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In the darkness

GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Eren Jäger Levi Ackermann / Rivaille
18.06.2021
16.08.2021
16
90.534
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08.07.2021 6.437
 
Kaum knalle ich Levi die Tür vor der Nase zu, lasse ich mich an genau dieser zu Boden gleiten. Ich schluchze in meine Hände, kann meine Wut, Trauer und Enttäuschung nicht mehr länger an mir halten. Mein Körper bebt und die Tränen laufen nur so meine Wangen entlang, während ich mich immer wieder frage, wie er so herzlos sein kann? Wie kann er all diese Dinge mit mir unternehmen, all das, was so weit über Sex hinaus ging, und mir dann sagen, dass er keine Gefühle für mich hat? Wie kann er mir seine blöde Phrase, dass ich mir doch bloß nichts darauf einbilden soll, so unter die Nase reiben und damit alles abtun, was zwischen uns war? Wie kann er das vor sich selbst rechtfertigen? Und wieso war ihm scheinbar keine Sekunde lang klar, was er damit bei mir anrichtet?
Ich zucke zusammen, als ich ein lautes Krachen im Treppenhaus höre.
War er das?
Mir soll’s egal sein, wahrscheinlich muss er nur seinen Frust darüber abbauen, dass er sich am nächsten Wochenende einen neuen Lover suchen muss und ich nicht wie bestellt am Freitag vor seiner Haustür erscheine, um ihm all seine Wünsche zu erfüllen. Kurzzeitig schiebt sich bei dem Gedanken das Bild von Levi mit einem anderen, fremden Mann vor mein inneres Auge und kommt mir die Galle hoch. Mir wird schlecht und ich zittere am ganzen Körper.
Ich will das nicht!
Ich schleppe mich ins Bad, über die Toilette, würge, aber es kommt nichts heraus. Dennoch bleibe ich noch einen Moment so, weil ich meinem Magen nicht ganz vertraue. Als ich mich nach einer halben Stunde dann aber immer noch nicht erbrechen muss und auch meine Atmung und mein Puls sich nach und nach beruhigen, erhebe ich mich langsam und reinige mir am Waschbecken das Gesicht.
Wieso muss es jedes Mal so enden?, frage ich mich selbst, als ich mein abgeschlagenes Gesicht im Spiegelschrank betrachte, Wieso bin ich niemals gut genug? Ist es so abwegig, dass auch jemand wie ich Liebe verdient hat?
Wieder brennen mir die Tränen in den Augen, als sich die dunklen Gedanken in meinem Kopf einnisten.

Mehr als deinen Körper hast du Männern nicht zu bieten.
Der einzige Weg, einen Mann an dich zu binden, ist über Sex. Vielleicht warst du einfach zu langweilig.
So kaputt, wie du bist, wird dich eh niemand lieben können.
Du kannst schon froh sein, dass Levi es überhaupt solange mit dir ausgehalten hat.

Ich ertrage es nicht mehr, will die selbstzerstörerischen Gedanken verstummen lassen. Aus dem Kühlschrank hole ich eine Flasche Wein und ein großes Glas, das für diese Art von Getränk eigentlich nicht gedacht ist. Ich schütte fast die halbe Flasche hinein und leere es in kürzester Zeit, bis sich die entspannende und berauschende Wirkung des Alkohols langsam über meinen Körper legt. Aber weil es noch nicht genug ist und ich mich immer noch schlecht fühle, kippe ich auch noch die zweite Hälfte der Flasche nach. Und danach noch eine ganze Flasche, bis ich so betrunken bin, dass ich meine Augen nicht mehr offen halten kann und auf meiner Couch einschlafe.

Als ich am Morgen wach werde durch das laute Klingeln meines Handyweckers, brummt mir der Schädel. Auf keinen Fall kann ich so zur Uni gehen, also schalte ich den Wecker gleich wieder aus und lege mich noch einmal für ein paar Stunden schlafen. Die Zusammenfassung der Vorlesung kann ich im Zweifelsfall auch noch online nachlesen.
Als ich das nächste Mal wach werde, ist es schon Nachmittag und damit bereits am Dämmern. Ich schaue auf mein Handy, denn ich hoffe immer noch, dass Levi es sich vielleicht doch anders überlegt hat, dass er mich will, dass ich ihm reiche. Aber mehr, als eine Nachricht von Armin, der mich fragt, wo ich heute war, wird mir nicht auf dem Display angezeigt. Ich tippe eine kurze Antwort, dass ich mir etwas eingefangen haben muss und diese Woche wohl nicht mehr zur Uni gehen werde. Zwar fühle ich mich schlecht dabei Armin anzulügen, aber ich bin einfach noch nicht soweit der Welt zu verkünden, dass es mit mir und Levi vorbei ist. Bei der Vorstellung, wie Mikasa und Jean davon erfahren und sich dabei heimlich ins Fäustchen lachen, während sie mir sagen, dass sie erleichtert sind, denn Levi hätte eh nicht zu mir gepasst, läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Und es würde sicher nicht lange dauern, bis Armin diese Information an die beiden weiter trägt. Da mache ich den Schmerz lieber mit mir selbst und der ein oder anderen Flasche Wein aus. Aber da ich letzten Abend die letzten beiden geleert habe, die ich noch im Haus hatte, rapple ich mich langsam auf, mache mich nur schnell frisch, ziehe mir einen Hoodie und eine Jogginghose an und gehe dann noch schnell zum nächsten Supermarkt, um den Vorrat für die nächsten Tage aufzustocken.

So vergehen die nächsten Tage. Morgens komme ich kaum aus dem Bett, über den Nachmittag schaue ich nach, was ich in den Vorlesungen verpasst habe, an irgendeinem Tag lösche ich sogar Levis Handynummer. Ich trinke jeden Abend, bis ich einschlafe, während nebenbei meine Herzschmerz-Playlist dudelt: Good Riddance von Green Day, In the end von Linkin Park und Thnks fr th Mmrs von Fall Out Boy.
Letzteres Lied bringt mich dann am Samstag zwei Wochen später auf eine Idee, die dümmer und selbstzerstörerischer eigentlich nicht sein könnte, aber wahrscheinlich genau das ist, was ich gerade brauche, denn ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, die anderen lange hinterher trauern und auch ein Levi wird daran nichts ändern. Ich muss den Kopf wieder frei bekommen, mein Leben muss weitergehen. Und wenn ich eins weiß, dann dass ein bisschen Sex da noch immer geholfen hat. Daher dusche ich - das erste Mal nach viel zu vielen Tagen - rasiere mich von oben bis unten und werfe mich dann in frische Klamotten. Mein Weg führt mich in die WG meines Bruders und Reiner. Sicher, Reiner ist nicht meine erste Wahl, aber da weiß ich immerhin was ich bekomme und der Sex hat zwischen uns immer gestimmt.
Die beiden lassen mich auch hinein und ich meine zu spüren, dass sie mir seit dem letzten Mal, das ich hier war, auch weniger feindselig gegenüber treten. Sie begrüßen mich freundlich, wir reden über den Alltag, mein Studium und den Nebenjob, den ich die vergangenen zwei Wochen sehr vernachlässigt habe, bis mein Bruder sich dann verabschiedet, weil er selbst noch zur Arbeit muss.
»Also, warum bist du wirklich hier? Ich denke nicht, um Small Talk zu halten?«, fragt Reiner mich dann halb skeptisch, halb belustigt darüber, dass ich scheinbar zu leicht zu durchschauen bin.
»Ich bin wegen dir hier«, erwidere ich, während ein gezwungenes Lächeln meine Lippen umspielt. Ich strecke meine Hand zu ihm aus und will sein Gesicht streicheln, aber Reiner fängt sie mit seiner eigenen ab, ehe ich ihm zu nah kommen kann.
»Eren, ich dachte, wir hätten das geklärt. Du kannst hier nicht immer aufkreuzen und so etwas abziehen, wie es dir passt«, sagt er in einem strengen, belehrenden Tonfall, »Zwischen uns ist nichts mehr. Außerdem date ich jetzt Bertholdt.«
»Oh«, sage ich und schlucke, denn an den habe ich gar nicht mehr gedacht, »Also ist es etwas Ernstes zwischen euch?«
»Gott, Eren, was stimmt denn mit dir nicht? Wir kennen uns gerade ein paar Wochen, da weiß ich das doch noch nicht. Aber ich werde es sicher nicht riskieren, die Sache mit ihm zu versauen, nur weil dir gerade der Sinn nach Sex steht. Was ist überhaupt los mit dir? Hattest du nicht jemanden?«
Ich zucke zusammen bei der Härte seiner Worte, auch weil sie mich wieder an meinen Verlust erinnern und an die Schmerzen, die mich von innen auffressen.
»Das mit Levi ist vorbei«, presse ich zwischen meinen angespannten Kiefern hervor.
»Was für ein Wunder«, kommentiert Reiner meine Aussage abfällig, »Wie hast du es denn diesmal versaut?«
Seine Annahme, dass ich es verbockt hätte, macht mich wütend. Sicher habe ich mich in meiner Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was meine Männergeschichten angeht, aber mit Levi war es mir ernst und an seinen Gefühlen, oder eher den Mangel an diesen, trage ich nichts zu bei.
»Es lag nicht an mir!«, gifte ich also zurück, »Er liebt mich einfach nicht, okay?«
Über den letzten Satz stolpere ich, weil ich die Worte kaum über die Lippen bringe, ohne dass ich das Gefühl habe, dabei zu zerbrechen. Sofort spielen sich vor meinem inneren Auge wieder die Bilder ab, die Erinnerungen an unseren letzten Tag, die ich die zwei letzten Wochen mithilfe des Alkohols ausgeblendet habe. Ich beginne zu zittern und zu schluchzen, während bittere Tränen meine Augen hinab rollen.
»Fuck, Mann! Das tut mir echt leid«, spricht Reiner mitfühlend und klopft mir zunächst tröstend ein paar Mal auf die Schulter, gibt sich dann aber einen Ruck, legt den Arm um mich und streicht mir über den Rücken. Dann sagt er: »Tut mir auch leid, dass ich so hart zu dir war. Dir lag wirklich viel an ihm, oder? Und das ging doch auch schon eine ganze Weile.«
Ich nicke, weil ich kaum ein Wort heraus bringe.
»Hier«, sagt Reiner dann und reicht mir eine Packung Taschentücher, die ich dankbar annehme.
Als mein Schluchzen langsam verebbt und ich mir die Tränen aus dem Gesicht gewischt habe, beginne ich aufgewühlt zu reden: »Weißt du, er hat mir von Anfang an gesagt, dass es nur körperlich zwischen uns ist. Aber dann hat er diese ganzen Dinge getan, er kam mit zu meiner Schwester, hat meine Freunde kennengelernt, mir einen verdammten Laptop gekauft, wir waren im Urlaub. Und das Härteste war, dass er mich gefragt habe, ob ich ihn in ein paar Monaten auf irgendeine Hochzeit begleiten würde. So was macht man doch nicht, wenn man nur ficken will, oder?«
»Eren, ich weiß nicht, was du von mir hören willst. Ich kann verstehen, dass du da mehr rein interpretiert hast und das hätten wohl die meisten. Aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass er dir gesagt hat, dass er dich nicht liebt.«
»Aber wieso verhält man sich denn so?«, will ich weiter wissen, aber natürlich hat Reiner darauf auch keine Antwort. Stattdessen fragt er: »Hat er denn mal erwähnt, wie er zu Beziehungen generell steht? Vielleicht kann er sich einfach nicht fest an einem Mann binden, will aber die Vorteile ausnutzen, die eine Beziehung mit sich bringt.«
Ich nicke, denn so was in der Art sagte Levi ja tatsächlich. Irgendetwas muss damals in seiner letzten Beziehung vorgefallen sein, dass er seitdem niemanden mehr emotional an sich heran lässt. Und ich Idiot habe mich natürlich trotzdem verliebt in den einen Mann, bei dem es mir niemals hätte passieren dürfen. Die Warnzeichen waren immer da, nur habe ich sie nicht ernst genommen.
»Und jetzt, Eren? Wie geht’s jetzt für dich weiter?«, hakt er nach und schaut mich besorgt an. War er schon immer so? Ich frage mich, ob mir die ganze Zeit entgangen ist, dass Reiner eigentlich kein schlechter Typ ist, es mich aber einfach nicht interessiert hat. Plötzlich habe ich Schuldgefühle, weil ich ihn nie wertgeschätzt habe und ihn stattdessen ein ums andere Mal verletzt und provoziert habe. Letztendlich habe ich ihn auch nur so benutzt, wie Levi es mit mir getan hat. Ich habe ihm eine Beziehung vorgespielt, ohne echte Gefühle zu investieren. Ein Kloß bildet sich in meinem Magen und ich habe das dringende Bedürfnis, mich für mein früheres Verhalten zu entschuldigen.
»Für mich geht es weiter, wie es immer weiter geht. Was soll ich auch tun? Aber du - Verbock’ das mit Bertholdt nicht, er ist ein netter Kerl. Und passt viel besser zu dir, als ich es je getan habe.«
Ich lächle schief und nehme eine seiner Hände in meine, dann spreche ich weiter: »Du hast das verdient, weißt du? Ich meine, einen Freund, der gut zu dir ist. Der besser ist, als ich. Ich war nicht gut zu dir, bin’s wohl auch immer noch nicht, das weiß ich jetzt. Und es tut mir leid, dass ich dich nicht so behandelt habe, wie du es verdient hast.«
»Späte Einsicht, hm?«, zieht mich Reiner auf, was ich mit einem Stoß meines Ellenbogens in seine Rippen quittiere. Wir beide lachen laut auf und mir ist ein wenig leichter ums Herz.
»Danke, dass du dich entschuldigt hast«, schlägt er dann doch noch ernstere Töne an, »Das bedeutet mir viel. Du bist erwachsen geworden, weißt du das? Ich glaube, Levi hat dir wirklich gut getan, egal, wie es mit euch geendet ist. Was immer er mit dir getan hat, du solltest es für die Zukunft mitnehmen.«
Ich weiß nicht recht, wie ich mit dem Kompliment umgehen soll, ziehe daher nur meinen Mundwinkel nach oben und nicke.
»Ich sollte jetzt besser gehen«, sage ich dann.
»Nach Hause?«
Ich denke kurz über Reiners Frage nach, aber ich glaube, ich würde es nicht aushalten, heute Nacht allein zu sein. Also schüttle ich den Kopf und sage: »In den Club.«
»Vergiss, was ich gerade gesagt habe«, lacht Reiner dann, »Du hast dich kein Stück verändert.«

Ich mache dann doch noch einen kurzen Abstecher nach Hause, bevor es in den Club geht, allerdings nur, um mich umzuziehen. Ich wechsle den dicken Winterpulli gegen ein schwarzes Muscle-Shirt und die Jogginghose gegen eine graue Jeans. Die Haare binde ich mir noch einmal ordentlich hoch, lackiere mir die Nägel schwarz, nehme mir eine Jacke mit, dann mache ich mich auf den Weg.
Es ist noch früh und der Club ist verhältnismäßig leer. Aber das stört mich nicht, so habe ich wenigstens noch freie Auswahl. Als erstes gebe ich meine Jacke an der Garderobe ab, dann gehe ich zur Bar und bestelle mir einen aufwendigen Cocktail. Ich wende ich mich auf dem Hocker, sodass ich freien Blick auf die Gäste habe. Als die Wirkung des Alkohols dann aber langsam einsetzt und der Club sich mehr und mehr füllt, beschließe ich, dass mir heute eher danach ist, mich erobern zu lassen, als selbst auf einen Mann zuzugehen. Für mein Ego brauche ich das Gefühl begehrt und gewollt zu sein. Also stelle ich das leere Glas ab und begebe mich auf die Tanzfläche, als gerade die ersten Takte von Lola Montez von Volbeat einsetzen. Es dauert auch nicht lange, bis ich die ersten Blicke auf mir spüre. Ich sauge sie förmlich in mich auf, genieße es, trotz allem noch begehrenswert zu werden. Ein zierlicher, junger Typ mit hellbraunen, strubbeligen Haaren nähert sich mir und ich signalisiere ihm, dass er ruhig zu mir kommen soll. Er sieht niedlich aus mit seinen großen, blauen Augen, der zierlichen Nase und den vollen Lippen. Ohne zu zögern folgt er meiner Aufforderung und beginnt mit mir zu tanzen. Er wendet sich so in meinem Griff, dass sein Hintern gegen meinen Schritt drückt und zeigt mir damit eindeutig, was er will. Die Idee, endlich wieder zu toppen, gefällt mir, schließlich kam ich bei Levi nie in das Vergnügen. Der Kerl hebt seine Hand, greift meinen Kopf und zieht in zu sich heran. Nicht um mich zu küssen, wie ich es zuerst denke, sondern um in mein Ohr zu flüstern: »Ich habe einen Freund mitgebracht. Wenn er dir gefällt, könnten wir auch alle zusammen Spaß haben.«
Dann winkt er einem Typen zu, der glatt Model sein könnte: Groß, gut gebauter Körper, gebräunte Haut, ein kantiges Gesicht und dunkle Haare. Ich winke nun ebenfalls.
Was soll’s?, denke ich mir. Zwar waren Dreier nie mein Ding, aber die beiden Männer gefallen mir, ich habe ein gebrochenes Herz, das ein wenig Zuneigung gebrauchen kann und bin niemandem eine Erklärung schuldig für das, was ich tue oder lasse.
Der gut aussehende Typ bahnt sich seinen Weg zu uns, sodass ich nun in der Mitte der beiden bin. Ich spüre ihre Hände an meinem Körper und Lippen an meinem Hals. Jede dieser Berührungen mildert den Schmerz, den ich in mir trage, ein wenig und ich beginne, die Umwerbung der beiden richtig zu genießen. Zumindest solange, bis ich einen festen Griff um mein Handgelenk spüre und dann, ehe ich überhaupt verstehe, was mit mir geschieht, von der Tanzfläche gezogen werde.
»Was zur Hölle?!«, rufe ich laut aus, bis ich dann sehe, wer mich am Arm packt und mich der Schlag trifft, »Levi, was machst du da?«
Ich gefriere auf der Stelle, bin gleichermaßen geschockt und entsetzt. Die Begegnung mit ihm ist so unerwartet, das alles hier kommt völlig aus dem nichts. Ich weiß nicht, was ich von seinem Auftritt halten soll, davon ihn hier zu sehen, davon, dass mein Herz vor Schmerz brennt und ich mich fühle, als hätte er mich bei etwas Verbotenem erwischt. Ich starre ihn entgeistert an und warte auf eine Antwort.
»Tch«, schnaubt er schließlich, »das könnte ich dich fragen. Was machst du mit den beiden Typen?«
»Was ich - «, setze ich an, weigere mich dann aber mich zu rechtfertigen, reiße mich von ihm los und schlage einen wütenden Ton an, »Es geht dich einen Scheiß an!«
»Eren«, spricht er meinen Namen dominant aus, »es geht mich sehr wohl etwas an, wenn du mich belügst. Ich dachte«, er wirft einen Blick auf die beiden Männer auf der Tanzfläche, bevor er mich wieder ansieht und die Arme verschränkt, »so etwas wäre nicht dein Ding?«
Ich rolle mit den Augen, weil ich fassungslos darüber bin, was er mir vorwirft. Ist es das, was ihn stört? Dass ich mit zwei Männern gleichzeitig getanzt habe? Hätte er mir also keine Szene gemacht, wenn es nur ein Mann gewesen wäre?
»Ich weiß nicht, wie du dir das Recht heraus nimmst, dass du denkst, du kannst mir vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe«, zische ich ihn kühl an und umgehe so die direkte Antwort auf seine Frage, »Zwischen uns ist nichts mehr und selbst wenn es das wäre, wir waren nie zusammen, nie exklusiv. Genauso, wie du es wolltest. Also was ist dein verdammtes Problem?«
Seine Augen weiten sich, während meine sich immer mehr verengen. Ich weiß, dass ich ihn in eine Ecke gedrängt habe und dass er nun langsam an der Reihe ist, sich zu erklären.
Sein Mund öffnet sich, aber keine Worte wollen herauskommen. Natürlich nicht.
Ich will gerade einen frustrierten Abgang hinlegen, da packt er mich wieder am Arm und hält mich auf. Energisch reiße ich meinen Arm los und wende mich noch einmal zu ihm. Dabei merke ich nicht, wie meine Fassade aus Wut und Entsetzen langsam bröckelt und sich meine verletzliche Seite zeigt, als ich beginne zittrig zu sprechen: »Oder willst du mich einfach nicht mit einem anderen Mann sehen? War wohl einfacher für dich, als es nur ein theoretisches Konzept war, was? Aber soll ich dir etwas verraten? Es war deine Entscheidung. Du wolltest mich nicht mehr! Und das, weil ich Gefühle für dich hatte.«
Ich wähle absichtlich die Vergangenheitsform, denn er soll bloß nicht glauben, dass mir noch etwas an ihm liegt, auch wenn das der Fall ist. Levi will gerade etwas einwenden, da fahre ich ihm über den Mund und rede weiter: »Ich weiß, dass es dumm von mir war, du hast mir ja immer wieder gesagt, dass wir die außen vor lassen sollen. Aber verrate mir eins: Wie hätte ich das anstellen sollen? Wie kann ich ignorieren, dass wir jede Woche die halbe Woche miteinander verbracht haben? Dass wir auf Dates gegangen sind? Dass du dich meiner Familie gestellt hast und meine Freunde kennengelernt hast? Dass du mir teure Geschenke gemacht und mich in den Urlaub mitgenommen hast? Dass du mich nachts in deinen Armen gehalten hast? Dass du mich sehen wolltest, auch wenn du keine Lust auf Sex hattest? Dass du meine ersten Küsse erwidert hast? Dass du für mich eine verdammte Zahnbürste in deiner Wohnung bereit gehalten, weil du meine Besuche erwartet hast? Dass du mich jede Woche zum Training mitgenommen hast? Und dass du mich auf eine verdammte Hochzeit mitnehmen wolltest, die erst in ein paar Monaten ist? Wie hätte ich mir auf all das nichts einbilden sollen? Wie hätte ich mich bei all dem nicht in dich verlieben können? Und dann kommst du hierher, siehst so aus«, mit meiner Hand zeige ich von oben bis unten auf ihn, »als ob du gleich jemandem mit nach Hause nehmen willst und machst mir noch Vorwürfe, weil mir nach etwas Ablenkung ist, nachdem du mein Herz gebrochen hast?«
Als ich mit meinem Monolog fertig bin, kann ich gerade noch so meine Tränen zurückhalten. Mein Blick bohrt sich in Levi, aber er bringt keine Antwort heraus, was mich tief in meinem Herzen trifft und enttäuscht. Es fühlt sich an, als würde auch noch die letzte Hoffnung, die ich für ihn und mich übrig hatte, zerbrechen.
»Sprich mich nicht mehr an, bis du mir das erklären kannst«, sage ich dann abgeschlagen. Ich überlege wieder zurück zur Tanzfläche zu gehen, sehe aber, dass sich die beiden Typen von eben schon das nächste Opfer gefunden haben. Ich seufze, schüttle den Kopf, dann lasse ich Levi ohne weitere Worte stehen, hole meine Jacke ab und mache mich auf den Heimweg. Mit ihm im selben Club und seinen Augen auf mir könnte ich eh niemanden aufreißen, das würde sich falsch anfühlen.
Als ich zu Hause ankomme, ziehe ich mich bis auf die Unterhose aus, dann falle ich erschöpft ins Bett. Es dauert noch eine Weile, bis ich einschlafen kann, weil mir die Begegnung mit Levi nicht aus dem Kopf gehen will. Er wirkte wirklich verletzt und ganz kann ich ihm auch nicht abnehmen, dass er wirklich keine Gefühle für mich hat, denn sonst hätte er keinen Grund eifersüchtig zu sein. Und das war er, da kann er mir nichts vormachen. Aber solange er das nicht für sich selbst einsieht, gibt es für ihn und mich keine weitere Chance.

Am Morgen werde ich durch meine Türklingel geweckt, die ununterbrochen schellt. Was zur Hölle?
Ich werfe mir schnell ein Shirt und eine Jogginghose über, dann schaue ich nach, wer es so eilig hat mich zu sehen. Auf dem Weg zur Tür mache ich einen kurzen Abstecher ins Bad, nehme meine Zahnbürste in die Hand und mache etwas Zahnpasta und Wasser drauf, dann stecke ich sie mir in den Mund und betätige den Summer. Da noch niemand vor der Wohnungstür zu sehen ist, rufe ich, so gut es mit vollem Mund geht, dem unbekannten Gast entgegen: »Bin eben im Bad. Einen Moment noch!«
Dort schrubbe ich meine Zähne dann noch schnell und gründlich, kämme und binde mir das Haar, wasche mich unter den Armen und trage noch fix Deo auf, ehe ich ins Wohnzimmer gehe und mein Herz einen Schlag lang aussetzt. Levi.
»Was machst du hier?«, will ich wissen und bemühe mich um einen gleichgültigen Ton. Dabei fällt mir auf, dass er Jacke und Schuhe bereits im Flur ausgezogen haben muss. Ganz, als wäre er hier heimisch oder würde zumindest länger bleiben wollen.
»Ich möchte mit dir reden«, sagt er und wirkt dabei nervös. Er lässt seinen Blick unruhig durch den Raum schweifen und seine Hände spielen miteinander auf der Suche nach Beschäftigung.
Ich nehme gegenüber von ihm Platz; will etwas Distanz zwischen uns wahren, denn ich weiß nicht, was mich erwartet. Dabei verschränke ich die Arme und überschlage die Beine locker. Mit einem Nicken fordere ich ihn dann auf zu sprechen.
»Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe«, beginnt er.
Ich will schon höhnisch auflachen, verkneife es mir aber. Stattdessen frage ich provokativ: »Und wann genau? Gestern, als du mir im Club dazwischen gegangen bist? Vor zwei Wochen, als du mich eiskalt abserviert hast? Oder die Monate davor, als du -«
»Bei allem!«, unterbricht er mich, ehe ich ausholen kann, »Ich habe alles falsch gemacht. Aber vor allem vor zwei Wochen. Ich wollte dir nie weh tun. Aber du musst wissen, dass ich meine Gründe dafür hatte. Gründe, über die ich nicht reden kann, außer mit meiner Therapeutin. Eren, ich hatte nur eine Beziehung in meinem Leben und die habe ich grandios in den Sand gesetzt. Ich habe Dinge getan, die unverzeihlich sind und ich habe Angst davor, wieder so zu werden. Und ich habe Angst davor, verletzt zu werden. Ich habe die letzten zehn Jahre niemanden mehr an mich heran gelassen und eigentlich ist mir das auch nie schwer gefallen. Bis ich dich getroffen habe und mir zum ersten Mal gewünscht habe, dass es anders wäre. Was ich dir damals gesagt habe stimmt. Ich tue mich schwer damit über meine Gefühle zu sprechen, weil sie das real macht. Ich habe Angst zu versagen, dich unglücklich zu machen, dich dazu zu bringen, dass du mich hasst. Und gleichzeitig will ich nicht, dass du mich verletzlich erlebst. Du weißt nicht, mit welchen Alpträumen ich mich plage, was ich erlebt habe. Mich überfordert der Gedanke, diese Seite von mir mit einem anderem Menschen außer Hanji - meiner Therapeutin - zu teilen. Und was ist, wenn ich dir nicht genug bin? Schau, ich bin nur an den Wochenenden hier und es wird auch Tage geben, die ich für mich brauche. Wird dir das reichen? Kann ich dir überhaupt reichen? Ich habe Angst davor, dass ich dir nicht das geben kann, was du verdienst und wir beide uns dadurch irgendwann unglücklich machen.«
Erschlagen von seinem Wortschwall, lehne ich mich im Sessel zurück und stoße die Luft aus. Ich weiß nicht, was ich von dem, was ich gerade gehört habe, halten, geschweige denn, wie ich es deuten soll. Sind es nur weitere Gründe, die er vorschiebt, um mir zu sagen, dass er mich nicht will?
»Du hättest nicht noch einmal herkommen müssen, um mir zu sagen, warum aus uns nichts werden kann«, sage ich daher kühl und streiche mir mit dem Zeigefinger die Stirn glatt, »Ich dachte auch, ich hätte mich gestern klar dazu ausgedrückt.«
»Darum bin ich nicht hier, Eren. Ich will nur klarstellen, auf was du dich mit mir einlässt, wenn...- Wenn du das noch willst.«
»Wenn ich was will?«, frage ich verwirrt und runzle meine Stirn. Meint er das, was ich denke?
»Eine Beziehung, meine ich«, antwortet er, als hätte er meine Gedanken an meinem Gesicht abgelesen, »Ich habe bemerkt, dass ich Gefühle für dich habe und nicht will, dass du mit jemand anderem zusammen bist.« Er schluckt hart und ich kann nur erahnen, wie schwer es ihm gefallen sein muss, diese Worte auszusprechen. Und so verführerisch die Aussicht auf eine Beziehung mit Levi auch klingt, so wenig Sinn macht sein Sinneswandel für mich.
»Was ist aus Bilde dir bloß nichts darauf ein geworden? Ich dachte, du würdest nichts für mich empfinden. Was soll das alles?«
Meine Stimme bricht, als ich ihm diese Fragen stelle. Ich denke an das Leid der letzten Wochen zurück, den Selbsthass, den ich empfunden habe, mein Herz, das er gebrochen hat. Meine Atmung geht unregelmäßig und ich höre mein Blut in den Ohren rauschen, so schnell schlägt mein Herz. Levi scheint das nicht entgangen zu sein, denn er überbrückt die Distanz zwischen uns, umrundet meinen Couchtisch und ist nun ganz nah bei mir. Er geht vor mir in die Hocke, streicht mir die Strähnen aus dem Gesicht und nimmt mein Gesicht in seine Hand.
»Es tut mir leid, wie sehr ich dich verletzt habe und dass ich so lange gebraucht habe, um einzusehen, was ich für dich empfinde«, sagt er sanft und so nah an meinem Gesicht, dass sein Atem mich kitzelt, »Und ich möchte, dass du dir auf das hier etwas einbildest.«
Ehe ich mich fragen kann, was er damit meint, legen sich seine Lippen auf meine, zart und schüchtern, ohne jede Forderung. Und doch ist es alles, was ich brauche, damit die Verletzungen, die Zweifel, die Schmerzen und die Wut der letzten Wochen von mir abfallen. Ich schluchze vor Erleichterung auf, lege meine Arme um Levi und greife ihm ins Haar.
»Shhh«, wispert er gegen meine Lippen und legt seine ein weiteres Mal auf meine, um mich zu beruhigen. Dann verteilt er weitere, hauchzarte Küsse auf meinen Wangen, meiner Nase und meiner Stirn, bis meine Atmung wieder normal geht und ich mich gefangen habe. Er geht tiefer in die Knie, drängt sich dabei ein wenig zwischen meine Beine, nimmt meine Hände in seine und drückt sie sanft. Als ich ihn ansehe, schenkt er mir ein schüchternes, halbseitiges Lächeln und haucht auf jede meiner Hände einen weiteren kurzen Kuss.
»Du bist wunderbar, Eren«, spricht er leise gegen sie und sieht mich dann von unten an, »Und ich habe viel zu lange gebraucht, um mir das einzugestehen. Du bist so viel mehr, als dein Körper und ich wünsche mir, dass du das selbst irgendwann siehst. Ich bin deinem Charme verfallen und der Tatsache, dass du deine Gefühle nie verstecken kannst. Im Gegensatz zu mir trägst du dein Herz auf der Zunge und vielleicht brauche ich genauso jemanden in meinem Leben. Du bringst mich dazu mich weiter zu entwickeln, meine eigenen Grenzen neu auszuloten. Ich kann an dir noch wachsen und vielleicht irgendwann zu einem besseren Menschen werden.«
Und als wären bei mir nicht bereits schon alle Dämme gebrochen, fange ich ein weiteres Mal an laut und hemmungslos zu schluchzen. Jedes seiner Worte heilt die Wunden in meinem Herzen ein bisschen mehr und füllt mich mit bittersüßem Schmerz, denn ich habe solange darauf gewartet, so etwas zu hören und es nun endlich soweit ist. Und das keine Sekunde zu früh.
Ich entziehe Levi meine Hände, aber nur um sie ein weiteres Mal um seinen Nacken zu schlingen und ihn so an mich heran zu ziehen. Jetzt, wo ich die Erlaubnis habe ihn zu küssen, will ich nicht mehr darauf verzichten und alles nachholen, was ich bis hierhin verpasst habe.
»Ich will dich, Levi, ich will dich so sehr«, seufze ich, bevor sich mein Mund sanft gegen seinen presst. Ich genieße jeden Moment, ihm so nah zu sein, ihn zu kosten, seinen Geruch dabei in mich aufzunehmen, den ich die letzten Wochen so schmerzlich vermisst habe. Nicht nur seinen Geruch, sondern auch ihn. Ich habe Levi vermisst. Meine Zunge fährt vorsichtig über seine Unterlippe und wird dort von seiner empfangen. Unser Kuss verliert schnell an Unschuld, wird hitziger und gieriger, als unsere Zungen sich finden und miteinander zu spielen beginnen. Unsere Atmung beschleunigt sich zu schnellen, kleinen Stößen und unsere Hände suchen verzweifelt nach Haut und Wärme. Mich hält es nicht länger auf dem Sessel. Ich erhebe mich, ohne den Kuss zu lösen, auch wenn Levis Körpergröße das nicht leicht macht. Mit einer Hand um seinen Rücken geschlungen und der anderen mit seiner Hand verflochten, ziehe ich ihn hinter mir ins Schlafzimmer. Als ich die Kante meines Bettes an meinen Beinen spüre, lasse ich mich rückwärts fallen und nehme Levi mit mir mit.
»Hab’ dich vermisst«, flüstert er in mein Ohr, bevor er an genau diesem zu knabbern beginnt und mir in die Haare greift und daran zieht, sodass ich unwillkürlich meinen Rücken durchbiege. Normalerweise würde mich diese Geste dazu anspornen mit ihm um die Dominanz zu kämpfen, aber heute ist es anders. Ich will mich ihm ganz hingeben, seins sein dürfen, ihn tief in mir spüren und mich von ihm auffangen lassen. Doch Levi hat es nicht eilig. Er küsst sich sanft immer wieder zwischen meinem Hals, meinem Mund und meinem Ohr hin und her, ohne auch nur zu versuchen mich auszuziehen. Es ist, als würde er nach unserer zweiwöchigen Trennung jeden intimen Moment zwischen uns noch mehr schätzen und auskosten wollen. Meine Erregung lässt sich hingegen kaum noch verbergen, denn mein harter Schwanz zeichnet sich deutlich unter dem weichen Stoff der Jogginghose ab und ich werde ungeduldig.
»Bitte, Levi«, beginne ich zu betteln und drücke ihm mein Becken entgegen, »Fass mich endlich an.«
Ich spüre, wie sich seine Lippen an meiner erhitzten Haut zu einem Lächeln verziehen, als hätte er es genau darauf angelegt. Seine Hand legt sich kaum spürbar auf meinen Schritt, was mich eher frustriert, als dass es mir Erleichterung verschafft. Unwirsch hebe ich mein Becken ein weiteres Mal an und beginne mich an seiner Hand zu reiben, was aber nur dazu führt, dass er sie mir wieder entzieht. Und an seinem herausforderndem Lächeln erkenne ich, dass ihm das kleine Spiel viel zu gut gefällt.
»Du kannst dich auch jederzeit selbst anfassen«, neckt er mich. Das ist mir natürlich klar, aber nach so langer Abstinenz sehnt es mich nach seiner Berührung. Heute möchte ich nur durch seine Hände - oder seinen Schwanz - kommen. Daher schnaube ich nur zur Antwort.
»Nicht?«, ärgert er mich weiter, »Schade, denn ich sehe dir gerne dabei zu.«
Mein Kopf verfärbt sich rot, als ich an all die Bilder und Videos denke, die ich Levi von mir geschickt habe. Ob er die wohl behalten hat? Oder hat er sie gleich nach unserer Trennung gelöscht?
»Nicht heute«, erwidere ich dann, »Ich brauche dich.«
Damit scheine ich ihn gnädig gestimmt zu haben, denn er hebt mein Shirt an, schiebt mir den Saum zwischen die Zähne, sodass ich es oben halte, und zieht mir meine Jogginghose samt Unterhose aus. Mein Glied liegt nun frei, hart und schwer an meinem Bauch. Levi gibt mir noch einen schnellen Kuss auf den Mund, dann küsst, saugt und leckt er sich meinen Bauch hinab bis zu meinem Schritt. Seine Augen bleiben einen Moment an meinem Schwanz haften, ganz als würde er ihn heute zum ersten Mal sehen und bewundern, dann schließen sich seine Lippen um meine Spitze und seine Hand um meine Hoden, die er sanft knetet.
»Gott, das ist gut«, stöhne ich, greife in die Laken und lasse den Kopf in den Nacken fallen, wobei ich mein Shirt freigebe. Ich schließe die Augen und genieße das Gefühl, wie Levis weiche Lippen an mir auf und ab gleiten und seine Zunge meine Eichel umkreist. Seine Hand wandert derweil tiefer, spielt mit meinem Piercing und dann schließlich mit meinem Eingang. Er lässt seinen Finger nur ganz sanft darum kreisen ohne einzudringen. Um ihm zu zeigen, dass er damit aber bald beginnen kann, strecke ich meine Hand zum Nachttisch aus und fische daraus ein Kondom und mein Gleitmittel, das ich beides neben ihm auf das Bett fallen lasse und nutze die Gelegenheit auch gleich dazu, mich von meinem Oberteil zu befreien.
Levi lacht leise auf.
»Geduld ist wirklich nicht deine Stärke, hm?«, reizt er mich und zieht sich dabei das eigene Shirt über den Kopf und die Hose aus.
»Nicht nach zwei Wochen ohne dich«, erwidere ich und führe seinen Kopf mit sanftem Druck wieder zurück zu meinem Glied. Er kommt meiner Aufforderung nach und nimmt mich wieder in sich auf, was mich wohlig seufzen lässt. Durch halb geschlossene Lider erkenne ich, dass er seinen Penis in die Hand nimmt, ihn mit ein paar schnellen, harten Bewegungen zur Gänze erhärten lässt und sich dann das Gummi überzieht. Danach nimmt er etwas Gleitgel aus der Tube, reibt sich damit ein und verteilt eine großzügige Menge auf seinen Fingern und meinem Eingang. Er führt den ersten Finger vorsichtig und langsam in mich ein, sucht nach meiner Prostata und grinst zufrieden um mich herum, als er sie gefunden hat und ich vor Erregung aufschreie.
»Mehr! Bitte, ich brauche mehr!«, wimmere ich heiser und beiße mir auf die Unterlippe. Ein Finger wird es heute kaum für mich tun, denn mein ganzer Körper schreit nach mehr Aufmerksamkeit, nach ihm. Levi scheint Einsicht zu zeigen, denn es dauert nicht lange, bis ich den zweiten Finger in mir spüre und er mich zu dehnen beginnt, bis auch der dritte Finger problemlos in mich passt. Ein paar Mal noch streicht er mir über meine Prostata, entlockt mir damit die köstlichsten Töne, steigert meine Erregung, bis ich förmlich um seinen Schwanz bettle.
Als er mir dann endlich seine Finger entzieht und ich die Spitze seines Glieds an meinem Eingang spüre, schiebe ich mich ihm gierig entgegen und werde dabei erst gestoppt, als ich spüre, dass Levis Blick auf mir ruht. Seine Augen wirken dabei nicht so erhitzt, wie sonst in solchen Momenten, sondern sie strahlen tiefe Zuneigung mir gegenüber aus. Ich schlucke, als ich mir seiner Gefühle für mich bewusst werde, dass er nicht mir mir schläft, um körperliche Bedürfnisse zu stillen, sondern um seine Verbundenheit mit mir auszudrücken. Ich lächle zurück und streiche mit meiner Hand durch sein schwarzes Haar, dann über seine Wange und zu seinen Lippen hin, die die Kuppe meines Daumens küssen.
Überwältigt von meinen Gefühlen und seiner Zärtlichkeit, würde ich ihm jetzt am liebsten sagen, dass ich ihn liebe, aber es ist vielleicht noch etwas früh, meine Gefühle für ihn auf diese Weise ausdrücken. Erst recht jetzt, wo alles noch so neu und frisch ist und wir beide die Wunden der Zeit, die wir getrennt voneinander waren, noch im Herzen tragen. Also ziehe ich ihn an seinen Haaren zu mir hinunter und lege diese Worte in einen leidenschaftlichen Kuss, während meine Beine sich um ihn schlingen und ich ihn so tief in mich hinein schiebe. Ganz langsam fängt er an, sich in mir zu bewegen, ohne seine Lippen von mir zu lösen. Dabei streift sein Schwanz in mir immer wieder über meine empfindlichste Stelle, während mein Glied zwischen unsere Körper gepresst wird und bei jedem seiner Stöße sanft gestrichen wird. Ich stöhne in unseren Kuss hinein, lasse ihn so wissen, wie sehr es mir gefällt, wie sehr ich es mag, wenn er mich zärtlich nimmt, wenn es nur darum geht einander zu spüren, ganz ohne Hast, ohne den Orgasmus als Ziel, das so schnell wie möglich erreicht werden muss.
Langsam bildet sich der Schweiß auf unseren Körpern, die Erschöpfung nimmt zu und damit auch die Geschwindigkeit von Levis Bewegungen, denn er will uns beide kommen lassen, bevor uns die Kraft dafür fehlt. Ich bewege mein Becken so, dass er bei jedem Stoß meine Prostata treffen kann und stöhne laut auf, jedes Mal wenn er es schafft.
»Levi, oh Gott, oh Gott!«, rufe ich laut aus, als ich komme und mich lang und heiß zwischen uns ergieße.
»So heiß!«, raunt er an mein Ohr, fickt mich durch meinen Orgasmus und folgt mir dann mit einem lauten Schrei und meinem Namen auf seinen Lippen.
Eine Weile bleiben wir so liegen, er auf mir, wir beide verklebt durch den Schweiß und mein Sperma, nach Atem ringend und eng miteinander verschlungen.

»Jetzt, wo das zwischen uns was Festes ist, sollten wir uns vielleicht testen lassen und dann ganz auf diese Dinger verzichten«, schlägt Levi vor, als er zu Kräften kommt, sich mir dann entzieht, auf der Bettkante sitzt und das Kondom entsorgt. Dann schaut er mich an, plötzlich verunsichert, und fragt: »Das ist es doch jetzt, oder?«
Nun bin ich es, der über ihn lächelt. Ich rutsche zu ihm, nehme ihn von hinten in den Arm und küsse seinen Hals.
Dann vergrabe ich meinen Kopf in seinem Nacken und säusle an seine weiche Haut: »Das ist es. Und egal, welche Bedenken und Ängste du hast, wir schaffen das gemeinsam.«
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