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Hope is Near

GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
Near OC (Own Character)
24.06.2021
01.12.2021
37
124.415
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
06.10.2021 4.828
 
Nates gleichförmiger Herzschlag an ihrem Ohr war beruhigend. So beruhigend, dass ihre Lider langsam immer schwerer wurden. Trotzdem wehrte sie sich noch dagegen. Sie wollte nicht, dass der Tag endete. Es bedeutete, dass der Moment ihrer Abreise immer näher rückte. Sie wollte so wenig Zeit wie möglich mit ihm verpassen bis es soweit war. Sicher, sie freute sich auch darauf wieder nach Hause zu kommen und ihren Großvater und besonders ihre Mum wiederzusehen, aber das alles hatte einen bitteren Beigeschmack. Sie hatte sich zu schnell an ihn und seine permanente Nähe gewöhnt. Sie war jedoch dankbar für die Zeit, die sie mit ihm verbringen durfte.
Mit L.
Sie musste sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, wer er in Wirklichkeit war. Man verdrängte es nur allzu leicht in seiner Gegenwart. Die elektronische Stimme aus dem Computer war real. Der Mythos L war längst keiner mehr. Zumindest nicht für sie. Sie fragte sich, ob er sich Sorgen darüber machte, dass sie sich bei irgendwem verplappern könnte. Er hatte sich dazu bisher nicht geäußert. Aber ihm musste durchaus bewusst sein, was für ein Risiko es darstellte, dass jemand über ihn Bescheid wusste. Doch vielleicht hatte auch er hin und wieder verdrängt, wer er wirklich war.
"Ich werde jetzt lieber gehen. Du siehst müde aus.", drang seine rauchige Stimme an ihr Bewusstsein. Die ganze Zeit hatte er mit den Fingern sanft ihre Kopfhaut massiert, doch nun hielt er in seiner Bewegung inne.
"Geh nicht!", flehte sie und griff dabei fest nach dem Kragen seines Oberteils.
"Du brauchst deinen Schlaf und ich ebenso. Also sei vernüftig."
Hope verzog den Mund und hob den Kopf, um ihn trotzig anzusehen.
"Schlaf wird überbewertet. Schlafen kann ich schließlich noch, wenn ich tot bin."
"Mit dem Unterschied, dass du dann nicht mehr aufwachst.", entgegnete er und tätschelte dabei ihren Kopf. "Wir sehen uns morgen wieder."
Er schob sie behutsam von sich und stand dann von dem Sofa auf. Hope versuchte sich an einem vorwurfsvollen Gesichtsausdruck, doch er schien es nicht einmal zu bemerken, sondern starrte nur mit ausdruckslosem Blick zurück.
"Bist du fertig damit? Dann werde ich jetzt gehen."
"Du bist herzlos.", jammerte sie und klammerte sich an seinem Arm fest.
"Lass mich bitte los, Hope."
Er entwand sich rasch ihrem Griff, küsste sie jedoch zur Besänftigung auf den Mund. Hope legte ihre Arme um seine Schultern und vertiefte den Kuss in der Hoffnung ihn so noch einen Augenblick lang aufzuhalten.
"Ich weiß, was du vorhast, aber das wird nicht funktionieren.", sagte er entschieden, als er sich von ihr gelöst hatte. "Gute Nacht, Hope!"
Erneut machte er sich los von ihr und ging zielgerichtet Richtung Tür.
"Warte!", rief sie panisch und war bei ihm, als seine Hand bereits die Klinke berührt hatte. Ihre Arme legten sich von hinten um seinen Körper und ihre Gedanken überschlugen sich. "Du kannst doch auch bei mir schlafen...auf dem Sofa.", fügte sie flüsternd hinzu, weil sie auf keinen Fall wollte, dass er womöglich glaubte sie hätte dabei einen Hintergedanken. Sie wollte nur nicht, dass er ging. Nicht heute jedenfalls. Nate erstarrte, sagte jedoch lange Zeit nichts.
Dann irgendwann erwiderte er:
"Ich hole meine Bettwäsche."
Er ging und ließ sie fassungslos stehen. Das Kribbeln in ihrem Bauch nahm überhand. Er hatte nicht protestiert. Das bedeutete Nate würde die Nacht bei ihr verbringen. Zwar nur auf dem Sofa, aber das war in Ordnung. Ihre Beziehung war noch im Anfangsstadium und Nate hatte zudem keinerlei Erfahrung mit körperlicher Intimität. Daher war Hope auch überaus geduldig. Abgesehen davon war sie selbst niemand, der nach so kurzer Zeit schon über jemanden herfiel. Sie war nicht wie Elsie - für die One-Night-Stands etwas völlig normales waren. Hope war für solche kurzen Affären nicht geschaffen. Wenn es nicht ernsthaft war, dann lohnte es sich nicht darüber nachzudenken. Sex ohne tiefere Gefühle war wie ein Sommer ohne Sonne - irgendwie kalt und die Sache nicht wert. Aus diesem Grund fiel ihr das Warten auf den richtigen Moment auch nicht übermäßig schwer.
Nervös räumte Hope alle Kissen auf dem Sofa beiseite. Als er zurückkam, hatte er seine Bettdecke und ein Kissen unter dem Arm. Sie spürte wie ihr Gesicht glühte unter seinem durchdringenden Blick. Nate wirkte nach außen hin völlig gelassen. Womöglich war er es auch.
"Also ich...zieh mich nur schnell um. Du kannst es dir ja in der Zeit bequem machen.", sagte sie hastig, schnappte sich ihre Schlafsachen und schloss sich dann im Badezimmer ein. Sie schminkte sich ab, putzte die Zähne und cremte gründlich ihr Gesicht ein. Das alles tat sie in Zeitlupe. Die Situation war so merkwürdig und ihr Herz war kurz davor zu kollabieren, sodass sie jede Sekunde ausnutzte sich geistig vorzubereiten. Sie band ihre Haare zu einem unordentlichen Dutt zusammen und zog einen zusammenpassenden Zweiteiler über, der durch die Rüschen am Saum immerhin vielmehr niedlich wirkte und nicht so als hätte sie vor ihn zu verführen. Nicht, dass sie überhaupt je solche Art von Nachtwäsche besessen hätte. Hope mochte es da eher einfach und komfortabel. Sie warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und verließ dann das Badezimmer. Sie ging zu dem Sofa und sah, dass er bereits dort zusammengekauert lag, die Beine dabei nah an seinen Körper gezogen. Er warf ihr einen kurzen Seitenblick zu.
"Ist es wirklich in Ordnung für dich, wenn du hier schläfst?", fragte sie zweifelnd.
"Nun, ich verstehe es zwar nicht, weil wir ohnehin nur schlafen und der Ort somit irrelavant ist, aber ich tue es, weil du es gern möchtest."
Das war nicht unbedingt die Antwort, die sie sich erhofft hatte, aber immerhin schien er ihren Wunsch zu respektieren.
"Na ja, so hab ich das Gefühl, dass du nicht so weit weg bist.", murmelte sie leise.
"Meine Wohnung ist gleich gegenüber. Das ist auch nicht sonderlich weit entfernt.", gab er zu Bedenken.
"Aber so gibt es keine Wände mehr zwischen uns und ich kann jederzeit mit dir reden, wenn mir danach ist.", versuchte sie sich zu erklären.
"Ich dachte wir würden schlafen."
Hope holte tief Luft.
"Wenn du nicht hier sein willst, dann geh eben wieder. Sonst heißt es am Ende noch ich würde dich zwingen." Sie verschränkte trotzig die Arme, während er sie nur verblüfft anstarrte. "Na los, hau schon ab.", fauchte sie ungehalten.
Er richtete sich ungläubig auf.
"Deine Reaktion ist ziemlich übertrieben. Ich wollte nur wissen, warum du unbedingt darauf bestehst, dass ich hier schlafe. Mehr nicht.", sagte er vollkommen ruhig. Seine offensichtliche Unbekümmertheit machte sie noch rasender.
"Weil ich dich mag, du verdammter Vollidiot, und ich wollte dich einfach in meiner Nähe haben. Reicht dir das nicht als Begründung?"
Sie starrten sich eine gefühlte Ewigkeit an.
"Es tut mir Leid, Hope.", sagte er nach einer Weile. "Ich wollte dich nicht verärgern."
Sie schluckte ihre Wut hinunter.
"Schon gut."
"Willst du immer noch, dass ich wieder verschwinde?", fragte er vorsichtig.
Sie schüttelte den Kopf.
"Gute Nacht, Nate.", sagte sie kurz angebunden, schaltete das Licht im Wohnzimmer aus und verwendete die Taschenlampe ihres Smartphones um den Weg zu ihrem Bett zu finden. Von dort oben hatte sie die perfekte Sicht auf das Sofa, auch wenn es nur mit der Rückseite zu ihr stand.Trotzdem konnte sie in der Dunkelheit schemenhaft seinen weißen Haarschopf ausmachen. Ihr Herzschlag hatte sich seit vorhin kaum normalisiert. Auch wenn sie sauer auf ihn war, so änderte das nichts an ihrer Nervosität. Sie versuchte die Augen zu schließen und einfach zu schlafen, doch trotz vorhandener Müdigkeit, wollte der Schlaf nicht kommen. Immer wieder fiel ihr Blick auf die zusammengekauerte Gestalt auf dem Sofa. Sie konnte aus der Entfernung absolut nicht erkennen, ob er inzwischen schon eingeschlafen war. Nach einer Weile musste sie sich eingestehen, dass sie in seiner Anwesenheit unmöglich ein Auge zubekommen würde. Außerdem plagten sie leichte Gewissensbisse wegen dem, was sie zuvor zu ihm gesagt hatte. Langsam setzte sie sich auf und lehnte sich über das Geländer direkt neben dem Bett.
"Nate?", wisperte sie zaghaft.
Keine Reaktion.
Schlief er etwa tatsächlich?
Sie zögerte, doch dann kam ihr eine Idee.
Sie berührte die Lampe auf ihrem Nachttisch und schickte ein grünes Licht an die andere Lampe, die noch immer auf dem Beistelltisch neben der Couch stand. Dann krabbelte sie wieder auf die andere Seite des Bettes zum Geländer und beobachtete wie er träge den Kopf hob und die leuchtende Lampe vor sich eingehend musterte, bevor er sich umwandte und seinen Blick zu ihr schweifen ließ.
"Sorry.", murmelte sie ihm zu. "Ich habe ein bisschen überreagiert."
"Das hättest du mir auch morgen sagen können."
"Aber ich konnte nicht schlafen, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte."
"Dann schlaf jetzt.", sagte er und klang dabei sehr endgültig.
"Verzeihst du mir?"
"Das hab ich doch schon längst, Hope. Ich habe zudem nie behauptet sauer auf dich zu sein."
"Das mag sein, aber ich war trotzdem eklig zu dir."
"Vielleicht hab ich es ja verdient.", sagte er nüchtern.
"Sei nicht albern."
"Nun, jetzt wo ich weiß, dass es dir leid tut, darf ich sicherlich weiterschlafen, oder?"
"Hast du wirklich schon geschlafen?", wollte sie stirnrunzelnd wissen.
"Nein, aber beinahe."
"Hast du nicht gehört, dass ich mit dir gesprochen habe?"
"Doch, aber ich hab es ignoriert, weil ich schlafen wollte.", sagte er beflissen.
"Du bist so ein Arsch.", empörte sie sich, schnappte sich ein kleines Kissen vom Bett und warf es nach unten. Nate beobachtete wie das Kissen etwa drei Meter neben ihm auf dem Boden landete.
"Ich tu einfach mal so als hätte ich das nicht bemerkt."
"Das kannst du ja auch sehr gut.", entgegnete sie bissig und streckte ihm ihre Zunge raus.
"Jetzt wirst du kindisch.", seufzte er. "Leg dich endlich hin und schlaf."
Ein unzufriedenes Grummeln kam ihr über die Lippen. Sie tippte auf ihre Lampe und löschte damit gleichzeitig die jeweils andere. Dann starrte sie für geraume Zeit frustriert an die Zimmerdecke. Doch egal wie oft sie es auch versuchte, sie konnte partout keinen Schlaf finden. Nicht nur, weil Nate mit ihr im selben Raum war, sondern auch, weil sie morgen wieder in einen Flieger steigen musste und ihr deshalb ein bisschen mulmig zumute war. Wahrscheinlich würde sie sich niemals ans Fliegen gewöhnen. Unruhig wälzte sie sich von einer auf die andere Seite und warf zwischendurch immer wieder einen prüfenden Blick zu Nate. Irgendwann richtete sie sich erneut auf.
"Psst.", machte sie in seine Richtung. "Schläfst du schon?"
"Jetzt nicht mehr.", knurrte er mit einem leicht genervten Unterton.
"Also, ich wollte nur fragen..." Sie zögerte kurz. "ob du eventuell neben mir schlafen würdest."
Langsam tauchte sein Kopf hinter der Sofalehne auf und sie glaubte einen überraschten Ausdruck auf seinem Gesicht zu erkennen, doch in der Dunkelheit war das schwer auszumachen.
"Dann frag mich doch."
Sie stöhnte und verdrehte die Augen.
"Würdest du?"
"Würde ich was?", fragte er mit beinahe belustigtem Ton.
"Neben mir schlafen?"
Er schien auffallend lange darüber nachzudenken.
"Also gut.", entschied er schließlich und sie könnte schwören dabei einen Hauch Unsicherheit herauszuhören. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stand er auf, griff nach seinem Bettzeug und nahm die Treppe nach oben zu ihrem Bett, das ausreichend Platz für zwei Personen bot. Dennoch pochte ihr Herz so laut, dass sie Angst hatte er würde es schlagen hören. Er legte sein Kissen und seine Decke neben sie und anschließend sich selbst. Hope war augenblicklich wie gelähmt von seiner unmittelbaren Nähe.
"Danke.", hauchte sie beinahe lautlos. Er wandte seinen Körper in ihre Richtung und sah sie eingehend an. Sein frischer Atem strich dabei sanft über ihr Gesicht und hinterließ einen süß-minzigen Geruch.
"Du hättest von Anfang an sagen können, dass du mich neben dir haben möchtest."
"Ich wusste nicht, ob das für dich okay ist."
"Du weißt, dass ich es dir sofort sagen würde, wenn ich ein Problem damit hätte."
"Stimmt. Und schließlich ist ja nichts dabei nur nebeneinander zu liegen und zu schlafen."
Sein skeptischer Blick ließ sie erröten.
"Ich vermute mal nicht oder hattest du noch etwas anderes vor?"
"Nein.", sagte sie hastig.
"Gut, dann hoffe ich du kannst jetzt endlich schlafen."
Er schloss kurzerhand die Augen. Wäre es heller gewesen, hätte sie seine Wimpern zählen können, so dicht lag er neben ihr. Ganz allmählich rutschte sie noch dichter an ihn heran, suchte seine Nähe. Sie presste ihre Stirn an seinen Hals und legte ihre Hand auf seine Taille. Nate reagierte darauf indem er seine Arme um sie schlang und sie zunehmend an sich drückte.
"Kannst du so schlafen?", fragte er ungewohnt rücksichtsvoll.
"Mmhh.", brachte sie nur wohlig hervor. Wenn sie ehrlich war, dann würde sie diese Nacht sehr wahrscheinlich in endloser Schlaflosigkeit verbringen, denn sie war viel zu aufgekratzt um zur Ruhe zu finden. Seine bloße Gegenwart war ausreichend, um sie in dauerhafte Anspannung zu versetzen, daher fiel es ihr schwer sich zu entspannen, auch wenn sie das Gefühl genoss von ihm festgehalten zu werden.
"Ich will nicht gehen.", nuschelte sie gegen seine Halsbeuge.
"Dann geh nicht.", flüsterte er.
"Ich muss."
"Ich weiß."
...
Das war das letzte, woran sie sich erinnerte. Erst als sie die Augen wieder aufschlug, wurde ihr bewusst, dass sie offenbar doch eingeschlafen war. Als ihre Sicht sich geklärt hatte, blickte sie geradewegs in ein anthrazitgraues Augenpaar. Im selben Moment kamen ihre restlichen Erinnerungen an die letzte Nacht zurück.
"Wie lange beobachtest du mich schon?", fragte sie misstrauisch.
"Lange genug, um zu bemerken, dass dir Sabber aus dem Mund läuft."
Er deutete auf eine Stelle an ihrem Kinn. Peinlich berührt wischte sie mit der Hand darüber, während ihre Wangen spürbar glühten.
"Du bist so charmant."
"Hast du von mir geträumt?", fragte er unverblümt.
"Das hättest du gern."
"Es würde mir zugegeben etwas Genugtuung bereiten."
"Werd bloß nicht zu überheblich.", entgegnete sie schroff. Er lachte leise. Ein seltenes Geräusch in Verbindung mit Nate. "Ich hab doch hoffentlich nicht im Schlaf geredet oder so?", fragte sie verlegen.
"Leider nicht." Sie atmete erleichtert aus. "Hätte ich irgendwas relevantes erfahren, wenn du es getan hättest?"
"Keine Ahnung. Aber ich will das Risiko lieber nicht eingehen."
"Ich hätte es auch für mich behalten."
Sie lachte.
"Wem solltest du es auch erzählen? Deinen Quallen? Oder deinen Angestellten? Wird sie sicherlich brennend interessieren, was ich so im Schlaf von mir gebe."
"Bei meinen Quallen wären deine Geheimnisse zumindest sehr sicher."
"Das beruhigt mich ungemein.", sagte sie und zog eine Grimasse. Völlig unerwartet kam Nate näher und küsste sie liebevoll auf die Stirn. Verwirrt sah sie ihn an.
"Wofür war der?"
"Für deine Existenz."
Ihr Herz stolperte. Beinahe hätte sie laut  aufgeseufzt, doch konnte es noch rechtzeitig unterdrücken. Von seinen Worten ergriffen, rutschte sie an ihn heran und überfiel ihn mit einem impulsiven Kuss auf die Lippen. Im ersten Moment war er spürbar überwältigt von ihrer schlagartigen Annäherung, im nächsten hatte er sich wieder gefasst und ging auf ihre Liebkosungen ein. Er öffnete bereitwillig die Lippen und lud sie ein, den Kuss zu vertiefen. Dennoch blieb er passiv, hielt sich dezent zurück, während ihre Zunge aktiv seinen Mund erkundete. Sie beugte sich über ihn, während seine Hand sich dabei auf ihre Hüfte legte. Ihr Innerstes stand in Flammen und allmählich begannen sie sich in ihrem gesamten Körper auszubreiten. Eine Stimme in ihrem Kopf ermahnte sie, dass sie aufhören sollte. Doch bevor sie ihre Gedanken in die Tat umsetzen konnte, löste Nate sich schwer atmend von ihr. Statt jedoch von ihm abzulassen, begann sie seinen Hals zu küssen und hinterließ dort feuchte Spuren. Sein Halsschlagader pulsierte lebhaft unter ihren Lippen und er warf beinahe lustvoll den Kopf in den Nacken. Vorsichtig saugte sie sich an einer Stelle seiner Halsbeuge fest, erst zärtlich, dann deutlich fester. Er protestierte nicht, also fuhr sie fort damit seine Haut mit ihrem Mund zu bearbeiten. Als sie fertig war, sah sie wieder zu ihm auf.
"Ich weiß nicht, ob ich wirklich wissen möchte, was du gerade getan hast."
Sie grinste verschwörerisch und begutachtete zufrieden ihr Werk.
"Ich habe dich als mein Besitz markiert."
"Mir war schon beizeiten klar, dass du eine sadistische Ader hast."
"Ich will nur, dass du ein Andenken an mich hast, wenn ich weg bin.", sagte sie und strich über das Mal, welches  allmählich von rot zu blau überging.
"Ich wäre auch mit einem Foto zufrieden gewesen."
Sie kicherte.
"Wo du gerade davon anfängst." Sie griff neben sich nach ihrem Smartphone. "Ich hätte gern noch ein Foto von uns beiden. Ich habe kein einziges von dir, abgesehen von den alten Bildern aus deiner Akte. "
Sie sah ihn vorwurfsvoll an und öffnete dann ihre Kamera App im Selfie Modus. Doch Nate griff sofort nach ihrem Arm, um sie zu stoppen.
"Nicht, Hope. Das ist keine gute Idee.", erwiderte er plötzlich ernst.
"Bist du etwa kamerascheu?", fragte sie ihn neckend.
"Auch, aber das meine ich nicht. Du darfst niemals vergessen, wer ich bin. Das Foto könnte in die falschen Hände geraten und mich gefährden. Womöglich sogar dich, wenn es dumm kommt."
Sie presste fest die Lippen aufeinander und seufzte.
"Also werde ich nie ein Foto von dir haben?", fragte sie niedergeschlagen.
"Vorerst nicht."
"Was bedeutet vorerst? Bekomme ich erst eins, wenn du in den Ruhestand gehst?"
Seine Mundwinkel deuteten ein Lächeln an.
"Ich hoffe so lange wird es nicht dauern."
"Aber so lange du L bist, bekomme ich kein Foto, richtig?"
"Ich lasse mir etwas einfallen, damit du eins bekommst.", versprach er und hob dabei ihr Kinn an, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. "Bis dahin musst du jedes Detail an mir in deinem Kopf einspeichern, damit du es bei Bedarf abrufen kannst."
"Sehe ich aus wie ein Computer?", fragte sie mürrisch.
"Zum Glück nicht."
Sie warf kurz einen weiteren Blick auf das Display ihres Smartphone, um dort die aktuelle Uhrzeit abzulesen.
"Ich muss bald anfangen zu packen.", sagte sie seufzend und legte das Handy beiseite.
"Dann lasse ich dich wohl lieber erstmal alleine."
Sie nickte zaghaft. Nate stand auf und sammelte dann seine Decke und sein Kissen ein.
"Ich komme dann in 2 Stunden nochmal vorbei.", informierte er sie.
"Gut, bis dahin sollte ich mit allem fertig sein."
Er ging die Treppe hinab und war kurz darauf verschwunden. Hopes Motivation jedoch war an einem Tiefpunkt. Träge rollte sie sich aus ihrem Bett und schleppte sich anschließend nach unten. Ihr war absolut nicht danach sich 7 Stunden lang in ein Flugzeug zu setzen, aber sie hatte keine Wahl. Immerhin stellte sie zufrieden fest, dass Nate daran gedacht hatte sein Geschenk von ihr mitzunehmen. Auch sie packte ihre Lampe wieder umsichtig in den Karton zurück, bevor sie all ihre anderen Sachen wieder in ihrem Koffer verstaute. Zum Schluss brachte sie die Wohnung wieder auf Hochglanz. Als all das erledigt war, waren die zwei Stunden beinahe um, was bedeutete, dass auch der Abschied nahte. Wieder einmal. Die ganze Zeit hatte sie versucht den Gedanken daran irgendwie beiseite zu schieben, doch nun, wo ihre Taschen alle bereit zur Abreise standen, überkam sie wieder tiefe Traurigkeit. Abschiede waren immer unangenehm, denn wie Nate hasste sie es ihre schwachen Gefühle zu sehr nach außen zu tragen. Doch in solchen emotionalen Momenten begann diese Mauer zu bröckeln und je stärker sie sich gegen die aufkommende Verzweiflung wehrte, desto mehr verschlimmerte sich ihre Reaktion darauf. Das war der entscheidende Unterschied zwischen ihr und ihm. Er hatte sich meistens perfekt im Griff, während sie es zwar mühevoll versuchte, aber kläglich daran scheiterte.
Als es an ihrer Tür klopfte, wurde sie von innerlicher Panik erfasst. Sie atmete noch einmal tief durch, stand auf und öffnete die Tür. Es war Nate. Wie gewohnt, drehte er mit dem Finger eine Strähne seines weißen Haares ein. Ungewöhnlich war jedoch seine Kleidung: er trug eine legere cremefarbene Stoffhose und dazu ein helles Rundkragen Shirt mit halblangen Ärmeln. Natürlich kannte sie die Sachen, denn schließlich hatte Hope sie ihm selbst gekauft, dennoch hatte er seit ihrem gemeinsamen Ausflug zum Central Park nichts mehr davon getragen. Außerdem fiel ihr sofort auf, dass er seine Haare gekonnt über die Stelle mit dem dunklen Fleck an seinem Hals gelegt hatte.
"Mrs. Lidner wartet unten in der Lobby auf uns.", teilte Nate ihr unumwunden mit.
"Uns? Das heißt...du wirst mitkommen? Zum Flughafen?", fragte sie ungläubig.
"Ich werde zumindest mitfahren."
Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
"Das find ich süß von dir."
Sie beobachtete wie er kurz die Lippen  fest aufeinander presste, sagte jedoch nichts dazu.
"Soll ich dir was abnehmen?", fragte er zögerlich als sie nach ihrem Koffer und dem Paket mit der Lampe griff. Sie reichte ihm daraufhin das Paket und rollte den Koffer Richtung Aufzug.
"Hier." Sie hielt ihm die Schlüsselkarte für die Wohnung hin nachdem sie abgeschlossen hatte. Er zögerte kurz, nahm sie jedoch an sich und steckte sie in seine Hosentasche.
Gemeinsam nahmen sie den Fahrstuhl nach unten. Ihr Blick fiel dabei auf seine Füße.
"Du trägst die Schuhe wieder.", stellte sie überrascht fest.
"Ja, aber da wir nicht viel laufen, ist das in Ordnung.", antwortete er.
"Trägst du sie für mich?", fragte sie mit leicht amüsiertem Grinsen.
"Also ja. Du sagtest es wäre unangemessen ohne Schuhe draußen unterwegs zu sein."
"Letztendlich musst du dich wohl fühlen, Nate. Vergiss, was ich gesagt habe."
"Ich werde sie dennoch für dich tragen.", beharrte er.
"Wie du willst.", nuschelte sie.
Die Aufzugtüren öffneten sich und gaben den Blick auf das Foyer frei. Dort stand Mrs. Lidner und wartete offenbar bereits auf sie.
Sie beide nahmen auf dem Rücksitz des BMWs Platz. Entweder er wollte sie nicht alleine dort sitzen lassen oder er fühlte sich sicherer hinter den getönten Scheiben. Hope konnte nicht aufhören ihm während der Fahrt immer wieder einen unauffälligen Seitenblick zuzuwerfen, doch Nate schien in seine eigenen Gedanken versunken zu sein. Sein Blick richtete sich starr aus dem Fenster. Hope hätte zu gern während der Fahrt seine Hand gehalten, doch in Anwesenheit von Mrs. Lidner traute sie sich nicht ihre Hand nach ihm auszustrecken. Zudem war sie sich sicher, dass er es ziemlich albern finden vor seinen Angestellten mit ihr Händchen zu halten. Irgendwann sah er in ihre Richtung und ihre Blicke trafen sich kurz. Sie konnte an seinem Gesicht ablesen, dass ihn ähnliche Gedanken bewegten. Sie warf ihm ein flüchtiges Lächeln zu, doch sie befürchtete, dass man ihren innerlichen Schmerz darin erkennen würde.
Lidner parkte wie letztes Mal unweit von dem Terminal, wo sie einchecken musste.
"Ich werde draußen warten.", sagte sie sofort bereitwillig, stieg aus dem Wagen und entfernte sich einige Meter, um auf ihr Handy zu sehen. Hope schätzte es, dass Mrs. Lidner sie ungestört ließ. Eine unheimliche Stille breitete sich jedoch in dem Auto aus, als sie weg war. Nate sah gedankenverloren an ihr vorbei und schwieg.
"Also ich muss jetzt los.", ergriff sie das Wort und löste den Sicherheitsgurt. Erst jetzt schien er vollends zu realisieren, dass sie am Flughafen angekommen waren. Er sah sie an und nickte schwach.
"Gut."
"Ist das alles, was dir dazu einfällt?", fragte sie leicht ungehalten.
"Ich wünsche dir eine angenehme Rückreise.", antwortete er mechanisch als hätte er diesen Satz einstudiert.
"Okay, wow. Ich breche gleich in Tränen aus bei diesen emotionalen Worten.", erwiderte sie sarkastisch. "Pass auf, sonst könnte man noch glauben, dass du mich vermisst."
"Bist du...verärgert?", fragte er zögernd.
Sie seufzte schwer. Sie hatte jetzt keine Zeit für Grundsatzdiskussionen.
"Ja, Nate. Heute morgen lagen wir nebeneinander in einem Bett und du warst so süß zu mir. Was ist in der Zeit passiert? Hast du eine gespaltene Persönlichkeit, von der ich wissen sollte?"
Er starrte sie lange Zeit an bevor er zu einer Antwort ansetzte:
"Ich fühle mich miserabel, weil du gehst und das überfordert mich. Ich war immer gern alleine, doch jetzt weiß ich nicht, ob das womöglich nur so war, weil ich mich mit dem Alleinsein abgefunden hatte."
Es fiel ihm offenbar schwer wer ihr das zu gestehen. Er wagte es kaum ihr dabei in die Augen zu sehen und Hope war zugegeben gerührt von seinen Worten.
"Hast du Angst davor wieder alleine zu sein?", fragte sie vorsichtig.
"Angst ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich verspüre Unbehagen.", gestand er leise.
Hope lehnte sich in seine Richtung und krabbelte zur anderen Seite des Wagens. Nate sah zu ihr auf als ihr Gesicht direkt vor seinem war.
"Ich weiß es ist nicht so leicht und mir geht's genauso. Aber letztendlich haben wir es beide gewollt, obwohl wir wussten, dass der Moment des Abschieds kommen würde. Ich für meinen Teil habe die Zeit mit dir sehr genossen.", offenbarte sie und spürte dabei wie Wärme in ihr Gesicht schoss.
Statt zu antworten, hob er beide Hände und legte sie auf ihre glühenden Wangen.
Dann küsste er sie mit unerwarteter Zärtlichkeit. Ihre Zungen fanden wieder kurz zueinander, doch der Kuss blieb weitesgehend zurückhaltend. Nachdem sie ihre Lippen voneinander gelöst hatten, blieben sie jedoch noch kurz eng umschlungen, während sie ihre Stirn an seine gelegt hatte.
"Ich rufe dich an, sobald ich zu Hause angekommen bin. Aber wahrscheinlich melde ich mich schon eher, weil ich nicht so lange warten kann."
"In Ordnung. Pass bitte auf dich auf!", wisperte er und strich liebevoll durch ihr Pony.
"Das mache ich.", versicherte sie ihm und versuchte mühevoll sich ein Schluchzen zu unterdrücken.
"Und mach dir keine Sorgen wegen des Fluges."
"Das wird schwer, aber ich versuche es."
Sie gab ihm einen letzten kurzen Kuss auf den Mund. Schweren Herzens löste sie den Griff ihrer Finger um seine Hand.
"Auf Wiedersehen, Hope."
"Bye, Nate. Wir hören uns.", sagte sie, wandte sich langsam vom ihm ab und stieg dann aus dem Auto. Dann ging sie zu Mrs. Lidner und teilte ihr mit, dass sie soweit war, auch wenn sie sich bei weitem nicht so fühlte. Sie half ihr dabei ihre Sachen aus dem Kofferraum zu holen, bevor sie sich auch von ihr verabschiedete.
"Danke für Alles, Mrs. Lidner. Ich weiß wirklich zu schätzen, was sie getan haben."
Hope machte einen leichten Knicks vor ihr. Es war schwer diese Geste aus ihr herauszubekommen. Ihr Vater hatte sie damals gelehrt immer auf die koreanischen Umgangsformen zu achten.
Lidner lächelte.
"Nicht dafür, Miss Park.", engegnete sie. "Ich hoffe wir sehen uns bald wieder."
"Das hoffe ich auch. Geben sie bis dahin gut auf ihn Acht!", sagte sie mit einem Blick zum Wagen.
"Sie können sich auf uns verlassen.", schmunzelte sie, womit sie offensichtlich auch Rester und Gevanni mit einschloss.
Mit einem letzten Winken Richtung Auto verließ sie den Parkplatz und machte sich mit ihrem Ticket auf dem Weg zum Check-In-Schalter. Schon als sie dort anstand, bemerkte sie wie plötzlich jegliche Selbstbeherrschung von ihr abfiel. Ihr Augen füllten sich mit Tränen doch das letzte bisschen Vernunft in ihr wehrte sich noch gegen einen Gefühlsausbruch.
Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht vor Zeugen.
Sie musste sich zusammenreißen so lange bis sie zu Hause war. Sie schluckte ihre Tränen tapfer herunter und versuchte ruhig zu atmen. Als sie endlich beim Einchecken dran war, lenkte sie das vorerst von ihrem Kummer ab. Bald war sie wieder zu Hause. Allein.
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AN: Ihr glaubt nicht wie sehr ich mich grad danach sehne wieder ein paar Reviews von euch zu lesen. Im Moment kommt gar keine Rückmeldung und irgendwie geh ich dann immer davon aus, dass kein Interesse an der FF besteht. Ich hoffe jedoch, dass es doch noch ein paar Leser gibt xD Über ein kleines Lebenszeichen würde ich mich wirklich freuen :)
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