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Wahrsagen kann nützlich sein

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Harry Potter Severus Snape
16.06.2021
24.06.2021
6
15.847
116
Alle Kapitel
72 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
17.06.2021 3.688
 
Ich weiß echt nicht, was ich sagen soll^^
Ich wollte eigentlich echt nur das eine Kapitel reinstellen und mich vielleicht irgendwann später darum kümmern, aber bei so vielen Reviews konnte ich ja gar nicht anders, als weiter zu schreiben. Also ihr Lieben, ganz liebes Dankeschön an alle, die mir einen Kommentar da gelassen haben, ihr seid Schuld, dass es dieses Kapitel gibt. :D

Viel Spaß!


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2. Vereinbarung


Es war eine gute Woche vergangen seit Harrys beunruhigender Vision und zum Glück war er in Wahrsagen von weiteren verstörenden Bildern verschont geblieben. Trotzdem wurde er allmählich nervös, weil Snape ihm immer noch nicht auf sein Anliegen geantwortet hatte. Hatte er es schon wieder vergessen? Hielt er es für einen Scherz? Oder wartete er darauf, dass Harry ihn nochmal fragte?

Nachdenklich starrte er Snape an, der der Klasse gerade etwas über die verminderte Wirkung von Verteidigungszaubern bei einem erschöpften Magiekern erzählte. Er hatte keine Lust etwas falsch zu machen, wusste er doch wie schnell sein Professor wegen den winzigsten Kleinigkeiten wütend auf ihn wurde.

Als die Stunde zu Ende war, packte Harry wie alle anderen seine Sachen ein, doch Snape wies ihn an noch einen Moment da zu bleiben. Gespannt wartete Harry bis alle seine Mitschüler den Raum verlassen hatte und trat mit einer Aufregung, die er selbst kaum verstand, nach vorne zum Lehrerpult.
„Ja, Sir?“ sagte der Gryffindor höflicher als sonst, was offensichtlich auch Snape auffiel, so misstrauisch, wie er ihn musterte.

„Ich habe mich entschieden, das Gegengift herzustellen. Allerdings erwarte ich, dass du mir beim Brauen hilfst. Immerhin scheinst du überraschenderweise doch kein komplett hoffnungsloser Fall zu sein und so wie Horace von deinem Potential schwärmt, kannst du ruhig etwas mehr dazu lernen. Nicht dass deine Inkompetenz noch am Ende negativ auf mich zurückfällt. Außerdem werde ich den Preis für das fertige Gegengift erst am Ende abhängig vom benötigten Aufwand festlegen.“ sagte Snape und sah Harry herausfordernd an.

Doch dieser nickte nur erleichtert und fragte „Würde es helfen, wenn ich Arthur Weasley frage, ob er weiß mit welchen Tränken er im St. Mungo behandelt worden ist?“
„Nicht nötig. Ich habe bereits mit Arthur gesprochen und habe die Liste, ebenso wie seine Krankenakte und mehrere Blutproben, die ihm während des Krankenhausaufenthaltes abgenommen worden sind und eine aktuelle.“ informierte ihn der Slytherin.

„Oh, wow.“ sagte Harry beeindruckt, woraufhin ein selbstgefälliges Lächeln Snapes Mund umspielte. „Ich erwarte dich nach dem Abendbrot bei mir im Labor. Und es wäre besser, wenn deine Mitschüler nichts davon mitbekommen würden.“ sagte der Tränkemeister und entließ ihn mit diesen Worten. Harry wandte sich zum Gehen und merkte erst beim Verlassen des Klassenzimmers, dass ihn die Aussicht auf den Abend eher mit Vorfreude erfüllte als mit Angst.

Wann war es nur so weit gekommen, dass er sich offenbar darauf freute Zeit mit Snape und dem Brauen von Zaubertränken zu verbringen, fragte er sich stirnrunzelnd. Aber er konnte nicht leugnen, dass er seit dem Buch des Halbblutprinzens ein aufrichtiges Interesse an dem Fach entwickelt hatte. Zumal es wesentlich mehr Spaß machte, wenn man gute Ergebnisse abliefern konnte.

Nach dem Abendbrot sagte Harry seinen Freunden Bescheid, dass er Zeit für sich bräuchte, damit sie sich keine Sorgen um ihn machen würden und machte sich unter dem Schutz des Tarnumhangs auf den Weg zu Snape. Ron und Hermine würden mit Sicherheit sowieso davon ausgehen, dass er mal wieder erfolglos Draco hinterherspionieren würde und keine unangenehmen Fragen stellen, wenn er stundenlang weg blieb.

So nervig es auch war, dass sie ihm einfach nicht glaubten, dass der Blondhaarige etwas im Schilde führte, jetzt kam es ihm doch gerade ziemlich gelegen, da sie ihn zweifellos decken würden, wenn andere nach ihm fragen würden und somit seine Zusatzstunden bei Snape niemandem auffallen würden.

Er vergewisserte sich mit einem letzten Blick auf die Karte des Rumtreibers, dass auch wirklich niemand in der Nähe war, der ihn sehen könnte, dann nahm er den Tarnumhang ab und klopfte an Snapes Tür. Diesmal wurde er sofort hereingebeten, also trat er ein und schloss schnell die Tür hinter sich.

Der Tränkemeister stand bereits vor mehreren Kesseln und einer Reihe säuberlich aufgereihter Phiolen, die ihrer Farbe nach zu urteilen die Blutproben waren. Er erklärte Harry, dass sie zunächst eine ausführliche Analyse sämtlicher Proben vornehmen müssten und dafür einen Blutanalysetrank zubereiten müssten.

Snape nannte ihm die Zutaten, die sie dafür brauchten und wies Harry an, diese zu holen, was sich als schwieriger als gedacht herausstellte. Es war nicht nur das übliche Vorratszimmer des Klassenzimmers, sondern eine weitere Kammer daneben geöffnet, in der sich bis zur Decke verschiedenste Zutaten stapelten. Und obwohl alle Zutaten fein säuberlich beschriftet waren, waren die Vorratsregale doch so umfangreich, dass Harry ewig brauchte, um die jeweiligen Zutaten zu finden und ständig wieder nachfragen musste, was sie noch brauchten.

Der Tränkemeister sah ihm mit verschränkten Armen dabei zu, wie er vergeblich nach der Fledermausmilz suchte und schnalzte schließlich ungeduldig mit der Zunge, bevor er sich erbarmte und Harry verriet, wo er suchen musste. Der Gryffindor ärgerte sich über die Missbilligung, die er in der Stimme des Mannes hören konnte, aber beeilte sich, die restlichen Zutaten zusammen zu suchen und sie alle zur Arbeitsfläche zu bringen.

Snape erklärte jeden seiner Schritte, aber ließ Harry lediglich beim Pulverisieren des Graphorns mithelfen. Trotzdem hatte Harry das Gefühl durch die Erklärungen bereits einige Sachen zu begreifen, die ihm bis jetzt entgangen waren. Zum Beispiel warum es einen Unterschied machte, wie dünn die Scheiben waren, in die die Milz geschnitten wurde oder ob man mit oder gegen die Faser schneiden sollte.

Nachdem alle Zutaten zugegeben worden waren, musste der Trank nun mehrere Stunden auf kleiner Flamme köcheln und Harry dachte ihre Stunde wäre damit für heute beendet, doch damit lag er falsch. Mit einem Schwung seines Zauberstabs ließ Snape die ganzen kleinen Zettel zu sich schweben, mit denen die Zutaten in den zahlreichen Regalen beschriftet waren und sie häuften sich auf dem Tisch zu einem säuberlichen Stapel auf.

Harry schluckte als ihm klar wurde, was seine Aufgabe sein würde und Snape bestätigte es ihm mit einem schadenfrohen Glitzern in den Augen. „Ich möchte, dass du alle Schilder wieder an der richtigen Stelle anbringst. Und ich würde dir empfehlen sehr sorgfältig zu arbeiten, weil ich deine Zuordnungen nicht korrigieren werde. Es wäre damit also deine Schuld, falls sich einer deiner Mitschüler in die Luft sprengt, weil er unfähig ist eine Jaberknoll-Feder von einer Ingwerwurzel zu unterscheiden. Falls du etwas nicht weißt, wovon wir getrost ausgehen können, dann kannst du das Buch da drüben zur Hilfe nehmen, da dürften alle Zutaten mit einer Abbildung drin stehen.“

Harry stöhnte missmutig auf, aber machte sich an die Arbeit. Wie sollte er das nur schaffen? Das waren sicher weit über 200 Zettel und er würde ewig dafür brauchen. Und würde Snape wirklich nicht kontrollieren und es in Kauf nehmen, dass deswegen Schüler verletzt werden könnten? Zuzutrauen wäre es ihm ja, auch wenn Harry es nicht hoffte.

Zunächst nahm Harry sich die Zettel und sortierte die heraus, bei denen er hundertprozentig sicher war, wie sie aussahen und wo sie zu finden waren. Die von denen er noch nie gehört hatte landeten gleich auf einem extra Stapel. Zuerst kümmerte er sich um das Zutatenregal, das er aus dem Unterricht kannte. Wenigstens da kannte er inzwischen die meisten Sachen und konnte sie zielsicher zuordnen, auch wenn er sich bei manchen nochmal im Buch versicherte, dass er recht hatte.

Die Beschriftung der Fledermausmilz konnte er auch sofort anbringen, auch wenn er dabei die Augen verdrehte. Er unterteilte die weiteren Zutatennamen nach Art und kümmerte sich nach und nach um die diversen Teile von Tieren, Pflanzen und anorganischem Material. Besonders kniffelig war es die ganzen verschiedenen Essenzen und Pulver zuzuordnen und nicht nur einmal war er versucht einfach willkürlich die Schilder anzubringen in der unrealistischen Hoffnung es zufällig richtig zu raten.

Aber auch wenn Snape sich wieder dem Brauen gewidmet hatte, so fühlte er doch, wie dieser ihn weiter aufmerksam im Blick behielt. Letzten Endes musste er bei den Pulvern, die alle fast gleich aussahen, verschiedenes Licht darauf scheinen lassen um zu sehen, welches fluoreszierend war und welches das Licht farbig reflektierte. Er verbrannte sogar ein wenig eines Pulvers um auszumachen welches der restlichen beiden nun das feuerfeste Dracheierschalenpulver war. Aber dafür war er danach endlich fertig.

Erleichtert seufzend trat er einen Schritt zurück und als er sich so besah, was er in den letzten Stunden geschafft hatte, fühlte er schon ein wenig Stolz in sich aufsteigen. Snape sah lediglich auf die Uhr, wie um darauf hinzuweisen, dass er eindeutig viel zu lange dafür gebraucht hatte. Harry folgte seinem Blick und ihm fiel entsetzt die Kinnlade runter, als er feststellte, dass es bereits nach Mitternacht war.

Snape sagte ihm, dass sie morgen nach dem Abendbrot den Analysetrank anwenden können würden und schickte ihn zurück in seinen Turm. Harry war froh, dass er den Tarnumhang und die Karte des Rumtreibers dabei hatte und kam so recht schnell und ungesehen zurück bis in seinen Schlafsaal. Müde fiel er in sein Bett und schlief ein, bevor er darüber nachdenken konnte, dass es eigentlich ein recht angenehmer und lehrreicher Abend gewesen war.

Wie erwartet fragten ihn seine Freunde am nächsten Tag nicht aus, womit er den vergangenen Abend verbracht hatte und sahen ihn nur leicht mitleidig an, als er ihnen verkündete, dass er auch diesen Abend nicht mit ihnen verbringen würde.

Als er nach dem Abendbrot wieder im Labor des Tränkemeisters stand, war der Analysetrank so gut wie fertig. Snape zeigte ihm, in welchem Muster er zum Abschluss gerührt werden musste und danach füllten sie mehrere kleine Fläschchen des Tranks ab. In einem nächsten Schritt ließ Snape einige Papiere Pergament zu ihnen schweben, auf das er jeweils eine Rune zeichnete, die einem Yin und Yang Zeichen ähnelte. Er wies Harry an in den einen kleinen Kreis den Analysetrank zu träufeln, während er in den anderen einen Tropfen von der Blutprobe fallen ließ.

Die Tränke sowie die Rune schienen ins Pergament einzuziehen und im nächsten Moment erschien eine lange Liste von Wörtern, von denen die meisten Harry unbekannt waren und deren jeweilige Konzentrationen. Gebannt sah Harry auf diese verwirrende Liste von Wörtern und Zahlen und fragte sich inwiefern ihnen das helfen sollte, während Snape schon oben in die Ecke des Papiers die Daten des Tests und der Probenentnahme schrieb.

Sie wiederholten die Prozedur mit den anderen Blutproben und schließlich sah sich Snape die Analysedaten aufmerksam an und schien sie zu vergleichen. Harry wartete geduldig, bis der Slytherin ihm die Pergamente hin legte und erklärte „Das ist eine relativ exakte Aufstellung der Zusammensetzung von Arthurs Blut. Hier von einem früheren Aufenthalt, wo er noch nicht mit dem Gift in Berührung gekommen war, dann hier direkt nach dem Angriff, einen Tag später und 5 Tage später. Und das hier dürfte für uns eine der interessantesten Proben sein, eine aktuelle, in der Bestandteile mit einer gewissen Immunität gegen das Gift zu finden sein sollten.

Wir müssen nun herausfinden, aus welchen Bestandteilen das Gift von Nagini besteht um ein darauf abgestimmtes Gegengift entwickeln zu können. Dazu müssen wir herausfinden, welche Werte durch das Gift beeinflusst worden sind und ob diese direkt dem Gift zuzuschreiben sind oder zum Beispiel durch eine Reaktion oder körpereigene Abwehr erhöht sind.

Harry nickte, auch wenn ihm der Kopf schwirrte und verfluchte es wieder einmal, dass es Hogwarts nicht für nötig hielt weiter Mathematik zu unterrichten und somit der Wissensstand der meisten Schüler auf dem Niveau eines Grundschulkindes war. Er zog die Pergamente zu sich und starrte auf die Begriffe Erythrozyten, Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten, Thrombozyten, Sauerstoff, Kalium, Natrium, Calciumchlorid, Carbonat, Bicarbonat, Aminosäuren, wobei Proteine, Zucker, Fette, Hormone, Enzyme nochmal in Unterkategorien genauer aufgeschlüsselt waren und ihm war klar, dass er Snape keine besonders große Hilfe sein würde.

Snape nahm sich ein weiteres Pergament und fing an eine Tabelle zu erstellen in der er die gravierendsten Veränderungen eintrug und noch bevor Harry sich fragen konnte, was er tun sollte, hatte der Tränkemeister mit einem Schwung seines Zauberstabs wieder sämtliche Zutatenbeschriftungen von den Regalen gelöst und auf einen Stapel direkt vor Harry schweben lassen.

Ein wenig genervt rollte Harry die Augen angesichts dieser wenig subtilen Aufforderung und fragte sich, ob das nur ein Mittel war ihn beschäftigt zu halten. Allerdings ging ihm die Verteilung der Schilder heute schon wesentlich einfacher von der Hand und er musste zugeben, dass er tatsächlich schon viel mehr Zutaten erkannte und zuordnen konnte und langsam sogar einen Sinn hinter der nicht alphabetischen Sortierung erkennen konnte.

Als er fertig war schrieb Snape immer noch an der Tabelle und machte sich daneben so gründliche Notizen, dass Harry sich unwillkürlich an den Halbblutprinzen erinnert fühlte. Allerdings schob Harry den Gedanken schnell wieder beiseite. Immerhin hatte er schon jetzt eine unangemessene Zuneigung zu dem Jungen entwickelt, dessen Buch er jetzt besaß. Da konnte er es sich wirklich nicht leisten, dass sich das auch noch auf seinen Lehrer übertrug, nur weil dieser zufällig ebenfalls talentiert war, wenn es um Zaubertränke ging.

Harry hatte gewusst, dass es anspruchsvoll sein würde präventiv ein spezielles Gegengift zu erstellen, aber er hatte ja keine Ahnung, wie aufwendig es werden würde. Inzwischen waren mehrere Wochen vergangen in denen er im Durchschnitt aller 2-3 Tage seinen Abend bei Snape verbrachte und sie zusammen neue Zusammensetzungen an ihrem eigenen Blut testeten und die Auswirkungen kontrollierten.

So sehr er auch erstaunlicherweise die Zeit genoss, die er bei Snape verbrachte und auch immer mehr lernte und Snape ihn inzwischen sogar bei den Tränken für den Krankenflügel mithelfen ließ, so zweifelte er doch langsam daran, ob sie das Gegengift rechtzeitig fertig stellen würden. Da er sich nicht nur darauf verlassen wollte, ging Harry eines Nachmittags zu Madam Pomfrey und erklärte ihr, dass er Interesse daran hätte die Grundlagen von Heilzaubern lernen zu wollen.

Die Heilerin hatte angesichts seiner Vergangenheit und ständigen Aufenthalte in ihrem Krankenflügel mehr als nur Verständnis dafür. Und so erlaubte sie ihm, dass er einmal die Woche zu ihr kommen durfte und sie ihn unterrichten würde, wofür er sehr dankbar war.

Desto mehr Zeit Harry mit dem Tränkemeister verbrachte, desto mehr stellte sich ein gerade zu freundschaftlicher Umgang zwischen ihnen ein. Snape nahm sich Zeit Harry alles ausführlich zu erklären und Harry wusste das zu schätzen und ließ sich von den spitzen Kommentaren des Slytherins nicht mehr auf die Palme bringen. Der Mann war immer noch so launisch wie immer, aber Harry hatte das Gefühl, dass er inzwischen wusste, wie er damit umzugehen hatte.

So sehr sie sich früher auch gestritten hatten, so kam es nun meistens nur noch zum Streit, wenn einer von ihnen beiden kurzfristig nicht konnte. Harry hasste es zu wissen, dass er nicht zu Snape gehen konnte, weil dieser zu Voldemort gerufen worden war, aber auch Snape wurde wütend, wenn Harry absagte, weil er wieder ein geheimes Treffen mit Dumbledore hatte und ihm kein Wort darüber verraten durfte, was er in diesen Stunden mit dem Schulleiter machte.

Doch Snape hatte es schließlich zähneknirschend akzeptiert, nachdem Harry ihn darauf hingewiesen hatte, dass ihm der Tränkemeister ja auch nicht verriet, was Draco plante. Immerhin hatte Harry dadurch die Bestätigung, die er wollte, dass er es sich nicht nur einbildete. Aber die Gewissheit, dass Snape Bescheid wusste, beruhigte ihn, da dieser sich sicher darum kümmern würde.

Schließlich war Harry inzwischen überzeugt, dass Snape auf ihrer Seite war. All diese Stunden, die sie miteinander verbrachten, in denen ihn der Slytherin schon tausendmal hätte an Voldemort ausliefern können, führten dazu, dass er dem Mann aufrichtig vertraute. Zumal ja immer noch niemand Bescheid wusste, dass er sich hier aufhielt. Er ging immer unter dem Schutz des Tarnumhangs hinunter in die Kerker, weil sie sich keine Gerüchte leisten konnten.

Wüsste Voldemort von ihren Zusatzstunden, so würde er Snape sicher einen wenig erfreulichen Auftrag geben. Aber auch die anderen Schüler sollten nichts mitbekommen. Harry hatte es einmal gewagt einen Scherz darüber zu machen, dass seine Freunde ihn langsam verdächtigten eine Affäre zu haben, doch Snape hatte ihn durchdringend angesehen und ihm unmissverständlich klar gemacht, dass ihn solche Gerüchte, wie dass er eine Affäre zu einem Schüler hätte, den Kopf kosten könnten. Wegen dem Dunklen Lord wäre es sein Todesurteil, wenn er seine Stelle als Lehrer von Hogwarts verlieren würde.

Harry hatte sich mit roten Wangen entschuldigt und versprochen, dass er wirklich mit niemandem über ihre Treffen sprechen würde. Und niemandem gegenüber so etwas andeuten würde. Dass nur Ron wusste, wie spät er immer wieder kam, aber er keine Ahnung hatte, wo Harry wirklich war. Und die Wahrheit wohl auch kaum erraten würde. Snape schien etwas beruhigter und Harry wurde wieder einmal bewusst, wie viel der Mann für ihn riskierte.

Und doch so harmlos ihre Treffen vielleicht waren, einmal ausgesprochen ließ Harry der Gedanke nicht mehr los. Er konnte sich nicht davon abhalten Snape nun viel aufmerksamer von der Seite zu beobachten und verweilte mit seinen Blicken oft viel zu lange auf Snapes langen eleganten Fingern, wenn er ihm zusah, wie er Zutaten für einen Trank vorbereitete. Er hoffte nur, dass der Tränkemeister es nicht bemerkte oder es falsch deuten würde.

Das Schuljahr näherte sich seinem Ende, als sie endlich einen Durchbruch beim Gegengift hatten und die gleiche Reaktion ihres Blutes auf das künstliche Gift beobachten konnten, wie es Arthurs Blut gezeigt hatte. Von da war es nur noch eine Frage weniger Stunden, bis sie endlich vor einem blubbernden Kessel voll des gelbgrünen Gegenmittels standen.

Harry grinste euphorisch, als Snape ihm bestätigte, dass sie es tatsächlich geschafft hatten und am liebsten wäre er dem Slytherin um den Hals gefallen, aber er riss sich zusammen. Sie füllten mehrere Phiolen des Antidots ab und noch während Harry die Phiolen verkorkte, wurde ihm auf einmal schmerzhaft bewusst, dass er nun keinen Grund mehr hatte, seine Abende bei Snape zu verbringen.

Er versuchte seine negativen Gefühle zu ignorieren und nahm sich 3 Phiolen, während er bemüht ruhig sagte, „Danke. Ich finde wir sollten es teilen. Du solltest am besten immer eins dabei haben, falls du zufällig in der Nähe von Naginis Opfern bist und die Gelegenheit hast zu helfen. Jetzt wo das Gegengift fertig ist, weiß ich erst wie viel Aufwand das war. Trotzdem stehe ich zu unserer Vereinbarung, also welchen Preis möchtest du für die ganze Arbeit haben?“

Snape sah Harry durchdringend direkt in die Augen und sagte entschlossen, „Der Preis ist die Wahrheit. Ich will wissen, warum du unbedingt dieses Gegengift haben wolltest. Ich kann 1 und 1 zusammen zählen. Du warst leichenblass, als ich dich an meinem Klassenraum gefunden habe und hattest zu der Zeit eigentlich Wahrsagen. Und noch am gleichen Abend fragst du mich nach dem Gegengift. Also warum?“

Harry schluckte und blickte auf den Boden, weil er dem Blick nicht mehr standhalten konnte. Wieder schob sich die Erinnerung an die blutige Vision vor sein inneres Auge und er gab er leise zu, „Ich hatte eine Vision in Wahrsagen. Das ist mir noch nie zuvor passiert. Und seitdem auch nicht. Aber ich war müde und Trelawny hat irgendwelche bewusstseinserweiternden Kräuter abgebrannt und dann ist es passiert. Ich habe gesehen, wie jemand von Nagini angegriffen wurde und gestorben ist, ohne dass ich etwas tun konnte. Ich konnte es nicht verhindern und deswegen kam ich auf die Idee mit dem Gegengift um etwas tun zu können, falls es wirklich passieren sollte.“

„Und wen hast du gesehen, den dieses Schicksal ereilt? Deinen Freund Ronald Weasley? Miss Granger? Die kleine Miss Weasley?“ bohrte Snape nach.

Harry hob den Kopf und sah Snape stumm in die Augen, während er sich betreten auf die Lippe biss. Es dauerte einen Moment, dann weiteten sich die Augen des Tränkemeisters erschrocken für den Bruchteil einer Sekunde. „Nein.“ flüsterte der Slytherin ungläubig und sah fassungslos auf die Phiole des Gegengiftes, die er in seiner Hand hielt. Er hatte nie damit gerechnet zu überleben, aber so seinen kommenden Tod und die Art präsentiert zu bekommen machte es nicht besser.

Es dauerte einen Moment bis einer von ihnen beiden wieder etwas sagte und schließlich war es Harry der das Schweigen brach.
„Können Sie mir versprechen, immer eine Phiole bei sich zu tragen?“, fragte der Gryffindor ohne Snape ansehen zu können. Der Tränkemeister hob seinen Blick wieder von der bedeutungsvollen Phiole in seiner Hand und sah Harry an, der nun nochmal ein flehendes „Bitte.“ hinzufügte.

Snape seufzte und stimmte mit einem kraftlosen „Okay.“ zu.
Doch jetzt  wo das Geheimnis raus war, konnte Harry es noch nicht auf sich beruhen lassen.
„Und Sir? Wenn Sie sie bei sich tragen, wo werden Sie sie tragen?“ fragte Harry und sah ihn nervös wieder an.

Der Tränkemeister öffnete langsam seine Robe und ließ die Phiole in eine Tasche in der linken Innenseite gleiten. „Hier.“
Harry nickte und spürte, dass der Slytherin jetzt lieber allein sein wollte, um über all das nachzudenken, was er erfahren musste. Also sagte er etwas gezwungen „Sehr gut. Guten Abend, Professor.“ und ging.

Snape blieb alleine zurück und nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, führte ihn sein erster Gang zu seinem Schnapsregal, wo er sich eine doppelte Portion Feuerwhiskey eingoss. Ihm war klar, dass Harry ihn nicht nur hatte sterben sehen, sondern offensichtlich auch dort war, als es passierte. Beziehungsweise da sein würde, wenn es passieren würde. Und natürlich hatte der sture Gryffindor nichts besseres im Kopf als zu versuchen ausgerechnet ihn retten zu wollen.

Wieder musste er seine Meinung über den Jungen stark revidieren, wie schon so oft in den vergangenen Wochen. Wenn er könnte, würde er Harry schnappen und mit ihm ins Ausland abhauen. Ihn einfach weg von hier bringen. Und wenn er ehrlich zu sich war, dann würde er ihn am liebsten ganz für sich alleine haben. Aber nein, stattdessen musste er hier bleiben und Dumbledores Spiel mitspielen, bis er zum Mörder werden würde und sollte später auch noch Harry in seinen eigenen Tod schicken.

Verdammt! Mit einem lauten Klirren zerbarst das Glas an der Wand und Snape legte seinen Kopf in seine Hände. Wie hatte es ihm nur passieren können, dass er Gefühle für einen Schüler entwickeln konnte und dann auch noch ausgerechnet für den verfluchten Harry Potter! Aber der Gryffindor hatte ja schon immer das unschaffbare geschafft. Es einmal mehr für den Tränkemeister versucht und im Gegenzug würde er nichts als Schmerz und Enttäuschung bekommen.
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