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Between the Shelves

von TenCount
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Armin Arlert Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
13.06.2021
09.10.2021
30
72.049
31
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Dieses Kapitel
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25.08.2021 2.124
 
Auf einem Buch einzuschlafen war nicht zu empfehlen, wie Eren am Montagmorgen feststellte. Der Blick in den Spiegel, der den tiefen roten Abdruck des Buchrückens an seiner Wange zeigte, bestätigte das nur. Es klang sentimental und kitschig, aber der Manga von Levi lag, seitdem er ihn gelesen hatte, nicht mehr auf seinem Nachttisch, sondern in seinem Bett – sehr zu dem Leidwesen seines Gesichts.
Es war das Einzige, neben einem Kaffeebecher, das er von Levi besaß und so fand es seinen Weg wie von selbst in das Bett von Eren.

Leider war der Manga an sich nicht sehr aufschlussreich bei der Lösung seines Problems. Er war niedlich, schön gezeichnet und hatte genau dann an der Stelle einen Cut, an der es spannend geworden wäre. Eren hatte sich sofort danach die dazugehörigen vier Teile bestellt, vielleicht wären diese ja hilfreicher. Wobei das Grundprinzip der Story seiner eigenen wohl nicht ganz ungleich war. Der eine Protagonist war schwul, der andere nicht. Es gab Anfeindungen von anderen und Missverständnisse ohne Ende.

Eren war gar nicht bewusst, wie lange er schon im Badezimmer stand und sich gedankenverloren die Zahnbürste im Mund hin und her schob, bis es an der Tür klopfte.

„Eren? Wir müssen schön langsam los“, rief Mikasa.

„Komm gleich!“

Wenn er daran dachte, wem er jetzt dann gegenübertreten müsste, würde er sich lieber noch stundenlang die Zähne putzen, aber er wusste, dass er sich davor nicht drücken könnte. So wusch er sich seinen Mund aus, zog sich um und band sich seine Haare zu einem unordentlichen Dutt zusammen. Auf sein Aussehen legte er heute wirklich keinen Wert.

„Du siehst beschissen aus“, drückte ihm auch sogleich Mikasa rein und strich über seine dunklen Augenringe.

„Tja naja, verdient würde ich sagen“, murmelte Eren nur und goss sich Kaffee in seinen ToGo-Becher. Er fragte sich, ob er vielleicht ein wenig sadistisch veranlagt war, dass er sich anscheinend den ganzen Tag daran erinnern lassen wollte, was er verkackt hatte. Aber eigentlich fand er nur den Gedanken schön, dass er etwas von Levi bei sich hatte, auch wenn es nun mit etwas Schmerzhaftem verbunden war.

„Lass‘ uns gehen“, meinte Mikasa sanft und überging Erens Aussage. Sie konnte ihm nicht wirklich widersprechen, aber wollte ihm auch nicht recht geben. Auch wenn er wirklich Mist gebaut hatte, wollte sie ihn nicht leiden sehen.

***

Eren konnte die Augen Erwins förmlich spüren, wie sie ihn musterten, als wäre er ein Ausstellungsstück. Erwin war ein verdammt guter Beobachter und Eren gab sich wenig Mühe zu verstecken, dass ihm die ganze Sache zusetzte. Somit müsste er nur eins uns eins zusammenzählen, wenn nicht sogar Levi bereits etwas zu ihm gesagt hatte. Kurz kam in ihm der Gedanke auf, dass Erwin nun wieder seine Chance bei Levi wittern könnte und es versetzte seinem Herzen einen Stich, dass Letztgenannter wirklich darauf eingehen könnte.

Seine Finger schlossen sich enger um den Kaffeebecher und er versuchte seine Gedanken auf den Unterricht zu lenken, aber immer wieder driftete er ab.

„Ey Jäger“, fragte Connie mit besorgtem Blick nach Unterrichtsende, „alles ok bei dir?“

„Ja sicher, alles gut“, antwortete Eren, versuchte sich noch an einem schwachen Lächeln und warf sich seinen Rucksack über die Schulter, ehe er den Raum verließ.

„Herr Jäger“, dröhnte die tiefe Stimme Erwins und Eren blieb stehen.

Eren atmete tief ein, drehte sich langsam um und sah in herausfordernde, blaue Augen.
„Was kann ich für Sie tun?“

„Sie waren heute sehr unkonzentriert“, antwortete Erwin. Die Stimme ruhig und glatt.

„Ja, verzeihen Sie bitte. Mir geht es heute nicht so gut. Kommt nicht wieder vor.“
Lüge. Eren war sich sicher, dass er das mit Levi so schnell nicht auf die Reihe bekommen würde und das Problem mit Armin stand auch noch aus. Bis dahin würde sein Zustand erstmal unverändert bleiben. Aber ihm würde er das sicher nicht unter die Nase reiben.

„Sie können sich jederzeit an mich wenden, wenn Sie etwas beschäftigt“, bot Erwin ihm an.

„Danke für das Angebot. Ich geh nach Hause und leg‘ mich hin, das wird helfen, denke ich. Bis morgen, Herr Smith“, verabschiedete sich Eren mit einem gezwungenen Lächeln.
Ganz bestimmt würde er sich bei ihm ausheulen oder gar um Rat fragen.

***

„Es hat schon einen Grund, warum es ein Veröffentlichungsdatum gibt. Das ist morgen und nicht heute, also bekommen Sie folglich auch erst morgen den neuen Band. Soweit verständlich?“, antwortete Levi dem jungen Mann vor ihm. Die grünen Augen, die einem anderen Paar so ähnelten und doch nicht mithalten konnten, weiteten sich aufgrund des scharfen Tonfalls.

Levi selbst war überrascht, wie gereizt er klang und er fuhr sich gestresst durch die Haare.

Ein leises „Entschuldigungen Sie die Nachfrage“ kam von Levis Gegenüber und er verließ schnellen Schrittes den Laden. Seufzend stützte sich Levi auf der Theke ab. Irgendwie fand er es gar langweilig, dass ihm nicht Konter gegeben wurde. Vielleicht hätte ihm ein kleiner verbaler Schlagabtausch ein wenig geholfen, ihn abgelenkt. Aber so schwebte ihm weiterhin nur Eren im Kopf herum. Den dabei aufkommenden Schmerz versteckte er hinter der selbst errichteten Mauer, aber seine Gedanken ließen sich nicht abstellen.

„Levi! Ich hab mich wirklich damit abgefunden, dass du nicht die Freundlichkeit in Person bist, aber so kannst du nicht mit Kunden reden!“, schimpfte Hanji und trat an ihn heran.
„Was ist denn los mit dir? Das ist nicht das erste Mal heute. War wieder was mit Eren?“
Ihre Stimme wurde sanfter und ihr Blick besorgter.

Ein abfälliges Schnauben entkam Levis Mund und er verzog seinen Mundwinkel zu einem spöttischen Grinsen.
„Ja, da war was. Die Formulierung passt ganz gut.“

„Hattet ihr Streit?“, hakte sie nach.

„Indirekt.“

„Ach, das renkt sich schon wieder ein“, meinte sie hoffnungsvoll.

„DA RENKT SICH NICHTS WIEDER EIN!“, schrie Levi und seine Faust sauste geräuschvoll auf die Platte des Verkaufstresen.
„Eren und ich sind Geschichte. Da ist nichts mehr… Falls überhaupt jemals was war…“

„Levi-Schätzchen…“
Hanji streckte ihre Arme nach ihm aus, doch er wich ihr aus und ging in Richtung der Toiletten.

Seine Nase kribbelte und er spürte die aufkommenden Tränen, doch er schluckte den Kloß hinunter und zwang sich mit aller Kraft, sie aufzuhalten. Er verbat es sich noch einmal wegen Eren zu weinen, so ein Schwächling war er nicht. Seine Fingernägel gruben sich in die Keramik des Waschbeckens und er warf einen Blick in den Spiegel. Levi fragte sich, wie er denn noch blasser sein konnte, als seine Grundhautfarbe eh schon hergab und seine dunklen Augenschatten rundeten das Bild wahrlich ab. Dass er sich seit dem Vorfall mehr oder weniger nur noch von Zigaretten und Tee ernährte, freute seinen Teint auch nicht sonderlich.

„Ach Fuck“, murmelte er nur vor sich her, spritzte sich eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht und versuchte etwas zur Ruhe zur kommen, ehe er wieder zurück in den Laden kehrte.

„Oi! Erwin!“, rief er überrascht, als er den blonden Riesen erblickte.

„Levi!“

„Was führt dich hierher?“, wollte Levi erstaunt wissen.

„Darf ich nicht mal wieder meine Freunde besuchen?“, entgegnete Erwin, musterte Levi allerdings für dessen Geschmack ein wenig zu lange.

Levi hob fragend die Augenbraue.
„Schon, aber hör‘ auf so zu glotzen. Seh‘ ich wirklich so scheiße aus?“

„Ein wenig. Alles in Ordnung bei dir?“, fragte Erwin und seine Stimme nahm einen derart sanften und besorgten Ton an, den Levi schon lange nicht mehr bei ihm gehört hatte.

„Sicher.“

„Wie läufts denn mit Eren?“

„Gar nicht. Wir haben das, was auch immer wir hatten, beendet“, erklärte Levi schlicht.

„Das tut mir leid“, meinte Erwin.

Levi wusste nicht, warum, aber es hätte ihn irgendwie beruhigt zu hören, dass es Eren nicht gut ging. Dass man es ihm genauso ansah. Aber scheinbar verlief sein Leben einfach so weiter.

„Wie wär’s denn mit heute Abend was trinken?“, schlug Erwin vor.

Eigentlich wollte Levi nur seine Ruhe. Duschen, sich irgendein Fertiggericht warm machen und damit vor den Fernseher schmeißen. Allerdings klang Alkohol auch nach keiner schlechten Idee.

„Klar, wieso nicht“, war daher Levis Antwort.
„Hanji, kommst du mit?“

„Ich kann leider nicht“, antwortete sie. Und in dem Fall bedauerte sie es wirklich. Sie hatte das Gespräch der beiden beobachtet und irgendetwas daran gefiel ihr überhaupt nicht. Vermutlich lag es einfach daran, dass Levi nicht bemerkte, wie Erwin ihn ansah oder dass sein „Es tut mir leid“ nicht wirklich nach Mitleid klang, sondern eher nach Freude. Wenn sie diesen Abend zu zweit alleine mit Alkohol verbringen würden, war sie sich fast sicher, wie dieser ausgehen würde.

„Ach stimmt, du hast ja heute dein Date. Mit Moblit69“, meinte Levi und konnte sich das Schmunzeln nicht verkneifen.

„Bitte wer?“, hakte Erwin belustigt nach.

„Der Typ von der Dating-App“, klärte Levi ihn auf.

„Er ist ein netter Kerl, okay?“, rechtfertigte sich Hanji.

„Ich hoffe nur das Beste für dich. Aber pass‘ auf dich auf, ja?“, riet Levi ihr.

„Na klar“, entgegnete sie lächelnd.

„Dann könnten wir ja einen entspannten Männerabend zuhause machen?“, schlug Erwin vor.

„Sicher. Komm‘ später einfach vorbei“, stimmte Levi schulterzuckend zu.

„Passt ihr mir aber auch auf“, forderte Hanji und warf einen besonders warnenden Blick Richtung Erwin, der nur wissend grinste.

***

Punkt 21 Uhr klingelte es an Levis Tür und es ertönte Erwins dunkle Stimme durch die Gegensprechanlage.

„Ich hab da was mitgebracht“, fiel die Begrüßung Erwins aus, als er das Sixpack Bier in die Höhe hob.

„Gott sei Dank ist meine Bar gut gefüllt, so kommen wir nämlich nicht weit“, entgegnete Levi nur und hob abschätzig eine Augenbraue, ehe er ihn eintreten ließ.

„Trinkfest, wie eh und je“, stellte Erwin lachend fest und begab sich ins Wohnzimmer, wo er sich auf die Couch setzte.

„Reine Übungssache“, gab Levi schmunzelnd zurück und schenkte sich selbst von dem Whisky nach, von dem er sich nach der Arbeit bereits ein Gläschen gegönnt hatte.
„Bedien‘ dich einfach. Du weißt ja, wo alles ist.“

Der Alkohol löste eine wohlige Wärme in seinem Inneren aus und er fühlte bereits nach seinem zweiten Glas, wie leicht sein Kopf wurde. Vielleicht wäre ein Happen zu Essen doch keine so schlechte Idee gewesen.

„Also, was ist da zwischen dir und meinem Azubi passiert?“, wollte Erwin wissen, während er sein Bier öffnete.

„Nichts. Die Sache hat sich erledigt“, wiegelte Levi sofort ab und schenkte sich erneut nach.

„Warum?“

„Geht dich nichts an.“

„Okay… War er dir wirklich so wichtig?“, stocherte Erwin dennoch noch einmal nach.

Levi hatte sich diese Frage auch gestellt und ja, Eren war ihm wichtig, aber vor allem war er etwas Besonderes für ihn. Eren hatte Gefühle in ihm erweckt, bei denen er nicht wusste, dass er sie imstande war zu fühlen. Es war anders, aufregend und doch gleichzeitig so unheimlich beruhigend. Er hatte das Gefühl, dass Eren ihn durchschaute, seine kühle Fassade durchdrang und obwohl es ihn anfangs ängstigte, wollte er es unbedingt. Doch scheinbar waren diese Empfindungen doch nur Trugbilder.

Und das wiederum machte ihn wütend und es schmerzte und er merkte, wie die Tränen wieder emporsteigen wollten.
Doch erneut bekämpfte er sie – diesmal mit einem Schluck Whisky.

„Halt die Klappe, Erwin und trink‘ lieber mehr“, antwortete er ihm daher mit leicht brüchiger Stimme.

Erwin verfestigte den Griff um seine Flasche, kam der Aufforderung jedoch nach.
„Na fein, dann auf einen schönen Abend.“

Der ab diesem Zeitpunkt an eher schweigsame Abend wurde mit jedem Glas lauter, offener, interessanter. Levi hatte irgendwann seine Stereoanlage angeschmissen und tanzte nun zu einem Rocksong durch sein Wohnzimmer. Mittendrin musste er anfangen zu lachen, weil er sich so frei nur bewegen konnte, wenn er wirklich betrunken war. Ein wenig die Hüften im Club kreisen lassen, konnte er auch nüchtern, aber ausgelassen wie ein Irrer durch die Gegend springen, käme ihm nie in den Sinn. Dafür wäre eine andere Person eher der Typ für. Eren. Er konnte sich bildlich vorstellen, wie seine braunen, langen Haare umherfliegen und sein lautes Lachen durch den Raumen schallen würde.
Und erneut landeten seine Gedanken bei ihm. Fuck.

Als er in seiner Bewegung stoppte, wurde er von zwei Armen aufgefangen und blaue Augen blickten ihn von oben herab an.

„Vergiss‘ ihn“, flüsterte Erwin und presste verlangend seine Lippen auf Levis.

„Warte... Warte! STOP!“

„Nur für eine Nacht, Levi…“, hauchte Erwin ihm ins Ohr und biss neckisch in sein Ohrläppchen.
„Wir haben so gut zusammen harmoniert.“

Levis Gehirn kramte nach längst verschütteten Erinnerungen und diese stimmten ihm nur teilweise zu. Erwin ließ sich nicht toppen, was auch einer der Gründe war, warum es auf Dauer nicht mit ihnen geklappt hatte. Allerdings hatte er nichts dagegen einzuwenden, einfach mal abzuschalten und sein berauschter Verstand nickten diese Aussage nur ab.

So ließ er sich erneut in einen Kuss ziehen, ließ zu, dass er in sein Schlafzimmer getragen wurde und Erwin ihm sein Shirt über den Kopf streifte.
Die Küsse wurden leidenschaftlicher, die Berührungen fordernder und bald waren sämtliche Kleidungsstücke verloren.

Ebenso wie Levis Zweifel. Das Ganze bereuen konnte er auch morgen…
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