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Ein Ausflug mit Hindernissen

Kurzbeschreibung
OneshotFantasy / P12 / Mix
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Magnus Bane Simon Lewis
13.06.2021
13.06.2021
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13.06.2021 4.509
 
Willkommen zu meinem Beitrag für das Schattenwelt -Spontanwichteln^^

Mein liebes Wichtelkind Delphine88 ;)

Du hast dir gewünscht:
Eine Geschichte aus diesem Bereich,  in der die Wörter : Camping, Unwetter, Paddelboot
vorkommen sollen.
Nicht vorkommen sollten: Blind Date; Schutzhütte/fester Unterstand

Ich hoffe, dass ich etwas daraus gemacht habe, woran du und die anderen Leser Spaß haben werdet.

Außerdem noch vielen Dank an ladyfangirl fürs organisieren und das beantworten meiner diversen Fragen^^

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„Kommst du endlich Alexander?“
Magnus‘ Stimme klang fröhlich und aufgeregt und hatte diesen fordernden Unterton, der Alec mehr als bekannt vorkam.
Er wusste, wenn er sich jetzt noch lange Zeit ließ, würde der Hexenmeister ihn wohl holen kommen.
Innerlich seufzte er zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Nachmittag und überprüfte den Inhalt des kleinen Rucksacks, den er soeben sicherheitshalber gepackt hatte.
Zwei Seraphklingen,- nur für alle Fälle-ein paar Flaschen Wasser, ein paar Müsli Riegel und eine Badehose.
Bis auf Letzteres eben ein üblicher Notfall-Vorrat.
Seinen Bogen und ein paar Pfeile trug er durch Zauberglanz verborgen auf dem Rücken, ebenfalls für alle Fälle.
Innerlich fluchte er darüber, dass er nie in der Lage war, seinem Ehemann auch nur eine einzige Sache abzuschlagen.
Dass er nun hier stand und gleich mit Magnus zu einer der schlimmsten Formen von Zeitverschwendung aufbrechen musste, die er sich überhaupt vorstellen konnte, verdankte er allerdings hauptsächlich seiner Schwester bzw. dem verdammten Vampir, den sie ihren Freund nannte.
Isabells fröhliche Stimme klingelte noch immer in seinen Ohren, obwohl die Unterhaltung bereits gestern stattgefunden hatte.
Simon hatte eine ganz wunderbare Idee, wie wir das freie Wochenende verbringen können, Alec! Camping! So richtig wie ganz normale Mundies! Mit allem Drum und Dran. Du und Magnus könnt auch mitkommen!
Er war gerade dabei gewesen diese völlig absurde Idee abzulehnen.
Wenn Izzy schon plötzlich lauter solche seltsamen Mundie-Traditionen ausprobieren wollte, nur weil Simon ihr anscheinend ständig von solchen Dingen vorschwärmte, hieß das noch lange nicht, dass er sich mit hineinziehen lassen musste.
Viel zu gut waren ihm Simons letzte brilliante Ideen im Gedächtnis, wobei es sich um einen Kino-Abend auf Mundie-Art sowie einen Ausflug in einen Freizeit-Park gehandelt hatte.
Für Alecs Geschmack Beides viel zu laut und zu überfüllt, wobei der Freizeitpark den Wettbewerb der Geschmacklosigkeiten haushoch gewonnen hatte.
Der einzige Lichtblick war gewesen, dass Magnus Freude an diesen Ausflügen gehabt hatte.
Sein geliebter Ehemann war ihm auch dieses Mal zum Verhängnis geworden.
Denn dieser war just in diesem Moment aufgetaucht, um ihn abzuholen.
Ein kurzes Gespräch zwischen dem Hexenmeister und seiner Schwester sowie begeistertes, hochfrequentes Gequietsche von allen Beiden später, war Alecs schweres Schicksal besiegelt gewesen.
„Alec!“ schallte es gerade wieder, nun schon deutlich ungeduldiger, aus dem Wohnzimmer.
„Ich komm ja schon!“, rief er nach drüben, schloss den Rucksack und schulterte diesen.
Als er das Wohnzimmer betrat, lächelte Magnus ihn kopfschüttelnd an.
„Alexander, ich habe dir doch gesagt, dass du nichts einpacken musst. Ich kann für alles was wir brauchen vor Ort sorgen.“
„Ich will aber lieber das Wichtigste dabei haben“, beharrte Alec stur.
„Ganz wie du meinst“, ließ Magnus ihn liebevoll gewähren und küsste ihn auf die Wange.
„Ich habe eine Nachricht von Izzy bekommen. Wir sollen sie und Simon am Institut abholen. Außerdem werden wir noch Helen und Aline mitnehmen.“
Alec zog überrascht die Augenbrauen hoch und in seinen schönen, hellbraunen Augen stand Erstaunen. „Ich dachte, die Beiden wären in Alicante…und außerdem… sind sie jetzt offiziell zusammen?“
Die Frage ließ Magnus innehalten und die Arme zärtlich um Alecs Mitte schlingen, während er bestätigend nickte.
„Nachdem was Izzy mir erzählte,wohl ja. Unsere Hochzeit hat noch viel mehr in Bewegung gebracht als wir ahnen konnten oder du dir erhofft hattest. Du bist vielen anderen Nephilim ein leuchtendes Vorbild, mein Schatz.“
Alec spürte, wie sein Gesicht heiß wurde und angesichts der äußerst peinlichen Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen, ignorierte sein Verstand den lästigen Kosenamen geflissentlich.
Nachdem ihm damals, noch vor seiner Hochzeit mit Magnus, Andrew Underhill seinen persönlichen Dank ausgesprochen hatte, war Alec von einem eher seltsamen Einzelfall ausgegangen.
Tatsächlich waren in den Wochen und Monaten nach der Hochzeit – bisher–fast zwanzig weitere Schattenjäger, sowohl Männliche, als auch Weibliche, in dieser Weise auf ihn zugekommen.
Es war ihm entsetzlich unangenehm.
Immerhin gab es nichts, wofür seine Mitnephilim ihm seiner Ansicht nach irgendeinen Dank schuldig waren.
Er hatte nichts für sie getan, sondern einzig und allein etwas für sich selbst.
Er hatte nur um den Mann gekämpft, ohne den er einfach nicht atmen, nicht existieren konnte.
Was Helen und Aline betraf, so hatte er wohl am Rande mitbekommen, dass die Zwei sich auf seiner Hochzeit öffentlich miteinander gezeigt hatten, nachdem sie zuvor in Alicante ihre Verbindung noch– sogar vor ihm und Izzy -verleugnet hatten.
Dennoch hoffte er, dass jetzt nicht auch noch Aline, die er immerhin sein halbes Leben lang kannte, in solch einer seltsamen Weise zu ihm aufsah.
Magnus Stimme riss ihn aus den unangenehmen Gedanken.
„Jedenfalls waren die Beiden in New York, weil sie auch ein paar Tage frei haben. Izzy erzählte Aline von unserer genialen Ausflugs-Idee und wie sich herausstellte, waren die Beiden von der Idee so begeistert, dass sie unbedingt mitwollten. Helen ist wohl generell recht naturverbunden und hat außerdem eine Angel-Ausrüstung, die sie mal wieder benutzen möchte. So etwas habe ich seit über 100 Jahren nicht mehr gesehen. Ich bin sehr gespannt darauf.“
Alec lächelte sanft. Immerhin würde Magnus auch an dieser Sache wieder Spaß haben und wenn sein Ehemann glücklich war, war er es auch. „Na gut. Ich bin soweit.“

Das von Magnus erschaffene Portal brachte Alec und ihn direkt vor das Institut, wo sie bereits von den anderen beiden Paaren erwartet wurden. Auch Aline war, wie Alec, mit einer kleinen Tasche und ein paar Waffen bestückt, während ihre fröhlich lächelnde Partnerin sich anscheinend mit der Angelausrüstung begnügt hatte. Simon und Izzy hatten gänzlich auf Zubehör verzichtet, nur Simon trug eine Papiertüte bei sich und um Izzys Handgelenk wand sich wie üblich ihre Elektrumpeitsche.
Die Begrüßung fiel herzlich, aber kurz aus.
Alle wollten in das geplante Abenteuer starten und so öffnete Magnus ohne weitere Umschweife das nächste Portal zu der von ihm höchstpersönlich ausgewählten Lokation.
Er erinnerte sich an einen abgelegenen, entzückenden See, den er zuletzt ebenfalls vor einem knappen Jahrhundert aufgesucht hatte und den er als ideal für diesen Ausflug erachtete.
Sobald sie jedoch am anderen Ende das Portal verließen, spürte Magnus sofort, dass etwas nicht stimmte.
Er taumelte von dem plötzlichen Schwächegefühl und hätte Alec ihn nicht reflexartig an der Hüfte umfasst, wäre er gestürzt.
„Magnus!“
Der Ausruf war Mehrstimmig, denn allen war der Schwächeanfall des Hexenmeisters sofort aufgefallen.
Doch als dieser aufblickte, holten abgesehen von Alec alle kurz erschrocken Luft.
Eine weitere Ausnahme bildete Isabelle, für die der Anblick aufgrund der Geschehnisse um Jace und Lilith nicht neu war.
Magnus musterte die Gruppe verwirrt und desorientiert aus seinen goldgelben Katzenaugen und er brauchte einen Moment, um zu spüren, dass er absolut keinen Zugriff mehr auf seine Magie hatte. Diese war noch da, aber es fühlte sich an, als wäre sie hinter einer unsichtbaren Mauer blockiert.
Unterdessen war Helen einige Schritte von der Gruppe weggetreten und hatte sich umgesehen.
Ihr Blick schweifte über den See, auf die Felsformation im Hintergrund und dann wieder auf Magnus.
Ihre Stirn lag in tiefen Falten.
„Magnus, du hast uns nicht etwa zum Lake Neander gebracht, oder?“
Mühsam konzentrierte Magnus sich auf die Frage, umgriff mit einer Hand haltsuchend Alecs Unterarm und versuchte, sowohl das unangenehme Gefühl ohne Zauberglanz vor der ganzen Gruppe zu stehen, als auch das beängstigende Gefühl, nicht auf seine Kräfte zugreifen zu können, zu ignorieren.
„Doch, wieso fragst du?“
„Weil es ein Gerücht über diesen See gibt, das offenbar der Wahrheit entspricht“, erklärte Helen. „Angeblich hat die Königin des Lichten Volkes vor ein paar Jahrzehnten solchen Gefallen an diesem Platz gefunden, dass sie Anspruch darauf erhoben hat. Der ganze See ist von diversen Feenzaubern umrankt. Hexenwesenmagie funktioniert hier nicht. Wir werden uns etliche Kilometer von hier entfernen müssen, damit deine Kräfte wieder anwendbar sind.“
Magnus war sprachlos vor Entsetzen.
Zum Einen war da die Tatsache, dass er nicht fassen konnte, dass ihm dies nicht bewusst gewesen war. Zum Anderen hatte er sich bei der gesamten Ausflugsplanung auf seine Magie verlassen. Das bedeutete…
Zum Glück bewiesen die Schattenjäger und auch sein Ehemann einen klareren Kopf:
„Sind wir sonst noch in Gefahr durch diese Feenzauber Helen? Und was ist mit Magnus? Verursachen sie langfristige Probleme?“
Helen schüttelte den Kopf.
„Soweit ich weiß, schaden sie ihm nicht auf Dauer. Es ist nur sowas wie ein umfassendes Störsignal. Und was uns angeht: Solange wir hier quasi nichts Anderes tun, als normale Mundies es täten und nicht versuchen, die Schutzzauber zu manipulieren, sollte uns nichts weiter passieren.“
„Das heißt also, bevor wir jetzt einen Gewaltmarsch mehrere Kilometer durch den Wald machen, wie in irgendeinem Horrorstreifen, bis Magnus wieder auf seine Magie zugreifen kann, könnten wir durchaus noch ein bisschen Spaß haben?“ meldete sich Simon vorsichtig zu Wort, was ihm einen überaus erbosten Blick von Alec einbrachte.
Isabell, die das bemerkte, ging sofort in Verteidigungsstellung.
„So Unrecht hat Simon eigentlich nicht. Das Wetter ist herrlich, die Gegend schön und wir sind doch eigentlich extra deswegen hergekommen. Es sei denn, du fühlst dich sehr schlecht, Magnus?“
Der Hexenmeister überlegte einen Moment.
Er hatte ruhig an Alec gelehnt dagestanden und zugehört. Nein, schlecht fühlte er sich nicht. Nur seltsam. Aber er war Magnus Bane, oder nicht?
Wo käme er denn hin, wenn er plötzlich die Spaßbremse bei diesem Abenteuer sein würde?
„Nein, schon okay“, stimmte er zu, obwohl er Alec tief in dessen Brust unwillig grummeln hören konnte.
„Na gut, und was machen wir?“, fragte Aline, die während des Gesprächs hinter Helen getreten war, ihre Arme um sie geschlungen und den Kopf auf ihrer Schulter abgelegt hatte.
Sie waren ein schönes Paar, dachte Magnus, wie sie da so aneinander gekuschelt in der Sonne standen und der Kontrast ihrer Haut -und Haarfarben geradezu blendend leuchtete.
Während Helen mit ihrem Elbenerbe - zumindest optisch - etwas geradezu zerbrechliches und filigranes an sich hatte, wirkte Aline in ihrem ganzen Erscheinungsbild taffer.
Sie waren wie zwei Teile eines füreinander bestimmten Puzzles.

Simon war der Erste, der auf die Frage reagierte. Er grinste.
„Gebt mir eine Minute.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, rannte er in Vampirgeschwindigkeit los.
Nach wenigen Sekunden tauchte er wieder auf. Das lockige, braune Haar war von der Geschwindigkeit etwas zerzauster als zuvor, aber ansonsten war er trotz des heißen Wetters völlig unbeeinträchtigt. Er schwitzte nicht einmal.
Soviel also zu den Vorteilen des Daseins als Tageslichtler.
„Also im Grunde ist es perfekt hier. Es sind nur ein paar Meter runter zum See.
Dort liegen an einem Anlieger ein paar Kanus. Wir können raus auf den See fahren und dort die Angelausrüstung ausprobieren. Wenn wir was fangen, können wir den Fisch am Feuer grillen und noch etwas essen, bevor wir losgehen. Besser gesagt -ihr könnt.
Und zum Nachtisch: Die besten Marshmallows der Welt!“
Mit diesen Worten raschelte er mit der Papiertüte, die er bei sich trug, was ihm einen liebevollen Blick von Izzy eintrug.
Er hatte es doch tatsächlich getan!
Erst vor wenigen Tagen hatten sie sich über Marshmallows unterhalten und er war entsetzt gewesen, als er hörte, dass sie noch nie im Leben welche gegessen hatte. Offenbar hatte er beschlossen, diesen Mangel zu beheben. Das war das Wunderbare an Simon, im Gegensatz zu all ihren vorherigen Partnern:
Er hörte zu; er achtete auf Details und war aufmerksam.
Und sie konnte nie wissen, wann er sie mit einer kleinen Geste geradezu von den Füßen riss.

Alle waren mit dem Plan soweit einverstanden und folgten Simon zum Anleger.
Helen und Aline Händchenhaltend und Alec noch immer sorgfältig auf Magnus achtend.
Die Boote waren in die Jahre gekommen und etwas schmal, sowie immer für maximal zwei Personen geeignet.
Sie würden jedoch ihren Zweck erfüllen.
Simon und Izzy, sowie Helen und Aline hatten ihr Boot schon vorbereitet und waren kurz davor es ins Wasser zu schieben, als Izzy sich umblickte und feststellte, dass Alec, der gerade noch neben ihr an dem Kanu hantiert hatte, zu Magnus zurück gegangen war, welcher sich nicht einmal in die Nähe der Boote begeben hatte.
Und plötzlich wurde der Hexenmeister lauter:
„Nein Alexander! Niemals im Leben steige ich in so ein schrottreifes Paddelboot, wo wir im nächsten Moment ertrinken!“
Alec blieb leise, legte Magnus nur eine Hand an die Wange und zog diesen Sekunden später in seine Arme. Offensichtlich war Magnus ziemlich aufgelöst. Izzy wusste nicht wieso und trat vorsichtig zu ihrem Bruder, der noch immer seinen Mann umarmt hielt. Fragend zog sie eine Augenbraue hoch. Sie hatte sich schon immer stumm mit Alec verständigen können, seit sie Kinder gewesen waren.
„Macht den Angelausflug ohne uns“, beantwortete dieser ihre unausgesprochene Frage. „Wir bleiben hier und warten, bis ihr wieder kommt.“
Wortlos nickte Izzy, kehrte zum Boot zurück, kletterte hinein und half Simon, es vom Ufer abzustoßen.

Magnus und Alec sahen zu, wie die beiden Kanus schnell um eine Biegung des Sees außer Sichtweite verschwanden.
Die Strömung musste stärker gewesen sein, als angenommen, dachte Alec.
Seit seinem Ausbruch wegen des Bootes war Magnus still.
Sein Mann hatte nur vor wenigen Dingen Angst und wenn, gab er es sehr ungern zu.
Und gerade, wo er nicht einmal wie gewohnt seine Magie zur Hilfe nehmen konnte, war er mit ziemlicher Sicherheit unsicherer als gewohnt.
Alec beschloss, das jetzt nicht weiter zu vertiefen. Stattdessen nahm er seinen Rucksack von den Schultern und griff blind hinein nach zwei Müsliriegeln. Einen hielt er Magnus hin, wohl wissend, dass diese nicht gerade hoch auf der Liste von Magnus‘ bevorzugten Lebensmitteln standen. Aber darum ging es auch gerade nicht.
„Hunger?“ fragte er mit einem neckenden Unterton.
Magnus bemühte sich ernst zu bleiben, aber das Lachen, welches durchbrechen wollte, stand bereits in seinen goldenen Augen.
„Schadenfreude steht dir nicht, Alec“, maulte er dennoch.
Seelenruhig öffnete Alec seinen Riegel und biss ein Stück ab, während er kauend fragte:
“Meinst du, ja? Also ich finde sehr amüsant, dass wir jetzt wegen meiner ach so überflüssigen Tasche nicht verhungern müssen.“
Jetzt musste Magnus doch lachen. „Ich verhungere lieber, bevor ich diese Dinger esse“, sagte er dennoch.
„Aber ein Schluck Wasser wäre schön“.
Alec grinste und fischte in seinem Rucksack nach den Flaschen. Dabei erwischte er die Badehose und zog sie aus Versehen mit hervor.
Magnus begann zu lachen und vergaß darüber das Wasser.
„Seit wann gehört Badebekleidung zu Alexander Gideon Lightwood-Banes Notfallvorrat?“
„Seit Magnus Lightwood-Bane ihn zu solchen Gelegenheiten ständig zwingt, schwimmen zu gehen!“, versetzte Alec gespielt beleidigt.
Daraufhin änderte sich Magnus‘ gesamte Körperhaltung sowie der Ausdruck in seinen wunderschönen, goldenen Katzenaugen und Alec spürte, wie er am gesamten Körper vor Erregung Gänsehaut bekam. Er kannte diesen Ausdruck in den Augen seines Mannes, wusste genau, was er bedeutete und liebte ihn.
„Wer sagt, dass wir dazu Badekleidung brauchen?“, hauchte Magnus, während er sich dicht an ihn schmiegte, ihn verlangend küsste und seine Hände unter Alecs T-Shirt wandern ließ.
Noch für einen flüchtigen Moment dachte Alec an seine Schwester und Simon sowie Helen und Aline und warf einen Blick über die Schulter, doch die Boote waren nach wie vor außer Sicht.
Sicher hatten sie eine Weile Zeit, bis die Anderen zurück wären.
Im nächsten Moment waren all seine Sinne bereits zu abgelenkt, denn Magnus hatte ihm das Shirt über den Kopf gestreift und ebenso sein eigenes ausgezogen.
Alles was er noch wahrnahm, war das unbeschreibliche Gefühl der warmen, bronzefarbenen Haut überall an seiner und der leidenschaftlichen Küsse, die zielstrebig von seiner Halsbeuge aus abwärts wanderten.


„Ich glaub, ich hab‘ Einen!“ rief Aline aufgeregt.
Sie verbrachten jetzt bereits fast eine Stunde an einer kleinen Bucht, die Helen als ideal zum fischen erachtet hatte und sie hatte alles so gemacht, wie ihre Freundin es ihr gezeigt hatte.
Doch bisher wollte einfach kein Fisch anbeißen bzw. kein weiterer Fisch. Helen hatte ziemlich schnell einen recht Großen gefangen, aber damit allein hatten sie nicht gerade ein beeindruckendes Abendessen.
Doch nun spannte die Leine und da war eindeutig etwas am anderen Ende.
„Sehr gut, Liebling“, ermutigte Helen sanft, stellte sich hinter sie und legte die Hände auf ihre Handgelenke, um im Zweifel eingreifen zu können. „Jetzt langsam. Immer schön Stück für Stück reinholen.Aber lass ihm genug Leine.“
Konzentriert folgte Aline der Anweisung. Ihr Herz pochte vor Aufregung. Das Gefühl glich einer Jagd, nur dass der Fisch einem im Gegensatz zu einem Dämon nicht gefährlich werden konnte.
Sie war so vertieft, dass sie unbewusst ihre Zunge in den Mundwinkel klemmte. Eine Geste, die sie in solchen Situationen oft an sich hatte, ohne dies selbst zu bemerken. Sie hatte keine Ahnung, wie anziehend Helen dies fand und wie sehr ihre Partnerin sich in diesem Moment beherrschen musste, ihr nicht die Angel aus der Hand zu nehmen und sich für einen leidenschaftlichen Kuss auf sie zu stürzen.
Helen seufzte innerlich. Hoffentlich war der Fisch diesen Verzicht wert.
Es dauerte noch etliche Momente, aber Aline schaffte es tatsächlich das Tier aus dem Wasser zu ziehen. Es war noch größer, als der Vorfang und fachmännisch nutzte Helen ihre Klinge, um es sofort zu töten. Sie angelte gern, aber von unnötigem Leiden, selbst bei Fischen, hielt sie nichts.
„Sehr gut gemacht!“, lobte sie dann Aline, die noch immer über das ganze Gesicht strahlte.
„Ich wusste, du bist ein Naturtalent, mein Liebling.“

Doch bevor sie dazu kam sich doch noch ihren ersehnten Kuss von der schwarzhaarigen Schönheit an ihrer Seite zu holen, traten Simon und Isabell hinzu, die in einiger Entfernung zum Angelplatz ihre Zeit mehr oder weniger genau mit dieser Art Beschäftigung verbracht hatten.
Isabell betrachtete die Fische und stellte fest: „Tja also zusammen mit dem Notfallvorrat, den Aline und Alec mitgeschleppt haben und Simons Nachtisch dürften wir uns jetzt noch ein anständiges Essen machen können, bevor wir losgehen.“
Aline nickte: „Izzy hat Recht. Wir sollten zurück. Gegen die Strömung anzurudern wird vermutlich auch einen kleinen Moment länger dauern.“
Gerade als sie die Boote zu Wasser lassen wollten, verdunkelte sich der Himmel urplötzlich und ein heftiger Wind kam auf.
Alle zogen synchron die Stirn kraus. „Ein Unwetter?“,fragte Aline in die Runde.
„Sieht so aus“, meinte Simon und schaute zum Himmel, der sich immer dichter zuzog.
Es war Helen, die aussprach was alle dachten.
„Es wird wohl jeden Moment anfangen zu regnen, das heißt wir können jetzt nicht zurück. Wenn es richtig heftig wird, könnten die Boote volllaufen oder kentern.“
Izzy zuckte die Schultern. Sie hatte schon Schlimmeres erlebt. Wenn man über und über mit Dämonenüberresten übergossen wurde, DANN hatte man einen Grund zu jammern. Das hier waren Peanuts. Sie musste fast lächeln, weil Simon dennoch besorgt schien und offenbar laut dachte.
„Wir müssten uns irgendwie schützen… hm… ich weiß! Holt die Kanus aus dem Wasser!“
Diesmal war es Aline, welche die kollektive Frage auf den Gesichtern der Frauen stellte:„Wozu?“
„Na ja- dass ihr die Filme nicht gesehen habt, in denen die Protagonisten am Fluss Rast machen und in denen ihnen dann die Boote fortgespült werden, wundert mich jetzt nicht wirklich. Aber das ist es nicht. Wir kriechen darunter!“
Alle drei Frauen sahen ihn auf die Äußerung hin an, als hätte er den Verstand verloren und er bekam automatisch das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen:
„Ich weiß das klingt merkwürdig, aber ich habe Monate in einem Bootverleih geschlafen und bin ein paar Mal unter so einem Boot gelandet. Deshalb…“
Izzy unterbrach ihn und legte ihm sanft die Hand auf den Arm. „Schon gut, das ist eine gute Idee.“
Zwischenzeitlich fielen bereits die ersten schweren Tropfen vom Himmel und ein heftiger Wind begann an den Booten zu zerren, so dass sie sich beeilten, Simons Idee in die Tat umzusetzen.
Sie hatten gerade noch Gelegenheit, Paarweise unter die umgedrehten Boote zu kriechen, als der Himmel sich wie eine Schleuse öffnete und es wie aus Eimern zu regnen begann. In der Ferne erklang Donnergrollen.


Izzy lag auf Simon und horchte nach Draußen. Besorgt dachte sie an Magnus und ihren Bruder. Aber Alec würde schon etwas einfallen. Das war immer so. Mitten in diesem Gedanken spürte sie, wie Simon ihr liebevoll das Haar aus dem Gesicht strich.
„Du sorgst dich um Alec“, stellte er fest.
Sanft lächelte sie ihn an. Er gehörte zu den wenigen Menschen auf dieser Welt, die diese Seite von ihr zu sehen bekamen. Eben weil er, so wie jetzt, ohnehin immer erraten konnte, was sie dachte. Also nickte sie nur. „Alec ist taff“, sagte er und grinste sein aufgesetzt zuversichtliches Lächeln. „Den haut so schnell nichts um. Wäre ich das Gewitter, hätte ich viel mehr Angst vor ihm, als umgekehrt.“
Fast hätte Isabell über diesen für Simon so typischen, sinnfreien Aufmunterungsversuch gelacht.
„Sei einfach still“, sagte sie fordernd und verschloss seinen Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss.
Etwas Anderes blieb ihnen hier ohnehin nicht zu tun, bis der Regen aufhörte.



Wenige Meter weiter ruhte Helens Kopf auf Alines Bauch. Diese streichelte mit den Fingerspitzen einer Hand gedankenverloren durch das lange, fast goldene Haar ihrer Partnerin.
Irgendwann sagte sie leise: „Jetzt ist unser erster, gemeinsamer Pärchenausflug buchstäblich komplett ins Wasser gefallen.“
Helen hob den Kopf und blickte einen Moment lang in Alines dunkle, leicht mandelförmige Augen, die für sie immer noch der schönste Anblick auf der Welt waren und es ziemlich sicher für den Rest ihrer Tage bleiben würden.
„Okay, teilweise vielleicht. Aber es war doch gar nicht so schlecht für den Anfang, Liebling. Immerhin haben wir überhaupt einen Pärchenausflug gemacht, Niemand hat etwas dagegen gesagt UND du hast deinen ersten Fisch gefangen.“
Aline lachte und ließ ihre Fingerspitzen aus Helens Haaren zu ihrem Gesicht wandern, wo sie zärtlich von den filigranen Wangenknochen aus zu ihrem Ohr strich, dass leicht spitz zulief. Der einzige sichtbare -und in Alines Augen wunderschöne - Hinweis auf ihr Elbenblut.
„Ich liebe es so sehr an dir, dass es kaum etwas gibt, dass dich aus der Ruhe bringen kann.“, flüsterte sie sanft.
Helens liebevolles Lächeln war ein Geschenk. Wie so Vieles an ihr.
Vorsichtig richtete die Blonde sich ein Stück auf und rutschte weiter nach oben. Ihr Haar fiel wie ein goldener Schleier über Alines Gesicht, als sie sich über sie beugte: „Ich habe an deiner Seite keinen Grund aus der Ruhe zu geraten, mein Liebling“, hauchte sie verlangend. „Allerhöchstens einen Einzigen“.
Und mit diesen Worten legte sie ihre Lippen zärtlich auf Alines, die sich nur zu gern in den liebevollen Kuss fallen ließ und unter Helens leichter Bluse nach der zarten, warmen Haut ihrer schön geschwungenen Taille tastete.


Besorgt schaute Alec aufs Wasser hinaus und auf den Himmel, der schnell immer düsterer wurde.
Er hatte eng umschlungen mit Magnus einfach am Strand in der Sonne gelegen und keiner von ihnen hatte nach ihrer leidenschaftlichen Vereinigung irgendeinen Anlass gesehen, sich zu bewegen.
Zumindest, bis plötzlich die deutlichen Anzeichen des drohenden Unwetters am Himmel erschienen waren.
Alec hatte keine Ahnung, was er jetzt machen sollte.
Er musste darauf vertrauen, dass seine Schwester und Helen und Aline selbst wussten, was zu tun war, denn er hatte keine Möglichkeit die Frauen und Simon so schnell wieder zu finden, zumal Magnus schon bei gutem Wetter nicht in das Boot hatte steigen wollen. Und er musste in erster Linie seinen Ehemann beschützen.
Also hatte er seinen Rucksack sowie Simons Tüte und ihre Kleidung - bis auf Ihre Unterwäsche, die sie zwischenzeitlich wegen der Bequemlichkeit wieder trugen- auf einen Absatz unter einen Vorsprung am Steg drapiert und mit seinem T- Shirt festgezurrt. Dort würde sie trocken und geschützt sein.
Dann hatte er sich die weitere Umgebung schnell näher angesehen. Es gab ein paar Schritte entfernt eine größere Baumgruppe mit einer großen Rotbuche in der Mitte. Dort würden sie zumindest etwas Schutz finden.
Gerade wollte er Magnus an die Hand nehmen und mit sich ziehen, als der Regen auch schon über sie hereinbrach. Alec wollte trotzdem noch los, aber Magnus bewegte sich nicht, legte einfach seinen Kopf in den Nacken und lachte.
Sein schönes, seidiges schwarzes Haar war innerhalb von Sekunden völlig durchnässt, ebenso wie Alecs Eigenes und der Anblick des Wassers, das an Magnus‘ Körper herab perlte, machte Alec bewusst, dass der Regen nicht kalt, sondern warm war.
Es fühlte sich an, wie eine Dusche.
„Ein Sommergewitter, Alexander“, rief ihm Magnus über das Donnergrollen hinweg zu, und Alec blieb aufgrund des Leuchtens auf seinem Gesicht und in seinen Augen fast das Herz stehen.
„Es ist ewig her, dass ich so Etwas erlebt habe! Dabei geht kaum etwas über warmen Sommerregen. Fühlst du das? Ist das nicht herrlich?!“
Alec konnte nur nicken. Sein Mund war trocken, obwohl er gerade nass geregnet wurde.
Diese pure Lebensfreude und Energie die Magnus gerade ausstrahlte – selten hatte er so wunderschön ausgesehen und das hieß bei ihm schon Einiges.
Magnus erkannte das verzehrende Verlangen in Alecs Blick und warf sich seinem Mann erneut hingebungsvoll in die Arme.
Wenn es noch etwas Besseres gab als warmen Sommerregen, dann war es, Küsse mit dem Menschen zu tauschen, den man über alles liebte, während man im warmen Sommerregen stand.
Keiner von Ihnen bemerkte auch nur, wie der Blitz in die Bäume einschlug, die Alec als sichere Zuflucht in Betracht gezogen hatte.

Es war nur ein kurzes Intermezzo und schon eine halbe Stunde später, erstrahlte der Himmel wieder in strahlendem Sonnenschein.
Als die beiden anderen Paare schließlich den Anleger wieder erreichten, waren Magnus und Alec bereits soweit wieder trocken, dass sie sich hatten anziehen können.
Alec zeichnete eine Hitzerune, um ein kleines Lagerfeuer zu entzünden über dem sie gemeinsam den Fisch brieten und die Marshmallows rösteten.
Zusammen mit Alecs Riegeln und Alines Trockenfleisch wurden alle gut satt, auch wenn sie sich sehr über die Zusammenstellung des Menüs amüsierten.
Es wurde bereits dunkel, als sie losgingen, so dass die Schattenjäger Nachtsichtrunen auftragen mussten.
Für Magnus war die Dunkelheit kein Problem, da die Fähigkeit auch bei wenig Licht gut zu sehen einer der in seinen Augen wenigen Vorteile seines Hexenmals war.

Simon schlug unterwegs vor, einer weiteren Mundie-Tradition zu folgen, die außer Magnus natürlich Niemandem bekannt war. Er versuchte, die Schattenjäger zu überreden, wenn sie schon eine klassische Nachtwanderung machten, auch Gruselgeschichten zu erzählen.
Insbesondere Magnus musste über das Ergebnis innerlich sehr schmunzeln, weil Alec und Izzy begannen sich abwechselnd mit Helen und Aline Geschichten über ihre besten Dämonenjagden als Gruselgeschichten zu erzählen. Eine Nachtwanderung a la Schattenjäger. Mal etwas ganz Anderes.
Sie mussten fast drei Stunden gehen, bis Magnus plötzlich spürte, dass der Schutzwall fiel und er vollen Zugriff auf seine Kräfte erhielt. Erleichtert atmete er auf, was ihm augenblicklich Alecs gesamte Aufmerksamkeit eintrug.
Ein Portal später, setzten sie die vier Anderen am Institut ab und als er versprechen wollte, dies an einem passenderen Ort zu wiederholen, wurde er von Alec unterbrochen, der sich einfach entschlossen verabschiedete.
Innerlich lächelte Magnus. Er wusste, er musste diese Sache jetzt nicht diskutieren.
Denn ebenso gut wusste er, dass ein bittender Blick genügte und sein Alexander tat Alles für ihn, was er wollte, wann immer er wollte.
Manchmal fühlte er sich dafür ja schon fast schuldig.
Aber eben nur manchmal.
Viel zu sehr genoss er es, in dieser nie dagewesenen Intensität geliebt zu werden.
Liebevoll tastete er nach Alecs Hand und erschuf für sich und seinen Ehemann ein Portal nach Hause.
 
 
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