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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
25
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Dieses Kapitel
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11.07.2021 3.937
 
Ok, now you got my attention.



Fushiguro Megumi – Schüler aus dem 1. Jahrgang in der Nähe vom Shinjuku Gyoen Park, gegen Abend

Blutspritzer klebten ihm im Gesicht. Ein fremder Geruch. Schweißtropfen rannen schwer über seinen verspannten Nacken. »Wo bleibt Zenin-senpai!?« Er wich dem Fluchgeist mit einem Schritt aus, während seine Nue mit mordlustigen Blick und deutlich verkleinerten Pupillen von oben hinabstürzte. Hinab auf dieses Monster vor ihn. »Los Nue!« Pfeilschnell rauschte sie durch den tristen Himmel der wie ein böses Omen auf sie alle hinab schielte und stieß ein schrilles Kreischen aus, das durch das Kampfgeschehen schrillte. Ein dunkles Gurgeln war zu hören. Ohne große Probleme hatte sein fedriger Begleiter dieses mehr als widerlich aussehende Monster erlegt und dessen grünlich, schleimige Kehle mit seinen gewaltigen Krallen zerfetzt. Etwas angewidert wand er den Blick ab. Das dickflüssige Blut, welches wie eine Fontäne aus dem aufgerissenen Hals hochspritzte und laut auf den Boden plätscherte, stieß ihn tatsächlich etwas übel auf, weshalb er sich seinen Kameraden widmete, die sicherlich Unterstützung brauchten.

»Echt, ey! Kugisaki, wo bleiben die anderen!?«Yuji, der kurz den Blick mit der Braunhaarigen suchte, blockte gerade mit überkreuzten Armen vor der Brust den Angriff eines anderen Fluches, der tatsächlich etwas wie Glieder besaß und rutschte paar Meter über den Asphalt. Dieses Vieh vor ihm hatte eine abartig dunkelrote Farbe, Schuppen wie die eines Krokodils und wirkte im Gegensatz zu den anderen Flüchen noch mit am menschlichsten. Und genau das beunruhigte Megumi zunehmend.

»Sie hat geschrieben, dass sie sich verspäten! Wir sollen durchhalten.«, tönte Nobaras jungenhafte Stimme durch den ausufernden Lärm, was Megumi sichtlich angespannt den Kiefer aufeinander pressen ließ. Seit einigen Minuten waren sie schon hier am Kämpfen und versuchten diese Flüche nacheinander auszutreiben. Aber das war alles andere als leicht. Selbst wenn es nur scheinbar simple Fluchgeister waren, die ohne besondere Fähigkeiten agierten, so hielten diese sie dennoch gut in Schach. Ganz so als wollten sie verhindern, dass die drei von hier weggingen. Weg von diesem Platz. Aber wo sollten sie sonst hin? Was hätten sie davon? Er blickte zu Yuji, der mit einer gewandten Bewegung dem Hieb des Monsters ausgewichen und unter seinen Beinen hinweg gerutscht war. Er war deutlich flinker als noch vor einigen Wochen. So flink, dass dieses Vieh vor ihm sichtlich Probleme hatte ihn zu packen. Dennoch… Megumi fixierte den Fluchgeist. …irgendwas war anders an dieser Erscheinung. Es besaß große schwarze Augenhöhlen, die so finster wie die Nacht selbst erschienen, ein aufgerissenes Maul mit gewaltigen Reißzähne die gerade nach Yuji schnappen wollten und so etwas wie einen flachen runden Lautsprecher mitten auf der Brust, der immer mehr zu pulsieren schien. Oh scheiße! Es durchfuhr ihn wie eine böse Vorahnung. Seine Hand glitt nach vorne, als wolle er den Pinkhaarigen so aus der Entfernung greifen wollen, ihn wegzerren. »Yuji! Lauf – «weg! Schmerzen. Heillose, laut auf schrillende Schmerzen. Megumi schlug sich die Hände auf die Ohren. Das schreckliche Geräusch als die Zähne aufeinandertrafen war grauenvoll laut gewesen und stieß eine Art Schall aus, der reißerisch wie eine Flutwelle durch die gesamte Umgebung brach, sie fast schon vollkommen unter sich begrub. Verdammt! In was für eine Scheiße waren sie hier eigentlich reingeraten?



Kaizen Seiren – Jujuzist – Shinjuku, Industriegebäude, abends


Ein kalter Wind kam auf als sie vor dem stillgelegten Gelände einen Augenblick stehen blieben. Es lag etwas abseits von der direkten Stadt, aber dennoch nah genug, damit sich hin und wieder Menschen hier her verirrten und auf mysteriöse Weise verschwanden. Zumindest wollte es die Presse der Bevölkerung so in etwa weiß machen. Dabei stank dieses ganze Gebiet nur so nach voranschreitender Verwesung und blutdurchtränkter Erde. Es würde sie noch nicht einmal wundern, wenn hier noch irgendwo verscharrte Leichenteile versteckt wären. Irgendwo hinter dem Bauwerk, vielleicht auch direkt dort wo sie standen. Für einen Moment nahm sie ihre Schülerin in Betracht, sah wie sie bereits versuchte die Lage zu analysieren, wie ihre Pupillen über alle Unebenheiten hinweg glitten. Seiren ließ die Hände locker in den Jackentaschen verschwinden ehe sie das verlassene Industriegebäude selbst noch für wenige Sekunden bedachte. Es war ziemlich herunter gekommen und die Jahre waren nicht spurlos an der bröckelnden Fassade und den eingeschlagenen Fensterscheiben an der Front vorübergegangen. Die einstmals dunkelroten Ziegelsteine, die ihr abwechselnd im Schachbrettmuster entgegen starrten, waren unlängst verblasst und das große Metalltor durch das man in das Gebäude hineingelangte, baumelte so instabil an den rostzerfressenen Verankerungen über den Boden, das es nur eine Frage der Zeit war, wann es hinabstürzen und jemanden unter sich begraben würde. Und wenn man bedenkt was dort alles schon passiert war, welche wiederwertigen Taten in den entlegenen Katakomben der Hallen begangen wurden, war es kein Wunder das es den Viechern da so behaglich vorkam. Es war die reinste Spielwiese für Flüche aller Art die sich an dem Leid anderer laben wollten. Entsprechend sollte Maki bei der geballten Konzentration an Fluchkraft die von dem gesamten Areal ausging, eigentlich in der Lage sein die Anzahl der Flüche zu bestimmen, die sich dort drinnen verschanzt hatten. »Und wie viele spürst du?«

»Fünf.« Eine klare, präzise Antwort. Maki besah sie mit nüchternen Ausdruck, vollkommen unbeeindruckt, die Lieder halb gesenkt und zeigte ihr nacheinander an, wo sich wie viele von denen niedergelassen hatten. Seiren pfiff lobend. Nach ihrer Aussage waren jeweils zwei im Ersten - und dem Erdgeschoss zu finden und einer hockte irgendwo im Kellerabteil. Seiren selbst aber hatte noch einen weiteren ausmachen können, der aber weit, sehr weit im Untergrund saß und demnach Maki mit ihren jetzigen Fähigkeiten verborgen geblieben war. Sie hingegen sah die zuckende Aura in einem bedrohlich wirkenden Blutrot in der Dunkelheit flackern. Ein ungutes Gefühl beschlich sie bei diesem Anblick. Um den würde sie sich wohl selbst kümmern müssen. Ohne sich was anmerken zu lassen, schmiss sie mit einem gesunden Tritt den silbernen, engmaschigen Absperrzaun auf, vor dem sie gestanden hatten. Dabei fiel das gelb-schwarze „Betreten auf eigene Gefahr“-Schild klappernd auf den staubigen Kiesboden, welches Seiren aber ganz ungeniert ignorierte und einfach drüber hinweg stieg, den mit Rissen überzogenen Weg hinaufstiefelnd.

»Was ist hier eigentlich noch passiert?« Maki lief mit ihrer Naginata versetzt zu ihr und schien ebenfalls die bedrückende Atmosphäre zu fühlen, die wie ein Vorhang über dem Gebiet hing und immer schwerer wurde. Zwar hatte es sich bei ihrer Frage nach eine Beiläufigkeit angehört, doch der Fakt, dass sie den Griff ihrer Waffe etwas fester umfasste, sprach eher für das Gegenteil. Sie wusste, dass das hier mehr als nur ein einfaches Gebäude war. Und da hatte sie vollkommen Recht. Das hier war eine regelrechte Brutstätte für Flüche und andere Monster. Aber so leicht wollte sie es ihr nicht machen. Sie sollte verstehen wie groß das Leid und das Grauen an diesem Ort waren, auf dem sie geradewegs zusteuerten. »Sag Maki, was glaubst du ist das schlimmste für Eltern?« Unbekümmert schoss Seiren einen kleinen Stein den Weg hinauf. Als er die aufgerissen Blechdose am Ende des Pfades traf, hallte es wie ein kleines Echo. Kalt und hohl. Und nichts anderes, außer das leise Wimmern des Windes war zu vernehmen. Maki verfolgte das Geschehen vollkommen unberührt und antwortete in einer solch nüchternen Tonlage, dass man meinen könnte, dass sie das alles hier wirklich vollkommen kalt ließe. »Der Tod des eigenen Kindes, nehme ich mal an.«  Seiren nickte mehr als knapp ehe sie noch weiter nachsetzte während sich der Himmel über ihren Köpfen immer weiter bezog. »Aber hier sind Kinder nicht einfach gestorben, Maki.« Ein Grollen war aus der Ferne zu hören, Seirens Finger spannten sich in der Jacke etwas an und ihre sonst eher weichen Gesichtszüge wurden ernst. So ernst, dass auch Maki langsam zu dämmern schien was hier tatsächlich passiert sein musste. »Sie wurden geschändet, vergewaltigt und gedemütigt. Ihre Kleidung wurde wie  ihre unschuldigen Kinderseelen zerrissen und in Abermillionen Teile zerfetzt. Ohne Reue oder mit der Wimper zu zucken wurden ihnen unerträgliche Schmerzen zugefügt. Schmerzen die niemand erleiden sollte. Von Menschen die einfach nur Spaß an der Freud hatten.« Aus dem Augenwinkel war zu erkennen wie die sonst so unbeeindruckte Brillenträgerin, sie entsetzt anstarrte, Mühe hatte diese Information zu verarbeiten. Aber das war nun einmal die Realität. Eine unbarmherzige, niederträchtige Wahrheit die sich vor ihrer aller Augen auf der ganzen Welt abspielen konnte. Seiren atmete tief aus und blieb stehen um Maki noch einen letzten Hinweis zu geben. »Dort, wo wir gleich reingehen werden, ist der geballte Hass und die sengende Trauer von so vielen Menschen verankert, dass es den Flüchen wie ein Festessen vorkommen muss. Also pass auf, dass du dich nicht zu sehr in deinen Zorn hineinsteigerst. Diese Flüche werden wohlmöglich stärker sein als sie auf den ersten Blick erscheinen werden.«



Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrgangs - Tokio, abends


Nachdenklich schlenderte er durch die Gassen Tokios und rieb sich mit der flachen Hand über den Nacken. Die letzte Nacht war doch anders gelaufen als er es sich vorgestellt hatte. Nicht nur, dass dieser Sonderfluch eine herbe Enttäuschung war und ihn nicht einmal ins Schwitzen gebracht hatte, nein dieser weinerliche Abklatsch musste im Vorwege natürlich alle anderen niederen Insekten ihrer Art hochschrecken und durch halb Japan scheuchen. Dieser Mistkerl hatte Arbeit verursacht und das nervte Satoru sichtbar. Denn auch er war einer der glorreichen Auserwählten die nun auf die Suche nach den Entflohenen gehen durften. Dabei hatte er definitiv Besseres zu tun als seine Zeit damit zu verschwenden diesen unbedeutenden Knechten hinterher zu rennen, die auch jeder andere Jujuzist mit ein wenig Können kalt machen könnte. Da benötigte es mit Sicherheit niemanden wie ihn, für den die kleinen Fische eher als Zeitvertreib dienten und nicht als „Prioritäten Stufe 1“ galten. Obwohl der Sonderfluch vor ein paar Stunden jetzt auch nicht gerade die Krönung der Schöpfung war. Und für so etwas Jämmerliches wurde er um seinen nächtlichen Ausflug gebracht. Ein fast schon hinreißendes Schmunzeln überkam ihn bei dem Gedanken. Doch ein Gutes hatte das Ganze Chaos ja. Die blonde Eisprinzessin musste ebenfalls schon wieder los und aktiv mit seinen ach so wundervollen Schülern ackern. Und das war etwas, dass ihn ein solches Vergnügen bereitete, dass er sichtlich beschwingt zu Grinsen begann und sich die Mundwinkel unaufhörlich in die Breite zogen, dass er sogar glaubte ihr Fluchen bis hier in die Stadt hören zu können. Ja, der kichernde Schalk saß ihn wie ein ständiger Begleiter auf der Schulter und machte das Leben mit seiner losen Zunge deutlich erträglicher. Zumindest wenn diese kleinen Späßchen auf die Kosten der Anderen gingen. Nicht das er selbst keine Scherze verstand, das tat er, aber es war halt lustiger, wenn er die Menschen ein klein wenig Hobs nehmen konnte und nicht andersherum. Selbstverständlich nur bis zu einem gewissen Maß, versteht sich… auch wenn er vielleicht dann und wann mal ganz vielleicht etwas über die Stränge geschlagen hatte. Aber naja, ein bisschen Spaß muss halt mal sein.  

»Schau mal, Mama! Sind diese Blumen nicht schön?«

Mhm? Satoru horchte auf und blieb mit einem langsam nachlassenden Lächeln vor einen kleinen blonden Kopf stehen, welcher auf der Straße vor ihm freudig hin und her wippte und am Kleid der Mutter zupfte. Voller Sanftmut tätschelte diese ihrer Tochter über den Haaransatz, bedachte Satoru mit einem ebenso sanften Lächeln und nickte, ehe sie ihr ein blaues „Vergiss mein nicht“ vorsichtig hinters Ohr steckte und sie an die Hand nahm. Das kleine Mädchen hingegen strahlte wie die Sonne als sie ihre Mutter ansah und dann auch ihn mit den großen azurblauen Augen anstarrte. Augenscheinlich fasziniert von seinem Anblick, erklang ein glockenhelles Kichern, das ihn tatsächlich ein wenig weich werden ließ. »Deine Haare sind genauso wunderschön weiß wie diese Blumen da!«
»Mh?« Er folgte ihrem kleinen ausgestreckten Zeigefinger und musste beim Anblick der Blume unweigerlich schmunzeln, ehe er ihr ein herzliches Lachen schenkte. »Und da hast du vollkommen Recht!«, filigran hob er den Zeigefinger in die Luft und beugte sich leicht zu ihr hinunter, dass sie das strahlende Blau seiner Augen erhaschen konnte. Ein Funkeln trat in ihre Pupillen. »Nur das meine Haare viiiiel viel weicher sind!«, und zupfte sich spielend mit einem überspitzten Tonfall an seinen feinen Strähnen, die das Kind voller Begeisterung musterte. Beinahe schon automatisch streckten sich die Hände ihm entgegen. »Darf ich mal anfassen?« Gojo suchte für einen Moment den zustimmenden Blick zur Mutter, welchem sie ihm mit einem hinreißenden Lächeln auch gab. Entsprechend beugte er sich noch etwas tiefer zu dem kleinen Blondschopf und fühlte auch bereits wie sie mit ihren schmalen Händen durch sein Haar fuhr, ein wenig damit spielte und daran zupfte. Die Augen waren größer als Teller und das folgende Kichern herzlicher und feenhafter als zuvor. Mit einem langgezogenen »Wow« entließ die Kleine ihn aus ihrem reizenden Griff und nahm wieder die Hand ihrer Mutter. »Die Haare sind so weich wie die von einer Perserkatze!« Was? Satoru legte halblächelnd den Kopf schräg wobei sein Mundwinkel etwas angespannt zuckte. Die Mutter hielt sich kichernd die Hand vor den Mund. Eine Katze also?

Die beiden verabschiedeten sich höflich und er sah ihnen noch kurz hinterher wie sie in der Menschenge verschwanden. Danach wanderte seine sichtlich erheiterte Aufmerksamkeit zurück zu der Blume auf die das bezaubernde Mädchen gezeigt hatte. Und diese strahlte reiner als der Neujahrsschnee. Sie erinnerte ihn wieder an den Tag, an dem er zum aller ersten Mal diese wunderschönen Blüten wirklich wahrgenommen hatte…
 

...☼...☼...☼...

»Nein, warte bitte…« Ohne zu zögern griff er nach ihrer kühlen Hand, fühlte wie sie unter seiner Berührung zu zittern begann. Hatte sie etwa Angst? Vor ihn? Er sah sie für einen Moment einfach nur an, ließ seinen Blick über ihr wundersames Antlitz wandern. Über die langen blonden Haare die ihr in leichten Wellen über die Schulter fielen, welche sie sonst streng zusammen gebunden hatte, die Lilien die sie voller Unschuld in der rechten Hand hielt, über das  schneeweiße Kleid welches sich fast schon federleicht an ihren Körper schmeichelte und über ihre großen fast schon erschrocken geweiteten grauen Augen die an seinen hafteten, hin und her wanderten, nach einer Fluchtmöglichkeit suchten. »Bitte…lass mich -«, begannen die Worte ihre blassrosanen Lippen zu entfliehen, nicht mehr als ein Hauchen als sie schließlich den Kopf von ihm wegdrehte, eine leichte Röte auf den Wangen liegend. Etwas das er so noch nie an ihr gesehen hatte. Diese Verletzlichkeit. Dieses Gefühl in ihren sonst so bitterkalten Augen. Es löste etwas in ihm aus. Dieser Anblick. Dieses Mädchen. Und er konnte nicht anders als seine andere Hand vorsichtig an ihrem Kinn zu platzieren, sie langsam wieder in seine Richtung zu drehen, damit sich ihre Augen erneut begegnen konnten. Mit diesem Gesicht. Diesen Blick. Diesen Blumen die ihr nicht aus der Hand gleiten wollten, sie festhielt. Sie schien sie zu lieben. Die weißen Lilien.

...☼...☼...☼...


Er schüttelte halb schmunzelnd den Kopf als er eine Nachricht bekam, die ihn aus seinen fernen Gedanken riss. Besonnen lehnte er sich an den Wandvorsprung neben ihn, stemmte seinen Fuß locker gegen die Fassade und besah sich den kleinen Text der ihm entgegen funkte. Dabei entgingen ihm die Blicke der reizenden jungen Damen gewiss nicht, die an ihm lasziv Hüftschwingend vorbeiliefen. Ein verdorbenes Grinsen zuckte über seine makellosen Gesichtszüge als er der vollbusigen Brünetten mit den schulterlangen Haaren über seine Brillengläser knapp zuzwinkerte. Die knallige Röte auf ihren Wangen und das verführerische Funkeln in den grünen Pupillen waren genauso herrlich anzusehen wie der Rest an ihrem sehr wohlgeformten Körper. Ja, die Aussicht war hier nicht allzu schlecht. Nichts desto trotz musste er sich jetzt konzentrieren und widmete sich wieder der Nachricht, woraufhin sich seine Augenbrauen skeptisch nach oben bewegten als er am Ende angekommen war. »Noch ein Sonderfluch?«
 


Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahrgang  - Shinjuku, Industriegebäude, abends

Ein wenig, hatte sie gesagt. Das ist ein gutes Training, hatte sie gesagt. Ein Scheißdreck war das! Maki tobte innerlich. Denn während Seiren sich mehr als nur entspannt an die Wand neben dem Metalltor lehnte und dem ganzen Geschehen freudiger Erwartung folgte, war sie dabei den Fluchgeistern in den Arsch zu treten. Und zwar einem hässlichen Vieh nach dem anderen, das ihr aus irgendwelchen Ecken an den Kragen springen wollte. Ob sich die gähnende Blondine dazu genötigt gesehen hatte einzugreifen? Nicht wirklich. Es war nicht das kleinste Fingerzucken von ihr ausgegangen seit sie in diese miefende Halle hinein gegangen waren. Im Gegenteil, nicht einmal eine halbe Sekunde nachdem sie eintraten, die Fluchgeister sich mit dunklen Rumoren manifestiert hatten, verabschiedete sie sich halbgrinsend mit einer lapidaren Handbewegung und den Worten: »Denk dran, ist ein gutes Training.«, und war in den dunklen Halbschatten des Ausganges verschwunden.  Natürlich wusste Maki, dass ihr Sensei sie nicht einfach irgendwelchen Gefahren aussetzen würde, von denen sie nicht glaubte, dass Maki diese nicht händeln könnte. Nein, es war eine Art Vertrauensbeweis. Ein Vertrauensbeweis in ihre Fähigkeiten, und das stimmte die Zenin-Erbin zumindest etwas wohlgesinnter – wenn auch nur ein wenig.

»Links, Maki!«

Seirens ruhige Stimme hatte sie instinktiv die Naginata ein Stück höher in die Hand gleiten lassen. Sie fühlte wie der rote Stoff rasant über ihre Handfläche rieb, wie ihre Finger den Griff wieder fest umgriffen, das Metall heiß von der Nutzung und wie sie den Hieb mit einer solch scharfen Intensität in besagter Richtung ausführte, dass die Klinge mit einem zischenden Knallen durch die feuchtwarme Luft schwang. Die Fensterscheiben vor ihr zerbarsten und fielen klirrend zu Boden.  Bedrohlich funkelte Maki den Fluch an. Die Naginata stoppte kurz vor dem Boden, die Hautschichten mit einem einzigen Schnitt sauber durchtrennt. Das erbärmliche Würgen der Kreatur wimmernd an ihre Ohren kriechend, die Blutlache sich vor ihr wundervoll ergießend. Sie grinste zufrieden, besah sich das Häufchen Elend vor ihr. Das war somit Nummer Vier. Beherrscht wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und wandte sie sich zum Ausgang von wo aus ein Klatschen an sie heran drang. Seiren trat langsam auf sie zu. Ein Lächeln blühte dabei wie eine Hibiskusblüte am Mittag auf ihrem warmen Gesicht auf. Etwas das Maki so noch nicht gesehen hatte. Es war ein zutiefst ehrlicher Ausdruck.

»Ich bin beeindruckt. Dein Umgang mit den Fluchwerkzeugen ist perfekt, Maki.« Ihre Finger fuhren besinnlich über den Saum der Waffe. Anerkennung lag in ihren grauen Augen. Sie meinte es wirklich ernst. Das Lob. Etwas das sie irgendwie nervös werden ließ. Nicht schlecht nervös, aber anders nervös. Schließlich hatte sie nach dem Training am Morgen nicht mit dieser Art von Bestätigung gerechnet. »Tch.« Maki zuckte unangenehm berührt mit dem Kopf zur Seite, konnte Seiren jetzt nicht direkt ansehen. Zu sehr wollte sie verheimlich das sie tatsächlich mal Lächeln musste, ihr die Worte durchaus was bedeuteten. Das Seirens Worte ihr was –

»Weg da!«

Was? Mit einem Mal sah Maki wie Seirens ernstes Gesicht an ihrem vorbeischnellte, wie ihre Hand die ihre grob umfasst hatte und sie mit einem gewaltigen Ruck einfach hinter sich beförderte während sie nach vorne gesprungen war. Ein ohrenbetäubender Knall hatte das gesamte Gebäude mit seinen Grundmauern erschauern lassen und ließ nun von überall  lärmende Geräusche an sie heran drängen. Klappernde Öllampen die hinabkrachten, Klirrende Fensterläden über ihrem Kopf, das dunkle Beben als sich Steine von den Wänden lösten und nach unten krachten. Und dann war da noch was - ein belferndes Grölen dröhnte wie von einem blutdürstenden Monster durch die Atmosphäre und ließ die Luft erzittern. Maki wusste nicht wo sie zuerst hinsehen sollte und wich den hinabfallenden Geröll nach und nach aus, darauf bedacht sich nicht unnötig zu bewegen. Als sie am Ausgang zum Stehen kam, erkannte sie auch Seiren in der gewaltigen Staubwolke vor sich, wie sie auf dem Platz stand von dem sie sie eben weggerissen hatte. Und sie hielt etwas in der Hand. Nein, nicht etwas. Makis Pupillen wurden klein als sich der Staub etwas auflöste. Ihr Herz hämmert wie wild gegen die Brust, der Atem blieb ihr beinahe weg. Vor Seiren stand ein Fluch der alle anderen nahezu maßlos in den Schatten stellte. Die gewaltige negative Aura die von ihm ausging schien die Grünhaarige beinahe zu erdrücken, zu lähmen. Es war Angst die sie dort paralysierte. Blanke Angst. Ein Gefühl das ihre Nervenbahnen zu Stein werden ließ und sie fest im Wickelgriff hielt. Das dort war kein herkömmlicher Fluch! Das war ein verdammter Fluch der Sonderklasse. Und ausgerechnet der war hier. Hier bei ihnen.

»Du wolltest deine ekelhafte Hand an meine Schülerin legen, ja?«

Maki zuckte zusammen als sie diesen bitterkalten Klang vernahm, der wie eine Polarnacht wirkte. Er war schneidend, fast schon messerscharf, dass sie glaubte Klingen aufeinander prallen zu hören. Seirens Augen waren so kalt wie Eis und das Grinsen war so diabolisch und bösartig wie der Teufel höchst selbst als sie sich das „Etwas“ in ihrer Hand ansah. »Gut, nun hast du meine Aufmerksamkeit. Aber dafür werde ich mir nicht nur diesen Arm hier holen.« Das Grinsen wurde länger wobei sie den zappelnden, blutüberströmten Arm einfach wie ein loses Stück Fleisch zur Seite warf, den Blick provozierend auf die Verletzung ihres Gegenübers haftend.



Fushiguro Megumi – Schüler aus dem 1. Jahrgang – in der Nähe vom Shinjuku Gyoen Park, etwas später

Megumi versuchte zu Yuji zu blicken, seine Augen weiteten sich. Itadori war in die Knie gegangen, das Monster direkt vor ihn. Ein Gefühl des Adrenalins rauschte durch Fushiguros Venen, riss ihn von seinen Platz und ließ ihn loslaufen, die Schmerzen dafür jauchzend in Kaufnehmend. Sein Blick traf sich mit der von Nue, woraufhin diese wie zuvor schon hinabschnellte, doch von einem anderen Fluchgeist in der Luft abgefangen wurde. Scheiße! Seine Augen schnellten über das Kampffeld. »Kugisaki!«, rief er nachdrücklich als er die Braunhaarige in der Nähe erblickte, die soeben ihren Gegner niedergestreckt hatte und diesen hohnlächelnd den Rücken kehrte. Der Hammer den sie in der Hand hielt, glühte nur so vor Fluchkraft und in ihren Augen flimmerte die schlichte Genervtheit darüber, dass er sie angesprochen hatte. Doch sie verstand sofort als sie seinem Blick folgte und warf die glühenden Nägel in der Hand in die Luft. »Was rennt der Depp auch einfach alleine los!« Recht hatte sie. Was muss er auch immer vollkommen planlos losrennen?! Megumi verdrehte trotzdem die Augen während er weiter nach vorne eilte. »Jetzt mach schon!«
Sie rollte die Schultern, das Knacken war nicht zu überhören. »Ja, ja, bin schon dabei!« Kurz darauf ließ sie den Hammer auch schon mit einem starken Knall gegen die kleinen Stifte schnellen, dass diese wie hellblaue Pfeile quer über das Areal flogen. Und sie trafen. Ein derbes Grollen entkam dem Fluchgeist. So derb, dass man es in der Luft pulsieren fühlte. Blut quoll zäh aus den Wunden. Zwar töteten die Nägel dieses Vieh nicht, aber sie ließen ihn von Yuji zurückweichen, der so wieder auf Distanz gehen konnte.

Aber Yuji musste es natürlich ausreizen. »Leute?! Dankeee!«, rief er Nobara und ihm lachend zu und hob wild fuchtelnd die Hand als würde das alles nur ein dummes Vergnügen sein und sie einfach nur Fangen miteinander spielten. Der Typ merkte auch wirklich gar nichts mehr. »Schnauze, Yuji! Bedank dich, wenn wir das hier erledigt haben!«
Er hob den Arm wie ein Schüler aus der 3. Klasse und rief »Ayyyyyy!«, ehe er abrupt an Schnelligkeit zulegte und auf den Fluchgeist zusprang, die Hand geballt. Seine Faust in der sich eine Menge Fluchkraft gesammelt hatte, traf das taumelnde Monster mit voller Wucht im Gesicht, riss zum Teil die Haut unschön auf, dass es direkt in Megumis Richtung geschleudert wurde. Die Durchschlagskraft von Yujis Schlag fühlte Megumi selbst etliche Meter entfernt durch seinen Körper pochen und bat ihm eine gute Chance zum Kontern. Er stoppte ab, ratterte noch etwas über den sandigen Boden und konzentrierte sich für wenige Sekunden als er zum Halten kam und seine Hände vor der Brust platzierte. Finsternis umgab ihn. Ein gewaltiger Schatten tat sich unter ihm auf. Zitternde Dunkelheit umgriff die Säulen dieser Welt.

»Oro-« - chi?
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