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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
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20.07.2021 3.917
 
I'm not done with you




Kaizen Seiren – Jujuzist - Shinjuku, Industriegebäude, abends

Die schwarzen leeren Augen starrten sie unbeeindruckt an. Nicht einmal ein Zucken war durch den brachialen Körper dieser Bestie geebbt als sie Hautschicht für Hautschicht mit einem einfachen Ruck zertrennt und den Knochen am Ellbogengelenk grob hinaus gebrochen hatte. Keine Schmerzen. Kein Wimmern. Keine Angst, die in den toten Seelenspiegeln aufflackerte und nach "Leben" schrie. Nein, da war nichts gewesen. Nicht ein Funken von menschlichen Zügen. Und wenn man bedenkt wie diese Kreatur aussah, die sich dort vor ihr aufbaute und die Krallen über den Steinboden kratzten, gab es da auch nicht die entfernteste Ähnlichkeit. Im Gegenteil, die langen fast schon spinnengleichen Beine, deren Knie sich wie die Hinterläufe eines Tieres nach hinten bogen, ließen selbst Seiren interessiert aufschauen. Ganz zu schweigen von der nackten grauen Haut die sich um seinen Körper spannte und das aufgerissene Maul aus dem siedender Dampf in die Luft trat und die schwarzen Reißzähne reizend zur Schau stellte. Reißzähne an denen noch dunkles Blut hinab lief und auf den staubigen Boden tropfte.  Immer wieder. Ganz gemächlich. So gemächlich wie er sein letztes Opfer unten in den Katakomben dieses Gebäudes verzerrt haben musste. Einen Menschen, dessen Schreie beim Aufreißen der inneren Organe qualvoll verstumm waren. Seiren verzog angewidert das Gesicht. Dieses Vieh war ein wahres Monster. Entsprechend ließ sie den Sonderrang auch nicht eine Sekunde aus den Augen. Nicht weil sie nicht Herr der Lage war, sondern weil sie genau sehen konnte wie der Impuls seiner Aura immer wieder an ihr vorbei, zu Maki zuckte. Ein Impuls der vollkommen ungezügelt nach Töten lechzte. Und so dicht wie er ihr eben bereits gekommen war, konnte Seiren es nicht zulassen, dass er sie in ihrem jetzigen Zustand zu fassen bekam. Schließlich fühlte sie selbst in diesem Moment wie angespannt ihr Schützling im Schatten ihrer Sicht war, obwohl sie mit dem Rücken zu ihr stand und dieses widerwärtige Vieh vor ihr ausharrte. Und in Anbetracht dieser Aufmachung des Rachegeistes war das auch kein Wunder. Nicht nur das die Umgebung an sich schon eine Zumutung für jeden Jujuzisten war und die größte Disziplin forderte, sich nicht vollkommen der geladenen negativen Aura auszusetzen, nein, der Rachegeist selbst war die reinste Quelle von den schrecklichsten und verfaultesten Gefühlen die es auf dieser Welt gab. Und er genoss es. Die Angst. Den Schrecken. Die Macht. Es war ein abscheuliches Wesen, welches es doch tatsächlich gewagt hatte daran zu denken seine aasigen Reißzähne in sie hinein zu rammen. In Maki. Ihre Schülerin, welche sie um jeden Preis schützen würde. Die Frage ob sie ihn wirklich umbringen wollte, hatte sich in Anbetracht seiner Dreistigkeit damit auch erledigt. Denn ab diesem Zeitpunkt war es ihr vollkommen egal ob dieser Fluch wichtig für die noch immer mehr als unklaren Ereignisse rund um »Sukuna Ryomen « oder sonst wem war. Ab diesem Zeitpunkt zählte für Seiren nur der Fakt, dass sie dieses Vieh, welches wie aus einem Alptraum einer alten Gottheit entsprungen wirkte, zu 100% ins Jenseits befördern würde. Mehr nicht.

»Ey!« Provozierend schnipste sie ihn mit einem dämonischen Lächeln vorm Gesicht herum. »Denk nicht mal dran, dich ihr auch nur einen Zentimeter zu nähern. Bevor du überhaupt einen Schritt machen kannst, reiß ich dich in Stücke.« Und das war keine Drohung, sondern ein Versprechen. Ein tiefes Knurren bebte ihr entgegen. So dunkel und bösartig, dass es selbst die kleinsten Knochen im Körper vibrieren ließ. Seirens Mundwinkel zogen sich herausfordernd in die Breite und man hörte wie eine Klaue drohend über den Steinboden schliff, sich der massige Körper etwas regte. Er starrte sie an. Die lange Zunge leckte sich die roten Rinnsale genüsslich von den Lippen und ein Grinsen begann sich auf seiner unförmigen Fratze zu spiegeln. Die bleierne Schwere in der Luft spannte sich an. »Du bist nicht dumm, Menschenfrau.« Ein tief dröhnender Unterton gellte durch die ramponierte Halle, finster und doch klirrend, erinnerte er an den gedämpften Schall auf verlassenen Krankenhausfluren. »Nein, ich würde sogar behaupten du bist sehr intelligent, Jujuzist. Anders als die dummen Menschen die sich sonst hierher in meine Arme verirrten.« Ein hohles, haarsträubendes Kichern echote ihr entgegen, während er behutsam über seine Verletzung strich und die Krallen anwinkelte. »Es ist faszinierend wie schnell du reagiert hast. Noch bevor ich es überhaupt realisieren konnte war ich auch schon diesen Teil meines Körpers los. Wirklich gut.« Seine schlaksige und doch gewaltige Gestalt sog tief die eisenhaltige Luft ein, sodass sich seine Nüstern-ähnlichen Nasenlöcher aufbliesen. Was für ein Monstrum. »Wirklich interessant und zugleich so traurig, dass du sterben musst. Ich wette wir hätten noch eine Menge Spaß miteinander haben können. Du und ich, und der kleine Happen da hinten.« Beinahe schon glückseliger Natur umfasste er den Rest seines Armes, presste seine Pranke in die Haut und sah sie direkt an. Gierend nach dem Kampf. Lechzend nach dem Klang der Schreie. Lauernd auf das Bevorstehende Blutvergießen. »Aber du bist nun einmal ein Jujuzist und ihr seid mehr als lästig.« Mit einem unansehnlichen Hieb riss er sich den verbliebenen Teil des ausgefaserten Fleisches hinaus und  warf es ihr achtlos vor die Füße. Interessant. Seiren grinste. Ein Pochen pulsierte durch ihre Venen als sie das Blut auf den Boden spritzen sah. Ein Pochen so heftig und elektrisierend wie ein tiefunterdrücktes Verlangen, dass sich vollster Zufriedenheit in ihrem Körper aufbaute. Und sie fühlte es. Die magischen Fähigkeiten mit denen sie geboren wurde. Die Emotionen. Sah es. Die Bilder. Immer und immer wieder.


Längst geschlagene Kriege wie ein Bildnis aus siedenden Öl.
Der metallene Klang von Schwertern in der Ferne.
Der Stolz eines Herrschers glühend wie Feuer.
Vergangene Schlachten eines Soldaten,
aus längst vergessenen Epochen,
wie ein ewiger Kreislauf.


Es kochte in ihr, das alles - das was ihr Blut allmählich in Wallung brachte. Amüsiert ließ sie die schwarze Jujuzisten Jacke über ihre schmalen Schultern bis auf den Boden gleiten und zog ihre fingerlosen Handschuhe aus der Hosentasche. »Glaub mir…« Ihre Stimme war von bitterkalten Hohn durchzogen während sie einen Finger nach dem anderen so anspannte, dass bei jedem noch so unbedeutendem Gelenk ein gefährliches Knacken zu hören war - das grau ihrer Augen beunruhigend hell flimmernd. »…ich werde es genießen dir jeden Knochen einzeln zu brechen.«



Fushiguro Megumi – Schüler aus dem 1. Jahrgang – in der Nähe vom Shinjuku Gyoen Park, gegen Abend


Ein Zischen pochte durch den Himmel und ließ diesen unter derben Schwingungen erzittern. Ein Schatten, pfeilschnell. Ein Ruck durchfuhr die Erde mit einem Knall. Unruhig begann der Boden unter seinen Füßen zu beben. Das Glas der grünen Laternen, die in der Nähe standen, fielen scheppernd hinab. Mit einem tosenden Knall war etwas nur wenige Meter vor Megumi auf den Fluchgeist hinab geschnellt und hatte diesen regelrecht in den Erdboden geschlagen, sodass ein tiefer Krater entstanden war. Vorsichtig reckte er den Kopf um etwas zu erkennen. Doch die aufsteigenden Rauchschwaden machten die Sicht nahezu unmöglich, weshalb er zu seiner „Nue“ blickte, die bis vor wenigen Minuten noch attackiert wurden war. Als er jetzt aber zu seiner hübschen Eule sah wie diese gänzlich unbeschwert durch den bezogenen Zenit flog und ein Kreischen ausstieß, war dieser Fluch augenscheinlich verschwunden. Oder? Er überlegte für einen Moment. Immerhin lösten sich diese Kreaturen nicht einfach auf. Im Gegenteil, gerade wenn sie in der Überzahl waren, nutzten sie jede Gelegenheit um sich einen Vorteil daraus zu verschaffen. Demzufolge war dieses Verhalten mehr als untypisch, weswegen er für einen Moment die Sicht über das gesamte Kampffeld gleiten ließ. Über die Leichen der ausgetriebenen Fluchgeister, die eingestürzten Bäume in der Nähe, das Blut welches dunkel in den trockenen Boden sickerte. Aber nichts. Kugisaki und Yuji schienen selbst überrascht und tauschten verwirrte Blicke miteinander ehe sie auf ihn zu schritten. Megumi bedachte seine Freunde für wenige Sekunden. Beiden waren die Strapazen des Kampfes anzusehen. Schnitte und kleinere Wunden zierten die schweißüberzogenen Arme und Beine und der unregelmäßige Atem war nur lediglich ein Indiz von etlichen weiteren, dass sie alle drei mehr als erschöpft waren. Sie brauchten alle eine Pause.

Fushiguros dunkle Augen wanderten wieder zu der Einschlagsstelle, von wo aus sich nun ein mehr als nur übelriechender Geruch entwickelte. Gänzlich angewidert rümpfte er die Nase und trat etwas an die Kante des Kraters heran, wodurch der Schutt wie Schnee die Mündung hinunterrieselte.  Wie eine kleine Lawine rollten die Überbleibsel in die Schlucht bevor sie schließlich an einen Hindernis stoppten. Seine Irden blieben ebenfalls daran hängen. An etwas, das wie ein Bein aussah, welches aber in einem ungesund aussehenden Winkel vom Rest des Körpers abstand und in den Himmel zeigte. Einfach Abartig. Megumi kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf während auch seine beiden Kollegen neben ihn zum Stehen kamen und ebenso abgeneigt die Gesichter verzogen. Irgendwas stimmte hier nicht. Denn während sich der Rauch allmählich legte, konnte man erkennen, dass es genau der Fluch war, der sich zuvor mit seiner »Nue« angelegt hatte, welcher mitten auf die Erde gekracht und nun nicht mehr als ein Haufen von Überresten war. Aber dieses Vieh war nicht einfach so hinabgestürzt. Nein, er wurde mit einer rostigen Eisenstange durch den Kopf aufgespießt, sodass es von Megumis Position tatsächlich so aussah, als würden Teile des Hirnes an den modrigen Widerhaken fest sitzen und langsam am Metall hinab rutschen. Ganz besonnen, ohne Eile. Es war eine Ansicht die Fushiguro sichtlich anekelte. So sehr anekelte, dass er allein beim Hinsehen genau sagen konnte, wessen Handschrift das war und wer zu sowas in der Lage war.

»Oi, oi, oi! Megumi!«

Ah. Und da war er auch schon. Dem Schwarzhaarigen entkam ein schweres Seufzen und dunkle Schatten bildeten sich unter seinen Augen als er gen Himmel blickte und die schillernden weißen Haare und die ausgestreckte Hand erspähte, die ihnen da freudig entgegen wedelte. Vom leuchtenden Grinsen mal ganz abgesehen, welches manchmal penetranter als die Sonne selbst zu strahlen schien und geradewegs auf sie zukam. Gojo Satoru.

»Ich habe Mochis mitgebracht, wenn ihr wollt! Sind einfach köööstlich!« Lachend drehte er die weiße Tüte an den dünnen Henkeln um seinen ausgestreckten Zeigerfinger und blieb mit einem vergnüglich musternden Blick vor ihnen stehen. Ganz einfach. Ganz schlicht, als wäre er eben mit einem kleinen Präsent aus einem Laden spaziert. Megumi entkam ein finsteres Grummeln. Hatte dieser Typ doch tatsächlich die Frechheit vollkommen Sorgenfrei mit irgendwelchen Süßkram vor ihrer Nase herum zu wedeln, nachdem sie mehr als nur die Schnauze voll hatten und einfach nur unter die Dusche wollten. Als würde jetzt noch einer von ihnen so was essen können!
»Mhmmm, die sch-ind ja kö-scht-lisch!«
Das vergnügte Schmatzen von Yuji neben seinem Ohr und das raue Knistern des Papiers, wie seine Hand immer wieder gierig hineinlangte, ließ sein Auge angespannt zucken. Gojos zufriedenes  Grinsen das daraufhin Millimeter vor seinem Gesicht aufflimmte, wie eine Ohrfeige. Wo war er eigentlich hier gelandet?



Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahrgang  - Shinjuku, Industriegebäude, abends


Wimmernde  Winde. Eisiges Feuer. Flammen, getaucht in sündenlosen Weiß. Eine Kälte so beißend, dass sich ihr warmer Atem vor dem Mund zu kräuseln begann, vor ihr eine Dunkelheit die aus den Schatten nach Verderben und Tod verlangte. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen sah Maki wie die sonst so friedlich wirkende Aura ihres Sensei in vollster Ekstase in die Höhe schlug und mit der unkontrollierten Energie des Sonderfluches aneinander geriet. Wie zwei wilde Tiere fielen sie übereinander her, verkeilten sich ineinander und stießen bei ihrem Aufprall abscheulich grelle Laute aus, die selbst das Glas der Fenster splittern ließ. Weiß und Schwarz. Finsternis und Licht, ein ewiger Konflikt wie die Verdammnis und der Segen. Scheiße! Maki hielt sich schützend die Hände vors Gesicht als eine gewaltige Druckwelle durch die Halle schepperte und an ihren Körper wie reißende Stürme an den Klippen der Küsten zerrte - der Wind ihr ruhelos entgegen fauchend.  Maki konnte nicht anders als etwas in die Knie zu sinken während sie versuchte den Blick auf das Geschehen zu halten. Etwas das gar nicht mal so leicht war. Dennoch konnte sie konnte sich irgendwie halten und erkannte zu ihrem Entsetzen zum erste Mal, was allein das Aufeinandertreffen der Fluchkräfte von hochrangigen Jujuzisten und Sonderflüchen anrichten konnte. Tiefe Risse, so gewalttätig wie eine Naturgewalt selbst, fraßen sich aufgeregt durch die hohen schmutzbezogenen Wände und drückten sie an einigen Stellen langsam auseinander. Der dicke Beton unter ihnen war so einfach aufgebrochen, dass man denken könnte, dass ein Kind ein zartes Baiser-Stückchen von einer Torte in der Hand zerbrochen hatte. Ganz simpel. Ganz einfach. Es war ein Anblick, ein Gefühl, dass sie dort erfasste, welches sie regelrecht zu erdrücken versuchte. Welches ihr klar machte, dass diese beiden dort, auf einem völlig anderen Niveau waren als sie es war. Die Zenin-Erbin musste schwer schlucken als sie erkannte, dass sich in der brodelnden Aura des Sonderfluches etliche Augen gebildet hatten. Augen die sie anstarrten. Vergnügt sich zu Schlitzen formten. Sie zu verschlingen versuchten. Sie packten. Ganz gemächlich. Stück für Stück, immer weiter.

»Maki!?«

Ein Zischen. Ihr Kopf zuckte hoch. Die lilienweiße Aura von Seiren war wie eine Stechflamme vor ihre Sicht gesprungen und schien sie warnen zu wollen, nicht noch länger in diese unheimlichen Augäpfel zu blicken. Eine Anweisung die sie stumm zur Kenntnis nahm und zu ihrem Sensei sah, dessen besonnene Stimme trotz der fahrigen Geräusche so klar zu verstehen gewesen war, dass man glauben könnte, dass sie direkt neben ihr eine Einkaufspassage hinablief und sie anlächelte. So wie vor wenigen Minuten. So wie sie es immer tat. Doch ihr Blick war eisig und klirrte vor arktischer Distanz während das leichte Schmunzeln auf ihren Lippen im vollsten Kontrast zu ihrem ganzen Auftreten stand. Beinahe nichts an ihr wirkte noch wie die sonnengleiche Frau, die ihr morgens nach dem Duschen lachend das Müsli wegnahm oder abends zwischen etlichen Berichten schmatzend am Schreibtisch einschlief und mit Kugelschreiberstrichen im Gesicht aufwachte. Nein, diese Frau jetzt, freute sich auf den Kampf und ließ den Fluchgeist der gefährlich die Klauen anspannte und etwas in die Hocke glitt nicht eine Sekunde aus dem Blickfeld gleiten. Wie ein Raubtier lauerte er vor der Blondine. Wartend auf den richtigen Augenblick. Maki verzog das Gesicht. Seine lange Zunge blitzte zwischen den schwarzen Reißzähnen auf und der heiße Dampf aus seiner Kehle stieg in kleinen Wölkchen in die kühle Luft. Die Spannung wurde immer schwerer. Und mit einem Mal hörte auch das wilde Pochen von Seirens Fluchkraft auf und zog sich in vollster Beharrlichkeit um ihren Körper zurück. Ein freches Grinsen flog über ihre Gesichtszüge ehe sie ihr für einen Bruchteil einer Sekunde zuzwinkerte.

»Ich möchte, dass du gut aufpasst. Das ist deine erste Stunde in Bezug auf Sonderränge bei mir.«

Bitte was? Mit einem Brüllen so entsetzlich laut, das er das gesamte Gebäude erzittern ließ, war der Sonderfluch auf Seiren zu geschossen, hatte die Brillenträgerin zusammenfahren lassen. Schrille Funken blitzten da auf, wo seine gewaltigen Klauen auf den Stein schlugen. Lange Kratzspuren zogen sich über den Boden, rissen den Baustoff beinahe vollkommen auf. Sie mochte sich gar nicht vorstellen wie er all die Menschen mit diesen Dingern ausgeweidet und sich an ihren Innereien ergötzt hatte. Männer. Frauen. Kinder. Alte. Junge. Sie alle waren ihn schon zum Opfer gefallen. Diesem widerlichen Monster, welches nun auch ihren Sensei wie ein wildes Tier auf der Jagd fixierte und töten wollte.



Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrganges auf dem Weg zum Industriegebäude


Die schwüle Sommerbrise fuhr ihn durch das Haar, trug den Geruch von Blut wie ein derbes Parfüm durch die Luft. Ein vergnügtes Grinsen trat auf seine Mundwinkel als er durch den Himmel glitt und das Grollen des Donners aus der Ferne an sein Ohr drang. Ein verlockender Klang. Roh und derb wie das heranbrechen eines Krieges. Tief sog er den vibrierenden Sauerstoff ein während er die grünen Landschaften und die Gebäude an sich vorbeiziehen sah. So viel zu einem einfachen Arbeitstag, was Seiren? Er blickte gen Westen und konnte sich ein kurzes, enthusiastisches Schmunzeln nicht verkneifen. Selbst aus dieser Distanz fühlte er deutlich wie ihre Aura regelrecht pulsierte, wie sie freudig durch die Atmosphäre zuckte, sich aufbaute und danach verlangte endlich voll eingesetzt zu werden. Das unschuldige Weiß in ihrem Inneren, es lechzte nach blutiger Befreiung. Aber würde sie ihr diese auch geben? Eine Frage die er gerne am Schauplatz des Geschehens beantwortet haben würde. Immerhin kam es äußerst selten vor, dass Seiren ihre Kräfte überhaupt so in Fahrt kommen ließ. Eine Tatsache die er gewiss ausnutzen musste. Schließlich wollte er mit eigenen Augen sehen ob sie den Sonderrang als Herrscherin ihrer Welt zu Staub und Blut zerfallen ließ, ihn hinrichten würde, oder ob sie als ewige Soldatin den Klang des Krieges lauschen würde, den Kampf genüsslich auskostend. Mh… für was würde sie sich wohl entscheiden?

Sein vergnügter Blick fiel auf die schwarze Limousine die etwas abseits von ihm, unten auf der Landstraße fuhr. Nachdem seine drei Schüler ihn darüber in Kenntnis gesetzt hatten, dass Maki und Seiren sich wohl verspäten würden, hatte er Ijichi angerufen und nach genaueren Informationen gebeten, damit er sich ein Bild von der gesamten Situation machen konnte. Immerhin war es für Seiren eigentlich nicht typisch sich derart in lapidaren Angelegenheiten zu verstricken, die das Wohlergehen von Schülern beeinflussen konnte. Dass es sich bei dem Fluch in dem Industriegebiet abseits von Shinjuku, wo sie sich aufhielt, nun aber tatsächlich um einen Sonderfluch handelte, machte die ganze Lage noch einmal spannender und erklärte auch ihre Abwesenheit. Vor allem wenn man bedenkt was für Kräfte dieser Sonderrang aufgrund diesen verdorbenen Ortes haben musste. Ihm selbst hatte es die Nackenhaare massiv aufgestellt als Ijichi auf die abscheulichen Einzelheiten eingegangen war und von den letzten Vorfällen mit den geschändeten Kindern berichtet hatte, die die Presse doch tatsächlich versuchte zu verschleiern. Einfach so.

»Tch!« Monster. Menschen. Flüche. Ja, manchmal hatte er wirklich das Gefühl, dass sich keiner von diesen drei Spezien voneinander unterschied. Im Gegenteil, manchmal glichen sie sich diese Schweine wie der eine dem anderen. Mit dem einen kleinen Unterschied, dass Menschen im Stande waren zu bereuen, zu fühlen. Flüche und Monster hingegen, lebten allein für den Spaß am Töten. Für das Leid. Die Furcht. Es war in ihren Genen verankert, wie bei Menschen der Wille zu überleben. Entsprechend hatte Satoru auch nicht einen Funken Mitleid mit diesen niederen Wesen, wenn er sie von dieser Erdoberfläche tilgte. Und Seiren bildete da keine Ausnahme, das wusste er. Sie kannte keine Reue oder Zögern bei einem Rachegeist. Vor allem dann nicht, wenn ein Schüler, oder in diesem Fall sogar vielleicht Maki in Gefahr wäre. Nein, sie würde ihn ohne mit der Wimper zu zucken austreiben. Da war er sich mehr als sicher. Denn das was viele erst begreifen mussten, damals wie auch heute, war das diese Frau mit jenem sanften Lächeln, sehr grausam sein konnte. Mehr noch, sie war wirklich jemand den man nicht bis zum äußersten Reizen wollte. Nicht wenn, man ein unbedeutender Fluch war, der es wagte ihren Weg zu kreuzen. Seinen Schützlingen, die ebenfalls dort unten auf den Weg zum Industriegebäude waren, hatte er nur sporadische Details über die Geschehnisse dieser Anstalt erzählt, damit sie sich nicht weiter damit zu beschäftigen brauchten. Zumindest nicht heute. Nicht nachdem sie mehr als ausgezeichnete Arbeit geleistet und die Rachegeister ausgetrieben hatten - und das beinahe ganz ohne seine Unterstützung. Folglich konnte er mehr als mit Stolz angeschwollener Brust behaupten, dass sich Megumi, Nobara und Yuji  immer besser als Jujuzisten in dieser grausamen Welt machten und er gespannt darauf warten konnte, was diese drei noch alles auf die Beine stellen würden - wie sie eine neue Generation von Jujuzisten bilden würden. Sein Lächeln wurde breiter als er einen einsamen Sonnenstrahl durch die Wolkendecke brechen sah.

Ja, es war mehr als spannend, wenn man die Zukunft nicht kannte.




Kaizen Seiren – Jujuzist - Shinjuku, Industriegebäude, abends


Polarische Klarheit glühte in ihren Pupillen während sie auf die Bestie zu rannte. Sie fühlte wie die Fluchkraft sie schneller werden ließ, sie antrieb, sie hochjagte. Weiter. Immer weiter. Fühlte die Kraft, welche sich in ihren Muskeln sammelte, die Stärke in ihren Beinen. Ohne den Blick vom missgestalteten Kopf der Kreatur abzuwenden, sprang sie nach vorne, spürte wie alles an ihr vorbei rauschte – der Wind sie umfasste und alles für einen winzigen Moment verschwand. Alles für einen Moment in Stille versank. Doch die Schwerelosigkeit durchdrang ihren Körper wie eine Orkanböe die Wälder und ein Lächeln flackerte sogleich über ihre Gesichtszüge als sie neben dem knurrenden Biest auftauchte - sein Augapfel sie groß und aufgerissen anstarrend. Ihr provokantes Schmunzeln spiegelte sich in seiner schwarzen zu Schlitzen geformten Pupille, die Faust in der sich ihre Fluchkraft sammelte, wie ein fallender Stern hinabstürzend.

Doch meiner derben Bewegung drehte sich der gewaltige Körper um die eigene Achse, die Klauen kratzten schrill über den Steinboden und die langen Reißzähne schnappten ihr ohne Überlegung entgegen, blockten ihren Schlag ab. Die Luft zischte. Der ausgestoßene Sauerstoff kristallisierte. Eine weitere Druckwelle brach durch die Atmosphäre und ihre Aura zuckte flammengleich in die Höhe. Seiren konnte den fauligen Atem dicht auf ihrer Haut fühlen während sie zur Seite ausgewichen war und etwas abseits zum Stehen kam. Ihr Blut kochte vor Freude. Sie  taxierte den Sonderfluch, der sich gerade neu ausrichtete, in hohnreicher Manier und verlangte mit einer frechen Handgeste, dass er ruhig kommen solle und bleckte amüsiert die Zähne. »Ich warte.«

Wie ein ausgehungerter Wolf starrte er sie an, nach Blut dürstend die Krallen fest auf den Boden gedrückt. Ein dunkles Grummeln vibrierte durch die Halle. Es war tief und unheimlich, lechzte nach dem Klang von aufreißender Haut. Und dann kam er. Direkt auf sie zu. Ohne zu zögern, seinen triebgesteuerten Instinkten vollkommen erlegen, setzte er  erneut zum Sprung an, die Klauen blitzend, seine Stimme drohend. »Ich werde es genießen all deine Eingeweide rauszureißen, Weib.« Seine Augen glühten verdorben. »Doch zuerst werde ich mir die Kleine dort hinten schnappen.« Was?

Mit einem Mal löste er sich auf. Gierende Schattenarme hatten sich unter ihn im Boden gebildet und in eine andere Dimensionszone gezogen. Eine Dimension die sich geradewegs, einige Meter vor ihrer Schülerin wieder öffnete und ihn mit einer unglaublichen Geschwindigkeit hinausbrechen ließ. Eine Tatsache die Seiren ein wenig nervte. Immerhin hatte sie ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass sie ihn in Stücke reißen würde, wenn er auch nur einen Schritt auf Maki zu machte. Damit hatte er sein Ableben selbst um ein vielfaches beschleunigt und ihr den Spaß an diesen Kampf genommen. Seufzend verdrehte sie die Augen, streckte die Hand aus, ließ die Finger aufeinander treffen und ein lautes Schnippen ertönte wie ein Glockenschlag. Am Ende war auch dieser Rachegeist nicht mehr als eine herbe Enttäuschung. Noch ehe sich dieses Vieh versah, hatte sie mit Maki die Plätze getauscht, wodurch sich ihre Blicke wie sengende Alpträume bei Mitternacht trafen.

Augenblicklich begann die Luft zu klirren. Die Kälte zog an und in Seirens rechter Hand manifestierte sich etwas, das wie ein Speer aussah. Ein Speer aus gleißendem Licht, der von ihr fest umschlossen wurde. Ihre grauen Pupillen fixierten den belfernden Sonderfluch wie er immer näher kam, der Klang ihrer sanften Stimme nur ein Raunen in der Einsamkeit. »…Judgement...« Und noch ehe ein Wimpernschlag vergangen war, brach der Speer mit einem heillosen Kreischen durch die Ebene und durchbohrte die Schulter des Sonderfluches mit all seiner Herrlichkeit - riss das Fleisch in Fetzen und brach die Knochen wie die Schale einer Auster auf, ließ das dickflüssige Blut wie ein Wasserfall auf die Erde prasseln. So schön. So rot. Immer mehr. Das Brüllen was daraufhin erklang, war so entsetzlich, so qualvoll, dass jeder andere diesen Fluch wohl einfach ausgetrieben hätte. Es beendet hätte. Aber Seiren war noch nicht fertig mit ihm. Im Gegenteil. Sie hatte erst angefangen.
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