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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
25
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.11.2021 5.088
 
Guten Tag, die Damen und Herren! ♥

Ich glaube ich fange einfach mal mit meiner Entschuldigung an und verbeuge mich in vollster Demut vor euch. Ich habe ja zwar gesagt, dass ich eine "kleine" Auszeit mache, aber die ist dann doch etwas länger als geplant, worden. Und das tut mir wirklich leid. Irgendwie war ich ständig unterwegs und hab dann noch meine Beziehung beendet, die ich dann auch erst einmal verarbeiten musste. Aber keine Sorge, mir geht es gut und ehrlich gesagt, geht es mir nachdem Schlussstrich auch viel besser! :)

Deshalb... Tadaaa, das neue Kapitel ist da und möchte gerne von euch gelesen werden. Es ist ein etwas ruhigeres, nachdenklicheres Kapitel was sich mit den Gefühlen und Gedanken der Charaktere beschäftigt. Gerade auch in Bezug auf das was in den letzten Kapiteln so passiert ist. Also ich hoffe es gefällt euch! ♥
Ab dem nächsten Update geht es dann auch mit dem Austausch der beiden Schulen los. Und da bin ich selbst schon sehr aufgeregt! :D

Und was ich noch los werden möchte, ist, dass ihr alle einfach UNGLAUBLICH seid! Das ihr die Story so schätzt und verfolgt, freut mich so extrem, dass ich jedes Mal so dankbar für eure Unterstützung bin, dass ich gar nicht aus dem Grinsen rauskomme! Vor allem wenn so überlege, dass die Story einfach so angefangen habe zu schreiben, weil sie mir plötzlich so in den Kopf kam... und nun kommt ihr, und findet die Geschichte ebenfalls sooo gut, dass ihr sie lest, mitfühlt und mit den Charakteren mit fiebert und euch sogar mit ihnen identifizieren könnt. Ich bin einfach überwältigt! ♥

So und nun, viel Spaß!

Herzlichst, solitudesoul ♥

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Take me high like Gin and Tonic



Kaizen Seiren – Jujuzist – Irgendwo in einer Bar, nachts


»Lass uns was trinken gehen.« Er hatte sie nicht einmal angesehen als er das sagte sondern war einfach aus dem Umkleideraum geschritten. Ganz so als wüsste er, dass sie Ähnliches im Sinn gehabt hatte – wenngleich sie nicht auf eine durchzechte Nacht scharf war. Entsprechend zog sie auch die Augenbraue kraus und verschränkte die Arme als er schließlich  im Türrahmen stehen blieb und ein lautes Seufzen ausstieß. Das sie im nicht einfach hinterherlief schien ihn dann wohl doch aufgefallen zu sein. Zumindest hatte es den Anschein als er resignierend mit den Schultern zuckte und sich murrend an den Kopf fasste. »Ich erzähl dir alles was du willst.«
Die Widerworte wollten gerade aus ihr hervorbrechen als er sie mit seinem durchdringenden Blick durch die Augenbinde über seine Schulter hinweg einfing. »Versprochen. Und jetzt komm. Wir müssen noch auf deine Rückkehr anstoßen.«



»Was hat der Bengel gemacht?!« Seirens Hand knallte ohne Rücksicht auf die hölzernere Tischplatte vor sich und ließ den hochprozentigen Alkohol bedrohlich an der Kante des Glases hochschwappen. Die Gesichter die sich daraufhin aus den verschiedenen Ecken dieser Kneipe mit zu ihr umdrehten und sie missbilligend musterten, ignorierte sie ganz schlicht mit Desinteresse und ließ das anmaßende Kopfschütteln wie auch die zischenden „Tch“-Laute an sich wie eine sanfte Frühlingsbrise vorbeiziehen. Dabei musste sie aber durchaus zugeben, dass auch sie es nicht leiden konnte, wenn Menschen sich in öffentlichen Lokalen nicht zusammenreißen konnten – sei es in einer noch so heruntergekommene Bar wie dieser hier. Doch bei dem was Satoru ihr da gerade auf dem Silbertablett serviert hatte, konnte sie dann auch nicht mehr an sich halten. Nein, im Gegenteil, sie fühlte wie ihr die Freude regelrecht in den Gliedmaßen kribbelte und Hitze in die Wangen schoss. Allein die bildliche bis ins Detail ausfigurierte Vorstellung vom Gesagten, hinterließ einen so wunderbaren Nachhall an japsenden Glücksgefühlen, dass sie nun wie ein aufgeregter Teenager Kreise auf den Rand ihres Glases malte und die Euphorie nicht ganz so gut verstecken vermochte wie sie es wohlmöglich unter anderen Umständen getan hätte. Zumindest wenn sie nüchtern gewesen wäre. Aber so, mit vier Gin-Tonics und einem verdammt guten Tröpfchen Sake der sie nur allzu verliebt anblinzelte, sah das alles schon mal anders aus - zu ihrem Leidwesen, wie sie immer mehr feststellen musste. Denn nicht nur, dass sie mittlerweile gut einen Sitzen hatte, sich nicht mehr an der viel zu lauten Musik und den penetranten Zigarettenqualm störte, der wie ein Schleier durch diese Spelunke waberte in welche Satoru sie vor mehr als zwei Stunden geschleppt hatte und sich in ihre Kleidung absetzte - nein, nun klang selbst das Lachen dieses dreisten Idioten noch um ein vielfaches schöner und hinterließ eine Schwerelosigkeit die sie ganz vergessen hatte. Und so war es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass ihre hellen Augen ganz langsam in der Sicherheit des dämmrigen Lichtes der kaputten Deckenlampe, an seinem Gesicht hängen blieben. An diesen vertrauten Konturen. Der Art wie er den Kiefer leicht anspannte, wenn er von etwas  zu erzählen begann. Das arrogante Grinsen das an seinen Mundwinkeln zuckte. Der ruhige Nachhall in seiner Stimme. An diesen Mann, der sich gerade schmunzelnd durch das weiße Haar fuhr ehe er belustigt in die Hände klatschte und sie damit harsch aus derlei Gedanken riss. Glücklicherweise. Aber zum Glück schien der Jujuzist nichts von ihrer gedanklichen Abwesenheit bemerkt zu haben, denn dieser fuhr ohne zu stoppen mit seiner Erzählung über Yuji und Sukuna fort und wie sie sich zum ersten Mal begegnet waren. Allerdings fühlte sich Seiren dennoch etwas ertappt und biss sich auf die Lippen während sie etwas zurück wich und ihr Getränk schützend vors Gesicht hob. Gottloser Drecksalkohol…

»Scheiße, ja! Yuji hat diesen verdammten Finger einfach gegessen. Als wäre es irgendeine Süßigkeit gewesen.« Mit einer geschmeidigen Bewegung seiner langen Finger katapultierte Gojo eine seiner goldgelben Fritten in die Luft und fing sie beinah schon etwas zu sinnlich mit seinem Mund, sodass Seiren tatsächlich kurz davor war sich zu verschlucken, wäre sie indessen nicht lachend zurück an die Bank gefallen. Allein die Vorstellung, das Gesicht, welches dieser alte Penner Gakuganji bei diesen Informationen gezogen haben musste, reichte ihr um eine Art der Genugtuung zu verspüren. Sukuna Ryomen lebt in diesen pinkhaarigen Jungen und konnte sich in dieser Welt quasi wieder manifestieren. Nicht das Seiren nicht bewusst war, welch eine Bedrohung Sukuna war – das war es - aber am Ende war der Gedanke wie Gakuganji vor Zorn tobte und seine Augenbrauen sich verärgert bis in die Haarspitzen kräuselten, das größere Glück für Seiren. Selbst wenn es nur der Alkohol war, der sie so denken ließ, machte es ihr einfach unheimlichen Spaß auch einfach mal ein Mensch zu sein und ihren selbstsüchtigen Gefühlen hinterher zu hängen. Und während sie dort so herzhaft nach Luft schnappte und ihren Gegenüber dabei beobachtete wie er die Arme lässig über die lange rote Lehne ausbreitete und sie lächelnd ansah, musste sie leider bekennen, dass diese Nacht doch einen lustigeren Verlauf genommen hatte, als sie am Anfang vielleicht wahrhaben wollte.


»Sie müssen sich von diesen Jungen fern halten! Er bringt nur Probleme mit sich!« Kaede, ihre Haushälterin, sah sie mit strengen Blick durch die waldgrünen Augen an und verband vollster Behutsamkeit die tiefe Wunde an ihrem linken Arm. Seiren selbst hatte bis eben nicht einmal bemerkt dass sie verletzt war. Wahrscheinlich, wenn Kaede nicht nach ihrem Arm gegriffen hätte, wäre es ihr wohl nicht einmal aufgefallen. Nein, sie wäre einfach weitergegangen ohne was zu sagen. Ohne einen Ton von sich zu geben – denn das erwartete man von ihr. Damals. Das verlangte er von ihr. Vor nicht allzu langer Zeit. Doch nun wo sie sah wie das Blut in unzähligen Rinnsalen über ihre blasse Haut lief und wie Regen auf den dunklen Holzboden tropfte, kam auch der körperliche Schmerz in ihr Innerstes zurück. Zumindest langsam. Immer mehr. Vielleicht war es aber auch der Kummer in Kaedes betagten aber so warmen Augen den Seiren fühlte. Das unscheinbare Vibrieren ihrer Pupillen. Das Zittern in ihrem Atem als sie den ersten Nahtstich gesetzt hatte. Ja, vielleicht klangen ihre nächsten Worte auch deshalb so fragil, so zerbrechlich, weil sie nach so langer Zeit wieder was fühlen konnte.
»...aber er bringt mich zum Lachen… Kaede…«  Seirens Augen waren glasig und doch zeichnete sich ein blasses, ja beinahe verletzliches Lächeln auf ihren Lippen, als sie ihre Haushälterin ansah, die daraufhin für einen Moment in ihrer Bewegung verharrte und sie fürsorglich musterte, ihre kühle Hand mit der ihrigen wärmte als würde sie ihr Schutz bieten wollen. »Kaizen-sama… Sie mögen den Erben der Gojo’s wirklich, oder?«



Und zu ihrer allgemeinen Verwunderung hatte Satoru Wort gehalten und all ihre Fragen brav beantwortet. Mehr noch, er war so gründlich mit seinen Schilderungen, dass sie sich nun ein jeweiliges Bild von den Sonderflüchen machen konnte. Zumindest über das was man bisher über sie in Erfahrung bringen konnte. Und das was man bisher wusste, beruhigte Seiren in keinster Weise. Zwar betitelte Gojo sie im gleichen Atemzug auch als Lachnummern und Nichtsnutze, aber im Grunde nahm er sie selbst ernst genug um sich zumindest Gedanken über sie zu machen. Und allein diese Tatsache reichte der Blondine aus um diese Flüche nicht als einfache Sonderränge abzustempeln. Denn was Satoru leider manchmal in seiner Position als „der Stärkste“ vergaß, war der Fakt, dass nicht jeder solche Fähigkeiten und Fertigkeiten wie er besaß. Im Gegenteil, sollten seine Schüler also alleine auf diese Monster treffen, wäre das Kräfteverhältnis ein vollkommen anderes und wäre in keinster Weise mit dem von Satoru und den Sonderrängen zu vergleichen. Gerade wenn sie daran dachte, dass selbst Kento schon so seine Probleme mit einem dieser Flüche hatte, ließ sie ein unangenehmes Ziehen in der Magengegend verspüren. Immerhin war es Nanami und kein Jujuzist der Anfänger-Ränge von dem hier die Rede war.

Grübelnd begann sie auf der Innenseite ihrer Wange herum zu kauen. Das waren keine Lachnummern. Vielleicht wenn sie alleine agieren würden, aber nicht wenn sie zusammen arbeiteten. Und nach Satorus eigener Aussage wurde die Lavaspuckende Leiche von einem anderen gerettet. Demzufolge trafen sie ihre Entscheidungen nicht aus einem angeborenen Trieb heraus, nein, sie denken nach bevor sie handeln. Ansonsten hätten sie sich Gojo auch zu zweit stellen können. Doch das taten sie nicht. Haben sie ihn etwa nur getestet? Aber zu welchem Zweck? Und warum Satoru?



Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahrgang Kaizen Anwesen, nachts


Zikadenzirpen drang aus der Ferne an sie heran während sie vorsichtig mit ihren Fingern über die weißen Blüten fuhr. Sie waren kühl und von abendlichem Tau benetzt, sodass sich die unschuldigen Tropfen auf ihrer blassen Haut wie ein eisiger Windhauch inmitten dieser Sommernacht anfühlten. Ein Hauchen so einsam wie auch wunderschön, dass es Maki immer wieder an den Tag erinnerte an dem sie Seiren zum ersten Mal begegnet war. Damals war sie selbst noch um so vieles jünger gewesen, ein Kind das dachte bereits zu wissen was Schmerzen waren, was es hieß in eine Familie geboren zu sein, die eigentlich nichts in einen sah und doch alles von einem verlangte. Aber als sie diese blonde Frau am Rande eines Friedhofes stehen gesehen hatte und eine einzelne Träne ihr über die porzellangleiche Wange hinab gelaufen war, hinab zum Kinn, nur um dann auf diese einzelne unschuldige weiße Lilie in ihrer Hand zu fallen, zerbrach etwas in Maki.  Zum ersten Mal fühlte sie das jemand größeren Kummer, tiefere Qualen in sich trug als sie selbst. Nicht sichtbar sondern sehr gut versteckt hinter einer Fassade aus wunderschöner Kälte. Und als ihre hellen, so hellen und frostklirrenden Augen auf die ihre trafen, hörte sie die Einsamkeit in ihrer Seele schreien. Für andere nicht zu fassen, doch für Maki ein melancholische Sonate die noch immer zu klingen begann, wenn sie hier saß und über die unzähligen Lilien hinweg blickte, die inmitten des Kaizen Anwesens wuchsen und der ganze Stolz ihres Sensei waren.

Doch gestern hatte sie zum ersten Mal eine andere Melodie vernommen - als sie Seiren auf dem Kampffeld sah. Es war ein Klang, so unheimlich und zerreißend, dass es Maki bis in die Knochen erschüttert hatte und nichts im Vergleich zu dieser fast schon zerbrechlichen Arie war, die sie ihr willkommen hieß. Zuerst dachte sie es wäre die Euphorie über diese unglaubliche Stärke gewesen, die sie dort zu Gesicht bekam, der sie ausgesetzt war, die ihr entgegen geschmettert wurde. Doch neben diesen berauschenden Anblick wie ihr Sensei einen Sonderrang ohne Skrupel auseinanderriss, ihn wortwörtlich in seine Einzelteile zerlegte, überkam sie ein Gefühl der Sorge. Die Blondine hatte den Kampf genossen. Mehr noch, es wirkte beinahe so als hätte sie ihn sich herbeigesehnt. Wie ein Soldat der nie vollständig aus den vergangenen Schlachten heimgekehrt war und nur für den Kampf lebte. Aber vielleicht interpretierte Maki auch zu viel in dieses Szenario hinein, ja vielleicht war es auch der Fakt, dass sie Seiren noch nie richtig hat kämpfen sehen, der sie in Aufruhr versetzte hatte. Immerhin hatte sie bis jetzt immer ihre schützende Hand über ihren grünen Schopf gelegt und sie wie eine jüngere Schwester behandelt. Entsprechend konnte sie sich nicht an einen Tag erinnern, an dem sie die Jujuzistin mit Blut überströmt gesehen hatte, noch dass sie so aufbrausend und einschüchternd wie gestern sein konnte. Nein, ihr gegenüber war sie eine vollkommen andere Person. Ein Mensch mit dem sie gerne zusammen war und der sie akzeptierte so wie sie war.

Maki blickte in den schwarzen, sternenklaren Nachthimmel in welchem sie so manches Mal antworten gesucht hatte und atmete tief aus. Der Gedanke daran wie Seiren sie gerettet hatte, wie sie ihren Körper von diesem Monster wegzog und sich selbst damit in Gefahr brachte, nur damit sie nicht verletzt würde, hinterließ eine sanfte Dankbarkeit in ihrer Brust. So sanft und unerklärlich, dass sich ein schmales, ja fast schon bitteres Lächeln auf ihre sonst so harten Gesichtszüge bildete während sie die Beine dicht an ihren Körper zog. »… Baka Oneesan



Kaizen Seiren – Jujuzist – Irgendwo in einer Bar, nachts


Kälte. Ruckartig schnellte ihr Kopf zur Seite wo sie plötzlich das schelmische Grinsen von Gojo erblickte, der ihr eine Coladose an den Hals hielt. »Ich glaube du brauchst mal was ohne Prozente. Du wirst langsam unvorsichtig.«, schnalzte er amüsiert und stellte das rote Döschen vor ihr hin, deutete mit einem kurzen Nicken auf ihre Fluchkraft die sich mittlerweile vollends in sie zurückgezogen hatte und nun nicht mehr wie ein hauchdünner Nebel um ihren Körper schlich. Oh…

Seiren sah ihn für wenige Sekunden irritiert an während er beharrlich um den Tisch schlenderte und sich wieder auf seinen Platz sinken ließ. Natürlich nicht ohne ihr dabei ein freches Grinsen zu schenken, welches sie genervt mit einem Augenrollen abschmetterte und ihn verdrießlich mit den Worten »Ach, halt die Klappe, Gojo.«, anbellte.  Und als müsse sie ihn irgendwas beweisen, hatte sie auch schon statt der Cola, lieber den Sake ihre Kehle hinunter gekippt. Arroganter Penner. Er hatte sie hierher geschleppt, also musste er auch mit den Konsequenzen leben. Apropos Konsequenzen! Ein teuflisches Grinsen blühte auf ihrem leuchtenden Gesicht auf als sie das Glas auf den Tisch knallte. »Ey, Barbursche!« Seiren kicherte vergnügt als sie zur Theke schielte und zwei Finger in die Höhe zeigte. Immerhin feierten sie doch ihre Rückkehr!  »Zweimal Gin, zweimal Tonic – auf seine Rechnung.«  Lachend drehte sie den Kopf zu Satoru, wollte ihm trotzig die Zunge rausstrecken, doch prompt blieb ihr die Luft in den Bronchien stecken, als sie seine eisblauen Augen direkt vor ihren erkannte. Glühend wie Gletschereis in der Sonne, funkelten sie, trafen auf ihre die ihn aufgerissen anstarrten. Wenige Zentimeter. Noch weniger Atem zwischen ihnen.

»Du bist so ungezogen. Mir einfach die Zunge entgegenzustrecken.« Seine Irden fixierten sie während er die nächsten Worte gemächlich über seine Zunge rollen ließ. »Sehr. sehr. Ungezogen.« Seiren schluckte schwer. Der Anblick, wie er sich mit den Unterarmen auf den Tisch abstützte und sich leicht nach vorne zu ihr lehnte, die schwarze Augenbinde dabei in der rechten Hand hielt, machte sie sichtlich nervös. Und er wusste es. Sie sah es ihn an. Er kostete diesen Moment ihrer Unsicherheit voll aus. Himmel! - sie hasste sich ja gerade selbst auch dafür, dass ihr selbst sein verdammtes Lächeln einen solchen Schauer verpassen konnte, dass sogar ihre innere Stimme sie panisch zurückzupfeifen versuchte. Laut. Unheimlich laut. Mit Sirenen und Martins-Horn. Doch die Tatsache, dass ihre Lippen hauchdünn voreinander schwebten und seine Stimme wie ein dunkles Beben durch ihren Gehörgang pochte, ließ ihr Herz unsanfte Purzelbäume schlagen. Immer wieder. Vor und zurück.

»Der Alkohol lässt dich also immer noch frech werden, mh?« Seine Augenbraue zog sich filigran in die Höhe und das Lächeln wurde immer breiter während sie weiter vollkommen unfähig war sich von ihm zurückzuziehen. Der Alkohol war eine verdammt schlechte Idee!
»Du weißt doch noch, was dieses Verhalten mit mir macht, oder?« Oh Gott, ja…



Itadori Yuji – Schüler des 1. Jahrganges Dachterrasse, nachts


Eine laues Lüftchen fuhr ihm durch die pinken Haarspitzen während er in die nächtlichen Schatten blickte. Eigentlich wusste er selbst nicht so genau warum er dort oben stand und die Zeit einfach an sich vorbei ziehen ließ, während seine beiden Kameraden mit Sicherheit schon schliefen und das Geschehene einfach hinter sich lassen wollten. All das was Gesagt wurde einfach vergessen. All das was an diesem schrecklichen Ort passiert war, einfach abhaken. Und wahrscheinlich wäre es auch das Beste was er tun könnte, das war er womöglich auch machen sollte - doch das konnte er nicht. Es war etwas das er nicht einfach verdrängen könnte. Nein, das was gestern passiert war, ließ ihn nicht los. Es brannte sich wie Säure in seinen Kopf und pochte unentwegt in Form von etlichen Bildern in seinem Unterbewusstsein auf. Bilder von Kindern die geschändet wurden. Kinder die leblos in der Dunkelheit lagen. Schreie die durch diese riesigen Hallen lärmten. Schreie nach Hilfe. Das Bild wie sich dieser Sonderrang an ihnen satt gefressen hatte. An Kindern. An unschuldigen Kindern die noch nicht einmal angefangen hatten zu leben. Er hatte sie gefressen, sie verschlungen und aus Freude gefoltert. Mittlerweile war Yuji bewusst zu was Flüche fähig waren und das ihr Vorgehen willkürlich war. Sie töteten nicht weil sie es zum Überleben brauchten, sie töteten weil es ihnen Spaß machte. Mehr nicht. Sie brachten diese Menschen um weil sie Langeweile hatte. Und das war etwas das den Pinkhaarigen massiv ankotzte. Nein, mehr noch, es hinterließ ein Beben so brutal und derb, dass sich seine Muskeln sich im gesamten Körper anspannten und der Griff um das eisige Metallgeländer immer fester wurde.  

»Oi, Bengel! Schieb nicht so eine Welle und fahr runter. Deine innere Unruhe stört meinen Schlaf.« Mh? Yujis überraschter Blick glitt zu seiner Wange wo sich die liebreizende Futterluke von Sukuna manifestiert hatte und ihn eine bissige Katze anfauchte. Entsprechend konnte der Pinkhaarige auch gut auf diese Gesellschaft verzichten und ignorierte ihn einfach. Dachte er zumindest. Allerdings schien diese Tatsache den König der Flüche sichtlich zu missfallen, denn er setzte nach und schob nicht einfach ab. »Was hättest du kleiner Knirps schon ausrichten können?« Der Hohn in Sukunas Stimme war wie immer nicht zu überhören und sollte ihn wohl weiter reizen. Allem entgegen aber stützte Yuji nun den Ellbogen auf der Brüstung und betete sein Kinn seufzend auf seine Handfläche. »Kämpfen.«

Ein Lachen so dreckig und unverschämt erklomm nach einer kurzen Stille die Nacht, sodass sogar den Zikaden das Zirpen im Halse stecken geblieben war. »Kämpfen? Du? Du hast es ja noch nicht einmal fertig bekommen gegen diesen mickrigen, kleingeistigen Fluch zu bestehen. Allein weil deine Freunde da waren um dein Händchen zu tätscheln konntest du überleben.« Yuji wollte gerade widersprechen, als Sukuna einfach weitersprach. »Bengel, du bist einfach zu schwach und du hast noch einiges zu lernen. Du willst kämpfen? Dann vergeude deine Zeit nicht mit Flennen. Sowas widert mich nämlich an. Diese menschlichen Züge widern mich an.«  Und noch ehe Yuji was antworten konnte, war Sukuna mit den Worten »Ja ja, erzähl’s jemanden den es interessiert.«, auch so schnell verschwunden wie er gekommen war und überließ Itadori wieder sich selbst. Mehr oder weniger versteht sich. Immerhin war er nie ganz alleine seitdem Ryomen Sukuna in ihm lebte. Ein Gedanke der ihn schwer seufzen ließ. Dennoch hatte dieser arrogante Penner in seinem schon Recht mit dem was er sagte, zumindest mit ein paar Dingen. Aber eben nicht mit allem. Im Gegenteil.

Er blickte in die Ferne wo sich die Lichter Tokios sammelten, seine Stimme wie ein ruhiges Versprechen für die Zukunft. »Immerhin können wir Menschen uns immer weiter verbessern und bleiben nicht 1.000 Jahre auf derselben Stelle stehen. Wir gehen weiter. Werden stärker und beschützen das was uns wichtig ist. Und wenn wir auf die Fresse fliegen, stehen wir ebenso oft wieder auf.«



Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrganges – irgendwo in Tokio, Parkgebiet, gegen 3:00 Uhr


»Eine wunderschöne Nacht, nicht wahr?« Seine Augen glitten langsam über das sternenüberzogene Firmament bis er an der Endlosigkeit des Mondes hängen blieb, der wie ein stiller Beobachter über ganz Tokio wachte. Satoru sog die wohltuende Nachtluft ein und genoss für einen Moment das ruhige Gefühl das sich in seinem Körper aufbaute und ihn ein wenig belebte. Ja, es war wirklich eine ungewöhnlich schöne Nacht wie er zugeben musste. Nicht nur, dass sie etwas wärmer als die Letzten war, auch die Sommerzikaden und Grillen gaben ihre charmanten Lieder in einem angenehmen Konzert zum Besten. Doch augenscheinlich schien nicht jeder diese Nacht so zu genießen wie er. Gerade wenn er so zu seiner vor sich hin grummelnden Begleitung schielte, die ca. zwei Meter vor ihn durch den Park stampfte, konnte diese sich daran wohl nicht so erfreuen wie er es tat. Aber wahrscheinlich lag das auch eher daran, dass sie noch immer dabei war ihre „Wunden“ zu lecken. Und das war eigentlich auch die Hauptursache für seine gute Laune, die dem Jujuzisten zu allem Überfluss diesen Moment nur noch mehr versüßte. »Jetzt stell dich doch nicht so an, Seiren!«, rief er ihr lose und eher lachend hinter her, wohl wissend, dass es sie nur noch mehr nerven würde. Und tatsächlich hörte er wie sie etwas undeutliches wie »Verrotte in der Hölle!« knurrte, während sie im gleichen Moment ihr Schritttempo etwas anzog um weiteren Abstand zwischen ihnen zu bringen. Aber selbstverständlich schloss Satoru mit nur wenigen Schritten zu Seiren auf und verschränkte ganz lässig die Arme hinter den Kopf, wobei er sich ein breites Grinsen nicht kneifen konnte als er ihr verärgertes Gesicht wieder in Betracht nehmen konnte. Natürlich nur aus dem Augenwinkel, aber das reichte ihm vollkommen, dass seine Lippen sich noch etwas weiter in die Länge zogen. Sie biss sich auf die Lippen.

»Du weißt doch das Mugen immer aktiv ist.«, versuchte er die Situation „etwas“ zu beschwichtigen und ließ seine Fluchkraft für wenige Sekunde etwas deutlicher auf flimmern. Und obwohl er sah wie sich Seirens Schultern anspannten, konnte er nicht anders als doch noch nachzusetzen um sie zu tritzen. »Also grundsätzlich hast du damit sogar selber schuld, dass die Coladose zurückgekommen ist.« Mit diesen Worten tänzelte er leichtfüßig um sie herum, sodass sie unweigerlich stehen bleiben musste und wollte ihr gerade auf die unschöne Beule tippen, die auf ihrer Schlefe ein gemütliches Plätzchen gefunden hatte und ihn entgegen lächelte. Doch stattdessen glühten ihre Augen wie silberne Rubine und mit einem Mal merkte er wie er den Halt verlor, der Hauch des Fallens ihn in seine Ohren schrie und er Seirens Faust nur mit Mühe zur Seite ausweichen konnte. Sie hatte ihm doch tatsächlich versucht die Beine wegzuziehen! Frech!
Nichts desto trotz sprang er lachend wie eine Hyäne auf eine Laterne am Wegesrand und ließ sich lässig auf der schmalen Stange in die Hocke gleiten während er sie listig wie ein Fuchs taxierte. »Ich merke schon, die Dame ist etwas gereizt. Aber du musst ja nicht gleich handgreiflich werden.« Er zeigte auf den Krater vor ihr. Das Loch was die Blondine dort hinterlassen hatte, war verdammt tief und der Blick den sie ihm nun zu warf, das Gesicht was vor Verärgerung und Scham gerötete war, ließ ihn innerlich vor Freude in die Hände klatschen. Es war seine kleine Rache für das was sie in den Duschräumen mit ihm abgezogen hatte. Also, Game on.

»Findest du das eigentlich lustig, du Arsch! Das mit der Scheiß Dose ist ja wohl deine Schuld gewesen! Was rückst du mir auch so auf die Pelle, du perverser Idiot!«, schrie sie ihn an und gestikulierte etwas wild mit den Händen rum, das er sich kurz fragen musste, wann er sie das letzte Mal so gesehen hatte. Doch es gab so einige Situationen wo er sie nach einer durchlebten Nacht einfach über die Schulter werfen musste, damit sie mit nach Hause kam. Doch jetzt wo ihre Pupillen vor Aufregung geweitet waren und sie die Hände zu Fäusten ballte, wirkte sie wie ein kleines blondes, sehr verärgertes Mädchen, das man den Lollipop weggenommen hatte und welches sich gleich weinend auf den Boden warf. Einfach hinreißend dieser Anblick.
So hinreißend, dass Gojo lauthals losprusten musste als sie ihn von dort unten anstarrte und durch den deutlich erkennbaren Alkoholkonsum der ihr ins Gesicht geschrieben stand, kurz ins Wanken geriet. Und wenn er dieses Szenario so beobachtete, war es eigentlich auch kein Wunder warum er selbst immer lieber relativ nüchtern blieb. Nicht zu Letzt weil er ohnehin nicht gerne Alkohol trank, sondern vor allem,  weil gerade solch köstliche Momente für klardenkende Menschen, wie ein verdammter 6er im Lotto waren.

»Ach, nerv mich nicht und bleib einfach da! Du und Mugen! Weit weg!«, fauchte sie ehe sie einfach weiterging, sich nicht noch einmal umdrehte, sondern einfach weiterlief und ein paar Steine brutal zur Seite kickte. Die Möglichkeit, dass sie sich dabei vorstellte, dass es sein Gesicht war in welches sie ihren Fuß trat, war in Anbetracht der letzten Stunde sehr hoch. Aber sollte es ihn stören? – Nö. Sollte er sich entschuldigen? – Ha, nur über seine Leiche.
Er wischte sich die Lachtränen weg und rief ihr hinterher. »Hey! Jetzt seih doch nicht so!« Doch das Einzige was er bekam, war der ausgestreckte Mittelfinger und ein diabolisches Grinsen als sie sich dann doch kurz dazu durchringen konnte sich zu ihm umzudrehen und der Wind ihre langen Haare nach hinten wirbelte, den Duft von Hibiskus und Gin zu ihm trug. So sauer kann sie ja dann nicht sein.   Kopfschüttelnd richtete er sich auf, ließ seine Hände in die Hosentaschen gleiten und musste tatsächlich wie ein ahnungsloser Teenager schmunzeln während er ihr so nachblickte, wie sie ohne jeden Zweifel wusste, dass er ihr folgen würde.


…weil er es immer getan hatte und…
…weil er es wohl auch immer tun würde...


Und während er so von Laternenmast zu Laternenmast sprang und die nächtliche Sommerbrise ihn wie einen alten Freund begrüßte, musste er sich unweigerlich der Frage stellen warum ausgerechnet sie, warum Seiren, diesen verbotenen Reiz auf ihn ausübte. Diese Frau mit den weißblonden Haaren und den unerreichbaren Augen, in die er bereits so oft geschaut hatte. Augen, von denen er gesehen werden wollte. Vielleicht lag es daran, dass sie eine der wenigen Ausnahme war, die ihn nicht wegen seines Namens beachtet hatten. Weil sie ganz am Anfang als sie in seine Klasse kam, seine Anwesenheit nicht einmal erfasste - Ihn nicht einmal bemerkte. Zu dieser Zeit war es beinahe so als wäre ihr alles und jeder vollkommen gleichgültig gewesen – ganz so als würde sie auf einer vollkommen anderen Ebene leben als er es tat. Abgeschottet von dieser Welt und den Menschen die um sie herum lebten. Und so wirkte Seiren so lange, so unendlich weit weg für ihn, dass er sie nie ganz zu fassen bekam – ganz so wie das Universum selbst. Und egal wie oft er versuchte ihr Verhalten zu entschlüsseln, egal wie oft er sie beobachtet hatte wie sie lernte und kämpfte, wie sie mit Ieiri zusammen saß und in Büchern las, er konnte diese einsame Endlosigkeit in ihr nie vollständig enträtseln. Sogar jetzt wo sie dort unten einfach entlang ging, dort zwischen den raschelnden Baumkronen das Haar hinter ihr Ohr strich, den Parkbänken die alle paar Meter an ihr vorbeizogen, der Fluss der etwas entfernt vor sich her plätscherte und den Lichtern unter denen sie beinahe wie eine vollkommen normale Frau wirkte, war es für ihn so als würde sie sich in jeder Sekunde in Luft auflösen können und verschwinden. Für immer verblassen so wie sie es schon einmal getan hatte.  Und dieses Gefühl hinterließ ein zu Tiefst unangenehmes Nachgeschmack, dass er sie am liebsten einfach in seine Arme ziehen würde, nur damit er sichergehen konnte, dass sie tatsächlich da war und kein Phantom seiner Sinne wurde.

»Satoru?«

Sie war stehen geblieben und sah zu ihm hoch. Ihre Augen blickten ihn direkt an,  ganz so als hätte sie die Unruhe in ihm fühlen können. Er zog eine Augenbraue hoch und grinste schelmisch um sich seine Sorgen nicht anmerken zu lassen.
»Ja, meine liebe Kollegin?«, und sprang nur wenige Meter vor ihr auf den Boden. »Wie kann ich dienen?« Er verbeugte sich übertrieben und zwinkerte ihr noch flink zu ehe er sich akkurat vor ihr aufbaute. Doch entgegen seiner Erwartung, dass sie genervt die Augen verdrehen würde, schenkte sie ihn ein leichtes, fast schon liebevolles Lächeln und trat einen Schritt an ihn vorbei, sodass sie nun direkt Schulter an Schulter standen. Die Atmosphäre wurde mit einem Mal ungewöhnlich leicht und er sah wie Seirens Fluchkraft leicht zu flirren anfing.

»Dieses Mal bleibe ich wohl etwas länger in Tokio.«

Gojo's Atem stockte tatsächlich für einen Moment ehe er den Kopf grinsend in den Nacken gleiten ließ und in den Himmel blickte. Er atmete tief aus während Seiren ebenfalls schmunzeln musste. Wie war er nur auf die Idee gekommen, dass sie es nicht merken würde? Wenn einer ihn kennen musste, dann war es sie. Nach all dem was sie bereits zusammen erlebt und durchgemacht hatten, war Seiren die eine gewesen, mit der er alles geteilt hatte. Sie war nicht irgendeine Frau, sie war die Frau in die er sich vor Jahren Hals über Kopf verliebt hatte und die ihn noch bis heute im Kopf geblieben war. Dennoch war ihm bewusst, dass das hier, das was zwischen ihnen damals war, keinen Einfluss auf sie als Jujuzisten haben durfte. Allein aus Schutz für die Schüler und anderen Unbeteiligten, die sie aus den Gefahren ihrer Welt heraus halten mussten. Immerhin hatte er es nicht vergessen was damals passiert war als er sich entscheiden musste, wen er retten wollte. Und auch wenn er diese dummen Regeln noch immer nicht akzeptieren konnte, sie absolut ablehnte, so respektierte er zumindest Seirens Entscheidung und würde sich diesem, jedenfalls vorerst, beugen. Wenngleich er gewisse Neckereien natürlich nicht einfach unterlassen könnte, versteht sich.

»Das will ich dir auch raten.« Seine Hände die sich unbewusst in den Taschen angespannt hatten, lockerten sich wieder. »Ich prügle die beiden Jahrgänge nicht alleine durch den Austausch in zwei Tagen.«

Die Blondine seufzte theatralisch.

Achja… da war ja noch was…
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