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Tausendmal Berührt [Teil I]

von ninarina
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
14.06.2021
29.01.2022
20
134.433
112
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Dieses Kapitel
7 Reviews
 
17.08.2021 7.037
 
Ich kann gar nicht sagen, wie nervenaufreibend es ist, dieses Kapitel endlich hochzuladen. Es gibt in der ganzen Geschichte genau vier Eckpfeiler, die ich ganz früh schon grob ausgearbeitet und zum Teil geschrieben hatte, und Jamaika ist nach Gumball der Zweite. Ich glaube, ich muss gar nicht viel dazu sagen. Jamaika ist Jamaika. Und die Überschrift steht für sich (Fun Fact, das wäre fast auch der Titel für die ganze Story geworden, weil ich das Lied wochenlang im Kopf rumschwirren hatte).


Hoffentlich könnt ihr das Kapitel genießen, es ist definitiv eine Momentaufnahme, denn danach kommt ganz ganz viel Chaos und Verwirrung und Schmerz, aber auf Jamaika bleibt für ein paar Stunden die Zeit für die beiden stehen. Mir tut jetzt schon alles weh. Die Fallhöhe ist sehr hoch, vor allem für Joko, der im nächsten Kapitel endlich wieder zu Wort kommen wird.


Vielen Dank für euer fortwährendes Feedback, das mich momentan mehr denn je bestätigt und mich motiviert. Lasst mich bitte weiterhin wissen, was ihr denkt. Die Unsicherheit ist vor allem jetzt wieder sehr groß.






Part 8: Your Lips, My Lips, Apocalypse




Kisses on the foreheads of the lovers

Wrapped in your arms

You’ve been hiding them in hollowed out pianos

Left in the dark

(Apocalypse by Cigarettes After Sex)






Jamaika, Sommer 2014



Es passierte auf Jamaika.

Joko kam aus den USA, er aus Kolumbien. Sie hatten immer mal wieder telefoniert, hauptsächlich für die Show, bis Joko Klaas nach dem U-Bott Dreh angerufen und sehr lange geschwiegen hatte. Der Schock hatte sich erst dadurch gänzlich in Klaas entfalten können, denn wenn der Winterscheidt mal sein Maul hielt, musste es richtig knapp gewesen sein. Noch nie hatte Klaas sich so sehr nach Jokos Nähe verzehrt wie in dem Moment, in dem er in China in seinem Bett lag und Jokos Atem lauschte

Und dann hatte Joko begonnen, von seinem Halo Jump zu erzählen und Klaas war die Luft weggeblieben. Zum einen, weil Joko es ihm tagelang verschwiegen hatte. Zum anderen, weil es nichts gab, nicht einmal eine absolute Ausnahmesituation wie die, in der Klaas gewesen war, die Joko nicht nachvollziehen und verstehen konnte. Sie waren so tief miteinander verwoben, dass sich selbst separat voneinander erfahrene Erlebnisse wie gemeinsame Geschehnisse anfühlten. Er hörte Joko stocken, als er von dem Gespräch mit seinem Arzt berichtete, der ihm klipp und klar gesagt hatte, dass Joko dort in der Luft einfach hätte sterben können, wenn nicht ein bisschen Glück dabei gewesen wäre. Klaas vernahm das Schlucken am anderen Ende der Leitung und seine Kehle schnürte sich zu.

Sie wurden urplötzlich beide gleichzeitig mit der reellen Chance konfrontiert, dass sie einander verloren hätten, wenn die gestellten Aufgaben mächtig schiefgegangen wären. Und obwohl Klaas nicht der Mensch war, vergangenen Ereignissen nachzuhängen und sie im Kopf größer zu machen als sie waren, – ganz im Gegensatz zu Joko, der wahrscheinlich keine Nacht mehr ruhig geschlafen hatte, seit das mit dem U-Boot passiert war – verfolgte ihn der Gedanke, dass es dieses Mal auf beiden Seiten verdammt knapp gewesen war, in jedes Land, das er danach noch bereisen musste. Er hangelte sich von Aufgabe zu Aufgabe, fühlte sich unruhig und wollte nach Hause, wollte die Strapazen hinter sich lassen und vergessen, was passiert war. Aber vor allem wollte er Joko sehen und sichergehen, dass es ihm gut ging. Er wollte ihm in die Augen schauen und sich vergewissern, dass alles okay war.

In ihm war es beunruhigend still, ein wenig wund, ein wenig taub. Er landete auf Jamaika und war ausgelaugt von den Drehs, den Jetlags und den Aufgaben, aber vor allem von dem nicht nachlassenden Gedanken, dass Joko ohne ihn durch die Hölle gegangen war.

Und dann war Joko mit einem Mal da.

Er sah ihn am Flughafen und spürte etwas in seiner Brust flattern, wie damals bei der Mundpropaganda, schmerzhaft und intensiv, als hätte er die gesamte Reise lang Gefühle mit der Gewalt eines Tsunami zurückgehalten. Er sah Joko, hörte sein Lachen, dieses beschissene, laute Lachen und seine Welt schnellte an den richtigen Ort zurück. Hier, am anderen Ende der Erde, fügte sich etwas in ihm wieder zusammen, nur weil Joko Winterscheidt auf ihn zulief und ihn umarmte. Derselbe Joko, wegen dem er fast in einem verdammten U-Boot in China ersoffen wäre.

Er sah Joko und verstand nicht, warum sein Hirn ihm das antat. Warum Joko. Warum immer Joko.

Irgendetwas zwischen ihnen prallte auf Jamaika aufeinander. Es war die wochenlange Distanz voneinander, das sich nicht sehen, kaum reden. Es war die kräftezehrende Reise, die sie bei hinter sich hatten. Wochenlange Drehs, ferne Länder, zu viel Adrenalin. Es war die Tatsache, dass sie beide eine Art Nahtoderfahrung durchlebt hatten, Klaas mit Thomas unter Wasser in einem selbstgebastelten U-Boot, Joko hoch in der Luft vor dem geplanten Halo-Jump. Es war die Erkenntnis, dass sie hier standen und Glück gehabt hatten, schlichtes Glück, dass sie von den einander gestellten Aufgaben ohne Kratzer zurückgekehrt waren und sich jetzt ansehen konnten.

Und sie sahen sich an. Den ganzen Tag lang, die ganze Nacht. Mit und ohne Kameras, dieses eine Mal machte es keinen Unterschied für Klaas.

Irgendwie resignierte er an diesem Tag, bei diesem Dreh. Nicht für immer, nicht nach außen, sondern nur für sich, nur für diese Momente. Nur für Jamaika. Er brauchte Joko. Beruflich, das hatte er schon zu MTV Home Zeiten verstanden. Körperlich, das war sich ein wenig schwerer einzugestehen. Aber seelisch, das war für Klaas, für sein rational getriebenes Hirn, absolut inakzeptabel. Diese fundamentale, emotionale Abhängigkeit von einem einzigen Menschen, der ihn wahnsinnig machte, der seine hässlichsten Eigenschaften gesehen und ertragen hatte und trotz dessen unumstößlich an seiner Seite blieb, der ihm jede Regung im Gesicht ablesen und sich daran orientieren konnte, der überhaupt nicht zu ihm passte und doch ein unverzichtbarer Teil von ihm selbst geworden war; diese Abhängigkeit war etwas, vor dem Klaas nicht davonlaufen konnte und es dennoch immer wieder versuchte.

Und er wusste, er würde es wieder versuchen, er wusste, es machte ihm zu viel Angst und die Gewissheit machte es nicht leichter, damit umzugehen. Aber nur für Jamaika hörte Klaas auf zu rennen. Gab auf und blieb stehen. Bekam einen Einblick darin, was alles möglich war, wenn er losließ. Hielt sich nicht zurück und wurde mit etwas belohnt, das er nie haben wollte und nachdem er sich trotzdem schon so lange sehnte.

Klaas kam Joko einen Millimeter entgegen und Joko gab ihm alles, was er hatte, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie kollidierten mit ihrer Angst, den Erlebnissen ihrer individuellen Reise und den Erinnerungen ihrer gemeinsamen Zeit. Es kollidierte Joko Ungezügeltheit mit Klaas‘ Befreiungsschlag. Es kollidierte Alkohol mit wochenlanger Abstinenz voneinander. Es kollidierten Wünsche und Sehnsüchte beider Seiten, die zwar stumm blieben, aber dennoch offengelegt wurden, in ihren Augen, ihren Berührungen. Klaas genoss es, genoss Jokos Gelaber, über das er sich sonst aufregte, streichelte ihn über den Arm, wo er ihn sonst vielleicht eher geschubst hätte. Plötzlich konnte er sich gar nicht mehr vorstellen, wie ermüdend es normalerweise sein musste, nicht auf Joko einzugehen, ihn abzuweisen, sich von ihm abzuwenden.

Joko reagierte schnell und stark auf Klaas‘ Offenheit. Mit jedem Bier leuchteten seine Augen stärker, wenn sie Klaas‘ Blick einfingen. Es war ein Leuchten, das von innen kam und das Joko hemmungslos nach außen strömen ließ, Kameras hin oder her. Sein „Willst du mich küssen?“ war ein scherzhaftes Necken für die Show, und trotzdem war es komplett ernst gemeint. Das „Niemals“ rutschte Klaas über die Lippen, während sein Kopf noch zu sehr damit beschäftigt war, dass Joko ihn in all seiner Unbekümmertheit und seinem persönlichen Wahnsinn hier und jetzt geküsst hätte, ganz egal, wer ihnen zusah. Und Klaas‘ Antwort verletzte ihn nicht, ließ seine Augen nur noch mehr funkeln, weil er Klaas die Lüge ansehen konnte.

Sie waren auf Jamaika. Es war nur eine Frage der Zeit.

Es passierte fast, als sie eng umschlungen an der Klippe standen, ihr Team um sie herum versammelt. Joko grölte die letzte Zeile von Don’t Look Back In Anger und kam ihm dabei so nahe, dass Klaas im letzten Moment den Kopf zurückziehen und zur Seite drehen musste. Stattdessen schob er seine Hand von Jokos Nacken auf seine Schulter und zog ihn so nahe an sich, dass sie beide fast das Gleichgewicht verloren.

Einhergehend mit der Dunkelheit begann Joko, ihm Dinge zuzuraunen. Nicht sonderlich subtil oder leise, aber umso effektiver. Klaas war tief in ihrer Welt verschwunden, hatte sich von Joko in den Strudel ziehen lassen, aus dem es kein Entkommen gab, sodass alles um sie herum verschwamm und irrelevant wurde. Jokos Sätze waren gezielt, ohne jegliche Barriere oder Vorsicht und in Klaas bebte das Verlangen, ihm nah zu sein. Zu spät begriff er, dass keines von Jokos Worten versaut oder zweideutig war.

„Deine Augen werden so hell, wenn du glücklich bist.“

„Du hast mich noch nie so viel berührt wie heute.“

„Ich würde dich so gerne küssen.“

„Ich hoffe, du willst mich auch küssen.“

„Mir ist so scheißegal, wer sonst noch hier ist, ich könnt‘ dich die ganze Zeit nur angucken.“

„Ich bin so glücklich, bei dir zu sein.“

„Nur du und ich, Klaas.“

Jeder Satz von Joko, ihm vertraut ins Ohr geflüstert oder im Vorbeigehen zugeraunt, verstärkte das Kribbeln unter Klaas‘ Haut, das Jokos Blicke auslösten. Joko wollte ihn, das war offensichtlich, aber dieses Wollen ging so tief, dass es nichts mehr mit dem Wollen von Gumball zu tun hatte. Joko floh sich nicht in Körperlichkeiten, darin war er sowieso nie hundertprozentig überzeugend gewesen, sondern warf Klaas seinen Drang nach Nähe schamlos vor die Füße und Klaas verschloss es in sich, um es zu behüten. Mit jedem Satz kam eine neue Welle Zuneigung hinzu, brachte ihn näher zu Joko, brach alles in ihm auf und erfüllte ihn mit einer Zärtlichkeit, die ihm in ihrer Intensität völlig fremd war.

Er hätte ihn schon vor dem Bus geküsst, Olaf mit der Kamera zwei Schritte neben ihm völlig außer Acht lassend, weil es in ihm zog und tobte und trotzdem nicht unruhig war, weil Joko ihn ansah, gegen den Bus gelehnt, das Bier locker in der Hand und lächelte und alles gut war, wenn er das tat. Er hätte nicht nachgedacht und sich Wochen, vielleicht Monate damit auseinandersetzen müssen, weil nichts wichtig war außer Joko, hier, auf Jamaika. Schmitti rettete ihn, rettete sie vor der Katastrophe, da er in dem Moment versuchte, aus dem Fenster des Busses zu klettern. Joko lachte sein hohes, nerviges Lachen und warf ihm einen so glühenden und wissenden Blick zu, als er Schmitti aus dem Fenster half, dass Klaas kurz schauderte. Er sah den beiden zu, lachte sich scheckig und machte sich auf den Weg zum Strand, wissend, dass Joko ihm folgen würde, sobald Thomas wieder auf zwei Beinen stand.

Joko würde ihm überallhin folgen. Sie würden unaufhaltsam in den Abgrund stürzen. Zusammen.

Die ganze Nacht lang waren sie nie mehr als ein paar Schritte voneinander entfernt. Joko war stets um ihn herum, filmte ihn mit der Kamera, die Rauli ihm höchst widerwillig überreicht hatte. Klaas badete in Jokos nicht enden wollender Aufmerksamkeit und spürte seine Anziehungskraft, die ihm hier und jetzt fast magnetisch vorkam. Egal wohin er blickte, überall war Joko und lächelte ihn an.

Sie lachten, bis ihnen die Tränen kamen, als Frank mit voller Wucht gegen Klaas‘ Stuhl knallte. Sie fischten Olaf aus dem Wasser. Sie tranken und redeten in trauter Zweisamkeit, obwohl duzend Menschen um sie herum waren. Es interessierte sie nicht. Auf ihre Blase, ihre Welt, hatte niemand einen Zugriff.

Unter der Leitung von Thomas Martiens wurden sie schlussendlich in ihr Zimmer geleitet, die Kameras direkt im Rücken, ihre beiden jamaikanischen Freunde torkelnd an ihrer Seite. Joko und Klaas ließen sich in ihre Betten bugsieren, waren müde und betrunken und fühlten sich doch unsterblich, weil nichts und niemand in ihre Welt eindringen konnte. Nicht hier, nicht heute.

Klaas kümmerte es nicht einmal, als Thomas sie mit einem „Ihr solltet schlafen und nicht ficken, in ein paar Stunden geht’s weiter“ in die Nachtruhe entließ, grinste bloß und zog die Decke ein wenig hoch.

„Wenn der wüsste“, giggelte Joko, drehte sich auf die Seite und sah zu Klaas hinüber, der den Blick sanft erwiderte.

Eine lange Stille folgte, in der sie sich nur ansahen, sich Zeit ließen. Alles in Klaas war wohlig warm, ruhig und geborgen. Es war dieses ganz bestimmte Gefühl der Sicherheit, das Joko nur mit seiner Anwesenheit in ihm auslösen konnte.

Schließlich brach Joko das Schweigen. „Ich mag dich so sehr, Klausi“, nuschelte er. Seine Augen glänzten. „Ich—manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz platzt, wenn ich dich nur ansehe und nicht weiß, wohin damit.“

Klaas wusste, dass Jokos Pegel eine nicht unbedeutsame Rolle spielte. Es war ein alter Klassiker, dass Joko ihm betrunken mit melancholischen, fast zärtlichen Worten überschüttete. Normalerweise fühlte Klaas sich dadurch bedrängt, fast angegriffen. Sein Schutzmechanismus ließ nicht zu, so viel Gefühl von Joko zuzulassen. Aber dieses Mal gab es keinen Schutz. Es gab nur ihr Miteinander. Und in ihrem Miteinander fiel es Klaas überhaupt nicht schwer, das Gefühl in sich aufzunehmen und Joko nur mit einem Blick zu bedeuten, dass er ihn bei sich haben wollte.

Joko blieb trotzdem vor seinem Bett stehen, gab ihm eine letzte Möglichkeit, den Rückzieher zu machen.

Aber nicht hier, nicht heute.

Und so war Klaas es, der nach Joko griff, ihn in sein Bett zog, seine Wärme spüren musste und sich an ihn klammerte. Ihn auf sich zog und sofort wusste, dass nichts stärker war als der Drang, Joko nahe zu sein. So nahe, wie es irgendwie ging. Das Braun glitzerte immer noch bedächtig in Jokos Augen, als er sanft die Decke beiseiteschob und sich auf ihm niederließ. Es war nicht viel zwischen ihnen, sie trugen beide nur T-Shirts und Boxershorts. Joko sah ihn, strich mit der Hand über seine Wange. Sein Atem streifte über Klaas‘ Gesicht und wie auf Kommando kroch ihm die Gänsehaut bis in seine Haarspitzen.

Es ist okay, sagte Klaas sich eindringlich. Heute ist es okay.

Natürlich wusste er, dass es nicht so einfach war. Er konnte sich nicht eine Ausnahme gewähren und erwarten, dass sie keine Spuren hinterlassen würde. Aber er war so müde von dem dauerhaften Kampf um eine Kontrolle, die sowieso nichts als Schall und Rauch war, weil Joko ihn komplett in der Hand hatte; er war so ausgelaugt von der Angst, die ihm seine eigenen Gefühle machten, eine Angst, die ihn hemmte und dafür sorgte, dass er sich selbst kaum ausstehen konnte. Und er war wie betäubt von Jokos Nähe, von Joko als Person, weil er ihn so tief hatte blicken lassen, ohne es zu wollen. Es war einfach so passiert, über die Jahre, durch all die gemeinsamen Hochs und Tiefs, die sie erlebt hatten. Und wenn das bedeutete, dass er sich für eine Nacht fallen ließ und versuchte, nicht an den nächsten Tag zu denken, dann würde er sich das eingestehen.

Joko setzte sich leicht auf, um sich das T-Shirt auszuziehen und schmunzelte, als Klaas seiner Bewegung direkt folgte und es ihm gleichtat. Fragend zupfte Joko am Saum seiner Boxershorts und Klaas hob sofort die Hüfte an, ließ kommentarlos zu, dass Joko ihn auszog, seine eigene Unterhose neben die von Klaas auf den Boden warf und sich erneut auf ihn legte. Seine Haut war warm und weich, so wie alles an Joko warm und weich war, seine Hände, seine Augen, sein Lächeln, sein Innerstes. Er war alles, was Klaas nicht war. Die Zuneigung für den Mann über ihn strömte unaufhaltsam durch Klaas‘ Körper. Er schmiegte sich enger an ihn, hätte auch die ganze Nacht so liegenbleiben und Jokos regelmäßigem Atem lauschen können. Seine Finger fanden sich in dem blonden Haar wieder, glitten durch die Strähnen, die Joko so oft im Gesicht hingen, weil er sich weigerte, sie kürzer zu schneiden.

Weil Joko ein Trottel war.

Klaas sagte ihm genau das, als Joko begann, mit vorsichtigen, langsamen Berührungen Klaas‘ Oberkörper zu erkunden, ganz so, als hätte er ihn noch nie angefasst, und ihn dabei fragte, ob es okay sei. Da konnte Klaas sich nicht anders helfen, als ihn anzusehen und „Du bist so ein Trottel, Winterscheidt“, zu raunen. Er konnte selbst hören, wie liebkosend seine Stimme war, wie sich nichts von seiner üblichen Schärfe in ihr finden ließ, und als wolle er ihn dafür belohnen, strahlte Joko ihn an. Er senkte den Kopf und küsste Klaas‘ Kinn, wanderte langsam an seinem Hals hinab und übersäte seine Schultern, das Schlüsselbein, die Brust und schließlich jeden Zentimeter seines Bauches mit Küssen. Klaas wollte schon wieder nach ihm greifen, weil er es kaum aushielt, aber er zwang sich, still zu sein und Jokos Berührungen einfach zu genießen. Spürte die Hände sanft an seinen Seiten auf und ab fahren, sodass es leicht kitzelte und sog irgendwann einen Schwall Luft ein, als Jokos nackte Brust im Vorbeigleiten seinen Schwanz streifte.

Träge regte sich die Lust in ihm, war bisher in keinerlei Weise eine Priorität gewesen und schob sich jetzt ganz allmählich in den Vordergrund, als er begann, mit seiner rechten Hand über Jokos Rücken zu fahren. Das Verlangen nach Joko war so intensiv, weil es deutlich mehr war als Gier und der stumpfe, eindimensionale Wunsch nach Sex. Wie vor einem halben Jahr, gleich nach ihrem Kuss, regte sich in Klaas dieses Sehnen nach einer vollkommenen und fortwährenden Nähe zu Joko, die sich nicht abschütteln ließ. Es war die Art von Verlangen, die einen Schauder durch Klaas‘ ganzen Körper trieb, als Joko sich wieder ein wenig aufrichtete, mit den Lippen seine Nase streifte und ihn auf die Stirn küsste.

Minutenlang nahm Klaas nur auf. Bewegte sich kaum, hatte die Hände ein wenig ziellos auf Jokos Oberkörper gelegt, während Jokos Finger überall waren, erst trocken und dann feucht, damit sie ohne Probleme an seinen Hoden vorbei durch seine Spalte fahren konnten. Manchmal hatte Klaas den Eindruck, er wäre süchtig nach dem Gefühl, nach der Art und Weise, wie Jokos Finger mittlerweile so vertraut an seinem Damm entlangglitten, über seine intimsten Stellen streiften und genau den richtigen Druck ausübten. Er liebte es, geriet in einen Zustand des völligen Genusses, sobald Jokos Hände auch nur in die Nähe von seinem Hintern kamen, und Joko wusste das. Er hatte sich monatelang herangetastet, mit Vorsicht und Bestimmtheit gleichermaßen, hatte nahtlos an das Mal im Hotel angeknüpft und Klaas mit seinen Fingern in den Wahnsinn getrieben, ohne je überheblich zu werden.

Auch jetzt war alles an ihm und seinen Berührungen wieder sanft. Er forderte Klaas nicht heraus, flüsterte keine dreckigen Sprüche oder beobachtete die Bewegung seiner Finger, als sie in Klaas glitten. Stattdessen sah er Klaas ins Gesicht, konzentriert und vertraut, und Klaas war so betört von Jokos liebevoller Art, dass es sich anfühlte, als würde er sie zum allerersten Mal kennenlernen.

Es war der erste Moment in der Nacht, der Klaas kurzzeitig ungeduldig machte. Denn Joko wusste, was er tat, er hatte sich mit jedem weiteren Mal gemerkt, worauf Klaas am stärksten reagierte, wie viele Finger er wollte, wie tief er sie stoßen musste, damit Klaas der Mund aufklappte und er nur noch grenzdebil ins Nichts starrte. Joko verlor sich gerne in den Momenten dazwischen, bewegte die Finger in ihm und nahm jede Veränderung in Klaas‘ Gesichtszügen wahr, um auf ihn zu reagieren. Und wenn Klaas ehrlich mit sich selbst war, dann gab es kaum etwas anziehenderes als die Tatsache, dass Joko seinen Körper genauso in- und auswendig kannte, wie es bei seinem Geist der Fall war.

Der Einklang, in dem sie sich bewegten, ließ Klaas vergessen, wo er war. Leise stöhnend kam er Jokos Fingern entgegen, die endlich etwas tiefer in ihn stießen, mehr Reibung erzeugten und Joko ein wenig atemlos werden ließen. Joko drehte seine Hand leicht und Klaas‘ Magen zog sich aufgeregt zusammen, weil er wusste, was als nächstes kam. Er sah es kommen und trotzdem konnte nichts ihn auf den grellendhellen Blitz der Lust vorbereiten, der beißend durch seinen Körper fuhr, als Joko die Finger genau richtig krümmte und ein paar Mal schnell zustieß. Klaas‘ Schwanz zuckte, Jokos Name lag auf seinen Lippen, als dieser sein Becken mit der Handinnenfläche stillte und ihnen beiden einen Moment zum Durchatmen gönnte.

Sie mussten nicht darüber sprechen. Es hatte sich angebahnt, aber unterbewusst hatte Klaas gewusst, dass der Moment nie richtig gewesen war. Sie hatten nie genug Zeit gehabt und auch wenn er nichts dagegen gehabt hatte, in den Mittagspausen auf dem Sofa in der Redaktion Dampf abzulassen, war für alles, was übers Fingern hinausging, doch ein wenig mehr Feingefühl und Ruhe gefragt. Jene Art von Feingefühl und Ruhe, die ihre jetzige Situation und Jokos Berührungen hergaben. Als sich ihre Blicke trafen, musste Klaas unwillkürlich lächeln, denn natürlich hatte Joko denselben Gedankengang wie er gehabt und strich zur Bestätigung sanft über Klaas‘ Oberschenkel, bevor er nach seinem Portemonnaie griff, das auf dem Nachttisch lag.

Klaas stellte die Beine ein wenig höher, beobachtete die Bewegungen von Jokos nacktem Körper, der sich ein wenig streckte und im schlechten Licht so wahnsinnig anmutig und anziehend war. Auf den Knien rutschte Joko zwischen Klaas‘ Schenkel, das Kondom schon in der Hand, als er mit einem Mal zögerte und mehrere Sekunden lang schwieg.

„Sollen wir—“, Joko stockte, blickte unschlüssig auf die Verpackung in seiner Hand. „Sollen wir ohne…?“

Klaas nickte automatisch, konnte es sich plötzlich gar nicht mehr anders vorstellen.

Joko räusperte sich, schien immer noch ein wenig verunsichert. „Ich will einfach nicht, dass etwas zwischen uns ist. Selbst wenn es nur ein bescheuertes Gummi ist.“

Das Geständnis schnürte Klaas die Kehle zu. Er griff nach Joko, umschlang seinen nackten Körper mit Armen und Beinen und hielt ihn so nah bei sich, wie es möglich war. An jedem anderen Tag hätte Klaas ihm gesagt, dass es unverantwortlich war; dass romantisieren nichts an den Fakten änderte und dass sie nicht nur sich in Gefahr brachten, wenn sie ungeschützten Sex hatten.

Aber nicht hier, nicht heute.

Im Hier und Jetzt zählte nur der Gedanke, Joko in sich zu spüren, alles von ihm, und die Konsequenzen zu tragen, komme, was wolle.

„Ich will es so“, sagte er also leise zur Bestätigung und Joko nickte, mit flackerndem Blick und zitternden Händen, und das Kondom fiel ungeöffnet neben das Bett, während sein Schwanz oberflächlich über Klaas‘ Ritze glitt. Jokos Hand verschwand kurz, war feucht, als sie zurückkam und über seine Erektion strich. Sein Zeigefinger drückte sich noch einmal in Klaas‘ Enge und diesmal sah sich Joko dabei zu, prüfend, mit gerunzelter Stirn.

„Ist schon okay, Joko“, murmelte Klaas zwischen zwei Atemzügen, weil er das Vor und Zurück von Jokos Finger in ihm so mochte und sich auf seine Worte konzentrieren musste. „Kannst machen.“

Joko verengte die Augen, schien sich nicht vollständig sicher zu sein.

„Hey.“

Sein Blick schnappte nach oben und traf den von Klaas.

„Ich vertrau‘ dir.“

Joko schluckte merklich, schnaufte und biss sich auf die zitternde Lippe. Er war jetzt weniger besorgt und wieder ganz weich, nickte, murmelte etwas, das Klaas nicht verstand und zog den Finger vorsichtig aus ihm. Er setzte sich auf seine Fersen, packte Klaas an der Hüfte, bis dessen Hintern sich an seinen Schritt presste. Im nächsten Moment konnte Klaas die Spitze von Jokos Erektion gegen seinen Eingang spüren, atmete bewusst ein und aus und begann langsam, ihn sich aufzunehmen.

Es zog ein wenig in Klaas‘ Unterleib, als Joko in ihn eindrang, Zentimeter für Zentimeter, aber Joko hatte ihn so lange gefingert, dass Klaas es viel entspannter und einfacher ging als gedacht. Es brauchte Geduld, von der Joko mehr als genug hatte, und ein wenig Vorsicht auf Klaas‘ Seite, sich Joko nicht entgegenzudrängen, da ihn bei dem bloßen Gedanken, dass Joko wirklich in ihm war, eine Welle an Hitze überrollte.

Joko legte sich wieder auf ihn, ein Stück von seinem Schwanz war bereits vollständig von Klaas‘ enger Wärme umschlossen. Sein Mund war leicht geöffnet, er wirkte sowohl anstrengt als auch ekstatisch, als wäre er mit seiner eigenen Erregung überfordert. Klaas wusste, dass sie momentan zwei völlig unterschiedliche Dinge fühlten, und doch waren sie vereint. Er hatte sich Joko schon oft nah gefühlt, emotional und körperlich, aber gerade vermischten sich die beiden Ebenen und wurden eins. Alles, was fehlte, war…

Er blickte in Jokos Gesicht. Es war ihm fast so vertraut wie sein eigenes, er würde die feinen Züge, die dunklen Augen und die schmalen Lippen unter Tausenden wiedererkennen. Er wusste, wie Jokos Mimik sich verzerrte, wenn er wütend war oder wie weiß seine Lippen wurden, wenn er sie enttäuscht aufeinander presste. Klaas‘ Blick senkte sich auf den Mund. Seit der Aktion im Dezember hatte er es vermieden, über den Kuss nachzudenken. Es war nicht echt gewesen, der Kuss vor der Kamera nicht und der Moment danach in Klaas‘ Garderobe auch nicht. Er kannte alles an Joko, aber er wusste trotzdem immer noch nicht, wie es war, ihn zu küssen. Richtig zu küssen, wenn sie es beide wollten, nicht für die Kameras mussten oder Joko ihn überrumpelte.

In Gedanken versunken beobachtete Klaas, wie Jokos Zunge sich aus seinem Mund stahl und die Lippen benetze. Ihm wurde fast flau vor Verlangen.

„Du willst mich küssen“, stellte Joko plötzlich leise fest, unterbrach die Stille zwischen ihnen und kurz wollte Klaas sich erschrocken rechtfertigen. Aber Joko forderte nichts ein, fragte nicht, sprach nur aus, was sie beide wussten.

In jeder anderen Situation hätte Klaas es verneint, vielleicht hätte er Joko sogar von sich gestoßen. Aber hier, auf Jamaika, stockte er kurz und zog Joko dann an sich ran. Er legte seine Lippen auf Jokos, ganz kurz, ganz leicht und spürte mit einem Schaudern, wie Joko tiefer in ihn glitt. Spürte etwas glühend Heißes in der Nähe seines Bauchnabels, als Joko ihn zurückküsste, ganz vorsichtig, fast schon gehemmt. Spürte, wie verbunden sie in diesem Moment miteinander waren, die Lippen aufeinandergepresst, Brust an Brust, Joko, der nun bis zum Anschlag in ihm war und sich nicht mehr bewegte.

Klaas hatte ihm nur einen kurzen Kuss aufdrücken wollen, doch die Hitze an seinem Bauchnabel verbot es ihm. Sie war schmerzhaft intensiv, ließ ihn nach Luft schnappen und ihre Münder gleich wieder zusammenbringen, weil er sofort dachte, er könne ohne Jokos Lippen auf seinen nicht mehr atmen. Jokos lange Finger umfassten sanft sein Gesicht, der Kuss wurde jetzt tiefer und inniger und der Druck in Klaas‘ Brust nahm mit jeder Sekunde zu. Verzweifelt nach Halt suchend, schlang er seine Hände über Jokos Finger, die immer noch an seinen Wangen lagen, hielt sich an seinen Händen fest und keuchte gegen Jokos Lippen, als dieser endlich begann, sein Becken zu bewegen.

Joko war sanft. Er glitt wieder und wieder in ihn, mit kleinen, sanften Stößen und noch sanfteren Lippen. Klaas wollte mehr, öffnete zaghaft den Mund und wurde kalt erwischt von dem Stöhnen, das Jokos Mund entwich, als er ihm entgegenkam. Seine Zunge tastete sich vor, presste sich gegen Jokos, der immer noch mit diesen erstickten Lauten reagierte und Klaas damit fertigmachte. Zumindest, bis Joko sich wie in Zeitlupe ein Stück aus ihm zurückzog und dann wieder sachte in ihn stieß und Klaas‘ Augen sich nach hinten drehten, weil das Gefühl so unbeschreiblich gut war. Diese ungefilterte Reibung von Jokos Schwanz gegen seine Wände, wie die Muskeln in ihm zuckten und kontrahierten und es dadurch noch viel, viel intensiver wurde, sorgte dafür, dass Klaas sich Jokos Mund noch verzweifelter entgegendrängte und ihn nicht zu Atem kommen ließ.

Joko ging darauf ein, küsste ihn mit so viel ungezügeltem, süßem Verlangen, dass es sich unter Klaas‘ Haut brannte und er keinen Vergleich dafür fand. Joko war ein Teil von ihm, jede seiner Bewegungen löste eine neue Schockwelle tief in Klaas‘ Körper aus, jede erneute Berührung seiner Lippen schoss durch seine Blutbahnen. Es war schlichtweg das Gefühl, mit Joko Eins zu werden.

Es war ein wenig so, als würde sich ihre Intensität im Raum entladen und die Luft zwischen ihnen zum Knistern bringen, als ihre Münder endlich voneinander abließen und sie nach Luft rangen. Jokos Augen hielten ihn fest, waren gezeichnet von der Verbundenheit, die sie durch sich pulsieren spürten und mit einem Mal wurde Klaas ganz anders. Plötzlich übermannten ihn die Emotionen, ließen seine Augen brennen und seine Sicht ein wenig verschwimmen und Jokos Daumenkuppe, die mit Bedacht über seine Schläfe strich, hinterließ eine brennende Spur auf seiner Haut.

Klaas wurde unaufhaltsam auf den Abgrund zugetrieben und mit einem Mal war der Unterschied zwischen der Akzeptanz, sich fallen lassen zu können und dem tatsächlichen Gefühl, gleich zu fallen, beängstigend groß. Vor allem, weil Joko ihn weiterhin so ansah, ihm die Zärtlichkeit aus jeder Pore seines Körpers floss und ungebremst auf Klaas zuschoss und er dabei wie immer so sehr in sich zu ruhen schien, als wäre nichts an der Situation auch nur ansatzweise beängstigend für ihn. Klaas konnte viel, aber dieses Aufgehen in viel zu intimen Gefühlen, das konnte er nicht. Da musste er irgendwo auf die Bremse treten und sich neu sortieren, damit ihm nicht alles durch die Finger rann.

Als Joko ihm wieder näherkommen wollte, um ihn erneut zu küssen, bewegte Klaas seinen Kopf vorsichtig zur Seite und drückte ihn ins Kissen zurück und Joko verstand sofort, akzeptierte es und küsste seine Stirn, bevor er ihm mit dem Daumen über die Unterlippe strich.

„Soll ich…“, Joko stockte, schluckte und stieß noch einmal ganz sanft in ihn. Klaas hatte die Befürchtung, bei seiner nächsten Bewegung zu zerschellen und fortgeschwemmt zu werden. Der Druck auf seiner Brust war jetzt unerträglich. Es war viel, viel zu langsam. Es war zu liebevoll.

Joko konnte es ihm ansehen, konnte die Panik in seinen Augen aufflackern sehen. Er beugte den Kopf, legte ihn neben Klaas‘ auf das Kissen und schob ihm sein Becken jetzt ein wenig energischer entgegen. Klaas‘ Muskeln zogen sich augenblicklich um ihn zusammen und beide atmeten scharf aus, als Joko sich aus der Enge zurückzog, nur um wieder zuzustoßen. Ja, das war besser. Das war ein Gefühl, das Klaas ganz klar der Erregung zuschreiben konnte. Vielleicht konnte er es okay finden, dass Joko ihn körperlich anmachte, dass er es geil fand, von ihm gefickt zu werden. Das waren Reaktionen, die er mit sich vereinbaren konnte, irgendwie. Das Kribbeln, das ihm bis in die Zehen stob, wann immer Joko sich in ihm vergrub, das war ein ganz anderes als dieses flatternde Monstrum, das sich so hartnäckig in seiner Brust festgesetzt hatte und ihn kaum atmen ließ.

„Soll ich dich ficken?“, raunte Joko ihm jetzt ins Ohr und Klaas nickte sofort, ein wenig zu hektisch; kam sich ein bisschen vor, als würde er darum betteln, so, wie er seine Beine um Jokos Hüfte schlang und sich näher an ihn presste, ihn wieder tiefer in sich aufnahm und das Gefühl genoss. Vielleicht musste Joko ihm einfach das Hirn rausvögeln, damit der Druck auf seiner Brust Platz für pures Verlangen machte. Denn Verlangen nach Joko konnte ihm nicht mehr wehtun, die Sehnsucht nach ihm dafür umso mehr.

Er gab sein bestes, sich zu konzentrieren, spürte die Reibung so viel intensiver im Vergleich mit Jokos Fingern, weil Joko ihn noch viel mehr ausfüllte, viel lauter keuchte, viel hemmungsloser war. Mit jedem Zustoßen entschlüpfte ein neuer Laut aus Jokos Mund und drang direkt an Klaas‘ Ohr und befeuerte Klaas‘ Lust, weil Joko im Gegensatz zu ihm selten so verbal und laut wurde. Klaas schlang die Beine so fest er konnte um Jokos Rücken, drückte die Fersen in Jokos Hintern, um den nächsten, tiefen Stoß selbst zu kontrollieren und vernahm Jokos dunkles, verzweifeltes Stöhnen, als dieser fast auf ihm zusammenbrach und sich im letzten Moment mit den Unterarmen abstütze.

Der daraus folgende Augenkontakt sollte sich als Fehler erweisen, denn auch, wenn Joko ihn weiter mit langen Stößen fickte, war sein Blick umso sanfter. Ein feines Lächeln umspielte seine Lippen, während er Klaas beobachtete, dem die Verzweiflung und Lust unaufhaltsam durch den Körper stob, jetzt, da der leicht veränderte Winkel dazu führte, dass Joko in unregelmäßigen Abständen seine Prostata streifte.

„Willst du kommen?“, fragte er leise, glitt fast gänzlich aus ihm heraus und drängte sich dann in einem kurzen und schnellen Rhythmus wieder in ihn, sodass sein Schwanz immer wieder gegen den Punkt stieß, der Klaas in ein wimmerndes Wrack verwandelte. Klaas hörte seine Stimme, aber konnte die Worte nicht einordnen, spürte Jokos Schwanz in sich pulsieren und seinen eigenen zucken, als Joko endlich die Hand um ihn schloss. Klaas‘ eigenes Stöhnen klang hoch, fast heiser, er wurde übermannt von all den Empfindungen, die gleichzeitig auf ihn einprasselten. Da war Jokos Geruch, der Schweiß auf seiner Haut, die sich immer noch ganz nah an Klaas‘ Körper schmiegte. Da war der Geschmack von Salz, als Klaas mit der Zunge über Jokos Schlüsselbein fuhr und wieder zuckte, weil Joko so perfekt in ihn stieß. Da war dieses Gefühl, Joko in sich zu haben, von ihm vervollständigt zu werden und Klaas konnte nicht fassen, dass er es sein ganzes Leben lang ausgehalten hatte, ohne so zu empfinden. Da war Jokos Gesicht über ihm, verschwitzt und vor Lust verzerrt und trotzdem so vertraut, dass Klaas ihn am liebsten gepackt und jeden Zentimeter seines Kopfes geküsst hätte.

„Klaas“, raunte Joko, rieb ihn jetzt ein weniger eindringlicher. „Willst du… fuck.“ Er verlor die Konzentration, als Klaas seine Fersen wieder in Jokos Hintern vergrub, sodass sich sein Becken vorschob und er bis zum Anschlag in Klaas verschwand.

„Will dich so“, nuschelte Klaas. Er hatte mittlerweile das Gefühl, die Luft um sie herum würde sirren, wurde ertränkt von seiner eigenen Lust, die sich längst mit Jokos vermischt hatte. „Will dich ganz.“

Joko fluchte wieder, klang völlig verzweifelt, trieb sie beide mit jedem Stoß näher dem Abgrund entgegen, bis sie direkt davorstanden und nicht mehr viel fehlte. Er zog Klaas mit sich, der ihm ohne nachzudenken folgte, Jokos Bewegungen entgegenkam, seinem Blick aber noch auswich, um das Unausweichliche ein paar Sekunden länger hinauszuzögern. Einfach, weil das Gefühl, Joko so nahe zu sein, zu kostbar war, um es nicht zu genießen. Diese komplette Reizüberflutung von Joko tief in ihm, Joko an seinem Schwanz, Jokos Finger an seinem Hals und Nacken

Mit letzter Kraft hielt Klaas sich mit den Fingerspitzen am Abgrund fest, keuchte, als Joko mit dem Daumen über seine Eichel fuhr und fand endlich seinen Blick, bevor er Jokos Namen wisperte.

Er sah das tiefe Braun, das Funkeln und dann das Schimmern in ihnen und mehr brauchte er nicht. Joko musste nichts sagen, es war auch so klar. Es war in der flirrenden Luft zwischen ihnen, es war in ihren Augen. Es ging durch jede Zelle seines Körpers.

Joko vergrub sich tief in ihm, flüsterte seinen Namen.

Seine Stimme bebte.

Alles in Klaas bebte auch.

Er gab auf.

Umfasste Jokos Wange mit seiner Hand.

Sah ihn an.

Die Finger lösten sich von der Kante.

Ihre Lippen trafen sich, kurz und brennend.

Klaas kam, und er fiel.

Er fiel und fiel und fiel.

Und hier, auf Jamaika, war es egal, weil Joko ihn festhielt, mit ihm fiel, mit ihm kam. In ihm kam und in ihm blieb, weil Klaas zitterte, seinen Kopf an Jokos Brust presste und alles so scheiße perfekt war. Joko schlang die Arme um ihn, beschützte sie vor der Außenwelt und war ganz ruhig, obwohl sein Herz so beruhigend lebendig gegen Klaas Ohr schlug.

Sie blieben eng umschlungen liegen, erschöpft und verschwitzt, bis Joko von selbst aus ihm rutschte und Klaas ein Wimmern unterdrückten musste, weil das Gefühl so unbekannt war. Er fühlte sich verletzlich, beinahe so, als hätte er etwas verloren. Die Leere war für ihn schwer zu beschreiben, er konnte es nicht in Worte fassen und er traute seiner Stimme nicht, standhaft zu bleiben, also kniff er die Augen zusammen und versuchte, nicht panisch nach Joko zu greifen, als dieser sich vorsichtig erhob. Sein Vorhaben misslang, seine Hand klammerte sich um Jokos Handgelenk, der ihm beruhigend mit der anderen Hand das nasse Haar aus der Stirn strich.

Klaas sah zu ihm hoch, ließ die Hand los und fühlte sich im nächsten Moment unbeschreiblich dumm, weil Joko sich nur aus dem Bett gerollt hatte, um Tücher zu holen und sie vorsichtig zu säubern. Aber Joko lachte nicht oder sah ihn fragend an, sondern griff nach Klaas‘ Hand und murmelte, „Komm, wir schlafen im anderen Bett.“

Klaas ließ sich einfach mitziehen, atmete beruhigt aus, als Joko ihm nur seine Boxershorts reichte und sie sich oberkörperfrei aneinanderschmiegten, Joko hinter ihm, die Arme um ihn gelegt. Er lauschte Jokos schwerem Atem, als dieser schnell in den Schlaf fand, fuhr rhythmisch mit dem Zeigefinger über Jokos Unterarm und ließ sich von der Körperwärme einlullen. Jokos Nase war in seinen Haaren vergraben und Klaas bettete seinen Kopf vorsichtig gegen Jokos Brust, dachte nicht an Morgen und ließ zu, dass der Schlaf ihn in Gewahrsam nahm.

Das Erste, was er wenige Stunden später hörte, war das Quietschen der Tür und ein leises „Oh, fuck“.

Joko, der immer noch dicht an ihm lag und ihn umklammert hielt, rührte sich nicht. Klaas versuchte, den Kopf von Jokos Brust zu heben, aber er schaffte nicht mehr als seine Augen ein klein wenig zu öffnen. Der Alkohol forderte endlich seinen Tribut. Seine Sicht war unstetig und verschwommen und so dauerte es einige Sekunden, bis er verstand, dass Thomas Schmitt einige Meter von Jokos Bett entfernt stand und sie anstarrte.

Die Realität holte Klaas mit einem Schlag ein, einem sehr, sehr schmerzhaften Schlag, der direkt in sein Hirn schoss und ihn leicht stöhnen ließ, es ihm aber ermöglichte, seinen Kopf endlich zu bewegen.

Er sah Thomas an. Thomas, den er schon länger kannte als Joko, der mit ihm durch jede Scheiße gegangen war, sogar bis ins U-Boot. Thomas erwiderte seinen Blick, schien irgendwo zwischen überfordert und wenig überrascht hin und her zu pendeln und fuhr sich mit der Hand mehrmals über den Bart. „Klaas“, sagte er dann, die Stimme rau vom ganzen Bier und den Zigaretten. Es war ein Wunder, dass er nach der Nacht kurz nach der Dämmerung schon wieder aufrecht stehen konnte. „Rauli und Olaf kommen hier gleich mit den Kameras rein, um euch zu wecken und ich wollte euch vorwarnen, weil ich dachte…“

Klaas wollte nicht wissen, was Thomas sich dachte. Was auch immer er erwartet hatte, so eindeutig konnte seine Vorstellung nicht gewesen sein, wenn man sich seine Reaktion ansah. Er hob die Hand und Schmitti hörte auf zu stottern. Klaas setzte sich langsam auf und schälte sich aus Jokos Umarmung, merkte mit einem eindeutigen Ziehen im Magen, dass sogar ihre Beine miteinander verflochten gewesen waren. Jokos Nase kräuselte sich im Schlaf, er bewegte sich leicht und für einen Moment war Klaas gelähmt vor Panik. Aber dann schlief Joko einfach weiter.

Mit wackeligen Beinen erhob sich Klaas vom Bett, ignorierte, dass er nichts weiter trug außer seine Boxershorts, und ging auf seinen Freund zu. Denn das war er, erinnerte sich Klaas selbst. Thomas Schmitt war sein Freund und treuer Wegbegleiter und er hatte nichts Schlechtes für ihn oder Joko im Sinn.

„Klaas…“, setzte Thomas an, aber Klaas schüttelte nur den Kopf.

Er legte seinen Zeigefinger auf Schmittis Brust und übte ganz leichten Druck aus. „Das hier, das ist nie passiert. Ich will da nie, nie wieder was von hören. Ein einziges Wort und das war’s Schmitt, ist das klar?“

Thomas erwiderte seinen Blick jetzt mit mehr Ruhe und Klarheit. „Du kennst mich“, sagte er nur, ganz nüchtern, und Klaas ruckte bestätigend mit dem Kopf. Thomas redete nicht. Er wusste, was ihn etwas anging und was nicht.

„Du—du weißt aber schon, dass es okay ist, oder?“

Etwas Eisiges rann Klaas ohne Vorwarnung den Rücken runter. „Es ist nichts“, fuhr er Thomas scharf an. „Überhaupt nichts.“

Der hob die Hände und bewegte sich Richtung Tür. „Okay, es ist nichts. Aber es wäre okay, wenn es was wäre und tief in dir drin weißt du das auch, Klaasi.“

„Danke für die Warnung“, überging Klaas ihn prompt. „Und jetzt raus hier, sofort.“

Thomas gehorchte, schloss die Tür fest hinter sich, aber es war zu spät. Das echte Leben, der bevorstehende Dreh und die Konsequenzen aus der letzten Nacht brachen bereits über Klaas ein, der sich nur mit Mühe ins Bad kämpfte und noch unter der Dusche stand, als Olaf und Rauli wie erwartet mit lautem Getöse in ihr Zimmer kamen, um einen verschlafenen Joko aus dem Bett zu zerren.

Klaas verhielt sich wie immer, zumindest versuchte er das. Das nahtlose Weitertrinken half, die erdrückenden Gedanken ein wenig besser zu verdrängen und das Zusammensein mit Joko zu genießen, der so glücklich und mit sich und ihnen im Reinen zu sein schien, dass Klaas es wehtat, ihn nur anzusehen. Er wusste, dass es nicht so bleiben konnte. Er wusste, dass er allein aus reinem Selbstschutz etwas ändern musste, sobald sie wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten.

Er wollte sich während des Drehs zu nichts hinreißen lassen, nicht schon wieder, aber die Spannung zwischen ihnen knisterte, wurde von den Kameras eingefangen und für die Ewigkeit festgehalten, als Joko ihn am Strand am Hals packte und ihm so nah kam, dass Klaas seinen Atem auf seinem Gesicht spürte. Er packte Jokos Arm, hielt sich an ihm fest und drückte warnend zu, aber er wich nicht zurück. Er knickte nicht ein oder gab nach und wusste ab dem Moment, dass es verdammt schwer werden würde, Joko wieder von sich wegzustoßen. Körperlich. Emotional.

Der Drehtag war lang, endete in einer Niederlage. Er schob seine Laune darauf und auf den Kater und Joko war zu unbekümmert, um es groß zu hinterfragen. Wie selbstverständlich setzte er sich neben Klaas in den Flieger und schlief kurz nach Abflug eng an ihn gekuschelt mit dem Kopf auf seiner Schulter ein.

Klaas schlief nicht.

Er verließ Jamaika und damit die Dinge, die das Land in ihm wachgerüttelt hatte.

Er ging zurück in die Realität, raus aus der Traumwelt, in der nur Joko zählte.

Er fühlte sich, als wäre etwas in seinem Inneren aufgeschürft und rau. Aber er fühlte sich lieber innerlich wund als äußerlich entblößt, denn das eine konnte er mit sich selbst ausmachen, während das andere von äußeren Umständen beeinflusst und anderen Personen beobachtet wurde, die er nicht kontrollieren konnte.

Und ohne Kontrolle würde er untergehen.

Er würde Joko irgendwie in Schach halten müssen. Mit möglichst viel Abstand und möglichst wenig Gefühl.

Klaas verließ Jamaika und damit den Gedanken, dass alles zwischen ihnen gut werden würde.

Denn dafür hatten sie sich zu lange geküsst.



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