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Liebe vor Leuten

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
13.06.2021
18.06.2021
6
11.916
15
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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14.06.2021 1.392
 
Nach Neujahr war es verdammt intensiv gewesen. Silvester hatten sie natürlich nicht miteinander verbracht, aber Olli hatte wegen seinem Adventskalender relativ viele Anfragen für Gastauftritte als Synchronsprecher erhalten und einer der Termine hatte ihn schon am zweiten Januar nach Köln geführt. Da hatte sich Olli natürlich ein Hotel gebucht, denn „Was soll' ich meinem Booker denn sonst sagen, warum ich keins brauch?“ oder „Ja klar, Janni, und was denken deine Nachbarn, wenn da zwei Wochen lang Olli Schulz ein und aus geht?“

Auf den zweiten Satz hin musste Jan dann doch lachen, denn er wohnte ja immerhin nicht in Köln, sondern in dem kleinen Spießerörtchen Pulheim, da würde Olli wohl niemand erkennen. „Ich bin bekannter als Du glaubst, Böhmermann“, spielten sie die Bälle hin und her bis der übliche Lachanfall sie erstmal zum Schweigen zwang und Olli urplötzlich: „Ich freu' mich so dich zu sehen, das glaubst du gar nicht“, fast schon säuselte und Jans Herz rutsche in die Füße, dann wieder hoch in die Körpermitte, als Olli mit dieser ruhigen Stimme: „Dich zu küssen und dich anzufassen“, sagte. Und selbst in 100 Jahren Showgeschäft hätte Jan nicht von sich gedacht, dass er einmal Telefonsex haben würde, aber mit Olli, da hatte sich das einfach so unglaublich gut angefühlt. Dieser Mann schaffte es einfach, dass er all' seine Kontrolle und vermeintliche Grenzen einfach aus dem Fenster werfen konnte – und das war ein verdammt befreiendes und grandioses Gefühl.  

In Köln hatte Olli zwar sein Hotelzimmer bezogen, ließ sich dann aber direkt von Jan abholen und zu ihm mit dem Auto nach Pulheim bringen. Olli war trotz allem supernervös gewesen, dass jemand sie zusammen hätte sehen können und das machte Jan einfach rasend, je öfter Olli erwähnte, dass niemand wissen sollte, wie gut sie sich aktuell verstanden. Denn natürlich: Jan bevorzugte es auch definitiv, sein Privatleben geheim zu halten, aber was war schon dabei? Ja, was Olli anging war für ihn irgendwie gar nichts dabei, konnte doch jede und jeder sehen, was da zwischen ihnen lief. Dieses ganze Dilemma ging schon so lange, der Kuss in Jans Sendung war noch damals im Neo Magazin gewesen und Jan hatte schon viel Kraft investiert, dahin zu kommen, wo sie jetzt waren, dass er seine Kraft einfach nicht in eine Geheimhaltung stecken wollte.

„Olli, es ist wirklich scheißegal ob uns jemand zusammen sieht“, brachte er deswegen heraus, nachdem er sein Auto vor dem Mehrfamilienhaus seiner Eigentumswohnung geparkt hatte. Doch Olli sagte nichts, stieg aus und nahm seinen Rucksack vom Rücksitz. Na gut, dann sprachen sie da eben nicht drüber.

Die erste Nacht blieb Olli nicht, das war aber auch okay, schließlich musste er am nächsten Tag ins Synchronstudio, hatte eine Vorbesprechung und so weiter. Die drei Tage danach blieb er bei Jan, auch über Nacht. Der Ältere küsste ihn mittlerweile auch, ohne Alkohol getrunken zu haben, schmeckte dann oft nach Minzkaugummi und sagte Jan, wie gut sich das anfühle. In der ersten Nacht – vermutlich hatte Jan seine Sorgen und Hemmungen fallen lassen, weil sie bei ihm zu Hause waren – hatte er Olli, als sie keuchend, aber noch viel zu angezogen, sich immer wieder küssend, aufeinander lagen, gefragt. Gefragt, ob es für ihn in Frage käme, einander körperlich noch näher zu kommen. Er hatte sich getraut, seinen Wunsch zu benennen, Olli in sich zu spüren und hatte zugestimmt, gesagt, dass er aber etwas Unterstützung brauchte. Es brach Jan, im positivsten aller Sinne, das Herz, dass sie zumindest im Bett so offen miteinander kommunizieren konnten und Olli ihn genau so wollte. Natürlich hatte Jan inständig gehofft, dass der Ältere sich langsam mal der Tatsache bewusst geworden war, wie wenig Erklärung man dafür brauchte, besonders, wenn man schon einmal Analsex gehabt habe. Aber Olli war eben Olli und manchmal einfach nur verplant und ziemlich festgesetzt auf seinem Tellerrand. So musste Jan ihm ein paar Anweisungen geben, aber als Ollis befeuchteter Finger das erste Mal in ihn eindrang war es so, als müsste das eben so sein, bei ihnen beiden. Ein bisschen chaotisch, ein bisschen untereinander sticheln aber im Großen und Ganzen ergänzten sie sich einfach ohne Worte.

Obwohl das nicht ganz stimmte, denn Olli sagte doch einige viele Worte. Er sagte Jan, dass er es liebte ihm dabei zuzuschauen, wie er die Kontrolle abgab, und führte einen dritten Finger ein. Er küsste den Jüngeren neben sein Ohr, nachdem er ihm mitteilte, dass er noch nie in seinem Leben so erregt gewesen sei. Er zischte, dass er nicht mehr der Jüngste sei und bei dem ihm sich bietendem Anblick vermutlich ziemlich schnell kommen werde, als er bereits mit seiner Spitze in Jan eingedrungen war. Er flüsterte: „Fuck, was machst Du mit mir?“, kurz bevor er sich erschöpft von seinem Orgasmus sanft neben den Jüngeren fallen ließ.

Nur als Jan selbst keuchend kam, dadurch, dass Olli ihn, nachdem er selbst gekommen war, schnell und heftig massierte, hatte Olli keine Erwiderung auf Jans „Ich liebe Dich“.

Für Jan fühlte sich das alles auch gut an, intensiv, berauschend und nach drei Tagen wie reines, pures Glück. Vielleicht konnte er ja doch richtig interpretieren, konnte sich Hoffnungen machen, dass das hier klappen würde. Er überlegte sich schon, ob sie dann den Podcast beenden müssten, weil es bei der letzten Aufnahme gemeinsam in einem Raum gestern schon als große Herausforderung herausgestellt hatte, nebeneinander zu sitzen und die Finger voneinander zu lassen. Olli hatte danach gemeckert, dass sie aufpassen mussten, weil mal das sonst merken würden und Jan war es einfach wieder so egal gewesen. Es war ihm egal, wenn Susanne und Hank da was ahnen würden, es war ihm egal, wenn die Hörerinnen und Hörer wieder über sie twittern würden – er wollte das mit Olli, ganz echt und fest und ziemlich lange und verdammt ernst.

Nicht egal war ihm hingegen, dass Olli einen riesigen Zirkus daraus machte. Jan durfte nicht mal auf Ollis Instagram Storys im Hintergrund zu sehen sein. „Dann macht halt keine Instagram-Story in m e i n e r Wohnung, ich lebe hier eben und du momentan auch!“, brach es irgendwann aus ihm heraus. Leider war Olli gestresst, schließlich, das hatte Jan in seiner Wut nicht mitbekommen, war Olli von der Firma, für die er synchronisierte, gebeten worden, ein bisschen Promo zu machen. Aber auch da wäre es ja wohl nur positiv für die Promo gewesen, man hätte Jan gesehen. Trotzdem blaffte Olli ihn sofort an: „Man, Jan, es muss einfach nicht jeder wissen, dass ich nebenbei noch mit dir ins Bett steige, okay?“

Und das war einfach zu viel, selbst für jemanden mit enormer Selbstbeherrschung. Jan sah nur noch rot, packte Olli am Arm und riss seine Augen auf: „Weißt du was, Olli Schulz? Du kannst dich verpissen, einfach so und ab sofort. Dann weiß das niemand und dann kannst du gerne ins Bett steigen, mit wem Du willst, Hauptsache, ich bin es nicht!“

Olli, schon immer der schlechteste im Streiten, viel besser in Schlägereien, riss seinen Arm los, schnappte seine Tasche und ergriff ohne ein weiteres Wort die Flucht. Vermutlich besser so.

Bis Februar, wenn die Winterpause für den Podcast vorbei war, würden sie das schon schaffen, ihre geschäftliche Basis wieder herzustellen, schließlich waren sie beide Profis. Und selbst wenn nicht: Jan war es scheißegal. Er wollte sich dieser ganzen kack scheiß Situation nicht mehr aussetzen, irgendwo war er sich selbst auch noch etwas wert.

Um wirklich einen Schlussstrich zu setzen und sich immer daran zu erinnern, falls er schwach werden sollte schrieb er Klaas eine SMS.

Jan: Klausi, ich hab deinen Rat angenommen und das ganze Dilemma beendet. Fühlt sich gut an, denke ich.
Klausi: Gut gemacht, ist das Beste so!

Jan war sich nicht so sicher, ob es aktuell das Beste für ihn war, denn es fühlte sich an wie zerrissen zu werden von den eigenen Händen, aber alles andere wäre vollkommen gegen seinen letzten Funken Selbstrespekt gegangen.

Und nach fünf weiteren Stunden konnte sich Jan einreden, dass er auf Ollis Nachrichten nur noch geschäftlich, irgendwann einmal wieder freundschaftlich eingehen konnte.
Als hätte er es sich selbst beweisen müssen antwortete er daher auf:  „Jan, es tut mir leid, aber ich kann das aktuell einfach nicht“, mit „Wir vergessen das, die Fest & Flauschig Hörer*innen brauchen uns doch :)“

Auf die Emoji-Kombination aus Anker und Herz antwortete Jan dann mit seinem Herz, der Hand und dem zwinkernden Emoji. Eben – back to business.
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