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Leicht war gestern

GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Florian David Fitz OC (Own Character)
16.06.2021
15.09.2021
11
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15.09.2021 1.667
 
Es kommt Nachschub! Ich freu mich, von euch zu lesen und wünsch' euch eine entspannte Woche!

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„Der letzte Drehtag ist geschafft! Ich sag’s dir, ich würde am liebsten in den Urlaub fahren.“

Redselig, nahezu überschwänglich und entspannt, schloss Florian die Tür zu meinem Zimmer und warf seine Jacke gekonnt auf mein Bettende.

Übermotiviert krempelte er seine Hemdärmel bis zu den Ellenbogen, um anschließend die Hände locker an seinem Becken abzustützen. Sein Grinsen reichte bis nach Timbuktu.

„Was hindert dich daran?“, lächelte ich und zuckte unterbewusst mit den Schultern, was ein unangenehmes Stechen zur Folge hatte. Das Signal ignorierte ich gekonnt, viel gebannter war ich von der sprühenden Energie meines Gegenübers.
Ein kurzes Seufzen mischte sich unter seine nicht abebbende gute Laune, als er sich auf den Stuhl mir gegenüber setzte, um sich entspannt zurückzulehnen. „Meine Funktion als Regisseur. Ich bin ab übernächster Woche im Schnitt. Jetzt beginnt der zähe Prozess bis zur Premiere im Dezember.“

„Dann hast du eine Woche. Nutz‘ die doch.“, schlug ich motivierend vor, aber er schüttelte leicht mit dem Kopf. „Warum nicht?“

Er überlegte kurz, strich sich über den buschigen Bart und sah mich prüfend an. Was hatte er denn? „Nicht so wichtig.“ Er winkte ab und warf nahezu unnatürlich aufmerksam einen Blick auf meinen Teller. „Keinen Hunger?“, erhob er Kopf und Stimme. Ich wiegelte ab und überlegte. Meine Augenbrauen zuckten. „Nicht so wichtig.“, wiederholte ich.

Meine Anspielung zeigte eine Wirkung, als er meine Mimik kopierte und mich rivalisierend anfunkelte. „Ich hasse sowas.“

„Hab‘ ich mir denken können.“, schmunzelte ich bedacht nicht loszulachen.
Der Mann vor mir erinnerte plötzlich an einen Jungen, den man mit seinen eigenen kindlichen Taktiken schlug. „Okay, erst du, dann ich.“
Den Deal schränkte ich ein. „Erst du, dann ich.“ Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und ungewollt schlich sich auch eins auf seine Lippen, die von dem dunklen Bart recht umschlossen waren.

Ich genoss seine Gesellschaft. Oftmals kam er nach langen Drehtagen oder kurz davor zu mir. Viel Zeit blieb nicht, aber ich bekam langsam einen Einblick wie Florian drauf war. Zudem verstand er sich blendend mit Marc, sodass sie einige Male bereits am Abend mit Matthias und einigen anderen mir unbekannten Personen unterwegs waren.
Lara schwärmte noch immer von der Souveränität, die Marc im Umgang mit den bekannten Gesichtern der Film- und Medienbranche an den Tag legte, was mich kopfschüttelnd schmunzeln ließ.

Florians bedeckte Worte zogen meine Aufmerksamkeit auf sich.
„Marc hat mich um einen Gefallen gebeten und ich habe ihm schon mein Versprechen gegeben. Außerdem treffe ich mich mit einigen Bekannten, bevor ich mich dann nach längerer Zeit mal wieder bei meinen Freunden und meiner Familie blicken lasse.“

Seine Aufzählungen und die damit verbundene Begründung nicht in den Urlaub zu fahren, ergab Sinn. Dennoch zog besonders seine erste kryptische Aussage meinen fragenden Blick auf sich.

„Marc, Lara und ich fahren am Mittwoch nach München, dann lässt sich die Angelegenheit bestimmt auch anders regeln.“, versuchte ich ihm etwas Freiraum einzuräumen, was er abwiegend stumm kommentierte. Langsam beschlich mich ein Verdacht.

„Es geht aber nicht um die Fabrikhalle, oder?“

Florian konnte nicht lügen, auch wenn er Schauspieler war. Das hatte er mir bereits in einem Gespräch über die Tragweite eines Schauspielertalents erörtert.

Er griff sich in den Nacken und hob nur bestätigend die Schultern. Seine Mimik war ungewollt geradlinig, als würde ihn diese Offenbarung stören.
„Florian?“, beugte ich mich vorsichtig nach vorn. „Hm?“, antwortete er mit zusammengezogenen Lippen.
„Ich möchte nicht, dass du wegen mir auf deinen Urlaub verzichtest. Dass du mich die letzten zwei Monate regelmäßig besucht hast, ist keine Selbstverständlichkeit für mich und ich bin dir wahnsinnig dankbar dafür. Aber alles andere rund um meinen Job, regle ich selbst.“

Es war mir unangenehm, dass Marc Florian so um unser bzw. mein Leben spannte, auch wenn ich seine Anwesenheit mochte. Er war spitz, wortgewandt, witzig, aber auch tiefsinnig – zumindest blitzten Ansätze davon durch. Er seufzte. „Genau deshalb wollte ich nichts sagen.“
Ich hob die Augenbrauen.

„Ja, was? Du sollst dich erstmal auf deine Gesundheit konzentrieren, bevor du dir alle Pflichten als Chef auferlegst.“ Er sagte das mit einer Selbstverständlichkeit, die mich verblüfft innehalten ließ.
Hatte er Recht? Sollte ich nicht langsam akzeptieren, dass Hilfe anzunehmen nicht bedeutete, Schwäche zu zeigen, sondern allen das tägliche Leben erleichterte?

„Schon.“, murmelte ich widerwillig, als er animierend eine Hand an sein Ohr legte. „Bitte? Ich hab‘ dich gar nicht gehört.“

„Von wegen du nutzt dein Schauspielgen nicht privat.“, konterte ich als er mit dem Finger auf mich zeigte. „Hey, verrat es keinem.“

Nachdem ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte und es ihm ähnlich ging, setzte er seinen Vorsatz in die Tat um. „Was ist mit deinem Essen?“
„Ich kann den Fraß nicht mehr sehen. Ich zähle die Tage, wenn ich wieder selbst kochen kann oder mich von Marc bedienen lasse.“ Die letzte Aussage untermauerte ich mit einem Abwinken. Florian verstand meine Andeutung. „Marc kann kochen?“, wollte er zuerst wissen.
„Klar, was denkst du denn?“
„Ich dachte, er wohnt mit dir zusammen, weil du das Kochtalent bist.“
Ich lachte auf.
„Falsch gedacht. Auch wenn er nicht den Eindruck erweckt, ist er wirklich ein begnadeter Koch. Da können meine Kochkünste nicht mithalten.“, erklärte ich wahrheitsgemäß.

Florian nickte anerkennend.
„Dann kann der nächste Männerabend bei ihm stattfinden und er uns bekochen. Neulich habe ich für die Meute gekocht. Dabei hat er mir seine Talente eiskalt verschwiegen.“
„Ach Marc“, seufzte ich augenverdrehend.
„Worauf hast du Appetit?“, wollte er wissen. Neugierig wartete er ab. „Nun ja…“
„Sag schon!“, drängte er und tippte mit den Fingern auf den Tisch.

„Currywurst?“
Es war mehr eine Frage als eine Antwort, die Florian eiskalt zum Lachen brachte. „Gut, wenn du das als Kochkünste bezeichnest, will ich das doch lieber selbst übernehmen und lass Marc servieren.“

Ich korrigierte mich. „Das meinte ich nicht. Aber so eine echte Berliner Currywurst muss ich mir noch gönnen, bevor es nur noch Brezeln und Augustiner gibt.“

Der brünette Schauspieler lachte authentisch auf und zeigte auf mich.
„Und das aus dem Mund einer Tänzerin.“
Ein Handyklingeln unterbrach das Gespräch. Meins lag stummgeschaltet auf dem Tisch neben meinem Bett, sodass es nur von Florian kommen konnte. Der entschuldigte sich, um dann mit den Worten „Fitz“ heranzugehen.
Er schaute auf die graue Wanduhr. „Oh fuck“, entfuhr es ihm, als er zu mir sah und ich meinen Blick auf meinen faden Teller richtete. Gut, die Tomate konnte ich noch essen.

„Sorry nochmal. Bin gleich da.“ Mit diesen Worten legte er auf und stand auf.
„Entschuldige, aber ich hab‘ ganz vergessen, dass wir uns noch mit dem Team zum Abschluss der Dreharbeiten im Restaurant treffen wollten.“
Mein Bauch grummelte.
Etwas beschämt hielt ich eine Hand vor meinen Bauch.
„Du solltest dennoch was essen.“, zwinkerte Florian und schlüpfte in seinen Parker. Er verabschiedete sich hastig und ich winkte ihm kurz zu. Tief ausatmend schaute ich auf meinen Torso. „Musste das sein?“
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„Wie spät ist es überhaupt?“

Lara drehte sich zu der hässlichen Uhr, als sie erschrak. „Oh Gott, schon zweiundzwanzig Uhr. Meinst du, ich bekomme gleich einen auf den Deckel von der Nachtschwester?“
Ich stimmte in ihr fröhliches Lachen ein, musste jedoch ein anschließendes Gähnen unterdrücken.
Sie kicherte leise. „Ich glaube eher, dass ich von dir auf den Deckel bekomme.“ Ich schüttelte den Kopf und seufzte. „Sorry, aber hundertprozentig fit bin ich noch nicht.“
Entschuldigend hob ich die Hände. Der Abend war wie im Zeitraffer verflogen. Kurz nach Florians Besuch hatte mich Lara mit einem Mädelsabend überrascht, dem ich motiviert zugestimmt hatte. Ablenkung tat mir gut und gleichzeitig minderte es den Druck, den ich mir mit der Regeneration machte.

„Wie war die Reha heute?“, erkundigte sie sich interessiert, aber bedacht vorsichtig, was ich sehr an ihr schätzte. Natürlich hatte ich ihr gesagt, dass sie mich nicht wie ein rohes Ei behandeln sollte, ganz im Gegenteil, ich bat sie regelmäßig von Auftritten, Shows und dem Training zu berichten. Sie tat es übervorsichtig und meiner Meinung nach eine Spur widerwillig.

Ich zuckte mit den Schultern. „War okay…“ Sie sah mich eindringlich an. „Mehr hast du nicht zu erzählen?“
„Naja nicht wirklich.“, lehnte ich mich tiefer in mein Kissen.
„Mir geht es nicht schnell genug, aber ich darf meinen Körper nicht überlasten. Ich soll weiterhin mit diesem Ding durch die Gegend fahren, aber zumindest hier im Zimmer laufe ich. Was sie nicht wissen, können sie nicht unterbinden.“
Ihr Lächeln wirkte erzwungen.
„Mach dir keine Sorgen, ich weiß, was ich mir zutraue.“, zwinkerte ich ihr beschwichtigend entgegen. Sie nickte ausatmend und hörte mir gebannt zu.

„Ansonsten sind die Brüche in den Beinen und die Rippen gut verheilt. Beim Schlüsselbein merke ich es schon noch.“

Bevor ich auf ihren mitleidigen Blick näher eingehen wollte, schloss ich rasch einen Themenwechsel an. „Aber ihr lenkt mich zum Glück gut ab.“ Ein ehrliches breites Lächeln umschloss meine Lippen.

Ich meinte, was ich sagte. Die Gruppe an Menschen um mich herum – besonders im Krankenhaus – war pures Seelenglück.

„Florian trägt dazu einen Großteil bei, nicht wahr?“, grinste die Achtundzwanzigjährige verstohlen, was mich innerlich aus der Reserve lockte. Dennoch versteckte ich es so gut wie nur möglich. Die Ursache meiner Unsicherheit kannte ich nicht. Aber ich war eindeutig zu geschafft, mir darüber ausführlich Gedanken zu machen. Deshalb zuckte ich lässig mit den Schultern.

„Ja, schon. Ich mag ihn. Er ist erfrischend und seine Art motiviert mich.“
Ich untermauerte meine Worte mit einem selbstsicheren Blick, den Lara schmunzelnd so verstand, wie er gemeint war: Keine weiteren Fragen, wo es nicht einmal Antworten gab.

Ich konnte mir denken, dass jener Themenabbruch zündender Gesprächsstoff für sie und Marc werden würde, nur dass mein bester Freund dann erneut damit um die Ecke kommen würde.

Doch heute ließ ich den Abend so leicht und frei sein, wie er war.
Während sich Lara in ihren dunkelblauen Trenchcoat wickelte und ihre Habseligkeiten zusammensammelte, faszinierten mich ihre fließenden Bewegungen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich sie nicht beneidete. Gleichzeitig trug Neid immer einen faden Beigeschmack, weshalb ich die Assoziation beiseiteschob und wir uns mit einer herzlichen, aber nicht zu festen Umarmung verabschiedeten.
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