Geschichte: Fanfiction / Bücher / Karl May / Winnetou / Rache

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Rache

von Funnygana
KurzgeschichteAbenteuer, Tragödie / P18 / Gen
Old Firehand Old Shatterhand Ribanna Winnetou
10.06.2021
10.06.2021
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Bevor ich richtig wach wurde, hörte ich schon das Gezanke meiner Eltern. Würde das denn nie aufhören? Warum nur war ich in diese beschissene Familie hineingeboren worden? Selbst dem Nigger Bob ging es als Sklave besser als mir. Rechts neben mir lag mein Bruder Sam, links meine Schwester Mary. Sam stank, er hatte mal wieder von Pa`s Fusel getrunken und schnarchte. Da drängte ich mich doch lieber an meine Schwester, die nach Seife roch. Sie lag ganz eng bei mir und ich konnte sogar ihren Busen fühlen, der ihr so langsam wuchs. Mary war ein Jahr jünger als ich, also 12. Ich nahm sie in den Arm und sie kuschelte sich vertrauensvoll an mich.
Wir bewohnten natürlich nur einen Raum und unser Lager war in einer Ecke desselben. Ma und Pa saßen am Tisch und stritten um Geld, worüber auch sonst. Pa war betrunken und lallte nur noch. Ma sagte etwas zu ihm, was ich nicht verstehen konnte aber es brachte Pa so in Rage, dass er aufstand um den Tisch herumtorkelte und auf sie einschlug.
Dieser verdammte Wichser schlug solange auf sie ein, bis sie umfiel. Mary neben mir zitterte. Ich tätschelte beruhigend ihre Brust und stand auf. Ich nahm den Schürhaken von der Feuerstelle  und rief: „He, Pa!“ Er drehte sich langsam um, kam auf mich zu getorkelt. Der Sabber lief ihm aus dem Mund und er stierte mich mit roten Augen an. „Ich glaube, du hast für heute genug geschlagen.“ Er kam weiter auf mich zu, drohte mit der Faust, aber darüber konnte ich nur lachen.
Ich hob den Schürhaken und schlug zu. Ich hörte sein Nasenbein krachen, sah seinen verblüfften Gesichtsausdruck und schlug wieder zu. Blut strömte aus der Nase, er verdrehte die Augen und schlug mit dem Kopf auf die Tischkante.
Dann umrundete ich den Tisch, Ma lag auf dem Boden. Ich hockte mich zu ihr, suchte ihren Pulsschlag, konnte ihn aber nicht finden.
Sam war nun doch aufgewacht und schaute erstaunt zu, was ich machte. „Tim“ rief er entsetzt. „Was hast du getan?“ „ Pa hat Ma erschlagen, und ich habe ihn erschlagen. Und du hältst jetzt besser die Schnauze, ich muss verschwinden, sonst bin ich dran!“ Bedauernd sah ich zu Mary, die nur mit ihrer Unterwäsche bekleidet aufreizend aussah. Ich lief zu ihr hin, fasste zum Abschied noch einmal an ihre Brust, küsste sie und verließ unsere Hütte.
„Tim Finnetey, du bist ein Arsch!“ rief Sam hinter mir her.

Jahre später.
Ich hatte viel erlebt in den letzten Jahren. Zum Glück bin ich ein schlaues Bürschchen und weiß, wie es im Leben zugeht. Nimm, sonst wird dir genommen, war meine Devise.
Ich war durch halb Amerika gezogen und befand mich jetzt in der Nähe des Niobrava River. Auf einem der unzähligen Hügel hatte ich mein Lager aufgeschlagen und blickte auf das Dorf der Assineboin Indianer. Gestern hatte ich ein Mädchen im Fluss baden gesehen. Eine Schönheit sondergleichen, sie hatte meine Begierde geweckt. Ich nahm mir vor, sie kennenzulernen.
Ich schlüpfte in die Rolle eines Indianeragenten und machte mich auf den Weg, das Lager der Indianer aufzusuchen.
Da stand sie, unschuldig und jung, die Rose vom Niobrara. Ich musste sie besitzen! Lässig ritt ich auf sie zu.
„Ich grüße meine rote Schwester. Kann sie mir weiterhelfen?“ Hoffentlich verstand sie Englisch.
„Ribanna grüßt den weißen Mann“ sprach sie und ihre Stimme machte mich fast wahnsinnig vor Begierde. „Wie kann sie ihm behilflich sein?“
Ich musste mich räuspern, bevor ich ihr Antwort gab. „Ich bin der Indianderagent Tim Finnetey und suche den großen Häuptling  Tah-scha-tunga um ihm zu berichten, was der Weiße Vater in Washington ihm zu sagen hat.“
Ribanna nickte und sprach: „Ich werde dich zu meinem Vater führen.“
Bingo, ich hatte das große Los gezogen. Sie war tatsächlich eine Häuptlingstochter. Ich sah mich schon als Schwiegersohn in Tah-scha-tungas Zelt sitzen und leckte mir über die Lippen.
Tah-scha-tunga war leicht zu beeinflussen. Ich versprach ihm das Blaue vom Himmel herunter und suchte jede Gelegenheit, in Ribannas Nähe zu sein. Jede Faser in meinem Körper wollte sie besitzen, und das nicht nur einmal. Entgegen meiner sonstigen Art, mir einfach zu nehmen, was ich wollte, verwendete ich all meinen Charme darauf, ordentlich um sie zu werben.
Ich kam regelmäßig in das Dorf und musste zu meinem Leidwesen erkennen, dass ich nicht der einzige war, der um die Rose warb. Mein Nebenbuhler war ein alternder Westmann, Old Firehand. Und eines Tages kreuzte sogar noch ein Knabe auf, der sich in Ribanna verliebt hatte. Sein Name war Winnetou. Wenn ich mich mit den beiden verglich, schnitt ich eigentlich gut ab. Old Firehand hatte die besten Jahre seines Lebens schon hinter sich und Winnetou war nicht mehr als ein Kind.
Nach dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein, machte ich erneut den Versuch, um Ribannas Hand anzuhalten. Doch der Häuptling war noch immer unschlüssig. Er hatte sich tatsächlich in den Kopf gesetzt, seine Tochter selbst wählen zu lassen.
Und sie wählte den Mann, der ihr Vater hätte sein können, Old Firehand.
Kurz überlegte ich, ob ich mich mit Winnetou zusammen tun sollte, um Rache zu üben, aber der Knabe war schwach, überließ die Frau dem anderen. Ich schwor Rache!

Es zog mich immer wieder an den Niobrara River. Bei den Rothäuten ließ ich mich nicht mehr öffentlich blicken, aber ich hatte einige hervorragende Verstecke gefunden, aus denen ich Ribanna beobachten konnte. Ich kannte ihren Tagesablauf, wusste, an welchen Stellen sie badete und hatte sogar mehrere Gelegenheiten, sie beim Liebesspiel mit ihrem Mann zu beobachten.
Nebenbei hatte ich mich bei den Schwarzfuß Indianern eingenistet. Diese einfachen Trottel bewunderten meine Intelligenz und das nutzte ich aus. Ich hatte in Erfahrung gebracht, dass die Assineboins sich für einen größeren Jagdzug rüsteten und auch Old Firehand hatte mit seiner Brut Harry das Lager verlassen. Ribanna und ihre kleine Tochter wurden also nur von ein paar alten Kriegern beschützt.
Die Schwarzfüße waren schnell bereit, mit mir das Dorf zu überfallen. Besonders, da ich auf alle Beute verzichten wollte und nur Ribanna für mich beanspruchte.
Es war ein Kinderspiel gewesen. Ich hatte beobachtet, wie Ribanna mit ihrem Baby zum Fluss schlenderte. Ich beobachtete, wie sie sich entkleidete und sich anschickte, in das Wasser einzutauchen. Schnell war ich über ihr, riss ihr das Baby, was mich nur stören würde, aus dem Arm und schleuderte es an Land. Während die Schwarzfüße das Lager überfielen und alles niedermetzelte, nahm ich mir das, was mir schon lange zustand.
Es war herrlich, in ihre erschrockenen Augen zu blicken. „ Du kleine Schlampe, damit hast du nicht gerechnet, was?“ flüsterte ich ihr ins Ohr und griff ihr dabei beherzt zwischen die Beine. Ach, wie herrlich war ihre Gegenwehr, sie biss und trat und förderte damit nur meine Lust, sie zu besitzen.
Als ich mit ihr fertig war, suchte sie kleinlaut ihr Baby, das schreiend am Ufer lag. Ich gestattete ihr, sich wieder anzukleiden, hatte aber vorher alles entfernt, was wie eine Waffe aussah. Ich kannte diese Rothäute zu genügend. Sie kam vielleicht auf die Idee, sich selbst zu töten, und damit wäre mein Spaß und meine Rache zu Ende gewesen.
Ich band ihr mein Lasso so um die Hüften, dass sie es nicht selbst lösen konnte und zog sie wie einen räudigen Köter hinter mir her. Stolz zeigte ich ihr das niedergebrannte Lager und die Leiche ihres Vaters. Dann wurde es Zeit, mit den Schwarzfüßen das Dorf zu verlassen.
Wir hatten unser Lager am Bee Fork aufgeschlagen und ich hatte ein gemütliches Liebesnest für mich und Ribanna gebaut. Die Schwarzfüße waren gut darin, unsere Spuren zu verwischen und so rechnete niemand damit, dass uns hier jemand aufstöbern würde.
Ich bin ein guter Mann, ich kann mehrmals am Tag eine Frau beglücken und tat dies auch ausgiebig. Nur schade, das Ribanna so unbeteiligt wirkte. Selbst meine Züchtigungen hatten keinen Erfolg gebracht. Vielleicht sollte ich ihre Lust erhöhen, indem ich ihr drohte, auch ihr Töchterchen zu benutzen?
Sie hatten uns doch gefunden. Sie kamen über uns wie ein Gewitter. Winnetou, Old Firehand, und eine Handvoll Assineboins überfielen unser Lager, als wir uns im tiefsten Schlaf befanden. Ribanna hatte sich ihren Säugling geschnappt und war aus unserer Hütte gestürmt.
Ein schneller Rundumblick machte mir klar, dass wir verloren waren. Die Feiglinge von Schwarzfüßen flüchteten und so blieb auch mir nichts anderes übrig, als das Weite zu suchen. Vorher aber musste ich noch eins erledigen. Ich sah Ribanna auf Winnetou zulaufen. Nein, mein Junge, wenn ich sie verloren hatte, dann sollte sie auch für alle verloren sein. Ein gezielter Schuss brachte sie zum Stoppen. Lächelnd beobachtete ich, wie sie in den Armen Winnetous verendete.

Ich hatte einen Platz bei den Atabaskah gefunden. Ein Indianerstamm von lauter unterwürfigen und erfolglosen Männern, die sich Krieger nannten. Schnell hatte ich mir einen Platz unter ihren Anführern erworben. Schließlich bin ich schlau und weiß die Menschen zu führen. Ach, wie sie an meinen Lippen hingen, wenn ich ihnen erklärte, wie man Krieg führt. Als es darum ging, einen neuen Häuptling zu wählen (den alten hatte ich bei einem Kriegszug unauffällig beseitigt) waren die Narren froh, dass ich mich anbot, den Posten zu übernehmen. Ich hatte mir den Kriegsnamen Parranoh zugelegt und herrschte weise und gerecht über die Atabaskah. Jeder, der mir nicht zu Willen war, bekam eine Sonderbehandlung, wie ich es nannte. Besonderen Spaß machte es mir, auf das Recht der ersten Nacht zu bestehen. Schließlich mussten die werdenden Squaws von mir lernen, wie sie einen Mann zu behandeln hatten. Leider fanden die Atabaskah meinen Führungsstil nicht ganz so gelungen und eines Tages taten sie sich zusammen. Ich sah die Entschlossenheit in ihren Augen mich zu vernichten. Da hatten sie tatsächlich etwas von mir gelernt, und ich verließ den Stamm, bevor sie mir schaden konnten.

Nach einigem sinnlosen umherziehen stieß ich auf den Stamm der Oglala. Eine kleine Splittergruppe, die von der Friedliebigkeit der Lakota nichts hielt, wählte mich zu ihrem Anführer und wir verbreiteten Angst und Schrecken unter den weißen und roten Männern. Meine Krieger waren gut ausgebildet. Mutig und voller Kriegslust nahmen wir uns, was wir wollten. Doch eines Tages holte mich die Vergangenheit ein……
Wir hatten unseren Beutezug eigentlich gut vorbereitet. Es würde mal wieder ein Kinderspiel sein, die Weißen zu überfallen. Doch ich hatte nicht mit meinen Erzfeinden gerechnet.
Mitten im Kampfgetümmel erblickte ich Old Firehand. Er war sehr alt geworden und würde nun durch meine Hand sein Leben aushauchen – dachte ich wenigstens.
Auch er hatte mich erblickt und rief: „Parranoh, Tim Finnetey, Hund von einem Athabaskah stirb!“ und er kam mit erhobener Hand, den Tomahawk schwingend, auf mich zu. Ich war weitaus trainierter und geschmeidiger als er. Seinen Angriff wehrte ich lässig ab um dann meinerseits anzugreifen. Ich konnte ihm einige ordentliche Hiebe mit meinem Tomahawk versetzen und holte endlich zum tödlichen Schlag aus, als mich eine Kugel traf. Ich blickte auf und sah in das grimmige Gesicht eines Greenhorns. Damals wusste ich noch nicht, dass es Old Shatterhand war, der mich soeben angeschossen hatte.

Als ich aufwachte, schmerzte mir meine Brust und der Kopf. Ich sah in die besorgten Gesichter meiner Oglala und versuchte ein Grinsen. Mal noch hatte der Teufel mich nicht zu ihm geholt.
Ich erholte mich rasch, obwohl der Hund Winnetou mir die Kopfhaut genommen hatte. Die geschickten Hände der Oglala hatten mir aus verschiedenen erbeuteten Skalps zu einer neuen Haarpracht verholfen.
Mir war klar, früher oder später würden sie mich finden. Angst hatte ich keine. Bis jetzt war ich noch aus jeder Schlacht als Sieger hervorgegangen. Selbst der schusssichere Old Shatterhand hatte mir nicht mein Leben nehmen können.
Vielleicht war sogar Angriff die beste Verteidigung. Und schon hatte ich wieder einen Plan im Kopf. Was wäre es für ein Spaß, Old Firehand und seine Freunde in deren Versteck zu überfallen? Ich beriet mich mit meinen Kriegern die Feuer und Flamme für meine Idee waren. Rasch hatten wir die nötigen Vorbereitungen getroffen und ich konnte Männer anwerben, die mit mir zusammen die Falle vorbereiteten. Geduld musste ich leider haben, da es nicht so einfach war, Old Firehands Festung einzunehmen. Es bedurfte genauester Vorbereitung und meine Weitsicht, um den Schlag auszuführen.
Endlich, endlich habe ich mein Ziel erreicht. Sie stecken alle in der Falle. Old Firehand, der mir Ribanna gestohlen hatte, Winnetou, der mir die Haare nahm und Old Shatterhand, der es gewagt hatte, auf mich zu schießen. Heute würde ich sie alle töten. Vielleicht würde ich sie auch lieber martern, je nachdem, wie mir zu Mute war.
Mit meinen Kriegern stürme ich die Festung. Fuck, die Weißen sind auf uns vorbereitet, wie konnte das sein? Ich blicke in den Lauf von Winnetous Silberbüchse. Sehe das Mündungsfeuer und weiß, heute ist ein guter Tag zu sterben.
 
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