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Eine etwas andere Beziehung - Epiloge

GeschichteDrama, Romance / P16 / Mix
Dr. Matteo Moreau Dr. Niklas Ahrend Julia Berger OC (Own Character)
10.06.2021
14.10.2021
13
15.416
5
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Dieses Kapitel
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14.10.2021 928
 
Lino
Frustriert kam er von der Arbeit zurück. Es war ihm nicht neu, was eine Mutter heute zu ihm gesagt hatte: Als Homosexueller können Sie die Kinder doch nicht richtig erziehen. Was vermitteln Sie bloß für Werte? Lino machten die Vorurteile normalerweise nichts aus, allerdings verletzte es ihn, wenn man ihm nur aufgrund dessen schlechte Arbeit unterstellte. Er liebte den Beruf als Erzieher und hatte nach mehreren Praktika darin seine Berufung gefunden. Die Freude am Job wollte er sich nicht nehmen lassen, aber das fiel ihm schwer, wenn ihm solche Elternteile begegneten. Es reichte doch schon, dass das Jugendamt es seinem Mann und ihm schwer machte.
Lino und Leander versuchten bereits seit zwei Jahren, ein Pflegekind zu bekommen. Die Voraussetzungen waren gut. Leander verdiente als Bankkaufmann genügend Geld, damit Lino für das Kind zuhause bleiben könnte. Sie hatten eine recht große Wohnung und beidseitig familiäre Unterstützung. Doch es gab eben keine Frau in ihrem Haushalt und das stellte sich als problematisch heraus. Lino konnte das nicht verstehen. Er hatte genügend Schwestern, Nichten und natürlich seine Mutter. Da gab es einige weibliche Bezugspersonen. War es besser, ein Kind in einer Familie zu lassen, in dem es ihm schlecht ging, als einem schwulen Paar das Kind zur Pflege zu geben? Manchmal verstand Lino echt die Welt nicht mehr.
Er versuchte, die Gedanken beiseite zu schieben, und ließ sich vom Duft des Abendessens in die Küche leiten. Leander konnte nicht nur super gut mit Finanzen umgehen, sondern auch perfekt den Kochlöffel schwingen.
„Was zauberst du denn wieder?“, fragte er seinen Mann.
„Zum Glück bist du zurück!“, erwiderte Leander und wedelte mit einem Brief vor Linos Nase. „Ich habe eine riesige Überraschung!“
Lino schaute sich in der Küche um. Leander und er teilten eine Eigenschaft: Entweder kochten sie im Übermaß, weil es ihnen schlecht ging oder weil sie vor lauter Freude platzen könnten. Leanders Stimmung nach zu urteilen, war wohl eher zweiteres der Fall.
„Soll ich den Brief lesen oder sagst du mir, was darin steht?“, fragte Lino.
„Der ist vom Jugendamt. Sie haben ein Pflegekind für uns!“
In dem Moment schien die Welt für Lino still zu stehen. Gerade noch hatte er sich über die vorurteilsbehaftete Verteilung von Pflegekindern aufgeregt, da flatterte der Brief ins Haus. Lino riss seinem Mann das Papier aus der Hand und überflog das Schreiben grob. Der Datenschutz erlaubte es nicht, dass alle Informationen in dem Brief standen. Das Jugendamt hatte lediglich angegeben, dass es sich um ein dreijähriges Mädchen handelte, das dauerhaft aus seiner Familie genommen werden sollte. Das Sorgerecht läge bereits beim Jugendamt und es gäbe in den nächsten Jahren nicht die Möglichkeit, das Mädchen zurück in die Familie zu führen. Im Prinzip war es genau das, was sich Lino und Leander gewünscht hatten. Sie hätten auch ein Kind nur für ein oder zwei Jahre aufgenommen, aber eine lebenslange Pflegschaft in Aussicht zu haben, schien Lino der Jackpot zu sein.
„Das wäre großartig!“, teilte Lino die Freude mit seinem Mann.
„Ja, oder? Ich stelle mir schon vor, wie sie wohl aussehen könnte oder wie sie heißt.“
„Bestimmt ist sie süß. Das sind Dreijährige doch immer.“
„Ich kann den Termin kaum erwarten.“
„Zum Glück haben wir noch ein paar Tage Zeit. Die schicken uns scheinbar vorher noch einen Sozialarbeiter, der sich unsere Wohnung anschaut und einen aktuellen Eindruck von uns will. Ist ja nicht so, als wären wir schon Jahre beim Jugendamt gelistet.“ Er verdrehte genervt die Augen. Irgendetwas war ja immer.
„Reg dich nicht auf, Schatz“, sagte Leander lächelnd. „Das ist vielleicht die letzte Hürde, die wir nehmen müssen, bis wir unser Wunschkind haben.“
„Nach dem miesen Tag kommt die Botschaft wie gerufen“, erwiderte Lino und küsste ihn.
„Wieso? Haben dich die Kleinen geärgert?“
„Nein, das sind Goldschätze. Die interessiert es nicht, ob ich schwul oder hetero bin. Aber die Eltern interessieren sich brennend dafür. Weil ich schwul bin, kann ich die Kinder doch nicht richtig erziehen und vermittel ihnen die falschen Werte“, äffte Lino die Mutter nach.
„Oh Mann, was waren das denn schon wieder für Vollidioten?“
„Es kommt einfach immer wieder auf den Tisch, spätestens beim Elternabend. Die Hälfte der Eltern ist für mich, die andere eher dagegen. Das nervt so!“
„Du warst Jahrgangsbester in deiner Ausbildung“, meinte Leander. „Das ist es doch, was zählen sollte. Du kannst richtig gut mit Kindern.“
„Juckt die das? Die geben ihre Kinder doch sowieso morgens um sieben ab, wenn ich gerade die Kita aufgeschlossen habe, und kommen nachmittags um kurz nach fünf mit der Entschuldigung, sie hätten im Stau gestanden. Also unser Kind wird nicht so lange fremd betreut.“
„Dafür habe ich doch einen Erzieher geheiratet. Ich bringe das Geld nach Hause und du darfst dich um das Kind kümmern.“
„Die Dreijährige könnte ich ja vormittags bei uns im Kindergarten unterbringen, aber mittags geht es mit Papa nach Hause“, malte sich Lino bereits aus.
„Halbtags arbeiten also?“
„Ja, wir bekommen ja schließlich kein Baby. Dann übernehme ich den Herd wieder.“
„Wieso müssen wir auch dieselbe Leidenschaft fürs Kochen haben?“, lachte Leander.
„Wir sind uns ja wohl einig, dass es bei mir immer ein klein wenig besser schmeckt“, grinste Lino.
„Natürlich. Wie könnte ich das vergessen?“
Lino küsste ihn. Er wusste, dass er eher der weibliche Part in der Beziehung war, wenn man das so sehen wollte. Das war ihm aber auch egal. Er stand zu seinen Tränen und zu seiner ausgeprägten Empathie, seiner Leidenschaft zum Kochen und Backen und auch seinem Hobby Reiten. Wenn er und Leander nun endlich ihr Pflegekind bekommen würden, könnte sich Lino nichts mehr wünschen. Dann wäre sein Leben perfekt.
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