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Edel hoch zwei

von Sassie
GeschichteHumor, Romance / P18 / Het
Felix Edel OC (Own Character) Sandra Starck
25.06.2021
28.07.2021
16
58.881
1
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24.07.2021 3.139
 
Felix wusste, dass er sich einen gewaltigen Vorsprung geholt hatte gestern Abend und obwohl Sandra ihn heute Morgen verlegen angelächelt hatte, errötet war, und das Geschehnis offensichtlich nicht bereut hatte, war er unendlich nervös. Er war glücklich nach Hause gefahren, hatte dort dann in seinem Bett gelegen und alles noch einmal Revue passieren lassen und trotzdem hatte sein Unterbewusstsein die Angst, die tief in ihm hauste, nachts herausgekitzelt.
Er hatte wirre Träume von Sandra und Lukas gehabt und sie alle waren nicht gut für ihn ausgegangen. Nachdem er morgens schweißgebadet aufgewacht war und erst mal eine kalte Dusche genommen hatte, wurde ihm bewusst, was seine Befürchtung war; für Sandra waren die Grenzen offensichtlich verschwommen. Was aber, wenn das bei Lukas genauso war? Was, wenn es ihr am Ende völlig egal war welchen Edel sie abschleppte? Felix wusste, dass das einzige, womit er punkten konnte, sein Charakter war, denn äußerlich waren sie sich zum Verwechseln ähnlich, und er fürchtete fast, dass das nicht reichen würde. Er und Sandra kannten sich zwar, und trotzdem hatten sie wahnsinnig oft gestritten, sie hatte ihm nicht nur einmal an den Kopf geknallt, wie unreif und eitel sie ihn eigentlich fand, und so ungern Felix es zugab – Lukas war der Lockerere von ihnen beiden, der, der mit seiner entspannten Art immer alle in den Bann ziehen konnte. Der schlimmste Gedanke, der ihn heimsuchte, war allerdings, dass Sandra anfangs mit Lukas ausgegangen war in dem Glauben, dass er es gewesen sei… was aber, wenn es jetzt umgekehrt war? Wenn sie wirklich nicht mehr unterscheiden konnte? Wenn sie Felix jetzt geküsst und dabei an Lukas gedacht hatte?
Felix merkte, dass er Kopfschmerzen bekam, und ließ seufzend eine Aspirin in sein Wasserglas gleiten. Er warf immer wieder nervöse Blicke auf die Uhr, merkte, dass der Feierabend mit großen Schritten näher kam, und versuchte krampfhaft darüber nachzudenken, wie er dieses Date noch irgendwie verhindern konnte. Ihm waren einige Ideen gekommen, viele davon äußerst fragwürdig, aber er wusste, dass er am Ende nichts mehr tun konnte. Und selbst wenn, er würde Sandra trotzdem nicht auf ewig von Lukas fernhalten können. Er hatte Otto schon um seelischen Beistand gebeten und dieser hatte ihm versichert heute Abend in der Kneipe auf ihn zu warten.
Felix hatte heute noch so gut wie möglich versucht Sandra anzudeuten, dass er ihre Nähe wollte und genoss, hatte ihr bei jeder Gelegenheit über den Arm oder den Rücken gestrichen, sich eng an ihr vorbeigeschoben, sie angelächelt und Konversation betrieben und er hatte nicht das Gefühl gehabt, als wäre sie abgeneigt gewesen, ganz im Gegenteil. Und trotzdem wusste er auch um den Charme seines Zwillingsbruders und fürchtete, dass Sandra das alles durcheinanderbringen könnte.
Felix blickte auf, als es zaghaft an seiner Tür klopfte. „Ja?“
Seine Kollegin steckte vorsichtig den Kopf herein und lächelte dann, bevor sie in sein Büro trat und die Tür wieder schloss. „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich jetzt Feierabend mache“
„Gut“, nickte Felix und atmete tief durch.
„Ja… brauchen Sie noch irgendwas?“ Sandra knetete verunsichert ihre Hände und sah ihn an.
Ihr Gegenüber schüttelte den Kopf und erhob sich, wanderte langsam um seinen Schreibtisch herum und ließ sich leicht auf die Platte sinken, bevor er sie ansah. „Und Sie?“
„Ich?… Nein.“, schluckte Sandra und lächelte noch einmal etwas unsicher. „Wir sehen uns dann ja morgen“
„Gehen Sie nächste Woche mit mir ins Theater?“, fragte er und verschränkte die Arme, während er sie fragend ansah. „Ich hab da von einem Stück gelesen und ich glaube Sie würden das mögen“
„Theater… ich weiß nicht...“, meinte sie skeptisch.
„Kommen Sie schon. Ich bin mir sicher, dass Ihnen das Stück gefällt. Eine Romantikkomödie...“
„Klingt vielversprechend“
„Sehen Sie, Sie sind ja doch neugierig“, grinste Felix.
Sandra verdrehte schmunzelnd die Augen. „Also gut. Aber wehe es ist langweilig, dann steh ich nach der Hälfte auf und gehe.“
„Abgemacht“
Sie lächelten sich kurz an, dann blickte Sandra beiläufig auf ihre Armbanduhr.
Felix spürte, wie ihm wieder schwer ums Herz wurde. „Und Sie treffen sich jetzt mit Lukas?“
Sandra blickte auf. „Ja“
Der Anwalt atmete tief durch und nickte. Dann erhob er sich und ging langsam auf sie zu, merkte, wie sie nervös von einem Fuß auf den andern trat und den Atem anhielt, als er ihr langsam einen Arm um die Taille schlang. Sie starrte ihn erwartungsvoll mit großen Augen an, doch Felix wusste, wo seine Grenzen lagen. Er küsste sie hauchzart auf die Stirn und lächelte dann auf sie hinab, seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. „Viel Spaß“
„Danke“, stammelte sie tonlos und beobachtete, wie er wieder hinter seinen Schreibtisch zurückkehrte. „Bis morgen“
„Bis morgen“ Er schenkte ihr noch einmal ein unfassbar charmantes Lächeln und Sandra spürte, dass ihre Knie deutlich zitterten, als sie sich umdrehte, um den Raum zu verlassen.

Sie war von Unsicherheit geplagt, als sie aus ihrem Wagen stieg und sich umsah. Sandra war zu früh dran, aber sie beschloss die paar Minuten in der Kälte noch zu nutzen, um ihre Gedanken zu sortieren, denn bis jetzt war ihr Tag ziemlich stressig gewesen. Sie fragte sich, ob es eigentlich klug war hier zu sein. Natürlich war ihr nicht entgangen, dass ihr Herz Luftsprünge gemacht hatte in den letzten Tagen immer dann, wenn Felix sie berührt hatte, und gestern, als sie sich geküsst hatten, da hatte sich alles richtig angefühlt – so, als müsse es genau so sein.
Aber sie konnte auch diese Leichtigkeit nicht vergessen, die sie mit Lukas all die Abende erlebt hatte, denn auch wenn sie jemand anderen vermutet hatte – es war trotzdem er gewesen, der da jeden Samstag mit ihr gegessen, sich stundenlang unterhalten, und sie zum Lachen gebracht hatte.
Sandra kaute auf ihrer Unterlippe herum, während sie in Gedanken versunken in der Kälte stand und als jemand sie vorsichtig von hinten an der Schulter berührte, zuckte sie zusammen.
„Hey, hey… bin nur ich. Auch wenn ich jetzt schon wie ein Fremder für dich wirken muss.“, lachte Lukas und zog sie in seine Arme.
Sandra grinste und umarmte ihn zurück und als Lukas sich ein wenig löste und seine Lippen auf ihre legte, war sie so perplex, dass sie nicht reagieren konnte. Sie spürte nur plötzlich, dass es sich anders anfühlte und irgendwie… nicht so richtig.
Als seine Zunge über ihre Unterlippe strich, riss die junge Anwältin sich los und räusperte sich. „Lass uns reingehen, ich hab Hunger“
Lukas schien zwar für eine Sekunde etwas irritiert, nickte dann aber lächelnd. „Klar, gerne“
Sie betraten das Restaurant und wurden an ihren Tisch gebracht. Sandra kaute leicht auf ihrer Unterlippe herum, sah Lukas an und merkte, dass sie nicht aufhören konnte an Felix zu denken, schob es aber unterschwellig noch darauf, dass sie sich einfach so zum Verwechseln ähnlich sahen.
„Wie war deine Woche? Was hast du getrieben?“, lächelte Lukas, während er die Speisekarte aufschlug.
Sie schluckte. „Na ja, viel gearbeitet. Hast du ja mitbekommen.“
„Ja, sogar so viel, dass Felix für dich absagen musste beim ersten Mal“, lachte Lukas.
Sandra blinzelte irritiert, doch das bekam ihr Gegenüber nicht mit, da er den Blick wieder in die Karte senkte. Sie überlegte für einen Moment… ihr erstes Treffen… hatte Felix da morgens nicht zu ihr gesagt, dass Lukas so beschäftigt war? Sie begriff relativ rasch, dass er wohl gelogen haben musste und seufzte leise. Hatte Felix sie davon abhalten wollen sich mit Lukas zu treffen? In ihrem Kopf rasten die Gedanken unermüdlich hin und her.
„Weißt du, warum ich so gern zum Italiener gehe?“, fragte Lukas und blickte auf.
„Nein?“, antwortete sie.
„Weil ich da immer ein Überraschungsmenü bekomme“
Sandra sah ihn verwirrt an.
Lukas grinste leicht. „Ich kann kein einziges von den Gerichten hier richtig aussprechen“
Die junge Anwältin schmunzelte. „Ach, so schlimm wirds nicht sein, oder?“
„Ich war mal in Italien auf Urlaub. Ich wollte ein Bier und eine Pizza. Bekommen hab ich eine Cola und Tortellini.“, antwortete Lukas.
Sandra lachte los und ihr Gegenüber grinste nur schulterzuckend und senkte den Blick wieder in die Karte. Sandra atmete tief durch und lehnte sich zurück. Ja, das war der Grund, warum sie Lukas mochte. Er hatte diesen ganz speziellen Humor, der, der aus dem Nichts kam und irgendwie wahnsinnig liebenswürdig war. Sie lächelte zu ihm hinüber.
„Du hast mir gefehlt. Das hier hat mir gefehlt.“, meinte Lukas. „Ich hab mich schon lang nicht mehr so gut mit jemandem unterhalten, weißt du, was ich meine? Es ist so einfach mit dir zu reden.“
„Ja, das geht mir mit dir genauso“, antwortete Sandra ehrlich.
Er nickte und legte die Karte dann beiseite. „So, ich weiß, was ich möchte. Du auch?“
„Aber klar“ Die junge Anwältin zwinkerte ihm zu und strich sich durch ihr Haar.

„Er ahnt hundertprozentig was. Ich sag dir das, der hat dafür ein Gespür und er wird alles Mögliche tun, um sie weichzukochen und dann...“ Felix schüttelte den Kopf und legte ihn dann in den Nacken, um sich den letzten Schluck Bier dramatisch einzuverleiben.
„Unsinn“, gab Otto zurück. „Du tust ja so als wäre Sandra ein willenloses Etwas. Die hat da auch noch was mitzureden und die wird nicht mit ihm in die Kiste steigen. Nein.“
„Otto, wenn Lukas mit Sandra schläft, dann… du weißt, dass sie dann für mich tabu ist. Auf ewig.“ Felix schluckte und blickte auf seine verschränkten Finger hinab.
Sein bester Freund atmete tief durch und zuckte die Schultern. „Aber es bringt nichts, wenn du dir jetzt noch Sorgen machst, Felix. Du kannst jetzt nichts mehr verhindern. Du hast doch getan, was du tun konntest. Aber...“
„Aber?“
„Na ja, vielleicht hättest du sie bügeln sollen, dann würde Lukas jetzt vielleicht die Finger von ihr lassen“
„Otto!“ Felix sah ihn ärgerlich an. „Das ist doch hier kein Contest… ‚wer vögelt Sandra zuerst‘, oder was? Nein...“
„Klingt aber ganz so“, meinte der Türke schulterzuckend. „Im Moment buhlt ihr um dieselbe Frau und wenn der erste sie weggegrätscht hast, ist Game Over.“
Der Anwalt knurrte leise kopfschüttelnd und griff nach dem nächsten Glas Bier, das Kurt ihm vorsichtig über die Theke schob.
Otto beobachtete seinen besten Freund von der Seite, er schien wirklich wahnsinnig besorgt und nachdenklich und so kannte er ihn für gewöhnlich nicht. Ihm schien wirklich wahnsinnig viel daran zu liegen, dass Lukas heute Abend nicht punktete.
„Sag mal...“, meinte er langsam. „Du magst Sandra wirklich, oder?“
Felix blickte auf und nickte dann.
„Kann es vielleicht sogar sein, dass du sie liebst?“, wagte Otto es auszusprechen.
Sein bester Freund schwieg für einen Moment, schluckte, und sah sein Gegenüber dann wieder an. „Tja, und was bringt mir das am Ende, wenn sie sich für Lukas entscheidet?“

„Das war ein fantastischer Abend“ Er hob sein Weinglas, prostete ihr zu, und trank den letzten Schluck aus.
Bezahlt hatte er schon, da sich das Restaurant füllte und er es hasste ewig auf die Rechnung warten zu müssen, und obwohl er noch Lust gehabt hätte mit Sandra weiterzuziehen, war Lukas aufgefallen, dass sie zunehmend immer häufiger gegähnt hatte – wenn auch dezent hinter vorgehaltener Hand.
„Du solltest echt ein wenig kürzer treten“, meinte er mit einem leicht besorgten Blick auf sie.
Sandra winkte ab. „Alles halb so wild, ist nur grade einfach die Zeit, die stressig ist“
„Ja, aber auf Dauer ist das doch auch nicht optimal“, murmelte Lukas. „Ich mein, ich weiß ja nicht wie ihr euch die Fälle aufteilt, aber arbeitet Felix genauso viel wie du?“
„Klar“, gab Sandra zurück. „Bei uns läuft alles gerecht ab. Und Felix hilft mir trotz allem sehr viel, obwohl er selbst nicht weniger zu tun hat, als ich. Daran liegt es nicht. Aber ich kann nicht einfach kürzer treten, nur weil es gerade stressig ist. Ich muss auch irgendwie Geld verdienen, Lukas.“
„Das war ja auch nicht böse gemeint, ich mach mir nur Sorgen um dich“, gab ihr Gegenüber zurück.
Sandra lächelte sanft. „Musst du aber nicht. Wirklich. Ich bin ein großes Mädchen, ich weiß schon, wo meine Grenzen liegen.“
„Gott sei Dank bist du ein großes Mädchen“, grinste Lukas. „Mit einem kleinen würde ich auch nicht ausgehen“
„Beruhigend“, schmunzelte die Anwältin und erhob sich.
Sie holten ihre Mäntel und Sandra musste feststellen, dass die Edels wohl irgendwie zu Gentlemen erzogen worden waren, denn auch Lukas half ihr anstandslos in den Mantel und hielt ihr die Tür auf.
„Tja“, meinte er, als er die kühle Nachtluft einatmete und sich dann zu ihr umdrehte. „Ich fand das war ein wundervoller Abend. Das einzige Problem daran war, dass zwischen diesem und dem letzten so viel Zeit lag.“
„Ja, aber wie gesagt… die Arbeit. Es tut mir wirklich leid.“, meinte Sandra und schob ihre Hände in die Manteltaschen.
„Ich versteh das ja auch. Meldest du dich einfach, wenn du Zeit hast?“
Sie fand es unfassbar charmant, dass er so verständnisvoll war, und nickte. „Auf alle Fälle. Versprochen.“
„Gut, dann...“ Er lächelte sie an und ging einige Schritte auf sie zu, bevor er sie an sich zog.
Sandra amtete tief durch und schloss die Augen, nahm seinen Geruch wahr, und mit einem Mal fiel ihr auf, dass Lukas so völlig anders roch als Felix. Nicht, dass sein Aftershave nicht auch köstlich duftete, aber eben… anders. Sandra öffnete die Augen und merkte, dass es einfach nicht dasselbe war. Lukas war Lukas und Felix war Felix und sie spürte in diesem Moment ganz deutlich, für wen ihr Herz schlug.
Lukas löste sich etwas aus der Umarmung und im nächsten Moment wurde Sandra geküsst und dieses Mal konnte sie es nicht verhindern, dass seine Zunge in ihren Mund drang. Sie war etwas perplex, schließlich erwiderte sie den Kuss aber, weil er sich doch auf eine gewisse Art und Weise  gut anfühlte. Diese Verwirrung in ihrem Inneren machte sie völlig fertig, denn jetzt, wo sie so in Lukas‘ Armen hier stand und er sie festhielt und sie sich doch irgendwie geborgen fühlte, da spürte sie, dass sie nicht abgeneigt war von diesem Kuss, im Gegenteil – sie genoss ihn. Die beiden schmusten weiter vor sich hin, bis Lukas sich irgendwann von ihr löste. „Kommst du mit mir ins Hotel?“
Sie sah ihm in die Augen und wusste, dass das der Moment war, in dem sie eine Entscheidung treffen musste. Und ihre Antwort würde besiegeln, was sie wirklich wollte.

Felix riss den Kopf in die Höhe, als er die Kanzleitür hörte. Sandra hatte noch eine Verhandlung gehabt und er hatte auf Nadeln gesessen. Abgesehen davon, dass er nicht geschlafen hatte, hatte er die ganze Nacht auf sein Handy gestarrt und gehofft, dass sie sich irgendwie melden würde. Entweder sie oder Lukas. Beides war unwahrscheinlich gewesen, aber er hatte dennoch die winzige Hoffnung gehegt. Passiert war nichts und zu allem Überfluss hatte Sandra heute Morgen auch noch einen Lokaltermin gehabt. Er wusste, dass er sie nicht fragen konnte, ob sie mit Lukas geschlafen hatte, aber er hoffte, dass sie seine Sorge auch ohne überdeutliche Worte verstand.
Er stand auf, als es an seiner Bürotür klopfte, und ging um seinen Schreibtisch herum. „Ja?“
Sandra betrat den Raum und schloss die Tür hinter sich, ging auf Felix zu, der sich wieder gegen die Tischplatte gelehnt hatte.
„Guten Morgen“, lächelte die junge Anwältin ruhig.
„Morgen“, gab Felix zurück.
„Alles gut bei Ihnen?“
„Ja, vielen Dank. Und bei Ihnen?“
„Auch“, antwortete sie und schluckte.
Sie sahen sich für einige Momente schweigend an, dann atmete der Anwalt tief durch und verschränkte die Arme. „Und? War der Abend schön?“
„Ja“, nickte Sandra und ging noch einen Schritt auf ihn zu. „Allerdings hab ich etwas sehr Interessantes wegen Montag erfahren...“
Er überlegte kurz und schluckte dann, versuchte aber sein Pokerface zu bewahren. „Ach ja? Was denn?“
„Felix“, meinte Sandra ruhig. „Warum haben Sie gelogen? Warum haben Sie Lukas gesagt ich könne nicht kommen, weil ich so viel zu tun hätte? Und warum haben Sie mir dasselbe bezüglich ihm gesagt?“
Der Anwalt wusste, dass er jetzt keine Ausrede mehr erfinden konnte. Er musste die Fakten auf den Tisch legen und sich angreifbar machen. „Weil ich nicht wollte, dass du dich mit ihm triffst, Sandra“
Sie schluckte und hielt den Atem an.
„Und ich wollte es auch gestern nicht“
Sandra kaute leicht auf ihrer Unterlippe herum und machte noch einen Schritt auf ihn zu, bevor sie ihn schüchtern ansah. „Wieso nicht?“
Felix atmete tief durch und erwiderte ihren Blick, seine Stimme war leise. „Muss ich es wirklich aussprechen?“
Sandra trat so nah an ihn heran, wie sie nur konnte und schüttelte leicht den Kopf, bevor sie ihre Antwort flüsterte. „Zeig es mir“
Felix erhob sich von seiner Schreibtischplatte und blickte auf sie hinab. Sandra schluckte, als er seine Hand zärtlich durch ihr Haar in ihren Nacken schob und sein intensiver Blick sie beinah verschluckte.
Er konnte nicht leugnen, dass es ihm ein Kitzeln durch den gesamten Körper jagte, als er sah, wie sie erwartungsvoll die Augen schloss. Er ließ sich Zeit dabei sich ihr zu nähern, genoss sie mit all seinen Sinnen. Ihr zarter Duft umschmeichelte seine Nase, er spürte die Wärme ihrer Nähe, lächelte leicht, als er hörte, wie sie durchatmete. Dann fiel sein Blick auf ihre leicht geöffneten Lippen und er wusste, dass sie bereit für ihn war und nur noch darauf wartete erlöst zu werden. Und er würde sie erlösen. Mit all der Zärtlichkeit, die er nur irgendwie aufbringen konnte legte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Er merkte deutlich, wie sie sich entspannte und sich dann an ihn schmiegte und er schlang seinen freien Arm um sie.
In aller Ruhe legte er seinen Kopf etwas mehr schief und ihre Zungen trafen sich ohne Umschweife und ohne jegliche Eile, während sie sich gegenseitig schmeckten und dieses kleine intime Zusammentreffen zelebrierten, als existiere das Konzept der Zeit nicht.
Felix war mehr als zufrieden, als er plötzlich spürte, wie ihre Hände vorsichtig über seinen Rücken hinauf wanderten, ihn zaghaft streichelten. Diese Nähe war ungewohnt und neu aber so unfassbar schön, dass der Anwalt beinah vergaß wo sie sich hier befanden. Sie lösten sich langsam wieder voneinander und sahen sich an und Sandra lächelte, ließ ihre Arme sinken und räusperte sich verlegen, während sie einen Schritt zurücktrat.
„Ich hab uns Theaterkarten besorgt“, meinte Felix nach wenigen Augenblicken der Stille.
„Oh… gut“, nickte Sandra. „Für wann?“
„Dienstag“
„Klingt toll“
Felix nickte und schob seine Hände in die Hosentaschen.
Es klopfte an der Bürotür und Biene steckte vorsichtig den Kopf hinein. „Sandra, die Staatsanwaltschaft für dich“
„Ich komme. Danke, Biene.“, lächelte die Anwältin und warf Felix noch einen kurzen Blick zu, errötete leicht, und strich sich schmunzelnd das Haar hinter die Ohren, bevor sie sich umdrehte und sein Büro wieder verließ.
Felix sah ihr mit wild klopfendem Herzen hinterher und realisierte, dass er eigentlich gar nicht wusste, wo er sich da womöglich gerade hinein manövriert hatte. Was, wenn Sandra gar nicht mehr in Frage kam, weil sie gestern tatsächlich…?
Er schluckte den Gedanken eilig hinunter und drehte sich um. Glücklicherweise klingelte auch sein Telefon und er musste diese Horrorvorstellung in seinem Kopf nicht zu Ende bringen.
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