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Todeshunger

von Magneta
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
James T. Kirk Leonard McCoy Spock
24.06.2021
24.08.2021
15
22.980
2
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20.07.2021 1.284
 
McCoy ließ ihn nicht aus den Augen und machte keinen Hehl daraus, welches Entsetzen er empfand.

„Was war das?“
Schweigen. Sein Patient hatte den Blick abgewendet und wirkte unbeteiligt.
McCoy verschränkte die Arme und brachte sich ins Sichtfeld des Vulkaniers.
„Was war das gerade?“, wiederholte er langsamer und blickte Spock durchdringend an.
Aber er erhielt keine Antwort. Der Vulkanier hatte seinen emotionalen Schutzpanzer hochgefahren, seine Augen waren dunkel und leer.
Der Arzt schnaubte. „Gut. Wie Sie wollen. Dann sage ich Ihnen, was das war. Das war eine Panikattacke.“

Wieder Schweigen. McCoy zog das Tablett wieder näher heran und öffnete die Abdeckung. „Können Sie das essen, Spock?“

Der Vulkanier griff vorsichtig zum Löffel und probierte von der Suppe. Sein Herzschlag stieg an, aber dank des Beruhigungsmittels nicht mehr so extrem wie davor.
„Wenn Sie körperlich so intensiv reagieren, dann sind auch Gefühle im Spiel!“, fuhr McCoy fort und verschränkte die Arme. „Darüber müssen Sie mit mir reden!“
„Nein, Doktor.“
Spocks Stimme war leise, sein Blick weiterhin bemüht abgewendet.
„Das sehen wir dann. Fürs Erste essen Sie das hier jetzt. Ich bin gleich wieder zurück, dann haben Sie hier genug Ruhe.“ Er nickte knapp und verließ den Raum. Es war nicht nötig, dabei zu stehen und könnte für seinen Patienten nur erschweren, wieder etwas zu essen.

Spock begann zu essen. Er spürte in sich die dumpfe Panik, die sich aufgrund des  Beruhigungsmittels nicht mehr vorarbeiten konnte. Ihm wurde übel, aber er musste es jetzt schaffen. Sein Magen schmerzte. Sein Herz klopfte. In seinen Ohren rauschte es. Es fühlte sich furchtbar an. Es fühlte sich an, als täte er etwas Verbotenes zu dem er gezwungen würde. Etwas, das er sich nicht ausreichend verdient hatte. Etwas, was ihn dick machen würde. Woher kam der Gedanke? Dick? Er runzelte die Stirn, als dieser Gedanke in seinem Kopf lauter wurde. Er musste schlank bleiben. Jedes Übermaß war schlecht. Und jedes Essen war Übermaß.  

Als McCoy nach zehn Minuten wieder rein kam, war der Vulkanier weiß im Gesicht und atmete gegen die Schmerzen an. Der Arzt befreite ihn ohne zu Zögern von den Fixierungen und ohne weitere Worte verschwand Spock auf die Patiententoilette.

Er ließ sich Wasser über die Hände laufen, kaltes Wasser. Dann wusch er sich damit durchs Gesicht. Aber die Übelkeit in ihm war noch da und wollte nicht zurück gehen. Er war in einem geschützten Raum, wo er die furchbare Menge von Suppe wieder loswerden würde.

Es dauerte insgesamt 25 Minuten, bevor er auf die Station zurück kehrte. McCoy hatte äußerst geduldig gewartet. Sein Patient hatte zwar wieder Farbe im Gesicht, aber er hatte den begründeten Verdacht, dass von dem, was er gegessen hatte, das meiste in der Toilette gelandet war.

Der Arzt zog seinen Scanner und tippte auf die Liege. Nachdem Spock sich wieder hingelegt hatte, begann er mit der Untersuchung.
„Dieser Modak, Spock. Was wissen Sie genau über ihn?“, fragte er schließlich.
Spock schüttelte den Kopf. „Modak war der Kolonist, den wir auf die Enterprise mit genommen haben. Einer der führenden Kolonisten auf Pagoma.“
„Er hatte das Kommando?“, fragte McCoy stirnrunzelnd, während er weiter die Werte aus dem Scanner ablas. Spock runzelte irritiert die Stirn und nickte. „Wenn Sie so wollen.“
„Wussten Sie, dass Modak eine unheilbare psychische Krankheit hatte und starke Medikamente dagegen erhielt?“, fuhr McCoy fort.

Spock blickte ihn an. Dann schüttelte er kurz den Kopf. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich keinen Persönlichkeitstausch mit ihm vorgenommen.“
„Das denke ich mir.“ Er holte sich einen Stuhl und setzte sich zum Vulkanier dazu.
„Was ist mit dem Essen passiert?“, fragte er schließlich und verschränkte die Arme.
„Die Vorräte sind in den Speichern weit über ihre Haltbarkeit gelagert worden und deswegen verdorben“, antwortete Spock ruhig. Der Arzt schüttelte den Kopf.
„Das meine ich nicht, Mr. Spock. Ich meine das, was ich Ihnen eben herbrachte.“

Spock wich aus.  „Ich weiß nicht, worauf Sie hinaus wollen, Doktor.“
McCoy zog beide Augenbrauen hoch und rückte etwas näher. „Ich denke, Sie wissen es! Alles was ich wissen muss, ob Sie es bei sich behalten konnten. Wenn wir mit dem Beruhigungsmittel die Panikreaktion soweit in den Griff bekommen, dass Sie wenigstens bei sich behalten, was Sie essen, dann können wir an der Panik arbeiten.“  
Der Vulkanier schwieg.
„Alternativ lege ich ihnen eine Magensonde und ernähre Sie darüber“, sagte der Arzt schließlich.
Sein Patient schwieg weiter. Er hatte gehofft, ihn provozieren zu können, aber es erfolgte keine Reaktion. Er seufzte.
„Spock! Ich weiß, wir haben unsere Differenzen, aber in diesem Fall müssen wir eine Lösung finden. Es geht nicht darum, dass ich etwas durchsetze. Sie müssen essen. Sie haben mitbekommen, was den Kolonisten passiert ist. Ich weigere mich einfach mich damit abzufinden, dass Sie durch diesen Modak an dieser tödlichen Hungersucht erkrankt sind.“
Spock zog eine Augenbraue hoch. „Interessant. Wenn Mr. Modak mich einfach getötet hätte, dann würden Sie sich damit abfinden müssen.“ Er sagte das ruhig und nahezu unbetont.

McCoy verschränkte die Arme und ließ seinen Blick über den Vulkanier gleiten.
„Interessant. Ist das der Mut, dass Sie sterben können, eher als der Mut sich dem Leben zu stellen, Spock?“
Sein Gegenüber schwieg.
McCoy nickte. „Ich dachte mir schon, dass Sie mir darauf nicht antworten können. Aber es passt nicht zu Ihnen, wenn Sie sich diesem Problem nicht stellen, Spock. Sie müssen sich diesem Problem stellen. Sie müssen sich mir stellen!“
Er rückte noch näher an den Vulkanier heran, dass Spock ihn bereits als zu nah empfand.
Spock blickte ihn ruhig an. „Mich Ihnen stellen, Doktor? Sie arbeiten an den Symptomen. Erfahrungsgemäß können Sie Symptome unterdrücken. Aber damit haben Sie das Problem nicht gelöst.“
„Und wie lösen wir das Problem, Spock?“
„Wenn es die eine Lösung gäbe, können wir davon ausgehen, dass die Kolonisten sie gefunden hätten“, sagte der Erste Offizier leise. McCoy wich nicht zurück. Er war nah an ihm dran geblieben und fixierte ihn.
„Doktor?“, fragte er ruhig.
„Spock?“ Die Gegenfrage war ebenso ruhig, veränderte aber nichts an ihrer Situation.
„Es ist nicht notwendig, dass Sie mir so nahe kommen. Könnten Sie bitte den gebotenen Abstand wahren?“, fuhr Spock fort.
McCoy schüttelte den Kopf. „Und wenn ich das nicht tue. Und wenn Sie sich wehren müssen. Ein Kampf, Spock. Wer würde gewinnen? Sie oder ich? Vorausgesetzt wir kämpfen Mann gegen Mann? Also ohne Ihren Nervengriff.“
Sein Patient schüttelte ausdruckslos den Kopf und zog eine Augenbraue hoch. „Ihre Frage ist unlogisch. Es steht überhaupt nicht zur Diskussion, dass wir …“
„ICH würde gewinnen!“, unterbrach der Arzt ihn. „Meine körperliche Konstitution ist der ihren im Moment weit überlegen. Das wissen Sie so gut wie ich. Und noch ist es nicht Ihr Ende, Sie haben noch etwas Zeit, bevor Sie hier elendig verhungern werden. Aber jetzt bereits bin ich Ihnen körperlich überlegen, Spock.“

Sie sahen sich in die Augen.
„Interessante These Doktor. Wenn ich Sie besiege, darf ich die Krankenstation also verlassen?“ Er hob eine Augenbraue hoch. McCoy lächelte, dann lachte er kurz und setzte sich wieder hin. Spock blieb ausdruckslos.
„Das war kein Witz“, sagte Spock ruhig.
McCoy betrachtete ihn nachdenklich und nickte. „Ich wollte Sie lediglich aus der Reserve locken. Sie haben eine tödliche mentale Krankheit, die Ihnen verbietet, sich gesund und normal zu ernähren. Seit Wochen nun schon haben Sie nicht mehr gegessen. Dann vergiften Sie sich in einer Art Trance auf dem Planeten mit verdorbenen Lebensmitteln und nun liegen Sie hier und fragen mich, ob Sie gehen dürfen, wenn Sie mich überwältigen.“
Schweigen.

Aber der Arzt konnte diese Stille nicht akzeptieren.
„Wir spielen das gedanklich durch, Spock. Wohin gehen Sie, wenn Sie mich überwältigen?“, fragte er schließlich.
„Ich werde mich zurück beamen auf die Planetenoberfläche. Dort sind Antworten, die Antworten die uns fehlen, “ sagte Spock und erwiderte dabei den durchdringenden Blick des Arztes.
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