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Lea und Florian, eine never ending Story?

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Florian David Fitz OC (Own Character)
20.06.2021
24.07.2021
60
72.113
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.07.2021 967
 
Das Warten macht mich wahnsinnig. Ich gehe zu einer Schwester und sage  Bescheid, dass ich in den Park gehe. Zur Sicherheit schreibe ich ihr nochmal meine Handynummer auf, damit sie mich informieren kann, sobald die OP beendet ist.

Ich gehe durch den weitläufigen Park und versuche, meine Gedanken zu sortieren. Ich habe Angst um Franko, richtige Angst. Und ich bin immer noch wütend auf Florian. Was war zwischen uns passiert? Wir haben uns geküsst, beinahe wäre noch mehr passiert, und dann erfahre ich, dass er Franko niedergeschlagen hat. Es ist alles so irre. Ohne diesen Schlag würde Franko jetzt nicht auf dem OP-Tisch liegen, aber ohne diese OP hätte es sein können, dass er stirbt. Mit dieser OP kann er aber auch sterben. Ich drehe durch. Ich setze mich auf eine Bank und versuche mich mit Hilfe einer Zigarette zu beruhigen. Klappt natürlich nicht, aber das Gefühl tut gut. Was ist, wenn Franko heute stirbt? Lea, bitte. Ja, was wäre dann? Ich weiß es nicht. Eigentlich weiß ich fast gar nichts über ihn. Hat er noch Eltern, Geschwister? Aber es hat ihn niemand in der letzten Woche besucht. Hat er sie informiert? Wem müsste ich Bescheid geben, wenn ihm was passiert? Bei Florian kenne ich die ganze Familie, wenn er jetzt da läge, wüsste ich, an wen ich mich wenden müsste.
Florian kann verrecken, der ist mir egal. Aber der Gedanke, dass Florian sterben könnte, tut weh. Das soll nicht weh tun. Der Gedanke an Frankos Tod tut auch weh, aber anders.
Wenn diese scheiß OP nicht bald vorbei ist, kann ich in die psychiatrische Ambulanz gehen, an dem Hinweisschild bin ich nämlich vorhin vorbeigegangen. Lea, jetzt reiß dich zusammen, heute stirbt niemand. Alles wird gut.
Ich fühle mich so einsam in dieser mir noch immer fremden Stadt. Ich kann mir nicht vorstellen, für immer hier zu leben. München ist so anders als Berlin. Dahin möchte ich zurück, in mein geliebtes München. Aber ich habe Franko versprochen, so lange hier in Berlin zu bleiben, wie er mich braucht. Und wenn das jetzt für immer ist?

Das Klingeln meines Handys reißt mich aus meinen Gedanken. Ich sehe nicht aufs Display, kann ja nur die Schwester sein, die mich informieren möchte, dass alles gut gegangen ist. Aber es ist Sören. Sören? Was will der denn? Ja, wir hatten uns ausgesprochen und wollten versuchen, sowas wie eine Freundschaft zu haben, aber seit unserem zufälligen Zusammentreffen hatten wir nichts mehr voneinander gehört. Er fragt vorsichtig nach, wie es mir geht, und ich blaffe ihn an:
"Wie soll es mir schon gehen? Deine Sandkastenliebe ist ein Schläger und mein Freund liegt gerade auf dem OP-Tisch, mir geht´s phantastisch."
"Ja Lea, ich habe schon davon gehört. Also von der Schlägerei. Und dein Freund wird jetzt deshalb operiert? Was hat Flo mit ihm angestellt?"
Oh, da hat Elyas scheinbar wirklich dicht gehalten, das ist gut.
"Ist egal, was kann ich für dich tun?"
"Egal ist es nicht, aber wenn du nicht darüber reden möchtest, akzeptiere ich es natürlich." "Ja, musst du wohl. Was möchtest du von mir? Hat er dich vorgeschickt? Bestell ihm schöne Grüße, nein, keine Grüße, sag ihm einfach, dass er alles versaut hat."
"Nein, er hat mich nicht vorgeschickt. Ich rufe nur an, weil ich wissen möchte, wie es dir geht. Flo habe ich schon den Kopf gewaschen, das kannst du mir glauben. Wie kann man sich denn auf so ein Niveau begeben und um sich schlagen? Für dich muss das alles furchtbar sein, und deshalb melde ich mich. Wenn wir sowas wie Freunde sein wollen, muss der eine auch für den anderen da sein."
"Du musst gar nichts, aber es tut gut, eine bekannte Stimme zu hören. Ich bin so einsam in dieser blöden Stadt."
"Die Münchner sind ja alle inzwischen wieder hier, sonst hättest du wenigstens noch Tine und Elyas."
"Ich wusste bis eben nicht, dass sie nicht mehr hier sind. Habe seit einer Woche keinen Kontakt mehr."
"Oh, das wusste ich nicht, aber Flo und du habt euch doch bei denen getroffen?"
"Ja, das haben wir, aber weil es Elyas vorgezogen hat, den Schläger zu trösten, habe ich den Kontakt abgebrochen."
"Lea, du spinnst dir manchmal echt Sachen zurecht, ohne Worte."
"Wenn du mir jetzt Vorwürfe machen willst, sollten wir das Gespräch lieber beenden. dafür reichen meine Nerven heute wirklich nicht aus."
"Hey, stop, ich mache dir keine Vorwürfe, aber manches siehst du nicht so, wie es eigentlich ist. Soll ich nach Berlin kommen?" fragt er völlig aus dem Zusammenhang.
"Äh, nein, was willst du hier? Ich bin sowieso den ganzen Tag bei Franko im Krankenhaus, du wärst den ganzen Tag also allein."
"Und abends? Ich könnte was für dich kochen, wir könnten reden."
"Sören, ganz ehrlich, meinst du, dass du der Richtige wärst, mich hier aufzumuntern? Du bist viel zu sehr mit Florian verstrickt, das kann nicht gut gehen. Aber danke für dein Angebot. Ich komme schon klar."
"Hört sich aber nicht so an, lass es dir mal durch den Kopf gehen."

In diesem Moment höre ich, dass jemand versucht, mich anzurufen.
"Sören, ich muss dich leider abwürgen, das Krankenhaus ruft an. Wir hören uns wieder."
Ich lege auf, um den anderen Anruf entgegenzunehmen. Es ist die nette Schwester von vorhin, die mir mitteilt, dass die OP beendet ist und Herr Miller jetzt auf die Intensivstation verlegt wird. Ich bedanke mich und renne förmlich zurück ins Gebäude.

Ich bin so erleichtert, dass es kein Abschied für immer war. Woher dieses Gefühl heute Morgen kam, kann ich nicht sagen. Jetzt kann ich positiv nach vorne schauen.
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