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Todeshunger

von Magneta
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
James T. Kirk Leonard McCoy Spock
24.06.2021
22.07.2021
10
15.606
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Kirk hatte eine Konferenz einberufen.

McCoy, Scotty, Chekov und er saßen am Tisch, die Berichte der Landeteams von Pagoma hatten sie durchgesprochen. Sie saßen eigentlich schon geschlagene zwei Stunden, aber Kirk war noch nicht fertig.
„Der Bericht von Dir, Pille?“, forderte er schließlich den Arzt auf. McCoy hob die Augenbraue hoch, pustete die Backen auf und legte den Bericht ein.
„Wir haben ein Versäumnis bei der Routineuntersuchung letztes Jahr festgestellt. Dadurch erhielt ein Kolonist Namens Modak nicht die wichtige Medikamente, die er zur Eindämmung einer geistigen Störung benötigte. Die Folge war, dass er starke Veränderungen durchmachte, die die Kolonisten teilweise über mentale Gedankenverschmelzung zurück verfolgen und beheben wollten. Dabei steckte sich jeder von ihnen mit dieser mentalen Erkrankung an. Die Lebensmittel in Speicher 2 sind Horte aus der gesamten Zeit. Das heißt, der Speicher war zwar voll, aber schon zur Hälfte verfault, als es soweit war. Es waren gesammelte Lebensmittel, auf die die Kolonisten eisern verzichtet haben. Nach wenigen Monaten starben die ersten Kolonisten aufgrund der Unterernährung. Das Ergebnis, als wir da waren, ist Ihnen bekannt, meine Herren.“

Betroffenes Schweigen herrschte vor.

Kirk schluckte kurz und wurde etwas heiser. „Commander Spock?“, fragte er und schielte zu McCoy. Es gehörte nicht zwangsläufig dazu, diese Dinge vor Chekov und Scotty zu besprechen, aber irgenwie wollte er das. Vielleicht gab es eine Idee. Eine Idee, die ihm und McCoy noch nicht eingefallen war.
„Commander Spock hat sich, wie Ihnen allen bekannt ist, beim Persönlichkeitstausch mit dem Kolonisten, den wir in Behandlung hatten, infiziert mit dieser mentalen Seuche. In Folge kann er keine Nahrung zu sich nehmen oder bei sich behalten. Er hat sich selbst auf Pagoma gebeamt und geriet dort in einen tranceartigen Zustand, der es ihm offenbar erlaubte, faulige Nahrung zu essen. Folge war eine mittelschwere Lebensmittelvergiftung. Der Commander ist fest entschlossen, seinen Besuch auf Pagoma zu wiederholen. Diesen Antrag soll ich in seinem Namen – stellen,“ sagte er schließlich.
„Wofür?“, fragte Chekov und runzelte fragend die Stirn. Er spürte die Blicke, die nun auf ihm ruhten und lächelte entschuldigend, „es tut mir leid. Aber wofür möchte Mr. Spock auf den Planeten zurück? Wir haben die Untersuchungen restlos abgeschlossen.“

„Ich möchte die Frage anders stellen“, mischte sich Kirk direkt ein. „Gibt es eine Chance, dass es Commander Spock heilen könnte?“
Der Arzt schob die Unterlippe vor und zuckte kurz mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Vom medizinischen Standpunkt aus eher nein. Er ist in einer labilen körperlichen Verfassung. Und wenn er nochmal faulige und toxische Nahrung zu sich nimmt, weiß ich nicht, ob er das überlebt.“

Kirk nickte und sie sahen sich kurz in die Augen. Der Captain litt. Zum einen, weil es einen engen Freund von ihn betraf. Zum anderen war die Ausweglosigkeit und der Planet, in dessen Orbit Sie sich immer noch befanden kein Zustand du kein Ort, an dem er zur Ruhe kommen konnte.
„Der Antrag wird abgelehnt, Pille. Die Enterprise hat die Untersuchungen abgeschlossen und wird noch heute den Orbit verlassen, “ sagte Kirk schließlich. McCoy nickte erleichtert.

Scotty und Chekov verließen den Raum am Ende der Sitzung, Kirk war sitzen geblieben. McCoy bemerkte, dass sein Freund Redebedarf hatte. Er setzte sich neben ihn.

„Was ist los, Jim?“, fragte er. Kirk sah ihn überrascht an, wie er freundlich lächelnd neben ihm saß und die Arme verschränkt hielt.
„Ich dachte an die Kolonisten und diesen Planeten. Das, was wir gesehen haben lässt mich nicht kalt, Pille. 200 verhungerte Vulkanier.“ Er schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare.

Der Arzt biss die Zähne auf einander und nickte. „Die Psyche ist mächtig. Wenn deine Psyche krank ist, dann bist du krank, Jim. Krank nicht aus böser Absicht oder gar eines Wollens. Wir können davon ausgehen, dass keiner der Kolonisten verhungern wollte.“

Kirk nickte müde. „Ich weiß, dass es keine Frage des Wollens ist, Pille. Keine Absicht.“ Er schüttelte den Kopf und stand auf. „Wie können wir es verhindern? Wieso gibst du ihm nicht die Tabletten von diesem Modak? Das verschafft uns Zeit.“


McCoy schüttelte den Kopf.
„Ich bin kein Psychiater. Das möchte ich nicht tun. Dafür müsste es eine rechtfertigende Diagnose geben, aber die kann ich nicht stellen.“
Sein Freund sah ihn verständnislos an. „Die kannst du nicht stellen? Oder willst du nicht? Der Mann verhungert gerade vor unseren Augen und du kannst ihm nicht die Diagnose stellen, dass ihm genau das passiert, was den Kolonisten auf Pagoma passiert ist?“ Er war laut geworden. Sein ganzes Unverständnis, der Zorn über die aktuelle Situation und das Gefühl zu verlieren, wenn sie Pagoma hinter sich zurück ließen, überrannten ihn.
Der Arzt wusste, es würde jetzt nichts bringen, sich aufzuregen. Darum versuchte er möglichst ruhig zu bleiben. „Jim!“ Er machte eine kleine Pause, erhob sich und sah sich etwas hilflos um. Dann wendete er sich wieder seinem Freund zu.

„Ich kann Spock attestieren, dass er gerade dabei ist, zu verhungern. Aber ich weiß nicht, ob es sein Wille ist, also ein von der Psyche krank gewordener Wille. Oder ein fremder Wille. Ein fremder Einfluss, den dieser Modak gesetzt hat. Aber davon gehe ich aus. Ich kann ihm diese Medikamente nicht geben. Ich darf es nicht tun. Abgesehen davon würden ihn die Nebenwirkungen ohnehin dienstunfähig machen!“
Sein Freund nickte wieder und überlegte weiter.
„Was hat es mit dem Kolonisten auf sich, der vor seinem Tod die verdorbenen Lebensmittel gegessen hat? Wieso konnte er die essen?“
McCoy zog die Augenbrauen zusammen, während er überlegte. „Interessanter ist ja fast noch, wieso er das Zeug überhaupt essen konnte. Spock hat das auch getan. Es muss furchtbar geschmeckt haben, da würdest du mich eher so eine vulkanische Suppe trinken sehen, bevor ich eine faulige Paprika esse.“  
Er zögerte kurz. „Immerhin konnte Spock danach die Suppe essen. Er hat es nur nicht bei sich behalten.“
„Also liegt die Lösung des Problems vielleicht doch auf dem Planeten“, überlegte Kirk weiter.

Spock saß auf dem Bett und studierte weiter die Aufzeichnungen und Berichte zu Pagoma, als McCoy und Kirk die Station betraten und sich vor seinem Bett aufbauten.

„Wie fühlen Sie sich?“, fragte McCoy und schielte kurz auf die Anzeigen, die in einem akzeptablen Bereich waren.

Spock rechnete damit, dass sie gekommen waren, um ihn jetzt in die Arrestzelle zu verbringen. Er schaltete den Bildschirm ab und erhob sich.
„Ich bin in Ordnung und kann in den Arrest gebracht werden, Captain“, überging er die Frage nach seinem Befinden in gewohnter Art und Weise.
„Was halten Sie von Pagoma?“, fragte Kirk leicht schmunzelnd und legte die Hände hinter seinen Rücken, um Haltung anzunehmen. Spock sah ihn ausdruckslos an, dann zu McCoy.
„Der Planet ist natürlich das bevorzugte Ziel, meine Herren. Ich möchte zurück um Antworten zu finden, die uns die Analysen nicht geben.“
McCoy, der ebenfalls Haltung angenommen hatte, nickte kurz. „Antworten auch auf die Frage, wie Sie wieder gesund werden?“
Der Angesprochene nickte kaum merklich. „Natürlich auch das, Doktor.“
Kirk nickte.
„Wir haben sehr viel darüber gesprochen. Die Logik, die Sie ja so gerne heran ziehen, verlangt, dass wir zurück kehren, wie es uns befohlen ist und Sie in die Arrestzelle zu sperren.“
Er sah rüber zu dem bewaffneten Wachposten, der immer noch an der Tür stand, seine Blick aber diskret in die andere Richtung wendete.
„Lt. Benorres?“, fragte Kirk. Der Offizier drehte sich um und nickte. „Ja, Captain?“
Er trat näher. Kirk lächelte den etwas größeren und noch sehr jungen Sicherheitsoffizier an.
„Sie können Ihren Posten verlassen. Danke für Ihre Dienste.“
Der Offizier nickte und ging. Spock erhob sich schließlich und sie gingen zum Turbolift. Als sich die Türen geschlossen hatten, riegelte Kirk den Aufzug ab und entlockte seinem Ersten Offizier damit die gewohnte Gestik, seine Augenbraue zu heben.
„Wir bringen Sie nicht in die Arrestzelle, Mr. Spock. Doktor McCoy und ich haben beschlossen, gemeinsam mit Ihnen auf Pagoma zu beamen.“
Spock blieb ausdruckslos. „Was genau werden wir auf Pagoma tun?“
Kirk lächelte. „Was Sie wollen, Spock. Alles, was hilft, dass Sie diese Krankheit in den Griff kriegen.“

Spock nickte knapp. „Brauchen Sie noch was aus Ihrem Quartier?“, fragte McCoy und betrachtete den Ersten Offizier, der sichtlich abgenommen hatte und dem die Uniform fast eine Nummer zu groß schien.
Spock atmete tief ein. „Gentlemen. Ich weiß Ihre Fürsorge, Ihre Hilfe und Ihren Einsatz sehr zu schätzen. Aber ich muss um Erlaubnis ersuchen, dass ich ohne Begleitung auf Pagoma beame.“ Er sprach leise und hatte die beiden Anwesenden in der Zeit kaum fixiert.
McCoy schüttelte den Kopf. „Das kommt ja nicht in Frage, Spock. Wenn Sie da unten alleine wieder toxische Lebensmittel essen, dann sterben Sie!“
Kirk drückte seine Hand gegen McCoys Brust, der sich vor Spock aufgebaut hatte und schob ihn vorsichtig zurück. „Warum?“
„Captain. Der Kontakt zu den Kolonisten bestand nicht in Ihrer Realität. Wenn es mir nicht gelingt, mich wieder in diese Realität zu bringen, dann nützt uns dieses Unterfangen nicht.“
„Wollen Sie eine Geisterbeschwörung machen?“, polterte McCoy ein wenig beleidigt.
„Wir überwachen das von hier, Spock. Und wir greifen ein, wenn es uns zu gefährlich erscheint! Sie kriegen eine Stunde. Danach werden wir Sie wieder hoch beamen. Verstanden?“

Spock nickte. „Danke Captain.“
 
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