Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Love is always one step ahead of you - Teil 2 - Knight in heavy amour (BL-Serie SOTUS)

von Ye Baiyi
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
10.06.2021
10.06.2021
1
3.636
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
10.06.2021 3.636
 
Zwei Jahre später



Kongpob schaute sich nicht zum ersten Mal suchend um, während die anderen Studenten des ersten Jahres, um ihn herumdrifteten, im Warten, was ihnen hier bevorstehen würde, in Bezug auf das berüchtigte SOTUS-System.

Er allerdings hatte andere Gedanken.

Gedanken die ihn, seit er erfuhr, dass er die Aufnahme an dieser Uni geschafft hatte, in beständiger Aufregung beließen.

In den letzten Wochen war somit kein Moment vergangen, wo er behaupten konnte sich einmal entspannt zu haben, egal mit was er sich auch beschäftigt hatte.

Jemand knuffte ihn in die Seite und er wendete seinen Blick auf jene Person.

„Ich glaube nicht, dass du ihn hier finden wirst. Immerhin ist er im dritten Jahr und hat sicherlich anderes zu tun, als ausgerechnet seine Zeit damit zu verbringen, sich die neuen Studenten anzusehen.“, meinte Maprang und auch wenn sie nicht Unrecht hatte, so war die Tatsache, dass er und Arthit sich auf demselben Gelände befanden etwas, das ihn einfach in diese ungeduldige und unsichere Aufruhr versetzte, das er nicht anders konnte, als sich ständig nach ihm umzusehen.

Maprang gab ein ergebenes Seufzen von sich, über seinen Starrsinn.

Sie hatten sich in der Mittelschule kennengelernt, nachdem ihn seine Eltern in eine neue versetzt hatten. Nachdem…

Es war mehr ihrem Einsatz zu verdanken, dass sie hatten Freunde werden können, war ihm zu jener Zeit wirklich nicht danach zu Mute gewesen, irgendwelche Kontakte aufbauen zu wollen.

Er hatte mit völlig anderen Problemen zu kämpfen gehabt.

Am Ende waren es Em, sein Freund aus Kindertagen und Maprang gewesen, die ihn wieder etwas aus seinem depressiven Sumpf hatten ziehen können und er war ihnen immer noch dankbar dafür. Ohne sie, hätte er nie die Kraft aufbringen können, sich ein Ziel zu setzen.

Ganz egal, wie unwägbar man ihm dieses Vorhaben auch versuchte zu machen.

Es war der erste, vehemente Schritt gewesen zu zeigen, dass er sein Leben selbst in der Hand hatte und sich nicht einschüchtern ließ von gesellschaftlichen Oberflächlichkeit oder dem Zwang seiner Familie.

Man hatte ihm viel abverlangt über die letzten beiden Jahre, doch nun war er tatsächlich hier.

Das Schwatzen um sie herum klang etwas ab und eine Gruppe älterer Studenten stellte sich vor die Bühne des Auditoriums und bat schließlich sich geordnet auf den Boden zu setzen und folglich um Aufmerksamkeit.

Die Atmosphäre blieb weiterhin recht locker, während die Studenten aus dem zweiten Jahr ihnen diverse Dinge mitteilten oder erklärten, als ohne große Ankündigung weitere Studenten auf der Bühne erschienen und die Halle damit in sofortiges Schweigen oder unsicheres Wispern verfallen ließ.

Kongpob allerdings spürte sein Herz aus einem ganz anderen Grund hektisch schlagen.

Vor ihnen positionierte sich das Hazer-Team, unverwechselbar durch ihre dunkelroten Hemden.

Eine harsch wirkende Stimme schalte daraufhin durch den Saal.

Es war ungewohnt sie in solch einen kalten Klang zu vernehmen, doch tat es dennoch so ungemein gut, sie nach all der Zeit wieder zu hören.

Irgendwie überraschte es ihn auch nicht, dass Arthit den Hazern zugehörte, noch dass er sogar deren Kopf war.

Und so sehr er auch wollte, dass der andere ihn bemerken würde, so war er irgendwo auch froh, dass er unter all den anderen Studenten nicht wirklich hervorstach. Es gab ihm die Möglichkeit erst einmal weiter zu beobachten.

Arthit hatte sich nicht viel verändert, was sein Aussehen betraf. Einzig seine Gesichtszüge waren markanter und auch vom der Statur schien er kräftiger geworden zu sein.

Dass er momentan recht furchteinflößend erschien mit seiner Art sich zu geben, sah er mehr als einen Akt um Autorität zu verdeutlichen.

Auch wenn er sich noch gut daran erinnern konnte, wie bissig Arthit ab und an reagiert hatte, wenn ihm etwas gegen den Strich gegangen war.

„Ich hab kein gutes Gefühl bei ihm. Er macht den Eindruck, als würde er einen mit Freuden durch den Wolf drehen, wenn man auch nur falsch in seine Richtung atmet.“, flüsterte Maprang, dem Kongpob mit einem leichten Schmunzeln begegnete.

Wenn sie wüsste.

„Also, wenn es irgendwelche Fragen gibt, dann meldet sich die Person mit Namen und ID-Nummer.“, hörte man Arthit´s Stimme donnern, während er mit militärisch anmutender Haltung auf der Bühne zur rechten Seite gegangen war.

Wie zu erwarten, wagte sich niemand etwas zu fragen, selbst wenn dem ein oder anderen tatsächlich etwas auf der Zunge liegen sollte.

„Lieber sterbe ich in völliger Unwissenheit, als ihm ne Frage zu stellen.“, murmelte Em, auf das Kongpob schließlich einen Arm hob und jenem damit ein erschrockenes Japsen entlockte.

Kongpob hielt seinen Kopf vorerst gesenkt, als er sich auf Arthit´s Fingerzeig und dessen hart klingendes „Bitte.“ erhob.

„Student 0062. Kongpob.“, stellte er sich vor und Arthit schien in seiner ganzen Art kurzfristig einzufrieren. Kongpob nutzte seine Chance sofort.

„Meine Frage wäre, ob P´Arthit bereits in einer festen Beziehung ist?“ Ein ungläubiges Raunen zog durch den Saal, über solch eine unpassende und auch unverfroren wirkende Frage, auf das er sich nun sämtlicher Aufmerksamkeit sicher sein konnte. Jedoch ging es ihm nur um eine Person, welche sich aus ihrer Starre befreit hatte und ihn nun mit verengten Augen anfunkelte.

„Solche Fragen haben hier nichts verloren! Setzen 0062! Es sei denn du legst Wert darauf, schon die erste Strafe abzuleisten.“, grollte dieser gefahrverheißend, was Kongpob jedoch nicht aus der Ruhe zu bringen vermochte.

Im Gegenteil, es stachelte ihn nur noch mehr an.

„Ist es dann gestatte, diese Frage außerhalb solch eines Treffens zu stellen, P´?“ Man konnte verfolgen, wie sich Arthit´s Miene noch etwas mehr verfinsterte, auf seine dreiste Hartnäckigkeit.

„100 Liegestütze und keinen einzigen weniger, verstanden?!“, wies dieser ihn folglich an. Selbst wenn Kongpob klar war, dass er sich mit seiner aufmüpfigen Art nur noch mehr Ärger einbringen würde, so konnte er es einfach nicht lassen. Es war das erste Gespräch mit P´Arthit seit über zwei Jahren, und er wollte es nicht so einfach wieder zu Ende gehen lassen.

„Ich mache 200, wenn ich eine Antwort auf meine erste Frage bekomme.“, trotzte er dem Zorn des anderen, der nun an den Rand er Bühne trat und schon im Begriff schien den Absatz herunterspringen zu wollen, um sich seiner persönlich anzunehmen.

Es versah Kongpob mit einem Gefühl von wilder, ungeduldiger Aufregung.

Doch bevor es soweit kommen konnte, trat ein anderes Mitglied des Hazer-Teams an Arthit heran und hielt ihm von seinem Vorhaben ab, indem er ihm am Arm festhielt und etwas zuflüsterte.

Arthit´s Haltung verlor daraufhin an Spannung und mit einem knappen Nicken trat er ein paar Schritte zurück und überließ dem anderen das Feld.

„Student 0062, auch wenn dies der erste Tag hier für euch alle ist, möchte ich klar stellen, das respektloses Verhalten Konsequenzen nach sich ziehen wird. SOTUS liegt eine Absicht zugrunde, und wir werden diese Absicht vermitteln. Es liegt an jedem selbst, wie er damit gedenkt umzugehen, den SOTUS ist mit einem Lernprozess verbunden. Und der erste Schritt für dich Student 0062 wird sein, dich bei deinem Senior zu entschuldigen oder die 100 Liegestütze zu absolvieren. Also?“, gab man ihm mit autoritärer Stimme zu verstehen, ohne das es, im Gegensatz zu Arthit´s Auftreten, aggressiv wirkte. Es überraschte ihn zudem, dass man ihm eine Wahl ließ, hätte es ihn nicht verwundert, wenn man beides von ihm erwartete, oder gar noch etwas mehr.

Kongpob schaute sich den Hazer mit den breiten Schultern und dem ruhigem Gesichtsausdruck etwas nachdenklich an, als er glaubte, dass ihm der Sinn des Ganzen deutlich wurde.

Würde er nur die Liegestütze machen, konnte man es schlicht als Starrsinn von seiner Seite her ansehen, welchen man ihm dann wohl über die nächsten Wochen versuchen würde auszutreiben.

Eine Entschuldigung wäre jedoch das Zeichen, denn doch noch vermissten Respekt zeigen zu können.

Seine Absicht war es auch nicht gewesen seinen P´ geradeheraus provozieren zu wollen. Es war der Überschwang des Wiedersehens gewesen und auch seine etwas forsche Art die er nicht zügeln konnte.

Also straffte er seine Haltung schließlich und suchte den Blick von Arthit, der allerdings keine Anstalten machte in seine Richtung zu schauen.

Selbst als er seine Entschuldigung vorbrachte, blieb dessen gesamte Haltung unberührt, als würde er ihm komplett ignorieren.

Auf seine Worte hin blieb es schließlich still, was auch den anderen Hazer etwas zu irritieren schien, deutete er dessen fragenden Blick zu Arthit richtig.

„In Ordnung, damit wäre das heutige Treffen beendet. Wir sehen uns morgen wieder hier.“, verkündete dieser schließlich und auf das Raunen und rege werden seiner Mitstudenten konnte Kongpob verfolgen, wie Arthit die Bühne verließ, gefolgt von den anderen des Hazer Teams.

Vielleicht konnte er ihn draußen noch erwischen, wenn er sich beeilte.

„Denk nicht mal dran.“ Maprang hatte ihm am Arm gepackt, bevor er sich aus der Halle entfernen konnte.

Auf seinen etwas genervten Blick, hob sie nur eine abmessende Augenbraue und verstärkte ihren Halt um seinen Arm noch etwas mehr.

„Es ist Zeit für ein Gespräch.“, meinte sie ernst und deutete Em mit einem Kopfzeig an, Kongpob´s andere Seite zu flankieren, worauf er zu einem der Ausgänge dirigiert wurde und nur einen sehnsüchtigen letzten Blick in die Richtung werfen konnte, in die Arthit verschwunden war.



„Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass deine Aktion beim Hazing nicht gerade subtil war, oder?“ Kongpob gab ein langgezogenes Seufzen von sich, über Maprang´s Worte und legte seinen Kopf auf die Tischplatte, an den sie sich in der Cafeteria gesetzt hatten.

„Es kam einfach über mich. Ihn nach all der Zeit wiederzusehen.“ Nun war es Maprang die ein Raunen von sich gab und sie für einen Moment schwiegen.

„Niedlich ist er ja irgendwie.“, hörte er sie leise sagen, was ihn sich sofort aufrichten ließ und er sie mit einem strengen Blick bedachte.

„Finger weg, klar!“ Sein Ton womöglich etwas zu hart aber in diesem Augenblick war das nichts, um das er sich kümmerte.

Zum Glück kannte sie ihn gut genug, wenn es um dieses Thema ging und hob abwiegelnd ihre Hände. „Schon gut, schon gut. Es war ja nur eine Feststellung. Hätte auch wirklich nicht gedacht, das du tatsächlich auf den dominanten Typ stehst. Von deinen Erzählungen her, hatte ich ein etwas anderes Bild von seinem Charakter. Aber ja, jedem was ihm gefällt.“

„Ihr habt sie doch beide nicht mehr alle! Wie kann man so jemanden niedlich finden? Alles was er mir vermittelt hat ist Panik. Panik, auch nur einen Fehler zu machen und dann auf deren Abschussliste zu landen. Wer weiß, was die sich alles schon ausgedacht haben, um uns zu schikanieren.“ Em wurde immer blasser, je länger er sich mit diesen Gedanken zu befassen schien. Er war nicht unbedingt der lockerste Typ.

„Hey. Kongpob, nicht wahr?“ Auf diese Frage schaute Kongpob in das Gesicht zweier Mitstudenten, die ebenso im ersten Jahr waren und ihn interessiert musterten.

„So ist es. Hat diese Frage auch einen Grund?“ Man schenkte ihm ein munteres Grinsen.

„Wollten bloß sagen, dass deine Vorstellung beim Hazing ganz amüsant war. Echt mutiger Zug, sich gleich mit denen anzulegen. Also man sieht sich.“ Damit verschwanden die beiden Kerle wieder und Kongpob seufzte abermals.

Da hatte er wirklich einige Faktoren nicht bedacht, als er Arthit derart eifrig auf sich aufmerksam machen wollte.

Am Ende würde man ihm nun unnötig viel Interesse zukommen lassen, etwas auf das er wirklich keinen Wert legte.

War nur zu hoffen, dass man diese Angelegenheit schnell wieder vergas und er sich in Frieden auf seinen P´ konzentrieren würde können.

Sein nächster Schritt wäre, ein Gespräch mit ihm zu suchen, nur hatte er keine rechte Ahnung, wie er dies bewerkstelligen sollte, ohne noch mehr Aufruhr zu verursachen.

Er konnte so gesehen nur abwarten. Vielleicht liefen sie sich auch so über den Weg, ohne das es wirkte, als wäre er ihm nachgestiegen.

Bei aller Sehnsucht, die er auch verspüren mochte, so musste er damit rechnen, dass Arthit ihn womöglich nicht mehr so nahe an sich heranlassen würde.

Die Gewissheit, dass dieser ihn damals so schnell abgeschrieben hatte, zerrte auch jetzt noch an seinem geknickten Herzen, doch hoffte er irgendwo das, wenn er ihm alles erklären würde, sie einander erneut kennenlernen konnten.


***

Kongpob hatte Arthit nicht, wie erhofft, außerhalb der SOTUS-Treffen einmal allein erwischen können, schienen dessen Freunde ihn wie Trabanten zu umkreisen, wann immer er ihn irgendwo erspähte.

Er konnte außerdem nicht verhindern, dass er sich eifersüchtig fühlte, das diese so ungezwungen locker mit seinem P` umgehen konnten, wo er nur zusehen durfte.

Somit war die einzige Chance Arthit näher sein zu können, das Teilnehmen an besagten Treffen.

Maprang seufzte ergeben über seinen, wie sie meinte, Happy Hundeblick, sobald sein favorisierter Senior mit dem Mörderausdruck vor sie trat und seine Augen in einer abschätzig erscheinenden Inspektion über die Menge schweifen ließ.

Em hingegen behielt seinen Blick rigoros zu Boden gerichtet, um so unscheinbar wie möglich zu erscheinen.

Dieser hatte ihn zuvor noch gebeten sich zurückzuhalten, damit sie alle keinen Ärger bekamen, schien es nicht ungewöhnlich, dass man für die Hitzköpfigkeit einer Person auch den Rest in die Mangel nahm.

Kongpob hatte nicht vor erneut zu provozieren, war auch ihm klar, dass er damit nicht viel erreichen würde, was seine Mission anbelangte.

Also hörte er aufmerksam zu, was man ihnen mitteilte, als es schließlich darum ging 1000 Unterschriften von Senior Studenten zu sammeln und das innerhalb von nur einer Woche.

Ungläubiges Raunen ging auf diese Aufgabe durch die Halle und das Wispern das dies nicht zu schaffen sei.

Em gab ein unglückliches Wimmern von sich und ließ seinen Kopf noch etwas tiefer hängen.

Für ihn war es definitiv ein Horror. Allein schon andere, ihm Fremde, nach einer Unterschrift zu fragen und dann auch noch 1000 Stück davon einsammeln zu müssen.

Es war wie ein Reflex, als sich seine Hand hob und er Namen und ID nannte, mit der Bitte sprechen zu dürfen.

Daraufhin wurde es schlagartig ruhig und erneut lag das ungeteilte Interesse seiner Mitstudenten auf ihm.

Und es blieb auch noch einen weiteren Moment still.

Kongpob´s Aufmerksamkeit ruhte auf P´Arthit der ihn nicht ansah, noch etwas zu seinem Anliegen, sich mitteilen zu dürfen, erwiderte. Alles was er beobachten konnte war, dass dessen Gesichtszüge sich verspannt hatten.

Als würde es ihn quälen, ihm zu antworten.

Es ließ Kongpob sich erneut unwohl fühlen, wurde abermals deutlich, dass der Weg zurück zu einem Miteinander steiniger war, als erwartet.

„Erlaubnis erteilt.“, knurrte P´Arthit schließlich und es sah so aus als würde dieser, egal was er zu sagen gedachte, ihm so oder so den Kopf abreißen wollen.

Dennoch ließ sich Kongpob nicht einschüchtern. Immerhin sprach er nicht nur in seinem Interesse.

„Wäre es möglich, uns mehr Zeit für diese Aufgabe zu geben? Eine Woche ist einfach zu wenig um…“

„Woher willst du das wissen, wenn du es noch nicht einmal versucht hast?!“, donnerte Arthit´s Antwort durch die angespannte Stille, das selbst ihm danach war ein paar Schritte zurücktreten zu wollen.

Arthit´s Ausdruck war zudem deutlich aufgebracht, als habe er ihn erneut persönlich provoziert und es ließ ihn etwas überfordert zurück.

„Es sollte nur eine Frage sein P´.“

„Dann lasst mich für euch alle etwas klar stellen! Ihr habt eine Woche diese Aufgabe zu erfüllen, keinen Tag mehr. Wenn ihr Zeit zum Lamentieren habt, dass es nicht machbar ist, dann habt ihr auch Zeit diese Unterschriften zu sammeln.“ Arthit´s Ansprache folgte abermals Schweigen, wagte sich keiner auch nur ein Raunen von sich zu geben.

Kongpob allerdings fühlte Frustration in sich aufkommen. Nicht, weil man ihm seine Bitte verwehrt hatte, sondern, weil er sich P´Arthit ferner fühlte, als in den zwei Jahren die sie keinen Kontakt mehr miteinander hatten.

Alles was er bis jetzt von ihm hatte einfangen können war, Verärgerung, Ignoranz und den Unwillen überhaupt das Wort an ihn zu richten.

Es schien, als wollte dieser ihn mit seinen bissigen Allüren rigoros auf Distanz halten.

„Setzen, 0062.“, bellte dieser dann einzig noch, ohne ihn angesehen zu haben.

Kongpob blieb weiterhin stehen, sein Blick fixiert auf seinen Senior.

„Kong, setzt dich endlich.“, hörte er Maprang wispern, die ihn dazu leicht gegen das Bein knuffte.

Jemand zupfte ihm am Hosenbein auf das er Em´s flehendes und kaum zu hörendes „Komm schon, Kong.“, vernahm.

Es brauchte einen Ruck, doch dann folgte er dem Bitten seiner Freunde und setzte sich missmutig.

Warum machte man es ihm nur immer so schwer?!


***

Kongpob war noch immer der Auffassung, das es nicht möglich sei, diese 1000 Unterschriften zusammenzusammeln, hatten sie schließlich auch noch anderen Dingen nachzukommen, als unentwegt den älteren Studenten nachzurennen.

Dennoch hatte diese Aufgabe etwas Positives und zwar, dass er nun die Möglichkeit hatte P´Arthit ansprechen zu können, um ihn um seine Unterschrift zu bitten. Es ersparte ihm das Aufbringen eines Vorwandes, auch wenn er sich da schon einige zurechtgelegt hatte über die letzten Tage.

Allerdings musste er ihn nun erst einmal finden.

Er hatte darüber schon einige Signaturen erfragt, auch um P´Arthit zu zeigen, dass er trotz seines Einwandes diese Sache ernst nahm. Vielleicht würde es ihn dazu bewegen sich wieder etwas zugänglicher ihm gegenüber zu zeigen.

Er hielt sich da an jedem noch so kleinen Stück Hoffnung fest, dass er auftreiben konnte.

Es war aber auch nicht auszuschließen, dass man es ihm abermals nicht leicht machen würde, hatte er schon gehört, dass manche Bitte nach besagter Unterschrift mit einer gestellten Aufgabe verdient werden musste.

Das dies oft genug recht peinlich sein konnte, hatte er ebenso schon mitbekommen, wenn er anderen Studenten dabei zusehen durfte, wie sie wie aufgeregte Hühner zu Gaggern hatten oder der Masse lautstark einen schnulzigen Song vortragen mussten.

Bis jetzt hatte man ihn mit so etwas verschont.

Aber er war nicht selbstherrlich genug um zu glauben, dass es nicht irgendwer gerade auf ihn abgesehen hatte. Sein aufmüpfiger Auftritt bei ihrem ersten und zweiten Hazer-Treffen hatte sich weiter herumgesprochen, womit er sich schon einen Ruf gemacht hatte.

Nicht, das er stolz darauf war.

Im Nachhinein ärgerte es ihn sogar.

Nun, wo es so aussah, als habe er sich nur so forsch gezeigt, um eben auf sich aufmerksam zu machen.

Als er P´Arthit schließlich ausfindig machen konnte, war er wieder einmal von seinen Freunden umringt, doch diesmal ließ er sich davon nicht abschrecken.

Mit resoluten Schritten hielt er auf die kleine Runde zu, die sich an einer der Sitzgruppen des Geländes versammelt hatte und zu Mittag aß.

P´Bright war gerade an P´Arthit herangerückt und legte seinen Kopf auf dessen Schulter, worauf er ihn mit bettelndem Blick anblinzelte und irgendetwas zu diesem sagte.

Arthit schüttelte nur den Kopf, was P´Bright nun an dessen Hemd herumzerren ließ.

Kongpob spürte ein aufgebrachtes Wallen in seiner Bauchgegend und trat weiter auf die Gruppe zu.

Zu seinem Verdruss, ließ P´Bright auch nicht von Arthit ab, als man sich seiner bewusst wurde und er daraufhin mit verschiedenen Blicken fixierte wurde. P´Prem schaute abschätzig, wobei P´Toota und P´Bright offene Neugier ins Gesicht geschrieben stand über sein Erscheinen. P´Knott wirkte gelassen aber observierend.

Doch er war nicht wegen ihnen hier.

P´Arthit indes schaute noch immer auf die Zettel die vor ihm auf dem Tisch lagen und über denen er zu brüten schien, deutete er den wippenden Stift in dessen Hand richtig.

Somit verging ein langgezogener Moment des Schweigens, bevor P´Bright Arthit in die Seite zwickte, was ihn mit einem erschrockenen Laut etwas aufspringen ließ, auf das er über die gepeinigte Stelle rieb und P´Bright mit einem mörderischen Blick versah.

Dieser machte allerdings nur eine stumme Kopfbewegung in seine Richtung, auf das Arthit dieser folgte.

Der Moment, als sich ihre Blicke trafen, war nur flüchtig, zog es Arthit abermals vor ihn nicht ansehen zu wollen. Doch reichte diese eine Sekunde schon aus, um Kongpob´s Herzschlag zu beschleunigen.

Erneut blieb es still.

„Ich brauch was zu trinken. Ai´Bright, wenn du noch immer deinen Eiskaffee willst, jetzt ist deine Chance.“ Damit erhob sich Arthit auch schon und P´Bright tat es ihm mit einem fragenden Gesichtsausdruck, der zwischen ihm und Arthit hin und her wechselte, gleich.

Man versuchte also wieder ihm auszuweichen, das Kongpob frustriert mit den Zähnen knirschte.

„P´Arthit!“, brachte er seinen Frust schließlich auch etwas lauter zum Ausdruck. Dieser hielt daraufhin zwar an, blieb aber von ihm abgewendet.

„Ich möchte dich um deine Unterschrift bitten.“ Kongpob hatte Mühe nicht zu gereizt zu klingen, über diese wiederholt anstrengende Situation.

„Nein.“ War die knappe Antwort und Arthit setzte sich wieder in Bewegung.

„Warum nicht?“

„Ich muss mich nicht erklären.“ Und genau dieser Satz brachte Kongpob´s Unmut zum Überlaufen, das er um die Sitzgruppe stürmte und Arthit am Arm zu fassen bekam. Dieser wirbelte derart rasch zu ihm herum und stieß ihn von sich, dass es ein überraschtes Raunen der anderen hervorbrachte.

„Wage dir das nicht nochmal!“, zischte Arthit aufgebracht und diesmal schaute er ihn an.

Jeder andere hätte wohl genau jetzt den Rückzug angetreten, doch Kongpob war über diese Bückmeierei hinaus.

Stattdessen trat er wieder auf ihn zu, sein Ausdruck nicht weniger ernst.

„Lass uns reden. Mehr möchte ich nicht.“, ließ er ihn wissen, doch Arthit gab ein abfälliges Schnalzen von sich.

„Es gibt nichts, über was wir zu reden hätten, verstanden! Also lass mich in Zukunft in Frieden.“ Es war wirklich zum Verzweifeln, ein Gedanke der Kongpob über die letzten zwei Jahre recht oft überkommen hatte.

Arthit wandte sich warnend von ihm ab, packte sich P´Bright´s Arm und zog ihn mit sich.

„Es tut mir leid! Ich wollte nicht einfach so verschwinden, P´, aber man ließ mir keine Wahl. Verstehst du?“, rief er ihm in seiner Verzweiflung schließlich nach und brachte ihn damit erneut zum Innehalten.

Arthit ballte seine Hände zu Fäusten. Ein Zeichen, das er sich wirklich kurz vor einem Ausbruch befand.

„ES INTERESSIERT MICH NICHT MEHR! Nimm deine Entschuldigung und verschwinde!“

Damit ließ man ihn und sein geschundenes Herz schlussendlich stehen und um sich vor Arthit´s Gang nicht noch lächerlicher zu machen, zog er in die entgegengesetzte Richtung davon.

Er spürte wieder diese Wut in sich aufkommen, die zu einem beständigen Begleiter für ihn geworden war, wenn er sich daran erinnert sah, was seine Familie ihm damals verwehrt hatte.

Es war dieser immense Ärger, der ihn das Notizheft nehmen und auseinanderreißen ließ, um es daraufhin im nächsten Mülleimer am Weg zu entsorgen.
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast