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Always Remember Us This Way

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
08.06.2021
30.06.2021
5
19.635
41
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
17.06.2021 3.759
 
Hallo zusammen! :)

Ich hoffe, ihr übersteht dieses heiße Wetter und euch geht's allen gut!
Möchte mich direkt an dieser Stelle für die Reviews, Sternchen und Favo's bedanken. Es macht mich wirklich extrem glücklich zu sehen, dass euch die Geschichte Spaß macht!

Und natürlich muss ich es hier im Nachhinein nochmal erwähnen: 12 Jahre Joko und Klaas! Es ist einfach der Wahnsinn, wie lange die beiden jetzt schon zusammen Fernsehen machen und noch lange keine Ende in Sicht sehen (Gott sei Dank!).

Der Titel stammt aus Lewis Capaldis "Hold Me While You Wait".

So, ganz viel Spaß beim Lesen!  




...



„Darf es noch ein Nachtisch sein?“ fragte der Kellner und sah zwischen Joko und Klaas hin und her.

Joko sah zu Klaas, der ihm gegenübersaß, während dieser ihm mit einem Nicken bestätigte, dass Joko für sie beide bestellen sollte.
„Ein Stück Marzipantorte und ein Tiramisu, bitte.“

Der Kellner kritzelte etwas auf seinen Block, bedankte sich und verschwand wieder von dem Tisch.

„Die Marzipantorte ist für mich?“ fragte Klaas und sah Joko irgendwie hoffnungsvoll über den Tisch hinweg an, sodass sich ein leichtes Lächeln auf die Lippen des Blonden legte.

„Ja. Du könntest locker zehn Stücke davon verdrücken“, sagte Joko und trank einen Schluck seines Wassers.

Der Abend war bisher sehr angenehm verlaufen, auch wenn Joko am Anfang sehr angespannt gewesen war.
Hier hatte Klaas ihm vor anderthalb Jahren den Antrag gemacht, ohne dass ihm das überhaupt bewusst war. Doch Joko wollte erst einen schönen Abend mit ihm verbringen, bevor er ihm seine Vorbereitungen präsentieren würde. Dementsprechend aufgeregt war er, weil er nicht wusste, wie Klaas reagieren würde.

„Süßigkeiten habe ich schon immer zu viele gegessen“, stellte Klaas mit einem Grinsen fest und streckte eine Hand nach vorne, um sie auf Jokos, auf dem Tisch liegende Hand, zu legen.

Jokos Lächeln gefror, während er auf ihre Hände blickte und anschließend wieder zu Klaas, der gerade erst zu realisieren schien, was er soeben getan hatte.
Gerade wollte er seine Hand wegziehen, als Joko seine Hand umdrehte und vorsichtig ihre Finger miteinander verschränkte.

Sofort breitete sich auf Jokos gesamten Körper eine Gänsehaut aus. Es war nur ein simples Händchenhalten, doch Joko war so ausgehungert nach Klaas‘ Berührungen, dass er sich unverhältnismäßig über diesen kleinen Schritt freute.

„Ich… mein Körper hat einfach gehandelt, als wäre… als würde ich das öfters so machen“, stammelte Klaas. Sein Blick flackerte zwischen Jokos Gesicht und ihren Händen unruhig hin und her, doch er ließ seine Hand, wo sie war.

Joko musste sich auf die Lippe beißen, um nicht zu breit zu Lächeln. „Das machst du oft“, bestätigte Joko ihm und strich vorsichtig mit seinem Daumen über Klaas‘ Handrücken. Er wollte nicht übertreiben, wollte ihn nicht überfordern, doch es kribbelte ihm einfach in den Fingern Klaas diese kleinen Zärtlichkeiten zu zeigen, die mit den Jahren selbstverständlich zwischen ihnen geworden waren, doch gleichzeitig so viel bedeuteten.

„Du nimmst meine Hand, wenn wir Spazierengehen, du hältst sie, wenn wir einen Horrorfilm gucken und ich Schiss bekomme. Oder aber, wenn wir Essengehen“, erläuterte Joko und spürte, wie sein Herz einen Hüpfer machte, als Klaas austestend, leicht seine Hand drückte.

„Fühlt sich vertraut an“, murmelte er und ein ehrliches Lächeln erhellte sein Gesicht und zum ersten Mal hatte Joko wieder so etwas, wie Hoffnung.
Hoffnung, dass Klaas sich erinnern würde. Dass er ihn endlich wieder berühren durfte und sich nicht mehr zurückhalten musste. Dass dieser Albtraum endlich vorbei wäre.

„Du glaubst gar nicht, wie glücklich mich diese Worte machen“, stieß Joko aus und hätte vor Glück wirklich Purzelbäume machen können.



.



„Das sollten wir nicht tun“, flüsterte Klaas so leise, dass Joko es fast nicht verstanden hätte und selbst als er es hörte, brauchte sein Verstand noch weitere Sekunden, um es zu verarbeiten. Viel zu sehr brachte ihn diese Situation, in der sie sich befanden, aus dem Konzept, packte sein Gehirn in Watte und ließ ihn schweben.

Klaas hatte Recht. Das sollten sie wirklich nicht tun. Und dennoch lag Joko mit dem Rücken auf Klaas‘ Couch, der Jüngere beinahe vollständig auf ihm drauf, ihre Beine miteinander verflochten, seine Hände lagen in Klaas‘ Nacken und Klaas seine waren in Jokos Haaren vergraben.
Joko spürte Klaas‘ Atmen auf seinen Lippen, seine blauen Augen strahlten ihm dunkel entgegen und Joko glaubte noch nie in seinem Leben ein solches Kribbeln gespürt zu haben.

„Und wenn doch?“ hauchte Joko ihm als Antwort entgegen und Klaas entkam ein zitternder Atemzug. Kein Weg führte daran vorbei, dass es jetzt passieren würde, das wusste Joko und er wusste auch, dass Klaas es wusste. Viel zu lange hatten sie es vermieden, verdrängt und ignoriert und jetzt, wo sie kurz davor standen, hatte keiner mehr die Kraft sich zu wehren.

„Du weißt, dass es danach kein Weg zurück mehr gibt. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen“, meinte Klaas noch immer flüsternd, doch Joko sah ihm an, dass seine Argumentation eher halbherzig daherkam, doch es läge nicht in Klaas‘ Natur es nicht wenigstens zu versuchen, der rational denkende von ihnen zu sein.

Joko strich sanft mit seinem Daumen durch die kurzen Nackenhaare des Brünetten, zog leichte Kreise über die weiche Haut und spürte, wie sich dort eine Gänsehaut auf Klaas‘ Körper bildete.
„Ich bin bereit diese Konsequenzen mit dir durchzustehen.“

Die nächsten Momente passierten wie in Zeitlupe.
Auf Klaas‘ Lippen bildete sich ein breites, liebevolles Lächeln, er murmelte ein: „Ich auch“, überbrückte die letzte Distanz zwischen ihnen und presste seine Lippen auf Jokos.

Es war weiß Gott nicht das erste Mal, dass sie sich küssten. Für Circus Halligalli damals, vor Jahren einmal betrunken auf der Weihnachtsfeier und erst vor kurzem im Rahmen der Besten Show der Welt Aufzeichnung, doch nie war es so privat, so intensiv, so intim gewesen.

Und auch, wenn es vielleicht kitschig klang, aber in dem Moment wusste Joko einfach, dass sie füreinander bestimmt sein mussten.



.



Sanft legte Joko seine Hand an Klaas‘ unteren Rücken und führte ihn in den Garten des Restaurants. Sein Herz klopfte wie wild in seiner Brust, als die Flut der Erinnerungen an diesen unbeschreiblichen Abend auf ihn einfielen.

Der Ort hatte sich kaum verändert. Es waren ein paar andere Blumen gepflanzt worden, doch der Rasen war frisch gemäht, die Bäume und der Teich waren da, wo Joko sie in Erinnerung hatte und vor allem der schöne Kirschbaum in der hinteren Ecke des Gartens blühte so schön, wie damals.

„Was wollen wir hier?“ fragte Klaas, als er sich neugierig umsah und seine Umgebung betrachtete, die lediglich vom hellen Mond beleuchtet wurde.
Doch vor allem zuckte er nicht vor Jokos Berührung weg. Er ließ sich von ihm anfassen und Joko bildete sich ein, dass er sich sogar seiner Hand entgegenlehnte.

„Ich möchte dir etwas zeigen“, sprach Joko und spürte, wie seine Stimme vor lauter Emotionen zitterte. Dieser Ort bedeutete ihm so unglaublich viel.

Joko führte Klaas über die Wiese, bis hin zu dem Kirschbaum, unter welchem sie stehenblieben. Tief durchatmend nahm Joko seine Hand von Klaas‘ Rücken und ergriff den Umschlag, der schon den ganzen Abend in seinem Jackett schlummerte und darauf wartete, dass Joko endlich den Inhalt präsentierte.

Der Brünette beobachtete Joko, während er langsam den Umschlag öffnete und die wenigen Fotoabzüge herausholte. Den Umschlag schob er wieder in seine Jacke und umfasste die Fotos so, dass Klaas bisher nur die Rückansicht sehen konnte.

„Was ist das hier, Joko?“ fragte Klaas, während er direkt vor ihm stand und seinen Kopf in den Nacken legte, um Joko in die Augen sehen zu können.
Joko verlor sich in dem Blau, das ihm in diesem Moment wieder so vertraut vorkam.

„Genau hier, wo wir stehen, hast du mir den Antrag gemacht“, klärte er Klaas auf und beobachtete, wie sich sein Mund öffnete und ein leises „Oh“ über seine Lippen kam.

Es war das erste Mal, dass Joko von sich aus über ihre Beziehung sprach. Dass er nicht darauf wartete, dass Klaas ihn etwas darüber fragte oder etwas andeutete.

„Ich habe dir den Antrag gemacht?“ fragte Klaas nun vorsichtig und Jokos Bauch füllte sich mit Schmetterlingen, weil Klaas ihn noch immer ansah und noch immer so nah vor ihm stand.

Ein leises Lachen verließ Jokos Kehle. „Ja. Hat uns damals auch keiner geglaubt.“

Klaas grinste nun und schien sich kein Stück unwohl zu fühlen. „So, wie ich uns kennengelernt habe, stehen wir darauf, die Leute um uns herum zu überraschen“, sagte er, seine Augen blitzen amüsiert auf und Joko liebte diesen Mann von ganzem Herzen.
Noch immer und für immer.

„Das ist richtig“, meinte Joko und hielt Klaas nun die Bilder entgegen, die er ohne zu zögern entgegennahm. „Es war einer der glücklichsten Tage unseres Lebens. Du hast dir so unfassbar viel Mühe gegeben.“

Klaas sah sich nun das erste Foto an, auf dem der Garten fotografiert wurde, bevor Joko am Restaurant angekommen war. Es zeigte die Laternen, die die Bäume schmückten, die leuchtenden Fackeln, die auf dem Gras den Weg zu dem Kirschbaum zeichneten und die Lichterketten, die diesem in einem unfassbar wunderschönen Licht strahlen ließen.

„Wir haben gegessen und dann hast du mir erzählt, dass du vor dem Dessert frische Luft schnappen wollen würdest und wir sind hier rausgekommen. Der ganze Garten hat gestrahlt und wir sind diesen Weg entlanggegangen und genau hier stehengeblieben“, erzählte Joko, konnte einfach nicht anders und ließ das selige Lächeln auf seinen Lippen zu.

Das zweite Foto zeigte ein Selfie der beiden, wie sie breit in die Kamera grinsten und Joko stolz seine Hand mit dem Verlobungsring in die Luft hielt.
„Du hast mir so viele schöne Worte gesagt und ich habe tatsächlich angefangen zu weinen“, erinnerte Joko sich und spürte schon, wie ihm allein bei der Erzählung die Tränen in die Augen stiegen.

Als Klaas das letzte Bild betrachtete, presste Joko die Lippen aufeinander. Es war wieder ein Selfie, doch diesmal küssten sie sich. Es war leicht verwackelt und irgendwie waren sie schräg im Bild, weil Klaas während des Bildes natürlich nicht auf den Bildschirm hatte gucken können, doch Joko bedeutete dieses Foto so viel.

„Sieben Monate später haben wir geheiratet“, schloss Joko seine Erzählung ab und betrachtete Klaas, der langsam die Bilder sinken ließ und Joko das erste Mal, seit er seine Erzählung begonnen hatte, wieder in die Augen sah.
Ein trauriger Ausdruck lag in seinem Blau.

„Mehr Bilder gibt es nicht von diesem Abend?“

„Nein. Du wolltest, dass wir den Abend ganz für uns alleine haben, ohne dass irgendwer zuguckt und Fotos schießt. Das sollte alles… in unserer Erinnerung bleiben“, flüsterte Joko nun und sah, wie Klaas schwer schluckte und nickte.

„Joko, es tut mir so leid“, sagte Klaas und es war überhaupt nicht mit seiner Entschuldigung damals bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus zu vergleichen. Hier und jetzt sah Klaas traurig aus, niedergeschlagen und irgendwie gebrochen.

Joko holte tief Luft, um nicht vollends anzufangen zu weinen, denn Klaas so zu sehen, brach ihm das Herz. Es war schlimm für Joko. Alles. Aber für Klaas war die Situation so komplett anders verkorkst.

„Klausi, dir braucht nichts leid zu tun. Du bist der Letzte, der irgendwas für diese Scheiße kann“, sagte Joko und schüttelte leicht den Kopf. „Und egal was ist, du musst einfach wissen, dass ich dich liebe und dich immer lieben werde. Aber niemals werde ich dich mit irgendwas unter Druck setzen. Niemals werde ich irgendwas von dir verlangen, was du nicht möchtest.“

Klaas schloss sichtlich gequält die Augen.
Als er sie wieder öffnete schimmerten Tränen in ihnen und Joko glaubte, dass er ihn noch nie so zerrissen gesehen hatte.

„Ich hoffe, ich kann dich irgendwann so lieben, wie du mich liebst“, hauchte Klaas so leise, so sanft, aber so zerbrochen, dass es Joko schon physisch schmerzte.

Doch so sehr es wehtat und so sehr er litt, dieser Abend hatte ihm Hoffnung gegeben.

„Du hast es schon mal getan. Du schaffst es auch ein zweites Mal.“



.



„Was haltet ihr von so einer Art Sommershow?“ warf Schmitti in die Runde, bestehend aus Jakob, Thomas Martiens, Joko und Klaas.
Zu fünft saßen sie an ihrem Konferenztisch im Büro, jede Menge Kaffee und Süßkram in der Mitte des Tisches und gemeinsam versuchten sie seit nun zwei Stunden auf einen Nenner zu kommen, wie sie nun weitermachten.

Eigentlich wollte jeder, inklusive Klaas, versuchen langsam wieder ihre üblichen Shows aufzunehmen. Doch Joko argumentierte alles nieder, war der Ansicht, dass Klaas nicht bereit war. Nicht bereit sofort in eine regelmäßige, wöchentliche Sendung geschmissen zu werden ohne, dass er genau wusste, worauf er sich da einließ.

„Ja, genau!“ rief Thomas und nickte enthusiastisch. „Wir ziehen das so auf, wie Weihnachten mit Joko und Klaas. Nur halt im Sommer. Holen alte Halligalli Formate zurück und so lernt Klaas, wie es ist sich auf ne Sendung vorzubereiten, sie aufzuzeichnen und wäre besser für eine neue Staffel Late Night Berlin vorbereitet.“

Joko seufzte und sah zu Klaas, der seinen Blick schon auf ihn gerichtet hatte. Langsam ließ der Brünette ein leichtes Lächeln zu.
„Finde ich gar nicht schlecht“, sagte Klaas, ohne seine Augen von Joko zu nehmen.

Er wusste, dass jeder in diesem Raum genervt von ihm war, weil er jeden Vorschlag niederschmetterte. Aber er konnte nicht anders. Er musste einfach für das Beste für Klaas sorgen, wenn er das schon nicht selbst tat.

Damals waren sie langsam in diese riesengroße Medienwelt hineingeführt worden. Hatten jahrelang Zeit sich an den Ruhm, die Arbeit und die Prominenz zu gewöhnen.
Doch Klaas hatte das jetzt nicht. Klaas stand plötzlich als einer der erfolgreichsten Moderatoren Deutschlands dort, ohne irgendwelche wissentlichen Erfahrungen.

„Ich weiß nicht“, murmelte Joko also.

Klaas biss sich auf die Unterlippe und griff vorsichtig, ganz langsam auf dem Tisch nach seiner Hand. Sanft fuhr er mit seinen Fingern zwischen seine, drückte seine Hand und ließ ihre Hände miteinander verschränkt auf dem Tisch liegen.

„Lass mich das tun, Joko. Irgendwie muss ich wieder anfangen“, sagte er und strich sogar mit seinem Daumen über Jokos Handrücken.

Joko konnte indes die Augen nicht von Klaas nehmen, der ihn bittend, aber so unglaublich sanft ansah. Überdeutlich spürte er Klaas‘ Hand in seiner, bemerkte das Kribbeln, das sich direkt in seinem gesamten Körper breitmachte und ohne es groß zu realisieren, nickte er.

„Okay“, hauchte er, schluckte und hatte vollkommen vergessen, dass sie nicht alleine in diesem Raum waren, als Schmitti sich leise räusperte und Klaas seine Hand mit einem letzten, leichten Druck wieder aus seiner nahm.

Und Joko konnte gar nicht enttäuscht darüber sein, denn Klaas hatte hier wissentlich nach seiner Hand gegriffen. Nicht aus irgendeinem Impuls heraus, sondern wissentlich.

„Super. Dann machen wir ne Sommershow und schauen anschließend, wie es dann weitergeht“, sagte Schmitti.

Erst jetzt konnte Joko seinen Blick wieder von Klaas abwenden und starrte in drei neugierige Augenpaare.
Schmitti sah aufmerksam zwischen ihnen hin und her, Jakob betrachtete noch immer die Stelle, an denen ihre Hände auf dem Tisch gelegen hatten und Thomas sah ihn mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an.

„Ich kläre das mit dem Sender und dann können wir loslegen“, meinte Thomas dann, erntete ein Nicken von allen Anwesenden und erhob sich langsam von dem Stuhl. „Und nun, wie wärs mit Mittag? Ich hab Kohldampf.“



.



Mit einem Lächeln auf den Lippen beobachtete Joko, wie Klaas sich erschöpft auf die Couch fallen ließ und sich längst auf dieser breitmachte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass den ganzen Tag rumzusitzen und Dinge zu besprechen und abzuklären so anstrengend ist“, seufzte Klaas und sah Joko mit müden Augen an.

Joko konnte einfach nicht anders.
Er ging auf die Couch zu, bedeutete Klaas sich kurz aufzusetzen, um ebenfalls Platz zu nehmen und bettete anschließend Klaas‘ Kopf auf seinem Schoß.

Damals hatten sie oft so gesessen. Joko hatte Klaas‘ Kopfhaut massiert oder einfach durch seine Haare gestrichen, während sie einen Film angesehen hatten.
Und zu Jokos Überraschung ließ Klaas sich bereitwillig nieder, machte es sich bequem und sah von unten zu dem Blonden auf.

Gott, Klaas war so wunderschön. Es kostete ihn alles an Selbstbeherrschung, ihn jetzt nicht zu küssen. Er vermisste es so sehr diese Lippen auf seinen zu spüren.

„Wenn du wüsstest, wie viele solcher Tage wir schon hatten“, schmunzelte Joko und fuhr langsam mit seiner Hand in Klaas‘ Haare. Er spielte mit den braunen, weichen Strähnen und Klaas ließ ihn machen.

Nachdem sie am gestrigen Tag entschieden hatten eine Sommershow zu produzieren, hatten sie sich am heutigen Tag mit einigen aus ihrem Team zusammensetzt und Ideen, Konzepte und Pläne gesammelt und festgehalten.
Das bedeutete den ganzen Tag Brainstorming und es waren meistens die anstrengendsten Tage der Showvorbereitung.

„Glaube, da muss ich ausnahmsweise nicht traurig drüber sein, dass ich das nicht mehr weiß“, meinte Klaas und schloss kurz die Augen, als Joko mit seinen Fingern sanft über seine Kopfhaut fuhr.

„Mhm“, machte Joko. Er war viel zu abgelenkt davon, Klaas anzustarren und seinen Herzschlag zu kontrollieren, weil Klaas alles andere als abgeneigt von seinen Berührungen wirkte. Er schien es zu genießen und auf einen solchen Moment wartete Joko seitdem Klaas aufgewacht war. Darauf, dass er diese Nähe nicht nur zuließ, sondern sie genoss.

Unweigerlich flammte neue Hoffnung in dem Blonden auf. Vielleicht musste er nicht darauf warten, dass Klaas sich erinnerte. Vielleicht würden sie sich auch so mit ein bisschen Geduld wieder näherkommen.

„Mark hat mich die Tage angerufen“, sagte Klaas nun und öffnete die Augen wieder, um Joko anzusehen.

Joko nickte leicht, als Zeichen, dass er Klaas zuhörte, doch unterbrach seine Bewegungen durch seine Haare und über seine Kopfhaut nicht.

„Er sagte, dass er mir unsere Songs neu beibringen würde und… dass er sich freuen würde, wenn wir neue aufnehmen könnten“, erzählte Klaas und hatte ein solches Funkeln in den Augen, dass Joko ganz warm ums Herz wurde.

Klaas hatte Mark schon Jahre vor ihm kennengelernt. Dementsprechend konnte er sich an ihn erinnern. Zwar nicht an die Band und die jahrelange Freundschaft, die sie verband, doch er kannte Mark, mochte ihn und fühlte sich wohl bei ihm.
Außerdem liebte Klaas es, Musik zu machen. Joko war glücklich, dass er diesem Hobby wieder nachgehen konnte.

„Ich liebe es, dich singen zu hören. Würde mich freuen, wenn ihr neue Lieder aufnehmt“, erwiderte Joko und musste ganz automatisch lächeln, als sich auch auf Klaas‘ Gesicht ein breites Grinsen bildete.

„Du wärst der Erste, der sie hören würde“, sagte Klaas und Joko stockte.

Still musterte er seine Gesichtszüge, beobachtete, wie Klaas verwirrt die Augenbrauen zusammenzog, weil Joko wohl nicht die Reaktion zeigte, die er wohl erwartete hatte.
„War das falsch? Hätte ich das nicht sagen sollen?“

„Nein! Nein, nein“, meinte Joko, schüttelte schnell mit dem Kopf und legte vorsichtig seine Hand an Klaas‘ Wange. Strich unendlich vorsichtig mit seinem Daumen über die Haut neben seinem Auge. „Es ist nur… ich war immer… wir haben immer im Auto gesessen und ich war der Erste, der die Platte hören durfte und du wolltest immer meine Meinung dazu hören. Ich… das hat mir immer so viel bedeutet.“

Klaas nickte und legte nun seine Hand über Jokos. Im ersten Moment dachte er, dass Klaas sie von seinem Gesicht ziehen würde, doch er drückte sie nur und ließ ihre Hände da, wo sie waren.

„Manche Dinge ändern sich wohl nie“, flüsterte er und durch Joko zog sich ein Kribbeln, das er in dieser Art und Weise noch nie erlebt hatte. Es war eine Mischung aus Hoffnung, Zuversicht und Liebe.

Vielleicht war es ja so. Klaas war ja immer noch Klaas. Auch, wenn ihm das Wissen über Insider und gemeinsame Erlebnisse fehlte, war er immer noch der Mann, mit dem er die letzten fast 15 Jahre verbracht hatte.

Und egal, was noch passieren würde, er schwor sich, dass er das niemals vergessen würde. Erinnerungen hin oder her, im Grunde war Klaas einfach nur Klaas.

„Du hast Recht“, murmelte er und schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Was sagst du dazu, wir bestellen uns was und dann gucken wir noch nen Film?“ meinte Klaas und grinste Joko so fröhlich an, dass er gar nicht anders konnte, als zuzustimmen.



.



Schnaufend wischte Joko sich die Lachtränen aus den Augen, während er Jakob beobachtete, wie er sich theatralisch den Bauch hielt und sich selbst kaum beruhigen konnte.

„Ich würde gerne nochmal zu so nem Formel 1 Rennen. Das war jedes Mal die beste Zeit meines Lebens“, stieß Jakob aus und atmete einmal tief durch.

Joko schnappte nach Luft, füllte seine Lungen so endlich wieder mit genügend Sauerstoff und lehnte sich breit grinsend in seinem Schreibtischstuhl zurück.

Wie sehr hatte er es vermisst mit seinen Freunden zu lachen und Spaß zu haben. Er wusste selbst, dass er in den vergangenen Monaten ein wirklich schwieriger Umgang gewesen war, doch umso dankbarer war er, dass keiner ihn aufgegeben hatte.

Seit diesem Abendessen vor zwei Wochen lief es besser. Klaas ließ sich immer mehr auf Joko und dieses Leben mit ihm ein. Initiierte selbst Ausflüge und Aktivitäten, machte Witze und fragte ihn aktiv nach Details aus ihrer Beziehung.

Joko genoss jede Sekunde mit ihm. Vor zwei Tagen war Klaas sogar in Jokos Armen während irgendeiner Politik Talkshow auf der Couch eingeschlafen und Joko hatte ihn die halbe Nacht nur dümmlich verliebt anstarren können.

So war Joko nun den gestrigen und auch den heutigen Tag unfassbar gut gelaunt gewesen und dementsprechend albern verlief auch seine Mittagspause mit Jakob, in der sie sich an dumme, hauptsächlich betrunkene Storys aus ihrer Vergangenheit erinnerten.

„Bin ich sofort dabei“, grinste Joko also, beobachtete Jakob, der gerade noch etwas erwidern wollte, als es an Jokos Tür klopfte und Klaas in den Raum schlüpfte.

Leicht lächelnd sah er zwischen Joko und Jakob hin und her. „Hi. Stör ich?“

„Ne quatsch. Soll ich euch alleine lassen?“ fragte Jakob sofort.

Klaas ging auf die beiden Männer zu und blieb kurz vor Jokos Schreibtisch stehen. Er schob die Hände in die Hosentaschen und schüttelte den Kopf.
„Nein, nein. Ich wollte nur… also. Joko, wann machst du Feierabend?“

Joko legte den Kopf schief, betrachtete den Brünetten, der seltsam nervös wirkte. „Denke, so um 18 Uhr. Muss gleich noch ein paar Telefonate führen und hab noch ein Videocall wegen der neuen Drei Freunde Produktion.“

Klaas grinste kurz, nickte dann verstehend, sah kurz zu Jakob, dann wieder zu ihm und trat von einem Bein auf das andere.
„Ich ähm, mach dir keine Sorgen, es ist nichts Schlimmes. Etwas Gutes sogar, also… Ich mache gleich schon Feierabend und… schreibst du mir, bevor du nach Hause kommst? Bevor du losfährst?“

Alles in Joko wollte Klaas fragen, warum er so nervös war und warum er schon Feierabend machte und was das alles sollte. Doch er vertraute Klaas, tat es noch immer und daher nickte er nur.
„Mache ich.“

Der Kleinere lächelte zufrieden. „Super, dann… bis später“, sagte er und stahl sich mit einem letzten Blick auf den Blonden aus dem Raum.
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