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Between the Shelves

von TenCount
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Armin Arlert Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
13.06.2021
09.10.2021
30
72.049
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09.09.2021 2.873
 
„Eigentlich nicht. Aber wenn du es so sehen willst

„Ich glaube, ich will es…“

Der Rotwein haftete immer noch ganz leicht an Erens Lippen und tauchte sie in ein helles Burgunder, ließ sie für Levi nur noch einladender wirken. Sein Blick wanderte zwischen diesen und den leuchtend grünen Augen hin und her, in denen deutlich geschrieben stand, was Eren wollte. Nur er nahm es sich nicht, wartete ab. Wartete weiterhin auf ein klares Zeichen oder bis er den ersten Schritt machte und Levis Zuneigung gegenüber Eren könnte in diesem Moment nicht größer sein.

Und er wollte es auch. Wollte wieder Körperkontakt mit dem Menschen, der ihn zwar schon sehr verletzt hatte, aber den er dennoch liebte – daran bestand kein Zweifel mehr.
So zog er schließlich Eren an dessen Nacken zu sich hinunter und vereinte ihre Lippen zu einem Kuss, der eigentlich in extremen Kontrast stand, zu dem, was sie derzeit fühlten.

Der Kuss war zärtlich, austestend, beinahe keusch. Er hatte etwas Fragiles an sich, genau wie ihre derzeitige Beziehung zueinander und doch war so viel Gefühl dahinter, dass keiner der beiden ihn lösen wollte.

Nichtsdestotrotz war er nicht genug. Es bedurfte beider Seiten nach Mehr.
Und so fanden sich behutsam die warmen Hände Erens unter Levis Shirt wieder, strichen sanft über dessen Hüftknochen, hinauf zu den Rippen, auf die er bereits einen Blick erhaschen durfte.

Levi genoss die Streicheleinheiten, die ihm eine angenehme Gänsehaut bescherten und vertiefte den Kuss. Durch einen leichten Biss in Erens Unterlippe verschaffte er sich Einlass in dessen Mundhöhle und entfachte so ein heißes Zungenspiel. Der fruchtig-alkoholische Geschmack des Weins vermischte sich mit Erens eigenem und vernebelte Levis Sinne.
Er presste sich mit allem, was er hatte, an Eren, zog ihn, wenn es überhaupt noch möglich war, noch näher an sich und Eren konnte sich ein leises Keuchen nicht mehr verkneifen.

Er packte Levi an der Hüfte und setzte ihn auf der Arbeitsplatte ab. Sein Atem ging schneller und er besah sich Levi, dessen Cardigan auf einer Seite über die Schulter gerutscht war. Erneut fragte er sich, wie er so dumm sein konnte, dass er eine solch wundervolle und vor allem unglaublich schöne Person fast aus seinem Leben gehen hätte lassen. Alleine diese grau-blauen Augen, die ihn erwartend, fast hungrig ansahen, waren Grund genug, ihn für immer bei sich haben zu wollen.

Seine Hand strich wie von selbst eine der schwarzen Strähnen aus Levis Gesicht, während die andere wieder den Weg unter das Shirt fand. Levi streckte sich ihm für einen erneuten Kuss bereits entgegen und Eren kam der stillen Aufforderung nur zu gerne nach.

Ihre Lippen streiften sich…

…und dann klingelte es an der Tür.

„Hast du was gehört?“, murmelte Levi.

„Nein, du?“
Eren konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als Levi mit dem Kopf schüttelte.

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen, denn erneut ertönte das nervige Geräusch und Levi zog erzürnt die Augenbrauen zusammen.

„Ich seh‘ kurz nach. Vielleicht nur ein Lieferdienst, der sich vertan hat oder so.“

Er hievte sich von der Arbeitsplatte und stapfte zur Tür. Wäre es eine andere Situation, hätte Eren es fast als niedlich empfunden.

„WAS?!“, blaffte Levi in die Gegensprechanlage.

„Levi… Ich…“, kam es zurück und Eren, der im Türrahmen der Küche stand, bemerkte, wie Levi sich versteifte.

„Erwin? Was machst du denn hier?“

„Ich weiß, es ist momentan ein wenig komisch zwischen uns, aber ich weiß nicht, wo ich sonst hinsoll…“

Levi warf einen Blick zu Eren, der jedoch keinerlei äußerliche Meinung dazu abgab und drückte daher auf den Türöffner.

„Eren… Es tut mir leid, ich…“, versuchte Levi sich noch irgendwie zu erklären, doch Eren winkte nur ab. Man sah Levi den inneren Konflikt förmlich an und Eren wollte hierbei nicht zusätzlichen Druck ausüben. Er sollte für seinen Freund da sein, an seiner Stelle würde Eren vermutlich genauso handeln. Auch wenn es ihn innerlich ungemein ärgerte, dass ausgerechnet jetzt jemand störte und dann auch noch unter allen möglichen Personen Erwin.

Levi warf ihm ein schmales, entschuldigendes Lächeln zu, ehe er die Wohnungstür öffnete und dort bereits auf den wartenden Erwin traf.

Dessen Blick fiel wie fast automatisch zu Eren, der immer noch an derselben Stelle verharrte und in seinen Augen spiegelte sich für wenige Sekunden eine interessante Mischung aus Genugtuung und Wut. Sein Gesicht hingegen wechselte von bedrückt zu überrascht und sein Mund formte ein lautloses „O“. Für Erens Empfinden wirkte er zu bedrückt und zu überrascht, aber er wollte ihm nichts unterstellen und so hielt er sich weiterhin still und beobachtete lediglich die Situation.

„Hey Erwin, komm‘ doch rein. Scheint ja wichtig zu sein“, unterbrach Levi schließlich den etwas unangenehmen Moment.

„Ich wusste nicht, dass du Besuch hast. Das tut mir leid, ich geh‘ besser wieder", entgegnete Erwin schnell.

„Schon gut, setz‘ dich erstmal ins Wohnzimmer. Ich komm‘ gleich“, meinte Levi, ging in die Küche und man hörte nur noch das Klappern von Tassen und das beginnende Brodeln des Wassers im Wasserkocher.

Eren folgte Erwin stillschweigend ins Wohnzimmer, ließ sich auf die gegenüberliegende Seite der u-förmigen Couch fallen und hielt dem beinahe bohrenden Blick seines Vorgesetzten stand.

„Entschuldige, dass ich euer Date gestört habe“, versuchte Erwin eine Konversation zu starten, die heuchlerischer nicht hätte sein können.

„Sie wussten davon“, stellte Eren lediglich trocken fest und verzichtete dabei auf irgendwelche Höflichkeitsfloskeln.

„Ist mir wohl entfallen. Wie gesagt, es tut mir leid.“

„Schon gut, kommt eben vor, dass man ab und an emotionalen Beistand von seinem Ex-Freund braucht. Vor allem gerade dann, wenn dieser ein Date hat.“

Unter normalen Umständen hätte Eren das Ganze gleichermaßen ungemein geärgert, aber er hätte Verständnis gezeigt. Für Freunde war man eben da, wenn sie Hilfe benötigten – auch wenn es sich um einen Ex-Partner handeln würde. Nur war ihm irgendwas gewaltig suspekt und er traute Erwin schlicht und ergreifend nicht über den Weg.

„Ich glaube, ich sollte doch besser gehen“, warf Erwin ein und wollte aufstehen, doch Eren drückte ihn an seiner Schulter wieder zurück in die Sofakissen.

Levi stieß gerade mit einem Tablett in den Händen zu den beiden und hob aufgrund der sich ihm bietenden Szenerie skeptisch eine Augenbraue.
„Alles gut?“

„Ja sicher“, antwortete Eren leicht lächelnd.

Levi setzte sich unparteiisch in die Mitte der beiden und sah zu Erwin, der einen etwas undefinierbaren Gesichtsausdruck aufgelegt hatte.
„Was ist denn passiert?“

Erwin warf einen Blick zu Eren, der sich jedoch gerade mit seiner Tasse Tee beschäftigte und so tat, als wäre er gar nicht anwesend.

„Ich hatte heute Dienst und es gab einen Einsatz…“, Erwin stockte und ließ den Kopf nach vorne fallen.
„Es erinnerte mich so an die Sache mit meinem Vater. Deswegen konnte ich nur zu dir, Levi. Du alleine verstehst mich in dieser Hinsicht…“

Behutsam legte Levi eine Hand auf Erwins Rücken und flüsterte nur ein „Verstehe“, was Eren als Anlass nahm, sich hier zurückzuziehen.

„Ich lass‘ euch beide allein, okay? Ich denke, ich bin hier ein wenig fehl am Platz“, meinte er daher und erhob sich.

„So leid es mir auch tut, aber ich denke sogar, dass du leider recht hast… Ich bring‘ dich noch zur Tür.“
Seufzend stand Levi auf, schmiegte sich ein wenig an Eren und zupfte an dem hübschen Pullover, der Erens Schlüsselbeine so verdammt gut in Szene setzte, ehe er ihn bei der Hand nahm und aus dem Wohnzimmer führte.

Eren genoss das Gefühl von Levis Hand in seiner. Einerseits, weil es einfach schön war und es eine gewisse Intimität vermittelte. Andererseits, weil es Erwin zeigte, welchen Stellenwert er derzeit bei Levi hatte. Es mochte ein wenig kindisch klingen, aber als Eren sich nochmals zu Erwin umdrehte und dieser ihn verschwörerisch angrinste, schwand diese Sorge. Er hatte also recht. Erwins „ach so große Probleme“ waren gespielt, nur um ihr Date zu crashen. Er bewunderte ihn tatsächlich um sein schauspielerisches Talent.

Eren spielte mit dem Gedanken, Levi in seine Vermutungen einzuweihen, doch er wollte sich in diese Freundschaft nicht einmischen. Außerdem vertraute er Levi genug, dass dieser mit Erwin nicht erneut etwas anfangen würde.

„Es tut m…“, setzte Levi an, als sie vor seiner Wohnungstüre standen, doch Eren verschloss seine Lippen mit den seinen.

„Wenn ich von irgendjemanden, insbesondere von dir heute noch einmal ‚es tut mir leid‘ höre, flipp‘ ich aus“, widersprach Eren und Levi konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

Die Vibration an Erens Brust, ausgelöst durch das tiefe Lachen Levis, gepaart mit dem für ihn so beruhigenden Klang, ließ sein Herz angenehm flattern und er drückte Levi noch ein wenig näher an sich. Tief atmete er dessen Geruch ein, als er seine Nase in den schwarzen Haaren vergrub.

„Wir sehen uns“, murmelte Eren und hob Levis Kinn an, um ihn in einen kurzen und doch leidenschaftlichen Kuss zu ziehen.

„Ja, bis dann“, keuchte Levi, als sie sich voneinander lösten und Eren aus der Wohnung verschwand.

***

„Was zum Teufel machst du denn schon hier?“, wollte Mikasa entsetzt und ziemlich unsensibel wissen, als Eren das Wohnzimmer der WG betrat.

Sie und Armin sahen sich irgendeine Trash-Komödie an, wobei Letzterer eher mit der Schüssel Popcorn auf seinem Schoß beschäftigt war.

„Erwin“, knurrte er nur, ließ sich neben sie aufs Sofa fallen und klaute sich die Schüssel von Armin, welcher zuerst verwirrt dreinschaute, dann jedoch einen protestierenden Laut von sich gab.

„Kontext, Brüderchen“, forderte Mikasa.

Erens Versuch zu sprechen, ging in einem genervten Schnauben und seinem Schmatzen unter, was Mikasa dazu veranlasste, ihm mit einem Augenrollen die Popcorn-Schüssel zu entziehen.

„Hey!“, murrte Eren, verstummte jedoch nach einem strengen Blick seiner Schwester.

„Okay schön… Also es lief wirklich gut. Und damit meine ich wirklich gut. Wir waren gerade dabei… Naja ihr wisst schon… Ich will keine falschen Theorien aufstellen, aber es hätte nicht mehr viel gefehlt und wir wären in seinem Schlafzimmer gelandet. Nur dann hat es an seiner gottverdammten Tür geklingelt…“, redete er sich in Rage.
„Levi wollte ihn nur kurz abwimmeln, aber dann stand da Erwin und hat ihm irgendeinen Bullshit erzählt, wie schlecht es ihm geht und er weiß nicht, wo er sonst hinsoll.“

„Du glaubst ihm nicht?“, hakte Mikasa nach.

„Er HAT gelogen. Dieses verfickte Grinsen… Er wusste ganz genau, dass ich heute das Date mit Levi hab!“
Frustriert griff Eren nach einem Sofakissen und vergrub seine Finger darin, zerknautschte es regelrecht.

„Hast du es Levi gesagt?“, fragte Armin vorsichtig.

„Nein. Das müssen sie – so schwer es mir auch fällt – irgendwie selbst ausdiskutieren. Mir fällt es zwar nicht leicht, aber keine Ahnung… Ich hab das Gefühl, ich hab dazu noch nicht das Recht. Außerdem glaube ich nicht, dass Levi sich nochmal mit Erwin einlassen würde.“

„Moment mal… Levi und dein Ausbilder hatten was miteinander?!“, rief Armin geschockt.

„Oh… Ups… Das hatte ich ja nur Mikasa erzählt. Ja, sie waren wohl mal ein Paar, ist aber schon länger her. Behalt’s bitte für dich. Auf jeden Fall fährt Erwin jetzt eine ziemliche Eifersuchtsschiene…“, erklärte Eren und fuhr sich mit der Hand über sein Gesicht.

„Ich wette, da spielt bei so einem Kerl wie ihm auch noch eine Menge gekränkter Stolz mit ein“, warf Mikasa ein und Eren zuckte nur die Schultern.

Mittlerweile war es ihm egal, was genau es war. Er wollte einfach nur, dass er sich aus der Sache zwischen ihm und Levi raushielt.

„Fakt ist, ich bin hier und Erwin ist bei Levi… Und das nervt. Gewaltig!“, schloss Eren ab und griff erneut nach dem Popcorn.

„Versteh ich. Aber Filmabend mit uns beiden ist doch auch mal wieder schön, oder?“, versuchte Mikasa die Situation zu retten.

„Klar.“

***

Levi starrte auf die Wanduhr in seiner Küche. Es war acht Uhr morgens und er überlegte bereits seit einer Stunde, ob es noch zu früh war, zu Eren zu gehen.
Er hatte nach dem abrupten Ende des gestrigen Abends das dringende Bedürfnis, ihn zu sehen. Es war schön mit Eren. So unbekümmert, leicht, beruhigend und doch aufregend – und das alles trotz dessen, was passiert war.

Und gottverdammt… Wie gerne hätte er weitergemacht, wo sie wegen Erwin hatten aufhören müssen.

Wenn er an diesen dachte, ging ihm automatisch ein halb genervtes, halb besorgtes Seufzen über die Lippen.
Das Thema ‚Erwin‘ müsste er vermutlich demnächst nochmal angehen, befürchtete er. Nachdem Eren gestern weg war, war die Situation plötzlich nicht mehr dringlich und „es ginge ihm eigentlich doch ganz gut“.

Anstatt zu reden, schlug er vor, etwas trinken zu gehen, was Levi jedoch dankend ablehnte. Nach einem mehr als krampfigen Gespräch bei einer Tasse Tee war er dann auch wieder verschwunden und Levi verbrachte den restlichen Abend alleine auf der Couch.
Er konnte sich nicht ganz erklären, was das sollte und er konnte nur hoffen, dass die kleinen Gesten gegenüber Eren ihm deutlich gemacht hatten, wen er an seiner Seite haben wollte.
Vielleicht sollte er in dieser Sache auch Hanji hinzuziehen, immerhin kannte sie alle daran Beteiligten.

Als Levi erneut auf die Uhr sah, waren weitere zwanzig Minuten vergangen und er beschloss, sich auf den Weg zu machen. Im schlimmsten Fall würde er eben seine Mitbewohner wecken.
Schulterzuckend schlüpfte er in seine Chucks und zog sich seine Lederjacke über den dunkelblauen Hoodie.

Auf dem Weg zu seiner Haltestelle fiel ihm der Coffeeshop ein, den er einmal mit Eren besucht hatte und er nahm sich vor, diesem einem Besuch abzustatten. Wenn er ihn und seine Mitbewohner schon aus dem Bett klingelte, dann konnte er wenigstens Kaffee mitbringen.

Und als er vor dem Lädchen stand, wusste er auch, was Eren so an ihm fand. Es wirkte heimelig, gemütlich und der Geruch, der ihn einhüllte, als er das ‚Chidori‘ betrat, war wirklich himmlisch.
Auch wenn er keinen Kaffee mochte, so war dieser vermischt mit dem Duft des frischgebackenen Gebäcks einfach nur angenehm.

Hinter dem Tresen stand ein blonder Junge, der Levi ziemlich bekannt vorkam, aber er sich noch keinen Namen dazu reimen konnte. So versuchte er sich an einem unverfänglichen „Guten Morgen“.

„Willkommen im ‚Chidori‘. Du bist doch Levi, oder?“, wurde er zurückgegrüßt und anscheinend besser erkannt.

„Ähm ja. Entschuldige, aber wer bist du? Du kommst mir bekannt vor, aber ich hab trotzdem leider keine Ahnung…“, erwiderte Levi und rieb sich verlegen seinen Nacken.

„Alles gut. Ich bin Armin – Erens Mitbewohner, bester Freund und treuer Kunde bei euch im Laden“, grinste Armin.

„Oh… Ich werd’s mir für die Zukunft merken, versprochen! Weißt du, wer dann momentan bei euch zuhause ist? Ich wollte zu Eren und für alle was mitbringen…“
Levi merkte selbst, wie seine Gesichtsfarbe ins Rötliche überging und solche Dinge nicht wirklich zu seinem Image passten.

„Klar. Ich pack‘ dir was zusammen“, meinte Armin jedoch nur mit einem warmen Lächeln, bei dem sich Levi unweigerlich fragte, ob dieser Junge auch was anderes als nett sein konnte.

„Danke“, entgegnete Levi und bezahlte.

Mit vier Kaffeebechern in einem Papphalter und einer Tüte voller Gebäckstücke ausgestattet, machte er sich auf den Weg zu Erens WG.
Was genau er ihm dort sagen wollte, wusste er noch nicht, aber er wollte ihn einfach sehen. Dass er solche Bedürfnisse gegenüber einer Person einmal empfinden würde, hätte er niemals für möglich gehalten und wenn er ehrlich war, fand er es ein wenig beängstigend. Nichtsdestotrotz fühlte er sich großartig und er genoss es, in Erens Nähe zu sein.

Daher freute er sich auch, als er vor dessen Haustür stand und mit den Bechern und der Tüte jonglierte, um die Klingel betätigen zu können.

„Hallo?“, meldete sich nach ein paar Momenten eine etwas kratzige Stimme.

„Hallo, hier wäre Levi…“

Levi?! Was machst du denn hier?“

„Ich hab Kaffee dabei?“

„Du bist verrückt…“, war das Einzige, was er noch zu hören bekam, dann erklang das Surren des Türöffners.

„Guten Morgen“, begrüßte ihn Eren, der bereits ihm Türrahmen gelehnt auf ihn wartete.

„M-morgen…“, stotterte Levi etwas unbeholfen. Beim Anblick Erens blieb ihm nichts anderes übrig als zu Starren. Die schulterlangen, braunen Haare waren noch zerzaust, auf ein Shirt verzichtete er scheinbar beim Schlafen und die karierte Pyjamahose saß sehr tief auf seinen Hüften.

„Hätte ich gewusst, dass du kommst, hätte ich mich ein bisschen hergerichtet“, meinte Eren und nahm ihm die Getränke ab.

„Das ist vollkommen in Ordnung“, widersprach Levi geistesabwesend, während er ihm in die Küche folgte.

„Ist es das?“, fragte Eren, die Stimme noch rau und verschlafen.

Wie und wann genau Levi sich in Erens Armen wiederfand, wusste er nicht, aber es war ihm auch egal. Es war ihm auch egal, dass er die Tüte mit dem Gebäck einfach auf den Boden hatte fallen lassen. Lediglich das zarte Streicheln von Erens Fingerkuppen auf seiner Wange zählte, der intensive Blick aus den grünen Augen und die Körperwärme, die Eren ausstrahlte.

„Küss mich“, forderte Levi leise, aber bestimmend.

Und Eren kam dem nur zu gerne nach. Ihre Lippen trafen sich und es war fast so, als hätte es den Zwischenfall mit Erwin nicht gegeben. Als würden sie einfach dort weitermachen, wo sie gestern hatten stoppen müssen.

Eren stöhnte leicht in den Kuss hinein, als er Levis Zähne spürte, die an seiner Unterlippe zogen und in seinem Kopf herrschte nur noch ein Gedanke: Mehr. Mehr von dem hier. Mehr Berührungen. Mehr von Levi.



~

Credits gehen an dieser Stelle an meine Freundin Tanja, die erstens Erwin zu einem noch größeren Arschloch hat werden lassen und zweitens so die eigentlich geplante sexyschmexy Szene gecrasht hat :D

Vielen lieben Dank für deine fortwährend verrückten und doch immer wieder inspirierenden Ideen <3
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