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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
25
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.11.2021 4.248
 
She's a terrifying human being




Kaizen Seiren – Jujuzistin – Dachterrasse Schule, wenige Stunden vor dem Austausch


Dieses Mal bleibe ich wohl etwas länger in Tokio… Murrend verzog Seiren das Gesicht als sie an diese Worte von vor wenigen Tagen zurückdachte und lehnte sich mit dem Rücken an die Brüstung zurück. Ein schweres Seufzen entfloh ihr über die Lippen. Eigentlich sollte sie sich ja über sowas keine Gedanken machen. Schließlich war es nichts was von Bedeutung war. Nur einfache Worte, mehr nicht. Nichts von Belang. Am Ende waren es nur aneinandergereihte Buchstaben, die zu einer simplen Aussage geformt wurden, die keinerlei Gewicht hatte. Weder für sie noch für ihn. Und wenn sie ehrlich war, gab es gerade eigentlich auch Wichtigeres um das sie sich zu kümmern hatte. Zum Beispiel den bevorstehenden Austausch der beiden Schulen oder die Tatsache dass sie gleich noch eine Trainingseinheit mit den Schülern schmeißen durfte, während Satoru wer weiß wo sich schon wieder rumtrieb und sie damit hängen ließ. Naja…zumindest sollte sie sich auf das konzentrieren… Denn obwohl ihr die Tragweite dieses Spektakels genau bewusst war, stand sie trotz allem dort oben und hoffte dass die Sommerbrise, die den Duft vom warmen Waldboden und frischem taubedeckten Gras zu ihr trug, ihre Gedanken wieder ordnen würde. Dass der azurne Himmel, der sich vor ihren Augen auftat, ihr wieder ein wenig Gleichgewicht schenken könnte. Andernfalls wäre sie jetzt nicht hier sondern stünde bereits dort unten am Platz. Doch das blau welches sie dort versuchte in seine endlos wirkenden Weiten zu locken, sie anlachte, erschien für sie so blass wie ein einzelner Regentropfen für die Wellen des grenzenlosen Ozeans...


…Denn es war eben nicht jenes blau…


Seiren umfasste die kalte Metallstange unter ihren Fingern mit einem gewissen Nachdruck. Sie biss sich auf die Lippe. Ärger stieg in ihr auf und für einen Moment schienen ihre Pupillen wieder heller als für gewöhnlich zu glühen. Sie musste sich zusammenreißen. Es reichte schon das der alte Gakuganji bald schon seine dreckigen Füße auf den Boden dieser Schule setzen würde und ihr damit näher kam als ihr lieb war, näher als sie wohlmöglich bereit war zu tolerieren und es trotz allem hinnehmen müsste. Nicht weil sie nicht auch andere Wege kannte um dem Ganzen den Rücken zukehren, sondern weil man es von ihr verlangte. Weil man ihre Rückkehr nicht einfach hinnehmen wollte, nachdem sie ihren „Auftrag“ im Ausland beendet hatte. Einen Auftrag, der einer Bestrafung gleichkam.
Das weiß ihrer Knöchel trat bedrohlich hervor. Ein kalter Luftwirbel umfasste sie von der Seite und fuhr ihr mit dem Flüstern einer Warnung durch die langen weißblonden Haare.  Doch obwohl man sie vor zwei Jahren zwang das Land zu verlassen und ins Exil zu gehen, hatten die Higher Ups sie nun tatsächlich zurückbeordert. Nicht weil sie es guthießen, sondern weil die Gefahr die von Sukuna ausging, deutlich größer war, als der Fakt sie wieder in Tokio zu wissen. Schlussendlich  wussten sie ja genau, dass sie sich von nun an den Regeln beugen würde - als Erbin des Kaizen-Clans und als Jujuzistin die das zu schützen versuchte, was ihr in diesem Leben noch wichtig war.

»Ein „Hey, ich bin wieder da“, hätte gereicht, weißt du?«

Ruckartig lockerte sie den Griff um das Geländer als sie sah welche Person da soeben mit einer Zigarette in der Hand und dem gewohnt abgeklärten, ja fast schon düsteren Gesichtsausdruck durch die Tür am anderen Ende der Terrasse geschritten kam. Seirens Körper spannte sich unmerklich an und der Ärger wich den Schuldgefühlen wie der Windzug der Stille. Die bittere Erkenntnis ihrer Entscheidungen traf sie in Form eines so vertrauten Gesichtes wie ein Schlag in die Magengrube. Shoko…  Der Anblick ihrer alten Freundin hinterließ binnen weniger Sekunden ein zuschnürendes Gefühl der Enge in ihrer Seele. Mit ihr hatte sie heute nicht gerechnet. Nicht hier. Nicht jetzt.  »Ich…«, setzte sie an, doch die Chirurgin mit dem undurchschaubaren Mienenspiel und der Wärme eines Eisblocks, hob reserviert die Hand, sodass Seiren prompt ins Schweigen verfiel. Unbehagen schlich sich in ihre Magengegend ein. Zwei Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Zwei volle Jahre waren vergangen, seit Seiren von heute auf morgen aus dem Leben von allen verschwunden war - wie der Nebel der mit dem Meer über die Küsten kam und mit der nächsten Flut einfach wieder verschwand…

Sicherlich war sie wütend – wer wäre das auch nicht. Schließlich war sie ohne groß was zu sagen, gegangen. Keine expliziten Erklärungen, keine Hinweise, nur die Tatsache, dass sie weg war. Aber egal was es war, ob nun Wut oder Enttäuschung die Ieiri zu ihr führte, selbst nach all der Zeit hatte ihre Schulfreundin die Wirkung auf sie nicht verloren. Im Gegenteil. Durch diesen monotonen Blick, die Art wie sie an der weißen Zigarette zog und den Qualm passiv zur Seite blies während ihre Absätze in einem beharrlichen Abstand über die Steine hallten und ein kühles Echo hinterließen, überkam sie für einen Moment das Bedürfnis einfach abzuhauen. Immerhin wusste Shoko, dass Seiren diesen „Arzt-Blick“ nicht abkonnte. Diesen Blick der einen deutlich zu verstehen gab, dass man ziemliche Scheiße gebaut hatte. Verdammt große Scheiße…

»Seiren…« Die Blondine zuckte merklich zusammen als sie nun voreinander standen. Die Brünette sah sie direkt an, aschte fast beiläufig ab, sodass sie sich wünschte in irgendein Erdloch zu verschwinden. Die Haare der Ärztin waren mittlerweile etwas länger und die Haut tatsächlich etwas rosiger, die fahle Blässe der letzten Jahre war nur noch zu erahnen. Allein die dunklen Schatten unter ihren fast schon gleichgültig wirkenden Augen waren geblieben und starrten sie eintönig an. Sie schluckte schwer und die Worte auf ihrer Zunge wollten sich zu Silben formen, wollten die Entschuldigung bilden die ihre Freundin definitiv verdient hätte, doch ehe sie versah, fühlte sie den festen Griff um ihre Schulter, die langen Finger die den schmalen Knochen umfassten und den Ruck der sie näher an Ieiris Gesicht stieß. Der Duft von Desinfektionsmittel und Rosenwasser stieg ihr in die Nase.
»Shoko…o…«, murmelte die Jujuzistin kleinlaut und fühlte sich wie ein kleines Mädchen, dass ihrer Mutter Rechenschaft über ein massives Fehlverhalten schuldig war. So musste sich also Maki fühlen… Doch anstatt direkt über sie zu richten und das Urteil verkünden zu lassen, zog sie noch einmal tief an dem kleinen glühenden Glimmstängel und musterte sie gemächlich. Von oben bis unten. Von links nach rechts, ganz so als würde sie sich jede Unebenheit einprägen und genau überlegen wie sie am besten ihre Halsschlagader mit dem Skalpell durchtrennen könnte, welches sie normalerweise in der linken Kitteltasche mit sich führte. Und es wohl auch noch immer tat. Zumindest blitzte ein kleines Stück über den Rand des weißen Saumens hinaus.

»Ja, ich hab es immer noch dabei.«, bestätigte sie ihre Annahme vollster Kalkül, hatte sie ertappt. Seiren schauderte ein wenig als sie die Gleichgültigkeit in der ihr so bekannten Stimme hörte. Die braunen Iriden funkelten sie dunkel an, der Griff immer noch fest. Allerdings sah sie wie sich langsam ein seltenes Zucken über ihre Mundwinkel bewegte. Ein Lächeln, so schmal wie fein, legte sich über die hellen Lippen der Ärztin und ließ den Puls der Jujuzistin nun doch etwas ruhiger werden - wenngleich das schlechte Gewissen nicht weichen wollte. »Shoko, verdammt!« Die Anspannung in ihren Muskeln flachte ab. »Willst du mich eigentlich umbringen?«  
Ieiris Hand löste sich von ihr, glitt gemächlich in die Kitteltasche während sie den Blick über den Sportplatz wandern ließ und zwei kleine Spatzen an ihnen vorbei flogen. »Vielleicht.« Der Rauch baute sich vor ihren Mund auf und bäumte sich in kleine Kumuluswölkchen. »Aber wenn du nochmal einfach abhaust, lass ich dich auf meinen OP-Tisch verbluten. Verstanden?«
Seiren stützte die Hände vorsichtig auf dem Geländer ab, sah wie sich die Schüler in der Ferne langsam versammelten. »…Verstanden…« Ihre Finger fuhren über das Metall, die Gewissensbisse noch immer leise durch ihr Unterbewusstsein schleichend. »Shoko, ich - «
»Nicht.« Seiren bemerkte wie tief ihre Freundin den Sauerstoff einsog und ausatmete. »Es ist mir zwar nicht egal, aber du wirst deine Gründe gehabt haben. Jeder hat sie. Du. Ich. Und…« Sie überlegte kurz, presste die Lippen kurz aufeinander als würde sie den nächsten Gedanken nicht schaffen auszusprechen. »Jeder eben. Ich bin nur froh, dass du wieder da bist. Mehr nicht.«, fuhr sie nüchtern fort während sie auf die Knirpse hinab sah, die immer näher kamen. Aber Seiren wusste genau an wen sie dachte. Wessen Name ihr auf der Zunge lag und welchen sie doch nicht vermochte zu erwähnen. Immer noch nicht. Nach all der Zeit war es ihr nicht möglich seinen Namen zu sagen…



Iori Utahime – Jujuzistin und Lehrerin der Kyoto Jujutsu High im Auto, auf dem Weg zur Tokio High School


»Sie ist also wirklich wieder da, ja?« Die Abfälligkeit in den Worten war nicht einmal im Ansatz zu überhören, sodass selbst der Fahrer am Steuer flüchtig in den Rückspiegel blickte, während ihre Augen seine Unaufmerksamkeit aus den Winkel genau betrachten konnten. Eigentlich würde sie ihn jetzt anweisen auf die Straße zu schauen, doch obwohl ihre Laune ohnehin schon etwas im Keller war, stand ihr der Sinn nicht unbedingt nach einer unnötigen Verschwendung an Worten. Und so beließ sie es vorerst dabei und strich sich sorgsam über den scharlachroten Hakama den sie trug. Das dunkle »Ja.« welches  daraufhin von Gakuganji kam, der ihr in der schwarzen Limousine gegenüber saß, hatte sie kurz in der Bewegung stoppen lassen ehe sie ihn direkt ansah. Seine Stirn lag in Falten und die Hände umgriffen fest den Knauf seines Gehstocks. Ihr war klar, dass der kahlköpfige Mann kein Interesse an diesem Thema hatte, doch die Tatsache, dass Kaizen Seiren wieder in Tokio war, glich einem Angriff gegen alles für das die Jujuzisten standen. Gegen die Werte und Normen. Gegen die Regeln, die sie alle zu respektieren hatten. Und Seiren hatte nicht nur gegen ein Tabu verstoßen, nicht mit nur einer Vorschrift gebrochen, nein, sie und Satoru hatten andere Jujuzisten und unbeteiligte Menschen mit ihren einfältigen Gefühlen füreinander in Gefahr gebracht. Allein die Erinnerung an dieser unermesslichen Zerstörungsgewalt die sich wie ein Pfad der Unterwelt durch das Land gezogen hatte, ließ Utahime die Hände angespannt zusammenpressen…

Purpurnes Feuer. Eisblaue Flammen. Der Himmel in Zwei gerissen. Utahime konnte ihren Augen nicht trauen. Die Leere des Universums prangte über ihren Köpfen wie das Messer einer Guillotine. Vor ihr ein Schlachtfeld des Krieges, geboren aus ungezähmten Sturmaugen. Rauch der hinauf stieg. Trostlose Asche die hinab fiel. Hinab auf die Toten, hinab auf die Lebenden. Und inmitten dieser Schneise aus grenzenloser Verheerung, das Bild wie der Mann von dem sie immer angenommen hatte, das sein ätzendes Grinsen niemals enden wollte, die Gewissheit, dass er die bewusstlose Blondine in seinen Armen über die zerklüftete Landschaft trug. Die weißen Haare ihm schwer im Gesicht hängend. Die schwarze Kleidung mit Rissen und Blut übersät. Das arrogante Lächeln unlängst erloschen.  Die eisblauen Augen von Satoru so kalt und düster, wie der Blick in einen Abgrund...


Iori sah aus dem Fenster. Noch heute fühlte sie die blanke Angst in ihren Knochen beben, die sie empfunden hatte, als sie Gojo in das emotionslose Gesicht gesehen hatte. Und wenngleich die Beziehung zwischen ihm und Seiren bis zu einem gewissen Maß toleriert wurde, so konnten die oberen Spielmacher ihrer Welt über derlei Chaos, welches sie an diesem Tag angerichtet hatten, nicht mehr hinwegsehen und zogen die losgische Konsequenz daraus. Eine Konsequenz die es beiden nicht mehr gestatten würde, sich zu sehen. Und das war…

…Verbannung.


»Iori.« Sie sah zu ihrem Gegenüber, der sie nun unter den Schatten seiner Augenbrauen anstarrte. »Ich möchte, dass du Gojo und Kaizen beim Austausch im Auge behältst.« Seine Pupillen wurden kleiner, die Ernsthaftigkeit glich dem Blitzen eines Schwertes. »Ich traue den beiden nicht. Aber vor allem traue ich diesem arroganten Punk nicht über den Weg. Pass also gut auf und berichte jede noch so kleine Unstimmigkeit.«
Die Schwarzhaarige stutzte als sie fühlte wie seine Fluchkraft etwas hochschlug, die Atmosphäre dabei immer schwerer werden ließ. »Gibt es denn einen Grund zur Sorge?« Natürlich wusste sie über den Vorfall zwischen ihm und Seiren Bescheid. Aber das lag fast ein Jahrzehnt zurück und wenn sie ehrlich war, ganz gleich ob sie die Blondine mochte oder nicht, so war das was der alte Mann ihr angetan hatte, um ein vielfaches grausamer gewesen als das was sie damals  in Begriff war zu tun.
Seine Hände krallten sich fast schon in den Knauf, doch die Stimme verblieb in gewohnter Monotonie. »Nein. Aber wie wollen ja nicht, dass es zu irgendwelchen Regelverstößen seitens der Tokio High School kommt.« Was für eine Lüge…



Kugisaki Nobara – Schülerin aus dem 1. Jahrgang Sportgelände, wenige Stunden vor dem Austausch


Die Sonne, sie brannte wie Feuer auf ihrer Haut. Kannte kein Halt. Keine Gnade. Nein, sie loderte und tobte wie eine flammenumhüllte Scheibe aus gleißendem Gold, die jeden Moment auf sie alle hinabstürzen könnte. Es vielleicht sogar tat, wenn man sie nur lassen würde. Eine glühende Naturgewalt, die nur darauf zu warten schien, sie lachend aus dem Leben zu reißen. So grauenvoll wirkte sie zumindest an diesem Tag auf Nobara, die den Blick nur mit viel Mühe in den endlos blauen Himmel halten konnte. Nicht weil sie mal wieder verschlafen hatte und den neuen Tag nur mit gemächlichem Maße willkommen heißen wollte, sondern weil sie am liebsten an Ort und Stelle einfach zusammenbrechen und sterben wollte. Zu erschöpft war ihr Körper von dem Training, zu laut schrien ihre Lungen nach Sauerstoff und flehten sie regelrecht an, die Qualen endlich zu beenden, sie zu erlösen. Und so gern sie dem Flehen nachkommen würde und sich in das kühle Gras unter sich fallen lassen wollte, welches sie versuchte in die grünen Arme zu locken, so wusste sie, dass das was dann folgen würde mit ziemlicher Gewissheit tausend Mal schlimmer werden würde – dafür würde sie schon sorgen.

»Kugisaki!«

Genau sie. Ihre müden Augen wanderten an den Rand der Pupille, fixierten jemanden nicht weit entfernt, der das Geschehen scheinbar vollkommen im Blick hatte. »Was!?«, entkam es ihr so zischend, dass man glauben konnte die Luft würde in zwei gerissen werden. Dabei war es ihr auch vollkommen egal ob die anderen sie nun anstarrten oder nicht. Ja, nicht einmal die beschwichtigenden Worte von Yuji, der sie mehr oder minder bat, sich zusammen zu reißen, konnten sie runter bringen. Dafür rumorte die brodelnde Wut bereits zu sehr in ihren Venen und ließ die türkise Fluchkraft um sie herum bedrohlich flackern. »Soll ich vor ihnen vor Dankbarkeit noch zu Kreuze kriechen, oder wie?«

Keine Reaktion.  

»Oi, Nobara!« Megumi war an sie ran getreten. »Es reicht.« Er sah sie eindringlich an. In seiner Samtstimme schwang eine versteckte Bitte mit. Eine Bitte, der sie normalerweise, wenn auch knurrend, nachkommen würde. Aber der Tag heute reizte sie irgendwie so sehr, dass sie sich zu Megumis Leidwesen, brummend mit dem Kopf wegdrehte und tief ausatmete, Kaizen dabei aber nicht aus ihrem Blickfeld wandern ließ. Eigentlich respektierte sie ja Lehrkräfte. Eigentlich. Doch die Frau die nur wenige Meter von ihr entfernt stand und nach ihr wie nach einen Hund gerufen hatte, kotzte sie gerade einfach nur an. Immerhin lief ihr genau wegen diesem blonden Teufel der geballte Schweiß über die Stirn und ätzte sich wie übelriechende Säure in ihre Uniform. Und nicht nur in ihre. Alle die hier anwesend waren pfiffen mittlerweile auf dem letzten Loch und wollten einfach nur noch duschen.  Demnach brauchte man von ihr heute auch keine Glückseligkeit erwarten. Und wenn sie ihren dämmrigen Blick so über die Blondine gleiten ließ, der sie das zu verdanken hatte, die selbst in dieser brennenden Hitze wie eine himmlische Sirene aus den Sagen und Legenden aussah und sie definitiv hinter der schwarzen Brille beobachtete, machte das alles nicht besser. Im Gegenteil, es hinterließ zusätzlich zu ihrem ohnehin schon kurzen Geduldsfaden noch ein Gefühl von närrischem Neid, der sich deutlich in ihrem genervten Gesicht niederschlug, welches sie auch gar nicht erst versuchte zu verstecken.

»Was hat es ihnen jetzt die Sprache verschlagen?!«, setzte sie schließlich weiter nach. Doch allen entgegen schüttelte Seiren nur seufzend den Kopf und blickte dann zu Maki. Bitte?! In Nobara kochte es. Allein beim Anblick der langen blonden Haare, die dieser ignoranten Frau geschmeidig über die blassen Schultern fielen während sie da rumstand und nichts tat außer sie alle über das Sportfeld zu jagen, konnte sie sich echt nicht mehr zurück halten. Aber was sie allem voran anpisste war zum einen der Fakt, dass Maki sich bei der Blondine anders verhielt als bei ihr und zum anderen, dass die Jujuzistin sie augenscheinlich nicht mal im Entferntesten ernst nahm. Im Gegenteil, sie schien gerade sogar zu schmunzeln während Nobara indessen immer fuchsiger wurde. So fuchsig, dass sie ohne zu überlegen ihre Fluchkraft in die Höhe pochen ließ. Es war ein Impuls. Ein unbewusste Handlung, die jeden anderen wohl abschrecken würde. Allerdings zogen sich die Lippen ihres Gegenübers nur in die breite, ehe sie ihr mit den Worten: »Yare, yare, wie aufbrausend.«, direkt in die Augen zu blicken schien und dann locker mit den Fingern schnipste. Eine Tatsache die Nobara irritierte und dennoch zunehmend reizte.  

»Was so-« soll das!, wollte sie lospoltern und ging weitere Schritte auf Kaizen zu, da fühlte sie bereits wie sich die Atmosphäre um sie herum eisig zusammenzog und das Vorankommen scheinbar immer schwerer wurde. So schwer, dass sich alles zu verlangsamen schien. Ihr Atem. Der Sauerstoff den sie einatmete. Ihre gesamten Bewegungen. Es war als würde mit einem Mal die Zeit stehen bleiben. Und wäre sie ein Anfänger, würde sie das wahrscheinlich auch glauben. Doch das hier war anders. Jujuzisten auf Special Grade Rang haben zu meist nahezu übermenschliche Fähigkeiten, aber die Zeit anhalten gehörte nicht dazu. Zu keinen von ihnen.  Aber die Schwerkraft zu beeinflussen wäre definitiv möglich. Und sie sah es. Die Veränderung in der Atmosphäre. Sah, dass sich Panda, Toge und all die anderen um sie herum normal bewegen konnten und sich von Maki zurückhalten ließen, welche sie knurrend dazu anwies sich fernzuhalten.
Nobara schluckte schwer als sie langsam zu verstehen schien, wie präzise Kaizen Seiren ihre Fähigkeiten einsetzen konnte…

»Kugisaki Nobara…«

Ein Flüstern wie ein Schatten, der aus dem Hinterhalt empor kroch, ließ sie zucken. Ein Gefühl von Leere ebbte durch sie hindurch. Ein Gefühl, welches sie abrupt stoppen ließ. Ihr Instinkt schrie sie an. Schrie sie an zu laufen. Schrie, dass etwas Unheimliches durch die Bäume zog und über den Trainingsplatz wie Nebel zu schleichen begann. Nobara versuchte irgendwie sich zu beruhigen, atmete ein und aus. Immer wieder. Das war nur Training, mehr nicht!, versuchte sie sich einzureden. Allerdings war das was sich dort Aufbaute wie ein böses Omen, dass sich über sie legte und sich langsam vom Boden durch ihre Gliedmaße fraß.

»Du bist zu unvorsichtig.«

Ihre Pupillen weiteten sich. Ein schauriges Pfeifen erklang. Ganz dicht. Nicht weit weg. Und mit einem Mal pochte ihr Herz nicht mehr aus Zorn so laut. Es war etwas anderes. Ihre Augen sprangen zurück an die Stelle wo Kaizen eben noch gestanden hatte, doch - sie war weg. Dann dieser Druck. Gegendruck. Jemand stand direkt hinter ihr. Musterte sie. Sie fühlte es. Fühlte wie sich die Luft immer mehr zusammen presste. Wie die hauchenden Worte sie schauern ließen und eine arktische Kälte ihren aufgeheizten Körper umschloss, ihn auskühlte.

»Du musst lernen dein Temperament zu zügeln.«

Ihr Atem ging stoßweise. Ihre Finger verkrampften, die Beine gehorchten einfach nicht, waren schwer wie Blei. Sie merkte den stechenden Blick auf sich ruhen, ruhend auf ihrem Nacken. Nur wenige Zentimeter weit weg. Es war als würde die kälteste Winternacht direkt durch einen hindurchfegen und einen mit sich in die Polarische Nacht hinaus ziehen, den warmen Armen der Eltern entreißen. In die dunkelste Dunkelheit. Hinab in die einsamste Einsamkeit wo sie nichts außer diese grellen, alles unter sich vergrabenen grauen Pupillen sehen würde. Augen die sie aus den entlegensten Winkeln anstarren würden…

Was für ein angsteinflößender Mensch war sie bitte?



Ieiri Shoko  – Ärztin an der Tokio Jujutsu High School Dachterrasse


So ein böses Mädchen… Shoko musste ein wenig Schmunzeln als sie so auf das Geschehen hinabblickte. Seiren dabei zu sehen wie sie Kugisaki eine kleine Lektion erteilte, war zugegebenermaßen recht amüsant. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie sich nicht einmal anstrengen musste um bei den Schülern einen entsprechenden Eindruck zu hinterlassen. Es war sogar fast so als würden sie langsam verstehen wie himmelweit der Unterschied zwischen ihnen und der Blondine war. Wie groß die Lücke zu einem Special Grade war. Zumindest erzählten ihre Gesichter mehr als sie wohlmöglich je zugeben würden. Allein Maki und Panda schienen nicht im Geringsten überrascht zu sein und hielten die drei anderen weiter zurück, während Seiren der doch recht aufsässigen Nobara nun mit einem lockeren Tritt aus der Hüfte ein gutes Stück zur Seite über das Sportfeld trat. Kein Widerstand, kein Schrei. Allein die Kraft und das dunkle Rumoren der Erde brachen in diesem Moment durch den Boden. Das schrille Pfeifen was daraufhin durch den entstandenen Luftsog aufjaulte, stoppte erst als die kleine Brünette mit dem Rücken voran und mit fast schon blassgefärbten Augen gegen einen Baum etwas abseits knallte. Ein finsteres Knacken erfüllte die Atmosphäre wie ein Gewitter und drang frohlockend an ihre Ohren. Entsprechend interessiert sah sie auch dabei zu wie die riesigen Äste der Eiche unter dem derben Aufprall bebten und sich tiefe Risse durch die feste Rinde bis ins Unterholz fraßen. Normalerweise würde sie sich als Ärztin Sorgen um den Zustand der Schülerin machen, doch anhand der Art und Weise wie Seiren den Fuß lediglich mit dem leicht angewinkelten Spann gegen den unteren Bereich des Oberkörpers hatte schnellen lassen, durfte eigentlich nichts gebrochen sein. Zumindest nichts was in irgendeiner Weise von Wichtigkeit wäre. Entsprechend entspannt verblieb Shoko auch an Ort und Stelle und beobachtete lieber wie sich ihre Schulfreundin nun selbst um ihre Schülerin zu kümmern schien. Leider konnte sie nicht hören, was sie zu ihr sagte oder was Nobara ihr im Gegenzug entgegen brachte, aber so wie sie die burschikose Jugendliche wieder auf die Beine zog und sie zu stützen anbot, musste sie ihre Zurechtweisung verstanden haben – wenngleich sie vielleicht auch einfach nur Angst vor einer richtigen Lektion hatte.

»Sie kann wirklich schlimm sein, nicht wahr?«

Ihre gleichgültigen Augen wanderten zur Seite. Desinteressiert beobachtete sie wie sich Gojo gerade lässig aus der Luft auf das Geländer gleiten ließ, sich setzte und das eine Bein locker anwinkelte, während er grinsend auf den Schauplatz zu seinen Füßen blickte. Oder vielmehr auf eine Person blickte, die scheinbar soeben die Erlaubnis zum eigenständigen trainieren gegeben hatte.  Seufzend verdrehte sie die Augen und schnippte den kleinen Stummel ihrer Zigarette auf den Boden. Er konnte es einfach nicht lassen. »Wird dieses Spiel zwischen euch nicht langsam langweilig, Gojo?«
Seine Lippen zogen sich schelmisch in die Länge. »Nicht im Geringsten, meine liebe Ieiri. Nicht im Geringsten.« Er sah sie an, hatte seinen Arm auf dem Knie abgestützt und ließ seine Finger nun freudig gegen sein Kinn trommeln. Wie ein aufsässiger Junge strahlte er sie an. Ein Junge, der kurz davor war etwas verdammt Dummes anzustellen. Und zu Shokos Missfallen war dies noch nicht einmal so abwegig. Immerhin war es kein Geheimnis das Satoru es sich seit jeher zur Aufgabe gemacht hatte, Seiren in den Wahnsinn zu treiben. In der Schulzeit, in den Jahren der Ausbildung und sogar jetzt noch. Natürlich konnte er allen auf die Nerven gehen, aber bei der Blondine schien es ihm schon immer besonders Spaß gemacht zu haben. So sehr, dass die beiden nicht allzu selten ziemlich aneinander geraten waren. Aber wahrscheinlich war genau diese sture und so bodenlos arrogante Art, die Seiren irgendwann erreicht hatte. Eine Art die Shoko hingegen nur mit einem gesunden Abstand über sich ergehen lassen konnte. Entsprechend reagierte sie auch nicht wie andere Frauen auf seine Dreistigkeiten, sondern ließ die Hände in die Tasche gleiten und trat die Zigarette langsam aus. Bei Satoru waren die meisten Worte ohnehin nur verschwendete Zeit. Dennoch würde sie ihn um etwas bitten müssen.

»Pass in den nächsten Tagen auf sie auf.« Sie nickte zu Seiren die offenbar gerade eine Nachricht auf ihrem Handy las. Das Zikadenzirpen drang aus der Nähe an sie heran. »Ich will nicht, dass Gakuganji eine Grund findet um sie vor den Higher Up’s schlecht dastehen zu lassen.« Nicht nachdem sie jetzt erst wieder da war. Und sie wusste, dass der alte Greis alles tun würde um Seiren ins Messer laufen zu lassen. Warum sonst wurde es geduldet, dass ausgerechnet sie und Satoru zusammen unterrichteten? Weil Yaga seinen Kopf durchgesetzt hatte? Nein, mit Sicherheit nicht. Das letzte Wort hatten die Obergurus und offenbar stellte der Austausch der Schulen nicht nur das übliche Tamtam dar. Nein, das hier war eine Bewährungsprobe. Und so wie der großgewachsene Mann das Gesicht etwas gespielt verzog, den Kiefer leicht knirschen ließ, war ihm das ebenfalls bewusst. Und als hätte das Schicksal ihre Gedanken lesen können, zückte Gojo auch schon sein vibrierendes  Handy aus der schwarzen Hosentasche und ein dunkles Grinsen neckte an seinen Mundwinkeln.

»Der alte Penner ist da.«


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Helloooo und guten Abend! :3

Eigentlich möchte ich nicht viel zu diesem Kapitel sagen, sondern möchte mich bei zwei Personen noch einmal öffentlich sehr herzlich bedanken. Und das sind Minniee und CathyBarker, die mir beide immer so tolle Rückmeldungen zu den Kapiteln hinterlassen! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt und mir eure Eindrücke mitteilt ! Das macht mich wirklich sehr glücklich.♥

Ebenso bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Lesern und Leserinnen, die meine Story zu ihren Favoriten hinzugefügt und sogar eine Empfehlung abgegeben haben! Dankeschön und Willkommen in dieser kleinen Zusammenkunft von Jujutsu Kaisen-Liebhabern! :'3  

Herzlichst,
solitudesoul ♥
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