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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
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Dieses Kapitel
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01.07.2021 4.388
 
Onward and Upward



Kugisaki Nobara - Schülerin aus dem 1. Jahr - Tokio Jujuzisten High School, Abseits vom Schulhof

»Nobara wusstest du das Maki-san einen Sensei hat?« Yuji saß im lockeren Schneidersitz auf der kleinen Rasenfläche vor der Holzbank und sah sie aufmerksam an während er immer mal wieder an den Grashalmen herum zupfte. Sie fühlte seinen durchdringenden Blick quasi auf ihrem Gesicht brennen während sie sich einige Strähnen ihres hervorgefallenen braunen Haares behutsam hinters Ohr strich und sich nach hinten an die Lehne fallen ließ. Fushiguro hingegen wirkte nicht einmal im Ansatz überrascht und stand mit den Händen in den Taschen etwas abseits an einem Baum angelehnt und schien sich nicht an diesem Gespräch beteiligen zu wollen. Zumindest nicht aktiv. Dabei wusste sie genau, dass er ihnen ohne jeden Zweifel zuhörte und der Unterhaltung folgte.
Die Angesprochene ließ seufzend den Kopf langsam in den Nacken gleiten und blickte in die dichten Baumkronen über ihren Köpfen durch die das warme Sonnenlicht zu tanzen schien. »Nein, wusste ich nicht.« Woher auch? Sie kannte Maki noch nicht lange. Warum sollte sie ihr gleich die ganze Lebensgeschichte erzählen? Dafür gab es ja schließlich keinen Grund, auch wenn es sie in irgendeiner Art und Weise schon etwas verletzt hatte so davon zu erfahren. Denn selbst wenn sie die Zenin-Erbin erst vor ein paar Tagen kennengelernt hatte, war da dieses Gefühl, dass die beiden eine Verbindung hätten. Eine Verbindung die Nobara so noch nicht kannte, schließlich war ihr das Glück auf eine beste Freundin bis jetzt verwehrt geblieben. Nicht weil sie Menschen auf Abstand hielt sondern vielmehr hielten die Menschen sie auf Abstand - und das schon ihr ganzes Leben. Ob es an ihrem burschikosen Auftreten lag oder viel mehr an der Tatsache das sie nun einmal anders war als die normalen Menschen, wusste sie nicht so ganz. Doch bei Maki war sie der Überzeugung gewesen, dass da so etwas entstehen könnte – eine Freundschaft. Entsprechend bedrückte sie auch allein schon der Gedanke, dass dem vielleicht doch nicht so war und sie erneut nur einem zu weit entfernten Schatten hinterher jagen würde.

»Sie war mit Gojo-Sensei in einer Klasse.«

Fushiguros dunkle Samtstimme die durch das entfernte sommerliche Zirpen der Zikaden schwang, ließ Itadori und sie hoch schauen, während dieser die beiden für einen kurzen Augenblick mit seinen schwarzen Augen bedachte und dann mit wenigen Schritten um die Bank schritt um sich neben ihr hinzusetzen, die Hände weiterhin gut in den Taschen vergraben. »Makis Sensei meine ich.«, setzte er nach als er die offensichtlichen Fragezeichen über den Köpfen seiner Kameraden schweben sah.  
Die Braunhaarige zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Letzten Endes hörte sie heute zum ersten Mal von dieser Frau, die Maki als Meisterin anerkannte. Maki, die sich von niemanden zu sagen lassen schien, was sie darf und was nicht. Da war es wirklich schwer zu glauben, dass sich die Grünhaarige überhaupt von irgendjemanden ausbilden ließ und sich all die Fertigkeiten nicht selbst beigebracht hatte. Zumindest hätte Nobara ihr dies ohne jedes Weitere zugetraut. »Kennst du sie etwa?«

Megumi schien kurz zu überlegen und atmete dann einmal ruhig aus. »Kennen wäre zu viel gesagt, aber ich habe sie ein paar Mal getroffen als ich noch jünger war und ein oder zweimal kurz bevor sie dann Tokio verlassen hat. Bis dahin hatte sie auch an dieser Schule unterrichtet sofern sie nicht mit Aufträgen zu tun hatte.«
»Was?!« Yuji war etwas mit dem Oberkörper nach vorne gefallen und stützte sich nun mit den Händen auf dem Boden ab, sah den Schwarzhaarigen vollster Verblüffung an. Und auch Nobara selbst schien sich mehr als deutlich verhört zu haben, so wie ihr die Gesichtszüge gerade entglitten waren. Tokio verlassen? Warum sollte jemand Japan verlassen? Und so wie Megumi es gesagt hatte, klang das jetzt nicht unbedingt so als wäre sie für einen Auftrag weggegangen. Es hörte sich vielmehr nach einer Entscheidung an. Und das würde bedeuten, dass sie Maki alleine gelassen hatte. Einfach so…

»Bist du taub oder was?«, murrte Megumi genervt durch die zusammengepressten Lippen und flinkte zum Pinkhaarigen auf den Boden, der sich entschuldigend am Hinterkopf kratzte.
»Ich kenne nicht die genauen Umstände…«, führte er beharrlich fort, schien aber sich genauestens zu überlegen was er ihnen sagte. »…aber ich weiß, dass es nicht nur eine berufliche Entscheidung war. So zumindest wurde es mir gesagt.« Er log. Kugisaki spürte, dass Megumi nicht alles erzählte, nicht alles preisgab und das störte sie. Denn so wie er ihren Blick mied, musste da mehr sein.
»Und Gojo-Sensei?« Itadori verschränke grübelnd die Arme vor der Brust. »Ich meine die beiden müssen sich ja ein paar Jahre gekannt haben. Wusste er nicht mehr?« Megumis Pupillen weiteten sich für einen Bruchteil einer Sekunde, dass man deutlich die weißen Wolken sich darin spiegeln sehen konnte, bevor er sich wieder fing und sich knapp räusperte, so als würde er diese Frage am liebsten umgehen wollen. »Er hat dazu nichts weiter gesagt. Ich glaube sogar, dass er nicht einmal zur Verabschiedung gehen konnte, weil er einen Auftrag bekommen hatte.« Fast schon etwas nervös, richtete er sich ein Stück auf und ließ die Hände nach vorne auf seine Oberschenkel gleiten. »Ich kann euch nur raten euch daraus zu halten. Maki weiß schon was sie macht und ehrlich gesagt, habe ich sie auch nur mit Seiren-Senpai zusammen wirklich mal Lachen gesehen. Ich denke, dass sagt schon alles, oder?«


Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrganges - Tokio Jujuzisten High School, Dachterrasse

Sie war also wieder da…Nachdenklich blickte Satoru in den blauen Himmel, die Hände locker in den schwarzen Hosentaschen vergraben. Noch war Zeit. Noch konnte er hier oben auf dem Schuldach ausharren, seinen Gedanken nachhängen und der kühlen Sommerbrise dabei zusehen wie sie leichtlebig durch die dichten Baumkronen tanzte und sogar die kleinen Spatzen in ihren Bann zog, die ihr zierlichen Flügel ausbreiteten und ihr zu folgen begannen – diesem zärtlichen Windhauch der ihn daran erinnerte wie es sich damals angefühlt hatte, wenn Seiren an so vielen Morgenden neben ihn aus dem aufgewühlten Bett gestiegen und ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen gehaucht hatte, ihre kühlen Finger durch seine weißen Haarspitzen gefahren waren, damit spielten und ihre langen seidenen Haare leicht über seine bleiche Haut gefallen waren. Er hatte dieses Gefühl geliebt. So sehr, dass er sie jedes Mal verschlafen angegrinst und sie zurück in seine Arme gezogen hatte. Immer wieder. Jeden Tag, damit sie bei ihm blieb. Nicht ging, sie noch etwas länger zusammen sein konnten. Aber es erinnerte ihn auch an den Augenblick wo er sie zum ersten Mal an ihn vorbeilaufen gesehen hatte. Wie sie vor etlichen Jahren einfach auf dem Schulhof an ihm vorbeigegangen war, dort unten wo jetzt auch seine eigenen Schüler saßen, bevor sie sich verliebten, bevor der ganze Scheiß sie zerstört hatte - ohne etwas zu sagen, ohne ihn anzusehen und ohne das er überhaupt die Chance bekommen hatte sie in diesem Moment genau erkennen zu können, war allein der flüchtige Duft von weißen Lilien und die Kühle einer federleichten Sommerbrise geblieben. Mehr nicht. Ein Erinnerung die nunmehr fast 11 Jahre alt war und ihn dennoch in diesen Augenblicken wo er Zeit fand nachzudenken, geschehene Dinge Revue passieren zu lassen, wie ein wundersamer Traum überraschte – ihn für einen Moment einfach atmen ließ. Und obwohl dieser Zeitpunkt wahrscheinlich der zierlichste von allen war, der der am wenigsten Inhalt besaß, konnte er ihn trotzdem nie loslassen. Vielleicht war er auch einfach nur im inneren ein waschechter Softie, aber es war eben die allererste Erinnerung an einen Menschen, nein, an diese Frau die schon immer mehr war. Mehr als er damals als Jugendlicher je hätte erfassen können.

…Und nun war sie wieder da…
...wie ein verblasstes Bild, das allmählich wieder an Farbe gewann.

»Scheiße.« Ein beinahe bitteres Lächeln legte sich über seine charakteristischen Gesichtszüge während er den Oberkörper etwas nach hinten sinken ließ um wieder in den Himmel zu blicken. Das azurne Blau lachte ihm entgegen. Doch während dieser Tag vor schierer Leichtigkeit erfüllt war, fühlte er sich als würde er in einen längst veralteten Film mitspielen, der sein Liebesleben gerade zum Top-Blockbuster hochstufte und alle Hauptdarsteller mehr zufällig wieder zusammenführte. Eine Tatsache, weswegen er ziemlich angespannt war, etwas das so nicht kannte, dass er nicht gewohnt war und ihn so gar nicht passen wollte. Nicht weil es ihn in irgendeiner Weise unangenehm war auf eine vergangene Romanze zu treffen, nein, mit diesem Szenario war er dank seiner zahlreichen Tête-à-Têtes in den letzten Jahren bestens vertraut. Darum ging es ihm bei weitem nicht. Wenn es nur das wäre, hätte er keinerlei Bedenken. Allerdings war Seiren nicht irgendeine Liebschaft in seinem Portfolio an Bekanntschaften gewesen. Hier ging es um die eine Frau, die er nie ganz aus den Kopf bekommen konnte. Und das war etwas das ihn beengte, ja beinahe erdrückte. In etwa so wie eine zu enggebundene Krawatte wie sie Nanami manchmal trug. Nanami? Oh. Nun zogen sich seine Mundwinkel doch in die breite. Denn so wie er sich gerade fühlte, musste sich also der Workaholic rund um die Uhr fühlen, wenn er mal wieder zu spät in den Feierabend kam. Jetzt verstand er auch warum der Gute manchmal so verkrampft und steif war - dieses Gefühl war ein absoluter Fun-Killer und raubte ein ja jeden übrig gebliebenen Nerv. Nur war es bei seinem Freund lediglich die Arbeit die ihn beschäftigte, bei ihm hingegen war es etwas, dass er nicht mal eben erledigen und abhacken konnte – auch wenn er eine gewisse Zeit lang gedacht hatte, dass er das könnte. Aber dass er nun hier oben stand und dem seichten Wind zuhörte wie er leise seine Sonate durch den Himmel trug, sprach wohl Bände.  

Das Vibrieren in seiner Hosentasche ließ ihn schlussendlich den Gedanken beiseiteschieben. Er musste nicht einmal auf das Display schauen um zu wissen, dass es Yaga war, der ihn darüber in Kenntnis setzen wollte, dass Seiren nun da war und er ins Büro kommen sollte. Also machte er sich auf den Weg und erinnerte sich als er die Treppe hinunter schlenderte, immer wieder daran, dass all das schon lange her war und ihn nicht mehr beeinflusste. Es nicht sollte. Wie ein Mantra. Immer wieder.

So, wie er sie früher in seine Arme gezogen hatte.



Kaizen Seiren – Jujuzist – Büroraum des Rektors

Nichts schien sich hier verändert zu haben... Ein warmes Lächeln zeichnete sich auf ihren Lippen ab als sie sich an die dunkle Fensterbank lehnte und hinaus blickte. Die Sonne strahlte lachend durch die dichten Blätterdächer und ließ tanzende Schattenspiele auf den Boden zwischen den Sitzbänken fallen während der Himmel über der Schule so blau wie ein endloser Blick auf den Ozean an der Küste Tokios wirkte, dass sie gerne noch länger hinauf geschaut hätte – in dieses Blau, den wolkenlosen Horizont der sie nach langer Zeit wieder Willkommen hieß – doch das Geräusch der Türklinke und wie jemand Eintrat ließ sie den Blick abwenden.

»Seiren, meine Ausreißerin.«  

Ihre Augen strahlten als sie die warme Stimme von Yaga vernahm, der geradewegs durch den Türrahmen schritt und sie mit einem herzlichen Lächeln begrüßte. Ein Gefühl von Frieden durchflutete ihren Körper, ein Gefühl das sie von ihrem sicheren Plätzchen hochjagte und auf ihn zu eilen ließ – sie eine mittlerweile erwachsene Frau in den 20ern, auf den Mann dem sie einiges zu verdanken hatte, der einer Vaterfigur vielleicht sogar am ähnlichsten war.
Zwar waren es nur wenige Schritte die sie trennten, doch die letzten schien sie ihm beinahe schon in die Arme gefallen zu sein, da er etwas Mühe hatte seinen Stand zu halten und kurz taumelte. Als sie dann schließlich sein kurzes, dunkles Lachen hörte, dass angenehm in ihren Ohren vibrierte und den leichten Druck seiner Arme um ihren Körper fühlte, begann sie über seine Schulter hinweg zu grinsen. Es war so als würde sie gerade Heimkommen. Und sie hätte auch ohne Probleme noch einen Moment länger in dieser Idylle verharren können, diesen Moment der Ruhe genießen wollen, wenn da nicht diese frische Zitrusnote mit einem unverkennbaren herben, etwas holzigen Unterton durch die Luft schwingen würde und ihr Herz unangenehm zusammen ziehen ließ. Sie schluckte schwer als sie einen Oberkörper vor sich stehen sah. Den Oberkörper eines Mannes, der soeben schlendernd durch die Tür getreten und abrupt stehen geblieben war – wartend, das Klacken des Schlosses hinter ihm verstummend.

Satoru…

Sie starrte still geradeaus. Ihre Augen trafen auf das Schwarz seiner Jacke. Etwas in ihr sagte sie solle sich einfach wegdrehen und sich nicht auf dieses verlockende Spiel einlassen - nicht seinen Blick suchen. Doch während sie da so auf den dunklen Stoff starrte und die Bewegung seiner Hände in den Hosentaschen beobachtete wie sie offensichtlich etwas unruhig aneinander rieben, konnte sie nicht anders, als langsam den Kopf zu heben und die Augen über seinen Körper gleiten zulassen. Und während sie diesem Verlangen da nachgab, ihr Verstand sie verzweifelt anflehte es nicht zu machen, wurde ihr erstmals wieder bewusste wie groß Gojo eigentlich war und das er sie mit gut drei Köpfen überragen würde, wenn sie direkt neben ihm stand – oder unter ihm lag. Sie biss sich gedankenverloren auf die Unterlippe. Stopp! Hör auf damit!, schrie ihr die Vernunft lautstark ins Ohr, dass es selbst in den entlegensten Winkeln ihres Unterbewusstseins schrill zu schellen begann und sämtliche Gedanken in diese Richtung wegwischte, sie wieder ins Hier und Jetzt zurückholte, sie quasi gerade einmal geohrfeigt hatte. Verdammt.

Als sie dann schließlich ihr Ziel erreichte, endlich über den Rand des schwarzen Saumes sehen konnte, stellte sie mit leichter Verwunderung fest, dass Satoru ihr ebenfalls etwas überrascht entgegenschaute. Nicht klar für alle zu erkennen, aber sie erspähte wie seine akkurate Augenbraue etwas in die Höhe gezogen und der markante Kiefer leicht angespannt war. Er schien das Aufeinandertreffen selbst erst einmal einordnen zu müssen. Zumindest für die wenigen Sekunden in denen sich ihre Augen hinter der Brille und der Augenbinde trafen. Denn schon huschte ein mehr als amüsiertes Zucken über seine Mundwinkel. Ja, und da war er wieder. Gojo, dieser vorwitzige Penner mit dem imaginären gackernden Schalk im Nacken.
»Oh… so begrüßt man also einen alten Lehrer.«, schnalzte er neckend und beugte sich für eine fassliche Millisekunde soweit zu ihr hinunter, dass sie seinen sanften Atem auf ihrer Wange fühlen konnte, ihn regelrecht kribbeln spürte. »Das muss ich mir merken.«

Dieser kleine…

Seiren schluckte ihre Verärgerung runter, verbarg was diese kleine Aktion von ihm mit ihr innerlich anstellte und sah einfach an ihm vorbei, kalt und abweisend, erwiderte rein Garnichts auf seine Geschmacklosigkeit und löste sich langsam von Yaga, der sie nur entschuldigend musterte bevor er um seinen breiten Tisch schritt und sich in den Stuhl setzte. Sie nickte nur ab. Immerhin konnte er sich denken, dass sie nicht unbedingt direkt am ersten Tag auf Gojo treffen wollte, was sie in Anbetracht der jetzigen Situation aber ohnehin einfach hinnehmen müsste. Auch wenn es ihr doch deutlich schwerer fiel sich im selben Raum mit ihm aufzuhalten als sie angenommen hatte.


Gojo Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrganges - Tokio Jujuzisten High School, Büroraum

»Du bist wirklich der arroganteste Fatzke den ich kenne.«, knurrte sie bissig und knallte ihre Bücher ohne Zurückhaltung auf den Schultisch, dass dieser böse unter seinen überschlagenen Beinen vibrierte, die er kurz vorher vollkommen ungeniert dort platziert hatte – wohl wissend, dass es sie definitiv  verärgern würde. »Und jetzt verzieh dich von meinen Platz, Gojo.« Ihre grauen Augen klirrten ihm mit vollster Eiseskälte entgegen, dass er kurz glaubte, einen Schauer auf seiner Haut gefühlt zu haben. Etwas mit dem er nicht gerechnet hatte. Doch der Ausdruck in ihren hellen Pupillen war mehr als gefährlich. Sie wichen seinen hinter der Brille nicht aus sondern nagelten ihn fasst schon fest. Eine Tatsache die ihn amüsiert grinsen ließ während er mit den Stuhl etwas nach hinten rückte, der Klang des Metalls  sich durch das Zimmer fraß, und sich vor ihr aufbaute. » Na, na, na…«, wackelte er mit dem Zeigerfinger vor ihrer Nase herum und beugte sich ein gutes Stück zu ihr hinunter. Hinunter zu diesem Mädchen welches ihn Paroli bot. »Das war aber nicht sehr Ladylike von dir.« Er kam noch etwas näher, sodass sie beide nur wenige Zentimeter trennten und er ihren ruhigen Atem hören und die Bewegung ihres Brustkorbes sehen konnte. »Worte, musst du wissen, können auch Waffen sein.« Fast schon theatralisch legte er seine Hände auf die Brust um dem Gesagten noch einmal einen neckischen Nachdruck zu verleihen. Doch sie verzog nur angewidert das Gesicht und verschränkte die Arme vor dem Körper. »Ach halt die Klappe und verschwinde!«
Sichtlich vergnügt darüber zog er eine Augenbraue in die Höhe und schob seine schwarze Brille ein Stück weit hinunter, dass er über den Rand direkt in ihre Augen blicken konnte. »…Bring mich doch dazu…«


Merklich amüsiert beobachtete Gojo den Verlauf des Gespräches von seinem kleinen Platz aus der Ecke und musterte Seiren mit kleinster Genauigkeit, wohl wissend, dass sie seinen Blick deutlich im Rücken fühlen musste - etwas das ihm mehr als Spaß machte, schließlich hatte das hier doch eine vergnüglichere Wendung genommen als er es sich je hätte ausmalen können. Letzten Endes war ihm die leichte Gänsehaut auf ihren Schlüsselbeinen nicht entgangen, die entstanden war als er sich dicht zu ihr hinunter gebeugt hatte - wenngleich sie selbst das vielleicht nicht einmal bemerkt hatte. Dennoch reagierte ihr Körper noch immer instinktiv auf seine Anwesenheit – und das gefiel dem Jujuzisten, auch wenn es ihm nicht anders ergangen war, als er ihr so nahe gekommen war. Es war wie eine natürliche Anziehung zwischen den beiden, ein Impuls, gegen die sie nichts machen konnten. So war es damals schon. Und wenn er sie sich so ansah, diese Frau, mit diesen fast schon unverschämt langen Haaren die grazil um ihre Kurven fielen und wie sie mit diesem mehr als bezaubernden weißen Kleid mit dem hellblauen Band an der Taille, an der Fensterbank lehnte, welches an manchen Stellen durch das gleißende Sonnenlicht durchsichtig schimmerte und Sicht auf ihre langen Beine gab, hatte er mittlerweile eher das Gefühl, dass nicht er sie zu ärgern schien sondern sie vielmehr ihn. So sehr, dass er sich nur schwer zusammenreißen konnte, nicht sofort aufzustehen, sie an der Hüfte zu packen und die Aufmerksamkeit einzufordern die sie ihm mit ihrer schrecklich kalten Distanziertheit seit nun mehr als einer Stunde verwehrte. Ob er sich wie ein kleines Kind verhielt? Vielleicht. Ob es ihm egal war? So ziemlich. Nichts desto trotz hatte er die Umstände in denen sie sich befanden nicht vergessen. Die Gründe warum sie Tokio verlassen und sie beide das alles beenden mussten. Wie auch? Es waren Gründe die ihn heute noch ankotzten, Regeln die er am liebsten einreißen würde und Entscheidungen von Menschen aus höheren Positionen, die nicht einen Funken Respekt von ihm erwarten konnten. Aber bei Seiren die in einen Clan hineingeboren wurde, für die genau diese Vorschriften heilig waren, sie ohne Umschweife befolgten und über Leichen gingen, war das etwas ganz anderes - vor allem da sie die einzige Erbin war. Es hatte ihn entsprechend auch nicht wirklich gewundert als sie dann irgendwann Maki in ihre Obhut genommen hatte, die eine ähnliche Familiengeschichte aufweisen konnte wie sie selbst. Ganz so als hätte es das Schicksal gewollt, dass die beiden sich treffen.  

»Gojo?«

Er hob den Kopf leicht an, damit Yaga wusste, dass er die ganze Zeit zugehört hatte - blieb aber an Seirens kühler Mimik hängen, welche ihn nun ebenfalls über die Schulter hinweg ansah. Er grinste breit. Sie schien mit dem Vorschlag auch einverstanden zu sein. Aber, dass sie das war, zeigte ihm auch, dass sie weiterhin eine gewisse Distanz zu ihm halten würde, schließlich waren sie ab der kommenden Woche wieder Kollegen. Mehr nicht.
»Für mich ist das kein Problem, wenn sie wieder als Lehrerin unterrichtet.« Mit einem Satz war er aufgestanden und zu der Blondine rüber gegangen, die ihn derweil skeptisch beäugte, als er ihr galant die Hand ausstreckte und mit der anderen seine Augenbinde hinunter zog, damit er sie direkt in Betracht nehmen konnte. Sie. Dieses Gesicht. Das fast schon versteckte Muttermal unter ihren weichen Lippen auf der rechten Seite.
»Herrje! Jetzt hab dich nicht so!«, schnalzte er nachdem Seiren ebenfalls die Brille abgenommen, ihn aber immer noch fragend ansah. »Auf eine gute Zusammenarbeit…« Ohne Umschweife umfasste er diese zarte Hand von ihr, mit der sie heute einen Sonderfluch umgebracht hatte und zog sie mit Leichtigkeit ein Stück an sich ran, sodass nur ein kurzer Sonnenstrahl der durch die Scheibe gebrochen war, zwischen ihre Körper passte. »…Kollegin.«


Zenin Maki – Schülerin aus dem 2. Jahr –  Tokio Jujuzisten High School

Entnervt scrollte Maki durch die Nachrichten auf ihrem Handy. 103 ungelesene Nachrichten. Ein spindeldürres Lächeln zuckte über ihre angespannten Mundwinkel als sie nach unten wischte. War das ihr verdammter ernst? Ihre ausdrucklosen Augen, in denen nunmehr ein Funke von Verärgerung glühte, glitten zu einer großen weißen Tür die sich schräg gegenüber von ihr befand. Seit Maki vor gut einer Stunde darüber informiert worden war, dass sich Seiren bereits dort im Büro des Rektors eingefunden hatte, saß sie schon dort draußen auf der Bank und wartete. Demnach hatte sie auch genügend Zeit sich all die Texte durchzulesen die man ihr augenscheinlich in Sekundentakt geschickt hatte – auch wenn sie manche von denen ziemlich auf die Palme brachten. Gerade wenn ihr, so wie jetzt da nur ein dummer Smiley mit diesem schmierigen mehr als zweideutigen Grinsen entgegen lachte – und das gleich in gefühlt 35 Nachrichten die nacheinander auftauchten. Es war als würde Seiren sie auslachen, sie damit aufziehen, dass sie vorhin bei Yaga-Sensei so ein impulsives Verhalten an den Tag gelegt hatte, und das obwohl sie das ja gar nicht hätte sehen können. Und wenn Maki ehrlich war, wäre es ihr auch lieber, wenn man ihrem Sensei dies nicht unbedingt auf die Nase binden würde. Allein die Vorstellung wie sich die Blondine auf sie stürzen würde, sie an sich ziehen und umarmen würde, als wäre sie ein kleines Kind das zu ihrer Mutter zum ersten Mal „Mama“ gesagt hätte, ließ sie vor Scharm in Grund und Boden versinken. Immerhin würde ihr Wutausbruch damit ja andeuten, dass sie sich um das Wohlergehen von ihr gesorgt hätte - und das war etwas, dass massiv mit Makis Ego kollidierte. Etwas das nicht passieren durfte. Entsprechend hoffte sie auch, dass zumindest Yaga-Sensei dies nicht ansprechen und es stillschweigend bei dem Vorfall belassen würde. Bei Gojo-Sensei konnte sie allerdings nicht einmal mehr hoffen, da dieser mit einem mehr als eindeutigen Grinsen an ihr vorbeigeschlendert war, ehe er mit den Händen in den Hosentaschen und einem vielsagenden Zwinkern ebenfalls hinter der Tür verschwunden war. Gott, wie gerne hätte sie ihm dieses Ausdruck aus der dreisten Visage geprügelt! Aber nein, sie konnte sich beherrschen – wenn auch nur mit sehr viel Selbstdisziplin und dem Wissen, dass sie dem weißhaarigen Vollidioten ohnehin nicht ein Haar krümmen konnte, ja ihn nicht einmal berühren hätte können. Ein tiefes Seufzen kam ihr bei dieser Vorstellung über die Lippen, bevor sie sich nach hinten lehnte und endlich bei der letzten oder vielmehr der allerersten Nachricht angekommen war, welche sie nun doch schmunzeln ließ.

Chatverlauf Kaizen Seiren

10:32 Uhr
„Maki, mach dir keine Sorgen.“

10:33 Uhr
„Ich bin aufgehalten worden.
Wir sehen uns später an der Schule.“

10:35 Uhr
„Und bring Yaga nicht gleich um, nur weil du dein Handy mal wieder ausschaltest
und diese Nachricht viel zu spät lesen wirst. ;)“


»Meine Güte…«, lächelte die Grünhaarige beinahe verlegen. »Wie kann ein Mensch nur so sein.« Allein die Art und Weise wie ihr Sensei sie da gerade auflaufen lassen hatte, trieb ihr die Schamesröte ins Gesicht. Sie kannte Maki mittlerweile einfach zu gut. Für ihren Geschmack manchmal sogar viel zu gut wie dieses Beispiel mal wieder zeigte. Aber seit sie Seiren kannte, war sie schon so vorausschauend gewesen. Ganz so als würde es ihr ein leichtes sein die ganzen Verhaltensweisen, die Verhaltensmuster eines Menschen präzise lesen zu können, selbst wenn diese Person ein völlig Fremder war. Es war unheimlich und im gleichen Maße schon wieder faszinierend, dass sie sich unweigerlich auch schon selbst die Frage gestellt hatte ob auch sie diese Art von Fähigkeit erlernen konnte. Die Fähigkeit die Persönlichkeit eines Menschen in wenigen Augenblicken in all ihre Einzelteile zu zerlegen - die entlegensten Bedürfnisse aufzudecken und die widerwärtigsten Gedanken offen zu legen. Aber bis sie an diesen Punkt der absoluten Wahrnehmung angelangt, werden wohlmöglich noch Jahre ins Land ziehen. Jahre in denen Seiren hoffentlich noch an ihrer Seite sein würde…

Ein Klacken. Das Geräusch der Klinke wie diese hinunter gedrückt wurde, ließ Maki aufhorchen und zur Tür schielen. Sie hörte wie sich die Füße über den Boden bewegt hatten und dann stehen geblieben waren. Die Besprechung schien endlich ein Ende gefunden zu haben – hat ja auch lange genug gedauert.

»Dann sehen wir uns morgen, Masamichi.«, hörte sie die ruhige Stimme der Blondine nach etlichen Monaten wieder in ihren Ohren klingen, sah wie ihr die langen Haare aus dem Türrahmen entgegen strahlten, wie sie sich nun endlich vollkommen zum Gehen wegdrehte, sodass Maki nun in das ihr so vertraute Gesicht blickte, welches ihr vor mehr als drei Jahren die Hand entgegen gestreckt hatte. In das Gesicht welches sie regelrecht in den Bann zog. In die Augen, die nicht überrascht schienen sie zu erblicken, sondern sie vielmehr wieder willkommen hießen. Wie damals als Maki vor ihrer Tür gestanden hatte.

»Komm. Lass uns endlich nach Hause gehen.«


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Ich möchte mich einfach für die zahlreichen Favoriteneinträge und Empfehlungen bedanken. Ehrlich gesagt, hätte ich nach dem ersten Kapitel nicht mit so viel "Support" gerechnet. Deshalb - DANKE! ♡ Auch möchte ich Minniee hier noch einmal für ihre liebes Review danken! Ich habe mich sehr darüber gefreut. :)

Ferner möchte ich versuchen, die Gefühle der Charaktere so gut und ausführlich wie es mir möglich ist zu beschreiben. Ich möchte auch mal andere Facetten, andere Gedankengänge zeigen. Ich möchte den Charakteren so viel "Leben" wie es eben geht, einhauchen und sie an Punkte ankommen lassen, wo sich jeder Mensch einmal finden wird oder bereits befunden hat. So ist eine Maki eben nicht immer nur tough, oder eine Nobara nur ein "Hau-drauf-Mädchen", und ein Satoru eben nicht nur der charismatische Frauenheld der noch nie etwas wie "Herzschmerz" gefühlt hat. Schließlich macht das einen Menschen ja aus. Zumindest werde ich mir Zeit nehmen, diese Ideen die ich habe so gut wie möglich umzusetzen und hoffe, dass sie bei euch Anklang finden werden. :)

Und nun viel Spaß beim Lesen!
Herzlichst, solitudesoul ♡
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