Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
25
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
25.07.2021 4.739
 
Somehow out of place...




Kugisaki Nobara – Schülerin aus dem 1. Jahrgang – auf den Weg zum Industriegebäude


»Ich hoffe es geht den beiden gut.«
Ein leises Nuscheln, fast klanglos verstummend. Geistesabwesend blickte Nobara aus dem Fenster des Autos, den Ellbogen auf der schmalen Kante des Türrahmens abgelegt und die Hand am Kinn liegend. Von den Gebäuden und den unzähligen Bäumen die an ihr vorbeizogen, nahm sie kaum Notiz und starrte einfach in die Leere, lauschte nicht einmal der leisen Musik die im Radio lief. Alles wirkte irgendwie fehl am Platz. Sie. Diese Fahrt. Der Auftrag. Entsprechend schwer war auch die Stimmung in der schwarzen Limousine in der sie saßen und drückte wie Blei auf ihre Gemüter. Immerhin waren sie nicht taub gewesen. Ganz gleich wie leise Gojo mit Ijichi am Telefon gesprochen hatte und er ihnen danach versichert hatte, dass es Maki und Kaizen gut ginge, hatten sie drei beinahe alles genauestens vernommen. Alles was der schwarzhaarige Mann, der nun am Steuerrad dieser Luxuskarosse saß und sie zum Industriegebäude fuhr, ihren Lehrer über die abscheulichen Geschehnisse mitgeteilt hatte, die hinter den Mauern dieses Bauwerkes stattgefunden hatten. Und das war alles andere als beruhigend gewesen. Im Gegenteil, sie hatte große Mühe dabei gehabt sich nicht sofort zu übergeben als der Zorn sich wie ein Wirbel in ihrem Magen gedreht hatte. Kinder, ging es ihr wieder durch den Kopf. Wehrlose kleine Kinder. Kinder die jetzt gerade im Bett schliefen. Kinder die morgen vielleicht auf der Schaukel saßen.
Ihr wurde wieder übel und die Finger spannten sich unmerklich an, während der Glanz aus ihren Augen beinahe vollkommen verblasst war. Es ekelte sie an. Das alles. Diese Menschen, die sowas tun konnten. Die Flüche, die sich daran nicht satt sehen konnten. Es fuckte sie so richtig ab. Ebenso wie die Tatsache, dass sie vorhin wirklich noch dachte gute Arbeit geleistet zu haben. Schließlich hatte sie diesen Rachegeist ins Nirwana geschickt und konnte sogar einem Kameraden helfen. Doch während sie mit Megumi und Yuji die unbedeutenden Flüche in der Nähe des Parks ausgetrieben hatten, war Maki indessen auf einen Sonderrang getroffen, dessen geballte negative Energie vor wenigen Minuten sogar bis in die Stadtmitte geschwappt war und sie hatte erstarren lassen. Sie alle hatten es gefühlt. Das Zittern der Luft. Das Beben der Erde. Ihr war bewusst, dass dieser Fluch mit Sonderrang anders war. Gefährlicher als andere Flüche. Sie alle wussten das. Und das war etwas, dass die Braunhaarige etwas beunruhigte. Denn auch wenn Jujuzisten an den Tod von Kameraden gewöhnt sein sollten und immer damit rechnen mussten, dass einer von ihnen im Kampf sterben könnte, war es dennoch etwas ganz anderes, wenn man ganz plötzlich tatsächlich damit konfrontiert werden könnte. Es war beängstigend.

»Wäre die Konstellation eine andere, würde ich mir tatsächlich Sorgen machen.« Fushiguros dunkle Samtstimme, klang vom Beifahrersitz nüchtern nach hinten. Ganz so als würde er sich nicht einmal im Ansatz den Kopf über das alles zerbrechen. Doch Nobara wusste, dass er wahrscheinlich genau die gleichen Gedankengänge hegte wie sie oder Yuji, der ebenfalls stumm aus dem Fenster zur anderen Seite blickte und sich ungewöhnlich ruhig verhielt. Immerhin hatte er seit sie losgefahren waren, nicht einen Ton gesagt. Allerdings konnte sie bereits erahnen, dass er wütend war. So angespannt wie seine Schultern gestrafft waren und der Kiefer fest aufeinandergepresst blieb, hatte sich da so einiges angestaut. Aber wen wundert’s?
Nobara blickte den Schwarzhaarigen für einige Sekunden aus den Augenwinkeln durch den Rückspiegel an – wohl wissend, dass er sie angesehen hatte.

»Mh. Wenn du das sagst, Fushiguro.«



Kaizen Seiren – Jujuzist – Shinjuku, Industriegebäude


Ihre Hand umfasste den breiten Hals des Fluchgeistes, fühlte die lederne Haut unter ihren Fingen pochen. Aufgeregt polterte sein Herz durch den Brustkorb, das dunkle Blut floss wie ein purpurner Fluss aus seiner Schulter und mündete vor ihren Füßen, die sich nicht einen Zentimeter bewegten. Der beißende Geruch von Metall ließ Seiren gänzlich kalt. Das einzige was sie nun noch wahrnahm, war wie die Angst durch die zähen Venen dieses Viehs rauschte. Sie spürte es, das hektische Beben. Furcht kroch durch seine Muskeln wie die Schreie der Kinder durch die einsamen Winkel dieses Gebäudes. Sie hörte sie. Ihre Stimmen. Die Schreie. Das Flehen. Sie hörte wie dieser Sonderfluch sich daran ergötzt hatte. Wie er sich über ihre weinenden Seelen gebeugt hatte, als sie reglos in den schwarzen Schatten liegen geblieben waren und das Leben in ihren Körpern wie ein flackerndes Kerzenlicht ausgeblasen wurde, sich eine trostlose Welt aus Schmerzen unter ihnen geöffnet hatte. Dieses Monster hatte einfach zugesehen. Mehr nicht. Hatte sich entspannt in der Dunkelheit zurückgelehnt und auf seine Chance gewartet, sich satt zu fressen.

Zorn stieg in ihr auf.  Seirens Augen glühten wie Eisen in der Sonne und fixierten ihn wie ein Falke die flüchtende Feldmaus auf den Ackerlanden. Sein leidendes Röcheln hinterließ nichts außer ein glanzloses Lächeln auf ihren Lippen. Ein Lächeln, so schlicht und einfach, das es dieses Monster tatsächlich zu ängstigen schien und seine schwarzen Pupillen, die vor wenigen Minuten wie ein hämisch grinsender Clown noch nach ihren Tod geschielt hatten, unaufhörlich von links nach rechts schnellten. Panisch nach einen Fluchtweg suchten. Doch es gab keinen. Nicht mehr. Nicht seit er sich ihr gezeigt und sie all das gesehen hatte. Die Bilder. All die ergreifenden und herzzerreißenden Emotionen die wie ein erdrückendes Klagelied durch jeden Zentimeter dieses abartigen Gebäudes echoten. Kinderstimmen die sie anflehten sie zu erlösen. Sie ansahen. Bittend.

Die Blondine verstärkte den Griff um seine Kehle, bohrte ihre Nägel rücksichtslos in das stinkende Fleisch. Ihre stechenden Irden ließen nicht von seiner gurgelnden Fratze ab. Er hatte ein Tabu gebrochen und dazu noch ihre Warnung schlicht und ergreifend ignoriert. Mehr noch, er hatte wirklich daran geglaubt, dass er sie umbringen und sich Maki schnappen könnte. Diese Kreaturen litten wirklich allesamt an einem ziemlich ungesunden Ego. Einem Ego welches sie nur allzu gerne aus ihnen heraus prügelte.

»Soll ich dir was verraten?« Die Blondine beugte sich ein Stück zu ihm hinunter, sodass sie den unstetigen Atem auf ihrer Wange fühlen konnte, den fauligen Geruch von Verwesung deutlich in der Nase kribbeln spürte. Seine Augen starrten sie aufgerissen an. Der Sauerstoff der ihre blassen Lippen verließ kräuselte sich zu kristallisierende Flocken und ihre Stimme verschwamm mit einer grausamen Gletscherkälte. Ein Wispern entfloh ihr wie ein dunkles Versprechen. »Wenn ich gewollt hätte, wärst du in der Sekunde gestorben in der du so dumm warst dich mir zu zeigen. Aber was sollte eine Frau schon können, nicht wahr? Das dachtest du doch, oder?« Ihre Nasenspitze flog hauchdünn über sein Gesicht und sah wie er versuchte seine Furcht vor ihr mit einem überheblichen Grinsen zu vertuschen. Seine schwarzen Reißzähne bleckten ihr entgegen. Offenbar wollte er ihr etwas sagen, doch kein einziger Ton verließ seine raue Kehle.  »Aber die schlausten seid ihr ja nun einmal wirklich nicht. Andernfalls hättest du doch längst bemerkt, dass dich meine Fluchkraft wie ein dünner Film umschließt und dich quasi an den Grund nagelt, hab ich recht?«  Ohne weiteres hatte sie ihn losgelassen und schritt langsam um ihn herum, Maki kurz in Betracht nehmend, die ihre Naginata fest in den Händen hielt und jede ihrer Bewegungen beobachtete. Sie lächelte zufrieden, bevor das räudige Zappeln vor ihr sie wieder zu sich zog. Natürlich versuchte sich der Sonderrang instinktiv hochzureißen, sich aufzurichten, knurrte und spannte sich bebend vor ihr an, das Verlangen sie zu töten zu wollen wieder greifbar hochschlagend. Sie seufzte und blieb stehen, platzierte ihren schwarzen Stiefel auf den seltsam aussehenden Hinterlauf dieses Monsters.  »Hast du nicht zugehört?« Ein derbes Knacken drang an ihr Ohr. Ein verlockender Ton. Das weiß der Knochen flimmerte ihr lachend entgegen. Das Blut spritzte ihr ins Gesicht. Mit einem kräftigen Tritt hatte sie das lange Bein in Zwei getreten, die Augen erschreckend beharrlich auf den brüllenden Fluch gerichtet.

»Du siehst, wäre meine Schülerin nicht dabei, hätte ich dich einfach ausgetrieben. Aber du musstest ihr ja zu Nahe kommen.« Mit einem kleinen Schritt trat sie über ihn hinweg und umfasste beinahe zärtlich das Handgelenk seines anderen Armes. »Und ich habe dir gesagt, dass ich mir nicht nur den einen Arm holen werde.« Ein gezielter Ruck riss den Knochen am Ellbogengelenk heraus und warf das leblose Stück Fleisch im selben Moment auch schon in irgendeine Ecke, eine Blutspur hinter sich herziehend. Verzweifelt wollte sich die Bestie winden, die Schmerzen abschütteln, doch stattdessen ließ Seiren ihn mit einem einfachen Schnippen noch weiter in den Beton brechen. Genauso wie sie es am Morgen mit Maki gemacht hatte. Nur etwas intensiver. Eindringlicher. Härter. Doch während sie ihren Blick über den entstellten Körper wandern ließ, wie er sich versuchte vor Pein zu Bäumen, merkte sie auch, dass ihre Sicht langsam unscharf wurde. Ihre Fluchkraft floss wie Sand aus einer Uhr hinaus. Sie sollte das alles wohl langsam beenden.



Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrganges - Shinjuku, Industriegebäude


Na, was haben wir denn da? Amüsiert über das Szenario, dass sich dort unten abspielte, beugte er sich zwischen den kühlen Windzügen am Himmel etwas nach vorne, die Hände locker in den schwarzen Taschen seiner Hose vergraben und blickte neugierig durch das gewaltige Loch, dass sich wie eine klaffende Wunde in das rote Ziegeldach gefressen hatte. Ein anerkennendes Pfeifen glitt über seine Lippen. Die brutale Durchschlagskraft von Seirens Fähigkeit war wie immer angsteinflößend. Zumindest wenn man sich von so etwas brachialen schnell beeindrucken ließ. Schließlich war das hier nur das Endprodukt der gebündelte Manifestation ihrer Fluchkraft, die mit einem zugegebener Maßen, verdammt zügellosen Tempo, durch das Dach geschossen sein musste und bei ihrer Entfaltung sogar die dichte Wolkendeck hinter ihn aufgespalten hatte. Natürlich war die Stärke allein schon herrlich anzusehen, doch die wahre Magie dieser Fähigkeit spielte sich gerade dort unten ab. Immerhin sollte es jedem Fluch eines höheren Ranges ein Leichtes sein, solche Wunden wieder zu verschließen oder sie zumindest so zu heilen, dass keinerlei Behinderung mehr besteht. So zumindest der reguläre Ablauf. Eigentlich. Allerdings wurde diese Kausalität zwischen Wunde und Heilung in jenem Moment ausgehebelt, sowie Seiren sie mit ihrer Fluchtechnik traf. Eine Technik die in seinen Augen vollkommen zurecht den Namen »Judgement« trug. Schließlich hielt sie nicht nur den Heilungsprozess der Zellen direkt in den Moment an, wenn sie durch das Fleisch des Opfers glitt sondern riss auch sämtliche Muskeln und Knochen in Zwei, die in seine Reichweite gerieten. Es war eine Bestrafung, die im doppelten Maß sein Tribut von diesen Monstern einforderte. Und das war etwas, dass Satoru selbst heute noch einen kleinen wunderbaren Schauer über den Rücken jagte. Diese Grausamkeit mit der sie über die Rachegeister richtete. Mit der sie auch jetzt über diesen Sonderfluch urteilen würde, der ihn eher an eine Mischung aus einer entstellten Kanalratte und einem nackten ausgehungerten Wolf erinnerte, der dringend was zwischen die Beißer brauchte. Hässlich wie die Nacht eben. Aber wann sahen Flüche schon Ausgehtauglich aus?

Er zuckte schmunzelnd mit den Schultern ehe er langsam von der Endlosigkeit der luftigen Weiten hinab stieg, um einen besseren Blick auf das Ganze zu bekommen.  Dabei fiel ihm auch Maki auf, die nicht einmal zu merken schien, dass er sich unmittelbar in der Nähe aufhielt. Zu fixiert war sie auf das, was sich vor ihren Augen tat, als dass sie überhaupt die Regung verspürte sich in seine Richtung zu drehen. Demnach konnte er davon ausgehen, dass es das erste Mal war, das sie Seirens Fähigkeiten so genau zu Gesicht bekam. Zumindest den kleinen Bruchteil davon. Andernfalls hätte sie Maki schon lange weggeschickt und nicht ein Stein würde mehr auf dem anderen stehen. Folglich schien der Sonderfluch Seiren Kräftemäßig eindeutig unterlegen zu sein. Allerdings bereitete ihn etwas anderes ein wenig Sorgen. Und das war die Art wie ihre Fluchkraft langsam aber sicher aus ihrem konstanten Fluss geriet. Immer wieder brach sie aus und schlug wie ein Kardiomessgerät aus. Nicht bedrohlich, aber dennoch gut erkennbar.

Satorus Finger spannten sich etwas in den Hosentaschen an als er an ihrem blassen Antlitz hängen blieb. Außenstehende würde es wahrscheinlich nicht einmal wahrnehmen, keine klare Notiz davon nehmen, aber ein unscheinbares Wanken hatte sich in ihren geschmeidigen Bewegungen eingeschlichen und beichtete wie es wirklich um ihre körperliche Verfassung stand. Offenbar hatte sie Probleme mit der Fluchkraft-Kontrolle. Immerhin konnte er fühlen wie sie mit jeder weiteren Minute etwas kraftloser wurde und sich ihre weiße Aura langsam um sie zurückzog, sie bald nicht mehr halten könnte. Sie hatte es mal wieder etwas zu weit getrieben. Und das obwohl sie eben keine endlosen Ressourcen besaß. Ein verspieltes Schmunzeln überkam ihn, ehe er verschwand und nichts weiter als einen stillen Luftwirbel hinterließ.



Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahrgang – Shinjuku, Industriegebäude


Gleichgültigkeit. Tödlich und  zugleich lächelnd wie giftiger Efeu. Es war etwas das sie zuvor noch nie an Seiren gesehen hatte. Etwas das sie ihr nicht einmal im Entferntesten zugedacht hätte. Ein Wort das so schneidend und emotionslos war, nein, das konnte nicht passen. Und doch trafen diese starren drei Silben so genau wie ein Pfeil die Mitte einer Zielscheibe. Gleichgültigkeit, sie glühte in ihren Augen. Glühte flammend, während sie dem grollenden Rachegeist das Bein einfach zertrümmert und den Muskelüberzogenen Arm ohne zu Zögern hinausgerissen hatte. Ganz einfach, so simpel als wäre er ein Blatt gewesen, welches sie mit einer kurzen Bewegung vom Ast gepflückt hatte. So schlicht hatte es auf die Zenin-Erbin gewirkt. Nicht einmal die blutigen Rinnsale in ihrem Gesicht schienen sie zu stören. Im Gegenteil, Seiren wirkte als wäre es das Normalste auf dieser Welt in einem purpurnen Fluss aus Blut und Fleischresten zu stehen und die Augen herabwürdigend auf dem Monster ruhen zu lassen. Ganz so als würde sie dem Fluch seinen nicht vorhandenen Platz auf dieser Welt zeigen, seine Existenz nicht einmal im Geringsten anerkennen. Wie ein König der sein bitteres Urteil verkündet hatte. Und genau das hinterließ in Maki ein Gefühl des Aufbrausens. Sie wusste nicht ob sie jetzt vollkommen den Verstand verlor, sich vielleicht in etwas reinsteigerte, aber die Auswirkungen von den Kräften die dort auf sie gewirkt hatten, Seirens Fähigkeiten die diesen Sonderrang in die Knie zwangen, trieben etwas in ihrer Seele auf. Wild und gierend, loderte es hoch. Es war das Verlangen stärker zu werden.

Ein dämonisches Grinsen trat auf ihre sonst so abgeklärten Gesichtszüge, das schwarze Pochen aus ihrem Herzen bis in die Augen schlagen, die Naginata fest in den Händen. Wollte Seiren das erreichen? Wollte sie, dass sie mehr wollte? Dass sie selbst nach größerer Stärke streben sollte? Maki beäugte die Bewegungen ihres Sensei und das Grinsen was sich auf ihren Lippen entlang zog, als hätte sie ihre Gedanken gelesen, schienen wie eine stille Bestätigung. Scheiße… Innerlich lachte sie unbeherrscht auf. Diese Frau mit der Grausamkeit eines Shinigamis und dem Lächeln eines windigen Sommertages war wirklich ein Buch mit sieben Siegeln. Und das obwohl sie dachte sie allmählich zu kennen. Welch einem Irrglauben sie ausgesetzt war, kannte sie all die Zeit nur eine Seite von ihr. Die freundliche, stets beherrschte Seite. Verdammt, wie dumm sie war.



Kaizen Seiren – Jujuzist – Shinjuku, Industriegebäude


»Ich hoffe du stirbst Tausend Tode.« Sie taumelte leicht als sie den Sonderfluch musterte und die Fluchkraft sich erneut in ihrer Hand zu sammeln begann. Wie ein nebliger Sog ebbte ihre Kraft in die Finger und eine schaurige Kälte schloss sich um ihren Körper. Ein schmales Lächeln verbarg sich unter den hervorgefallenen Haaren. Nicht mehr lange und sie würde das Gleichgewicht verlieren. Ihre Augen zuckten unmerklich zu Maki, die ihr aufmerksam zusah, ein Leuchten so abgrundtief, dass es Seiren mit Stolz erfüllte. Sie hatte es endlich verstanden.

Ein kühler Luftzug fuhr aus der Ferne durch die Halle. Sein leises Wimmern ließ Seiren für einen Moment inne halten und ein Gefühl der Wärme erfasste sie wie ein Schauer. Alles schien stillzustehen. Und mit einem Mal war da noch was. Ein feiner Duft. Nein… jemand. Jemand, der sie in wenigen Sekunden sanft um die eigene Achse gedreht hatte, sodass sie nun den Ausgang im Blick hatte, wo sich bereits drei Köpfe unter dem einsetzenden Regen auf das Gebäude zu bewegten. Sie atmete tief aus, der vertraute Geruch von Limetten und Minze ließ sie die Augen für einen Moment lächelnd schließen. Ruhe flutete ihre Gedanken. Ein wohlwollendes Ziehen ihren Körper. Er war doch wirklich ein schrecklicher Mann. Sie fühlte wie sich sein Rücken leicht an ihren lehnte um ihr Halt zu geben. Seiren drehte den Kopf etwas zur Seite um das ihr so vertraute Profil von der Seite in Betracht zu nehmen – wohl wissend, dass er sie ebenfalls über seine hohe Schulter hinweg ansah, die Augenbinde wie immer über die Hälfte des so schönen Gesichtes gebunden. Verschlagen grinsend.  Satoru...

»Darf ich?« Der neckische Unterton in seiner sanften Stimme ließ sie schmunzelnd die Augen verdrehen, ehe sie sich noch etwas mehr an seine Rückseite lehnte und den dünnen Saum seines Ärmels vorsichtig umfasste.
»Mach was du willst.«

Ein feines Lachen drang an ihre Ohren bevor sich seine Muskeln etwas anspannten und sie seine langen Finger über die Handrückseite gleiten fühlte. Beinahe zärtlich öffnete er ihren Griff und verschränkte friedlich seine Finger mit ihren. Sie beide lächelten. Und kurz darauf ebbte ein gewaltiges Beben durch den Boden und der Sonderfluch löste sich in nicht einmal einem Wimpernschlag in trostlose Asche auf. Seiren blickte nach oben, während sich der Staub durch die Lüfte schwang, den Kopf ruhig zwischen seinen Schulterblättern ruhend, die Berührung ihrer Hände innig auskostend. »Du weißt, dass wir das nicht machen können, Satoru.« Sie spürte, dass er breit Grinste, aber genau wusste was sie meinte. Wenngleich sich sein »Was?« wie der ungläubiger Widerlaut eines Kindes anhörte, das um Unterricht nicht aufgepasst hatte. Seiren fuhr so langsam über die Innenseite seiner weichen Handfläche, dass sie glaubte die Zeit stünde still. Ja, das glaubte sie, hoffte sie. Doch ein Stich zog  wie ein Schneesturm durch ihre Brust und ihr Blick senkte sich ehe  die Stimme beinahe tonlos erklang, die Worte aber schmerzender als Messer auf der Haut schnitten. »Das hier...«  Langsam glitten ihre Finger aus seinen und ein unerträglich kühler Raum trat zwischen sie. »Wir.«
Und damit ließ sie die qualvolle Distanz zwischen ihnen wieder wachsen, seine Wärme wieder verlierend, die Hand aus seiner lösend, fühlend das er einen Augenblick nachgreifen wollte.  Kurz und doch bedeutend. Stillschweigend mit der Schwere von 1.000 unausgesprochenen Worten, wandte sie sich von dem weißhaarigen Mann ab, dessen Nähe sie noch immer aus dem Konzept brachte, und lief ohne sich noch einmal umzudrehen auf die Jugendlichen zu, die bereits auf sie zu warten schienen - seinen Blick deutlich im Rücken fühlend während sie mit den Schülern sprach.

Nachdem sie den Vieren alles erklärt und sich den Freunden von Maki auch zum ersten Mal vorgestellt hatte, kam sie ebenfalls nicht drum herum Kugisaki, Fushiguro und Itadori für ihre Leistung sich den Rachegeistern alleine gestellt zu haben, zu loben. Es war etwas, dass für Schüler aus dem 1. Jahrgang eigentlich nicht zugedacht war. Etwas, dass sie trotzdem, wenn auch mit einer kleinen Unterstützung am Ende, sehr gut gemeistert hatten. Dennoch hatte sie sich im gleichen Atemzug  aber auch bei ihnen für ihr nicht Erscheinen entschuldigt.  Schließlich lag das Leben der Schüler in ihren Händen und sie hatte in diesem Punkt sang und klanglos versagt, in dem sie sich so aufhalten gelassen hatte. Entsprechend entließ sie die Jugendlichen mit gemischten Gefühlen aus den heutigen Auftrag. Dabei eröffnete sie Maki, dass sie jetzt erst einmal zur Schule zurückkehren würde um Yaga von dem Sonderrang zu berichten und dort auch duschen würde, sie entsprechend nicht auf sie zu warten bräuchte. Obwohl das Erste mehr oder weniger gelogen war. Denn Masamichi war um diese Zeit eigentlich nicht mehr dort anzutreffen, was bedeutete, dass sie vollkommen ungestört und ohne Störenfriede die Räume nutzen konnte. Etwas das sie vielleicht runterbringen könnte. Immerhin pochte es noch immer tief in ihrem Inneren und die negativen Gefühle dieses Ortes schienen ihr die Luft abzuschnüren.  
Sie musste hier einfach weg… und das aus so vielen Gründen...



Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. Und 2. Jahrganges – Tokio Jujuzisten High School, nachts


Eine warme Sommerbrise schlich sich durch das hohe Fenster an der Südfront und blies den weißen Stoff der Vorhänge leicht auf. Ein leises Windspiel klang aus der Ferne und Kinderlachen war zu hören während seine Lippen sanft über ihre warme Schulter fuhren. »Sa-satoru! Sto-Stop!« Ihr Lachen hallte glockenhell durch seine Wohnung, ließ ihn schmunzeln. »Bitte!« Verzweifelt versuchte sich die Blondine seiner Umarmung zu entziehen, seinen Griff zu entkommen, doch er ließ sie nicht los und zog sie stattdessen noch ein Stück enger an sich damit nicht ein Zentimeter mehr zwischen ihnen passte. Es war etwas das er brauchte. Ihre Gegenwart und die Leichtigkeit die sie ihm schenkte, wenn sie bei ihm war. So wie heute. So wie jetzt. Und er fühlte ihre holprigen Atemzüge durch seinen Körper pochen, wenn sie sich bewegte, fühlte wie sie sich leicht an ihn lehnte und ihr Becken nach hinten schob, sah die zarte Röte auf ihren Wangen schimmern, wenn sie seinen Blick versuchte auszuweichen. Sie brauchte es ebenfalls. Ihn. Das hier. So sehr, dass sich ein zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnete als er das Ziehen in seinen Lenden spürte. »Sicher, dass du das willst?«

Seiren zuckte kichernd zusammen als er ihr erneut auf die empfindliche Stelle der Halsbeuge pustete und mit seinen langen Fingern langsam unter den Saum ihres verrutschten Shirts wanderte, welches sich bereits den ganzen Tag wie eine Versuchung um ihre Kurven gelegt hatte. Ihn hämisch angrinste, ihn herausforderte sich im Zaun zu halten. Zumindest bis jetzt, wo sie endlich alleine waren und niemand sie sehen konnte. Entsprechend hungrig glitt seine Hand auch zu ihrem Bauchnabel wo er begann innige Kreise zu malen. Immer wieder. Ganz langsam, sie genau beobachtend wie sie sich auf die Unterlippe biss und die Hitze in ihr aufstieg. Ein kurzes Zittern erfasste ihren Körper. Kurz und doch so aufschlussreich. Satoru hauchte ihr charmant über die Ohrmuschel, ein dunkles Glühen in den Augen flackernd. »Sag es, und ich hör auf…«

Sie fuhr ein Stück in sich zusammen. Besonnen pendelte sein Mund über den freigelegten Nacken, hauchdünne Küsse platzierend, sie immer noch fest in der  Umarmung haltend, den Duft von blühenden Yasmin tief einatmend. Ein leises Raunen entkam ihr wie ein Flüstern und ein Pochen ebbte jäh durch seine Glieder wie ein Erdbeben durch die lodernde Landschaft. Ein Pochen so tief und unbeherrscht, dass es immer schwerer für ihn wurde sich zusammenzureißen und es auszukosten, sie noch ein wenig zu ärgern. Doch er merkte wie er immer mehr wollte. Zu intensiv war das Verlangen ihr die Kleidung auszuziehen, sie zu packen und auf seine Hüften zu heben. Sie anzusehen während er sie an die Wand vor ihnen drückte und ihr ein ersticktes Stöhnen entkommen würde. Bodenlos und nach mehr fordernd, die Augen halb offen, die Lippen nur Zentimeter vor seinen, die Hände in seinen Haaren vergraben. Allein der Gedanke ließ ihn beinahe die Beherrschung verlieren und das Blut sich eine Etage tiefer sammeln. Aber er konnte sich zügeln. Noch. Stattdessen zuckten seine Mundwinkel amüsiert in die Höhe als er merkte wie sie sich noch enger an ihn presste und die Finger genüsslich in seine Arme krallte. Ein angenehmer Schauer überkam ihn. Seiren wusste genau was sie machen musste um ihn den Kopf zu verdrehen. Um eine gewisse Reaktion zu bekommen, die sie nun auch deutlich spüren musste. Immerhin war er kein Mann, der die Sachen halbherzig anging. In keinster nur erdenklichen Weise. Entsprechend ließ sie den Kopf auch nun langsam in den Nacken gleiten, der vielsagende Ausdruck und ihre Stimme die reinste Verführung - ein Anblick so sanft wie der kühle Tau am Morgen. »Du bist unausstehlich… S-a-t-o-r-u.« Und da war er, dieser Blick wenn sie ihn bei seinem Vornamen nannte, ihn spielend über ihre Zunge rollen ließ. Dieser sehnsüchtige Glanz, der ihn vollkommen um den Verstand brachte und all seine Prinzipien über Bord werfen ließ. Wieder und wieder. Immer wieder. Für sie. Weil er sie begehrte. Diese Frau. »Ach, scheiß drauf!«




Ein schmales Grinsen trat auf seine Gesichtszüge während er zielgerichtet mit den Händen in den Hosentaschen durch die dunklen Flure der Schule wanderte. Er konnte sich noch genau an diesen Tag erinnern wo ihr Lachen so an sein Ohr gedrungen war. So verführerisch. So frei. Es war der Tag an dem sich nicht nur verräterische Risse durch die Wand seiner Wohnung gefressen hatten, sondern es auch drei Tage gebraucht hatte bis die tiefen Kratzspuren auf seinem Rücken abgeheilt waren. Eine Zeit in der sich Seiren einen Spaß daraus gemacht hatte, wann immer er ohne Shirt rumgelaufen war, ein imaginäres Tic Tac Toe-Spiel anzufangen, dass sie nur allzu gerne im Bett gespielt hatte, während er eigentlich anderes im Sinn hatte.

Tch… Ein amüsiertes Schnalzen echote auf und das Gefühl von damals flackerte deutlich durch seine Brust. Es war dieses Verlangen, sie sehen zu wollen. Und vielleicht war er auch deshalb hier. Ja, vielleicht wollte er wissen ob diese Begierde wirklich noch immer so überwältigend war, oder ob es nicht mehr als eine kurzweilige Faszination über ihre Rückkehr war. Etwas das so schnell verschwand wie es gekommen war. Und insgeheim hoffte er sogar, dass da nichts mehr zwischen ihnen war. Dass er gleich einfach umkehren und gehen würde, sich nicht noch einmal umdrehen und in den Schatten des Mondes verschwinden würde, welcher unlängst hoch am Nachthimmel stand und ihn auf seinen Weg durch die verlassenen Gänge begleitete.  Immerhin waren sie beide älter geworden und keine Jugendlichen mehr. Sie hatten weitergelebt. Wenngleich sie nie offen über das alles gesprochen hatten. Eine Tatsache die Gojo so manches Mal in den letzten Jahren verfolgt hatte. Nicht wenn er auf Missionen oder mit seinen Schülern unterwegs war, das konnte er klar abgrenzen. Es waren die seltenen Situationen wenn er alleine war und ganz und gar für sich blieb. Wenn er so wie jetzt, durch leere Gebäude lief oder nachts durch abgelegene Wälder spazierte und die kalte Luft in seinen Lungen zirkulieren fühlte. Es waren Momente die er nicht mochte. Augenblicke die ihn ablenkten und Dinge ans Tageslicht brachten, die er nicht weiter an sich ranlassen wollte. Nicht mehr. Das hatte er sich damals geschworen. Suguru. Seiren. Fushiguro Toji. Sie alle waren Personen die auf irgendeine Art und Weise Gefühle in ihm hervorbrachten, die er so nie kennengelernt hatte - jene die er zum Teil fürchtete, welche nach denen er sich sehnte und andere die er hasste. Es waren genau diese Gefühle, die er lieber fest verschlossen wusste. Schließlich endeten all diese Begegnungen auf die gleiche Weise….

Mit Verlusten.


Und das war etwas, dass er nicht ausstehen konnte. Die Tatsache, dass er versagt hatte. In so vielen Punkten. So wie heute, als sie gegangen war. Ihn stehen gelassen hatte. Zurecht. Denn sie sollten das alles längst hinter sich gelassen haben. Sollten sie. Hatte er. Dachte er zumindest. Aber egal wie eisern er sich abschotten wollte, als er nun den Klang des Wassers nur wenige Meter vor sich hörte, wie es prasselnd auf den feuchten Boden traf, schien der klar gefasste Gedanke wie ausradiert. Und mit einem Mal fühlte er sich wieder wie ein Teenager, der gerade dabei war etwas Verbotenes zu tun. Etwas, für das Seiren und er bereits mehrfach abgestraft wurden. Und doch kribbelte es in seinen Fingern als er den Duft von Hibiskus einatmete. Lieblich und süß. Ein verschlagenes Grinsen zog an seinen Mundwinkeln während er sich nun quasi dazu genötigt sah, nach dem Rechten zu sehen. Schließlich war es nach Mitternacht und wer wusste schon so genau was alles um diese Zeit passieren konnte, wenn man alleine war. Es galt: Safety first.

Infolgedessen umfasste er ja auch nur aus Sicherheitsgründen die kalte Klinke wobei der akkurate Blick durch die Augenbinde erst einmal durch das schmale Fenster der Duschräume glitt. Nicht, dass er gleich etwas zu Gesicht bekäme, was er eventuell lieber nicht sehen wollte. Doch der heiße Wasserdampf der umher waberte, ließ ihn nur einen Schatten erkennen. Dafür aber einen Schatten den er kannte. Einen, den er mehr als gut kannte, weshalb er auch rotzfrech mit den Schultern zuckte als er ungeniert grinsend das silberne Metall hinunter drückte, die feuchtwarme Luft ihn einladend entgegen strömte. Die Silhouette sah ihn über die Schulter hinweg an. Er fühlte die Spannung. Den Blick auf ihn ruhend. Yare, yare, damit war’s dann wohl mit der Selbstbeherrschung. Mit diesem Gedanken schloss er leise die Tür hinter sich und das verschwörerische Hallen seiner langen Schritte verschmolz beinahe unmerklich mit dem gleichmäßigen Klang des Wassers. Zwei Schatten sich aufeinander zu bewegend, gänzlich verschwommen im Dunst der Hitze.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast