was ich getan habe, dass ihr mich so sehr gehasst habt? Aber ich will endlich damit abschließen, damit ich ganz in meinem neuen Leben ankommen kann."

"Dein Brief und die Tatsache, dass du Martin und mich gerettet hast, obwohl du wusstest, was das für dich bedeutet, hat mir gezeigt, dass du es ehrlich bereust. Dafür möchte ich dir danken, aber was noch wichtiger ist, ich kann dir nun auch verzeihen. Ich denke, das ist für uns beide wichtig! Vergessen werde ich das alles nie können, aber damit muss ich lernen zu leben." Peter musste tief durchatmen, das war nicht leicht für ihn. Aber jetzt da er alles gesagt hatte, fühlte er sich erleichtert. Jörg liefen inzwischen wirklich Tränen übers Gesicht, er konnte nicht fassen dass Peter ihm verziehen und sich sogar bei ihm bedankt hatte. Er hatte nicht das Gefühl, dass er das verdient hatte. Peter sah Jörg abwartend an, dessen Tränen rührten ihn irgendwie, da es ihm zeigte, dass seine Worte nicht die Wirkung verfehlt hatten. Jörg versuchte nun seinerseits die richtigen Worte zu finden "Ich... Gott, ich weiß nicht, was jetzt das Richtige ist zu sagen. Dass du wirklich hierher gekommen bist, damit hätte ich nie gerechnet. Das überfordert mich gerade ziemlich, aber es bedeutet mir auch sehr viel. Danke! Ich hätte nie zu hoffen gewagt, dass du mir verzeihen könntest. Du kannst dir nicht vorstellen, was mir das bedeutet. Ich verabscheue mich selbst so sehr für all das, was ich dir angetan habe und werde es mir selbst nie verzeihen können!"

Jörg musste unterbrechen, sah beschämt auf seine Hände. Als er Peters Stimme hörte, sah er wieder hoch "Wenn du irgendwie weitermachen willst, musst du dir selbst auch verzeihen. Deine Strafe ist zwar lang, aber wenn du rauskommst, hast du noch ein Leben vor dir und kannst es nutzen, um es besser zu machen." Jörg nickte, er war einfach überwältigt. Aber eine Sache musste er noch sagen, die ihm unheimlich wichtig war "Du hast gefragt, was du gemacht hast, dass wir dich so gehasst haben. Du hast gar nichts gemacht, du warst an nichts Schuld! Es lag nur an uns. Ich kann es mir heute nicht mehr wirklich erklären, warum ich so schlecht über dich gedacht habe. Es tut mir alles so unendlich Leid, aber du musst wissen, dass ich niemals so weit gehen wollte! Andreas hat irgendwann jedes Maß verloren und ich habe einfach zu spät reagiert." Peter lächelte tatsächlich, es war eine gute Entscheidung, mit Jörg zu reden. Er reichte ihm die Hand und Jörg starrte einen Moment auf diese, zögerlich nahm er Peters Hand in seine und schüttelte sie. Es war ein komisches Gefühl, aber ein Gutes.
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