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Verlorene Gewinner

von Kosou
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / Het
Akaashi Keiji Bokuto Koutarou OC (Own Character)
11.06.2021
11.06.2021
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Ihr Herz klopfte bis zum Hals. Suzuki Nori war nicht gerade die Person mit einem aufregenden Leben. Sie war Klassensprecherin ihrer Klasse, der 3-6. Ihre Noten waren gut, dennoch war sie nicht die beste. Sportliche Leistungen erbrachte sie selten, da sie in keinem Sport tätig war. Höchstens der Schulsport, welcher zum Pflichtunterricht eines jedn Schülers der Fukurodani gehörte. Sie war besonnen, ruhig und vollkommen unauffällig.

Ganz im Gegenzug zu dem Energiebündel, welcher gerade auf dem Spielfeld stand. »Hey, Hey, Hey!« Ertönte es lautstark. Ein Laut, den es oft auf dem Spielfeld gab wenn er spielte. Ein Laut, welcher trotz der Punkterücklage und der glimpflichen Situation typisch war. Ein Laut, welcher dem Team hinter Bokuto Kõtarõ jenen Rückhalt und Mut gab, den sie gerade brauchten. Denn auch wenn er so optimistisch klang, die Situation der Volleyballspieler der Fukurodani Highschool war mehr als nur zu ihrem Ungunsten gedreht.

Es war das Spiel, auf dem die Fukurodani so lang hin trainiert hatte: Das Finale der tokyoter Nationals. So viele Teams vor Ihnen hatten sich den verschiedenen Herausforderern der anderen Schulen gestellt um die Möglichkeit zu haben nun an der Stelle der Fukurodani zu stehen. Doch waren Sie es die den Platz eingenommen haben und nun im Finale standen. Und zu versagen schienen.

Es stand 13-14. Man spürte die Nervosität, die beide Teams in sich trugen. Beide Teams wollten gewinnen, wollten sich bei einem derzeitigen 2:2 der Satzbälle nicht mit einem 2. Platz zufrieden geben. Verständlich. Es wäre ernüchternd als Verlierer aus einem Match voller so vieler Wendungen, Spannungen und Schweiß zugehen. Vor allem nicht, wenn Bokuto es an die Spitze der Spiker wieder schaffen wollte. Ein Verlust wäre da nicht anzunehmen. Nicht hier, auf dem Center Court. Nicht, wenn all seine Freunde ihm zu sahen. Karasuno, Nekoma, seine Familie, aber auch Suzuki Nori, welche zu seinen engsten zählte.

Suzuki hatte seit dem ersten Spiel, welches das erste Qualifikationsspiel im 2. Jahr war, was sie sehen durfte, keines mehr von ihm verpasst. Sie gehörte nicht nur zu dem, nicht gerade kleinen, Fanclub von Bokuto, sondern unterstützte sie ihn auch außerhalb des Volleyballs in dem sie seine schulische Leistung überwachte und auch half. Somit gab sie ihn öfters Nachhilfe, was – sie musste es leider Gestehen – öfters auch mal zu einem gemeinsamen Filme- oder Spieleabend auslief, oder mit einer Essorgie.
Bokuto mochte lernen nicht, und hatte es sich somit lieber zur Aufgabe gemacht sein „Küken“, wie er die kleinere gerne nannte, vollends abzulenken. Und das 'Küken', wie sie nicht gern genannt wurde da es ihr Herz höher schlugen ließ, fiel leider viel zu oft auf ihn herein. Eulen waren eben doch nicht nur flauschig, sondern auch vor allem eins: Raubvögel.

Der Aufschlag legte nun an. Kein Laut verließ die Tribüne voller Zuschauer. Doch steigerte dies nur die Spannung. Die Annahme geriet nicht sauber, was wohl der bereits eingetroffenen Erschöpfung und auch der Wucht des Schlages geschuldet war. Doch schaffte Akaashi dennoch den Ball für Bokuto vorzulegen. Die Spieler der gegnerischen Mannschaft sprangen. Zwei blockten ihm die Quere, somit setzte Bokuto zum freistehenden Lineshot an. Er schlug – und zeitgleich sprang ein dritter Blocker hoch und schlug den Ball, welcher bis eben noch ein sicheren Safe versprach, zu Boden. Der Drall des Balles am Boden, das laute Klatschen, verdeutlichte nochmal die verlorene Chance nochmal aufhören zu können. Die Stille schien nun zu zerreißen. Erst der Schiedsrichter, welcher den Ball anpfiff um zu verdeutlichen dass die gegnerische Mannschaft den Siegespunkt geholt hatten, durchbrach die Stille.

Ein Grölen durchbrach die Menge, während Suzuki nun endlich ausatmete. Sie hatte garnicht mitbekommen, dass sie die Luft angehalten hatte. Doch schien selbst das Atmen nun surreal zu sein. Alles schien surreal. Die Menge die Schrie, der Dankesruf der Sportler, das Verlorene Spiel der Mannschaft. Es wirkte alles surreal.
»Lasst den Kopf nicht Hängen, das Spiel war super!« »Ihr seid die Sieger der Herzen!« typische Aufmunterungen. Doch wusste sie selbst nicht, was man hätte besser sagen können. Doch eins wusste sie: Folgender Spruch war genau das, was man nicht hören wollte. Zumindest, wenn man in den Schuhen der Drittklässler war. »Nächstes mal holt ihr Sie!« Nächstes mal..

Ihr Applaus verhallte und sie sah zu dem Ursprung des Spruchs. Ein Kind, welches wohl hier war um den eigenen Bruder anzufeuern. Es wusste bestimmt nicht, dass es das letzte Spiel der Drittklässler war. Wie denn auch? Das Kind war schlichtweg nicht im Rahmen solche Details zu beachten. Doch sah man an den Blicken der Drittklässler, dass jene gerade nicht differenzieren konnten. Gar sah sie aufkommende Tränen. Ihr Blick wandte sich daher augenblicklich ab. Er streifte nur eine Sekunde den von Bokuto, doch schmerzte es ihr dermaßen, dass sie es einfach nicht übers Herz brachte auch nur noch eine Sekunde hinzuschauen.

Stattdessen erhob sie sich, eben gleich der Nekoma und der Karasuno. Die Familie war bereits nach dem Aufstellen aus der Halle gegangen. Draußen fanden die Teams und Suzuki zusammen damit sie auf die Fukurodani warten konnten. Doch selbst nach einigen Minuten kamen sie nicht. Kuroo kratzte sich am Nacken und war schlussendlich der erste, der ein Kommentar dazu abließ: „Bokuto scheint wohl seinen Mode zu haben.“ Er sprach nicht genervt, viel mehr neutral. Jeder war mittlerweile an jenem Mode gewohnt. Keiner hat da noch groß Probleme mit. Und anders als sonst konnte jeder verstehen, wieso Bokuto in eben diesen Mode war.

Konoha war der erste der Fukurodani's, welche die wartende Menge zu Gesicht bekam. Erwähnter trug jedoch einen derart absonderten Blick, dass die Sorge in den einzelnen Volleyballern gleich stieg. Er kam sogleich bei seiner Ankunft zu Punkt: „Wir brauchen dich, Suzuki-san“ Angesprochene nickte nur und folgte dann dem hellhaarigen.

Angekommen in der Umkleide, welche für den heutigen Tag der Fukurodani zugeordnet war, fand sie sogleich jenes Team vor der Tür vor – zumindest mit Ausnahme von Akaashi und Bokuto. Egal wer von der Nekoma oder Karasuno hier angekommen wäre, jeder hätte gewusst, wo die fehlenden waren. Somit verschwendete sie auch keine weitere Zeit, öffnete die Tür und trat in die, zugegebenermaßen leicht nach Schweiß riechenden, Räumlichkeiten ein. Was sich ihr dort bot, ließ sie stocken.

Bokuto hatte die Angewohnheit sich in enge Plätze zu zwängen, sobald es ihm schlecht ging. In der Regel hob sich diese Angewohnheit jedoch auf, wenn Akaashi um ihn herum war. Letzter Schwarzhaariger war ein Meister wenn es darum ging Bokuto aus seinen Gemütsschwankungen zu besänftigen. Fast wie ein Dompteur, der seine Löwen kontrollieren zu versuchte. Das jener Löwe, auch Bokuto genannt, nun aber trotz seines Dompteures Anwesenheit in seine alten Verhaltensmuster verschwand zeigte nur deutlich wie schlecht es ihm ging. So fand sie Bokuto unter den engen Bänken in einer Ecke hervor. Vor ihm ein Gitter, welches wohl eigentlich genau jenes verhindern sollte bei kleinen Kindern. Wie er also dort hin gekommen war war ihr ein Wunder. Irrelevant nun aber auch, immerhin zog Akaashi mit seinem seufzen nicht nur die Aufmerksamkeit auf sich, deutete ihr jedoch auch wie verzweifelt er langsam war.

Langsam näherte sie sich den Jungs, ehe sie sich neben Akaashi hockte. Jener schaut von Bokuto nun auf zu ihr. Er deutete kurz ein nicken zur Begrüßung an, welches sie mimte, ehe sie gemeinsam zu Bokuto zurück sahen. „Bokuto-san, Suzuki-san ist hier. Möchtest du sie nicht begrüßen?“ Es gab keinen Moment in ihrer gemeinsamen Schullaufbahn, in welcher Bokuto sie nicht angesprungen war vor Freude sie zu sehen. Egal wie schlecht seine Stimmung war. Natürlich war er manchmal dann nicht so froh und doch eher ein wenig träge, doch er begrüßte sie immer. Umso mehr schockierte es nicht nur die junge Dame, sondern auch Akaashi als er sich dieses mal keinen Zentimeter zu rühren schien. „Sie soll nie wieder eins meiner Spiele sehen!“ die Stimme von Bokuto war derart rau und kratzig, dass sie genau wusste das er, der mit dem Rücken zu ihr Gewand war, gerade weinte. Ihr Herz zog sich ein wenig zusammen. Bokuto war ein Sonnenschein. Ihn derart zu sehen tat einfach nur weh. So sehr, als würde es nie mehr aufhören zu regnen. Als wäre das letzte Fünkchen Hoffnung erloschen.

Stumm legte sie sich dann neben ihn auf dem Boden. Auf der anderen Seite des Gitters und somit auch nicht unter der Bank wie er es getan hatte. Da sie auf der Seite lag musste sie mit einem Arm ihren Kopf schützen. Zumindest wenn sie es einigermaßen komfortabel haben wollte. Ihr Finger der zweiten Hand glitt zwischen dem Gitter vorbei zu seinem Rücken, in welchem sie sanft stach. Sie war nicht gut darin mit seinen Gemütsschwankungen umzugehen. Sie wusste nicht was sie sagen musste, damit er wieder glücklich war. Sie wusste ebenso wenig was sie tun konnte damit es ihm besser ging und viele seiner ‚Probleme‘ konnte sie auch nicht deuten. Doch eins wusste sie: Wie sie ihn zum lachen bringen konnte. Und das wollte sie gerade mehr als nur alles andere auf dieser Welt. „Kõ-chan, darf ich dir einen Witz erzählen?“ Kurz war stille, kein rühren, keine Reaktion. Dann aber tat er das, was sie ihrem Herzen erneut ein stillstand bereitete. Er drehte sich um und sah sie mit seinen geröteten, gequollenen Augen an. Seine Atmung ließ weiterhin seinen ganzen Körper erzittern. Er schnappte regelrecht nach der Luft, die nur glimpflich durch die verschnodderte Nase bei ihm ankam. „Weißt du, wie man eine weinende Eule unter einer Sportbank nennt?“ Sie spielte offensichtlich auf seine Situation an. Kurz schloss Bokuto die Augen und schien ernsthaft nachzudenken, schüttelte schließlich den Kopf. Dies jedoch derart kraftlos, dass sie es kaum gesehen hatte. „Eine Heule.“ Vollendete sie dann den Witz. Dann fiel erneut schweigen über beide. Bokuto schloss erneut die Augen und schien für sich zu überlegen ob der Witz es Wert war zu lachen oder nicht. Normalerweise würde er keinen Augenblick zögern, egal wie schlecht ihr Witz war. Und eins kann man glauben: Die Witze von Suzuki waren nie wirklich lustig.

Es brauchte, doch öffnete Bokuto bald wieder seine Augen. Erneut lagen diese goldenen Taler genau auf ihren. „Noch einen“ war seine leise bitte. Immer noch rau, doch dieses mal auch zittrig. Er schien weiteres Weinen versiegeln zu wollen. Sogleich begann Suzuki zu überlegen. Noch ein Witz- „Wie nennt man eine magische Eule?“ Fragte sie ihn dann, was ihn erneut zum nachdenken brachte. Während er somit wieder die Augen geschlossen hatte spähte sie zu Akaashi hinüber, welcher an einem Spind gelehnt das Geschehen beobachtete. Auch er schien ein wenig nachzudenken, was sie innerlich schmunzeln ließ. Zumindest sosehr, wie die Situation es zuließ. Letztendlich zog Bokuto jedoch wieder die Aufmerksamkeit auf sich, als er die Augen öffnete und den Kopf, genauso zaghaft wie zuvor, schüttelte. „Hoodini - HoooHooo.“

Die Eulenlaute waren es, die letztendlich Bokuto dazu animiert hatten sich selbst ein wenig aufzuraffen. Seine Hand lag nun am Gitter was sie als Einladung dazu nahm ihre eigene, von der anderen Seite, an seine zu legen. Nachdenklich sah Bokuto die Hände an und auch sie versank in ihren eigenen Gedanken, welche damit beschäftigt waren nachzudenken, wie der Eulenjunge sein Lächeln zurückfinden könnte. „Ich möchte dich umarmen“ sprach sie dann den Gedanken aus, der ihr schon seit Eintritt in diesem Raum Bauchschmerzen bereitete. Kurz schnaubte Bokuto, nickte jedoch sogleich. „Ich komm raus.“ Mit den Worten machte er sich ans Werk aus seinem Versteck herauszuklettern.

Als wäre es das imaginäre Zeichen von Akaashi und Suzuki standen beide auf um ihn im Empfang zu nehmen. Doch als er nach einigen Minuten herum gezappel immer noch unter der Bank war, beugten sich beide wieder runter. „Bokuto-san?“ Fragte Akaashi nach als er die Lage des Größeren analysierte. Jener nahm dies jedoch ab: „Ich.. komm nicht mehr raus. Bitte helft mir.“

Suzuki war es die dieses mal ein Lachen unterdrücken musste. Das war so typisch für diesen Chaoten! Dennoch stellte sie sich mit Bokuto an die Bank und zunächst versuchten sie diese zu zweit anzuheben. Erfolglos, da sie am Boden festgeschraubt war. Sie mussten ihn also rausziehen. „Kõ-chan, wir müssen dich rausziehen.“ Bereitete sie ihn daher auf kommendes vor, ehe sowohl Akaashi als auch Suzuki eines seiner Beine nahm und ihn an jenen zu ziehen versuchten. Er bewegte sich einige Zentimeter. Zumindest soweit, dass er bis zur Hüfte draußen war. Sein muskulöser Oberkörper wollte jedoch nicht weiter rutschen. Er schien irgendwo verfangen zu sein. Sie seufzte. „Wir müssen wohl oder übel das Gitter entfernen“ entkam es ihr nachdenklich an Akaashi gerichtet. Jener nickte. „Ich ruf den Hausmeister.“ Erklärte er dann ehe er den Raum verließ.

Suzuki setzte sich wieder neben Bokuto, welcher aufgebracht zu brabbeln begann „Küken! Was wenn ich hier für immer hocken bleibe! Dann erinnert man sich nur noch an den Jungen, der seinen Spike verhauen hat!“ Er sprach gequält. Gequält, weil er sich wohl die Schuld an dem letzten Punkt gab. Suzuki legte sich wieder hin. Dieses mal jedoch auf dem Bauch vor ihm damit sie ihn ansehen konnte. „Das bezweifle ich. Weißt du an was ich mich erinnern würde?“ Fragte sie ihn, was er nur kopfschüttelnd annahm. Sie sprach dann weiter: „An einem unsagbar guten Volleyballspieler, der nicht nur unglaublich in seinen Spikes war, sondern auch ein Talent hatte mich um den kleinen Finger zu wickeln“ sie grinste, war aber dennoch gleichermaßen überrascht über ihre kecke Antwort. Bokuto schien es ähnlich zu gehen, da er sie mit offnen Mund ansah. Dann aber rüttelte er wieder an seiner Umgebung „Ich muss hier raus, damit ich dich noch mehr überzeugen kann!“ Rief er aus, während er weitermachte. Sie versuchte ihn jedoch zu zähmen „Du kommst raus, aber beruhig dich! Sonst tust du dir nachher weh!“ Und noch ehe sie zu Ende sprechen konnte war es geschehen: er hatte sich irgendwo ran geschnitten und nun blutete seine Handseite.

Ein seufzen überkam Sie, während Bokuto im Kontrast das Blut an seiner Hand anstarrte als hätte es ihn hypnotisiert. Ein Glück kam Akaashi mit dem Hausmeister zurück. „Da, jetzt wirst du gerettet“ entkam es aufheiternd von ihr während sie auf die Retter hinzeigte. Jene machten sich dann, ein wenig grummelnd, an die Arbeit den Eulenjungen zu retten. Die Tür des Raumes war derzeit sperrweit offen, da auch das restliche Team das Drama mitbekommen wollten.

Es brauchte seine Zeit, doch schon bald war das Gitter entfernt und mit ihm auch Bokuto befreit. Jener krabbelte sofort raus und hockte sich zu Suzuki, welche bei der gesamten Prozedur in der nähe saß und ihn ermutigte und tröstete. Gerade wollte Bokuto zum sprechen ansetzen, da wurde er grob von der sauren Stimme des Hausmeisters ermahnt. »Das man einem Erwachsenen sagen muss, dass man dort nicht hineinklettert- unglaublich!« Als die Schimpftirade begann wussten beide, dass mit dem Hausmeister wohl nicht gut Kirschenessen war. Bokuto, wie ein kleines Kind das gerügt wurde, rückte derzeit an die Seite von Suzuki und zog sich selbst in die Arme besagter. Sein Kopf drückte sich dabei an ihre Schulter, in der Hoffnung so den Schreien des bösen Mannes zu entkommen. Doch so nicht mit ihm, er schrie ihn noch gute 10 Minuten weiter an. Dabei war es, im Verhältnis was wohl sonst noch hätte geschehen können, ein milder umstand.

Stumm atmete sie tief aus. Ihre Hand fand sich in den Haaren Bokuto’s wieder, durch welche sie sanft streichelte. Ihm ging es schlecht, schon vor dem Anschiss, und nun das. Sie wollte ihm eine kleine Stütze sein und beruhigen, während auf ihm getreten wurde als er ohnehin schon am Boden war. Am Boden seiner Gefühle, wohlgemerkt. „Ich denke, er hat es verstanden. Es wird nicht mehr vorkommen“ erhob Akaashi dann die Stimme in einem doch festeren Ton. Er hielt sich in solchen Momenten eigentlich gerne heraus und ließ alles seinem lauf. Das also gerade er sich nun einmischte zeugte nur von der Unverhältnismäßigkeit des Anschiss. Insgeheim war Suzuki ihm dankbar dafür. Dadurch, dass sie mit Bokuto in den Armen vor dem Mann saß und er in ihre Richtung schrie, klingelten ihr immerhin nicht nur die Ohren, sondern fühlte sie sich gleichermaßen so als würde er auch sie anschreien. Dabei war sie unschuldig.

Als der Mann nun endlich weg war und auch das Team wieder vor der Tür verschwand, mitsamt Akaashi, sah sie zu dem Spiker hinunter. Sie hatte keine Sekunde aufgehört seinen Kopf zu streicheln und langsam schien es Wirkung zu zeigen. Er war ruhig und es wirkte beinahe so als würde er schlafen. Nur das rhythmische Streicheln des größeren auf ihrer Haut an ihrem Arm zeigte, dass er noch wach war. „Ich wollte für dich gewinnen“ brummte er dann hervor, was sie zum innehalten ihrer Bewegung animierte. Sanft zog sie sein Gesicht am Kinn zu sich hoch. „Für mich bist du der Gewinner.“ Antwortete sie ihm war ihn sofort empört aufstoßen ließ. „Unsinn! Sonst hätte ich eine goldene Medaille und nicht nur eine Silberne!“ Er wurde lauter, war aufgebracht und zeitgleich war er immer noch so rau und krätzig, dass sie befürchtete, er würde morgen seine Stimme verlieren. „Ich hätte besser sein müssen! Wegen mir-„ doch weiter kam er nicht. Sie schob ihn grob weg, was sie selbst nicht von sich erwartet hätte, und schaute ihm fest in die gold Taler die sich seine Augen nannten. „Unsinn! Wegen dir.. ich glaub du spinnst!“ Sie war selten aufgebracht. Doch die Stimmung des älteren setzte ihr ziemlich zu. „Du hast besser gespielt als jeder andere auf dem Feld! Du hast dein Team motiviert, hast die Blocks dominiert und den Ball so fest geschlagen, wie kein anderer!“ Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, sie schrie fast. „Ich bin unglaublich stolz, dass ich dich heute meinen besten Freund nennen darf, und nicht den doofen Spiker der Ichibayashi!“

Bokuto war vollends verstummt und schaute sie einfach nur ausdruckslos an. Er wusste wohl selbst nicht was er sagen oder machen sollte. Solche Ausbrüche für sie waren selten und Bokuto schien abzuwägen, ob er sie nun mit seiner Stimmung provozieren sollte. Letztendlich entschied er sich dagegen und zog sie einfach nur in seine Arme. „Ich bin auch froh dein Freund zu sein!“ Er roch leicht an ihrem Haar, und augenblicklich bemerkte Suzuki wie sein Körper sich entspannte. Sie schien eine entspannte Wirkung auf ihn zu haben - was gut so war. Er sollte entspannt und ausgeruht bei ihr sein. Sie wollte sein Anker sein, den er bei stürmischen Tagen, oder Gefühlen, benutzen konnte.

„Nach der Highschool werde ich weiter Volleyball spielen. Ich werde besser werden und das nächste mal besieg ich jeden einzelnen Gegner! Ich werde der beste - aus ganz Japan! Und dann kannst du stolz sagen, dass ich dein Freund bin!“ Sie lächelte bei den Worten und nickte ihm zu. „Lass es uns so machen!“ Schlug sie auf seinen Deal daher ein ehe sie ihm ein Kuss auf die Wange gab. Etwas, wobei sie im Affekt nicht viel drüber nachgedacht hatte. Nach Verinnerlichung sie beide dann aber rot anlaufen ließ. Ebenso wie der erneute Gedanke über sein gesagtes. Dass er ihr Freund war. Sie wusste dass er die Freundschaft damit meinte, doch eine Beziehung wäre das, was sie ausfüllen würde. Wissen, was sie nun schon seit dem Ende des 2. Jahres plagte. Doch wie schon zu beginn erwähnte: Sie war der Durchschnitt. Kein Mädchen für Bokuto, welcher allemal das Zeug zum Top-Spiker Japans hatte.

Beide erhoben sich dann als es Zeit war. Nekoma und Karasuno warteten immerhin auch noch auf den Eulenjungen. Doch jenes geriet, gerade durch die Verlegenheit beider jungen Erwachsenen, derart unkontrolliert, dass Bokuto ins wanken geriet. Er fiel und nicht nur das: er zog aus Reflex Suzuki mit. So landeten sie, Bokuto mit dem Gesicht voraus, und sie mit dem Hinterkopf, auf dem Boden. Schmerzend rieb er sich das Gesicht, welches an der Nase leicht zu bluten begann, während sie gleiches mit dem Hinterkopf tat welcher unsanft den Boden geknutscht hatte. „K-küken!“ Anstelle sich über sein eigenes Wohl zu sorgen glitt er sogleich an die Seite der kleineren. „Es tut mir so leid! Ich wollte dir nicht weh tun!“ Sie befürchtete, dass er sogleich wieder in seinen Mode kommen würde. Daher entschied sie schnell aus Reflex zu handeln. Somit zog sie sich an seinem T-Shirt hoch sodass sie aufsitzen konnte, ehe sie ihn lachend ansah. „Wenn du nicht mit mir hier raus möchtest, sag es doch einfach!“

Sie dachte sich nicht viel bei den Worten. Viel mehr waren es einfach nur trottig dahin gesagte, leere Worte die ein wenig Lockerung in die Situation schaffen sollten und vor allem eins - Bokuto nicht in einem erneuten Stimmungstief versetzen. Diesen hätte sie wohl sonst nicht wieder regeln können und Akaashi brauchte wohl gerade auch eine kleine Pause. Ebenfalls war dies, innerhalb der paar Sekunden die sie hatte, der erstbeste Einfall den sie hatte der nicht zu aufdringlich, aber dennoch ein wenig lustig und Keck wirkte.

„Ich möchte nicht mit dir hier raus.“ Entkam es ihm dann jedoch ernst, was sie verstummen ließ. „Eh?“ Fragte sie verwirrt nach während sie den Kopf zur Seite legte. Hatte sie richtig gehört? Ihr Herz machte erneut einen Sprung. Ihre Gedanken waren ausgelöscht. „Ich bin gerne mit dir alleine. Wenn wir raus gehen muss ich dich wieder mit den anderen Teilen“ erklärte er weiter. Sie versuchte herauszufinden ob er scherzte, doch wirkte er ernster als sonst. Seine goldenen Augen lagen erneut auf sie, fingen jede Reaktion ein. Ihre Verunsicherung, aber auch ihre röte auf den Wangen. Ihr scheuer Blick, und gleichzeitig eines: Verlangen. Verlangen danach ihn in die Arme zu schließen und nie mehr los zu lassen.

Ein seufzen überkam den Älteren. Ein Laut den man selten bei ihm hörte. Er war sonst unbeschwert und offenkundig. Nicht diese Art, die Akaashi und sie zu pflegen hielten. Dann zog er sie an seiner Brust zurück und gab ihr ein Kuss auf die Schläfe. „Ich..“ Er begann, schwieg dann jedoch. Sie wartete, würde er den Satz beenden? Doch schien es nicht so. Daher erhob sie das Wort. „Ich mag dich Kõtarõ. Sehr sogar.“ Es fiel ihr schwer diese Worte auszusprechen. Nicht, weil sie ihre Gefühle anzweifelte oder dergleichen. Im Gegenteil, sie war sich sehr sicher mit ihren Gefühlen zu Bokuto. Viel mehr tat sie es, weil sie nicht wollte, dass er jene Gefühle verneinte oder sie als Person gar abstieß. Sie riskierte viel gerade, doch musste es raus. Am liebsten würde sie »ich liebe dich« entgegen schreien, doch war dies nicht der richtige Weg.

Für Bokuto war es das jedoch, denn er erwiderte genau jene drei Worte und noch so viel mehr. „Ich liebe dich, Nori. Schon seit letztes Jahr als du dieses Funkeln beim Spiel in den Augen hattest. Ich liebe dich, seit dem wir in der Eisdiele das Eis essen waren und du mir deine letzte Kugel gegeben hattest, obwohl ich wusste dass du die viel lieber essen würdest. Ich liebe dich, als wir diese Kugel dann geteilt haben und ich einfach dein Löffel geklaut habe, damit ich dich füttern musste. Ich liebe dich-„ doch auch wenn es der schönste Moment war den sie sich denken konnte, musste sie ihn unterbrechen. Sie wollte so viel mehr von ihm hören, doch brannte alles in ihr gerade nach etwas anderes: seine Lippen. Und so beugte sie sich vor und küsste den Sportler sanft, aber dennoch bestimmend auf den Mund. Er sollte wissen, wie sehr sie ihn liebte.

Denn das tat sie, sie liebte ihn. Unabhängig wie schwer sie sich tat es mit Worten ihm auszudrücken. Sie liebte ihn und jede seiner Faser. Doch der Fakt, dass jenes unglaubliche Geständnis über seine Lippen kam zeigte ihr eins, er tat es auch.

.. oder zumindest der Traum Bokuto, welcher untypischerweise diese Worte in den Mund genommen hatte. Der Traum Bokuto, welcher nun bei dem nervigen Piepen ihres Weckers erlischt. Ihre Hand schellte zu dem Traummörder und mit einem Satz schmiss sie ihn vom Nachttisch. Das war bislang der schönste Traum den sie jemals hatte und dann sowas. Sie hasste ihren Wecker! Dazu im Kontrast wusste sie jedoch eins: Sie liebte Kõtarõ, welcher in nicht mehr als 30 Minuten zum Lernen herkommen würde.
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