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When nature is cruel ...

von Arielen
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
20.06.2021
17.07.2021
3
2.374
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20.06.2021 912
 
The Tale of Tiniest and Tiny

Kurzbeschreibung:

Manchmal ist es den Kleinsten in einem Nest nicht gegeben, wie ihre Geschwister groß zu werden und ihre Flügel auszubreiten um die Welt zu erkunden. Doch manchmal geschehen auch Zeichen und Wunder, denn das Leben hat viele Überraschungen parat, ebenso wie die Phantasie.

Anmerkung:

Beobachtet man über Wochen einen Livestream mit Einblick in eine Nestbox, so wachsen einem nicht nur die Elterntiere ans Herz, sondern auch die Kleinen, nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind.

In diesem Fall sind es Kohlmeisen. Die Eltern erhielten durch eine Schulklasse die Namen „Gabi“ und „Jack“.

Die Mutter fing erst sehr spät an zu brüten und legte zwei Eier als sie schon auf den anderen saß. So schlüpfte Tiny einen Tag nach den anderen und Tiniest sogar zwei. Lange Zeit hofften wir, dass es beide schaffen würden, aber die Wetterkapriolen und nicht zuletzt auch die schlechter werdende Versorgungslage nahmen uns am 13.06.21 Tiniest und am 15.06.21 dann auch Tiny. Die beiden erhielten Namen, weil man sie gut von den anderen unterscheiden konnte.

Als Mensch trauert man natürlich um so mehr, weil die Kleinen so tapfer und unschuldig waren, die Elterntiere nahmen das hin. Ja, es ist natürlich Natur und nur wenige Küken werden im nächsten Jahr noch leben und selbst Nachwuchs haben, aber dennoch geht es ans Herz, wenn die kleinen Piepser vor den eigenen Augen sterben und man nichts tun kann.

Was mir blieb, war die beiden kleinen Seelen durch Geschichten zu ehren. Sie sind nicht lang, aber bittersüß und schenkten nicht nur mir, sondern auch der Discord-Community Trost. Zumal wir erst eine Woche voller Freude erlebt hatten, dass alle sieben Küken eines Blaumeisenpaares erfolgreich ausgeflogen waren

Hier ist ein Link zum Channel von NatureTec, der dies mit viel Leidenschaft und Freude betreibt:

NatureTec

Bei Tommy handelt es sich um den Sperling den ich in der Geschichte Tommy oder Requiem für eine tapfere kleine Seele, verewigt habe.



* * *


Tiniest Hope

Er war müde und fror. Auch wenn Mama ihn mit seinen Federn bedeckte, so wurde es doch nicht besser. Sein Kopf war schwer, er bekam seine Augen kaum auf, auch als sie ihn anstupste. Und piepsen konnte er auch nicht.

Was war nur mit ihm los? Nicht einmal mehr Hunger hatte er. Und dann wurde es so still um ihn herum, dass Tiniest, das jüngste der Küken aus Gabis Nest sich zu fürchten begann.

„Hab keine Angst mein Kleiner!“, tschilpte es an sein Ohr. „Das ist nur der große Schlaf, Wenn du erwachst, dann ist alles wieder gut!“ Ein Flügel deckte sich schützend über ihn. Wohlige Wärme breitete sich aus, und die kleine Kohlmeise schöpfte wieder neuen Mut.

„Wer bist du?“ piepste er zaghaft und wagte es, ein Auge zu öffnen. Schon erschrak er, denn der Vogel sah gar nicht so aus wie Mama oder Papa. Er hatte keinen schwarzen, sondern einen braunen Kopf und lustige Punkte auf den Bäckchen.

„Ich bin Tommy!“, sagte der andere Vogel. „Und ich gehöre zu den Spatzen. Wie deine Eltern besuchte ich einst die Futterplätze und Wasserstellen hier.“ Er stupste mit seinem Schnabel sanft an Tiniest Wange. „Ich bin zwar selbst erwachsen geworden und habe ein bisschen im Draußen erlebt, aber dann habe ich mir sehr weh getan, so dass auch mich der große Schlaf holte.“

Tiniest schaute groß und zupfte dann verlegen an seinem winzigen Flügel, aus dem noch die Kiele ragten. „Ich habe nicht mal das geschafft. Werde ich denn einmal groß werden und fliegen können?“

Er achtete nur auf den Spatz, der nun den Kopf schief legte. „Ja das wirst du. Und sei nicht traurig. Du bist nicht das einzige Küken, das nicht dazu kommt, auszufliegen. Meine kleine Schwester ist auch schon ganz früh eingeschlafen, da hatte sie nicht viel mehr Federn als du“, tschilpte er sanft.

„Aber jetzt im Frühling ist sie wieder los gezogen und in ein Ei geschlüpft. Bevor ich zu dir kam, habe ich sie sogar gesehen. Sie turnt jetzt mit anderen kleinen Spatzenkindern in einem Busch herum und hält die anderen in Atem. Das wirst auch du können und dürfen. Wenn du dich erst mal ausgeruht hast!“

„Wirklich?“ Tiniest konnte es kaum glauben.

„Ja, doch jetzt sieh dich erst einmal um …“, Tommy deutete mit dem Schnabel nach vorne. Der warme helle Nebel, der sie umgeben hatte, klärte sich und zeigte eine Welt, die Tiniest noch nie gesehen hatte. Er konnte aus einer Baumhöhle auf eine Wiese voller bunter Blumen und Büsche mit ausladenden Zweigen sehen, in denen unzählige andere Vögel herum tobten. Und sein Magen begann zu rumoren, denn eine dicke fette grüne Raupe plumpste genau vor ihn.

Tiniest pickte und verschlag sie, fühlte sich gleich besser. Eine zweite brachte ihn dazu, zu wachsen und mehr Federn zu bekommen und nach der dritten war er sogar in der Lage, seine Flügel auszubreiten und zu flattern.

Tommy beobachtete das ruhig. „Magst du jetzt mit mir kommen und die Welt erkunden. Ich werde mich um dich kümmern, so lange wie du magst!“

Tiniest piepste ein zustimmendes Ja, auch wenn sein Herz in der Brust regelrecht raste. Aber er tat es dem Spatzen gleich, als dieser seine Flügel ausbreitete und in die Luft sprang. Mit dem Wind in den Schwingen erhob er sich in die Luft und sang dabei voller Freude und Glück. Mit einem mal fiel auch der letzte Rest an Traurigkeit von ihm ab.

Denn seine kleine Seele wusste:

Das Ende war ein Neuanfang im ewigen Kreislauf der Natur.
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