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Freak - unknow Angel [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
18.06.2021
25.10.2021
63
100.045
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22.07.2021 1.522
 
Um nicht aufzufallen, aber dennoch alles im Blick zu behalten, zog sich Ravy in eine kleine Gasse gegenüberliegenden der Bar zurück. Von dieser konnte er deren Eingang fantastisch beobachten, in welche der Freak verschwunden war. Auch verschwand er so beinahe vollständig in den Schatten zwischen den Häuserfassaden und Müllcontainern, sodass es beinahe unmöglich war, ihn noch irgendwie zu entdecken.

Vor allem dann nicht, wenn man eine schwummrige Bar verließ. Die Augen des Fremden würden sich zuerst einmal an das Licht gewöhnen müssen und so lange dies geschah hatte er immer noch Zeit zu verschwinden.

Sein Plan war perfekt. Oder zumindest so perfekt, wie er sein konnte, wenn man so etwas zum ersten Mal machte und sich dabei Zweifel in seinen Verstand schlichen, die ihm sagten, dass er am Ende von hinten angefallen werden würde.

Der Jugendliche konnte einiges erkennen, wenn es auch nicht so viel war, wie er es sich gewünscht hätte. Durch die verdreckten Fenster zu blicken, war beinahe unmöglich. Im Inneren konnte er also nicht erkennen.

Auch mit den wenigen Leuten, welche hin und wieder eintraten und den Laden wenige Minuten später wieder verließen, konnte er nicht allzu viel anfangen. Denn so sehr er auch versuchte an diesen vorbei ins Innere der Bar zu spinksen, half es nicht.

Er wusste nicht, wie lange er dort stehen, warten und beobachten musste. Nicht nur, dass er in seiner Konzentration irgendwann das Zeitgefühl verlor. Immerhin wagte er es nicht auf die Uhr zu schauen und den Blick von dem Hauseingang abzuwenden.

Die Gefahr den anderen in dieser kurzen Zeit eiskalt zu verpassen und dann unnötige Stunden hier zu warten, lockte ihn nicht allzu sehr.

Auch seine Ungeduld schien ihm den letzten, aber auch allerletzten Nerv zu rauben. Mit jeder Gestalt, welche die Räumlichkeiten betrat, wieder verließ und die eben nicht jener Unbekannte in schwarz war, trieb diese noch mehr an. Brachte ihn um den Verstand.

Ließ ihn mit dem Gedanken spielen irgendwann einfach hineinzustürmen und sich das zu holen, was er wollte, ganz gleich, was er dafür riskierte.

Unwillig wippte er mit seinem Bein auf und ab, während er sich gelangweilt gegen die abgenutzte Backsteinfassade lehnte, die definitiv schon einmal bessere Tage gesehen hatte. Er wandte seinen Blick nicht von dem Bareingang gegenüber ab.

Ungeduldig hibbelte er mit seinem Bein. Er strich mit seiner Schuhsohle seicht über die braune, bereits matschig getretene Schneedecke. Wäre er nun ein Raucher gewesen, hätte er sich mit Sicherheit in diesem Augenblick eine Kippe angezündet.

Dass der knirschende Schnee unter seinen schwarzen Schuhen das einzige Geräusch war, welches seine Ohren erreichte, brachte ihn dazu seine Hände in den Taschen seines Mantels zu Fäusten zu ballen.

In dieser Stadt war es nicht oft ruhig. Irgendwo vernahm man immer einen Ruf, ein Auto, ein Tier, Schritte oder ein einfaches Klappern von Türen, Fensterläden oder Rollläden. Doch nicht in diesem Augenblick.

Trotz der wenigen Menschen, welche hier unterwegs waren, war nichts zu hören und es kam Ravy so vor, als hätte die Welt dies in diesem Moment mit bloßer Absicht und Boshaftigkeit gemacht. Als ob sie Spaß daran hatte ihn vielleicht noch ein klein wenig mehr, um den Verstand zu bringen und zu ärgern, weil sie ja sonst gar nichts Besseres zu tun hatte. Er hasste es.

Und zu alldem war die Kälte, welche sich mit jeder Minute ein klein wenig mehr in seinem Körper auszubreiten schien, auch nicht gerade wundervoll. Denn so lange, wie er bereits an ein- und derselben Stelle stand und sich nicht bewegte, spürte er seine Hände und Füße kaum noch.

Seine Gelenke waren steif, seine Muskeln verspannt und seine Haut ziepte und zerrte an ungeschützten stellen. Er sah beinahe schon lebhaft vor sich, wie rot sich seine blasse Haut verfärbt hatte und ihn aussehen ließ, wir ein kleines Kind. Er hasste diese Eigenschaft.

Sein Atem kräuselte sich in weißen Wölkchen vor seinem Gesicht, während er versuchte seine unangenehm steifen Hände ein wenig in Bewegung zu halten, indem er seine Fäuste immer wieder öffnete und schloss. Es half bei weitem nicht so sehr, wie er es sich gerne gewünscht hätte.

In diesem Augenblick bereute er es am Morgen weder seine Handschuhe noch seine Mütze angezogen zu haben. Dabei hatte er doch so viel Zeit gehabt nachzuschauen, ob es kalt werden würde oder nicht!

Aber da hatte er höchstwahrscheinlich auch nicht daran gedacht jenem jungen Mann hinterher zu spionieren, welcher ihm in der Nacht die Antworten verzagt hatte.

Auch darüber, dass er dem anderen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß gefolgt war, ärgerte ihn ein wenig. Zwar wusste er, dass es nur unnötig auffällig gewesen wäre und ihm wohl alles vermasselt hätte, doch er fror so sehr, dass es ihm in diesem Augenblick gleichgültig war.

Hätte der andere ihn doch entdecken sollen! Es wäre doch ohnehin besser gewesen, wenn er das getan hätte! Alles war besser, als Stunden in der Kälte zu stehen und sich am Ende noch nicht einmal mehr richtig bewegen zu können, weil er so durchgefroren war! Und der andere saß in dieser Bar, machte sonst etwas und hatte nicht einmal einen Ahnung von ihm!

Der Schwarzhaarige wusste noch nicht einmal so wirklich was er sich von alldem erhoffte.

Antworten? Doch was war, wenn der andere einfach nur dort arbeitete und es ihm selbst gar nicht bringen würde? Zwar sah das Etablissement nicht so aus, als könnte er sich auch nur einen anständigen Barkeeper leisten, doch was wusste er selbst schon?

Ein leises Seufzen entkam seinen Lippen. Er versuchte die Gedanken zu ignorieren, dass dies vielleicht unnötig war und ihm gar nichts bringen würde. Er wollte nicht daran denken. Mochte es genauso wenig, wie den absurden Gedanken, dass ihn die Wesen auch an diesem Ort würden angreifen können.

Zwar würde man ihn hier wohl genauso wenig finden, wie im Wald, doch... Nein! Niemand war so dämlich und griff jemanden am helllichten Tage an! Nicht einmal irgendein Wesen!

Es war eine Ausrede. Dem war er sich bewusst. Und doch... Fühlte er sich besser, nachdem er es sich selbst zumindest halbwegs eingeredet hatte. Denn sonst wäre es wohl nicht nur deutlich anders gewesen, sondern auch ausgegangen. Und er hatte nicht das Ziel, sich von seiner eigenen Psyche seine Hartnäckigkeit und seinen Ehrgeiz kaputt zu machen.

Er wollte diese Antworten. Und er würde wohl nahezu alles dafür geben, damit er diese bekam. Immerhin wollte er es nicht mit sich vereinbaren Stunden in der Kälte zu stehen, bloß um dann von sich selbst und seinen Einbildungen vertrieben zu werden.

Es hatte und musste immerhin Grund und Sinn haben, weshalb er hier stand. Es sollte sich lohnen. Niemals wäre er mit sich übereingekommen, wenn er nun umsonst stundenlang in der Kälte gestanden, gefroren, vor Ungeduld gestorben und gewartet hätte.

Er biss sich auf die kalte Unterlippe, welche im Vergleich zu seinen roten Wangen beinahe schon bleich wirkte. Das weiche Fleisch gab unter dem Druck seiner weißen Zähne augenblicklich nah. Es zwickte und zog, doch Ravy stoppte selbst dann nicht, seine Unterlippe zu malträtieren, als diese nachgab und das sanfte Fleisch riss.

Blut durchströmte seinen Mund. Der metallische Geschmack breitete sich unaufhaltsam auf seiner Zunge aus und es schien beinahe, als ob es gar kein Ende mehr nehmen wollte. Trotzdem zischte er weder vor Schmerz noch bereite er es seinem Unmut so Ausdruck verliehen zu haben.

Mehr begrüßte er dies als eine gelungene Ablenkung, welche dafür sorgte, dass ihm das Warten nicht mehr allzu langweilig erschien.

Denn anstatt auf sein Gehör, welches ihn fühlen ließ, als ob er von dem einen auf den anderen Moment taub geworden wäre, konnte er sich nun auf den kleinen brennenden Schmerz und das warme Blut konzentrieren, welches unaufhörlich aus der Wunde strömte. Instinktiv fuhr seine Zunge über die Wunde. Es brannte. Er genoss den Schmerz.

Vielleicht hatte es sogar einige ungesunde Züge, welche er dort annahm, während er sich den Schal um seinen noch immer sichtbar verletzten Hals fester zog, doch es interessierte ihn nicht. Dann sollte man ihn eben für sonst jemanden halten, der sich an seinem eigenen Schmerz labte und diesen auch noch begrüßte, doch wenn er ehrlich war, dann war es ganz und gar nicht die einzige Möglichkeit ihn zu verurteilen und über ihn zu tuscheln.

Also gab er nichts, worum er sich nun hätte, scheren müss-

,,Das ist doch nicht dein Ernst!"

Augenblicklich zuckte Ravy zusammen und schien in der Regung zu erstarren. Schwer musste er schlucken, bevor er ruckartig herumfuhr und zu dem Fremden, dem Freak, hinaufstarrte, der hinter ihm in der Gasse stand.

Mit großen Augen, trockener Kehle und zitternden Fäusten, versuchte er zu schlucken. Sein Herz stolperte. Wieder und wieder. Und es rasten ihm so viele Gedanken durch den Kopf, dass es ihm nicht einmal möglich war auch nur einen einzigen davon zu erfassen.

,,Was-" versuchte er herauszubringen, doch unterbrach sich selbst, als sein Gegenüber bedrohlich einige Schritte vortrat und ihn so zum Schweigen brachte.

Es war nicht möglich. Es war richtig möglich, dass dieses Arschloch nun hinter ihm stand! Er hatte ihn in die Bar hineingehen, aber nicht mehr hinausgehen sehen! Das war unmöglich! Und er war ganz sicher nicht so tief in seinen Gedanken versunken gewesen, dass es ihm entgangen wäre!

...oder?
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