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Neuanfänge

von Jaderegen
GeschichteRomance, Fantasy / P12 / Mix
17.06.2021
08.10.2021
8
21.688
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18.08.2021 3.554
 
In den nächsten Wochen fühlte es sich stellenweise gar nicht mehr so kompliziert an. Isaiah und er unterhielten sich nach wie vor viel, tauschten sich über ihr jeweiliges Tagesgeschäft aus, schauten gleichzeitig Filme und unterhielten sich währenddessen und danach darüber. Zakarij dachte öfter darüber nach, ob man sich nicht einfach mal besuchen könnte, aber Isaiah wirkte zurückhaltend in dieser Angelegenheit und er wollte ihn nicht überfallen. Obwohl er sich allmählich schon fragte, wie es wäre, eines ihrer privateren Gespräche von Angesicht zu Angesicht zu führen. Oder auch einfach nur mal miteinander zu lachen. Er mochte Isaiahs Stimme und freute sich, wenn sie telefonierten. Oft schien es dem Aktiven ähnlich zu gehen. Manchmal meldete er sich relativ spät abends noch und bat Zakarij, ihm Geschichten vom Rudel und dem Inselleben zu erzählen, hörte sich dabei selbst schon schläfrig an und legte trotzdem nicht auf. Inzwischen hatte Zakarij ihm auch längst von seiner klärenden Unterhaltung mit Anouk erzählt. Isaiah hatte verhalten darauf reagiert und nur geäußert, dass Zakarij tun musste, was richtig für ihn war.

~.~.~.~.~

Irgendwann hatte Zakarij von seiner eigenen Vorsicht genug. Es war eine Sache, Isaiah nicht bedrängen zu wollen, aber die Frage nach einem Treffen war nun auch nichts dermaßen Verfängliches, das man es nicht wagen konnte. Also kam er beim nächsten Telefonat gleich zum Wesentlichen. „Wollen wir nicht mal richtig was zusammen unternehmen?“

Es blieb eine ganze Weile still am anderen Ende der Leitung. „Ich weiß nicht ...“

„Wenn du es nicht weißt, wer weiß es dann? Bei wem muss ich mich erkundigen?“, fragte er spielerisch ernsthaft.

„Haha.“ Isaiah schwieg wieder kurz. „Na schön. Aber ich will kein Date mit dir oder so. Wir treffen uns einfach als Kumpels.“

„Schon klar.“ Zakarij schmunzelte leicht. Das musste ihm ja wirklich wichtig sein. Weil da kein Interesse war oder weil Isaiah es schlichtweg nicht wahrhaben wollte? Zakarij wusste selbst nicht genau, was ihn letztendlich zu dem Aktiven hinzog. Aber er gedachte dem auf den Grund zu gehen.

Sie verabredeten sich für das kommende Wochenende und trafen sich am Bahnhof in Paris. Das Erste, was Zakarij auffiel war, dass er einen ziemlich ansehnlichen Kumpel hatte. Jener trug, im Gegensatz zu ihm selbst, zwar keinen Bart, wirkte aber trotzdem älter, als Zakarij ihn in Erinnerung hatte. Athletischer. Selbstbewusster. Als hätte sein Beruf ihm eine besondere Aura verliehen. Nicht, dass er vorhatte, sich davon den Kopf verdrehen zu lassen! Der Werwolf hielt ihm die Hand zum Einschlagen hin. „Dann zeig mir mal, was die Stadt zu bieten hat.“

„Kennst du dich hier nicht aus?“

„Nicht wirklich.“ Immerhin war er schon lange nicht mehr in Frankreich gewesen. Es war seltsam, wieder hier zu sein. „Irgendwie ist nichts mehr wie es war.“ Die Gegend sah genauso verändert aus, wie es sich in ihm anfühlte.

„Ist es komisch, hier zu sein? Wir können auch woanders hin.“

„Schon gut. Es ist ungewohnt, aber geht.“ Inzwischen kam er mit Vampiren ja auch irgendwie besser klar. Nicht gut, das würde es wohl nie werden, aber er schaffte es zumindest, sie nicht gleich bei aufgenommener Witterung vernichten zu wollen. Auch von diesen Fortschritten hatte er Isaiah erzählt.

Sie gingen ins Kino, schauten sich einen Actionstreifen an und streunten danach noch durch die Stadt.

„Nach der Ausbildung möchte ich nach Amerika“, erzählte Isaiah schließlich. „Mein Vater kommt von dort und ich möchte diesen Teil meiner Herkunft kennenlernen.“

„Das klingt gut.“ Zakarij lächelte. „Hast du schon eine Unterratszentrale im Auge?“

„Nein, noch nicht. Aber ich bin ganz gut in dem, was ich tue, denke ich. Insofern kann ich es mir wohl aussuchen.“

„Ist 'ganz gut' eine nette Umschreibung für Überflieger?“

Isaiah lachte auf und knuffte ihn in die Seite. „Tu nicht so, als würde ich nur die Arbeit kennen.“

„Manchmal klingt es schon ein bisschen so“, schoss Zakarij zurück.

„Und du, Herr Handwerker? Hast du mir nicht neulich noch erklärt, inzwischen die kompletten Färöer einmal restauriert zu haben?“

„Inklusive der Felsen, ja.“ Er grinste selbstbewusst. Obwohl er keinen offiziellen Ausbildungsschein vorweisen konnte, hatte er ausreichend Knowhow angesammelt, um sicher zu sein, damit in seinem weiteren Leben ein Standbein zu haben.

Isaiah lachte und sie gingen in ein Restaurant, um sich noch etwas zu essen zu holen. Es war schön und Zakarij wollte nicht, dass es endete.

~.~.~.~.~

Wieder Zuhause, sinnierte er noch Tage später über ihre Begegnung. Er hätte Isaiah gerne geküsst, um herauszufinden, ob dessen Lippen sich so angenehm anfühlten, wie sie aussahen. Aber der Hexer hatte deutlich gemacht, kein Date zu wollen. Und bei einem Nichtdate küsste man sich eben nicht. Er fragte sich erneut, woher Isaiahs Desinteresse kam. Lag es daran, dass Zakarij ihn schlicht nicht reizte? Aber dann hätte er ihn kaum immer wieder zwischendurch so lange angesehen. Oder stufte er den Werwolf schlichtweg als Bedrohung ein? Diese Variante gefiel Zakarij besser. Er würde ihm gerne beweisen, keine Bedrohung für ihn zu sein. Trotz seiner vielen Überlegungen hielt er die Nachrichten wie üblich unverfänglich.

Anouk fragte ihn ein bisschen aus, wie das Treffen gelaufen war. Zakarij antwortete ehrlich und erzählte von seinen Gedanken. Allerdings verunsicherte ihn, wie entspannt Anouk mit der Situation umging; dass they sich so überhaupt nicht daran störte, wie oft Isaiah in seinem Kopf herumspukte und nicht so recht verschwinden wollte. They bestärkte ihn im Gegenteil sogar darin, weiterhin Kontakt zu ihm zu halten, zu schreiben und telefonieren. Selbst bei Nachfragen beteuerte they immer wieder, dass der einzige Anspruch, den they hatte, darin bestand, zumindest grob auf dem Laufenden gehalten zu werden. Anouk interessierte sich offensichtlich für Zakarijs Gefühlswelt, suchte weiterhin Nähe und erinnerte ihn gleichzeitig immer wieder mal daran, dass es an ihm war, darauf zu achten, was er letztendlich wollte. Was sich im Endeffekt gar nicht so sehr von Isaiahs früherer Aussage, selbst entscheiden zu müssen, was er sich wünschte, unterschied. Also verhielt Zakarij sich Anouk gegenüber genauso vertraut wie immer und war zumindest absolut sicher, they nicht als befreundete Person verlieren zu wollen.

Allerdings fühlten sich Intimitäten zwischen ihnen nicht mehr so unbefangen an wie früher und Zakarij kam sich zunehmend innerlich zerrissen vor. Noch dazu bestand Isaiah zwar einerseits weiterhin darauf, ihre Beziehung auf freundschaftlicher Ebene zu belassen, begann aber andererseits immer häufiger mit ihm zu flirten. Zutiefst sehnte sich Zakarij nach einem Zeichen, wie der Hexer wirklich zu der ganzen Sache stand, und danach endlich herauszufinden, in welche Richtung er denn eigentlich selbst wollte.

~.~.~.~.~

„Die Sache ist fix“, erzählte Isaiah beim nächsten Telefonat und klang aufgeregt. „Ich gehe nach Amerika! Die Unterratszentrale in New York hat eine Stelle frei!“

„Wow. Glückwunsch.“ Zakarij freute sich aufrichtig für ihn. „Dann müssen sich die New Yorker Kriminellen in Zukunft echt in Acht nehmen.“

„Oh ja. Bald bin ich auf den Straßen unterwegs und ich kenne keine Gnade. Ich hoffe, dass mein Team dort genauso cool ist, wie das hier.“

Zakarij lachte. Ihm gefiel Isaiahs losgelöste Stimmung. Auch wenn er davon ausging, dass der Hexer ein gemäßigter Aktiver sein würde. Alles andere passte nicht zu ihm.

„Ich hoffe, dass du mich mal besuchen kommst.“

„Klar.“ Sie hatten das Thema Treffen nicht mehr angeschnitten, aber Isaiahs zwar noch unkonkrete, aber mit Sicherheit zumindest ehrlich gemeinte Einladung stimmte ihn optimistisch.

„Und vielleicht küsst du mich dann ja mal.“

Zakarij glaubte sich verhört zu haben. „Was?“

Isaiah wirkte mit einem Mal sehr beschäftigt. „Ich, ähm … vergiss, was ich gesagt habe.“

Was bewies, dass er sich definitiv nicht verhört hatte. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. „Kann nicht versprechen, dass ich das vergesse.“ Vermutlich war es Euphorie, die Isaiah dazu gebracht hatte diese Worte auszusprechen, aber das trübte Zakarijs eigene Freude darüber nicht im Geringsten. Selbst als der Hexer das Thema wieder in harmlose Gefilde zurück lenkte und von den zukünftigen Plänen und der Wohnungssuche, bei der der Rat ihn unterstützte, erzählte, genoss Zakarij dessen aufgekratzte Laune mehr als alles andere.

Nach der Unterhaltung suchte er das Gespräch mit Anouk. Die Situation war plötzlich ziemlich handfest geworden. „Hey ...“

Anouk lehnte sich an ihn, so wie they es häufig tat. „Na.“

„Ich habe mit Isaiah telefoniert ...“

„Du telefonierst oft mit ihm.“ They schmunzelte.

„Er hat mich nach New York eingeladen, wo er bald arbeiten wird. Und in den Raum geworfen, dass wir uns dann vielleicht ...“, er zögerte.

„Küssen?“, hakte Anouk nach.

Zakarij stieß ein leichtes Seufzen aus. „So offensichtlich?“

„Schon. Du erzählst oft von ihm und es würde mich nicht wundern, wenn sich da wirklich etwas zwischen euch anbahnt.“

„Ich trau es mich nach wie vor nicht einzuschätzen“, gestand Zakarij und begann an einem kleinen Loch in Anouks Hose über dem Knie herumzuzupfen. „Es fühlt sich an, als würde ich mit euch beiden spielen, wenn ich dort hin reise und diesen Gedanken im Kopf habe ...“

„Mit mir spielst du nicht, das weiß ich. Wir reden darüber und wissen beide, woran wir sind. Isaiah ist in dieser Wegfindungsgeschichte vermutlich sensibler, nach dem, was du bisher erzählt hast. Es wirkt, als kehrt er immer wieder zum einem freundschaftlichem Abstand zurück, um sich zu schützen. Das größere Risiko ist, ihm das Gefühl zu vermitteln, dass du mit ihm spielst und das solltest du auch unter keinen Umständen tun.“ They blickte Zakarij in die Augen. „Geh zu ihm und probier es aus. Und wenn du das Gefühl hast, dass ihr zwei eine Chance habt, beenden wir den intimeren Teil zwischen uns. Solange du mich nicht auch auf freundschaftlicher Ebene abservierst, bin ich absolut okay damit.“ They schwieg einen Moment. „Nur wenn du den Kontakt ganz abbrechen wollen würdest … natürlich würde ich das auch akzeptieren, es ist ja deine Entscheidung, aber dann wäre ich schon verletzt.“

„Ich möchte dich auf keinen Fall verlieren.“ Dessen war Zakarij sich sicher. Er schätzte them und das würde sich nicht ändern.

„Okay.“ Anouk lächelte und nahm seine Hand. „Du kommst nicht drum herum, rauszufinden, was du letztendlich willst. Und ich bleibe dabei, dass du dir genau das jetzt erlauben solltest.“

„Ja ...“ Zakarij strich über Anouks Arm, küsste them ab diesem Abend allerdings nicht mehr.

~.~.~.~.~

Es dauerte noch ein paar Monate, bis Isaiah soweit alles sortiert und sich eingelebt hatte, aber schließlich lud er Zakarij für ein Wochenende ein und begrüßte ihn sichtlich erfreut. „Willkommen in meinem kleinen Reich.“

Klein war das Apartment wirklich. Aber Isaiah hatte es sich recht gemütlich gemacht. Gemütlicher, als Zakarij es hinbekommen hätte. Er lebte nach wie vor eher spartanisch und hatte die Dinge in seinem Zimmer vorrangig von Yngva und Anouk bekommen.

„Mir hat niemand gesagt, WIE teuer die Stadt wirklich ist. Der Rat bezahlt nicht schlecht, aber man muss echt schauen, was man sich erlauben kann und was nicht.“

Zakarij war nicht überrascht. New York war ein bekanntes Paradebeispiel für Wucher und man musste sehr genau darauf achten, wohin es einen hier verschlug. Die kleine Wohnung in einem eher einfachen Stadtteil verriet, wo Isaiahs Prioritäten lagen und dass er auch noch genug Geld haben wollte, um sich das eine oder andere leisten zu können.

„Zum Glück bist du ein Übernatürlicher“, merkte Zakarij an, als Sirenen losgingen. „Sonst müsste ich mir Sorgen um deine Sicherheit machen.“ Er grinste leicht, um Isaiah deutlich zu machen, dass er ihn nicht wirklich für unfähig hielt auf sich aufzupassen.

„Ja, das ist durchaus beruhigend“, gab Isaiah ganz ernsthaft zu. „Aber ich möchte nicht, dass alles Gehalt in meine Wohnung fließt. Ich möchte noch Teleporter bezahlen, Familie und Freunde besuchen oder mir Dinge hier angucken können.“ Er holte zwei Gläser aus einem Schrank und ging zum Kühlschrank. „Bier? Wasser? Saft?“

„Saft klingt gut.“ Zakarij ließ sich auf das offensichtlich gebraucht gekaufte Sofa sinken. „Danke.“

„Wie läuft es auf den Färöern?“, erkundigte Isaiah sich und genehmigte sich ein Schluck Bier.

„Gut.“ Zakarij fühlte sich nach wie vor zu Hause dort und von den Inselbewohnern als willkommener Helfer akzeptiert. Er fragte sich manchmal allerdings schon, ob das nun für immer sein Leben sein würde. Manchmal drängte es ihn regelrecht in die Welt hinaus, jetzt wo er viel besser wusste, wo er stand.

„Hast du noch Kontakt zu deiner Familie?“, fragte Isaiah weiter und wirkte sehr vorsichtig dabei.

„Ich war ein paar Mal da.“ Zakarij seufzte. Solche Besuche waren immer geprägt von Hoffnungen, die sich wohl nie erfüllen würden. „Es ist immer irgendwie komisch. Sie scheinen mir nicht zu verzeihen, dass ich mich von … der Jagd abgewandt habe, obwohl ich noch frei bin und die Möglichkeit dazu hätte, das Familienvermächtnis fortzuführen.“

„Ich bin froh, dass du es nicht mehr tust.“ Isaiah legte eine Hand auf Zakarijs Unterarm und drückte ihn kurz. „Tut mir leid, dass sie da so überhaupt nicht einsichtig sind.“ Es war klar, was das bedeutete: Noch weniger Chancen auf eine Rehabilitation irgendwann. Denn wenn sie nicht mitarbeiteten, sondern sogar im Gegenteil noch deutlich machten, was ihre Pläne waren, wenn sie je wieder frei kämen, würden die Gerichte sie nicht einfach so wieder hinaus lassen.

„Danke ...“ Zakarij zögerte einen Moment. „Manchmal frage ich mich, ob sie nicht doch recht haben ...“ Er hatte sich in dieser Sache inzwischen gut im Griff, war aber nun einmal mit dem Weltbild, dass Vampire böse waren, aufgewachsen.

„Das verstehe ich. Was man sein ganzes Leben lang gepredigt bekommt, schüttelt man nicht einfach so wieder ab. Aber was du jetzt tust, ist das Richtige.“

„Ich weiß … Aber sie zu sehen fällt mir immer noch schwer.“ Das konnte er nicht leugnen. Er fühlte sich ausgesprochen unwohl in der Nähe von Vampiren, selbst jetzt noch. Er blickte auf Isaiahs Hand, die jener inzwischen wieder zurückgezogen hatte. „Lass uns über schöne Dinge reden. Was hast du schon von der Stadt erkundet?“

„Recht viel, schätze ich. Bin im Moment ständig unterwegs, wenn ich frei habe, um so viel wie möglich kennen zu lernen. Die Vielfalt ist unglaublich. Wir müssen unbedingt in den Central Park.“

Zakarij lächelte bei Isaiahs Euphorie automatisch, ließ sich den Park beschreiben und studierte die glücklichen Gesichtszüge seines Gegenübers dabei.

Und vielleicht küsst du mich dann ja mal. Zakarij hatte die Worte nicht vergessen. Aber wann war der richtige Moment dafür? Er würde sich den Park gerne irgendwann einmal ansehen, aber der andere Gedanke reizte ihn gerade wesentlich mehr.

„Bist du noch bei mir?“ Isaiah schmunzelte.

„Sorry ...“ Zakarij grinste und sah nicht ein, sich schlecht zu fühlen. „War kurz abgelenkt.“

„Wovon?“

Verwegenheit war seine Stärke, also beschloss Zakarij, sie auszuspielen. „Von deiner Äußerung am Telefon. Bezüglich des Küssens. Ich hätte Lust darauf.“

Isaiah hatte Mühe, seinem Blick nicht auszuweichen. „Du hast es nicht vergessen.“

„Nein. Und das habe ich dir auch gesagt.“ Er beugte sich ein kleines Stück vor. „Darf ich?“

Isaiah zögerte noch einen kurzen Moment und nickte dann.

Zakarij überbrückte die Distanz zwischen ihnen und legte seine Lippen auf die des Hexers. Sie fühlten sich tatsächlich so einladend an wie sie aussahen. Zakarij rutschte noch näher, nahm ihn in den Arm, strich über seinen Rücken. Isaiah wirkte zurückhaltender, mochte die Berührung aber offensichtlich und ließ sich gegen Zakarij sinken.

Dieser lächelte zufrieden, als sie sich irgendwann voneinander lösten. Er hielt den Hexer allerdings weiter im Arm. „Jetzt bin ich bereit, mir deine Stadt anzusehen.“

Isaiah nickte, geradezu fahrig, und küsste Zakarij erneut, anstatt aufzustehen. Offensichtlich war er nicht mehr bereit für eine Führung. Zakarij sollte es recht sein, er beschäftigte sich auch gerne weiterhin hier mit ihm. Isaiah schien es ähnlich zu gehen, denn sie verließen die Wohnung den Rest des Tages nicht mehr.

Am nächsten Morgen erwachte Zakarij von einem leisen Laut, den Isaiah von sich gab. Der Hexer lag auf seiner Brust und sie hatten die Beine ineinander verschlungen. Zakarij hatte die unbequeme Haltung in der Nacht durchaus registriert, aber es war ihm so lieber gewesen, als Isaiah zu wecken und damit möglicherweise zu vertreiben.

Jetzt richtete sich jener langsam auf und grinste schief. „Ich weiß nicht, ob das eine der besten oder schlechtesten Nächte in dieser Wohnung war.“ Er rieb sich über den Nacken.

„Ich war beteiligt, also wohl eine der besten.“ Zakarij erhob sich ebenfalls, trat hinter Isaiah und begann dessen Nacken und Schultern zu massieren.

„Dem kann ich nicht widersprechen.“ Er genoss die Zuwendung eine Weile, bevor er Richtung Küche ging, um Kaffee zu machen. „Versuchen wir es heute mit einer Erkundungstour durch die Stadt und dem Essengehen?“

„Wenn ich dich dafür heute Abend noch ein bisschen verführen darf.“ Zakarij konnte und wollte nicht leugnen, wie sehr ihm das hier gefiel.

Isaiah lächelte, ließ den Kaffee durchlaufen und reichte seinem Gast eine Tasse. „Du darfst es versuchen.“

Zakarij war zuversichtlich, dass es ihm gelingen würde. Zumal er da keine Erwartungen hatte, wie genau das aussehen würde. Er wollte das tun, womit sie beide sich wohl fühlten. Wenn das bedeutete, dass sie die nächste Nacht wieder in Klamotten auf der Couch verbrachten, war ihm das vollkommen recht.

Isaiah bereitete sich ebenfalls einen Kaffee zu und machte sich fertig, solange das Getränk abkühlte.

Die kommenden Stunden verbrachten sie in den Straßen New Yorks. Isaiah bestand darauf, sich den Central Park für den Sonntag aufzusparen, weil man da gut und gerne einen Tag damit verbringen konnte herum zu schlendern und sich alles anzuschauen. Er erzählte von Porträtmalern und Schaustellern, von schicken Brücken und Denkmälern. Selbst kleine Burgen würde man dort bestaunen können und anschließend neben einem idyllischen Bächlein oder einer hübschen Laube picknicken.

Diese Aussicht erfreute Zakarij, denn die Stadt selbst erschien ihm hektisch und laut. Es roch nach Abgasen und alles war voller Leute. Isaiah zeigte ihm kleine, überteuerte Läden, wichtige Gebäude und den Blick auf die Stadt vom Empire State Building aus, den Zakarij von allem am beeindruckendsten fand. Er war ganz froh, seine persönliche Sightseeing-Tour zu bekommen. Isaiah hatte sich offensichtlich gut vorbereitet und zeigte ihm nicht bloß einfach nur das, was er selbst bereits kannte, sondern hatte sich auch darüber hinaus Gedanken gemacht, wohin er ihn führen wollte und welche U-Bahn-Linien sich am besten eigneten. Gegen Abend saßen sie in einem mittelklassigen Restaurant, das zwar anständige Portionen auftischte, die sehr lecker schmeckten, aber ebenfalls übertriebene Preise hatte.

Trotz der interessanten Eindrücke war Zakarij nicht böse darum, als sie wieder im Apartment waren.

„Ich sehe schon, New York hat dich ein bisschen erschlagen.“

„Es ist ziemlich viel. Von allem.“

Isaiah schmunzelte. „Das stimmt. Manchmal finde ich es auch stressig hier. Aber im Großen und Ganzen gefällt es mir und man weiß irgendwann, wann man sich wo mit möglichst wenig Betrieb bewegen kann.“ Er ging zum Kühlschrank und holte zwei Bier heraus. „Einmal musst du dich noch bewegen.“

Zakarij stand demonstrativ ächzend von der Couch, auf die er sich hatte fallen lassen, wieder auf, um Isaiah auf den Flur und in den Aufzug zu folgen. Im obersten Stockwerk benutzten sie eine Treppe und standen schließlich auf dem Dach.

„Hier lässt es sich ganz gut chillen.“ Isaiah deutete auf eine Sitzecke. „Manchmal sind noch andere Bewohner hier, aber ich habe auch oft meine Ruhe.“ Er setzte sich, klopfte neben sich und reichte Zakarij eine der Flaschen, als jener saß.

Bestimmt war die Aussicht auf die untergehende Sonne wunderschön, doch in diesem Augenblick hatte Zakarij andere Prioritäten. Während ihres Ausflugs hatten sie nicht viele Gelegenheiten gehabt, sich gegenseitig zu berühren, aber jetzt wollte Zakarij nichts mehr als Isaiahs Körperwärme neben sich zu spüren. Er stieß mit ihm an und legte einen Arm um ihn. „Danke.“

„Freut mich, dass es dir hier gefällt.“

„Das liegt wohl eher an dir als an der Stadt, aber ja, beeindruckend ist es durchaus.“

„Charmeur.“

Zakarij lachte auf und genoss es, gemeinsam hier zu sitzen und leise zu plaudern, bis der Nachthimmel dunkel geworden war.

Zurück im Apartment, suchte Isaiah seinen Blick. „Wie war das nun eigentlich mit dem Verführen?“ Er hatte es also offensichtlich nicht vergessen.

„Hier und jetzt?“ Zakarij zeigte scherzhaft auf den Boden.

Isaiah zögerte einen kurzen Moment. „Heute schlafen wir nicht auf der Couch“, entschied er dann und berührte Zakarijs Wange. Langsam ließ er seine Finger nach unten streichen, über den Hals, das Schlüsselbein und die Schulter; den Arm entlang zum Handgelenk, das er vorsichtig umfasste. „Lass uns ins Bett gehen.“

Zakarij folgte ihm mit einem leichten Lächeln.

Sein erster Gedanke am nächsten Morgen drehte sich darum, nichts dagegen zu haben einfach hier liegen zu bleiben. Allerdings war er auch durchaus gespannt auf den Park und wusste, dass es Isaiah wichtig war, ihm noch etwas zu zeigen. Und dort würde es zumindest ruhiger sein als in den Straßen neben dem Verkehr. Trotz der Neugierde und Isaiahs Bedürfnis, ihm einen weiteren ereignisreichen Ausflug zu bieten, nahmen sie sich noch ein bisschen Zeit für ungestörte Zweisamkeit. Zakarij genoss das Gefühl von Isaiahs Kopf auf seiner Brust. Es war schön, ihm so nahe zu sein und der Eindruck, dass das hier gut und richtig war, stieg immer wieder in ihm auf. Er hoffte, dass Isaiah das genauso sah. Was jener wohl auch tat, denn er gab ihm keinen Grund zu zweifeln und machte während ihres letzten gemeinsamen Tages einen rundherum zufriedenen Eindruck.

„Ich finde nicht so richtig gut, dass du jetzt gehst“, gestand er, als es dann soweit war.

Zakarij küsste ihn zum vielleicht tausendsten Mal in den letzten paar Stunden. „Dann muss ich wohl bald wiederkommen.“ Das war nicht nur die logische Konsequenz aus einem so gut gelaufenen Besuch, sondern fast schon eine Sehnsucht, die bereits erwachte noch bevor er abgereist war.

Isaiah lächelte. „Das wiederum fände ich ziemlich gut.“ Er schlang noch einmal die Arme um ihn, bevor er ihn schließlich ziehen ließ.
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