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Between the Shelves

von TenCount
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Armin Arlert Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
13.06.2021
09.10.2021
30
72.049
36
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Dieses Kapitel
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19.09.2021 2.349
 
Eren betätigte nun zum fünften Mal die Snooze-Taste seines Handyweckers, als schließlich Mikasa einfach die Tür aufriss, ihm ein „Aufstehen“ entgegenbrüllte und wieder verschwand. Er fühlte sich regelrecht erschlagen, was nach nicht einmal zwei Stunden Schlaf aber auch nicht verwunderlich war. Allerdings bekam er letzte Nacht einfach kein Auge zu. Er wälzte sich hin und her, versuchte es mit lesen, Musik – aber letzten Endes blieben seine Gedanken immer wieder bei Levi hängen.

Levi, der sich seit seiner kurzen Nachricht, in der stand, dass er angekommen war, nicht mehr gemeldet hatte. Keine weitere Nachricht, kein Anruf – nichts.

Es war natürlich auch der Fakt, dass er ihn vermisste und dass es ihn irgendwie fuchste, dass er sich nicht meldete, aber hauptsächlich sorgte er sich. Er hatte, seit Levi angekündigt hatte, zu seinem Onkel zu fahren, ein mehr als schlechtes Gefühl und seit Levi sich nicht mehr meldete, wurde es nur noch schlimmer.

Eren schob es darauf, dass er viel zu tun haben könnte, er viel regeln müsste und dass es ihm vielleicht auch nicht besonders gut ging und er Eren nicht belasten wollte, was ihn irgendwie ein wenig verletzte. Aber dennoch blieb ein kleiner Teil, der ihm immer wieder zuflüsterte, dass mehr dahintersteckte. Und dieser wollte keine Ruhe geben, ließ ihn beinahe wahnsinnig werden.

„Eren…“, kam es mahnend von Mikasa und er wurde so auch aus seinen Gedanken gerissen.

„Ja, ich komm‘ ja schon“, murrte er und hievte sich aus seinem Bett.

„Eigentlich wäre eine Dusche zeitlich nicht mehr drin, aber ich glaube, sie würde dir ganz guttun. Beeil‘ dich“, meinte Mikasa immer noch tadelnd, allerdings nun auch eine Spur besorgt.

„Alles klar, bis gleich.“

Sie hatte recht. Das lauwarme Wasser brachte seinen erschöpften Geist wieder etwas auf Trab, auch wenn es gegen die leichten Augenschatten nichts ausrichten konnte.
Da er sich eine ausgiebige Dusche wirklich nicht leisten konnte, drehte er das Wasser ab, trocknete sich fix ab und schlüpfte in seine Klamotten. Der ausgewaschene, aber immer noch so kuschelige Hoodie war für heute genau das Richtige.

Immer noch etwas unmotiviert schleppte er sich mit seiner Tasche in die Küche, wo ihn erneut Mikasa erwartete, die ihm seinen ToGo-Becher in die Hand drückte.

„Ich weiß doch, was du brauchst“, neckte sie ihn und zwickte ihm in die Wange.

„Danke.“
Eren versuchte sich an einem Lächeln, doch das besorgte Gesicht seiner Schwester zeigte, dass es nicht so wirklich geklappt hatte.

„Was ist denn los?“, fragte sie schließlich auf dem Weg zur Polizei-Akademie.

„Levi ist zu seinem Onkel gefahren, um sich dort um ihn zu kümmern. Es scheint ihm wohl nicht so gut zu gehen. Jedenfalls hat er sich seit gestern Nachmittag nicht mehr gemeldet. Das macht mir irgendwie Sorgen…“, antwortete Eren, die Finger dabei fest um den Kaffeebecher geschlossen, den Levi ihm geschenkt hatte.

„Er hat bestimmt einfach nur viel zu tun. Meinst du nicht?“, beschwichtigte Mikasa ihn.

„Ja, ich versuche mir das auch einzureden. Vermutlich ist es auch so, aber… Keine Ahnung, es ist einfach nur so ein Gefühl, verstehst du?“
Etwas frustriert kickte Eren den nächstbesten Stein mit dem Fuß vor sich her.

„Hmm… Warte einfach noch den heutigen Tag ab, okay? Du kannst auch mal Hanji fragen? Vielleicht weiß sie was?“, schlug Mikasa vor.

„Gar keine blöde Idee. Danke“, erwiderte Eren und seine Gesichtszüge entspannten sich wieder ein wenig.

***

Gerade noch pünktlich schafften sie es in den Seminarraum und Eren erwartete bereits den strengen Blick Erwins, doch dessen Platz war leer und es herrschte geradezu lärmendes Chaos.

„Hey Connie, wo ist denn Herr Smith?“, fragte Eren, ehe er sich auf seinen Platz setzte.

„Hat sich für die Woche schon wieder krankgemeldet. Der Typ mit dem Schnauzer wird wieder die Vertretung, sollte auch gleich kommen“, antwortete Connie gelangweilt.

„Du siehst echt scheiße aus, Jäger“, bemerkte Jean, „geht’s dir nicht gut?“

„Nein, nicht wirklich. Mikasa, entschuldige mich bitte für heute. Ich muss los!“

„EREN!“, rief sie ihm hinterher.
„Eren, warte doch mal!“

Doch er hatte bereits den Raum wieder verlassen und lief schnellen Schrittes die Flure der Akademie entlang. Fuck. So ganz konnte er sich seine Handlung noch nicht erklären und auch was er jetzt tun sollte, wusste er noch nicht. Aber dass jetzt auch noch Erwin fehlte, beruhigte ihn keineswegs – ganz im Gegenteil. Und genau aus diesem Grund steuerte er nun auch den Comicbuchladen an.

Auf dem Weg dorthin versuchte er es noch ein paar Mal bei Levi, aber er erreichte immer nur die Mailbox.

„Herzlichen Willkommen im ‚Attack on Nerds‘! Ach Hi Eren, du bist’s“, begrüßte ihn Hanji und winkte ihm begeistert zu.

„Hey Hanji“, erwiderte er die freudige Begrüßung und trat an den Tresen, hinter dem sie stand.

„Müsstest du nicht in der Schule sein?“, wollte sie wissen.

„Es ist theoretisch gesehen eine Akademie und keine Schule, aber ja. Allerdings mache ich mir ein wenig Sorgen und ich hoffe, dass du sie mir nehmen kannst…“

Nun wurde ihr Blick um einiges ernster und sie hob fragend eine Augenbraue.
„Was gibt es denn?“

„Du weißt, dass Levi zu seinem Onkel gefahren ist?“, erfragte Eren erst einmal das Grundlegendste.

„Ja, er hat dafür ein paar Tage frei gebraucht“, antwortete sie nickend.

„Nun… Gestern Nachmittag hat er mir das letzte Mal geschrieben. Ich weiß, ich weiß… Das muss nichts heißen und so, aber ich hab einfach ein extrem schlechtes Gefühl bei der Sache. Und dann war Erwin heute auch nicht da. Er hat sich für die komplette Woche abgemeldet“, äußerte Eren seine Bedenken.

„Hast du ihn denn versucht anzurufen?“

Augenverdrehend zückte er sein Handy und zeigte ihr seine Anrufliste, hinter dessen Levis Namen bereits eine rote Zwanzig stand.
„Ein paar Mal vielleicht?“

„Und Erwin ist auch nicht da?“, hakte sie nach.

„Nein.“

Seufzend rückte sie ihre etwas heruntergerutschte Brille zurecht, ehe sie ihren Tresen umrundete, den Laden zusperrte und das Schild zu ‚Geschlossen‘ umdrehte.

„Komm‘ mit“, forderte sie und lotste beide in den Pausenraum.

Sie deutete auf die kleine Eckbank und beide nahmen Platz.

„Ich will keine falschen Theorien aufstellen, aber ich habe das Gefühl, du hegst denselben Gedanken, daher… Erwin könnte irgendwas mit der Sache zu tun haben, oder?“, fragte sie geradeheraus.

„Ja… Irgendwie schon. Er hat sich irgendwie so aufgedrängt in letzter Zeit und war einfach nur… seltsam?“

„Erwin war schon immer sehr obsessiv gegenüber Levi, auch während ihrer Beziehung. Extrem eifersüchtig, wollte ständig an Levis Seite sein, ihn nirgends allein hingehen lassen. Letztendlich haben sie sich wohl einvernehmlich getrennt, aber es war deutlich zu erkennen, dass Levi das mehr wollte. Erwin hat nie aufgehört, Levi zu lieben oder nun ja seine Art zu lieben eben. Es ging auch jahrelang gut so, wie es war. Levi hatte seine Flirts und Bettgeschichten und war die ‚Gefahr‘ da, es würde sich etwas Ernsteres entwickeln, hatte Erwin das schnell unter Kontrolle, indem er die Typen einfach schlecht geredet hat“, sprach Hanji, während sie beinah beschämt auf die Tischplatte blickte.

„Aber dann kamst du um die Ecke und Levi hat sich verändert – zum Positiven. Er hat sich auf dich eingelassen, auf eine potenzielle Beziehung, auch wenn es anfangs etwas holprig war. Selbstverständlich hatte auch diesmal Erwin seine kleinen Spielchen betrieben, aber dieses Mal konnte und wollte ich nicht mehr still sein. Es hat ja alles geklappt, wie ich sehe.“
Ihre Lippen zierte ein kleines Lächeln und sie traute sich auch wieder, Eren anzusehen.

„Meinst du, Erwin……?“, setzte Eren an, ließ jedoch den Satz offen. Er hoffte, Hanji würde verstehen, worauf er hinauswollte.

„Ich weiß es nicht. Ich würde gerne – als seine Freundin – Nein sagen, aber…“

„Dann fahr‘ ich Levi eben nach und werde es herausfinden“, meinte Eren entschlossen.

„Bist du bescheuert?! Gehen wir mal davon aus, dass Erwin wirklich dahintersteckt und irgendwas mit Levi getan hat – was dann? Du bringst dich doch nur selbst in Gefahr!“, wütete Hanji.

„Das ist mir egal. Ich werde fahren, ob du dem zustimmst oder nicht. Kannst du mir verraten, wo sein Onkel genau wohnt?“

Hanji atmete tief ein- und wieder aus, bevor sie sich gestresst durch die Haare fuhr.
„Tatsächlich ja. Als er hier angefangen hatte, war er noch bei seinem Onkel gemeldet. Warte kurz…“

Nach einer schier endlosen Zeit kam sie mit einem Schriftstück wieder zurück und Eren fotografierte sich die Adresse kurz ab.
„Danke Hanji!“

„Pass‘ bitte auf dich auf! Und melde dich!“, trichterte sie ihm noch ein, als sie die Ladentür wieder aufsperrte und Eren fast rausrannte.

Auf dem Weg zum Bahnhof checkte er auf seinem Handy noch die Bahnverbindung und wenigstens die meinte es heute gut mit ihm. In fünfzehn Minuten kam der nächste Zug, der in Levis Heimat fuhr.

Als Eren in diesem saß, rasten seine Gedanken. Bestand wirklich die Chance, dass Erwin hinter alldem steckte? War das wirklich möglich? Wenn ja…
Eren zwang sich, an etwas anderes zu denken. Levi ging es gut. Ganz bestimmt. Hundertprozentig. Hoffentlich…

***

Immer wieder fielen Levis Augenlider zu, als er sich aus seinem komatösen Zustand kämpfte. Sein Kopf dröhnte und immer noch hatte er das Gefühl, er würde im nächsten Moment erneut der Schwärze verfallen, die ihn vor Kurzem in diesen Zustand versetzt hatte. Wobei sein Zeitgefühl ebenfalls nicht wirklich existent war. Ebenso wenig wie das Verständnis, wo er sich befand.

Seine Augen entschieden sich immer noch lieber zu blinzeln, anstatt sich komplett zu öffnen und so orientierte er sich an dem Geruch, der ihn umgab. Es roch nach Gummi, Schweiß und ganz schwach nach Rasen. Sein benebeltes Gehirn kramte irgendwo die Erinnerung nach dem Geräteschuppen des Sportplatzes hervor, was ihn noch mehr verwirrte.

Als er sich mit den Händen über sein Gesicht fahren wollte, spürte er, wie sich Metall in sein Fleisch schnitt und seine Bewegungsfreiheit enorm einschränkte. Panik machte sich in ihm breit und Adrenalin pumpte durch seine Venen. Entsetzt riss er die Augen auf und blickte in das amüsierte Gesicht Erwins.

„Guten Morgen, Dornröschen“, hauchte die dunkle, zuckersüße Stimme.

Levi wollte etwas erwidern, doch der Stoffknebel in seinem Mund machte dies zu einem unmöglichen Unterfangen. Es kam nur ein undeutliches Brummen heraus und er trat um sich.

„Na, wenn mein Liebling so störrisch ist, muss ich ihn ein wenig zähmen, hm?“, tadelte Erwin ihn, holte ein Seil aus seiner Jackentasche und band Levi die Beine an den Knöcheln zusammen.

Levi konnte dem ganzen nur aus Schock geweiteten Augen zusehen. Er hätte es niemals für möglich gehalten, dass Erwin zu sowas fähig wäre. Erwin war ein gottverdammter Polizist! Aber vermutlich lag genau hier auch die Krux. Er war in der Lage, alles zu verfolgen und zu planen. Nur er konnte immer und überall verfolgen, wo er war, wo Isabel wohnte… ISABEL!

Erneut wand sich Levi wie ein Irrer und versuchte sich irgendwie zu artikulieren. Seine Augenbrauen hatten sich zu einer tiefen Furche zusammengezogen und seine Augen funkelten nur so vor Wut.

„Willst du mir etwas sagen?“, fragte Erwin, weiterhin in seiner ruhigen Tonlage, während Levi fest auf den Knebel biss, um so ein schnaubendes Geräusch aus seiner Nase zu bekommen.

Fast schon liebevoll strich Erwin durch die schwarzen Strähnen, ehe er den Knoten hinter Levis Kopf löste und dieser das Stück ausspuckte.

Kurz bevor er zum Sprechen ansetzen konnte, hielt ihm Erwin seinen Zeigefinger auf die Lippen.
„Ich würde an deiner Stelle nicht schreien. Du bist hier festgebunden, hast schneller wieder etwas im Mund, als dir lieb ist und deine liebe Isabel samt Familie ist nur ein paar Meter entfernt. Was meinst du, wie hab ich sie dazu bekommen, dich anzurufen? Ihre süße Tochter hat genau so schöne rote Haare wie sie…“

„Du bist doch einfach nur krank, Erwin“, zischte Levi.

Erwin lachte, zog ein Klappmesser aus der Innentasche seiner Jacke und sein Handgelenk schnellte nach vorne. Es klappte auf und die scharfe Klinge zeigte sich in voller Pracht.

„Wenn du meine unendliche Liebe zu dir so nennen willst, von mir aus“, entgegnete er nur, während er mit dem Messer Levis Kieferkante entlangfuhr.

Dann klingelte ein Handy und Erwin zog es mit einem Mix aus genervtem und wütendem Laut aus seiner Hosentasche.
„Der kleine Scheißer ruft schon wieder an… Ich würde dich ja mit deinem Liebsten reden lassen, aber nicht, dass du dich verplapperst. Ich will unsere gemeinsame Zeit nicht vergeuden.“

„Eren…“, hauchte Levi und seine Unterlippe zitterte. Ob er sich wohl Sorgen machte?

„Wie lange bin ich schon hier?“, wollte er wissen, versuchte seine Emotionen zu unterdrücken und setzte seinen gleichgültigen Gesichtsausdruck auf.

„Hmm, das Chloroform hat wirklich erstaunlich gut funktioniert. Du hast die ganze Nacht geschlafen, mein Lieber. Heute ist Montag“, säuselte Erwin.

Das Handy klingelte erneut und Erwin warf es mit voller Wucht gegen die Wand. Es landete an der Eisenschiene, an der auch Levi festgekettet war und zerbrach in sämtliche Einzelteile. Levi zuckte erschrocken zusammen, als Erwin manisch zu lachen begann und dabei mit seinem Messer spielte.

„Weißt du, Levi… Ich habe es nie verstanden. Wieso hast du mich verlassen?“, fragte Erwin, als seine Finger in Levis Haare wanderten.

„Ich habe dich nicht verlassen, wir haben uns getrennt“, antwortete Levi und bereute diese Aussage sofort. Der Griff verstärkte sich und Erwin packte ihn grob bei den Haaren. Die andere Hand hielt locker das Messer und fuhr beinah zärtlich seine Wangenknochen entlang.

Levis Atmung verschnellerte sich aufgrund der Panik und des Schmerzes und im Augenwinkel sah er, wie sich ein ganz dünner Schnitt in seine Haut bohrte und das Blut lief in feinem Rinnsal seine Wange herunter.

„Hab keine Angst. Ich liebe dich doch. Ich habe dich immer geliebt“, flüsterte Erwin. Trauer lag in seiner Stimme, die jedoch Platz machte für den Zorn, der in seinen nächsten Sätzen lag.

„Also warum war ich nicht genug? Ich dachte immer, du willst einfach nur vögeln, frei sein. Aber dann tauchte dieser kleine Bastard auf und bekam alles, was ich immer von dir wollte. Diese Blicke, die du ihm von Anfang an zugeworfen hast… Verdammte Scheiße!“

Er schlug mit der Faust knapp neben Levis Kopf in das Holz des Schuppens, ehe er wieder einen sanfteren Ton anschlug.

„Aber jetzt gehörst du wieder mir, Levi. Mir ganz allein…“


~

Weil ich’s im letzten Kapitel vergessen hab: vielen lieben Dank, dass ich auch mit dieser Geschichte in deinem Bücherregal gelandet bin, liebste -Jaelle- <3 hab mich mega gefreut :)
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