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Liebe vor Leuten

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jan Böhmermann Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Olli Schulz
13.06.2021
18.06.2021
6
11.916
11
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Dieses Kapitel
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13.06.2021 1.604
 
Hallo, na, liebes Fandom!

Gibt es Euch eigentlich? Das Jan-und-Olli-shippende-Fest-&-Flauschig-Fandom? Falls ja freue ich mich das hier mit Euch zu teilen und falls nicht wird es einfach hiermit offiziell eröffnet.

Kleiner Disclaimer:
Seit meiner  Beyblade-Fanfiction damals mit 13 (vor 15 Jahren) habe ich nie wieder irgendetwas an Fanfiction fertig gebracht und das hier hat auch nur geklappt, weil ich sehr sehr sehr wunderbare Unterstützung hatte.  Also, hier ganz öffentlich, danke dafür ♥

Keine der Personen gehört mir, nur der Plot ist in meinem Kopf erwachsen.

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Kapitel 1 - Tempo

„Erinnerst du dich noch, als wir uns in deiner Sendung geküsst haben?“

Natürlich erinnerte er sich noch daran. Und er hasste es, wenn Olli so etwas während der Aufnahme ansprach, während Hank und Susanne und sonst wer von Spotify zuhören konnten. Während er selbst natürlich nicht reagieren konnte, wie er wollte, meistens dann einfach nur lachte. Und damit hatte es sich dann gegessen, denn abseits vom Mikro sprachen sie nicht darüber. Nicht über den Kuss und schon gar nicht über das, was seitdem eigentlich immer bei ihnen los war, wenn sie „abseits vom Mikro“ waren.

Erinnern konnte er sich an den Kuss ziemlich gut und ziemlich oft, da brauchte Olli gar nicht nachzufragen. Und falls er sich einmal nicht erinnern konnte, konnte er sich ja die Aufzeichnung von damals angucken – tat er natürlich kaum, würde auch niemals das Video anschauen und jede von Ollis Gesten, seine Blicke analysieren. Es machte auch keinen Sinn, denn der Kuss war eigentlich nur das, womit das Dilemma angefangen hatte.

Daran konnte er sich nämlich auch noch ziemlich gut erinnern.

Nach der Aufzeichnung der Show, damals noch das Neo Magazin, hatte Olli noch darauf gewartet, bis er fertig war. So war das üblich, nicht nur bei ihnen beiden, sondern bei jedem Gast, der noch ein bisschen quatschen, netzwerken oder auch nur gemeinsam ein Bierchen trinken wollte. Gut, Bierchen waren damals noch nicht Jans Ding gewesen, damit hatte er erst in 2020 angefangen und das nicht nur wegen der Pandemie.

Jan dachte, in Retrospektive, oft darüber nach, wie es nach dem harmlosen Kuss in der Show dazu gekommen war, dass sie zu zweit in seiner Garderobe saßen, über irgendeinen Scheiß gelacht hatten und Olli ihn ziemlich offensiv an sich gezogen und geküsst hatte. Ohne Kameras, ohne einen Witz machen zu wollen, quasi einfach so. Und es hatte besser geklappt als in der Show, war viel entspannter gewesen und trotzdem war an diesem Nachmittag etwas in Jan zwei Mal explodiert.

Seitdem war es praktisch immer so gelaufen – wenn irgendwo eine gemeinsame Aufnahme stattgefunden hatte, küssten sie sich, sobald niemand anders in Reich- oder Hörweite war. Am Anfang so wie beim ersten Mal, einfach so, auf die Lippen. Und bei jedem Mal kam etwas mehr, ja, wie konnte man das nennen, Bewegung, hinzu. Jan hatte gehofft, dass diese Explosionen aufhören würden mit der Zeit, aber es kam nur dieses kribbelige Gefühl hinzu. Die Explosionen blieben ihm erhalten, aber jedes Mal, wenn sie beide in einem Raum waren, Jan sich bestimmte Blicke, eine bestimmte Wortwahl einbildete, kribbelte es so ungemein, dass ihm die dosierten Explosionen fast lieber waren.

Er machte sich da nichts vor, er hatte schon länger hin und wieder mal einen netten Traum von dem Älteren gehabt; sie hatten sich über so viele Jahre schon so gut verstanden und manchmal schiebt einem das Unterbewusstsein da einfach einen guten Freund und Kollegen unter, wenn das letzte Mal wieder viel zu lange her war…

Wann diese Küsse intensiver geworden waren, konnte er jedoch nicht genau sagen. Meistens konnte Jan eine Veränderung wahrnehmen, wenn sie nach einer Aufzeichnung, einem Pressetermin oder irgendeinem Promo-Kram zusammen noch etwas getrunken hatten. Er eine Cola, Olli Cola aus der gleichen Flasche aber eben mit Whiskey als „gute Mische“, oder wie auch immer. Vielleicht hatte Jan auch angefangen Alkohol zu trinken, weil der Whiskey an diesen Abenden auf Ollis Zunge immer so verdammt gut schmeckte.

Der Jüngere hatte diese Küsse, diese Momente, nie wirklich von sich aus initiiert, machte sich selbst immer so viele Gedanken, analysierte jede Bewegung des anderen und wollte ihn irgendwie auch nicht bedrängen. Und Olli wusste ja auch, dass Jan bisexuell war. Natürlich machte er das nicht öffentlich, das ging so ganz offiziell niemanden an, aber sein engeres Umfeld wusste es, hatte einige Partnerschaften oder Erzählungen darüber mitbekommen.

So führten jedes Mal eine Milliarde gute Gründe in Jans Kopf dazu, dass er, und wollte er es noch so sehr, einfach keine Initiative ergreifen konnte. So blieben sie nun mal in Ollis Tempo. Und, verdammt, Ollis Tempo war gut, denn all' die Gedanken über dies und das und jenes und Sendung und Podcast und Gerichtsprozesse und Patchwork und war ich heute gut genug und und und wurden dann einfach weggefegt mit der Explosion. Nur noch boom, Explosion, Whiskey und Olli Olli Olli Olli. Von daher war Jan zufrieden mit Ollis Tempo gewesen. Wenn nur der eine penetrante Teil in seinem Gehirn nicht manchmal fragen würde, warum Olli ihn küsste und warum sie nie darüber sprachen und warum das Kribbeln sich manchmal in etwas umwandelte, das doch ziemlich weh tat. Aber dann konnte Jan sich doch oftmals damit zufriedengeben, dass Olli ihn halt küsste, wenn sie allein waren, dann war das eben on top zu ihrer sonstigen Beziehung.

Aber das Ganze ging mittlerweile nun schon so lange, dass Jan aus lauter Verzweiflung und irgendwie auch, um qualitativ hochwertigen Rat zu erhalten, Klaas davon erzählt hatte. Klaas kannte Olli, aber nicht so gut, dass sie öfter miteinander abhingen – das war wohl irgendwie eher Jokos Ding, eine richtige private Freundschaft mit Olli zu führen. Und Jan konnte dem Kleineren einfach zu 100% vertrauen, dass alles, was sie besprachen, auch unter ihnen blieb. Das hatte er nicht bei wirklich vielen Leuten. Und Klaas war eben genau der richtige Ansprechpartner, da er ein vorsichtiger Typ und super rational war und Jan vor Augen geführt hatte, dass da einfach zu viel auf dem Spiel stand. Im worst case würde er durch seinen Leichtsinn nicht nur einen langjährigen Freund, sondern auch seinen Podcast verlieren. Also, wie gesagt, Ollis Tempo.

Und so waren sie in diesem Tempo die letzten Jahre dahingekrochen wie Schnecken und Olli hatte mit einigen Frauen geschlafen und Jan hatte das irgendwie nicht so gut gekonnt, seitdem er sich dann doch irgendwo in diesen Typen verknallt hatte. In einen verdammten Heteromann. Vielleicht sogar den heterosexuellsten Mann unter den heterosexuellen Männern – gut gemacht, Böhmermann. „Kannste' jetzt auch nix mehr dran machen“, hatte Klaas damals gesagt, als Jan diese Erkenntnis zum ersten Mal irgendwie fluchend aus dem Mund gefallen war.
Und ja, da konnte er jetzt nix mehr dran machen, aber beschissen war es trotzdem.



Seit Anfang 2020 hatten sie sich nicht gesehen, aber täglich privat und über den Podcast gesprochen. Obwohl das gut war, beruflich und um eine Ablenkung von dieser ganzen Scheiße um Covid-19 und Schulschließungen zu haben, zog es Jan natürlich noch tiefer rein in dieses ganze Dilemma. Da hatte er allerspätestens erkannt, dass er auch ohne die regelmäßigen Explosionen kribbelig und hibbelig wurde, nur durch eine SMS oder seine Stimme. Sich von Klaas einreden lassen, dass es vielleicht nur etwas Körperliches, eine gute Chemie, war, war damit ein für alle Mal hinfällig.

Im Sommer 2020, als man schon hatte denken können, die Pandemie sei nun besiegt, hatte Olli ihn dann eingeladen, zum Bootfahren auf einem See in Berlin. Sie hatten zwar eine Insta-Story gemacht, aber davor und danach waren da nur sie gewesen, ganz ohne Podcast, ohne Mikro. Natürlich waren sie nicht allein auf dem See, was hatte man sonst auch unternehmen können, im Sommer 2020. Trotzdem war Jan so unfassbar kribbelig gewesen, dass er schon Angst hatte, die Insta-Story hätte ihn verraten. Klaas hatte ihm zwar im Nachhinein geschrieben, dass man ihm die Verliebtheit schon an der Nasenspitze und spätestens an dem schicken Hemd („Seit wann trägst du privat bitte so etwas, Hoodie-und-Jeans-Böhmermann?“) hatte ansehen können, aber der Heufer-Umlauf hatte nur übertrieben. Jan hatte sich die Story danach nämlich noch dreizehnmal angeschaut und da war gar nichts gewesen. Bis auf das Hemd, das hatte er tatsächlich angezogen weil, naja, sie hatten sich so lange nicht gesehen und... was eigentlich, er wusste es selbst nicht so genau.

Auf dem Boot hatten sie ein paar Bierchen getrunken, gequatscht und waren bis in die Dämmerung, dann als einzige, auf dem See geblieben („Promi-Bonus“). Es war das erste Mal, dass Ollis Zunge nach Bier schmeckte und keine Tür hinter ihnen geschlossen werden musste, damit der Ältere ihn an sich zog. „Wo schläfst du heute?“, hatte Olli gefragt, nachdem sie den Kuss gelöst und er Jan einen Arm um die Schulter gelegt und kurz mit dem Kragen des besagten Hemdes gespielt hatte.

„In meiner Berliner Wohnung, die Fliesen im Badezimmer sind ja endlich fertig, ich muss dieses Mal nicht wieder extra ins Hotel. Wolltest Du mich schon im unfertigen Hausboot unterbringen, oder was?“

Sie lachten darüber und Olli erzählte, wie weit das Hausboot schon sei und dass sie dann unbedingt mal dort übernachten müssten und eine Podcast-Folge aufnehmen ja sowieso.

Da auf dem See hatte Jan kurz das Gefühl gehabt, Olli hätte das Tempo angezogen, hätte es noch weiter anziehen wollen. Aber er war ein ehrlicher Idiot gewesen, der von seiner Berliner Wohnung und den Fliesen erzählt hatte, anstatt den Mann, der ihm da mit den Fingern immer wieder wie beiläufig über den Hals fuhr, zu fragen, warum er das wissen wolle oder einfach mal zu lügen und zu gucken, ob das, was er später durchanalysiert hatte, wohl der Wahrheit entsprochen hatte.
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