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♱ Gloria Regali ♱

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Het
Maki Zenin Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo
24.06.2021
13.03.2022
14
58.728
25
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Dieses Kapitel
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05.12.2021 4.061
 
Arrival, pull the Trigger




Kaizen Seiren – Jujuzistin und Lehrerin des 1. und 2. Jahrgangsin der Nähe der alten Pagoden, Vormittag

Winter Heart - Song
...Reiner, weißer Schnee…
...wieder fiel er hinab…
...leise und bescheiden…
...wie damals...nur anders…


Ihre Lungen schmerzten als sie leise ausatmete, die Brust sich zaghaft hob. Früher hatte sie ihn geliebt - den Schnee. Ihn so sehr geliebt, dass selbst die eisige Kälte sie nicht von ihm trennen konnte. Viel zu groß war die Freude in ihren Augen, viel zu hell das Lachen, wenn sie aus der großen Eingangstür hinaus in den puderweißen Garten gestürmt war. Ohne Schuhe, ohne Jacke, einfach hinein in ihr unschuldiges Wunderland auf das sie jedes Jahr so sehnsüchtig gewartet hatte wie andere auf die liebevoll verpackten Präsente am Weihnachtabend. Nichts konnte Seiren glücklicher machen als dieser schlichte Anblick, dem sie so sehr verfallen war, der sich leuchtend wie ein Sternenkristall in den großen Augen spiegelte.

Aber…

Ein farbloses Lächeln legte sich auf die aufgerissenen Lippen während sie die schönen Kristalle dabei beobachtete wie sie durch die klare Luft tanzten. Wie sie sachte und mit vollster Achtsamkeit auf sie nieder fielen. Auf ihren tauben Körper, der sich nicht mehr bewegen wollte. Wie sie auf diese triste Welt rieselten, welche ihr mit einem leisen schauervollen Hauchen über das blasse Gesicht fuhr und zuflüsterte, dass das Leben nun einmal nicht fair war und es auch nie sein würde. Wie sie ihr leise jene Erkenntnis auf die blauen Lippen legten, die ihr Herz hinter einem Sturm aus Eis und Schnee verschließen wollte…

...früher… Ja… Früher  war lange her…

»Steh auf, du Göre.«. Ein Befehl, doch sie regte sich nicht. Stattdessen folgten ihre Augen den kleinen Flocken, die sich neben ihr auf den harten Boden niederlegten und sie versuchten zu trösten. Ihr zu wisperten, die brennenden Wunden küssten und den leidenden Schmerz in ihren zierlichen Gliedern betäuben wollten. Aber das dunkle Rot, welches bereits durch die knisternde Kälte gespritzt war, wie eine Warnung an ihrer fahlen Haut klebte und nicht in sie zurückfließen wollte, färbte sie in jene Grausamkeit, die schon aus dem toten Winkel dieser starren Augen nach ihr gelechzt hatte – und sie auch jetzt noch anstarrten. Sie zu verschlingen drohten. Fortwährend. Immer weiter, bis sie irgendwann nur noch eine hohle Porzellanpuppe wäre; ein Werkzeug das man benutzen konnte.
»Wir sind noch nicht fertig.«
Sie hörte sie. Die langsamen aber so bedrohlichen Schritte, wie sie den zarten Schnee unter sich zertraten. Sie hörte das dumpfe Klacken des Gehstocks mit dem er sie geschlagen hatte. Immer wieder. Immer härter. Ins Gesicht. Auf die Schultern. Die Rippen. Die Beine. Solange bis sie schlussendlich hier liegen geblieben war, unfähig noch weiter zu kämpfen – der Glanz in ihren Augen nur noch ein unscheinbares Flackern…
»Los.«
Der heiße Atem kräuselte sich schwach vor ihrem Mund während die weichen Flocken ihre  Pirouetten vor dem grauen Himmelszelt drehten. Damals hatte sie selbst diese schönen und wilden Kreise gedreht. Mit ihrem Vater. Ihrer Mutter. Und ihrer geliebten jüngeren Schwester. Schnell und langsam. So oft.  Doch hätte sie gewusst, was passieren würde wenn sie ihre Hände losließ, dann wäre sie bei ihnen geblieben. Dann wäre sie jetzt dort… und… nicht hier…  nicht bei diesem Mann, der nun neben ihr zum Stehen kam. Ein dunkler Schatten beugte sich über sie. Kleine, unheimliche Pupillen fixierten sie, ignorierten das Blut welches sich immer weiter um ihren kalten Körper sammelte. Seine feste Stimme war das Einzige was ihr jetzt noch einen unangenehmen Schauer in mitten der eisigen Temperaturen bescheren konnte. Das und die Art wie sich ein diabolisches Grinsen auf sein hässliches Gesicht legte.  
»Dein Vater Mikihisa,  würde sich im Grabe umdrehen, wenn er dich sehen könnte.«
Gakuganji Yoshinobu, der Mann, an den die Higher Ups sie vor 10  Monaten und 22 Tagen ausgehändigt hatten, ließ den Gehstock vor ihrem Gesicht in die Höhe schnellen. Gefährlich prangte er vor dem grauen Firmament, bereit sie abermals zu bestrafen. Und während sie dem Geschehen stillschweigend folgte wie der Stab hinabbrach und die Unschuld des Weihnachtstages ein letztes Mal in ihr Herz blicken durfte, die Erinnerungen an ihre Familie aufleben ließ, erlosch beim nächsten dumpfen Schmerz auch der letzte warme Funke in ihren Augen…

- Seiren als  sie 11 Jahre war




Seirens Finger gruben sich tief in die dicke Rinde des Baumes auf dem sie stand. Der Wind fuhr ihr wimmernd durch die Haare als hätte er ihr Leiden von damals nie vergessen. Und wie auch? Schließlich waren er und der Himmel selbst die einzigen Zeugen gewesen. Zeugen die aber nie jemand befragen würde.
Ihre hellen Pupillen wanderten etwas in die Ferne. Die Angespanntheit war ihr anzusehen während sie darauf wartete, dass sich die Türen der Edelkarosse öffneten. Nicht lange nachdem Masamichi ihr die Nachricht zukommen lassen hatte, dass die Kyoto High School nun vorgefahren wäre, war sie an diesen Ort hier gekommen. Die hohe Eiche die sie sich ausgesucht hatte, erhob sich direkt zwischen zwei der breiten Holzpagoden etwas abseits der Parkplätze, sodass Seiren sich einen ruhigen Überblick verschaffen konnte ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Zumindest war das der Plan.
Mit einem entsprechend ernsten Gesichtsausdruck verfolgte sie aber nun auch das Tun nicht weit von sich. Die Schüler die nacheinander aus der schwarzen Limousine stiegen, waren keine Unbekannten für sie. Ebenso wenig der Bastard eines Rektors und die Lehrkraft die mit ihnen angekommen waren. Doch obwohl sie während ihrer Zeit im Ausland über die neuen Anwärter informiert wurde, war das direkte Aufeinandertreffen immer noch mal etwas anderes. Gerade im Bezug darauf, dass der gesamte Trupp um Tōdō Aoi, der gerade seine Füße auf den grauen Kiesboden der Tokio High School setzte und sich die dunkle Trainingshose abklopfte, deutlich mehr Erfahrung im Kampf gegen Rachegeister besaß – und damit auch im Töten. Eine nicht gerade unerhebliche Tatsache, die ihr auch durchaus ein wenig Kopfzerbrechen bereitete. Immerhin kannte sie die Ausbildungsmethoden von Yoshinobu nur zu gut – wenngleich er sich bei seinen Schützlingen sicherlich mehr im Zaun gehalten hatte als bei ihr.

»Elender Hund.« Der Anblick wie der klapprige alte Mann  nun ebenfalls hinter der dunklen Tür hinausstieg und seinen verdammten Gehstock auf den Boden absetzte, diesen in die Erde drückte, hinterließ ein zu Tiefst widerwertiges Gefühl in ihrer Brust. Der brennende Sinnesreiz von Wut flammte in ihr auf wie der Funke in der Nähe von Benzin. Nicht unkontrolliert, aber dennoch präsent ätzte es sich gemächlich durch ihre Venen wie dickflüssige Lava und ließ ihr Hand drohend über die robuste Rinde kratzen. Dieser Bastard. Selbst nach all der Zeit verstand er sich darauf das Trugbild eines gebrechlichen Opas aufrecht zu erhalten, um die gesamte Welt zum Narren zu halten. Die gebückte Haltung, der andächtige Griff um den goldenen Knauf, das langsame voranschreiten – alles Lügen. Es war eine vollendete Vorstellung eines Menschen, der zwischen Schein und Sein so wechseln konnte wie es ihm gerade in den Kram passte. Der gütige Greis, der die Enten am Teich fütterte? Der in die Jahre gekommen Lehrer mit dem Wissen von 1.000 Enzyklopädien? Ein Monster, das dich direkt aus deinen finstersten Albträumen verschlingen könnte? Alles kein Problem. Nein, für ihn war es ein Leichtes zwischen seinen Gesichtern zu wechseln wie für andere das Wechseln der Kleidung. So unfassbar leicht… Und wenn sie ihn dort unten nun so sah, wie er ohne Reue und ohne einen Funken von Buße in seinem ausgetrockneten Herzen, die Treppe zur Schule hinaufschritt und Masamichi mit einem kurzen Nicken begrüßte, war es sie, die es allmählich zu bereuen begann ihn damals nicht umgebracht zu haben. Ihre Iriden fingen an zu glühen. Ja, ein klein wenig… nur ein wenig war das Bedauern da.

»Du weißt das „Stalking“ eine Straftat ist, oder?«
Ein vertrautes Lachen drang an ihr Ohr und ließ ihre Aufmerksamkeit wie das Eis auf einem See brechen. Es war nicht weit weg, das Lachen. Sein Lachen. Gar nicht weit weg. Sie spürte die warme, leicht flackernde Aura immer näher kommen wodurch sich ihre Nackenhaare wie die einer Katze aufstellten. Doch von wo?[ Ihre Augen glitten durch die Umgebung wobei sie auch ein letztes Mal am Rektor der Kyoto hängen blieb, der jedoch soeben aus ihrem Sichtfeld verschwunden war. So ein Mist.

»Vielleicht sollte ich dich ja für dieses Vergehen lieber festnehmen.«
Überrascht blickte sie auf als sie Satorus unverschämt schönes Gesicht so plötzlich direkt vor ihrer Nase schweben sah, sie neckisch anstrahlend. Wie der arrogante Gott des Schabernacks höchst selbst, trieb er durch die Lüfte und unterwarf die Schwerelosigkeit mit seinem simplen Dasein wobei die Hände wie immer nonchalant in den schwarzen Taschen vergraben waren und die strahlend weißen Zähne ihr mit der Sünde des Hochmutes entgegen funkelten. Lieber Herr im Himmel, was hast du dir nur bei diesem Kerl gedacht? Und während Seirens 17 Jähriges Ich gerade in jubelnder Euphorie verfiel und hochrot anlief, schüttelte ihr weniger empfängliches Gewissen nur genervt den Kopf und trat dem kindlichen Abklatsch ihres Selbst mit einem schwungvollen Tritt direkt wieder zurück in das Kinderzimmer. Deshalb war es auch nicht gerade verwunderlich, dass sich statt einem Lächeln, ein leicht verärgerter Ausdruck auf ihr Gesicht schlich.

»Vielleicht sollte ich dir einfach meine Faust ins Gesicht drücken, was hälst du davon?«. Herausfordernd zog sie eine Augenbraue hoch, die Arme wartend vor der Brust verschränkt. Aber selbstverständlich erblühte das rotzfreche Grinsen stattdessen nur weiter wie der Glanz der Sonne am Himmel und zog sich beinahe vollständig zu beiden Ohre hinauf. Gott, wie gerne würde sie ihn gerade schlagen wollen. Direkt ins Gesicht. In dieses schöne Gesicht, welches sich nun überraschenderweise etwas von ihr entfernte, aber nicht so weit, dass sie nicht noch nach ihm greifen könnte, wenn sie gewollt hätte, sondern nur ein kleines Stück - mehr nicht.
»Ahh…«, hauchte er amüsiert und ließ die rechte Hand locker aus der Hosentasche gleiten, die sich nun kurzerhand an sein Kinn platzieren durfte. Grüblerisch wog sich sein Kopf von links nach rechts. Einmal. Zweimal. Dann ein drittes Mal. Eine nervtötende Geste, die nur dazu dienen sollte um sie zu reizen. Dabei wollte sie eigentlich nur in Ruhe ihrem Vorhaben hier oben nachgehen und nicht als Zeitvertreib seiner kindischen Spielchen herhalten. Nicht jetzt. Nicht heute. Aber wie so oft musste der wahnwitzige Idiot ihr natürlich in die Quere kommen.

»Also war dir das mit der Dose noch nicht genug?« Was? Sie starrte ihn an. Er zwinkerte ihr dreist unter der Augenbinde zu, das Lächeln nicht weniger unverschämt, als er auf die kleine Beule auf ihrer Stirn anspielte, die sie nur mit Mühe unter einer kleinen Schicht Make-Up versteckt bekommen hatte.
Glühende Röte schoss Seiren binnen weniger Sekunden in die Wangen. »Sch-schnauze!«, fauchte sie und zupfte sich hektisch ein paar Strähnen ihrer blonden Haare vor die kleine Erinnerung ihres nächtliches Ausfluges. Dummer Penner…
Sein gackerndes Lachen was daraufhin an ihre Ohren drang, ließ sie knurren. »Jetzt beruhig dich.«, und kam wieder etwas näher, sodass der frische Duft von Limetten ganz langsam ihre Sinne zu vernebeln begann. Der Gedanke, dass er erst vor kurzen unter der Dusche gestanden haben musste, ließ sie ein klein wenig den Fokus verlieren. Immerhin wusste sie was unter dieser Kleidung schlummerte und sie nicht nur einmal so einige Stunden im Bad festgehalten hatte. Seine bestimmende Art, wenn er etwas unbedingt haben wollte, war da manches Mal schon ein Problem gewesen.

»Man sieht es kaum noch.«, holte er sie aus ihrem kleinen Kopfkino zurück und tippte ihr ohne dass sie überhaupt reagieren konnte, ganz sanft mit dem Zeige-und Mittelfinger gegen die Stirn während er ihr ein so charismatisches Lächeln schenkte, dass sie für einen flüchtigen Moment alles um sich herum zu vergessen schien und sich eine leichte Wärme in den Wangen sammelte. Wie so oft, wenn er bei ihr war. Niemand sonst schaffte es sie so sehr abzulenken wie dieser Mann. Niemand außer ihn vermochte es ihr ganzes Wesen auf diese Art zu zähmen. Und das wusste er.  Sie sah es wie er die Lippen nun aufeinanderlegte und den Kopf leicht zu Seite neigte, sie definitiv unter dem schwarzen Stoff seiner Augenbinde schmunzelnd musterte. Die spielerische Stimmung zwischen ihnen hatte mit einem Mal eine stillere Bedeutung bekommen. Eine von der sie nicht wusste ob sie das überhaupt wollte. Vielleicht senkte sie auch gerade deshalb den Blick, doch der sanfte Druck den seine Finger auf ihr Kinn ausübten, stoppten sie und wollten sie nicht aus diesem Moment gleiten lassen. Selbst wenn es nur für wenige Sekunden wäre. Selbst wenn es nur ein winziger Augenblick war in dem sie sich diese kleine Annäherung erlauben durften. Es würde reichen. Und so war es schon immer zwischen ihnen. Sie waren wie Magneten die sich selbst zwischen den größten Hindernissen dieser Welt immer wieder anzogen. Zwar wussten sie nie wann oder wo, aber dass es passieren würde, war ihnen bewusst. Doch auch wenn sie sich gerne dieser zärtlichen Berührung entgegen neigen wollte, sie nicht enden lassen wollte, sie noch etwas auskosten versuchte, so machte ihr das lästige Vibrieren in der Hosentasche, die schmerzhafte Realität wieder bewusst. Und damit nicht nur ihr. Auch Satoru wurde es wieder ins Gedächtnis gerufen.

Behutsam ließ er seine Hand hinab gleiten, die ruhige Stimme zwischen dem leisen Rascheln der Blätter für Seiren so verständnisvoll küssend wie schmerzhaft bebend. »Ich weiß schon.« Die Kälte ließ die prickelnden Spuren seiner Finger auf der Haut quälend verblassen. Aber er hatte den bittenden Ausdruck in ihren Augen verstanden. »Dann kann ich dir ja jetzt sagen weswegen ich eigentlich her gekommen bin.« Er fuhr sich durch die weißen Haare und straffte die Schultern. Allerdings wirkte das schalkhafte Lächeln mit einem Mal weniger amüsiert als üblicherweise.



Fushiguro Megumi – Schüler aus dem 1. Jahrgang –  Treffpunkt der Schulen, gegen Mittag


Das waren sie also, ja? Nüchtern ließ er seinen Blick über die Schüler der Kyoto schweifen. Tōdō Aoi hatte er ja schon vor einigen Wochen kennenlernen dürfen. Mehr oder weniger. Doch ehrlicherweise machte ihn das dadurch nicht weniger gefährlich, nur weil sie bereits aufeinander getroffen und eine Auseinandersetzung miteinander gehabt hatten. Megumi wusste selbst nach dem Kampf mit ihm genauso viel wie vorher - und das war nicht viel, bis auf den Punkt, dass dieser Kerl anormal stark war und einen seltsamen Hang für dumme Fragen hatte. Aber was seine genauen Fähigkeiten waren und wie stark er in Wirklichkeit war, konnte er sich nur vage vorstellen. Immerhin hatte der großgewachsene Muskelberg selbst bestätigt, dass er seine Fluchtechniken nur für Sonderränge brauchte und sonst nur unnötiger Verbrauch an Energie wäre. Entsprechend war Tōdō ein ernstzunehmender Gegner, der ihnen allen überaus gefährlich werden konnte, wenn er tatsächlich ernst machen würde. Das war so sicher wie das verdammte Amen in der Kirche. Was die anderen seiner Kameraden allerdings anging, wusste Fushiguro eigentlich auch da nicht Ganzes und auch nichts Halbes.

Er sah zu Zen’in Mai, die seine Teamkollegen selbstsicher durchmusterte. Die Arroganz und die Selbstgefälligkeit in ihren dunklen Augen funkelte wieder einmal so düster wie die einer hungrigen Hyäne, die ihre Beute langsam zu umkreisen begann. Obwohl sie irgendwie auch seine Tante war, vermied er allerdings den größten Teil seiner Zeit diesen Fakt und ignorierte es so gut wie es ihm eben möglich war. Dass sie allerdings über unheimliche Fähigkeiten verfügte war kein Geheimnis. Vor ihrem Umgang mit Schusswaffen würden sie sich in Acht nehmen müssen. Obwohl er irgendwie das Gefühl nicht loswurde, dass Mai vorzugsweise die Konfrontation mit Maki suchen würde. Immerhin schienen die beiden noch so einige Diskrepanzen miteinander zu haben. So zumindest wirkte es gerade als die Blicke der beiden sich trafen und für eine unangenehme Spannung sorgten.

Über den seltsamen Schrotthaufen der neben blauhaarigen Miwa Kasumi stand, wusste er zum Beispiel gar nichts. Allein das sein Name wohl Mechamaru war ihm bekannt. Dass die beiden allerdings ebenfalls über deutlich mehr Erfahrung als er oder einige der anderen in seiner Gruppe besaßen, war mehr als klar. Demnach würde das hier alles andere als einfach werden. Und mit Kamo Noritoshi hatten sie zudem noch einen Jujuzisten mit unheimlichen Fähigkeiten, die selbst Megumi ein wenig Respekt einbläuten. Allem in allem könnten sie von Glück reden, wenn sie irgendwie lebend aus dem Ganzen rauskommen würden.

Murrend kratze er sich am Hinterkopf. Das war doch alles super nervig. Mal abgesehen davon, dass die Kyoto mit Sicherheit den Fokus auf Yuji legen wird. Der Pinkhaarige Volldepp, der eigentlich Mausetot sein sollte und doch gerade hampelnd neben ihn stand und die Schultern aufwärmend kreisen ließ. Nobara und Megumi selbst waren mehr als schockiert darüber als Gojo vor einer Woche mit dieser Überraschung, wie er es betitelt hatte, in den Klassenraum geplatzt war. Natürlich waren sie froh darüber das dieser Vollspinner doch noch unter den Lebenden weilte, aber sie so auflaufen zu lassen hatte einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Doch für den anstehenden Wettkampf war dieser Trumpf vielleicht gar nicht mal der Schlechteste…

»Seid ihr bereit zu sterben?« Mai grinste sie alle verschwörerisch an und zielte als würde sie wirklich eine Waffe in der Hand halten auf ihre Köpfe. Nacheinander wanderte sie von einem zum anderen, bis sie bei Maki stoppte und lachend so tat als würde sie abdrücken. »Rest in Peace, my beloved sister…«, flötete sie herausfordernd, wodurch allerdings Nobara gereizt nach vorne trat und sie ins Visier nahm. »Hast du was gesagt, du minderwertige Kopie?« Nach dem Training heute Morgen war sie wohl doch noch etwas gereizt, obwohl sie vor nicht einmal fünf Minuten das Gegenteil behauptet hatte. Schließlich schien das Gespräch zwischen ihr und Kaizen in eine gute Richtung gegangen zu sein, nachdem die blonde Jujuzisten ihr deutlich zu verstehen gegeben hatte, das ihre Wutausbrüche alles andere als hilfreich im Kampf gegen Fluchgeister wären. Zumindest nicht die unkontrollierten. Wenn er das nun jedoch sah, schien die Warnung von Kaizen noch nicht ganz so klar gewesen zu sein.

»Komm runter, Nobara. Soll sie mir auf dem Kampffeld zeigen was sie kann. Hier kann jeder noch große Reden schwingen…« Maki hatte Kugisaki die Hand von hinten auf die Schulter gelegt, wobei sie ihre Zwillingsschwester ebenfalls provokativ taxierte und zu grinsen begann. »Sei das Talent noch so klein.«, setzte sie nach und zwinkerte der knurrenden Mai dreist zu.  Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf bevor er aus der Ferne bereits die beiden Rektoren auf sie zukommen sah. Doch da war noch jemand der in ihre Richtung kam. Und nicht nur er schien es bemerkt zu haben. Die Gespräche die bis eben noch teilweise geführt wurden, waren jäh verstummt und die Aufmerksamkeit eines jeden entfloh auf die eine Person die immer näher kam. Und obwohl die Fluchkraft ungewöhnlich schwach zu glühen schien, fast schon unmöglich war auszumachen, hinterließ sie bei allen den gleichen einschneidenden Eindruck der Angespanntheit. Das war jemand, der genau wusste wie er seine Fähigkeiten zu verbergen hatte. Ein unheimliches Flirren durchzog die Luft wie die Stille das Kampffeld.

»Sie ist tatsächlich mal pünktlich.«, trat Maki nun grinsend an ihn heran und ließ damit auch die Kyoto aufschauen.
»Wer ist sie?« Nishimiya Momo, die Jujuzistin mit den blonden hochgesteckten Haaren und dem Hexenähnlichen Besen in der Hand, sah Maki skeptisch an. Offenbar wussten sie nicht über die neue Lehrkraft in den Reihen der Tokyo High School Bescheid. Andererseits war es auch nicht notwendig, dass zu wissen. Immerhin hatten sich die Lehrer beim Austausch rauszuhalten und waren eher Zuschauer als direkte Beteiligte.
Nobara ließ die Faust grinsend in die andere Handfläche knallen und funkelte die Jujuzisten provozierend an. »Unsere neue Lehrerin.«



Gojō Satoru – Jujuzist und Lehrer des 1. und 2. Jahrgangszu selben Zeit im Versammlungsraum



»Worüber wolltest du reden, Gojō?« Iori sah ihn zwar nicht an während sie die kleine braune Teetasse langsam in ihren Händen drehte, doch überbrückte der leicht genervte Unterton ohne Probleme die Distanz zwischen ihnen. Es wirkte sogar ganz so als würde sie deutlich machen wollen, wie sehr ihr diese ganze Situation hier gegen den Strich ging und das sie weit aus Besseren zu tun hatte als sich hier mit ihm zu unterhalten – was mit Sicherheit auch stimmen mochte, schließlich würde der Wettkampf gleich starten. Aber deshalb gleich so kratzbürstig zu sein, musste ja nun auch nicht sein. Immerhin würde er sie ja nicht aus reinem Vergnügen hierher bestellen. Zumindest nicht sie. Entsprechend begeisterungslos  blickte er die Jujuzistin mit den zusammengesteckten schwarzen Haaren nun auch an. »Was bist du denn jetzt gleich so angepisst, Utahime?«

Wie die Augen eines Raubtieres blitzten ihre dunklen Pupillen aus dem Augenwinkel in seine Richtung und fixierten ihn wie Eckzähne das zappelnde Beutetier in der Savanne. Die Abneigung die sie ihm gegenüber empfand, war mehr als klar zu erkennen. Nun würden sich andere Menschen sicherlich fragen was ihr scheiß Problem war, aber Satoru hatte sich mit diesem Umstand schon lange abgefunden. Demnach juckte ihn ihre schlechte Laune auch nicht im Geringsten. Im Gegenteil, sie langweilte ihn sogar, wenn er ehrlich war. So sehr, dass sogar die etwas flackernde Deckenlampe mehr Aufmerksamkeit von ihm erhaschen konnte, als die kochende Iori, welche die zierlichen Finger verkrampft um das Gefäß in ihrer Hand geschlossen hatte.

»Ich bin nicht angepisst.«, versuchte sie das dunkle Knurren welches sich in ihrer Kehle angestaut hatte, zu unterdrücken, wobei die Mundwinkel einen finsteren Schwung nach unten hinlegten. Ob er ihr vielleicht sagen sollte, dass sie dadurch immer mehr Falten bekommen würde? Er zuckte mit den Schultern als er diesen verlockenden Gedanken kurzerhand wieder verwarf, um sich dem Wichtigen wieder zuzuwenden. »Stimmt. Warum solltest du auch?« Entspannt schwenkte er die kleine Tasse in seiner Hand, sich jeder Schuld unbewusst, und beobachtete wie die dampfende Flüssigkeit sich begann im Kreise zu drehen. »Ich hab ja auch nichts verbrochen.« Das dumpfe beben von Utahimes drohender Aura überging er einfach mal und ließ den Kopf einmal von links nach rechts wandern, sodass jeweils ein dumpfes Knacken zu hören war. Dass die Anwesende sein ignorantes Verhalten nicht leiden konnte, war ihm bewusst, doch was sollte ihn das jucken? Schließlich war nichts vorgefallen für das er die Verantwortung hätte übernehmen müssen. Gut, vielleicht hätte er eine Meldung machen müssen, dass Itadori Yuji doch noch lebte – aber wo wäre dann der Spaß geblieben?

Ein kleines, unscheinbares Grinsen neckte an seinen Lippen und renkte sich wie ein diabolischer Schatten über seine makellosen Gesichtszüge. Zu gerne wäre er ja dabei gewesen als man Gakuganji Yoshinobu die frohe Botschaft übermittelt hatte. Es wäre mit Sicherheit das reinste Feuerwerk für ihn geworden. Die Überraschung in der faltigen Fratze zu sehen, die Anspannung in seinen eingefallenen Schultern zucken. Allein der Gedanke daran, wie der alte Mann die Augen bis zum Anschlag aufgerissen haben musste und die Wut sich wie ein dunkles Gewitterfeld über sein kahles Köpfchen zusammengebraut hatte, machte Satoru mehr als glücklich. So glücklich, dass er sich ein leises Kichern nicht verkneifen konnte. Hach, ja, wie gern hätte er das miterlebt.

Nichts desto trotz müsste er nun das eigentliche Thema anschneiden, welches er auch Seiren erst vor gut einer Stunde nahe gebracht hatte. Entsprechend ernst war dieser Umstand auch. Seit einigen Wochen hatte er schon dieses ungute Gefühl, dass im Hintergrund mehr vorging, als man auf dem ersten oder zweiten Blick erkennen konnte. Woher sonst wussten diese minderwertigen Insekten so gut über ihn und seine Schüler Bescheid, wenn nicht durch einen  Verräter in den eigenen Reihen? Und dass die alten Säcke Seiren zurückkehren ließen, machte das alles noch um ein vielfaches bedrohlicher. Allein diese Tatsache sprach dafür, dass die Higher Ups jeden Jujuzisten mit besonderen Fähigkeiten in ihrer Nähe wissen wollten. Menschen die dazu in der Lage waren, selbst mit den größten Monstern dieser Welt umgehen zu können. Und der Vorteil an Seirens Anwesenheit war der Fakt, dass niemand etwas über ihre Fähigkeiten wissen konnte. Sie war das Buch, das niemand lesen konnte. Zumindest niemand, der sich außerhalb ihres direkten Lebens befand…

Er sah Iori nun direkt an. »Ich glaube wir haben ein Maulwurf in unseren Reihen, und ich möchte, dass du bei deiner Schule die Augen und Ohren offen hälst.« Es war eine simple Aussage, mit einer noch simpleren Anweisung, die eigentlich nicht missverstanden werden konnte. Doch so wie auch Seiren irritiert die Augen aufgerissen hatte, überkam es auch Utahime die ihn nunmehr anstarrte, die Wut vollständig verblasst.
»Und wie kommst du darauf?« Ihre Stimme war zwar ruhig, doch schwang der Unglaube deutlich in ihren Worten mit. Verständlich, wenn man überlegte, dass er gerade einen ihrer eigenen Leute des Verrats beschuldigte. Aber so war es nun einmal.
»Reicht dir nicht allein meine Annahme, Utahime?« Der ungewohnt ernste Tonfall in seiner Stimme, hatte sie schließlich stumm nicken lassen. »Ich werde sehen was ich herausfinden kann.«

Sehr schön… dann konnte der Wettkampf ja starten.
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