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Komplott gegen die Navajos

von Funnygana
GeschichteFreundschaft / P16 / Het
OC (Own Character)
08.06.2021
14.06.2021
14
7.801
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10.06.2021 1.282
 
Ruhe, Ruhe und Nahrung war das, was Gitti jetzt dringend brauchte. Káalógii, die sie auch weiterhin betreute, sprach und verstand ein paar Worte Englisch und wo die Sprache fehlte, redete sie mit Händen und Füßen. Die Deutsche bekam eine nahrhafte Suppe gereicht und trank diese gierig aus. Dann legte sie sich zurück auf die Decken und Felle. Langsam rieb sie über ihre von der Sonne verbrannten Arme. Káalógii reichte der jungen Frau eine kühlende Salbe und bedeutete ihr, damit ihre Wunden und Hämatome zu pflegen. Danach fiel die Weiße wieder in einen tiefen Schlaf.
Am Abend fühlte sich Gitti schon viel besser. Die Schmerzen hatten nachgelassen und sie war ausgeruht wie schon lange nicht mehr. Sie beschloss, auf Erkundungstour zu gehen, und sie musste auch dringend der Notdurft nachgehen. Vor der Hütte saß Káalógii, die sie lächelnd begrüßte.
„Káalógii, ich müsste mal….“ Gitti kniff ihre Beine zusammen und die Indianerin lachte. Sie nahm sie an die Hand und führte sie zum See.
„Hier? Hier habe ich heute Morgen gebadet und auch Wasser getrunken!“, rief Gitti entsetzt.
„Ja, ja, Gidi, alle hier, du auch!“, sagte Káalógii und die Weiße beschloss, mit dem Häuptling ein ernstes Wort über Hygiene zu sprechen.
Nachdem sie sich erleichtert hatte, fragte sie Káalógii nach Nitsas Ini.
„Nitsas Ini zu Fort geritten. Will General sagen, wir nix überfallen Feuerross“,  antwortete die Indianerin bereitwillig.
„Wo liegt das Fort? Ist es weit von hier?“, fragte Gitti.
„Nicht weit, aber langer Ritt. Weg viel Fels und Stein. Ungefähr da…“ Káalógii zeigte in eine bestimmte Richtung.
Nachdenklich ging Gitti zurück in den Hogan, der ihr zugewiesen worden war. Sie war so gar nicht damit einverstanden, dass der Unterhäuptling ohne sie zum Fort geritten war. Was bildete sich dieser Indianer mit dem intensiven Blick nur ein? Sie war kein Kind mehr und konnte sehr gut für sich selber einstehen. Zumal es auch gefährlich für ihn werden konnte, wenn er ohne Beweise und ohne Zeugin bei den Soldaten vorsprach. Wütend und voller Sorge stapfte die Frau durch ihre Wohnung.
Dann fasste sie einen Entschluss. Sie suchte nach Káalógii, die vor dem Hogan saß und an einem Hemd nähte.
„Káalógii, mit wem kann ich hier noch reden? Wer versteht meine Sprache und kann mich beraten?“
„K´os, aber sie nix englisch. Häuptling spricht Sprache, komm.“
Gitti folgte der Frau zu dem großen Hogan des Häuptlings, der auf einer kleinen Anhöhe stand. Der Häuptling saß mit mehreren Männern und Frauen rauchend vor seiner Hütte. Káalógii sprach kurz mit den Leuten und trat dann zurück. Der Häuptling winkte Gitti zu sich.
„Meine weiße Schwester möchte mit uns reden?“, fragte der Häuptling.
„Ja, aber erstmal möchte ich euch begrüßen. Ich kenne mich mit den Sitten der Navajos nicht aus, muss ich etwas beachten?“
„Gidi ist willkommen. Sie kann sich zu uns setzen.“
Die Leute rutschten zusammen und machten Platz für Gitti. Diese setzte sich zwischen eine uralte Frau und einen noch recht jungen Indianer, dem Häuptling gegenüber.
„Bevor Gidi ihr Anliegen vorbringt, lass uns zusammen das Kalumet rauchen. Łizhinii Bik´á´ sieht, Gidi ist aufgeregt und das Rauchen beruhigt. Danach ist die Zeit der Stille, damit wir unsere Gedanken sammeln können und nicht überstürzt handeln.“
Betont langsam stopfte der Häuptling ein Kalumet und zündete es an. Dann machte die Pfeife die Runde. Gitti platzte fast vor Tatendrang und musste sich sehr zusammennehmen, um die Zeremonie nicht zu stören. Da sie vorher noch nie geraucht hatte, zog sie nur vorsichtig an der Pfeife, die die Uralte ihr reichte. Trotzdem musste sie fürchterlich husten und schaute entschuldigend in die lächelnden Gesichter der Gruppe. Der Häuptling reichte ihr seinen Wasserbeutel und Gitti trank einige Schlucke, bis der Hustenreiz nachließ. Einige Zeit saß die Gruppe schweigend zusammen und die Weiße merkte, wie sie allmählich ruhiger wurde.
Dann begann der Häuptling zu sprechen: „Meine weiße Schwester Gidi möchte sich mit uns beraten. Sie möge ihre Sorgen vortragen.“
„Bevor ich meine Sorgen mit euch teile, möchte ich mich für die Gastfreundschaft der Navajos bedanken. Nitsas Ini hat mir das Leben gerettet und Káalógii hat mich gesund gepflegt. Ihr habt mir Nahrung und Kleidung geschenkt. Ich bin sehr dankbar. Doch nun habe ich gehört, dass Nitsas Ini zum Fort Defiance geritten ist, und ich habe Angst, dass die Soldaten ihm nicht glauben. Ich war bei dem Überfall dabei und kann bezeugen, dass es weiße Männer waren, die die Taten begangen haben. Ich möchte Nitsas Ini folgen, aber ich habe weder ein Pferd noch weiß ich, wohin ich reiten muss. Ich kenne die Gefahren nicht, die auf dem Weg lauern und ich möchte auf keinen Fall wieder in die Hände von feindlichen Indianern fallen.“
Der Häuptling nickte bedächtig und begann dann in der Sprache der Navajos mit seinen Leuten zu sprechen. Gitti sah, wie die meisten nickten, hin und wieder schien einer eine Frage zu stellen oder seine Meinung zu äußern. Endlich schienen die Indianer zu einem Entschluss gekommen zu sein.
Der Häuptling wandte sich wieder der Weißen zu und sagte: „Gidi ist eine tapfere, junge Frau, und die Navajos wollen ihr helfen. Der junge Häuptling Nitsas Ini ist aus freiem Willen zum Fort geritten. Der Rat der Ältesten war dagegen, aber jeder hier ist frei und kann tun, was er möchte, solange er der Gemeinschaft nicht schadet. Der Rat sieht die Gefahr, in die sich unsere weiße Schwester begeben wird. Unser Verhältnis zu General Sherman  ist gut, doch er ist ein Weißer, und die Navajos wissen nicht, ob er akzeptiert, dass Weiße den Zug überfallen haben. Nitsas Ini wird ihm von dir berichten, aber Zeugen muss man schützen. Die Soldaten werden nach der weißen Frau forschen, doch bevor wir nicht wissen, ob sie es freundlich oder feindlich meinen, sollte Gidi vorsichtig sein.“
Gitti ließ die Worte sacken, atmete tief durch und berichtete nun von ihrem Plan: „Die Weißen werden eine Frau als Zeugin erwarten, aber wenn ich mich entsprechend kleide und meine Haare schneide, sehe ich aus wie ein Junge. Ich hoffe, das schützt mich vor Angriffen und Übergriffen. Man muss mich nur in die Nähe des Forts bringen. Es gibt dort dann zwei Möglichkeiten. Entweder hat Nitsas Ini Erfolg gehabt, dann kann ich ihn mit meiner Aussage unterstützen, oder aber man hat ihm nicht geglaubt, dann kann ich ihm zur Hilfe eilen.“
Wieder übersetzte der Häuptling die Worte der Frau. Unterdessen wurde das Kalumet erneut herumgereicht und diesmal musste Gitti nicht mehr husten, als sie einen Zug nahm. Die Indianer ließen sich viel Zeit bei ihrer Beratung, teilweise herrschte minutenlange Stille, bevor wieder einer der Männer oder Frauen das Wort ergriff. Endlich wendete sich der Häuptling wieder der weißen Frau zu: „Der Rat möchte sich nicht einmischen und vielleicht Unfrieden zwischen den Navajos und den Soldaten stiften. Aber wir werden Gidi ein Pferd leihen und einen Krieger mitgeben, der sie bis zum Fort führt. Morgen bei Sonnenaufgang kann unsere weiße Schwester aufbrechen. Howgh!“
Gitti fühlte, dass sie entlassen war, nickte den Indianern freundlich zu und verließ die Runde.
Wie schnell die Kommunikation dann doch im Indianerdorf sein konnte, stellte sie fest, als sie bei ihrem Hogan ankam. Dort stand schon Káalógii und reichte ihr ein, aus blauem, grobem Leinen bestehendes Männerhemd. Dann bedeutete sie Gitti, dass sie sich setzen sollte und machte die Bewegung des Haareschneidens. Gitti wollte der Indianerin ihr Messer reichen, doch diese starrte auf dasselbe und fing heftig an zu kichern. „Nein, nein, nicht dieses Messer!“, rief sie und holte aus ihrem Beutel, den jeder Indianer zu tragen schien und der ein Aufbewahrungsort für alle möglichen und unmöglichen Dingen diente, ein kleines Messer mit einer feinen Klinge heraus. Dann begann sie, begleitet von einem leisen Singsang, Gitti die blonden Haare abzuschneiden. Behutsam legte die Indianerin Locke für Locke in Gittis Schoß.
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