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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
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08.08.2021 3.541
 
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Kaizen Seiren – Jujuzist – Tokio Jujuzisten High School, nachts  


Blitze erklommen die graue Wolkendecke wie Soldaten das Schlachtfeld, das Grollen des Donners der Marschschritt der schweren Lederstiefel auf fremden Gebiet. Seiren fühlte das Beben auf ihrer bleichen Haut, fühlte das ungute Flirren der Luft während der Regen auf sie niederschlug und sie unter sich begraben versuchte – sie tiefer in die endlose Schneise aus Blut und Tod drückte in der sie kniete, sich nicht mehr rührte. Die, welche sie aus ihrer blinden Wut heraus in dieses Land gezogen hatte, das vor wenigen Tagen noch von Blumenmeeren und wunderschönen Wiesen umgeben war.
Ein bitteres Lächeln formte sich auf ihren spröden Lippen als sie bemerkte wie Satoru auf sie zukam. Hinter ihr. Er hatte alles gesehen. Sie hörte seine leisen Schritte, fühlte wie er stehen blieb und sie ansah, der Boden unter seinem Gewicht etwas nachgab und der Schlamm unter seinen Schuhen hervorquoll. Stille drückte auf ihr Herz. Er war vorsichtig, schien nichts überstürzen zu wollen. Ganz so als mochte er sie nicht verschrecken. Sie nicht mit seiner Nähe überfordern während sie vor der entstellten Kinderleiche auf den Boden kniete und dabei zusah wie das Blut aus dem aufgerissenen Rücken in die dunklen Pfützen floss und dabei war für immer von dieser Welt zu verschwinden. Für immer zu verblassen. Und das nur weil sie zu langsam gewesen war. Weil sie nicht schnell genug geschaltet hatte, nicht präzise genug die Absichten entschlüsseln konnte. Deshalb waren sie jetzt tot. Diese Kinder. So viele. Wegen ihr…

Es war ihre Schuld.
Sie allein.
Sie, und niemand sonst.


Ihre Faust traf die Wand. Ein Riss durchzog die weißen Kacheln wie ein Mosaikgemälde. Scheiße… Sie biss sich auf die Unterlippe. Ihre Augen blickten starr auf die dunstnassen Fliesen, die Hände waren fest gegen die Wand gestemmt. So eine verdammte scheiße… Sie fühlte wie das hässliche Gefühl des Versagens einfach nicht verschwinden wollte, sie lachend durchbohrte und unaufhörlich um sie herum schlich, sie piesackte und gackernd verhöhnte. Weil sie nichts machen konnte. Wieder einmal nicht. Weil es sich wie damals anfühlte als diese widerwärtigen Fluchgeister zum ersten Mal wie die Maden über diese Erde gekrochen und einen Pfad aus zuckenden Menschenleibern hinterlassen hatten. Neugeborene. Greise. Eltern. Geschwister. Es war ihnen egal. Ja, solange es sich vor Schmerzen in ihren gierigen Klauen winden würde, war es ihnen egal.  
Seiren spürte es schon lange in ihrem Inneren. Etwas veränderte sich. Spürte das kalte Brennen wieder in ihrer Brust. Wie damals. Ein Brennen so kalt, so zischend, dass nicht einmal mehr das dampfende Wasser der Dusche sie wärmen konnte, die heißen Rinnsale, die Bilder der Toten nicht fortspülten. Denn sie waren da. Immer zu. Durchweg wie ein melancholisches Lied, dass man nicht aus dem Kopf bekam und sich voller Trauer festgesetzt hatte - einen innerlich vollkommen aufwühlte und fertig machte. Dabei hatte sie gehofft, dass sie sich irren würde. Das diese Vorahnung nicht mehr als ein flaues Magengefühl bliebe. Doch das was sie seit einigen Monaten spürte und ihr schlaflose Nächte bereitete, setzte sich hier fort. Mehr noch, es war die Tatsache, dass sich die Flüche in Japan noch einmal anders verhielten als jene die sie im Ausland getroffen hatte. Diese hier, sie waren noch eine deutliche Spur grausamer und stärker, agierten präziser und hielten sich selten alleine auf. Sie waren anders. Koordinierter. Unberechenbarer. Und das bereitete Seiren große Sorgen. Sorgen die sie den Schülern nicht offenbaren konnte. Noch nicht. Nicht bevor sie sich nicht sicher war. Zwar hatte Masamichi ihr davon geschrieben, dass sich seit »Sukuna Ryomen« Manifestierung in den Itadori-Jungen, auch die Rachegeister vor Ort veränderten – aber ihr siebter Sinn sagte ihr, dass da noch mehr war. Mehr, als sie alle wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt überhaupt verstehen könnten. Und wenn sie an die Berichte dachte die Yaga ihr von Nanami und Gojo geschickt hatte, ließ das alles auf nichts Gutes schließen. Mehr noch, es hatte einen zutiefst bitteren Beigeschmack, wenn beide die Flüche als •gefährlich einstuften.

Die Blondine ballte die Hände zu Fäusten, das Rauschen den Wassers wie ein Wasserfall in ihren Ohren hallend. Ihr war klar, dass hier mehr im Argen lag als es den Anschein hatte. Etwas war in Bewegung geraten und  würde so schnell nicht wieder stoppen. Seiren würde nicht drum herum kommen mit Gojo sprechen zu müssen. Schließlich waren er und Kento die einzigen die auf diese Art von Sonderrängen getroffen waren. Die Art von Monstern die sprechen konnten, beinahe menschlich aussahen und sich unter Umständen auch so verhalten konnten, wie Menschen. Und genau über diese musste sie mehr erfahren. Über die mit Narben überzogene Hackfresse auf die Nanami und Itadori gestoßen waren und über diese lavaspuckende Vakuumbirne und den wandelnden Baumstumpf, die Satoru begegnet waren. Doch während die Zusammenfassung von Kento konkrete Sachverhalte schilderte, waren Satorus Berichte einfach nur eine bloße Beleidung gewesen. Sie waren Müll. Ihr Kiefer spannte sich an. Nichts desto trotz war ausgerechnet er gerade der Einzige der sich in greifbarerer Nähe aufhielt und ihr mehr erzählen konnte - auch wenn sie auf dieses Treffen gut und gerne verzichten könnte.

Aber ausgerechnet dieser Mann würde sie jeden Moment aufsuchen. Dieser Mann, dessen Ego des einen nordischen Gottes bei Weitem überstieg. Immerhin fühlte sie seine Fluchkraft hinter der Tür, wie sie fast schon unmerklich in ihm ruhte und ihn doch verriet.  An sie. Weil ihr Körper auf seine bloße Anwesenheit mit einem unruhigen Kribbeln reagierte und ein Schauer sich in ihrem Nacken gebildet hatte, der voller neckischer Vorfreude über ihre gerötete Haut glitt und ihre Oberschenkel zusammenpressen ließ. Ein bitteres Grinsen trat auf ihre Lippen. Und sie war sich sicher, er würde die Klinke in den nächsten Sekunden mit seiner großen Hand umfassen, sie hinunter drücken und die Kälte des Flures hineinströmen lassen. Nur kurz, nicht lange, denn die Tür würde er hinter sich zu fallen lassen und auf sie zu kommen. So wie er es immer getan hatte. Früher, als es ihre größte Angst noch war, dass er irgendwann nicht mehr hinter ihr auftauchen und seine langen Arme um sie legen würde. Dass der Platz hinter ihr mit einem Mal wieder leer bleiben würde. So wie in all den Jahre in denen sie zuvor alleine gewesen und die Kälte ihr engster Vertrauter war.  Doch heute war genau das ihre Sorge. Die Sorge, dass er sie dazu bringen könnte mit ihren Prinzipien zu brechen. Wieder einmal. Wie damals als sie gegen Gakuganji -

Das verschwörerische Klacken der Tür ließ die in schwarz getauchte Erinnerung verblassen und die Bilder einer längst vergangenen Aschelandschaft in Flammen aufgehen. Die Gedanken drehten sich um ein neues Ziel. Ein Ziel das geradewegs durch den Türrahmen schritt und ihr Herz derb gegen den Rippenbogen schlagen ließ. Der Hauch von Kälte der ihren Rücken küsste, sie wie eine liebliche Vorahnung umfasste, sie beinahe schon zwang über die Schulter zu blicken. Es pulsierte in ihr.  Hitze verdrängte die Kälte in ihrem Herzen und begann wie Feuer in ihren Wangen zu brennen, als sie das schelmische Schmunzeln selbst durch den Wasserdampf auf seinen Mundwinkel erkannte. Sie legt den Kopf spielerisch in den Nacken während sie zur Seite griff und das blaue Handtuch um ihre Mitte wickelte. Das Hallen seiner Schritte war wie ein leichtes Beben, das durch ihren Körper pochte und sie am liebsten an Ort und Stelle unter sich niederstrecken wollte.  Aber sie wusste: Er wollte nur spielen. Seiren  spürte es an dieser arroganten Überlegenheit mit der er ihr begegnete, sie ansah, sie mit jedem Schritt figurierte, um ihr eine Reaktion zu entlocken. Eine, die sie nicht kontrollieren konnte. Eine die aus einem impulsiven Verhalten herrühren würde. Wie diese als sie in Yagas Büro aneinander geraten waren und sie nach seinem Kragen gegriffen hatte. Doch diese Genugtuung würde sie ihm nicht wieder geben. Nicht heute.  

Beinahe schon unschuldig strich sich die Jujuzistin die nassen Haare über die Schulter und tapste dem schmunzelnden Gojo entgegen. Grinsend, weil sie wusste, dass sie es war, die in diesem Moment am längeren Hebel saß und zu seinem Pech mit wichtigeren Dingen beschäftigt war, als seinen kindischen Spielereien nachzukommen mit denen er vielleicht bei naiven Mädchen landen konnte. Denn auch ein Satoru würde lernen müssen, dass es mittlerweile Dinge gab, die er nicht gewinnen konnte. Sie leckte sich über die feuchten Lippen, die Augen glühten wie das Mondlicht in der Nacht. Und das hier war eines davon.



Gakuganji Yoshinobu – Rektor der Kyoto Jujuzisten High School – Irgendwo in Kyoto


»Du hättest sie als Kind einfach umbringen sollen, alter Greis.« Der Schwarzhaarige Mann neben ihn lehnte sich locker über die Brüstung der Dachterrasse und blickte sichtlich gelangweilt auf ein junges Mädchen, das mit einem blaueingebundenen Buch in der Hand auf einer Bank am Rande des Parks saß und gelegentlich mit dem braunhaarigen Mädchen neben ihr sprach. Gakuganji unterdrückte das leise Knurren in seiner Kehle während er die beiden Jugendlichen ebenfalls ins Auge nahm. Ieiri Shoko und Kaizen Seiren. Seine schmalen Augen taxierten die Blondine wie ein Schatten aus der Dunkelheit, die Hand fest um seinen Gehstock geschlossen. »Mit Sicherheit hätte das vieles gelöst, Toji.« Er sah wie der ehemalige Zenin-Spross ihn aus den Augenwinkel beobachtete. »Aber ihre Fähigkeiten sind zu besonders. Und wäre mir die Aufsichtspflicht für sie nicht entzogen worden, wäre sie die perfekte Königin geworden.«
»Eine Königin?« Ein kalter Hauch fuhr dem Schwarzhaarigen durch die Haare als der alte Mann neben ihn unheimlich zu grinsen begann. »Ja, eine Königin die gegen diesen wahnwitzigen Gojo-Bengel ankommen könnte.« Toji Zenin musterte ihn ungläubig, begann dann aber zu lachen. So laut und schallernd, dass er sich beinahe verschluckte als er sich dem ergrauten Jujuzisten zuwandte. »Diese Göre? Dieses Mädchen, das kältere Augen als Eis besaß und weniger sprach als ein Mann dem die Zunge hinausgeschnitten wurde? Du bist doch vollkommen verrückt.« Mit Sicherheit wäre er das – zumindest wenn er nicht wüsste, dass dieses Mädchen mehr war. Das mehr in ihr steckte. Etwas das sie mit ihren jungen Jahren einfach nur unfassbar gut unter Kontrolle halten konnte. Entsprechend reagierte er auf Tojis derlei Taktlosigkeit nicht einmal mit einem Zucken und sprach unbeirrt weiter. »Du bist sehr einfältig, wenn du es nicht bemerkst was in ihr schlummert. Sie ist die einzige Überlebende des Kaizen-Clans. Einem Clan der nur alle paar Jahrhunderte einen Nachfolger bekommt, der die Grenzen dieser kummervollen Welt tatsächlich einreißen könnte.«



Seine dunklen Augen wanderten über die Dokumente die auf seinen langen Schreibtisch lagen, der Regen in seinem Rücken derb gegen die Fensterscheiben prasselnd, der Wind jämmerlich in der Nacht aufwimmernd. Die hellen mondgebleichten Augen starrten ihn direkt an. Das Bild von der Kaizen-Erbin stach aus allen anderen Papieren wie eine seltene Blume hervor. Eine Blume die er, wenn er an das Gespräch mit Zenin Toji zurückdachte, wahrscheinlich wirklich lieber hätte rausreißen und zu Asche verwandeln sollen. Denn jetzt war es zu spät. Er hatte sie damals an Masamichi abgeben müssen, nachdem herausgekommen war mit welchen Mitteln er sie abgehärtet hatte. Mit welchen Handlungen er sie gezwungen hatte stärker zu werden, um irgendwann als Clanoberhaupt ihrer ausgelöschten Familie den Platz einzunehmen und ihre Fähigkeiten im besten Fall an einen neuen Erben weiterzugeben. Aber alles wurde ruiniert indem Yaga sie immer mehr verweichlicht hatte, sie zu sich geholt und in seine Obhut genommen hatte, sie in seinem Liliengarten hatte einfach leben lassen. Ja, am Ende hatte er sie sogar auf seine Schule gesteckt, wo sie ausgerechnet auf den Spross der Gojos treffen musste. Sein Blick wanderte zum Bild des Jujuzisten, welches direkt neben Seirens lag. Ja, und dieser hatte zu seinem Leidwesen auch noch seinen Rest dazu beigetragen, dass sich Kaizen verändert hatte. Dass sie sich von ihrem Weg entfernte und auf Umwege geraten war. Auf Umwege die mit dem Tod hätte bestraft werden müssen. Eine Tatsache die den Rektor der Kyoto High School bis heute noch mehr als reizte und ihn ziemlich kochen ließ. Eine Beziehung zwischen Jujuzisten war ein Verbot, eine Regel an die sich alle zu halten hatten. Es war ein ungeschriebenes Gesetz. Ein Gesetzt an das sich auch die »großen Drei« zu halten hatten. Und demnach bildeten auch Gojo und Kaizen keine Ausnahme, wenngleich dieser Verbindung ein ungeheures Potenzial inne wohnte. Ein unmenschliches Potenzial, dass auch den Higher Ups nicht verborgen blieb, welches sie aber nicht tolerieren konnten und es auch niemals würden. Zurecht, wenn man bedenkt was diese Beziehung bereits für Opfer gefordert hatte. Entsprechend skeptisch blickte Gakuganji nun auch auf das Austauschtreffen der beiden Schulen. Doch er würde alle genauestens beobachten. Jeden Schritt, jede Bewegung würde er von Kaizen und Gojo im Auge behalten.



Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrganges - Tokio Jujuzisten High School, nachts  


»Hora, Hora! Nicht so stürmisch.« Schwer fielen ihm die weißen Haare ins Gesicht. Seine Augen stachen wie eisblaue Gletscherkristalle durch den Wasserdampf und schwebten sichtlich vergnügt über das halbnackte Antlitz, welches ihn ohne zu Zögern einige Meter nach hinten an die Wand gestoßen hatte. Das Zersplittern der Fliesen in seinem Rücken entlockte ihn dabei ein Lachen, die Hand um seiner Kehle ließ ihn schaudern. Gefährlich fuhren die langen Fingernägel über die dünne Haut seiner Halsschlagader. Der schwarze Stoff seiner Augenbinde, die sie ihm zuvor mit einer flinken Bewegung vom Gesicht gezogen hatte, schlang sich nunmehr wie ein hauchdünnes Seil um seine Kehle und ließ das teuflische Grinsen auf ihren Lippen wachsen. So dunkel, so leichtlebig, dass es ihn verlockte weiter zugehen, das hier noch etwas auszureizen. Entsprechend ungezogen bewegten sich seine Finger auch schon in ihre Richtung, wollten ihr die nassen Haare aus dem geröteten Gesicht streichen, dass an ihm haftete. Doch als würde sie seine Gedanken lesen können, seine Absichten hören, fuhr sie ihn warnend in vollster Gemächlichkeit, mit dem Zeigefinger über den empfindlichen Punkt zwischen Schulter und Kiefer und übte leichten Druck aus – die Fluchkraft in ihrem Inneren am Flimmern. Ja, sie warnte ihn. Mehr noch, sie verwies ihn wie einen aufsässigen Schüler auf seinen Platz, sodass er seine Hand – wenn auch widerwillig - sinken ließ und sie aufmerksam beobachtete, ihre Stimme wie ein kühler Morgenwind zwischen der feuchtwarmen Luft.  
»Das ist der Duschraum für Frauen, Gojo.« Ihre Augen die bis eben noch fest auf seinem Oberkörper fixiert waren, blickten ihn unter den feuchten Haarsträhnen wie kaltes Silber an, das Lächeln so schuldlos wie gefährlich, dass er glaubte kleine prickelnde Elektrostöße würden über seine Haut tanzen. Als er dann auch noch bemerkte das Seirens Knie lasziv an seinem Bein hinauf wanderte, am Stoff seiner Hose rieb und sich dazwischen platzierte, musste er ein Knurren unterdrücken. Etwas das sie sichtlich zu freuen schien als sie ihn weiter neckend zurechtwies.
»Du hast hier nichts zu suchen als Mann.« Ihr amüsierter Blick zuckte zu seinem leicht angespannten Schritt hinab, während der schnippische Unterton in ihren Worten einen leichten Anflug von Erregung in ihm wachrief. Es war die Art wie sie die Silben über ihre Zunge rollen ließ, die Art wie sie ihm einen verstohlenen Blick zuwarf, der seinen Atem unmerklich unbeständig werden ließ und ihn doch mehr zu reizen schien als ihm lieb war. Und so wie sie ihn anfunkelte, ihn vollster Zufriedenheit in Betracht nahm, wusste sie das auch. Sie war so eine ungezogene Frau. Eine Tatsache die ihn mehr als sorglos schmunzeln ließ.

Die feine Augenbraue tanzte hohnlachend in die Höhe als sie die leichte Anspannung in seinen Schultermuskeln bemerkte, sah wie seine Finger sich an die Fliesen drückten, der Griff von ihr aber ohne nachzugeben fest um seinen Hals verblieb. Fordernd, weil dies die Rache für das letzte Mal war als er sie vor Masamichi hatte auflaufen lassen. Sie war wirklich nachtragend. »Oder…muss ich da was wissen?«.
Oh, so einiges. Er grinste verschlagen und reckte seinen Kopf etwas nach unten, sodass er die kleinen Wasserperlen genau dabei beobachten konnte wie sie verführerisch an ihrem zarten Schlüsselbein hinab liefen, ihre Haut berühren durften, sie kosen durften, ehe sie am Saum des Handtuches, kurz über den Wölbungen ihrer Brüste, schamlos versiegten. Ein Pochen ebbte durch seine Lenden. Hitze frohlockte in seinen Fingern als er an ihren feuchten Lippen hängen blieb und ihre grauen Augen ihn sorgfältig musterten.  »Du wärst überrascht.«

Für einen Moment sah die Blondine ihn skeptisch an, schien kurz zu überlegen ob da was dran wäre, musste dann aber anfangen zu grinsen, bevor sie ihm näher kam. So nah, dass er ihren warmen Atem auf seiner Wange vibrieren fühlte, ihre Nasenspitze über seine feuchte Haut zu seiner Ohrmuschel glitt. Gänsehaut kroch über seinen Rücken hinab in seiner Körpermitte und begann wieder etwas tiefer zu Beben. »Netter versuch …« Ein tiefes Raunen so verlockend wie die Sünde einer Göttin selbst. »Aber da ist nichts was mich noch überraschen könnte, S-a-t-o-r-u.« Oh, das war böse. Der Impuls seines besten Stückes zog seine Gedanken blank, knurrte ihn an, sich nicht so vorführen zu lassen und ihr zu zeigen, dass noch immer er es war, der dieses Spiel dominierte. Dass er es war, der den Rhythmus vorgab. Unweigerlich spannte sich sein Körper an, die Hände fuhren in ihre Richtung. Sie hatte nun lange genug die Oberhand. Mit einem Griff wollte er sie packen, seine Finger an ihre Taille legen, sie endlich berühren, sie ebenfalls an diese Wand pinnen, sie triezen so wie sie es mit ihm machte - doch bittere, lieblose Kälte trat an ihn heran. Die Hand um seine Kehle verschwunden, der Hauch von einem kühlen Wind den Dampf aufwirbelnd. Das letzte Lächeln bevor sie lachend von ihm zurück wich und einige Schritten nach hinten tänzelte, so verdorben und glattzüngig, dass es sein eigenes hätte sein können.

»Hora, Hora! Nicht so stürmisch!«, äffte sie ihn nach und ihr beseeltes Lachen hinterließ das gleiche unangenehme Gefühl, das er verspürt hatte, als er vor wenigen Tagen so einen armen Jungen  mit schütten braunen Haar und einen übertriebenen Blumenbouquet durch die Innenstadt stolpern gesehen hatte. Normalerweise wäre der Knirps ihm nicht aufgefallen, aber als er diese glanzvolle Bruchlandung direkt vor seiner Herzdame und ihren Freundinnen hingelegt und sie sogar versehentlich mit zu Boden gerissen hatte, war er wie viele andere Passanten auch, an dem mehr als peinlich berührten Geschehen hängen geblieben und war sichtlich erleichtert darüber, dass nicht er dieser arme Junge war. Doch jetzt fühlte sich das genauso an. Sie hatte ihn einfach ausgespielt - und er hatte die Bruchlandung hingelegt. Ein schweres Seufzen kam ihn über die Lippen als er sich durch das feuchte Haar fuhr, das Grinsen von Seiren der klare Beweis ihres Sieges anerkennend. Zumindest vorerst. »Du bist eine grausame Frau, weißt du das?«, rief er ihr zu während sie summend in den Nebenraum zu den Umkleidekabinen schlenderte, das Rauschen des Wassers war verstummt. Das glockenhelle Lachen was daraufhin erscholl, ließ ihn schmunzeln, sodass er ihr langsam folgte, aber vorher an der Wand neben dem Türrahmen stehen blieb und sich dagegen lehnte. Wartend. Zuhörend wie sie sich abtrocknete und das Rascheln der verschiedenen Stoffe an seine Ohren drang. Für heute würde er es dabei belassen. Für heute würde er ihr diesen Triumph gönnen. Aber nur für heute…

»Gojo?« Sein Kopf neigte sich ein wenig zu Seite, damit er sie etwas besser verstehen konnte, die Arme wie üblich in den Hosentaschen gleitend während er auf sie wartete. Er wusste, dass sie ihn nun mit Sicherheit etwas über die Arbeit fragen würde. Immerhin war das spielen ja jetzt zu Ende und die Ernsthaftigkeit würde wieder in ihrer beider Leben treten. Obwohl der kurze Abstecher in die Sorglosigkeit fast noch schmerzlich in seinen Fingerkuppen brannte. Aber er wusste sich zu beherrschen und atmete einmal tief aus. Immerhin waren ihn die zertrümmerten Kacheln an der Dusche nicht entgangen als er durch den Raum gewandert war. Seiren schien definitiv etwas zu beschäftigen.
»Mh?«

Ein Rascheln war zu hören. Das Klacken der Schranktür. Dann hallten auch schon leise ihre Schritte durch den Raum ehe sie vollkommen umgezogen raus trat und ein Handtuch beharrlich über ihre nassen Haare rubbelte. Ihre Augen ruhten still auf seinem Gesicht. Die Wangen waren vom heißen Wasser noch etwas gerötete, die Lippen zartrosa und von der Hitze etwas geschwollen.  In seiner Brust zog es sich zusammen, in seinem Blick glomm ein unmerklicher Funke von Zärtlichkeit auf. Wie gerne würde er ihr die einzelne Haarsträhne aus dem Gesicht streichen und sie hinter ihrem zierlichen Ohr verstecken, ihr mit dem Daumen über die Lippen  fahren und sie einfach ansehen. So wie sie war. Und er fühlte wie sich seine Fingerspitzen bereits etwas regten, wie sie seinem Gedanken folgen wollten. Doch als er Seiren so beobachtete, wie sie einen gewissen Raum zwischen ihnen einhielt, ließ er seine Hände wieder tiefer in die Taschen gleiten. Weil er wusste, sie würde zurückweichen. Denn es war ein Unterschied ob sie miteinander ein Spiel spielten, sich gegenseitig auf die Palme brachten oder ob die tieferen, die echten Gefühle hinter all den Neckerreien ans Tageslicht traten und sich über sie beide niederlegten.  Es waren diese, die in den stillen Momenten den ausufernden Spaß zur Nebensache werden ließen. Ja, es war ein so großer Unterschied. So Himmelweit, dass er es nicht ertragen könnte, wenn sie in jetzt diesem Moment von ihm zurückweichen würde. Also beließ er es allein bei diesem Gedanken und verblieb an Ort und Stelle, wobei er ihr folgendes Anliegen deutlich in ihrer hellen Iris erkennen konnte.

»Erzähl mir bitte alles was du über diese Sonderflüche weißt. Und ich mein wirklich alles.«
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