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Map of the Seoul

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Mix
Jimin Jungkook OC (Own Character) Suga
22.06.2021
03.12.2022
121
213.890
21
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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24.11.2022 2.374
 
März 2026

Yoongi

Die Luft ist das Erste, was mir auffällt, als ich aus dem Flieger steige. Sie ist klar und frisch und kribbelt in meinem ganzen Körper. Vielleicht liegt das aber nicht ausschließlich an der Luft, sondern auch an der Vorfreude, für die ich mich vielleicht ein ganz klein bisschen schäme. Denn ich finde es merkwürdig, dass ich aufgeregt bin, eine Person wieder zu sehen, die ich doch schon so lange sehr unaufgeregt kenne. Warum konnte ich in der Zeit, in der Betty in Korea gelebt hat und wir uns fast jeden Tag gesehen haben, so cool bleiben und werde jetzt zum verliebten Idioten?
Das ist es nämlich, was ich an Liebe und Beziehungen so ätzend finde. Das ist es, was für mich immer alles kaputt macht. Diese Unruhe. Die Unsicherheit. Dieses Kontrolle verlieren.
Und trotzdem ziehe ich meinen Rollkoffer hinter mir her, den Mundschutz hoch gezogen, die Mütze tief und gehe zielstrebig auf den Ausgang zu, wo Betty schon auf mich wartet.
In Blue Jeans und langem Daunenmantel, die Beanie ebenso weit ins Gesicht gezogen, wie ich, steht sie da und winkt nervös.
Mein Herz schlägt immer schneller, je näher ich ihr komme und als ich sie endlich in meine Arme schließe, weiß ich, dass all meine Gedanken und Sorgen nur Hirngespinste sind.
Es ist gut, dass ich aufgeregt bin. Es ist gut, dass ich Schmetterlinge im Bauch habe. Es ist gut, dass ich mich freue und mein Grinsen nicht verbergen kann, wenn ich sie sehe.
Durch den Mundschutz hindurch drücke ich ihr einen Kuss auf die Wange. „Hi“, murmle ich bloß.
„Hi“, murmelt sie zurück und schiebt eine meiner Haarsträhnen unter meine Mütze. „Hast du gegessen?“
Ich schüttle den Kopf. „Schon etwas her.“

Sie lächelt und greift nach meiner Hand. „Komm’“, sagt sie dann und so laufe ich so ziemlich das erste Mal in meinem Leben Hand in Hand mit meiner Freundin los.
Es fühlt sich gut an. Es fühlt sich so gut an, dass ich möchte, dass dieser Moment nicht aufhört. Der Weg durch den Flughafen kann gerne endlos lang sein. Doch irgendwann erreichen wir Bettys Wagen. Einen weißen Mercedes. A-Klasse. Beeindruckt sehe ich sie an. Noch nie habe ich sie Auto fahren gesehen.
„Du fährst?“, hake ich nach, als ich den Koffer in den Kofferraum lade.
„Kratzt das an deinem Ego?“
Ich kichere leise. Ja, diese schnippischen Antworten habe ich wohl auch vermisst. „Hajima“, bitte ich sie und setze mich auf den Beifahrersitz.
Entspannt und zielsicher fährt sie in die Pariser Innenstand, die vom Verkehrsaufkommen ähnlich ist, wie die von Seoul.
Anhänglich lege ich meine Hand auf ihren Oberschenkel. „Bist du ausgeschlafen?“, frage ich nach.
Sie nickt. „Und du?“
„Noch ist alles zu aufregend, als dass ich müde sein könnte…“, gestehe ich, doch bald wird der Jetlag mich sicherlich einholen.
„Ich habe Kimchi gemacht“, murmelt sie leise.
„Hm?“
„Ich habe Kimchi gemacht“, wiederholt sie noch einmal.
„Du?“, frage ich ungläubig.
Kurz wirft sie mir einen beleidigten Blick zu. „Das war ein bisschen zu überrascht“, stellt sie fest.
Besänftigend streichle ich ihren Oberschenkel. „So war das nicht… ich meine… wir sind alle busy… da fehlt doch einfach oft die Zeit für sowas…“
Sie nickt. „Aber ich habe Kimchi gemacht“, erwähnt sie jetzt noch einmal. „Damit du dich wie zu Hause fühlst.“
„Fühl’ ich mich doch eh“, entgegne ich leise.
„Weil du dich als Weltstar überall zu Hause fühlst?“, hakt sie süffisant nach.
Doch ich schüttle den Kopf. „Weil du da bist.“
Sofort knallt ihre Hand gegen meine Brust. „Hajima!“

Ihr Apartment ist nicht besonders groß, doch es passt zu ihr. Zwei Zimmer. Ein begehbarer Kleiderschrank. Küche. Bad. Irgendwie ist es seltsam, denn ich war noch nie bei ihr zu Hause. Ich war bei ihr zu Hause, als sie es sich mit Jeon Jungkook geteilt hat und obwohl sicherlich viel von ihrem Stil dort Einfluss gefunden hatte, sieht es hier komplett anders aus.
Es ist hell und gleichzeitig dunkel. Offenbar liebt sie die Farben schwarz und beige. Nervös schaue ich mich um und reibe meine Hände an den Beinen,
„Was ist?“, fragt sie und bleibt abrupt mitten im Wohnzimmer stehen.
Sofort werden meine Ohren rot. „Ähm…“
„Bist du nervös?“, fragt sie mich unvermittelt.
Ich nicke.
Schnell überbrückt sie die Distanz zwischen uns und zieht mich in ihre Arme. Ihre Nähe nehme ich dankend an. Nach wie vor bin ich nicht sonderlich gut im Führen von Beziehungen. Mir fehlt die Erfahrung. Vor allem die Erfahrung, wie man es richtig macht. Und mit ihr will ich es wirklich richtig machen.
„Bereust du, dass du her gekommen bist?“
„Auf keinen Fall“, widerspreche ich ihr und lasse meine Nase an ihrem Kopf hinunter zu ihrer Halsbeuge wandern. Sie riecht immer viel zu gut. Sanft drücke ich ihr einen Kuss auf ihre weiße Haut.
„Was ist es dann?“, hakt sie nach, als hätte sie gerade nicht eine irre Gänsehaut bekommen.
Meine Hände wandern langsam über ihren Körper und die Kälte weicht augenblicklich aus meinen Fingern. „Es macht mich nervös, dass alles anders ist“, erkläre ich leise.
„Alles?“, fragt sie wieder, doch an ihrem Atem erkenne ich, dass sie meine Berührungen nicht mehr kalt lassen.
Als Antwort küsse ich erneut ihren Hals, der süßlich schmeckt und ein bisschen nach Kokos, wandere über ihr Kinn und lande schließlich bei ihren Lippen.

Sofort erwidert sie den leichten Druck. Sofort öffnet sie ihren Mund leicht, so dass unsere Zungen miteinander spielen können.
Einer ihrer Hände wandert in mein Haar, die andere unter meinen Hoodie. Es kribbelt an meinem ganzen Körper. Eilig zieht sie mir den Pullover über den Kopf, so dass ich oberkörperfrei vor ihr stehe. Unsicher sehe ich sie an. Ich bin nicht Jeon Jungkook. Und ich habe in letzter Zeit wieder ein paar Kilo zugenommen, da die Arbeit im Studio zugenommen hat.
Ihr Blick fängt meinen auf. Sie sieht mir direkt in mein Herz. Unmerklich schüttelt sie den Kopf, als sie sich ihren Hoodie ebenfalls über den Kopf zieht und im BH vor mir steht.
Auf der Erhebung ihrer rechten Brust befindet sich ein kleines Muttermal, welches ich liebe. Schnell finden meine Lippen ihre Haut wieder, bis ich dort anhalte, meine Hände um ihre Brüste lege und vorsichtig den BH herunterziehe.
Ein Seufzen entfährt ihr, während sie sich mir entgegen drückt. Entschlossen greift sie nach meiner Hand und zieht mich in ihr Schlafzimmer.
Auf der schwarzen, frisch gewaschenen Bettwäsche, lassen wir uns fallen. Ihre Hände erreichen meine Hose und öffnen sie vorsichtig und doch bestimmt.
Als sie ihre Hand hinein schiebt und mich umschließt, kann ich ein Knurren nicht mehr unterdrücken. Ihre rhythmischen Bewegungen sind vorsichtig.
Als ich ihr zwischen zwei Küssen in die Augen sehe, merke ich, dass auch sie unsicher ist. Nun bin ich es, der den Kopf schüttelt.
Als sie Anstalten macht, sie sich ihrem Nachtschrank zu drehen, bin ich schneller und hole aus meiner Hosentasche ein Kondom.
Ein Lächeln wandert über ihr Gesicht, als sie es mir aus der Hand nimmt und gekonnt überzieht. Genussvoll schließe ich meine Augen, bis sie mich sanft mit ihren Händen zu der Stelle navigiert, wo wir uns vereinen können.
Vorsichtige Bewegungen. Dann mustere ich sie. Ihr Mund ist leicht geöffnet, ihr Kinn überstreckt, ihre Augen geschlossen, als sie aufstöhnt. „Yoongi…“, seufzt sie, öffnet ihre Augen und sieht mich fordernd an.
Ein Grinsen wandert über mein Gesicht, bevor meine Bewegungen mutiger werden und wir unseren gemeinsamen Rhythmus finden.
Unsere Atmung wird schneller. Das Stöhnen lauter. Ihre Berührungen gieriger. Und dann bäumt sie sich unter mir auf, hält den Atem an und zieht mich zu einem Kuss heran. „Min Yoongi“, keucht sie noch einmal, bevor ich zum Höhepunkt gelange.

Behutsam ziehe ich mich zurück und rolle mich neben sie in die Laken. Sofort schmiegt sie sich an mich, küsst meinen Hals und streichelt mit ihrer Hand meine Brust. Ich fröstele ein wenig. Der Schweiß. Draußen der Winter.
Verknallt und voll mit Endorphinen starre ich aus dem Fenster, auf die verschnörkelten Pariser Häuserfronten. Die Luft davor flirrt ein wenig, weil aus der Heizung die Wärme aufsteigt.
„Yoongi“, murmelt Betty leise und drückt mir einen Kuss auf das Schlüsselbein.
„Mhhh“, knurre ich und ziehe sie ein wenig dichter an mich.
Es dauert einen Moment, ehe sie ihre Worte findet. „Es ist doch nicht alles anders zwischen uns, oder?“

Besänftigend küsse ich ihre Stirn. „Nein“, gebe ich zu. „Aber manches. Das hier zum Beispiel.“
Sie grinst ein bisschen und schließt dabei zufrieden ihre Augen.
Mein Magen knurrt laut.
„Willst du essen?“, fragt sie sofort und lässt ihre Hand von meiner Brust zu meinem Bauch wandern, um ihn mit kreisenden Bewegungen zu beruhigen.
„Nein. Ich will mit dir hier liegen.“
Lächelnd zieht sie die Bettdecke über unsere nackten Körper und ich gebe mich der bleiernen Müdigkeit hin, die mich schon die ganze Zeit zu übermannen droht.

Als ich vor Hunger aufwache, bin ich zuerst ein bisschen orientierungslos, doch schnell begreife ich, wo ich gerade bin. Draußen ist es bereits dunkel geworden. Im Fenster flackert eine Kerze.
Als ich mich umdrehe bemerke ich, dass Betty nicht mehr da ist und doch nehme ich Geräusche aus der Küche wahr.
Schnell schlüpfe ich in meine Shorts und tapse leise durch ihr Appartement. Die Holzdielen knarzen bei jedem Schritt, den ich mache. So ist sie nicht überrascht, als ich plötzlich in der Küche stehe.
„Hi“, sagt sie und grinst mich an. Sie trägt mein Shirt. Das ist sexy.
„Hi“, erwidere ich und schaue ihr gespannt dabei zu, wie sie Zwiebeln klein hackt. „Was machst du?“
„Bibimbap“, erklärt sie und deutet auf den Reiskocher in der Ecke, der vor sich hin gluckst.
Langsam trete ich hinter sie und schaue ihr über die Schulter. „Soll ich dir helfen?“, frage ich und lasse meine Handfläche über ihre Oberschenkel wandern.
„Du kannst dich um den Schweinebauch kümmern“, schlägt sie vor und deutet auf das Paket in der Ecke. „Es wird nicht so gut sein, wie das in Korea, aber…“
„Es wird gut sein“, widerspreche ich und mache mich an die Zubereitung von Samgyeopsal.



April 2021

Ein lauter Knall lässt mich zusammen fahren. Panisch sehen Hoba und ich uns an. „Was war das?“, flüstert er.
Schnell knöpfe ich meine Hose zu und deute ihm an, sich ebenfalls wieder anzuziehen. Als ich vorsichtig mein Kopf heraus strecke, sehe ich Betty auf dem Boden liegen. Ihr Handy vor meinen Füßen. Das hat ganz offenbar den Knall verursacht.
„Ist alles okay?“, frage ich vorsichtig und hoffe wirklich, dass alles okay ist. Keine Ahnung, ob ich in einem anderen Fall gut reagieren könnte.
„Jaja, alles in Ordnung“, knurrt sie mich an und fischt nach ihrem Handy. „Ja, hallo. Ich bin gestolpert. Ich melde mich gleich noch mal.“
Langsam sehe ich mich um und kann mir ein wenig zusammen reimen, was hier passiert ist. Doch da bricht Betty unangekündigt in Tränen aus. Sofort wird mein Gesicht heiß. Wie soll ich mit dieser mir wildfremden, weinenden Frau, Freundin von Jeon Jungkook, umgehen?
Ich schlucke schwer, ehe ich mich dazu durchringen kann, ein paar Schritte auf sie zu zugehen. „Hey, hast du dir doch weh getan?“, frage ich vorsichtig.
„Nein, habe ich nicht“, schluchzt sie in ihre Hände. „Aber ich lag hier eben auf dem Bauch vor deinem Studio.“
Ich kann nicht anders, als zu kichern. „Ja, das stimmt.“ Aber wir sollten wirklich diesen Dreck hier weg kriegen. „Komm’, ich habe ein paar Tücher im Studio.“
Als wir den Raum betreten, ist Hoba nirgends zu entdecken. Ich muss mich zusammen reißen, nicht so überrascht auszusehen, wie ich gerade bin. Stattdessen folge ich Bettys Blick, die sich nervös umsieht, dann aber schnell ihren Blick senkt. Ganz sicher, will sie nicht wirken, als würde sie mich gerade ausspionieren.
Ironie.
Schließlich hole ich die Feuchttücher aus der Schublade meines Schreibtisches.

Als ich mich ebenfalls daran mache, ihren Kaffee von der Tapete und aus dem Teppich des Flures zu wischen, sieht sie mich überrascht an.
„Du brauchst mir nicht…“
„Hör auf! Natürlich helfe ich dir!“ Das sollte ja wohl selbstverständlich sein. Hoffentlich war das nicht zu schroff….
„Eure Outfits für morgen sind nicht geliefert worden“, berichtet sie mir.
Was?! „Oh, scheiße.“
„Ja, das beschreibt die Lage relativ gut“,  bestätigt sie.
Es muss viel sein, stelle ich fest. Dieser Job. Diese Pandemie. Und das alles ohne den Rückhalt von der Familie, weil es die in dem Umfang, wie wir sie kennen, gar nicht gibt. „Kriegst du das hin?“, frage ich nach.
„Ja, wahrscheinlich schon. Oder aber ihr habt 100% weniger Kleidung.“
Ich kichere leise. Sie ist lustig. Ich mag ihren Humor. Es ist merkwürdig, dass wir in den letzten zwei Jahren so wenig miteinander zu tun hatten, dass mir das jetzt erst auffällt. Vorsichtig und darauf bedacht, sie dabei nicht zu berühren, nehme ich ihr die Tücher aus der Hand, um sie zu entsorgen.
„Danke“, sagt sie leise, ohne mich dabei anzusehen.
„Ja, kein Problem“, knurre ich und nehme meinen ganzen Mut zusammen, den ich gerade habe. „Kann ich noch irgendwas für dich tun?“
Doch sie schüttelt den Kopf. Natürlich schüttelt sie den Kopf. „Nein, schon gut. Wir sehen uns.“
„Wir sehen uns“, entgegne ich und muss mich zwingen, langsam zurück in mein Studio zu gehen. Mit hochroten Kopf und pochendem Herzen stehe ich hinter der Tür. Sie muss mich für einen Idioten halten, denke ich verzweifelt. ‚Kann ich noch irgendwas für dich tun?‘ Natürlich! Fahren Sie bitte die Kutsche vor, Min Yoongi!

Mit ebenfalls rotem Gesicht und wütend zusammen geschobenen Augenbrauen, krabbelt Hoba unter meiner Couch hervor.
„Da unten ist es dreckig“, knurrt er und richtet sich auf.
Langsam gehe ich auf ihn zu und helfe ihm, die Staubflusen von seinen Klamotten zu bekommen. „Yah, warum hast du dich versteckt?“
„Keine Ahnung“, entgegnet er. „Ich hab’ Panik bekommen.“
Ich nicke. Verstehe ich ja sogar. Sanft sammle ich ihm eine Fluse aus dem Haar und schaue ihm dann in seine dunkelbraunen Augen. Schnell drücke ich ihm einen Kuss auf die Lippen, um dort weiter zu machen, wo wir aufgehört haben.
„Ich sollte gehen“, stellt er dann fest.
„Was? Warum?“
„Das hier ist nicht richtig“, erklärt er mir, als würden wir diese Gespräche nicht alle vierzehn Tage führen.
Ich weiß, dass er dann Zeit braucht, sich zurück ziehen muss und  es dann eh nicht ohne mich aushält. Wir sind in dieser Sache gefangen. Zusammen. Und kommen nicht mehr raus. Nie mehr.
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