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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
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04.07.2021 4.839
 
Try to beat me, my student



Kaizen Seiren – Jujuzist – -Randgebiet von Tokio, spät abends

Wohlig seufzend rutschte sie ein Stück tiefer in die Badewanne. Der angenehme Duft von Holunder und Minze, entführte sie in eine andere Welt. Eine Welt in der sich das heiße Wasser um ihren Körper wie eine innige Umarmung anfühlte nach der man sich viel zu lange gesehnt hatte. Etwas das sie jetzt einfach gebraucht hatte. Und sie genoss es - jede einzelne Minute in der sich diese himmlische Wärme und der knisternde weiße Schaum in vollster Beharrlichkeit an ihre sensible Haut schmiegten und ihr den Raum gab um einfach mal durchzuatmen und die letzten Stunden abzuhacken. Zumindest den Großteil davon. Denn gerade das letzte Drittel wollte ihr nicht ganz so leicht aus den Gedanken gleiten. Und das ärgerte sie. Vor allem weil sie sich selbst immer wieder dabei ertappen konnte, wie sie innerlich zu Schmunzeln begann, wenn sie an diesen aufgeblasenen, selbstverherrlichenden Idioten dachte, der sich heute augenscheinlich einen japsenden Spaß daraus gemacht hatte sie zu triezen. Allein die Dreistigkeit sie einfach an der Hand zu sich zu ziehen, ihr so nahe zu kommen, dass sie seine langen - wenn auch wunderschönen - weißen Wimpern um seine gletscherblauen Augen hatte zählen können, war genug gewesen, dass sie sich wieder wie ein dummes Schulmädchen gefühlt hatte, dass nicht wusste wie sie mit dieser Situation umgehen sollte und vor Schreck den Kopf weggedreht hatte. Allein der Gedanke daran, ließ sie vor Scharm noch tiefer ins Wasser sinken. Wie alt war sie bitte? Zwölf? Als wäre sie ein ahnungsloser Teenager! Und natürlich hatte sich daraufhin auch gleich ein mehr als nur amüsiertes Grinsen auf Satorus geschwungenen Lippen wiedergefunden, mit welchem er ihr deutlich zu verstehen gab, dass er dieses Spiel zwischen ihnen gewonnen hatte. Eine Tatsache die ihr so sauer aufgestoßen war, dass sie ihn noch im selben Moment am schwarzen Kragen gepackt und zu seiner Überraschung die in seinen hellen Pupillen aufflackerte, mit einem Ruck weiter zu sich gezogen hatte, dass nicht einmal mehr ein Blatt zwischen ihre Nasenspitzen gepasst hatte. Seine großen Augen hatten sie herausfordernd fixiert und sie seine - endlose wirkendes Blau traf auf glühendes undurchschaubares Grau. Und bei Gott, Satoru würde verstanden haben, dass er besser nichts starten sollte, was er nicht gewinnen konnte. Immerhin hatte sie seinen Blick aus der Ecke nicht übersehen der während des gesamten Gespräches über ihren Körper gewandert war. Auf und ab. Eine volle Stunde lang. Natürlich hatte er auch das getan um sie zu ärgern. Aber genauso hatte sie sich eben mit voller Absicht mit dem schneeweißen Kleid an das schöne große Fenster gelehnt, sich nicht gesetzt und die Hüften geschmeidig fallen lassen, nur um dabei zuzusehen wie Satoru hinter ihr, nach und nach, immer unruhiger wurde und schließlich sogar den Kopf wie ein aufsässiges Kind von rechts nach links kreisen ließ. Ganz so, als hatte er das fahrige, ja fast schon unerträgliche Verlangen Aufstehen zu wollen, unterdrücken müssen. Oder doch was anderes? Sie grinste zufrieden in sich hinein. Und wäre er am Ende nicht so dreist geworden, dann wäre dieser Punkt zu 100% auf ihr Konto gegangen.

Penner!

Etwas murrend wandte sie den durch die Hitze leicht diesigen Blick zur Decke und beobachtete den aufsteigenden Wasserdampf wie er sich gemächlich aufbaute und langsam durch das Bad waberte. Dennoch war sie irgendwie erleichtert ihn so zu sehen. Satoru, diesen Vollspinner. So unbekümmert und locker, mit diesem unverschämt charismatischen aber so bodenlos frechen Lächeln, und den leuchtenden blauen Augen die einen geradewegs an einen wunderschönen kühlen See am Ende einer sonnendurchfluteten Waldlichtung führten. Scheiße… Sie lächelte halbherzig. Er war halt immer noch Gojo und genau das hinterließ ein vertrautes Gefühl in ihrer Brust. Ein Gefühl das so leicht und voller Glück war, dass es sie im selben Augenblick so sehr schmerzte, dass sie sich nun ruckartig in die Tiefen des Wassers hatte sinken lassen. Sie fühlte wie die Wellen über den Rand schwappten, die rauschende Stille sie einnahm, sie wegtrug. Weg von diesen Gedanken. Ganz sanft. Weg von den heutigen Tag. Und vor allem weg von diesem Mann, der seit einigen Minuten mit bunten Cheerleader-Pompons in ihren Gedanken rumtanzte und sie den letzten Nerv raubte. Oh, das musste aufhören! Immerhin würden sie ab kommender Woche wieder zusammen arbeiten und sich demnach auch wieder öfter sehen.



Gojo Satoru – Jujuzist – Irgendwo in Tokio, sehr später Abend/Nachts

Kalte Luft drang dort oben in seine Lungen. Dort auf dem Dach des Toranomon Hills Mori Tower. Der warme Atem kräuselte sich bereits verlockend vor seinen Lippen während er auf Stadt hinunter blickte, den harschen Wind auf seiner Haut kribbeln fühlend. Auf die Menschen die so spät noch unterwegs waren, die Autos die an Ampeln standen und die unzähligen Gebäude die immer noch hell erleuchtet durch die Dunkelheit strahlten. Ja, die bunten Lichter der Skyline waren herrlich anzusehen. Sie ließen die Stadt fast schon lebendig wirken, ließen sie atmen. Einige Stimmen behaupten sogar, dass Tokio selbst einen leisen Puls besaß, der schwach durch den harten Asphalt der Straßen und den dichten Metall der endlos hohen Wolkenkratzern ebbte, die sich in den  Nachthimmel streckten. Ob man das am Ende glauben mochte oder nicht  blieb jedem selbst überlassen - aber für ihn erschien Tokio gerade zumindest recht lebendig.

Tief sog Gojo den kühlen Sauerstoff ein und lächelte zufrieden. Ja, bei Nacht war Tokio schon ein wundersamer Ort an den allerhand Dinge passieren konnten. Nicht selten erlebte man Überfälle an den Straßenecken, war ungewollt Zuhörer bei Streitgesprächen in Restaurants, sah wie Exekutionen aufgrund von Bandenrivalität in verlassenen Gassen stattfanden oder wie Romanzen in Hotelbetten in gewissen Vierteln wieder auflebten. Oder aber es passierten eben Dinge, wie das irgendwelche supernervigen Sonderflüche meinen sich an Orten wie einem verlassenen Psychiatriegebäude niederzulassen und Menschen abzuschlachten die sich immer mal wieder für eine dümmliche Mutprobe dorthin verirrten. Aber dies blieb den Menschen dort unten verborgen. Die letzten Schreie verstummender Stimmen. Ausgerissene Körperteile die den zerbarsten Boden pflasterten. Das dickflüssige Blut welches die Luft träge und schwer mit beißendem Eisengeruch durchzog. Diese Grausamkeiten, die sich direkt vor ihren Augen abspielten und im Vergleich zu den fast schon „normal“ gewordenen Problemen wirklich furchterregend wirken müssten, blieben in den Schatten damit niemand sie sehen konnte. Niemand sich in der Nacht fürchten müsste. Und genau dorthin würde seine Reise gleich gehen. An einen Ort der ein wahres Paradies für diese schwachen, minderwertigen Kreaturen war. Zumindest falls sich Ijichi noch mal melden sollte, der gerade mit einem anderen Jujuzisten des Semi-Grade 1 vor Ort sein sollte. Aber wenn sie jemanden aus dieser Klasse losschicken, dann wird der Fluch wohl auch alleine zu schaffen sein. Also nichts womit er sich eigentlich ausgiebig mit beschäftigen müsste. Demnach wäre das hier im besten Fall gerade seine Feierabendaussicht - und läutete damit ein normales Ende für einen nicht ganz so normalen Tag ein.  

Er ging lässig auf dem schmalen Geländer der kalten Metallbrüstung in die Hocke, die Hände locker auf den Oberschenkeln ruhend und grinste selig vor sich her. Jedenfalls war das Zusammentreffen mit Seiren mehr als nur überraschend gewesen, irgendwie fesselnd. Sie nach all der Zeit wiederzusehen war wie ein Kick, der ihn durch Mark und Bein gegangen war. Selbst jetzt, Stunden danach, hoch oben über den weiten dieser mehr als nur wunderschönen Skyline, fühlte er das Knistern in seinen Handflächen, die Spannung die wie kleine Elektrostöße durch seine Finger zuckte und ihn etwas in Aufregung versetzte. Ihm entkam ein belustigtes Lachen, wenn er daran dachte wie unreif sie sich verhalten hatte und wie sie sich mit ziemlicher Sicherheit mehr als nur aufgeregt hatte und nun wahrscheinlich wie jede Frau unter der Dusche stand oder der Badewanne lag um sich zu beruhigen, ihre Nerven zu sammeln. Aber wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er auch noch den restlichen Tag damit verbringen können sie so aus der Ruhe zu bringen, ihren Verstand zu verdrehen. Dafür hatte es einfach zu viel Spaß gemacht sie so zu sehen. So kindlich. Diese Frau mit dem verlegenden Lächeln und den Augen die ihm trotzdem unbeeindruckt entgegen blickten, ihn ohne etwaigen Zweifel zu sich gezogen hatten, so nah, dass er die feinen Nuance-Unterschiede ihrer Iris erkennen konnte. Sie hatte nicht einmal gezögert, hatte ihre Hand einfach an seinen Jackenkragen gelegt und gezogen. Zu ihr. Ihn nicht weggestoßen. Gott, wie groß die Versuchung war die letzten Zentimeter zu überbrücken. Moment..? Sein Kopf zuckte wie der eines aufgeweckten Erdmännchens nach oben als er seine letzten Gedankengänge noch einmal überdachte. Hatte er eben richtig überlegt? Dusche? Badewanne? – bedeutet, dass nicht sie wäre…! Er schlug sich vollster Begeisterung wie ein unreifer Junge mit der Faust auf die Innenhandfläche und stand drollig gackernd auf. Das konnte er sich doch nicht entgehen lassen, und vielleicht sollte er sogar Megumi und Yuji mitschleppen. Denn wenn er sich recht entsinnen konnte, hatte das Bad ein sehr großes Fenster durch das man –

Sein Handy vibrierte in der Hosentasche und sein Grinsen flachte ab. Is'n Scherz oder?  

Als es allerdings nicht aufhören wollte zu surren, rupfte er es mehr oder minder schon genervt aus seiner Hose. Murrend beäugte er das Display, das immer wieder einen gewissen Namen aufleuchten ließ. Zwar kam ihm ganz kurz der verlockende Gedanke nicht ranzugehen, aber diesen verwarf er wieder als er kurz über Tokio blickte und die kalte Luft einatmete die ihn fahrig erfasste. Er nahm ab.
»Ijichi?« Der mehr als aufgeregte Mann auf der anderen Leitung überschlug sich beinahe mit seinen Äußerungen, dass Satoru den Hörer etwas weghalten musste um was zu verstehen. Grundsätzlich war es egal was er zu sagen hatte, denn allein der Anruf genügte um damit auszudrücken, dass der Fluch der aufgetaucht war, zu mächtig war, als dass ein Jujuzist vom Semi-Grade 1 das händeln könnte. »Ja, bin auf den Weg. Mh…bis gleich.« Damit legte er auf und ließ sein Handy schlicht zurück in die Tasche gleiten. Ein schweres Seufzen entkam dem Jujuzisten während er das Bild, der nur mit einem Handtuch bekleideten Seiren, widerwillig Adé sagen musste.  



Kaizen Seiren – Jujuzist – Randgebiet von Tokio, sehr später Abend/Nachts  

Mit einer fließenden Bewegung stand sie in der Badewanne auf, sodass die heißen Wasserrinnsale wie von einem Gefälle an ihren Kurven hinunter ins Becken plätscherten und die kühle Luft sie in Empfang nehmen konnte. Es war erfrischend während sie da so ausharrte und sich die Feuchtigkeit einmal aus dem Gesicht wischte. Die Kälte tat wirklich gut. Vorsichtig setzte sie die Füße über den Rand auf den Boden und ging zum beschlagenen Spiegel  wo ihre Handtücher hingen. Mit einer kurzen Bewegung umwickelte sie ihren Körper mit einem zartorangenen Wollstoff und schritt grinsend zur Tür.  Da wollte es jemand wohl wissen. Sie wusste das Maki dort auf sie warten würde, sie fühlte es.  Vergnügt verdrehte sie die hellen Augen, leckte sich über die feuchten Lippen und schmiss die Tür so schlagartig auf, dass diese scheppernd an die Wand schlug während sie mit der anderen Hand bereits das auf sie zu schnellende Bein festhielt. Der Druck war gut. Besser als das letzte Mal, aber noch nicht gut genug.

Langsam schob sie das schmale aber kräftige Bein ein paar Zentimeter an ihrem Gesicht vorbei und schüttelte nur amüsiert den Kopf, als sie Maki mit einem selbstsicheren Grinsen vor sich stehen sah, die im nächsten Zug sich vom Boden hoch in die Luft drückte und mit dem anderen Bein versuchte sie zu erfassen, sie ins Wanken zu bringen. Ein schöner Zug, sehr grazil, aber absolut dumm. Zumindest wenn sie gegen einen Gegner wie sie es war kämpfen wollte. Immerhin dauerte es nicht einmal eine Sekunde, da hatte Seiren fast schon teilnahmslos das Gelenk des anderen Fußes umgriffen und wirbelte sie nun ohne Probleme nach rechts, bis diese, wie zuvor schon die Tür, knallend, mit dem Rücken voran, gegen die Wand neben ihr schepperte. Die breiten Risse die sich daraufhin quer durch den massiven Beton und das Hartholz fraßen, ließen nur erahnen wie stark der Aufprall für ihren Schützling gewesen sein musste. Aber so wie es sich angehört hatte, waren keine Knochen gebrochen. Zumindest keine die von tieferer Bedeutung wären. Aber wer nicht abwarten konnte und sie einfach nach einem entspannenden Bad attackieren wollte, musste eben auch mit den Konsequenzen rechnen.

»Bist du fertig? Oder kann ich mich noch zuerst anziehen?«, hackte sie bei der am Bodenliegenden nach auf die gerade etwas Schutt hinab rieselte und legte fragend den Kopf schief, während sie sich lächelnd über den verrutschten Saum des Handtuches fuhr.
»…Nein!« Der derbe Laut der Makis Kehle verließ war ein dunkles Knurren und ließ selbst Seiren kurz interessiert aufschauen. Wollte sie etwa schon heute all out gehen? Andere wären sicherlich schockiert darüber, dass die eigene Schülerin einen einfach angreift, vielleicht sogar verletzen wollte - aber Seiren war es, die Maki damals dieses Angebt gemacht hatte. Das Angebot, sie wann immer sie es wollte zu einem Kampf herauszufordern. Ein ungewöhnlicher Vorschlag, der auch von Maki zuerst mit Skepsis abgestraft wurde. Aber in erster Linie diente es dazu ihr so früh wie möglich beizubringen auf die Umgebung zu achten in der sie kämpfte, Vor-und Nachteil des Kampfgebietes abzuwägen und sie zu analysieren. Doch vor allem sollte sie verstehen, dass ein Kampf auch aus heiteren Himmel über sie oder ihre Kameraden hineinbrechen kann und sie schnell reagieren muss. Gerade für jemanden der wie sie keine eigene Fluchkraft besitzt, kann das ausschlaggebend sein. Es kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Über Tod oder Leben ihrer Freunde. Und so musste sie lernen ihre Kraft zu konzentrieren, musste vorhersehen wie sich der Gegner in diesem Gelände bewegen würde und wie sie am besten die Oberhand gewinnen konnte. Aber offenbar war diese kleine Aktion von ihr nur eine Art noch einmal „Willkommen zurück“ zu sagen. Denn die fassliche Röte im hübschen Gesicht ihrer Schülerin brannte sich gerade regelrecht in ihre blasse Haut ein, als sie Seiren genauer in Betracht genommen hatte, die anzüglich grinsend das Bein hinaustreckte.  »Oh Gott! Bitte lass das!« Hochrot starrte Maki vor sich auf den Boden, klebte fast schon daran, was Seiren mehr als nur beherzt auflachen ließ. Ihre Schülerin so herrlich „normal“ zu sehen machte sie glücklich. Denn das bedeutete, dass sie in ihrer Abwesenheit Menschen gefunden haben musste, bei denen sie sich öffnen konnte. Freunde, die in ihr mehr sahen, als nur die verstoßene Erbin des Zenin-Clans. Freunde wie sie selbst in ihrer Schulzeit hatte. »Komm schon.« Seiren streckte ihr die Hand entgegen. Die einzige Erbin der ausgestoßenen Erbin. »Lass uns morgen trainieren und dann in die Stadt, ja? Außerdem habe ich jetzt Hunger!«



Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahrgang  - Nächster Tag, später Morgen, Waldgebiet

Sie ist wirklich ein Monster!, tobte es ihr abermals durch den Kopf als sie sich hektisch umdrehte, das Antlitz ihres Sensei suchend. Doch sie war nirgends zu sehen. Weder zwischen den Bäumen durch die das Sonnenlicht bracht, noch auf den breiten Ästen. Maki hielt sich die schmerzende Seite, verzog unerträglich nach Luft schnappend das Gesicht. Der Schweiß rann ihr über die Stirn und brannte unangenehm in den Augen als sie etwas nach vorne fiel und die Hände erschöpft auf den Beinen abstützte. Sie war vollkommen ausgelaugt und ihre Brust schien sich mit jeder weiteren Bewegung zuzuschnüren. Selbst ihre Beine schienen bald schon nachzugeben.

»Du bist zu langsam.«

Maki riss den Kopf instinktiv zur Seite und entkam nur haarscharf, dem ausgestreckten Beim von Seiren, welches mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit über sie hinweg fegte und einen starken Windzug erzeugte. So stark, dass es ihr für wenige Momente die Luft raubte. Sie sah wie die Blondine sie grinsend anblickte und anerkennend nickte, ehe sie auch schon das Bein hinab über den Waldboden in einem Halbkreis um sich rotieren ließ, die Geschwindigkeit aus dem ersten Tritt mitnahm, und Maki die Füße wegzog. Sie fühlte wie sie den Halt verlor, aber sich noch irgendwie in der Luft so drehen konnte, dass sie wieder sicher auf den Boden landete. Erleichterung – aber nur kurz.

»Schwach, Maki.«

Ein Flüstern, so dicht. Ihre Augen weiteten sich. Sie fühlte den leichten Druck hinter sich. Seiren stand direkt mit ihrem Rücken an ihren und sah sie über ihre Schulter hinweg an. Das grau ihrer Augen funkelte so dunkel wie ein Obsidian und jagte ihre einen Schauer über den Rücken. Dennoch ließ sie rasant die Ellbogen nach hinten schnellen, denen Seiren mit einem simplen kleinen Schritt zur Seite auswich, ehe sie durch die nächsten Schläge von ihr fast schon zu tanzen schien. Ja, sie schien wahrlich zu tanzen. Und das immer mit diesem leichten Lächeln auf den Lippen, so als würde sie das alles hier nicht einmal anstrengen während sie vollkommen außer Atem war. Egal wie schnell sie war, egal wie genau sie dachte ihre Bewegungen voraussehen zu können, die Blondine war ihr immer etliche Schritte voraus und schien einfach mit ihr zu spielen. Und das hinterließ einen bitteren Beigeschmack, der tief in Maki zu kochen begann.

Seiren nahm sie nicht ernst.

Ohne weiter Kraft zu verschwenden, wirbelte sie mit der Kante ihres Schuhs der über den trockenen Boden ratterte, den Sand hoch in die Luft und versuchte so die Blondine für einen Moment abzulenken, dass sie zu ihrem Fluch-Werkzeug, der Naginata, laufen konnte. Ohne diese wird sie definitiv kein Land gegen ihren Sensei sehen. Also lief sie so schnell es ihre Beine erlaubten los, sprang über die eingestürzten Bäume und die zerklüfteten Felsen die überall im Gelände verstreut lagen. Den Blick ließ sie nicht mehr nach hinten gleiten, denn ihr war bewusst, wenn Seiren sie bekommen wollte, dann würde sie das auch. Entsprechend rannte sie weiter, rannte, bis sie ihre rotverzierte Naginata an einen der Bäume stehen sah. Es wären nur wenige Meter noch dann –

»Mercy.«

Seirens helle Stimme aus der Ferne, klirrend vor Kälte. Über ihr. Mit einem Mal fühlte Maki wie sie etwas nach unten drückte, sie schwer werden ließ. Eine strahlend weiße Aura hatte sich um ihren gesamten Körper gelegt, fesselte sie, schien sie zu paralysieren und zog sie nach unten. Zuerst nur leicht, dann stoßweise immer fester bis sie sogar in den Boden brach. Dunkles Rumoren unter ihr. Ein tiefer Krater tat sich auf. Das Beben der Erde unter ihren Füßen, drohend. Maki drehte den Kopf gen blauen Himmel, wo sie Seiren erblickte die langsam durch die Luft zur Erde schritt, fast schon übernatürlich wirkte und nur kopfschüttelnd mit den Finger wackelte. Auch um sie herum hatte sich ebenfalls die weiße Aura gebildet, doch wirkte sie bei ihr nicht einmal annährend so erdrückend oder gefährlich, sondern schien fast schon freudig um sie herum zu zucken, wie ein flüsternder Wirbel der sie begleitete. Ein Freund.  Maki versuchte was zu sagen, doch die veränderte Gravitation wirkte einfach zu stark auf ihren erschöpften Körper und ließ sie langsam die Besinnung verlieren. Vor ihren Augen begannen wilde Punkte zu schwirren während ihr Magen sich krampfend zusammen zog. Immer wieder, solange bis sie schließlich auch anfing zu taumeln und die Standhaftigkeit verlor.

Scheiße…ich kann nicht mehr.

Ein lautes Schnipsen. Eine kühle Brise. »Komm.« Seirens sanfte Stimme klang an ihrem Ohr. Nur ein leiser Windhauch. Sie fühlte wie sie wieder ihre Hände bewegen konnte. Leichtigkeit umhüllte sie. Die Schwere verlor sich wie ein Flügelschlag. »… lass uns für heute Schluss machen.« Die Hand ruhig auf ihren Kopf platziert, sie haltend. Maki hatte nicht einmal bemerkt, dass sie an ihre Seite getreten war, sie stützte. Die herzliche Berührung sie dennoch einnehmend. »Das war gut Maki.« Eine Lüge, doch sie konnte nichts sagen, suchte noch nach Sauerstoff, während Seiren nicht einmal das Haar aus dem lockeren Dutt gefallen war, den sie sich vor Beginn des Training mal eben zusammengesteckt hatte. Im Gegenteil, vollkommen ruhig reichte sie ihr die Wasserflasche, welche sie in der Hosentasche verstaut hatte. Nickend nahm Maki an und genehmigte sich einen großen Schluck, ehe sie kurz wieder durchatmen musste und die Blondine musterte. Seiren legte den Kopf fragend schief. »Du bist grausam, weißt du das?«, entkam es der Zenin-Erbin mit einem schrägen Lächeln, was die Blondine wiederum breit grinsen ließ. »Würdest du es anders haben wollen?« Nein. Nie. Sie schüttelte den Kopf. Das Seiren stark war wusste sie, aber sie hatte vollkommen vergessen wie stark sie eigentlich war, und dass obwohl sie nicht einmal ernsthaft mit ihr kämpfte.



Yaga Masamichi – Rektor der Tokio Jujuzisten High School – Büroraum, später Mittag

Tanzend stieg der Dampf in die Luft und erfüllte das Zimmer binnen weniger Sekunden mit dem herben Duft von gerösteten Kaffeebohnen. Eine brasilianische Mischung. Es beruhigte ihn, der erdige Duft, die Wärme - wenn auch nicht viel, aber immerhin ein wenig. Etwas das er von seinem Gegenüber nicht behaupten konnte. Gakuganji Yoshinobu, dem Rektor der Kyoto High School, der ihm nunmehr mit angespannter Miene gegenüber saß und seine Hände auf seinen Gehstock abstützte. Der alte Mann sah wie immer aus. Die Goldohrringe in den großen Ohren glänzten ihm bleckend entgegen und die mehr als langen Augenbrauen hingen ihm seitlich vom Gesicht, dass sie ihm bis zum Kinn reichten und seine schmalen Augen noch einmal ein ticken düsterer wirken ließen. Yaga wusste warum der Greis gekommen war. Entsprechend konnten die beiden auf die gewohnten Anstandsfloskeln verzichten und direkt mit dem Wichtigen starten. Immerhin war beiden klar um was es oder vielmehr um wen es hier ging, auch wenn er nicht glaubte, dass das eine lange Unterhaltung würde.

»Kaizen Seiren, also?«, stellte er die weiße Tasse vorsichtig auf den kleinen Tisch ab und faltete nachdenklich die Hände vors Gesicht während Gakuganji ein tiefes Knurren zu unterdrücken versuchte, es allerdings in ein abfälliges »Ja.« überging. Selbst der Name stieß ihm also noch übel auf. Die abgrundtiefe Abneigung des undurchschaubaren Kauzes stand ihn mehr als deutlich in das faltenüberzogene Gesicht geschrieben und erschien in Anbetracht der Geschichte die er mit Seiren hatte ein wenig verständlich. Immerhin wird nicht jeder von einem heranwachsenden Teenager so vorgeführt wie sie es getan hatte.
»Und was soll ich machen? Sie ist ein Jujuzist des Special Grade. Und dazu noch eine unheimlich Talentierte wie dir ja selbst gut bekannt sein sollte.« Ein kurzes Zucken huschte über seine Mundwinkel als er den verstimmten Mann beäugte, dessen ohnehin schon dunkle Ausstrahlung, noch ein Zacken schwärzer wurde. »Sie ist - «
»Ein verdammtest Monster. Und eine Schande für ihren Clan.«, schnitt er ihn voller Jähzorn das Wort ab und schien dabei Mühe zu haben dem ausufernden Hass Einhalt zu gebieten. Seine Begleiter in den schicken dunkelgrauen Anzügen, die an der Tür standen zuckten in sich zusammen. Der stechende Ausdruck des Zornes in seinen verengten Augen verriet es Yaga. Gakuganji hasste Seiren. Und dieses Gefühl beruhte ohne jeden Zweifel auf Gegenseitigkeit. Aber der alte Mann hatte auch nicht gerade dazu beigetragen, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden bessern könnte. Im Gegenteil, er wusste, dass der Kauz Auftragskiller auf sie angesetzt hatte als sie im Ausland war, und das nicht nur einmal. Denn so wie er auch Itadori Yuji aus den Weg räumen wollte der als Gefäß für Sukuna diente, wollte er auch Seiren ins Nirwana schicken, die ihm bereits seit ihrer Geburt und als Erbin des Kaizen-Clans ein Dorn im Auge war. Etwas das Yaga selbst nicht einmal im Entferntesten Gut hieß und entsprechend auch nicht gut auf den Mann der ihm gegenüber saß zu sprechen war. Er konnte sich ihm zwar bis zu einem gewissen Maß zurückhalten, da er einen gewissen Rang besaß dem er nun einmal zu unterliegen hatte, aber was er mit Seiren angestellt hatte, als diese noch jünger war, stieß ihm noch heute mehr als böse auf. So sehr das er auch jetzt Mühe hatte seinen Ärger zu verbergen und stattdessen die Hände ruhig ineinander verschränken musste.

»Sie kehrt an diese Schule zurück. Punkt. Und wenn du dir über die alte Angelegenheit mit Gojo Gedanken machst, belass es dabei. Die beiden sind mittlerweile alt genug und Wissen über das Verbot Bescheid. Oder hätte Kaizen noch einen anderen Grund „aus der Reihe zu tanzen“?« In den kalten Augen des Mannes glomm für einen Moment so etwas wie  Unglaube auf, ein mickriger Funke, zitternd in der Mitte seiner schwarzen Pupillen, so als hätte Yaga einen wunden, versteckten Punkt getroffen. Aber mehr gab es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Zumindest nicht aus seiner Sicht. Denn ihm war es vollkommen egal was der kauzige Opa davon hielt oder was seine Bedenken waren. Immerhin war nicht Yaga derjenige der ein Problem mit Seiren hatte, sondern Gakuganji. Ein ziemlich tiefsitzendes Problem wie es schien, wenn man bedenkt wie stark die Venen an den Schläfen herausraten und bedrohlich zu pulsieren begannen. Die Antwort hatte ihm definitiv nicht gefallen. Kurz darauf war er dann auch schon aufgestanden, wobei er kurz vor der Tür dann aber noch stehen blieb und ihn über die Schulter fixierte. »Ich hätte dich nicht für so dumm gehalten, Yaga. Aber du wirst es bald schon erkennen, dass die beiden sich vielleicht an vieles halten, aber nicht an Regeln. Und was Kaizen angeht…halt sie lieber an der Leine.« Mit einem Knall war der Rektor der Kyoto High School verschwunden und ließ den seufzenden Brillenträger allein zurück.

Na da werden sich ja zwei freuen, sich bei dem Austausch zu sehen…




Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahrgang  - Später Nachmittag

Etwas später am Nachmittag nachdem Maki und Seiren zurück zum Kaizen-Anwesen gegangen waren und die Brillenträgerin sich vom morgendlichen „Bootcamp“ mehr oder weniger erholt hatte, stand diese nun mit einem ziemlich nüchternen Gesichtsausdruck vor Seirens Zimmer und wartete darauf das diese endlich fertig werden würde. Immerhin war es bereits 17:30 Uhr und sie wollte nicht im Gedränge des Feierabendverkehrs landen.
»Und wann geht’s los?«, fragte sie schlussendlich dann doch, während sie bereits weitere zehn Minuten im Türrahmen lehnte und dabei zusah wie sich die Blondine die langen Haare gerade zu einem hohen Pferdeschwanz band. Dabei kam sie nicht drum herum auch hier festzustellen, dass ihr Sensei wirklich gut in Form war, was nach dem heutigen Morgen eigentlich ohnehin außer Frage gestanden hatte. Aber die schwarze enge Jeans mit den großen Taschen an den Oberschenkeln in denen sie ihre Handschuhe verstaut saß nahezu perfekt an ihren den langen, sportlichen Beinen und das ebenso schwarze Tank-Top mit dem leichten V-Ausschnitt schmeichelte ihrer schmalen Taille so gut, dass man beim genaueren Hinsehen die leichten Ansätze der Bauchmuskeln durch den Stoff erahnen konnte. Allgemein sah die Jujuzistin, wenn Männer sie wohl beschrieben müssten, wie eine griechische Göttin aus, die aber durch die einheitlich schwarze Kleidung heute einen ziemlich aufreizenden Eindruck erweckte. Etwas das Maki nicht unbedingt mochte. Immerhin zog ihr Sensei allein schon durch ihre hellblonden Haare und den untypisch leuchtend grauen Augen einige Aufmerksamkeit auf sich. Nicht, dass es sie störte, aber manchmal war es einfach sehr schwierig ungestört mit ihr unterwegs zu sein, wenn ständig irgendwelche dummen, niederen männlichen Geschöpfe ihr hinterher pfiffen und die diese dann mit einem „Noch ein Ton, und ich stech euch ab – Blick“ abstrafen musste. Die Brillenträgerin verzog das Gesicht als sie an die letzten Male dachte in denen das so gewesen war. Tch. Als wäre sie ihr Bodyguard oder so.

Seiren sah sie durch den hohen Spiegel vor dem sie stand zwinkernd an, dass Maki nur mit den Augen rollen ließ. »Wir können gleich -« Eine Nachricht auf ihrem Handy hatte sie unterbrochen. Ohne weiter zusprechen las sie sich die Zeilen durch und man konnte deutlich erkennen wie Seirens Schultern sich etwas strafften, ehe sie statt der Lederjacke, die schwarze Jujuzisten Jacke überzog, die auf einen der weißen Stühle lag und  die Arme bis zur Hälfte hochkrempelte. Kurz darauf verschwand auch schon das silberne Gehäuse in einer der Taschen, wobei dsie verdammt tief ausgeatmet hatte. Sie war genervt. Sichtlich genervt. Da war mit Sicherheit etwas passiert, was Seiren nun ausbaden durfte. Und wenn die Blondine etwas hasste, dann war es den Mist von anderen zu richten.
»Was ist passiert?«, hackte Maki dennoch beiläufig nach und musterte das nunmehr fast emotionsbefreite Gesicht ihres Sensei, die noch letzte kleinere Dinge einpackte und augenscheinlich versuchte sich die gereizte Laune nicht ansehen zu lassen, in dem sie sich den Zopf noch einmal etwas fester band. »Ein paar Flüche sind aufgetaucht.« Maki horchte interessiert auf. »Irgendein Idiot hat letzte Nacht zwar den Sonderfluch austreiben können, hat dadurch aber etliche schwächere Flüche aus der Umgebung hochgeschreckt die nun irgendwo durch Tokio streifen.« Ein angespanntes Zucken nagte an ihren Mundwinkeln, als sie ihre kurz die Hand auf die Schulter legte. Ja, sie war wirklich richtig genervt. »Und wir beide sowie ein paar andere deiner Kollegen dürfen uns jetzt darum kümmern.« Damit war sie mit einem ziemlich düsteren Rand unter den Augen und einem undeutlichen Genuschel was sich wie „Ich bring ihn um“, angehört hatte, an Maki vorbei gegangen und aus dem Haus geschritten. Oh, sie wusste genau wer den Mist gebaut hatte. Ihr tat der arme Teufel jetzt schon leid. So hatte sich Seiren den Tag definitiv nicht vorgestellt. Sie seufzte und wollte gerade nach ihrer Naginata greifen, als auch ihr Handy dunkel in ihrer Seitentasche vibrierte. Als sie drauf blickte, sah sie eine Nachricht von Nobara, die ein Selfie von sich, Itadori und Fushiguro schickte auf dem sie ihr keck mit einem Peace-Zeichen entgegengrinste.

»Bis gleich, Makiii-saaaaan. ♥«
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