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Heimlichtuerei

von Mujuchu
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Sabrina Rattlinger
10.06.2021
10.06.2021
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Dieses Mal hatte sich Staller wirklich etwas geleistet! Anstatt auf Anja zu warten, hatte er selbst einem Verdächtigen Blut abgenommen. Als Hansi endlich das Gewünschte in der Hand hielt, war Hubsi in das gemeinsame Büro gekommen und sah den Mann blass am Tisch sitzen, beide Arme voller Pflaster. Riedl hatte die Blutprobe Anja gebracht, während die Polizeiobermeister im Fall des ermordeten Wachmanns weiter ermittelten. Jetzt saßen Hubert und Staller in ihrem Streifenwagen, als Hubsis Handy klingelte. Es war Anja und er nahm das Gespräch an: “Hallo Anja, mein Schatz, was kann ich für dich tun?” Innerlich zuckte Hubsi zusammen, hatte er sich jetzt verraten? Grinsend hielt er seinem fahrenden Kollegen das Handy ans Ohr, der nichts gemerkt zu haben schien. Anja hatte dringend ein paar Wörtchen mit Hansi zu reden: “Was Körperverletzung?”, rief dieser aus. Hubsi steckte das Telefon wieder in seine Brusttasche. “Also das war das letzte Mal, dass ich jemandem einen Gefallen getan habe!”, schimpfte Staller. Hubsi war erleichtert, Hansi war immer noch ahnungslos, dass Anja und er wieder ein Paar waren. Erst gestern war er mit seinem Kollegen wegen des Toten aus dem Museum in der Pathologin gewesen. Sehnsüchtig hatte er Anja angeschaut. Unter dem Vorwand ein paar Fachbücher zum Thema Stichverletzungen holen zu müssen, war Hubsi kurz mit Anja verschwunden. Die Bücher lagen jedoch nebenan in Anjas Büro. Dort hatten sie sich dann geküsst und waren anschließend mit dem Bücherstapel zurück in den Sezierraum gegangen.

Nach Feierabend ging Hubsi voller Vorfreude nach Hause. Vor ein paar Wochen war seine Ex-Frau überraschend bei ihm am Haus vorbeigekommen. Bei einem gemeinsamen Spaziergang hatten sie schließlich ihren falschen Stolz überwunden und sich ausgesprochen. Seitdem waren sie wieder ein Paar, doch sie wollten das noch nicht an die große Glocke hängen. Es fiel Hubsi schwer, seinem besten Freund etwas vorzuspielen, aber wenn Hansi von seiner Beziehung zu Anja erfahren würde, dann wüsste das auch sofort der ganze Ort. Doch heute hätte er sich beinahe verraten, als er das Telefon abgehoben hatte.  

Heute war er an der Reihe zu kochen und das war ihm ganz recht, denn Kochen war nicht gerade Anjas Stärke. Hubsi hörte, wie jemand die Türe aufschloss und Anja helle Stimme rief ihm zu: “Hallo Franz, hier riecht es ja schon gut!” Franz ging ihr entgegen und umarmte sie zärtlich. Dann küsste er sie sanft und versprach: “Das Essen ist gleich fertig. Zieh dir doch etwas Bequemeres an, dann steht alles bereit.” Nach dem Abendessen setzten sich die beiden auf die Terrasse. Es war September, jedoch immer noch warm genug und den Abend im Freien ausklingen zu lassen. Hubsi hatte eine Flasche Wein geöffnet und stellte zwei Gläser auf den Gartentisch. Anja setzte sich neben ihn auf die Gartenbank und kuschelte sich an seine Schulter. “Das war heute knapp”, begann Hubis das Gespräch und küsste Anja auf die Schläfe, “beinahe hätte ich dem Hansi verraten, dass du wieder meine Anja bist.” Anja lächelte und meinte: “Wäre das so schlimm gewesen?” Hubsi dachte nach: “Nein, eigentlich nicht. Ich wollte dich sowieso etwas fragen.” Hubsi drehte sich zu Anja um und nahm ihre beiden Hände in die Seinen: “Anja, dieser Sommer hat mir das Glück zurückgebracht. Du bist wieder meine Anja und ich will, dass das alle wissen.” Er schaute ihr in die warmen Augen und ging vor ihr in die Knie. Mit einer Hand hielt er immer noch ihre Hände, die andere glitt in seine Hosentasche. Als er sie wieder herauszog, hatte er die Schatulle mit ihren alten Eheringen in der Hand. Vor fünf Jahren hatte sie ihm ihren Ring vor die Füße geworfen und war gegangen. Anja schluckte. Sie hatte nicht gewusst, dass er die Ringe immer noch aufbewahrte. Beschämt dachte sie daran, dass sie ihren Ex-Mann jahrelang als gefühlskalt beschimpft hatte. “Ich habe nie aufgehört dich zu lieben und das wird auch immer so bleiben. Ich verspreche dir, dass es dieses Mal anders werden wird. Ich verspreche dir, mehr auf dich einzugehen und auch mal meine Komfortzone zu verlassen. Bitte gib mir noch eine Chance! Anja, willst du wieder meine Frau werden?” Anja blickt in die liebevoll auf sie gerichteten Augen. Sie blinzelte gegen die Tränen an, als sie seinen Blick erwiderte. Leise flüsterte sie ihm zu: “Ja Franz. Ich will wieder deine Frau werden. Ich verspreche dir, dass ich dich so akzeptiere, wie du bist und dich nicht zu Sachen dränge, die du nicht willst. Du bist die Liebe meines Lebens und ich kann einfach nicht ohne dich glücklich sein.” Franz nahm Anjas Ehering aus der Schatulle und streifte ihn über ihren linken Ringfinger: “Meine Anja!”, seufzte er. Dann nahm Anja den anderen Ring und streifte ihn Franz über seinen linken Ringfinger. Sie nahm sein Gesicht in beide Hände und küsste ihn. Glücklich lagen sie sich in den Armen und genossen den Sonnenuntergang.  

Bevor Hubsi am nächsten Morgen zum Revier fuhr, nahm er den Ring ab und steckte ihn in seine Hosentasche. Sie wollten es Hansi auf besondere Art und Weise beibringen und seine Verlobte und er hatten auch schon einen Plan. Anja fuhr deswegen vor der Arbeit zu Yazid. Dieser wunderte sich, als am frühen Morgen Anja in seiner Wohn- und Werkstätte auftauchte: “Die Frau Doktor, was verschafft mir die Ehre?”, grüßte er überrascht. Yazid wusste Bescheid über die beiden, da er sie eines Abends zufällig zusammen gesehen hatten, als Hubsi Anja nach Hause begleitete. Er wollte damals das Auto eines Freundes in seine Werkstatt bringen, das dummerweise kein Nummernschild hatte. Das erledigte er lieber im Schutz der Dunkelheit um Scherereien aus dem Weg zu gehen. Dabei hatte er beobachtet, wie sich die beiden Ex-Eheleute vor Anjas Haus umarmten und küssten. Er konnte sich nicht verkneifen kurz zu hupen und Knutschgeräusche in Richtung des verliebten Paares zu machen. Doch auf seine nächtliche Fahrt angesprochen, musste er Hubsi schwören niemandem von ihrem Geheimnis zu erzählen. Jetzt stand Anja vor seiner Tür und er bat sie herein. Dort erläuterte ihm die Ärztin ihren und Hubsis Plan. Yazid grinste: “Wollt ihr das wirklich durchziehen? Der Hansi kriegt doch einen Herzkasper?” “Iwo!”, lachte Anja, “und wenn, ich bin ja dann gleich zur Stelle.”

Yazid lud Staller und Hubert für Samstag zu einem Bier am Starnberger See ein. Angeblich hatte er ein gutes Geschäft gemacht und wollte das mit jemandem feiern. Hubert war noch nicht da und Staller nahm schon mal mit Yazid im Biergarten Platz. Anja setzte sich mit dem Rücken zu Hansi an den Nachbartisch, wo sie sich mit Sabrina verabredet hatte. Als die Bäckerin ankam, grüßte sie diese überschwänglich und zeigte ihr ihren Verlobungsring: “Schau mal den Ring, Sabrina,” sagte sie, so dass es Hansi verstehe musste. “Was, du hast dich verlobt?”, rief Sabrina wie verabredet. Staller drehte sich zu den beiden Damen um und rief aus: “ Anja, Sabrina! Wer hat sich verlobt?”, fragte er entsetzt. “Na ich!”, meinte Anja und strahlte ihn an, “ich werde wieder heiraten!” In diesem Moment betrat Hubsi den Biergarten. Staller sprang auf und versuchte ihn zurück zum Parkplatz ziehen. Er wusste, dass Hubsi noch an seiner Ex-Frau hing und wollte nicht, dass er etwas von ihrer Verlobung mitbekam. Doch sein Freund sträubte sich und fragte scheinheilig: “Was ist denn los?” “Nix”, behauptete Staller, “mir ist nur schlecht, bring mich nach Hause.” “Du siehst doch ganz gut aus”, drängelte sich Hubsi an ihm vorbei. Er ging direkt auf Anja zu und küsste sie. Staller war sprachlos, er verstand jetzt gar nichts mehr. So hatten ihn die Freunde noch nie gesehen. “Aber, aber...”, stotterte er schließlich. Doch dann fiel bei ihm der Groschen. “Ihr zwei, ihr habt euch verlobt? Ihr seid wieder zusammen?” Hubsi ging auf seinen Freund zu und fragte ihn: “Willst du mein Trauzeuge sein?” Staller nickte und die fünf Freunde saßen an diesem Abend noch lange gemeinsam im Biergarten.
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