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Perfect Destruction

von Yondu
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Black Widow / Natasha Romanoff Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Hawkeye / Clint Barton Hulk / Bruce Banner Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Virginia "Pepper" Potts
17.06.2021
14.09.2021
2
7.087
3
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17.06.2021 3.499
 
Perfect Destruction


Autor: Yondu
Fandom: The Avengers
Kapitelanzahl: steht noch nicht fest
Rating: P16 evtl. auch P18
Protagonisten: Tony Stark, Rhodey, Pepper Potts, Happy, Obadiah Stane, Howard Stark, Maria Stark (und später noch der eine oder andere Avanger)
Pairing: Tony x Pepper (Pepperony) | aber erst später in der Story
Timeline: Spielt vor den Ereignissen aus „Iron Man“, wie weit die Geschichte in die Ereignisse der Filme vordringen wird, steht noch nicht fest.
Warnung: Gibt’s (noch) nich... ;)


Summary

„Nach dem Tod seiner Eltern hat Tony sich viele Ablenkungen geleistet, aber seiner Trauer über diesen Verlust keinen Platz eingeräumt.“ | Tony x Pepper


Disclaimer

An den Marvel-Figuren habe ich keinerlei rechte, nur an der Idee dieser Geschichte.


Author's Notes

Hey zusammen! :) Nachdem Iron Dad nun abgeschlossen ist, wollte ich mal versuchen, mich einer weiteren Geschichte um Tony Stark zu widmen, die ich 2016 begonnen, bisher aber nicht veröffentlicht habe und die auch noch nicht abgeschlossen ist. Wie umfangreich das Ganze wird, kann ich daher noch nicht sagen, das wird sich also noch zeigen. In diesem Sinne: Viel Spaß!
Kleiner Hinweis: Das erste Kapitel dieser Geschichte hab ich am 12.03.2016 verfasst, also kurz bevor „Civil War“ in die deutschen Kinos kam.


❈❈❈


Der Tag des Weltuntergangs
Kapitel 1


★ 16. Dezember 1991 ★


Nein, er sah es nicht ein. Er sah es überhaupt nicht ein. Da konnten seine Eltern es ihm noch so oft erklären. Die fadenscheinigen Gründe seines Vaters war er ohnehin schon lange leid, aber dass sich seine Mutter jetzt auch noch auf seine Seite schlagen würde, hätte er dann doch nicht erwartet. Wollten sie ihn jetzt etwa schon beide loswerden?
Er sah, dass die Geduld seines Vaters vollends aufgebraucht war, als er genervt seufzte und sich die Hände rang. „Das ist mein letztes Wort“, ließ er ihn in strengem Ton wissen, wandte sich ab und nahm sein Jacket zur Hand, dass über der Lehne eines Küchenstuhls hing. „Ich höre mir dieses Theater nicht länger an. Maria, ich warte im Wagen auf dich.“
Er hätte seinen Vater gern aufgehalten, wäre ihm am liebsten nachgerannt und hätte sich an ihn geklammert, aber dafür fühlte er sich schon lange zu alt. Er war schließlich kein kleiner Junge mehr, aber es war ihm unendlich wichtig, ihn nur dieses eine Mal dabei zu haben. Doch er hatte ja gleich geahnt, dass sein Vater ihn wieder enttäuschen würde.

Seine Mutter stand unschlüssig in der Küche, wie immer. Sie hatte stets versucht, zwischen ihnen zu vermitteln, aber daran war sie gescheitert. Ihr Vater-Sohn-Verhältnis war dermaßen schlecht, dass wohl nichts in der Welt das jemals wieder zu ändern vermochte.
Sie seufzte, bevor sie zwei Schritte auf ihn zumachte, doch er hatte keine Lust, sich jetzt von ihr trösten zu lassen. Wenn sie nicht verstanden, was es ihm bedeutete, sie dabei zu haben, dann sollten sie ihn gefälligst ganz in Ruhe lassen.
„Tony, versteh doch. Diese Geschäftsreise ist wichtig und die lässt sich nun einmal nicht verschieben“, erklärte sie, aber auch davon wollte er jetzt nichts hören. Er war so wütend und so enttäuscht, dass er gar nicht wusste, wohin mit alldem. Er hatte gerade ein extrem großes Bedürfnis danach, irgendetwas kaputt zu schlagen.
Trotzdem biss er sich lieber auf die Lippe. Er wollte seine Mutter nicht anschreien. Das hatte sie nun wirklich nicht verdient. Sie konnte noch von allen am wenigsten dafür, aber er wünschte sich dennoch, dass sie ihm mehr beistehen würde. Sie tat immer, was sein Dad wollte, schlug sich nur noch selten auf seine Seite. Als er noch jünger war, hatte sie ihm öfter beigestanden, aber jetzt...

„Ich weiß...“, antwortete er seiner Mutter schließlich, konnte seinen Unmut dabei jedoch noch immer nicht verbergen. Wollte er eigentlich auch nicht. Im Prinzip wollte er es ihr gerade schwer machen zu gehen.
Er hatte den Kopf gesenkt, wusste allerdings, dass sie jetzt das Gesicht verzog. Ja, es tat ihr leid, nur sie würde trotzdem fahren. „Es tut mir leid, dass wir nicht mitkommen können. Beim nächsten Mal klappt es ganz bestimmt.“
Er konnte nicht verhindern, dass er schnaubte. Das sagte sie jedes Mal zu ihm und nie hielt sie Wort. Genauso wie er. Daran würde sich niemals etwas ändern. „Klar“, gab er gleichgültig zurück. Eigentlich war es auch egal, nur es war schwer, ihr etwas vorzumachen. Als er noch ein Kind gewesen war, hatte er oft so getan, als ob alles in Ordnung wäre, damit seine Eltern beruhigt verreisen konnten, aber diese Zeiten waren vorbei.
Seit er wusste, dass seine Bemühungen umsonst waren, seit er wusste, dass es sie nicht interessierte, was er wollte, gab er sich auch keine Mühe mehr, seine wahren Gefühle zu verbergen. Sie waren es doch, die ihn ins Internat abgeschoben hatten. Das war ihnen nur recht gekommen. Seitdem sahen sie sich noch seltener und so mussten seine Eltern noch weniger Verantwortung für ihn übernehmen.

Er hatte gehofft, dass es die wenige Zeit, die sie gemeinsam verbringen konnten in irgendeiner Form bereichern würde, dass sie sich dann mehr anstrengten, aber das war nicht passiert. Selbst jetzt, wo sie so oft und so lange voneinander getrennt waren, hatte sein Vater kein Interesse daran, für ihn da zu sein.
Er kam sich dumm vor, dass er ihn so lange zu seinem Vorbild gemacht hatte. Wenn er damals schon gewusst hätte, wie egal er seinem Vater war... aber das hatte er nicht gewusst. Er war eben auch nur ein Kind gewesen...

„Wir haben dich ganz doll lieb“, versuchte seine Mutter ihm noch einmal zu versichern, aber er hörte ihr schon gar nicht mehr richtig zu. Was sollte das auch? Sie belogen sich doch alle immerzu gegenseitig. Was spielte das jetzt noch für eine Rolle?
„Ja, ich weiß.“ Er klang nicht überzeugt. Er klang monoton. Es war der Wunsch seiner Mutter, dass sie niemals im Streit auseinander gingen, aber daran konnten sie sich nur selten halten. Sie fügten sich immer wieder neue Wunden zu, rissen alte wieder auf. Das ging zu tief, als dass sie sich ohne weiteres wieder zusammenraufen könnten.

Er wusste, dass es ihr wehtat, dass er mit ihr auch nicht reden wollte, nur konnte er keine Rücksicht darauf nehmen. Dieser Tag war wichtig für ihn und sie ließen ihn wieder alleine. Man bekam nicht oft die Möglichkeit, vor den führenden Wissenschaftlern dieser Welt zu beweisen, dass man etwas konnte. Er hatte Monate an diesem verfluchten Referat gesessen, damit er sich nicht wie ein kompletter Trottel aufführte. Schließlich war er davon ausgegangen, dass sein Vater auch dort sein würde und er hatte sich wirklich darauf gefreut, ihm endlich beweisen zu können, dass er alle seine hohen Erwartungen übertreffen konnte.
Doch anstatt ihn zu begleiten, würde er in Begleitung seiner Mutter wieder irgendwelchen Investoren in den Arsch kriechen. Wunderbar! Er konnte mit Worten nicht sagen, wie wütend ihn das machte. Immer hatte sein Vater mehr von ihm verlangt und immer mehr. Nie war ihm etwas gut genug gewesen.
Was war eigentlich mit seinen Erwartungen? Durfte er von seinem Vater nicht verlangen, dass er ihn mal lobte? Ihm wenigstens mal etwas Freundliches sagte und ihn nicht am laufenden Band kritisierte? Ein anerkennendes Klopfen auf die Schulter würde ihm auch schon reichen, aber selbst dazu ließ sich Howard Stark ja nicht herab.

„In zwei Wichen sind wir wieder zurück und dann kannst du uns ja erzählen, wie es gelaufen ist“, unternahm Maria einen letzten Versuch, noch einen halbwegs versöhnlichen Abschied hinzubekommen, doch damit überspannte sie den Geduldsfaden ihres Sohnes.
„Fahrt endlich!“, schrie er sie an und wandte sich von ihr ab. Er ließ ihr gar nicht die Möglichkeit noch etwas dazu zu sagen, denn es half ihm nicht. Sie würden es niemals verstehen, also rannte er die Treppe hinauf und schlug seine Zimmertür mit viel zu viel Schwung zu, sodass der Knall im ganzen Haus zu hören war.
Er wusste nicht, wie lange seine Mutter noch betreten in der Küche gestanden hatte. Vielleicht waren es ein paar Sekunden, vielleicht Minuten gewesen. Irgendwann hörte er seinen Vater ungeduldig hupen und am liebsten wäre er noch einmal runter gelaufen und hätte ihn ebenso angeschrien. Doch das würde auch nichts bringen.
Stattdessen hatte er sich auf sein Bett geworfen und versucht, nicht in Tränen auszubrechen. Das wäre peinlich, auch wenn er alleine war. Irgendwann hörte er, wie der Motor startete und seine Eltern fortfuhren.
Es wurde still. Unerträglich still.


❈❈❈


Sie waren schon längst auf dem Highway, als Maria sich immer noch die feuchten Augen wischte. Howard war genervt. Die emotionalen Ausbrüche seiner Frau war er leid. Es war eben nicht möglich, die eigenen Geschäfte und das Familienleben immer unter einen Hut zu bekommen. Das hatten sie von Anfang an gewusst und er fand nicht, dass Maria sich deswegen schlecht fühlen musste.
Natürlich konnte er verstehen, dass es nicht schön war, dass er selten Zeit hatte. Aber er tat das für seine Familie. Sein Leben lang hatte er hart dafür gearbeitet, um in dieser Position zu sein. All ihren Reichtum hatte er sich hart erarbeitet. Es würde ihnen an nichts fehlen und er konnte Tony die beste Ausbildung ermöglichen. War das denn nichts? Konnte sein Sohn ihm dafür nicht zumindest ein bisschen Dankbarkeit entgegenbringen?
Eines Tages würde er sein Unternehmen leiten und bis dahin war es nun einmal wichtig, dass er sich anstrengte und genauso hart arbeitete, wie er es getan hatte. Wohlstand erreichte man schließlich nicht, wenn man sich auf seinen Fähigkeiten ausruhte und er sah nicht ein, was falsch daran sein sollte, seinen Kindern so etwas so früh wie möglich zu vermitteln.

Trotzdem war Maria deswegen einmal mehr in Tränen ausgebrochen und warf ihm wieder diese Seitenblicke zu, die ihm ein schlechtes Gewissen machen sollten. Er hasste es, wenn sie das tat. Was sollte er denn machen? Gerade, als er genervt aufstöhnen wollte, begann sie schon mit den üblichen Vorwürfen.
„Er hasst uns“, stellte Maria unglücklich fest und er konnte es gar nicht leiden, wenn sie so anfing. Was sollte das? Es brachte ihnen doch nichts, wenn sie sich nach jedem Streit derartig fertig machten.
„Unsinn. Er hasst nur mich“, entgegnete Howard, in der leisen Hoffnung, dass das seine Frau ein wenig beruhigen würde, doch so leicht war es nicht.
Maria schüttelte den Kopf, biss sich an ihrer Sicht der Dinge fest. „Das glaube ich kaum. Du warst immer sein Vorbild. Darum ist es ihm auch so wichtig, dass du dabei bist. Nur dieses eine Mal hättest du doch einen Firmenvertreter zu den Terminen schicken können.“

Howards Fingerknöchel knackten, als er sie fester um das Lenkrad schloss. „Fängst du schon wieder damit an?“, fragte er gereizt. Er hatte in den vergangenen Wochen nur wenig Schlaf bekommen. Seine Nerven waren auch angespannt und er versuchte wirklich alles, um sich das nicht anmerken zu lassen. Da half es ihm nicht, dass Maria wieder auf diesen unsinnigen Dingen herumreiten musste.
„Ich meine doch nur, dass es für Tony diesmal wirklich wichtig gewesen wäre, dich dabei zu haben. In seinem Alter bekommt man eine solche Gelegenheit normalerweise nicht. Du kannst so stolz auf ihn sein, dass er so etwas erreicht hat und er wäre stolz gewesen, wenn du dabei gewesen wärst“, antwortete sie ihm in fast entschuldigendem Ton.
Er seufzte, während er versuchte, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. „Das bin ich. Und ich muss nicht da sein um stolz auf ihn zu sein“, beharrte er auf seinem Standpunkt. Natürlich könnte er Maria noch einmal erklären, wie wichtig seine Geschäftsreise war, doch dafür zeigte sie sowieso kein Verständnis, also konnte er das lassen.

Ein unangenehmes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Er wusste, dass sie diese Meinung nicht teilte und dass sie gerade darüber nachdachte, wie sie ihn vom Gegenteil überzeugen könnte. Er wünschte, sie würde es einfach lassen.
„Doch. Das musst du“, hielt sie dagegen und er war es so leid, dagegen anzureden. Wie oft wollte sie ihm damit noch kommen? Tony war doch kein kleines Kind mehr, den sie ständig an die Hand nehmen mussten. Wenn er eines Tages seine Firma übernehmen sollte, dann konnte er sich sowieso keine Schwäche leisten.
Durch seine berufliche Karriere hatte es eben gedauert, bis Maria und er an Kinder hatten denken können. Er würde den Betrieb viel früher übernehmen müssen, als ihm vielleicht lieb war. Tony konnte es sich nicht leisten, ein Kind zu bleiben bis er 30 war.

„Fein, beim nächsten Mal werde ich da sein“, lenkte Howard dann aber doch ein. Was sollte er denn auch sonst machen? Maria würde sonst überhaupt keine Ruhe geben und...
Vielleicht sollte er das tatsächlich tun. Es war schließlich nichts dabei, wenn er sich auch mal Zeit für seinen einzigen Sohn nahm. Es würde ihn schon nicht umbringen und wenn er ganz ehrlich zu sich war, dann interessierte es ihn schon, wie weit er inzwischen war.
Er hatte schon früh erkannt, dass Tony ihm in nichts nachstand und er wünschte sich sogar, dass es ihm gelang, ihn eines Tages zu übertreffen. Mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten könnte er einmal wirklich etwas bewirken.

„Ganz sicher?“, hakte Maria allerdings skeptisch nach. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass er das versprach und er hatte sich nicht ein einziges Mal darangehalten.
Vielleicht war er tatsächlich ein grauenhafter Vater. Vielleicht würde er Tony niemals zeigen können, dass er ihm etwas bedeutete. Aber darüber konnte er sich jetzt keine Gedanken machen. Jetzt hatte er eine ganze Liste mit Terminen und keine Zeit, um sich mit seinen privaten Problemen auseinanderzusetzen.
„Ja. Ganz sicher“, schloss er ihre Diskussion also ab und richtete den müden Blick wieder auf die Straße. Diesmal würde er sich an seine Vorsätze halten. Nur noch dieses eine Mal und dann konnte er sich darum kümmern, sich mehr um Tony zu bemühen.
Möglicherweise ließ sich ihr schlechtes Verhältnis zueinander ja doch noch irgendwie retten.


❈❈❈


Eine Weile hatte er nur mit Rumliegen verbracht. Eigentlich hätte er ja wissen müssen, dass es wieder so kommen würde. Als ob sein Vater jemals auch nur ein einziges Versprechen einhalten würde. Was wollte man von jemandem erwarten, der seinem Kind nicht einmal sagen konnte, dass er es liebte?
Irgendwie war er gar nicht mal so sauer auf ihn. Viel mehr auf sich selbst, weil er einfach nicht kapierte, dass es immer so ausgehen würde. Er sollte einfach nichts mehr von Howard erwarten, dann konnte es ihn auch nicht mehr verletzen. Das klang zumindest in der Theorie nach einem guten Plan.

Nachdem er diesen Entschluss gefasst hatte, war er aufgestanden und nach unten gegangen. Bis er los musste, hatte er noch ein bisschen Zeit und Freizeit war selten. Er kannte es gar nicht, mal nichts zu tun zu haben und darum brauchte er dringend eine Beschäftigung.
Vielleicht wäre das der ideale Zeitpunkt gewesen, einmal das zu tun, was normale junge Leute so machten, aber er hatte nicht einmal eine Ahnung, was das genau sein sollte. Alles, was er immer tat, um sich zu beschäftigen, war zu Schrauben, Rumzuwerkeln, halt irgendetwas tun, womit man auch etwas anfangen konnte.
Darum fand man ihn meistens auch in der Werkstatt, wenn er gerade einmal nichts zu tun hatte. Immerhin hatte ihm diese Freizeitbeschäftigung schon eine Menge eingebracht. Hätte er nicht so ein gutes Händchen dafür, irgendwelche neuen Sachen zu entwickeln, dann hätte er keine Klassenstufen übersprungen und hätte heute Nachmittag nicht diese unfassbare Chance. Er sollte sich wirklich lieber darauf konzentrieren und sich freuen, dass er schon so viel erreicht hatte.

Trotzdem kehrten seine Gedanken immer wieder an seinen Vater zurück und das nervte ihn. Wie sollte man sich mit so viel Frust auf irgendetwas konzentrieren können? Es ärgerte ihn maßlos, dass sein Vater immer noch so viel Platz in seinen Gedanken einnahm und dass er immer noch zuließ, dass er einfach alles in seinem Leben mies machte.
Gut, das tat Howard nicht bewusst, aber es war nun einmal eine Folge, die sich aus seinem unväterlichen Verhalten ergab. Das würde er nicht abstreiten können, doch wie er ihn kannte, würde er es trotzdem noch versuchen. Er hasste es. Er würde alles dafür tun, dass dieser Mann aus seinen Gedanken verschwand. Er wollte nicht mehr an ihn denken.
Es schien ihm gerade ein wenig zu gelingen und er war froh darum. Metall und Schrauben hatten ihn schon immer ablenken können. Irgendwo im Schaltkreis schien es einen Fehler zu geben. Der Roboterarm ließ sich nur in eine Richtung bewegen, obwohl er eigentlich in der Lage sein sollte, rundum beweglich zu sein.
Aber er würde schon rausfinden, wo der Fehler lag. Das hatte er bisher immer. Also nahm er ihn ganz in Ruhe noch einmal auseinander. Vielleicht funktionierte ein Kabel nicht richtig. Sie lagen ungeschützt. Er sollte zusehen, dass er eine Hülle dafür anfertigte, mit der er die wichtigen Teile abdecken konnte. Das würde er allerdings erst, nachdem er die kleinen Fehler allesamt behoben hatte. Sonst würde es zu umständlich werden, ihn jedes Mal wieder auseinander zu bauen. Er würde darauf achten müssen, dass das Ding dann trotzdem noch beweglich blieb.

So in seine Gedanken versunken bemerkte er gar nicht, dass jemand zu ihm kam. Er hatte seinen wichtigen Termin inzwischen vollkommen vergessen und am liebsten würde er auch gar nicht mehr dahin gehen. Er wusste schon, wie der Abend ablaufen würde. So wie alle seine Präsentationen zuvor.
Er würde am Anfang rumstottern, bis ihn das gesamte Komitee für einen kleinen Idioten hielt. Damit konnte er eigentlich ganz gut leben. Denn dann würde er einfach anfangen und nach spätestens drei Minuten wären sie beeindruckt und würden versuchen ihm in den Arsch zu kriechen, weil ihnen aufging, dass er mehr draufhatte, als sie selbst.
Nicht, dass er arrogant sein wollte, aber so war es immer gelaufen. Er kannte seine Fähigkeiten gut genug, um sie realistisch einschätzen zu können und andere erkannten das auch. Alle außer Howard Stark und da war er wieder in seinen Gedanken.

Er konnte den Impuls nicht unterdrücken, den Schraubenschlüssel in die nächste Ecke zu pfeffern und hätte dabei fast Obadiah Stane getroffen, der in diesem Augenblick die Werkstatt betreten hatte und dem Wurfgeschoss nur knapp ausweichen konnte.
Gestresst seufzte er, bevor er sich bei dem Älteren zu entschuldigen versuchte. „Tut mir leid. Ich hab dich nicht gehört.“ Er merkte selbst, dass er dabei müde klang und das war sicher nicht gut. Er durfte noch nicht müde sein. Er musste sich nachher konzentrieren.
Als Obadiah aber nichts weiter dazu sagte, hob er doch den Blick, um ihn genauer anzusehen. Er war Mitgründer der Firma seines Vaters und kurioserweise öfter für ihn da, als Howard selbst. Wenn sein Vater die Termine erledigte, die eigentlich auch Obadiah hätte ausführen können. Der hatte nämlich keine Familie, die zu Hause auf ihn wartete, sondern er lebte nur für die Firma.

Jetzt allerdings sah er noch ernster aus, als er es von dem Älteren gewohnt war, ja fast schon betroffen. So hatte er ihn noch nie gesehen und scheinbar fehlten ihm die Worte. Man sah ihm an, dass er etwas zu sagen versuchte. Das war so ungewöhnlich, dass er einfach nachfragen musste.
„Ist irgendwas passiert?“ Er warf einen raschen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass er noch Zeit hatte. Eigentlich hatte er mit Obadiahs Erscheinen nicht gerechnet, bevor sie losmussten. Wenigstens auf ihn konnte er sich verlassen. Er war immer mitgekommen, damit er sich nicht die Peinlichkeit geben musste, vollkommen alleine irgendwo zu erscheinen, als er noch minderjährig gewesen war und ihn keine überbezahlte Nanny begleiten musste. Er hatte damals ja leider noch keinen Führerschein und ganz alleine durfte er zu gewissen Zeiten ja nicht unterwegs sein. Gut, dass sich das inzwischen geändert hatte. Wobei ihm als Begleitung Happy, sein etwas durchgeknallter Bodyguard, noch am liebsten war.

„Ja, das ist es“, antwortete Obadiah nach einer Weile und riss ihn damit aus seinen Gedanken. Seine Stimme klang nicht besonders fest. Langsam verstand er, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Anders konnte man sich seine Reaktion gerade nicht mehr erklären.
Er verschränkte die Arme vor der Brust und wartete darauf, dass der Ältere fortfuhr. Er wollte sich nicht anmerken lassen, dass ihm gerade alles andere als wohl war. Für einen Moment hatte er überlegt, ob sein Vater ihn angerufen hatte um ihm von dem Streit zu erzählen, aber das war Unsinn. Für gewöhnlich war Howard nicht sensibel genug dafür zu merken, dass er sich danebenbenommen hatte. Er würde sich nie Gedanken darum machen und wenn es darum ging, dass er ihm die Schuld geben wollte, würde er dafür nicht extra anrufen. Nein, es musste etwas anderes sein und er wollte endlich wissen was.
„Ich habe gerade einen Anruf erhalten“, begann Obadiah zu erklären, schweifte aus, redete irgendetwas von einer Klinik und wäre die Situation nicht offensichtlich so ernst, dann hätte er ihn wohl scherzhaft gefragt, ob seine Ärzte ihn vor seiner fortschreitenden Herzverfettung warnen wollten. Der Kerl war ja schon immer alles andere als schlank gewesen, aber in den letzten Jahren hatte er sich ziemlich gehen lassen.

Geduldig hörte er sich alles an, bis...
„Ich habe erfahren, dass deine Eltern einen Unfall hatten und... sie haben ihn nicht überlebt.“


❈❈❈


TBC

Nachwort

Meinungen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge? Immer her damit. Euch wird niemand essen. Vielleicht. ;)
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