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Neuanfänge

von Jaderegen
GeschichteRomance, Fantasy / P12 / Mix
17.06.2021
14.09.2021
7
18.298
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14.09.2021 2.297
 
Nach seiner Rückkehr war Zakarij aufgekratzt und nervös. Es war gut gelaufen, oder? Extrem gut sogar. Er musste lächeln, sobald er an die Zeit mit Isaiah dachte, und lief auf seinem Weg in die Küche fast in Yngva hinein.

Sie musterte ihn lange. „Ich hoffe, du weißt, was du tust.“

„Ja.“ Zakarij erwiderte ihren Blick. Er wusste, worum es ihr ging. Schließlich roch sie den fremden Geruch an ihm. „Und Anouk weiß es auch.“

„Sicher?“

„Ja. Aber ich rede gleich noch mal mit them.“ Das hatte er ohnehin vorgehabt. Anouk hatte das Recht, so schnell wie möglich auf den aktuellsten Stand zu kommen.

„Und Isaiah?“ Yngva wollte offensichtlich verhindern, das irgendjemand in dieser Konstellation unglücklich wurde.

Dafür war er dankbar, denn im Endeffekt schützte sie damit auch ihn selbst. „Das ist noch etwas komplizierter, denn es verunsichert ihn“, räumte er also ein. „Und wir haben noch nicht so richtig final darüber gesprochen. Aber auch mit ihm werde ich nicht spielen.“ Das hätte Isaiah nicht verdient und so jemand wollte Zakarij auch nicht sein.

„Gut.“

Er leerte sein Wasserglas und machte sich auf den Weg zu Anouks Zimmer. They war allerdings nicht dort, sondern bei ihm. Er runzelte die Stirn. Gab es doch ein Problem?

Anouk hatte sich in sein Bett gekuschelt und wurde wach, als Zakarij den Raum betrat. „Hey.“ They setzte sich auf und wickelte sich die Decke um die Schultern.

Zakarij kam langsam näher. „Alles okay?“

„Ja. Mir war … ich habe mich nur ein bisschen einsam gefühlt.“ They senkte den Kopf und spielte mit Zakarijs Decke.

Zakarij setzte sich auf den Bettrand und Anouk lehnte sich an ihn. Er brachte es nicht über sich, they jetzt einfach wegzuschieben.

„Es lief gut, oder?“

Er nickte leicht. „Ja, schon. Aber … du wirkst, als würde dich das doch mehr mitnehmen, als du gedacht hattest?“ Was ihm alles andere als egal war. Es war ja nicht so, als würde er Anouk nicht mehr mögen.

„Ich bin doch etwas traurig, ja“, gab they zu. „Aber es ist trotzdem okay. Ich weiß, dass du dir andere Dinge von einer Beziehung erhoffst als ich und werde nicht im Weg stehen. Ich hoffe nur wirklich, dass wir weiterhin Freunde sind.“

Zakarij legte einen Arm um Anouk. „Natürlich sind wir weiterhin Freunde. Ich denke, ich möchte es wirklich mit Isaiah probieren, aber das heißt ja nicht, dass du mir egal bist oder wirst.“ Das konnte Zakarij mit absoluter Sicherheit sagen.

„Das ist gut.“ They lächelte ein bisschen, erwiderte die Umarmung noch einen Moment lang und löste sich dann von ihm. „Damit kann ich leben. Ich möchte eben nur nicht gar nichts mehr mit dir zu tun haben oder so. Damit käme ich nicht so gut klar.“

„Die Gefahr besteht nicht.“ Anouk würde definitiv immer etwas Besonderes für ihn bleiben. Immerhin hatten their Bemühungen dazu beigetragen, dass er hier irgendwann richtig angekommen war.

„Gut.“ Anouk wirkte wieder etwas entspannter. „Also ähm, kein Küssen und Kuscheln und so mehr, richtig? Also nichts, was mit Pärchenzeug zu tun hat?“

Zakarij nickte leicht. Es fühlte sich merkwürdig an, dass so aussprechen zu müssen, aber es war wichtig, die Fronten zu klären. Vor allem bei Dingen, die Anouk nun einmal ganz anders bewertete als Isaiah es zum Beispiel tun würde. „Ja.“ Er hatte diese Dinge ohnehin bereits massiv zurückgeschraubt, insbesondere nach Isaiahs Bemerkung am Telefon. Es jetzt noch einmal laut auszusprechen war nötig. Besser als Anouk mehr oder minder aus dem Weg zu gehen. „Aber du kannst trotzdem jederzeit zu mir kommen, wenn etwas ist. Wie gesagt, ich möchte nur nichts tun, das Isaiah verletzen würde.“

„Und wenn ihn verletzt, dass wir befreundet sind?“

„Davon gehe ich nicht aus.“

„Und wenn doch?“

Zakarij seufzte. „Dann haben wir, also Isaiah und ich, meine ich, ein Problem, denn ich bin seiner Meinung, was Intimitäten anbelangt, aber Freundschaften verbieten lasse ich mir nicht.“

„Also muss er dir da vollkommen vertrauen können.“ Anouk wirkte nachdenklich. „Das ist für viele gar nicht so leicht.“

„Das kann ich ihm aber nicht abnehmen. Ich möchte ihn mit allem, was dazu gehört. Aber wenn er mir nicht glaubt, ist das zum Scheitern verurteilt.“ Spätestens durch das Gespräch jetzt befürchtete er, dass seine Beteuerungen Isaiah vielleicht nicht reichen würden.

Anouk lächelte und drückte seine Hand kurz. „Ich wünsche dir, dass ihr das schafft. Ich könnte nur nicht zusehen, wie du einem Kerl hinterherläufst, der dich nicht zu schätzen weiß.“

Zakarij erwiderte das Lächeln. Es tat gut zu wissen, dass they sich freundschaftlich Sorgen machte, ohne sich einmischen zu wollen.

„Dann klär all diese Dinge mit ihm mal. Und halt mich auf dem Laufenden!“ They erhob teils scherzhaft, aber auch durchaus mahnend gemeint den Zeigefinger.

„Klar, wenn dir das nicht wehtut.“

„Mir würde es viel mehr wehtun, wenn du mich ausschließt. Aber wenn man befreundet ist, redet man über solche Dinge doch nun mal.“

„Das stimmt.“

Sie lächelten sich noch ein paar Sekunden lang an, bis Anouk ihn schließlich mit zu den anderen zerrte, wo Yngva sie einen Augenblick prüfend anblickte, und dann ganz zufrieden wirkte. Zakarij fühlte sich auch nach so langer Zeit trotzdem wieder bestätigt darin, hier noch immer am richtigen Ort zu sein. Es war schön, wie alle aufeinander aufpassten und er hatte das Gefühl, dass alles gut werden würde.

~.~.~.~.~

Dafür war Isaiah die nächsten Tage wieder ausgesprochen schweigsam. Zakarij versuchte zu ergründen wieso und klingelte schließlich bei ihm durch. „Alles okay?“

„Ja ...“

Zakarij machte sich nicht die Mühe das Seufzen zu unterdrücken. „Du musst mir nicht ausweichen. Habe ich doch etwas Doofes gemacht?“ Es hatte sich nicht so angefühlt, als hätte Isaiah irgendetwas nicht gemocht, aber Zakarij wollte zumindest sicher sein, woher das Unwohlsein nun kam.

„Nein, ich ...“ Er brach ab, seufzte nun ebenfalls und begann durch die Wohnung zu tigern. „Ich wollte diese Nähe nicht, weil ich wusste, dass sie mich in die Bredouille bringt.“

„Wieso?“

„Weil … ich dich mag. Und das war okay, solange wir nicht so vertraut miteinander geworden sind. Ich wusste, dass ich dich nicht haben kann und es war okay. Jetzt … fühlt es sich nicht mehr sicher an.“

Zakarij ließ sich auf sein Bett sinken. „Wie meinst du das?“

„Es ist nicht mehr nur rein freundschaftlich zwischen uns. Die Grenze hat sich verschoben. Das macht mir mehr Angst, als ich am Wochenende wahrhaben wollte.“

„Was ist an mehr das Problem?“

„Dass du mit einer anderen Person schläfst und damit irgendwie doch vergeben bist.“

Zakarij strich sich durch den Bart. „Ich habe schon länger nicht mehr mit Anouk geschlafen“, sagte er dann. „Seit du das mit dem Küssen gesagt hast, genau genommen.“

„Ich habe das nicht gesagt, damit du dich wegen mir kasteist.“ Isaiah klang frustriert.

„Das habe ich auch nicht behauptet. Aber du hast gesagt, dass du es möchtest. Und da wollte ich mich auf Anouks Nähe gar nicht mehr auf diese Art einlassen. Ich habe them von Anfang an gesagt, dass ich schauen möchte, wohin das mit uns führt. Und euch war beiden klar, dass mir eine offene Beziehung nie wirklich gereicht hat. Unter den Umständen wollte ich überhaupt nicht zweigleisig fahren, nachdem du mir Hoffnungen auf einen Versuch gemacht hast.“

„Oh … ich … wusste nicht, dass du das so sehr willst.“

„Du hast mir bis zu dieser Aussage immer wieder deutlich gesagt, dass du keine Dates möchtest und mich auf Abstand gehalten. Natürlich habe ich mich dir da nicht aufgedrängt.“

Isaiah schwieg eine ganze Weile. „Ich wollte mich schützen“, sagte er schließlich leise. „Ich wollte nicht, dass es weh tut.“

„Tut es denn jetzt weh?“

„Ich weiß nicht ...“ Isaiah lief immer noch umher.

„Soll ich zu dir kommen?“

„Wirklich? Jetzt?“

„Ja. Das ist irgendwie kein Gespräch fürs Telefon.“

„Okay, ja.“

Zakarij rief einen Teleporter und schlug bei Isaiah auf. „Hey.“

Er blickte ihn geradezu hilflos an.

Zakarij ging zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. „Sagst du mir, was genau jetzt unangenehm ist?“

Isaiah schmiegte sich an ihn, umklammerte ihn regelrecht. „Ich weiß es nicht. Ich fühle mich überfordert. Ich möchte das mit dir versuchen, aber deine Sache mit Anouk macht mir Angst.“

Zakarij führte ihn zum Sofa. „Meine Sache mit Anouk ist nur noch eine Freundschaft“, sagte er. „Da ist wirklich nichts Körperliches mehr. Ich mag them und an sich auch Körperliches, aber they ist niemand für eine Beziehung, die mir vorschwebt. Ich möchte in jemandes Mittelpunkt stehen. Ich will gar nicht, dass es meiner Partnerperson gefällt, wenn ich mich irgendwo austobe. Und ich will mich auch nicht austoben, wenn ich in einer Beziehung bin. Dieser Dinge bin ich mir inzwischen sehr sicher. Ich möchte angesehen und geliebt werden. Und ich möchte eine andere Person ansehen und lieben. Wenn wir beide die Chance haben herauszufinden, ob diese Ebene zwischen uns funktioniert, möchte ich es ausprobieren. Und genau das weiß Anouk auch. Wir haben darüber direkt nach meinem Besuch hier gesprochen und they wünscht uns sogar, dass es klappt, weil they sieht, dass es mich glücklich machen würde.“ Er strich über Isaiahs Wange, vergrub das Gesicht an seinem Hals. Er fühlte sich definitiv mit ihm verbunden und hatte nicht das Gefühl, dafür auf etwas verzichten zu müssen.

„Zakarij ...“

„Ja?“

„Wenn du diese Sachen so sagst, will ich sie dir glauben.“

„Du sollst sie mir auch glauben.“ Er löste sich wieder etwas von ihm, um ihm ins Gesicht blicken zu können, ohne ihn komplett loszulassen. „Ich belüge dich nicht, das würde keinen von uns beiden weiterbringen. Und ich beantworte dir jede einzelne Frage dazu, wenn dir das hilft.“

Isaiah entspannte sich langsam ein bisschen in Zakarijs Arm. „Ich bin schon betrogen worden. Ich würde das wirklich nicht noch mal ertragen.“ Man hörte ihm an, wie verletzlich er sich gerade fühlte.

„Danke, dass du so ehrlich mit mir darüber sprichst.“ Dass das nicht leicht war, konnte Zakarij sich gut vorstellen. Er streichelte über Isaiahs Haut.

Isaiah lachte fast schon verzweifelt auf. „Ich wollte mich überhaupt nicht in dich vergucken, weil mir das so unsicher erschien. Aber ... irgendwie konnte ich irgendwann gar nicht mehr anders.“

Zakarij lächelte leicht. Die Worte gefielen ihm und stimmten ihn optimistisch, dass das eine gute Sache zwischen ihnen werden könnte, wenn sie sich beide sicher waren und umeinander bemühten. „Wäre ja auch unfair, wenn nur ich dich interessant fände, hm?“, gab er zurück, neckend formuliert, aber durchaus ernst gemeint.

„Ja ...“ Isaiah kuschelte sich etwas mehr an ihn, genoss das Gefühl seiner Nähe, versuchte ihm ganz bewusst das Vertrauen entgegenzubringen, das diese Angelegenheit brauchen würde. Er wollte ihm glauben. Anders würde all das hier überhaupt keinen Sinn machen.

„Ich werde nicht mit dir spielen.“ Zakarij strich durch Isaiahs Haar. „Wir probieren aus, ob wir zusammen passen. Und wir entscheiden gemeinsam, ob es so ist oder nicht. Und egal, wie es ausgeht, wir sagen einander die Wahrheit.“

Isaiah nickte leicht. „Okay.“

Zakarij hielt ihn weiterhin sanft fest. So lange, bis Isaiah seinen Mund für einen Kuss suchte. Es fühlte sich gut an. Zakarij war sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und er würde Isaiah beweisen, dass dessen Entschluss, sich auf ihn eingelassen zu haben, ebenfalls richtig war.

~.~.~.~.~

Es lief gut zwischen ihnen. Zakarij genoss die Monate, in denen sie wie immer oft schrieben, oder telefonierten. Er hatte keine Mühe damit, sich an den amerikanischen Uhrzeiten zu orientieren, denn Isaiah hatte durch seinen Job die vorgegebeneren Tagesabläufe als er. Er rief ihn gerne morgens oder abends an, freute sich immer seine Stimme zu hören und noch mehr, wenn sie einander sahen. Zakarij war überaus dankbar, dass sie in einer magischen Welt lebten, in der Entfernungen keine große Rolle spielten. Die Teleportationen kosteten zwar, aber das war es alle Male wert. Er äußerte sich auch im Rudel klar und deutlich zu seinem Beziehungsstatus. Anouk schien wirklich damit zurechtzukommen, fragte ihn regelmäßig, wie es war und ging ganz normal mit ihm um. Sie suchten weiterhin gegenseitige Nähe; sparten schlicht intimere Aspekte aus, ohne dass bei einem von ihnen das Gefühl aufkam, dass etwas fehlte. Es war unkompliziert und Zakarij fühlte sich nach und nach fast ein bisschen wie im Paradies.

~.~.~.~.~

„Bleibt das eigentlich immer eine Fernbeziehung?“ Yngva blickte ihn über ihr Stockbrot hinweg an.

„Hm.“ Manchmal wünschte Zakarij sich, dass es nicht so wäre. Aber Isaiah war in New York fest angestellt und er selbst hatte sich mit dem Gedanken, das Rudel zu verlassen, noch nicht richtig auseinander gesetzt. Fortzugehen widerstrebte ihm. Das hier war doch nun, nach etwa fünf Jahren, seine Familie.

„Ihr habt noch nicht darüber gesprochen“, schlussfolgerte sie.

„Nein. Manchmal fände ich schön, wenn er nicht so weit weg wäre. Aber Isaiah wollte unbedingt nach Amerika und fühlt sich wohl dort. Und ich … hänge hier.“

„Du hängst nicht hier“, widersprach Yngva. „Wenn du das wollen würdest, könntest du jederzeit woanders hin. Dein Platz wäre trotzdem auch hier.“

So genau hatte er das nicht durchdacht. „Ich bin gerne hier. Aber ja, auch unabhängig von Isaiah habe ich immer mal wieder überlegt wie es wäre, mehr von der Welt zu sehen“, gab er zu. „Aber dann fühlt es sich hier wieder wie Zuhause an und ich möchte gar nicht weg.“ Er fühlte sich hin und her gerissen zwischen Vertrautem und Neuem. Wobei das Neue dank Isaiah natürlich noch mal enorm an Attraktivität gewonnen hatte.

Anouk stupste ihn an. „Wir leben ja lange genug, das weißt du“, erinnerte they ihn. „Du hast genug Zeit, um alles auszuprobieren und zu erleben.“

„Wollt ihr mich loswerden?“, schnaubte Zakarij, gespielt beleidigt.

„Nein.“ Yngva blickte ihn ernst an. „Ich möchte nur, dass du bewusst über diese Sache nachdenkst. Nicht heute oder morgen. Aber irgendwann kommt ihr an den Punkt, an dem das zum Tragen kommt und dann solltest du wissen, wo du stehst.“

Er sah, was die beiden meinten. Aber das fühlte sich nicht nach etwas an, das er in absehbarer Zeit für sich sortiert bekommen würde.
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